Montag, 31. Juli 2017

Mademoiselle

Herzlich willkommen auf den Sei­ten des ersten deut­schen Web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­metscherin über ihre Einsätze in Ber­lin, Paris, Cannes und anderswo.
 
Heute ist ein weiteres "Fräulein" des französischen Filmschaffens von uns ge­gan­gen, Mademoiselle Jeanne Moreau, auf das "Mademoiselle" wurden wir Dol­met­scher seinerzeit vom Protokoll der Berlinale hingewiesen. Merci beaucoup, JM !

Ich bin traurig. Wiederholt durfte ich für sie dolmetschen. Unsere erste Begegnung war für uns beide allerdings stressig. Hier: "Ins Off gesprochen". Und es folgt ein zweiter Link, Gedanken über die Verwendung des Wörtchens "Fräulein".



______________________________  
Filmausschnitt: Jules et Jim, François Truffaut

Sonntag, 30. Juli 2017

Meow

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Der Sonntag ist meistens privat: Sonn­tags­fo­to!

Der Fotoapparat als Sehhilfe. Und der Sonntag als Tag des Ausspannens und Tref­fens mit Freunden. Gute Brötchen, Wildkräuterpesto, Käse, Obst, so gehen auch Urlaubstage los. Dann Kunstbetrachtungen am Computer. Die Katze sonnt derweil ihr Fell. Unten das einzige Foto, in dem sie nicht wie eine sandfarbene Wiese vor dem Blumenkasten liegt.

Auf dem "sozialen" Netzwerk Facebook gelten Katzenbilder als der Renner für Klicks, als Mittel, um andere zu besänftigen (Spiegelneuronen) und überhaupt: Katzen, die Erfinder des Internets ist die schönste aller Urbanen Legenden, die ich kenne.

Vokabelnotiz
meow — Miau auf EN
miaou — Miau auf FR

Fensterkatze vor Blumenkasten, Baumgrün und Häuserwänden
Berliner Hinterhofidyll
______________________________  
Foto: C.E., Bonjour à C.L. und D.B.

Freitag, 28. Juli 2017

Scharmützel

Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Morgendliches Zeitunglesen mit den Fingern auf der Tastatur.

Wäre ich Spracharbeiterin mit dem Schwerpunkt Englisch geworden und im Bereich aktuelle Politik gelandet, ich würde mir jetzt ein anderes Arbeitsfeld suchen. Sprach­unterricht ist ja eine schöne Sache. Oder das Übersetzen von Büchern.

Amerikanisches Englisch ist das Stichwort. Auch der neue Pressesprecher des Wei­ßen Hauses, Anthony Scaramucci, unterläuft zuverlässig die Standards. Das ken­nen wir von dieser Regierung schon. Aber wie las­sen sich solche Aussagen halb­wegs an­stän­dig übertragen, ohne selbst in den Ver­dacht der Obs­zö­ni­tät zu gelangen? Gar nicht. Denn so manches ist derzeit in der Politik unglaublich. In einem Interview mit dem New Yorker sagte dieser: I’m not Steve Bannon, I’m not trying to suck my own cock.

Nomen est omen. Der Name Scaramuccio stammt aus dem italienischen Volks­the­ater Commedia dell'Arte und geht auf das Wort scaramuccia zurück, "Schar­müt­zel". Hier sind verbale Scharmützel gemeint, Wortgefechte, er sich mit den an­de­ren Fi­gu­ren liefert. Ebenso wird der Name auf den Fakt zurück­geführt, dass Sca­ra­muc­cio am Ende der Stücke regelmäßig vom Harlekin verdroschen wird.

Scaramuccio
Scaramuccio
Vielleicht sucht der/die Übersetzerin mittels einer Suchmaschine nach einer halbwegs taug­li­chen Übertragung. Wobei wir Sprach­ar­beiter ohnehin nicht "klassifiziert" werden können durch unsere ständigen komischen Wort­suchen. Vor einigen Wochen hatte ich Doku­mente einer Straf­sache auf meinem Tisch. Was ich da an Be­grif­fen nachschlagen durfte, war auch höchst abenteuerlich. Aber eben Rot­licht­mi­lieu.

Was die Suchmaschinenbetreiber wohl von un­ser­ei­nem denken? Kurz darauf lag ein Arztbrief auf meinem  Tisch, dann Auszüge aus ei­nem Scheidungsurteil. Ich bin froh über mei­nen Ad-Blocker und tant pis, sei's drum, dass ich damit nicht frei surfen kann. Werbung nervt ohnehin.

Vor allem bekomme ich nicht automatisch irgendwelche "meinen In­te­res­sen" ent­spre­chen­de Werbung an­gezeigt.

"Stil ist alles", sagte James Joyce einst. Der Glückliche, er kannte die modernen Algo­rithmen noch nicht.

______________________________  
Illustration: Maurice Sand, Masques et bouffons
(
Wikicommons)

Kurzeinsätze

Ob geplant oder zufällig: Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, München und dort, wo man mich braucht.

Neulich wollte ein Kunde, dass ich für ihn 30 Minuten arbeite: Das Thema sei all­ge­meine Politik, der Redner könne aber zu vertieften State­ments kommen. (Es hat sich um einen Minister gehandelt.)

Ich so: "Derart kurze Ein­sätze mache ich grund­sätzlich kosten­los. Das Einzige, was Sie bezahlen müssen, ist die Vorbe­reitung. Sie haben die Wahl: ei­nen halben Tag, ei­nen ganzen oder anderthalb Tage."

Die Sache ging gut aus. Alle waren am Ende happy.

Das Argument einer Kollegin geht so: "Es ist nicht wichtig, wie viele Reden wir an einem Tag verdol­metschen, daher rechnen wir auch nicht pro Rede ab. Das ist wie bei der Feuerwehr: Sie wird ja nicht pro gelösch­tem Raum bezahlt, sondern für ihre Bereitschaft."

Marketing nicht für Maulfaule nenne ich das.

Schild: Dolmetscher filmen verboten
Don't shoot the interpreter





______________________________  
Foto/Illustration: C.E.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Brötchentest

Hier bloggt eine Übers­et­zerin und Dol­met­sche­rin. Fran­zö­sisch und Englisch sind meine Arbeitssprachen. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Me­dien und Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt In­nen­ar­chi­tek­tur.

Lektorats|nicht|kundin hat einen Zwitter als Text, eine Kreuzung aus Festschrift und Hochzeitszeitung. Sie braucht jemanden zum Gegenlesen. Sie bietet zwei Euro pro Seite an. (Das überrascht mich ein wenig. Ich gehe nicht in den Laden und lege eigenmächtig die Preise für die Waren fest.)

Den Text bekomme ich vorher erstmal nicht zu sehen. Ich muss Argumente finden, um Einsicht zu erhalten. Die Vorlage ist leider so kaum verwendbar. Die Texte müss­en erst um­ge­schrie­ben, dann lektoriert werden. Ich verdeutliche es an einem Beispiel. Die Dame hört nicht zu. Ich lehne den Auftrag ab und würde ihn auch ab­­leh­­nen, wenn mei­ne Brille schon fertig wäre. Die potentielle Kundin ist sauer. Ich ver­su­che nochmal ruhig, den Aufwand zu klären. Sie weiß aber sicher, dass der Aufwand nicht so groß ist. Ich versuche es mit einem Bild.

Achtung! Rangierbetrieb! Gleise freihalten! Absolutes Parkverbot!
Gesehen in Tempelhof
Was wählen Sie für Ihren Frühstückshunger? Da gibt es das Aufbackbrötchen vom Dis­coun­ter mit allen möglichen chemischen Sub­stanzen drin, das nach einigen Stun­den schon schmeckt wie eine Kreu­zung aus Schwamm und Pappe, und dann gibt es da das echte Bäcker­brötchen, Handwerk aus echtem Teig mit Vorteig, für das ab drei Uhr morgens jemand in der Back­stube stand und das auch nach einem Tag noch sehr gut genossen werden kann.

Ich hab's kürzer gesagt, als jetzt hier wiedergegeben. Die Dame hat leider nicht zugehört. Schade. Jeder Beruf hat seine Gesetze und Respekt ist ein hohes Gut. Das ist nicht meine Kundin. Weiter im Text. Es gibt genug zu tun.

______________________________
Fotos: C.E.

Montag, 24. Juli 2017

Hilfsmittel

Hier bloggt eine Dol­met­sche­rin. Ich arbeite ins Fran­zö­si­sche und Deut­sche. Aus­gangs­spra­chen sind DE, FR und EN. Da­ne­ben über­setze ich auch (mit Deutsch als Ziel­sprache).

Kaputtes Glas
"Hochbrechendes Glas" 2.0
Dolmetscherinnen können arbeiten, auch wenn sie nur wenig sehen. Aber die Ar­beit als Übersetzerin ist ohne gutes Augenlicht oder korrigierte Werte nicht mög­lich. Mei­ne Brille hat mich (vorübergehend) ver­las­sen. Ersatzbeschaffung, Reparatur (Lie­fer­zeit: zwei Wochen) und das Jonglieren mit Zweit­seh­­hil­fen, verschärft durch eine Bin­de­haut­ent­zün­dung, das sind Sommer­ereig­nisse in Kaskade, wie ich sie gerne aus­ge­las­sen hätte. Denn die Kontakt­linsen fielen durch die Ent­zün­dung zu­nächst als Ersatz aus.

Ohne Hilfsmittel sehe ich exakt acht Zen­ti­me­ter weit scharf. Das entspricht Wer­ten im knapp zwei­stel­li­gen Mi­nus­be­reich.

Die schlechten Augen sind erblich. Das bedeutet zugleich Glück im Unglück: Nach Auf­bringung von etwas Geduld habe ich nach einer Reise jetzt gebrauchte Er­satz­glä­ser |in der Hand| auf der Nase, die mich we­nigs­tens für einige Stunden am Tag die wichtigsten Dinge des Tages selbst­stän­dig er­le­di­gen lassen, denn sie kommen meinen schlechten Werten einigermaßen nahe. Anstrengender ist der Alltag trotz­dem noch. Und der Rechner zu­hau­se hat eine Diktier­funktion. Damit muss ich "nur" Korrekturlesen.

Was gibt's Neues in der Branche? Die Berliner Schüler haben Sommerferien, viele Menschen sind verreist. Nur wenige Dol­met­sche­rin­nen sind in der Hauptstadt ge­blie­ben und kümmern sich um Notfälle. Ich hoffe nach dem eigenen Stress auf ruhige Tage.

ZDF enterprises sucht Werk­stu­denten für die (ich nehme stark an überwiegend ein­spra­chige) "Untertitelung von Spiel- und Dokumentarfilmen, Shows und Serien so­wie Social-Media-Clips", das "Kürzen und Redigieren von Texten für die Un­ter­ti­te­lung für deutsche, österreichische und inter­nationale Kunden", dem "ge­wis­­sen­haf­te Re­cherche von Fakten und Schreibweisen vorausgehen" sollte (Ausschreibungstext in Anführungszeichen).

Früher war Untertitler ein Beruf für zumeist fertigstudierte Menschen, die mit ih­rem Einkommen Kinder ernähren, ein Haus bauen und Geld fürs Alter zu­rück­le­gen konnten. Heute werden von den Sendern Studenten angesprochen, andere, die in der Futter­kette weiter unten stehen, greifen auf Hausfrauen und Schüler zurück.

Darum sind die Titel oft so, wie sie sind. Professionelle Arbeit setzt Wissen, Bil­dung und Erfahrung sowie Lektoren voraus. Ausnahmen, wo der Nach­wuchs früh­voll­en­det groß­ar­tig ar­bei­tet, sind Glücks­fälle, aber eben nicht die Re­gel.

Drei Köpfe, sechs Brillengläser ...
Modell "Heinz Ehrhardt" (links), Modell "Heiner Müller" (rechts)
Ich finde barrierefreie Me­dien wirklich großartig und wünschte mir, dass die Ar­beit daran auch an­ge­mes­sen bezahlt wird. Mögen die Ver­ant­wort­li­chen bitte mal ganz genau hinsehen!
Mit oder ohne visuelle Hilfs­mit­tel.

Und mit meinen schlechten Augen habe ich die Hörfassungen mancher Filme zu schätzen gelernt.

______________________________  
Fotos: C.E.

Sonntag, 23. Juli 2017

Blütenträume

Ob geplant oder zufällig, Sie lesen auf den Blogseiten einer Spracharbeiten. Was Dolmetscher für Französisch, Deutsch und Englisch (bei mir nur Ausgangssprache) so machen, können Sie hier verfolgen. Sonntags werde ich privat. Zeit fürs Sonn­tags­fo­to.

Wenn die Fernsicht nicht gegeben ist (und auch die Altersweitsicht auf sich warten lässt), kann die Nahsicht besonders schön sein. Oder: Als mir mal ganz blümerant wurde. (Fortsetzung folgt.)




______________________________  
Foto: C.E.

Samstag, 22. Juli 2017

taz-Interview

Bonjour de Berlin, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Samstags ste­hen hier (wenn ich dazu komme) meine Lieb-Links der Woche.

Neulich habe ich einer Nachwuchs­kraft der taz einige Fragen beantwortet. Das kurze In­terview steht in voller Länge hier: klick!

Fotoausschnitt der Holzausgabe der Zeitung
Und wieder passierte, was passieren musste. Wir Menschen mit komplizierten Be­ru­fen erklären nämlich immer der Presse alles en détail, und am Ende setzt je­mand von der Schlussredaktion eine neue Überschrift oder tauscht irgendwo zwei Wör­ter aus. Nein, liebe taz-Schlussredaktion, der Begriff "Übersetzer" ist kein Sy­no­nym für das Wort "Dolmetscher" (auch wenn ich persönlich beide Felder ab­decke). Ich verweise auf meine Logline: siehe oben. So kompliziert ist das ei­gent­lich gar nicht.

Danke, Martha Rusche, für die schönen Fragen! Et bonne continuation ! Alles Gute auf dem weiteren Bildungsweg!

______________________________
Illustrationsvorlage: taz

Freitag, 14. Juli 2017

Auf dem Schreibtisch XXXXIII

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, Potsdam und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Noch ist bei mir kein echtes Sommerfeeling ausgebrochen, was auch am nass­küh­len Berliner Wetter liegt, das übrigens ein Grund mehr dafür ist, Auswärtstermine an­zu­neh­men. Ich bin gut wieder in Berlin gelandet. Was steht an?

Vor einem zugehängten Schaufenster sitzt eine junge Frau an einem Tisch auf der Straße
Sommerbüro (gesehen in Neukölln)
⊗ Die Rolle der Maschine im französischen Roman
⊗ Solarenergie im Maghreb (Nach­be­rei­tung)
⊗ Filmfi­nan­zie­rungs­ge­setz (Nachlese)
⊗ Startups in Berlin (Nachlese)
⊗ Burkina Faso (Überset­zungs­kor­rek­to­rat)
⊗ Naturnahe Tierzucht (Schwein)
|Drehbuchübersetzung|

Das Drehbuch ist aus technischen Gründen vertagt. Die Vokabellisten warten in der Ablage. Parallel dazu: Ein großer Buchhaltungsnachtrag und Terminpla­nung bis zum ersten Halb­­jahr 2018. Es sind schon Buchungen für den Frühsommer '18 da.

Ich freue mich jetzt erstmal auf Sommer 2017 und meinen Ur­laub, den ich mit Be­­suchs­gäs­ten in Berlin verbringen werde. Wer be­ruflich viel reist, genießt das Zu­hau­se­blei­ben.

______________________________  
Foto: C.E. (Archiv)

Donnerstag, 13. Juli 2017

Mehr Platz!

Über das Leben in Dolmetscherkabinen berichte ich hier seit 2007. Ne­ben­schau­platz ist der Schreibtisch, auch wenn wir hier mehr Zeit zubringen als in der Box selbst, aber eben ohne Zuschauer. Neben dem Dolmetschen übersetzen viele Kol­le­gin­nen und Kol­legen. Auch das ist ebenso Gegenstand dieses Blogs wie sprach­li­che oder kul­tu­rel­le Besonderheiten "meiner" Länder.

Köpfe in der Kabine
Katja Riemann in einem Film von 2011
Über die Arbeit von Dol­met­schern be­rich­ten Me­dien und Kunst  selten. Wenn doch, oft mit groben Fehlern. In Xavier Marias' "Mein Herz so weiß" machen Dolmetscher ab­sicht­lich Fehler. Sowas gibt es nicht. Andere Autoren sind bemüht, in­kon­se­quent bis entstellend, siehe die Kritik "Dolmetscher im Film".

Vor lauter Monitoren kaum noch Tisch übrig
Später auf dem Monitor: Die Vorderseiten der Redner
Ein anderes Thema ist der Mediengebrauch von Dol­met­schern. Wir arbeiten oft rechner­gestützt und finden immer öfter Monitore in der Kabine vor. Pro­gram­me, Prä­sen­ta­tio­nen sowie unsere ei­ge­nen Vokabellisten führen un­wei­ger­lich zu Sta­pel­bil­dung auf den ohnehin schon klei­nen Tischchen. Viel Auf­wand da­für, dass wir mit Wör­tern jong­lie­ren können.

Auf weitere Jonglage hat kaum eine(r) Lust. Leistungsstarke Geräte sind allerdings nicht wegzudenken. Konferenzen nutzen gerne Videos, manche Vortragende liefern ihre Prä­sen­ta­tio­nen in letzter Minute ab, wechseln aus Anschauungsgründen plötz­lich das Thema. (Eben ging es noch um die Übersetzbarkeit von Lyrik, auf ein­mal taucht das Wort "Ehe­gat­ten­split­ting" auf.)

Gedrängel in der Kabine
Nicht selten verkürzen wir die Mit­tags­pau­se, weil wieder eine Rednerin/ein Redner sich nicht an die zu lasch kommunizierten Abgabetermine gehalten hat. Ohne Rech­ner und Technik wäre das undenkbar. Äl­te­re Dolmetschpulte stehen in der Mitte, das Mikro ist am Kopfhörer; neuere Ge­rä­te gibt's in zweifacher Ausführung mit ei­ge­nem Mi­kro­fon. Das ist praktisch, kostet aber weiter Platz. Ein Wasserglas muss ja auch noch irgendwo hin.

Das Tagungsprogramm kleben wir uns ger­ne auf die Innenseite der Scheibe. Sonst gibt es wenig Ausbaufläche. Die logische Konsequenz lautet: Die Tech­nik muss kleiner werden.

Mehr Platz durch Mini-Rechner
Sieht schon besser aus
Da ich die Hersteller von Pulten leider nicht be­ein­flus­sen kann, probiere ich es mal mit meinem Rechner. Die Firma mit dem angebissenen Obst als Logo stellt leider keinen Minirechner her, son­dern bietet zu einem zu groß aus­ge­fal­le­nen Taschentelefon mit aus­ge­wach­se­ner Tas­ta­tur an. So einen IPad habe ich gerade im Testversuch. In der Kabine überzeugt er mich, auch wenn einiges enorm stört: Ich weiß noch nicht, wie ich Dokumente in Dossiers ab­spei­chern kann, auch kann ich sie nicht nach Down­load­da­tum sortieren, sondern muss sie aufwändig umbenennen und mit einer Kennziffer beginnen lassen, damit sie übersichtlich werden.
Und "intuitiv" ist hier rein gar nichts.

Ich verwende schon mein ganzes Konferenzdolmetscherinnenleben Geräte dieser Marke und habe den Eindruck, wieder von vorne anzufangen.

Auch das Abspeichern und Weitersenden von Dateien scheint nur über die "Cloud" möglich (EDIT: Solange kein Mailkonto auf dem Rechner installiert ist. Ich ver­wen­de derzeit hier ein Webmailprogramm). Ich hoffe, dass es Zusatzapps gibt, um das Abspeichern im Netz zu um­ge­hen. DAS ist total ungeeignet für den Ka­bi­nen­be­trieb, in dem wir oft mit sen­si­blen Da­ten hantieren. Der Tech­nik­her­stel­ler be­kommt von mir in Sachen Da­ten­si­cher­heit und Übertragbarkeit bestehender Kennt­nis­se eine glatte Sechs. Und für Ge­rä­te mit einem "Fair Trade"-Siegel und modernisierbaren Komponenten würde ich gerne Prozentsätze im unteren zwei­stel­li­gen Bereich mehr zahlen.

Aber das sind schon zwei andere Themen.

______________________________  
Fotos: C.E.

Freitag, 7. Juli 2017

POV: Relais

Bonjour, hello und guten Tag! Wie Dolmetscherinnen arbeiten, können Sie hier mitlesen. Ich dolmetsche bilateral Deutsch-Französisch und aus dem Englischen. Heute: POV, point of view, der subjektive Blick plus schneller Erklärung, Tech­nik­mix bei einer Arbeitssitzung.

Menschen im Gespräch, im Hintergrund Dolmetschkabinen
Im Bildhintergrund seitlich die Kabinen
Relais, englisch Relay, heißt in meiner Branche, dass ich mir den Ton von Kollegen schnappe zum Arbeiten. Ein Beispiel aus dem Ge­werk­schafts­kon­text: Eine Ar­beits­grup­pe nutzt die in­stal­lier­ten Kabinen für Spanisch und Eng­lisch­; wir hingegen, das Duo für Französisch, haben auf der Bühne hinter den Red­ne­rin­nen und Rednern Platz ge­nom­men.
Technik auf Notizpapier
Empfangs- und Sendegerät nebeneinander

Alles, was gesagt wird, flüs­tern wir ins Mikro. Unsere Kundin bekommt die Worte simultan auf den Kopfhörer gesendet. Wenn sie das Wort ergreift, dol­met­schen wir kon­se­ku­tiv, also in Pausen hin­ein, die sie uns dan­kens­wer­terweise einräumt.

Dazu nutzen wir die so­ge­nann­te No­ti­zen­tech­nik als Ge­dächt­nis­stüt­ze.

Spricht jemand auf der Bühne oder im Publikum Spanisch oder unverständliches Englisch, haben wir selbst Kopfhörer auf, jene, die zu den Kabinen im Bild­hin­ter­grund gehören, und nutzen das Elaborat der Kolleginnen und Kollegen als Aus­gangs­spra­che.

Hier müssen alle sehr akkurat arbeiten, damit kein Stille Post-Effekt entsteht.

______________________________  
Fotos: C.E.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Vintage und so

Bonjour und hallo! Hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich übersetze und dol­met­sche (Französisch und aus dem Englischen). Wie wohnen wir, wie leben wir? Ich schaue mich in Neukölln um und der Berliner Avantgarde auf die Schnauze.

Heute treib' ich's bunt
Vintage heißt das neue Mo­de­wort, der gebrauchte Schick alter Zeiten, der aber der Moder­ne entspingt. Er ist von Shabby Shic zu un­ter­schei­den. Vintage ist die Arm­band­uhr, Shabby Chic mein Kü­chen­buf­fet, das noch seinen Originalanstrich aus den 1950-er Jahren aufweist (weiß) und das mit aus­la­den­den Formen eines Stream­li­ners über­zeugt. (Das ist aber nur so, weil ich mich für keine Farbe ent­schei­den kann und im Haus immer an­de­re Sachen drin­gen­der zu ändern sind.)

Neulich hab ich die Farbauswahl sogar geträumt. Die Malerarbeiten müssen jetzt auf das Ende der verlängerten Dolmetschsaison warten.

Eine schicke Küche gehört bei vielen Menschen durchaus zu den Dis­tink­tions­merk­ma­len. In den Wohnungen, die ich mit meinen Privatkunden besichtige, hier geht es um Re­lo­ca­tion oder Erstbezug in Berlin im Fall von Geflüchteten, fallen die ab­ge­rock­ten Kaufhausküchen negativ auf, für die eine nicht erklärbar hohe Ab­lö­se­sum­me zu zahlen ist.

Bei mir muss die Küche vor allem meinen Gewohnheiten entsprechen, gemütlich und einfach zugleich sein. Die neue avantgardistische, wertkonservative ge­sell­schaft­li­che Mit­te der Postmaterialisten erkennt einander eher an Selbstbauküchen oder an Armbanduhren vom Flohmarkt für sieben Euro, die für sieben Euro fuffzig einen neuen Verschluss bekommen, damit das elend lange Ge­nes­te­le mor­gens am unpassenden Karabiner ein Ende hat, als an der 2000- oder 200.000-Euro-Uhr, an der sich jene erkennen, die das offenbar schwer nötig haben. Ein solch' teures Stück würde schon deshalb nicht zu meinen Gewohnheiten passen, da ich Protz hasse. Ich bin achtsam, aber nicht panisch — und schnell muss es gehen mit den nicht so wichtigen Sachen. Mehr Zeit fürs Wesentliche! Und eine Uhr für das Dolmetschen der Veranstaltungen, bei denen Handy und Laptop verboten sind, muss Low tech sein.

Früher hießen Vintageobjekte einfach "Flohmarktsachen" oder "Trödel". In Berlin wurde Vintage Mode, weil immer mehr Menschen ihre Bedürfnisse aus öko­no­mi­schen, ökologischen oder praktischen Gründen auf Parallelmärkten decken. Ich habe seit 20 Jahren meine Wohnung in Neukölln (wenn ich nicht in Frankreich bin); der hier oft aufzufindende Chic leitet sich direkt vom Dictum des frü­he­ren Bür­ger­meis­ters Wowereit ab: "Arm, aber sexy". Und nein, das ist nicht mein "State­ment am Handgelenk", um Werbedeutsch zu zitieren. Ökonomisch betrachtet: die Rest­nut­zungs­dau­er­ver­län­ge­rung schla­fen­den Kapitals. Meine Eltern sind stolz auf mich.

Wahrscheinlich in der DDR hergestellt, dann im westlichen Versandkatalog angeboten
______________________________  
Foto/Collage: C.E.

Dienstag, 4. Juli 2017

Kundenpost

Herzlich willkommen auf den Sei­ten des ersten deut­schen Web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­metscherin über ihre Einsätze in Ber­lin, Paris, Cannes und anderswo. Heute: Post!

Ein Ohr schirmt Umgebungsgeräusche ab
Typische Handbewegung
Gerade ist es hier auf den Blog­seit­en mal wieder etwas ruhiger. Mal schauen, was sich nachtragen lässt, was über­haupt sinnvoll ist.

Denn es gibt durchaus die Mög­lich­keit, als Sprach­ar­bei­te­rin in Zeitnot zu geraten. In den letzten Wochen und Mo­na­ten habe ich wie immer meine Angebote geschrie­ben ... aber anstatt dass wie üb­lich un­ge­fähr die Hälfte klappt, habe ich diesen Früh­ling nur Zusagen ge­ern­tet! Was mich natürlich freut.

So darf ich mal ein Managerleben testen. Das mit Spracharbeit nicht wirklich kom­bi­nier­bar ist. Naja, kurzfristig schon.

Sehr gefreut hat mich gerade die Mail einer Kundin: ... ich möchte mich ganz herz­lich für Ihren tollen Dol­metsch­er­ein­satz zum Thema ... bedanken. Leider konnte ich nicht per­sön­lich dabei sein, aber ... [die Teilnehmer haben] mir berichtet, dass die Zu­sam­men­ar­beit ausgesprochen nett und unkompliziert war und Sie eine her­vor­ra­gen­de Dol­met­sche­rin sind. Auch für die spontane Bereitschaft, den Be­such der Mo­schee zu be­glei­ten, danke ich Ihnen. Ich hoffe, dass es auch für Sie eine in­te­res­san­te Arbeit war und ich auch in Zukunft wieder auf Sie zukommen darf.

Thank you! It was a pleasure!

______________________________
Foto: C. Heyken

Sonntag, 2. Juli 2017

Die Wochenlage

Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Französisch und Englisch sind meine Arbeitssprachen. Wohin steuert die Welt? Mir ist nicht nach einem Wort zum Sonntag zumute.

Nasse Blätter
Es war sehr feucht in Berlin
Als ich Hinter­grund­material für die nächste Kon­ferenz lese, muss abends um sechs damit auf­hö­ren, damit ich nachts schlafen kann.

Jean Zieglers Satz, dass die reichen Länder die Kinder der ärms­ten Länder töten, ist zwar hart, aber leider richtig. Er fordert im tagesschau.de-Interview: "Schafft die G20-Treffen ab!"

Die zentralen Probleme lassen sich auch per Textvorlagen und Unterschriften klä­ren, denn sie müssten unter Einsatz gesunden Menschenverstands unstrittig sein. Dringend beendet gehört der Börsenhandel mit und das Wetten auf die Preise von Lebensmitteln, zumal und besonders in Zeiten, in denen ganze Landstriche im­mer heißer und trockener werden. Auch andere Lebensgrundlagen dürfen nicht in pri­va­te Hand, und der Wohnungssektor braucht einen starken öffentlichen, ge­mein­nüt­zi­gen Counterpart. Solche Entscheidungen könnten, wenn sie erst gefällt sind, im Umlaufverfahren unterzeichnet werden.

Unsere Repräsentanten, also Menschen, die wir zur Führung der Amtsgeschäfte frei­ge­stellt haben, haben Angst vor uns und vor dem abstrakt (und manch­mal lei­der sehr konkret) Bösen. Daher mauert man sich hochgerüstet ein. "Wie Hamburg zur Rüstungsmesse wird" schreibt prompt das Manager Magazin. Jetzt hab' ich's ka­piert. Das Event ist eine Roadshow für die Waffen- und High-Tech-Schmie­den! Die Kosten des ganzen Spektakels sollen, Hamburger Quellen zufolge, bei um die 200 Mio. Euro liegen. Vergleich: Die Elbphilharmonie war für 800 Millionen Euro zu haben.

Das Geld wäre anderswo besser investiert. Ich plädiere europaweit für Mu­sik­schu­len mit großartigen Angeboten in allen Wohnvierteln, besonders in den Armen- und Mittelschichtquartieren, mit Einzel- und Gruppenunterrichten. Denn die einen kön­nen es sich nicht leisten und bei den anderen fällt das als erstes weg. DAS wäre sinnvoll! Denn Kinder und Jugendliche lernen hier, dass sie durch regelmäßiges, konzentriertes Arbeiten weiterkommen, sie lernen aber auch, sich zu vergleichen und Ansporn durch die Besten aufzugreifen, sie lernen Frustrationstoleranz und Selbstregulierung, Verantwortung und im Zusammenspiel das Eingehen auf andere ... und das brauchen alle.

Das brauchen jene Deklassierten, die großspurig tun um ihr Nichtwissen zu kom­pen­sie­ren, die das Gefühl haben, chancen- und wertlos zu sein, die aufgrund ihrer negativen Erfah­rungen der beste Nähr­boden für alle Formen von -ismen sind, die die perversen Rattenfänger für sie bereithalten. Das brauchen jene, denen die ei­ge­nen Übereltern jedes Problem aus dem Weg räumen, die über­behütet sind und grundlos verwöhnt, und zwar aus verdammt ähnlichen Gründen.

Ziegler fordert stattdessen, die UN zu stärken und Eilmaßnahme für die ärms­ten Staaten einzuleiten. Denn der Gedanke ist schon ein wenig absurd, dass genau jene Staaten, die für die zentralen Probleme der Natur, Gesell­schaften und Wirt­schaft verantwortlich sind, jetzt im gemein­samen Gespräch den Willen und die Wege für ihre Lösung finden sollen.

Rote Gummistiefel, blaue Jacke, gelb(-grüne) Fassade
Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue
Wobei die Analyse der Probleme und ihre Diskussionen ohnehin oft schon auf Wis­sen­schaft­ler- und Staatssekretärsebene zusammen mit den Be­trof­fe­nen statt­fin­den. Als Dolmetscherin weiß ich etwas davon. Warum habe ich nur so oft das Gefühl, in den Vorlagen der Re­prä­sen­tan­ten an der Spitze davon fast nichts wie­der­zu­fin­den?

Was war noch diese Woche? Griechenland wird von der Ex-"Troika" dazu genötigt, seine Wasser- und Gasversorgung zu pri­va­ti­sie­ren. Ich muss daran denken, dass die überwiegende Mehr­heit der Be­völ­ke­rung Europas dagegen ist, Institutionen der Daseinsfürsorge Ak­tio­nä­ren zu verkaufen.

(Paris und Berlin waren diesen Weg im Bereich Wasser schon gegangen und haben mit großen Verlusten für die Bürger rekommunalisiert.) Und ich denke daran, dass die Vertreter der "Troika" überwiegend nicht aus Wahlen hervorgegangen sind, also nicht de­mo­kra­tisch legitimiert sind.

Und waren es nicht Vorläufertreffen des G20, zum Beispiel das Treffen der Fin­anz­mi­nis­ter 1999, das (auch) zur Deregulierung der Finanzmärkte und zu den letzten Crashs geführt hat? Langsam schwant jedenfalls der Frau und dem Mann von der Straße, was es mit Zockerbörsen, Vergiftung unserer Lebensgrundlagen und Kli­ma­wan­del auf sich hat. Starkregen wie diese Woche in Berlin, wo die Menge eines Vierteljahrs binnen 24 Stunden runterkommt, kann niemand mehr übersehen.

Und nein, hier helfen keine Ideologien und politischen Lager, es ist das Gebot der Menschlichkeit, hier genau hinzusehen. Doch ein Wort zum Sonntag geworden.

______________________________
Fotos: C.E.

Sonntag, 25. Juni 2017

Babüs

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Sonntage sind manchmal Arbeitstage: Sonn­tags­fo­to!
 
Gerade komme ich vom "Nowköllner Flowmarkt" zurück, das war mein kleiner Aus­flug vor die Haustür an einem Arbeitssonntag.

Kette, Buch, Armbanduhr
Die Anker-Armbanduhr stammt wahrscheinlich aus der DDR
Ich weiß nicht, was die Briten (und andere Englisch-Mut­ter­sprachler) eigentlich davon hal­ten, dass wir Globish-Spre­che­rin­nen und Sprecher ihr schönes Idiom so oft ver­hun­zen. Oder ergänzen und ver­schlimm­bes­sern. Mail­in­halt von letzter Woche: "Bitte bringen Sie ­ei­ne Arm­band­uhr mit. Han­dies müssen am Ein­gang des Sit­zungsraums ab­ge­ge­ben wer­den."

OK, falsches englisches Wort, richtig ins englische Plural gesetzt. Seit der Recht­schreib­"reform" wird ja der Plural von Baby "auf Deutsch" so gebüldet: "Babys". Ein mir sehr lieber Mensch sagte mal, dass man das jetzt "Babüs" aus­spre­chen soll­te als Zeichen des Protests.

Ich hatte keine funktionierende Armbanduhr mehr. Dortselbst fand ich eine. Und noch eine Bernsteinkette. Und ein Pflanzengeschenk für einen Freund. Und das Buch "Berlin '77 — Das Jahr im Rückspiegel" aus der verschwunden Stadt West­ber­lin. Ihr dürft mich jetzt Konsumistin schimpfen.

Und weiter geht's mit dem Pauken. Nein, es geht nicht an den See, nicht mit dem Holzfahrrad meines Kissenlieferanten Cocomat ins Berliner Umland und auch nicht aufs wunderbare Galerienwochenende "48 Stunden Neukölln". Dieses Mal nicht. Die Tage der offenen Tür im Humboldtforum verpasse ich ebenso wie die Führung (auf Französisch) durchs Hansa-Viertel.

Soviel zum Thema "Freiberuflichkeit". Keine Klagen, nur eine Feststellung. Weiter mit "Ultra-modernité et fondamentalismes : un cercle vicieux ?" aus dem Collège des Bernardins. Ultra-Modernität und Fundamentalismen: ein Teufelskreis?" Und die nächsten Englischstunden folgen in acht Tagen.

______________________________
Foto: C.E.

Freitag, 23. Juni 2017

Papierstau im Kopf (alias Schreibtisch XXXXII)

Hallo, herzlich willkommen auf den Seiten des ersten Blogs Deutschlands aus dem Inneren der Dolmetscherkabine. Heute: Blick auf den Schreibtisch.

Berlin als Rückzugsraum für Bienen
Aus einer Mail an einen Film­pro­du­zenten: "An der Politik bin ich manchmal zu nah dran. Da geht es nicht immer erkennbar voran. Deshalb freue ich mich über jeden Filmjob: Kunst! Und erwäge manchmal, zum Schreiben zu­rück­zu­keh­ren (nicht nur von Kinderbüchern). Ich bin der­ma­ßen up to date … und täglich droht der Pa­pier­stau im Kopf."

Was liegt gerade auf dem Schreibtisch? Große Vielfalt: Ver­kehrs­lo­gis­tik in Europa, Deradikalisierung, urbanes Landwirtschaften, artengerechte Schwein­ezucht, Af­ri­ka­po­li­tik des G20, Burkina Faso; in weiter Ferne winkt ein Dreh­buch.

Ich lese mal ein wenig meine Presseclippings mit den Händen auf der Tastatur.

Coralie Schaub macht sich heute in Libération Sorgen um die Bienen. Auch der (an­ste­hende? wie weit sind die?) Deal mit Bayer und Monsanto treibt sie um. Den an­de­ren großen Riese der Branche, die Schweizer Syngenta, hat ChemChi­na gerade aufgekauft. Diese Konzentrationen sind keine guten Vorzeichen.

Einschub: Denn Firmen, die sich der „Verbesserung der Nahrungssicherheit“ ver­schrei­ben (Syngenta-Eigenwerbung), trachten immer mehr danach, die Märkte zu do­mi­nie­ren. Sie ignorieren aus Gewinnerzielungsabsichten die biologischen Grund­la­gen, die uns in der 5. Klasse beigebracht wurden: Pflanzen reagieren auf ihren Standort. Bodenbeschaffenheit, Licht, Wärme, Nachbarschaft, Dünger, Häufigkeit der Wässerung sind die wesentlichen Faktoren. Hybridsaatgut widerspricht grund­le­gend dem Ge­dan­ken, dass sich Pflanzen über Generationen an ihren Stand­ort an­pas­sen. Dabei sind wir Menschen selbst doch der Beweis für die Funktionsweise der Natur. Außerdem ignoriert diese Chemie zuverlässig so ziemlich alles andere, was zum Aufrechterhalten einer gesunden Umwelt und der Si­cher­stel­lung der Er­näh­rung der Menschheit wichtig ist: Pflanzen- und Artenvielfalt. Ende des Einschubs.

In Libération fordert die Journalistin, dass die Menschheit endlich auf die Wis­sen­schaft hören solle und Neonikotinoide genauso verbieten wie Glyphosat (die ak­ti­ve Substanz in Mosantos RoundUp). Die Behörde für europäische Nah­rungs­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) habe längst neue Verfahrensprozesse der Risikofolgenabschätzung eingebracht, die allerdings noch nicht in die Politik eingegangen seien. Am wich­tigs­ten sei es aber, sich von der industriellen Landwirtschaft wegzuentwickeln. Agroökologie werde von immer mehr Fachleuten, darunter auch der frühere Mi­nis­ter Stéphane Le Foll, als der einzige Ausweg aus dem Dilemma von Arten- und Bie­nen­ster­ben, Grundwasserverschmutzung, sterbenden Böden und Erosion gesehen.

In Frankreich habe sich dieser Tage die Umweltverschmutzung in Verbindung mit der ersten großen Hitzewelle des sommers als „tödlicher Cocktail für die Bienen“ erwiesen, so Henri Clément, Sprecher des französischen Bienenzüchterverbands Union nationale de l’apiculture française (Unaf). Der durchschnittliche Verlust der Bienenvölker liege derzeit bei 30 Prozent, es gebe in einigen Regionen Zahlen von 50 bis 80 Prozent. Das Phänomen Bienensterben dauere bereits einige Jahre an. Noch nie zuvor seien die Honig­"ern­ten" in Frankreich so ge­ring aus­ge­fal­len wie im vergangenen Jahr mit 9.000 Tonnen. Zum Vergleich: Frankreich war bis 1995 das wichtigste Bie­nen­land Europas und lag bei einer Jahersproduktion von 32 bis 33.000 Tonnen.

Der Klimawandel bringe nicht nur neue Feinde ins Land wie die Hornissenart Vespa velutina (frelon asiatique), sondern verkürze signifikant den Winter. Darauf spät einsetzende Frosttage bis Wochen (dieses Jahr bis April/Mai) gefährdeten dann die Bienen. Zunehmender Nordwind würde die Blumen austrocknen, die große Hitze die Blüten verbrennen, was schlimme Folgen zeitigte. Insgesamt sei seit 2003/04 die Phase der Blumenblüte stark verkürzt. Die anderen südlichen An­rai­ner­staaten des Mittelmeeres stünden vor den gleichen Problemen.

Soviel zum Thema aus der französischen Tageszeitung Libération. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) schlägt in eine ähnliche Kerbe. "Auf Feldern stirbt die Natur aus" titelt Teresa Dapp auf der SVZ.de-Seite am 20. Juni. Das Bundesamt be­ob­ach­te, dass ganze Biotope verschwinden und die Populationen der Insekten und Vögel ra­pi­de abnehmen würden, die industrielle Landwirtschaft mit ihren bis auf die letzte Ecke ausgereizten Monokulturen nähme ihnen Lebensraum und Futter. Nur ein Beispiel: Von den beobachteten 560 Wildbienenarten seien mehr als 40 Prozent gefährdet. Auch die EU-Förderungen stünden derzeit nicht für Di­ver­si­tät. Fazit: Eine Agrarwende müsse Tiere und Umwelt retten. Die Präsidentin des Bundesamts, Beate Jessel: "Statt weiter auf die ex­port­orien­tie­rte Land­wirt­schaft zu setzen, brau­chen wir eine bäuerlich-ökologische Agrarwende — weg vom Welt­markt, wie­der hin zum Wochenmarkt.“

Die Dolmetscherin kommentiert: Bei den Vorbereitungstreffen zum G20, Sektion Afrika, Bevölkerungszuwachs, Lebensmittelsicherheit und die Schaffung regionaler Arbeitsplätze, war das nahezu wortgleich das Résumé der Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer.

In meinem Übersetzer-/Dolmetscherbüro informiert mich wenig später eine Mail, dass eine Million Unterschriften in Europa für das Verbot von Glyphosat zu­sam­men­ge­kom­men sind. Zitat: "Noch nie hat eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) in­ner­halb von vier Monaten die Million geknackt!" Das klingt gut! 

In Berlin gibt es viele Rückzugsgebiete für Arten, aber auch hier sind die Ver­än­de­run­gen augenfällig. Als wir vor 20 Jahren hier hergezogen waren, hatten wir mal vergessen, die Balkontür zu schließen und dann Licht angemacht. Nach zehn Mi­nu­ten war der Raum voller Getier (nee, die frisch gemalerten Wände). Damals gab es noch wunderliche Riesenlibellen in der Stadt. Heute kann ich stundenlang bei of­fe­ner Balkontür sitzen und nichts passiert. Nichts. Diesen Sommer gibt's sogar kaum Mücken. (Dass ich darüber mal klagen würde!)

______________________________  
Foto: C.E.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Der Eisberg

Ob geplant oder zufällig: Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Marseille, Heidelberg und dort, wo man mich braucht.

Mit Eisbergen kann man sich vertun. Vom Wasser aus können manche wie Eis­schol­len mit Spitze drauf wirken. Das Zentral­bild des Scheiterns unserer in­dus­triel­len Ge­sell­schaf­ten ist untrenn­bar mit einem Eisberg ver­bunden: die Titanic. Während ich den Namen des Schif­fes schreibe, kom­men die Buchstaben ins Rut­schen, merke ich, dass ich einen untergehenden Schriftzug sehe wie auf dem Cover der Satire­zeit­schrift und nichts anderes. Passt gut zur Unter­titel­theorie: Dass nämlich die Buch­staben, die das Wort "Haus" bilden, als Schriftbild das Gebäude evozieren, so jedenfalls Unter­su­chun­gen darüber, welche Hirnpartien beim SEHEN (und nicht beim Lesen) von Unter­titeln in den Ge­hir­nen versierter Filmseher feuern.

Dazu passt die Beobachtung, dass bei Vertippern das Gehirn automatisch kor­ri­giert, sofern Anfangs- und Endbuchstaben stimmen. Deise Thoerie bewiest deiser kielne Vesruch durchuas gnaz deultich.

Ein Wort, eine Visuali­sierung, ein ganzes Hinter­land an Verknüpfungen, An­spie­lungen und Fakten, so funktionieren menschliche Köpfe, genau das werden Ma­schi­nen nicht übernehmen können, das ist nicht in Einsen und Nullen fassbar. Und in diesem Hinter­land liegt 80 oder mehr Prozent unserer Arbeit als Dol­met­sche­­rin­­nen und Dolmetscher. Wir müssen uns ein­lesen, die Fakten aktiv abfragbar parat be­kom­­men, als stünden wir dem­nächst vor einer Prüfung.

Die Dolmetscheinsätze sind Prüfungen.

Oberhalb der Wasseroberfläche: Der Dolmetscheinsatz (ist nur die Spitze des Eisbergs). Unterhalb: Vorbereitungsmaterial für diesen Einsatz, einschlägiges Fachwissen; tiefere Wasserschicht: Allgemeinbildung, Fortbildung, Stressresistenz, Erfahrung, Dolmetschtechniken, Stimmschulung, Gedächtnis & Gehör; Tiefsee: Sprachkenntnisse.
Durch Anklicken vergrößern
Hier links, wie sich das mit dem Eisberg in meinem Beruf verhält. Wir Dolmetscher allerdings fühlen uns in der Arbeit immer öfter durch Unwissenheit der Kunden be­droht, die nicht genau hinhören wollen, wenn wir erläutern, was wir brauchen, und denen das Internet vorgaukelt, alles und alle seien rund um die Uhr überall zu buchen. Echte Dolmetscher haben lang an den Grundlagen gearbeitet und sie sind ständig dabei, diese Grundlagen aufrecht zu erhalten.
Sichtbar wird nur ein kleiner Teil dieser Arbeit, was diese allgemeine Unwissenheit (gepaart mit echter Bewunderung, die uns regelmäßig zuteil wird) sicher zum Teil erklärt.

Die immer schneller werdenden Alltagsrhythmen und die Reduzierung von Spe­zia­li­sie­run­gen in den Büros tragen auch dazu bei. (Früher wurden wir vom Chef und der Chefsekretärin gebucht, heute gibt es kaum noch echte Sekretariate, son­dern "As­sistenzen" und "Kostenstellen" mit hoher Fluktuation).

Und weil ich nicht mehr jedes Mal aufs Neue alles wortreich erklären möchte, die Zeit nutze ich doch lieber zum Lernen, habe ich zum Pinsel gegriffen. 

So wird visuell klar: Fehlt das Fachvokabular des Kunden, kippt die Spitze genauso zur Seite weg, wie wenn Grundlagenwissen fehlt. Dolmetschen ist halt mehr als das Austauschen von Wörtern, von Einsen und Nullen.

______________________________  
Illustration: C.E.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Nen Korb kriegen

Bonjour, hello und guten Tag! Hier können Sie Innenansichten aus dem Dol­met­scher­all­tag lesen. Derzeit pauke ich für die nächsten Einsätze und jongliere die Herbst­ter­mine. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch (Ausgangs- und Ziel­sprache) und Englisch (nur Ausgangssprache). Dolmetschen ist gefährlich. Der geis­ti­ge Leistungssport konserviert nämlich ganz gut. Da kann sich dann ein Au­ßen­ste­hen­der schon mal vertun.

Ingwer (gerieben), Zitrone, Tee
Passt zu jeder Jahreszeit (im Sommer gekühlt)
Gestern habe ich 'nen Korb bekommen. Ich löse es gleich auf: einen Präsentkorb. Ein Kunde hatte in seinen Un­ter­la­gen stehen, dass ich Gol­de­ne Hochzeit feiern würde. Seit 60 Jahren soll ich ver­hei­ra­tet sein. Ja, wir Dol­met­sche­rin­nen können gar viel und Dolmetschen hält sicher auch sehr jung, aber prä­na­tale Verehelichungen sind mir nicht bekannt.

Ich hab beim Kunden angerufen. Die Assistentin rang um Worte und gratulierte mir dann zur Silberhochzeit. Auch nicht. Nicht mal 'nen runden Geburtstag gibt's heuer zu feiern (außer bei einem der Brüder). Ich frug alsdann, an welche Adresse ich das Körbchen weiterschicken dürfte. Die Antwort war schräg: "Ach, behalten Sie ihn einfach, für die Unannehmlichkeiten!"

So lasse ich mich gerne stören. Zum Jahreswechsel trafen hier wiederholt schon kleine Aufmerksamkeiten ein, Fressalienkörbe werden gerne genommen, Kalender und Schreibmaterial auch. Besonders haben mich Konzertkarten gefreut, ich höre gerne Klassik und Jazz.

Neulich haben wir für ein Industriebauunternehmen gedolmetscht. Ob ich an­schlie­ßend einen Baustellenhelm bekommen hätte, will ein Freund von mir wissen. Nein, nichts derlei. Dafür ein halbes Pfund Kaffee vom nächsten Kunden. Das war aber kein Wink mit dem Zaunpfahl von wegen: "Wach mal auf!" Wobei man mir bei mei­nem Alter, man traut mir offenbar die Ü-80-Liga zu, das eine oder andere Mit­tags­schläf­chen durchaus gönnen wird, oder?

______________________________
Foto: C.E ("Liberté als Kaffee")

Dienstag, 20. Juni 2017

Bitte mehr Kontext!

Bienvenue auf Blogseiten aus der Welt der Sprache. Wir Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher werden gerne mal von unserem Umfeld mit einem wandelnden Wörterbuch verwechselt. Dabei vergessen die Frager, dass ihnen auch ein Wörterbuch in der Regel mehrere Lösungen anbietet.

"Was immer das auch sein mag, ich soll es nur übersetzen." So kündigt eine Freun­din, die mal ein Jahr lang in Frankreich gelebt hat, per Textnachricht eine Vo­ka­bel­fra­ge an, die ihr gestellt worden ist. Und dann kommt's: "Was bedeutet re­join­dre auf Deutsch? Kannst du mir die beste Übersetzung in einem Wort wenn möglich schnell zu­sen­den?

Grafik mit unterschiedlichen Ausdrucksweisen (Buchstabentypen)
Sprache ist komplex
Nein, kann ich nicht. Im Rigorosum be­deu­tet es möglicherweise, dass sich ein Prü­fer der Meinung eines anderen an­schließt. Fährt oder wandert jemand einer anderen Person oder Gruppe hin­ter­her, kann auch das Wort rejoindre gebraucht werden, al­so "hin­ter­her­rei­sen" oder (ein Bum­me­lant) kann "aufschließen". Ein Land wird mög­li­cher­wei­se einer Länderunion "bei­tre­ten", rejoindre, eine Schülerin kommt in eine neue Klasse. Nach der Filmpremiere steht es für "zu­sam­men­kom­men", das Team "treffen".
Der Urschrei vieler Übersetzer lautet: "Kon­text!" Ich rufe ihn auch meistens in Beantwortung irgendwelcher Vo­ka­bel­an­fra­gen.

Übersetzerschicksal.

______________________________  
Illustration: C.E.

Montag, 19. Juni 2017

Über politische Partizipation

Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin für Französisch (und aus dem Eng­li­schen). Heute ein Gastbeitrag über Frankreich mit indirekt kom­men­tie­ren­dem Nachhall aus einem anderen Land. Es schreibt Raffael Sonnenschein, Bür­ger­recht­ler und Gründer von VETO – Dachverband und Gewerkschaft der eh­ren­amt­li­chen Flücht­lings­hel­fer*innen Deutschlands. Raffaels Motto: "Zwischen den Zeilen nehme ich alles wortwörtlich".

Stell' Dir vor es wäre Bundestagswahl und von 48 Millionen Wahlberechtigten gehen 29 Millionen Menschen einfach nicht hin?

Leserinnen am Ufer
Junge Wähler mit Büchern
57 % der Wahl­be­rech­tig­ten ha­ben in Frank­reich ges­tern nicht ge­wählt. Liebe Par­la­men­ta­rier, der Draht zu den Völkern scheint endgültig ver­lo­ren.
Es geht gar nicht um rechts oder links, sondern um die ganz unten. Im Land der Aufklärung und Demokratie-Vorbild für Europa liegt die Demokratie schwerverletzt auf der Intensivstation.

Wollen Sie die Patientin retten? Hier fünf gutgemeinte Empfehlungen:
1. Keine Berufspolitiker. Nach zwei Wahlperioden ist für Abgeordnete Schluss.
2. Diäten deckeln. Das Gehalt der Abgeordneten ist nicht mehr verhältnismäßig.
3. Ämterhäufung unterbinden. Kein Mensch kann fünf Jobs gleichzeitig angemessen meistern.
4. Lobbyisten offenlegen. Kein Zugang für Lobbyisten in die Parlamente.
5. Ohne Transparenz kein Vertrauen. Wenn Videokameras im öffentlichen Raum, dann aber auch in allen Gremien und Parlamenten, ob Kreistag oder Kom­mu­nal­aus­schuss.
6. Mehr Zivilgesellschaft. Mehr Bewegungen in die Parlamente zulassen statt star­rer Gebietsansprüche der Volksparteien.
7. Werte statt Flaggen hochhalten.

    ✿    ✿    ✿    ✿    ✿    ✿    ✿

Und jetzt schauen wir noch kurz nach Großbritannien. Dort hat die Brexit-Ent­­schei­dung, die zum Großteil auf ältere Wähler zurückging, offenbar eine neue Ge­ne­ra­tion politisiert, denn 72 Prozent der jungen Leute sind am 8. Juni zu den Ur­nen gegangen. Über die Situation in Großbritannien ("drei Geschichten des Schei­terns"), sein neues Buch, die Rolle der Presse und Veränderungen der Sprache so­wie zum Thema USA äußert sich Englands berühmtester Deutschlehrer. Die Rede ist von John Le Carré. Er sagt über das Sprachenlernen: "Jemandes Sprache zu lernen bedeutet, jemandes Territorium zu betreten. Es bedeutet, dessen Kultur zu ver­ste­hen. Es ist, wie eine Hand auszustrecken."

Hier ausnahmsweise am Montag mein verspäteter "Link der Woche": Marion Löhn­dorf im Gespräch mit Bestsellerautor John le Carré: "Wir müssen Leute wie Trump schlagen, solange sie im Aufstieg sind".

______________________________
Foto: C.E.