Bonjour & hello! Hier erhalten Sie Einblick in meinen Alltag aus der Sprachenwelt. Ich übersetze ins Deutsche und dolmetsche Französisch ⇄ Deutsch und aus dem Englischen. Am heutigen KI-Mittwoch: Der Eignungstest.
Ein Satz lässt mich diese Woche nicht los: „KI-Dolmetschen“ würde schon an der Aufnahmeprüfung zur Dolmetschaubildung krachend scheitern. Er fiel mir neulich in einem Gespräch spontan ein. Jetzt zitieren ihn andere.
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| Der KI fehlt die Lebenserfahrung |
Die KI kann nicht dolmetschen, da sie von der Vielseitigkeit der Sprachverwendung objektiv nichts weiß, nichts wissen kann, denn ihr fehlen die Erfahrungen von Körperlichkeit und Alltag. Deshalb verheddert sie sich oft nicht nur in der Syntax (Link).
Die KI hat auch kein Vorwissen. Nicht einmal das Thema Sprechgeschwindigkeiten ist ihr bekannt. Also bringt sie manchmal zum Aufholen z.B. etwas in 300-prozentiger Geschwindigkeit oder wechselt unvermittelt die Sprache.
Hier das Ergebnis des Testlaufs (Link), den wir einem Kollegen verdanken. Hören Sie selbst (ab Sekunde 30 wird's absurd).
Auch an den akademischen Kriterien scheitern die Maschinen, z. B. an:
In der Prüfung wird getestet, ob der/die Kandidat:in spontan logische Bezüge herstellen kann. Menschliche Sprache ist voller Metaphern, Idiome oder Redewendungen. Profis hören den Sinn, verstehen das Bild und übertragen es adäquat. Die KI hingegen nimmt alles wörtlich. Ihr fehlt jeder echte Kontext. Sie rät rein mathematisch, rechnet mit Wahrscheinlichkeiten und produziert dann jene abenteuerlichen Halluzinationen, die aus einem Mietshaus, maison de rapport, ein Bordell machen. Ein solcher Fehler bedeutet in jeder Prüfung das sofortige Aus.
2. Resilienz- und Empathie
Wir Lebewesen lernen, weil wir Gefühle haben, aus Fehlern und durch menschliche Rückmeldungen. Eine Prüfung verlangt emotionale Intelligenz. Beim Dolmetschen müssen wir uns blitzschnell auf den/die Redner:in einstellen und mit dem eigenen Lampenfieber umgehen. Wir kennen die Verantwortung, die wir tragen. Die Maschine spuckt nur Daten aus. Ihr fehlt die Gewissenhaftigkeit, der Überblick und das Bewusstsein für das, was Kommunikation im Kern ausmacht.
3. Berufsethik und Verantwortung
Zum Beruf gehört Vertraulichkeit. Eine KI kann weder Diskretion wahren, noch übernimmt sie Verantwortung für ihren Murks. Wenn der Sound bricht oder Begriffe unklar sind, kann sie nicht eigenständig nachschärfen.
Was nützen cloud-basierte Übertragungen, die schnell und billig sind, wenn die Fehlerquote das Ergebnis zur Unkenntlichkeit entstellt? Wer verbale oder geschriebene Maßschneiderei sucht, bucht Menschen!
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Bild: pixlr.com (Zufallsfund); Prompt: Mädchen,
das aus einem Fenster klettert (80er Jahre)

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