Neulich war ich als Dolmetscherin bei einer Hausbesichtigung auf dem platten Land. „Das platte Land“ fühlt sich in Berlin erst einmal wie eine Redensart an. Berlin ist ja topfeben. Die Hügel, die wir haben, sind großteils Kriegsschuttberge, „Mont Klamott“ genannt.
Es ging um den Nachzug einer Familie in eine Landeshauptstadt eines östlichen Bundeslandes. Die Ehefrau war einem Ruf an eine örtliche Hochschule gefolgt, die Familie hatte die Nase voll vom Pendeln. Der Regionalzug brachte uns, den französischsprachigen Familienvater und mich, in die Stadt, wo eine junge Dame uns am Bahnhof erwartete. In einer schicken Limousine ging es an den Zielort: eine relativ junge Siedlung in einer Gegend, die jahrzehntelang keinen Zubau gekannt hatte.
In den Nachbargärten sah die Wiese aus, als wäre sie mit dem Lineal manikürt, überall waren die Rasensprenger im Einsatz. Die angrenzenden Äcker: Wüstensandgelb stand das zu kurze Getreide, daneben verdorrte Sonnenblumen, die wie Vogelscheuchen aussahen. Und an vielen Grundstücken mit den teuren Immobilien — eindeutig der Millionärshügel der Gemeinde — standen diese grünen, engmaschigen Metallzäune, die früher vor allem in Industriegebieten als billigste Einhegung zu sehen waren und in denen sich Tiere, zum Beispiel Igel, zu Tode quälen können, wenn sie sich darin verfangen. Da sind dann die Plastikbänder, die als Sichtschutz eingeflochten werden, vielleicht sogar gut. Aber nur vielleicht.
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| Gesehen anderswo |
Am schlimmsten fand ich einen Metallzaun mit einem Tarnnetz aus verwitterndem Plastikefeu obendrauf.
Das Ganze sah mehr nach Militärbasis aus als nach dem hilflosen Versuch, Natur zu imitieren.
Ich hatte an diesem Tag einiges zu dolmetschen. Die Verkäuferin pries die Vorzüge des Hauses und der Siedlung an, sie wies auf das großzügige Umfeld hin, und ich übertrug das alles brav und vollständig ins Französische. Genau dafür bin ich schließlich da. Ich reiße mich zusammen: keine Ironie, keine hochgezogene Augenbraue, keine kleine sprachliche Kurskorrektur in Richtung Wirklichkeit. Eine Dolmetscherin ist nicht dafür da, eigene Kommentare zu liefern.
Bei dem Einsatz fiel es mir allerdings nicht ganz leicht, die Anpreisungen eins zu eins zu übertragen, während ich auf diese Landschaft schaute. Das Dolmetschen war also noch anstrengender, als sonst schon.
Die Verkäuferin zeigte uns dann noch einige Liegenschaften. Es wurde nicht besser. Auf dem Weg zum Restaurant gingen die Verkäuferin und die Familienmutter ein Stück vor uns durch eine ähnliche, kleinere, nicht ganz so vornehme Siedlung. Monsieur und ich folgten mit etwas Abstand. So waren wir für einen Moment unter uns. Nun durfte ich erfahren, was er von der Gegend hielt. Sehr viel diplomatischer als ich hätte sein können, war er dabei allerdings nicht.
Schließlich wurde es ein Dorf in der Nachbarschaft, gefunden über Kleinanzeigen. Dort zieht die Familie bald in einen restaurierten Resthof, umgeben von echter Natur.
#Deutschland #Hitze #Steingarten #Wassermangel #August2026
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Foto: C.E. (Archiv)

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