Die KI-Granden sprechen mit erstaunlicher Gelassenheit davon, mit welcher Wahrscheinlichkeit ihre Erfindung die Menschheit auslöschen oder sie dauerhaft entmachten wird. Sie schätzen die Gefahr auf etwas zwischen 25 und 50 Prozent ein.
Niemand würde in ein Flugzeug einsteigen, das mit der Wahrscheinlichkeit von 25 bis 50 Prozent abstürzen wird. Hier aber lautet der Refrain: „Kein Grund zur Panik! Fasten seatbelt! Auf zur nächsten Runde!“
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| ... und (fast) alle sehen das Problem! |
Diese Herren servieren uns ein Argument, das ich eine Beruhigungspille nenne: Sie behaupten, dass Arbeit künftig optional werden könne, da Maschinen für uns arbeiten würden. Und damit niemand in Panik verfällt, wird hinterhergeschoben, dass jeder Mensch ein üppiges Grundeinkommen bekommen werde.
Ach, wie überaus beruhigend!
Nur: Wenn diese Herren wirklich so sehr am Wohlergehen der Menschheit interessiert wären, warum machen sie nicht heute schon etwas? Sie könnten längst einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens und ihres politischen Einflusses gezielt dafür einsetzen, Hunger, vermeidbare Krankheiten und extreme Armut zu bekämpfen und die Strukturen dauerhaft zu verändern, die diese Ungleichheiten seit Jahrhunderten produzieren. Das Geld dafür haben sie, den Einfluss auch, die Technik erst recht.
Stattdessen bauen sie Rechenzentren, die extrem viel Strom, Wasser, Land und Infrastruktur beanspruchen, für deren Betrieb neue Gaskraftwerke entstehen sollen. Kurz: Die KI ist ein astreiner CO₂-Treiber. Erster Widerstand regt sich vielerorts; manche Gemeinden verhindern oder bremsen die Planung aus. (Wohl dem Land, dessen demokratische Strukturen funktionieren!) Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 etwa verdoppelt.
Und auch die ökologischen Nebenwirkungen werden untersucht: Lärm, Licht, elektromagnetische Felder, Wasserverbrauch sowie die Frage, was solche Anlagen mit den Ökosystemen machen, in die sie gestellt werden. Bei Bienen gibt es bereits Hinweise auf Beeinträchtigungen der wertvollen Arbeit der Bestäuber durch Rechenzentren; der direkte Nachweis steht allerdings noch aus.
Die eigentliche Zukunftsvision muss eine andere sein: nicht Maschinenherrschaft mit Grundeinkommen, sondern Menschenherrschaft über die Maschinen. Denn wir sind die Mehrheit, wir haben Stimmrecht, wir können NEIN sagen, wenn unsere Landschaften, unser Wasser, unser Strom und unsere Lebenszeit für die nächste Billionärsphantasie draufgehen sollen.
Wir müssen nicht bei den dystopischen Bildern und den leeren Versprechen der Tech-Bros stehen bleiben. Es gibt viele positive Bilder einer lebenswerten Zukunft, die wir entwickeln und verbreiten dürfen. Das mit der Verbreitung ist eine Frage der Kommunikation. Die menschliche Psyche zieht leider Negativmeldungen vor. Wir sind eine Spezies, deren Psyche noch auf dem Stand der Höhlenbewohner funktioniert. Damals war es überlebenswichtig, Gefahren schnell zu erkennen.
Chancen haben es schwerer.
Dabei gibt es starke Bilder einer anderen Zukunft: Schwammstädte, Agroforstwirtschaft, regional angepasstes Saatgut, Marktgärtnereien, Humusaufbau, natürliche Wälder, Wasserlandschaften, gesunde Böden und Lebensmittel. Genossenschaftliches Bauen, Holz, Lehm und gesunde Baustoffe, Mitbestimmung, Demokratie und Bildung mit Kopf, Händen und dem Boden unter den Füßen.
Hightech wird dazugehören, wenn sie uns hilft, Zusammenhänge zu verstehen, statt sie zu zerstören, wenn sie beim Messen und Analysieren und Informieren hilft.
Die Natur ist komplexer, als wir denken; sie ist so komplex, dass wir sie noch nicht verstehen. Auf dem Mars ist der Boden tot. Hier ist alles mit allem verbunden und wir sind ihre Schüler. Wir wissen viel, aber längst nicht genug. Wir sind alle Lehrlinge. Nur eins ist klar: Wir Menschen sind Teil der Natur. Außerhalb einer gesunden Natur können wir nicht überleben.
Die Welt gehört uns nicht, wir gehören zu ihr. Utopie statt Apokalypse, lautet die Parole. Innerhalb der nächsten Tage folgt dazu mehr.
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Grafik: C.E. (mit alten Mitteln plus Photoshop)

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