Dienstag, 24. März 2026

Wortmuseum (45)

Will­kom­men bei mei­nem di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buch aus der Welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und bin oft bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­ti­ons­rei­sen. Hier schrei­be ich über Spra­che und Wör­ter so­wie über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Der Feh­ler bei blog­spot.com, über den ich Frei­tag ge­schrie­ben habe, ist er­le­digt. Heu­te: Wort­mu­se­um.

              
                            
 Le cla­vier
Aus ei­nem Dreh­buch, es geht um ei­ne Frau, ei­ne Rück­blen­de: Elle s’ap­pro­cha du pia­no droit et pro­me­na les mains sur le cla­vier. Wer kein Fran­zö­sisch kann, hat hier ein be­kann­tes Wort ent­deckt, le cla­vier. Und ja, un­se­re Film­hel­din hat sich ans Kla­vier ge­setzt und spielt. Aber le cla­vier be­deu­tet auf Fran­zö­sisch ein klein we­nig et­was an­de­res, als an­ge­nom­men. Wenn ein deutscher Aus­tausch­schü­ler sagt: je joue le cla­vier und „Ich spie­le Kla­vier“ meint, ist das ein ‚Fal­scher Freund‘ und ein Gram­ma­tik­feh­ler.

Ich fan­ge von hin­ten an: Auf Fran­zö­sisch sa­gen wir: jouer d'un in­stru­ment, al­so je joue de la flûte, ich spie­le Flö­te. Der Dreh­buch­satz lau­tet auf DE: „Sie ging zum Kla­vier und ließ ih­re Hän­de über die Tas­ten glei­ten.“ Le cla­vier sind al­so die Tas­ten, die­ser Feh­ler heißt ‚Fal­scher Freund‘. Und wenn ich wie hier am Com­pu­ter „in die Tas­ten haue“, dann be­we­ge ich mei­ne Fin­ger auch über ein cla­vier.

Made in France
By the way, der­art ein­fa­che Sät­ze wie mein Bei­spiel­satz da oben über­trägt die KI spie­lend. Trotz­dem ver­lan­gen wir Pro­fis für die Über­set­zung das glei­che Ho­no­rar wie frü­her, denn das Kor­rek­tur­le­sen ist auf­wän­di­ger.

Und bei krea­ti­ven Tex­ten, wo es auf Nu­an­cen an­kommt, auf kul­tu­rel­le An­spie­lun­gen, auf die Mu­si­ka­li­tät ei­nes Tex­tes, ist die KI kom­plett über­for­dert.

Et voi­là ! (Aus­spra­che­hil­fen: [e vwaˈla] und Link)

Sol­che Aus­spra­che­hil­fen sind wich­tig. Ich är­ge­re mich je­des Mal, wenn pro­fes­sio­nel­le Spre­cher Be­grif­fe nicht nach­schla­gen und dann Ej, Vio­la! sa­gen. Erst neu­lich in ei­nem Hör­buch ei­ner deut­schen Au­to­rin, das in Pa­ris spielt, ge­hört da­zu wur­den 90 Pro­zent al­ler fran­zö­si­schen Ei­gen- und Orts­na­men falsch aus­ge­spro­chen. Wo wa­ren da: Re­gie, Re­dak­ti­on, Her­stel­lungs­lei­tung, Ver­lags­mit­ar­bei­ter, Au­to­rin? Wo­für be­kom­men die ihr Geld? Wo liegt hier jetzt bit­te­schön der Mehr­wert?)

P.S.: Ich kann auch als Spre­che­rin ge­bucht wer­den, der sowas nicht pas­siert.

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Gra­fik: Netz­fund

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