Aus einem Drehbuch, es geht um eine Frau, eine Rückblende: Elle s’approcha du piano droit et promena les mains sur le clavier. Wer kein Französisch kann, hat hier ein bekanntes Wort entdeckt, le clavier. Und ja, unsere Filmheldin hat sich ans Klavier gesetzt und spielt. Aber le clavier bedeutet auf Französisch ein klein wenig etwas anderes, als angenommen. Wenn ein deutscher Austauschschüler sagt: je joue le clavier und „Ich spiele Klavier“ meint, ist das ein ‚Falscher Freund‘ und ein Grammatikfehler.
Le clavier
Ich fange von hinten an: Auf Französisch sagen wir: jouer d'un instrument, also je joue de la flûte, ich spiele Flöte. Der Drehbuchsatz lautet auf DE: „Sie ging zum Klavier und ließ ihre Hände über die Tasten gleiten.“ Le clavier sind also die Tasten, dieser Fehler heißt ‚Falscher Freund‘. Und wenn ich wie hier am Computer „in die Tasten haue“, dann bewege ich meine Finger auch über ein clavier.
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| Made in France |
Und bei kreativen Texten, wo es auf Nuancen ankommt, auf kulturelle Anspielungen, auf die Musikalität eines Textes, ist die KI komplett überfordert.
Et voilà ! (Aussprachehilfen: [e vwaˈla] und Link)
Solche Aussprachehilfen sind wichtig. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn professionelle Sprecher Begriffe nicht nachschlagen und dann Ej, Viola! sagen. Erst neulich in einem Hörbuch einer deutschen Autorin, das in Paris spielt, gehört dazu wurden 90 Prozent aller französischen Eigen- und Ortsnamen falsch ausgesprochen. Wo waren da: Regie, Redaktion, Herstellungsleitung, Verlagsmitarbeiter, Autorin? Wofür bekommen die ihr Geld? Wo liegt hier jetzt bitteschön der Mehrwert?)
P.S.: Ich kann auch als Sprecherin gebucht werden, der sowas nicht passiert.
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Grafik: Netzfund

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