Mittwoch, 4. März 2026

Mist aber auch!

Was Dol­met­scherin­nen und Über­set­zerin­nen, Dol­met­scher und Über­set­zer um­treibt, wie wir ar­bei­ten, ist hier im 20. Jahr in lo­ser Fol­ge The­ma. Ich be­ob­ach­te da­ne­ben un­se­re Zeit sehr ge­nau. Heu­te wird es im Blog schmut­zig. Nein, es geht nicht um Sex, aber um Fä­ka­li­en, genauer: um tie­ri­sche Aus­schei­dun­gen. KI-Mitt­woch!

Vor­be­rei­tungs­run­de für eine De­le­ga­ti­ons­rei­se, The­ma: Land­wirt­schaft, Rin­der­hal­tung, Bio­land­bau, In­fla­ti­on und der­glei­chen mehr. Da im Bio­land­bau nicht auf pe­tro­che­mi­sche Dün­ge­mit­tel zu­rück­ge­grif­fen wird, ist er von ei­nem Teil der Teu­e­run­gen durch den Krieg im Na­hen Os­ten ver­schont. Es wird um Marketing, Kommunikation und neue Anbaumethoden gehen.

Es sind drei Spra­chen im Raum, EN, FR und DE. Wir sit­zen mit im Raum und dol­met­schen halb kon­se­ku­tiv (in für uns ge­mach­te Sprech­pau­sen hin­ein), halb flüs­ternd, un­ter­stützt durch leicht trans­por­tier­ba­re Tech­nik. Die Sit­zung ist für 90 Mi­nu­ten an­be­raumt, da ist das kein Pro­blem.

Irgend­wann fällt ein Satz, der in et­wa so geht: We are con­si­de­ring in­ten­si­fy­ing a­qua­po­nics tech­niques, even though these are not lis­ted in the stan­dard pro­to­cols for or­ga­nic far­ming. This in­vol­ves gro­wing plants by sus­pen­ding their roots in a den­se, nu­tri­ent-rich mist. This is be­ne­fi­cial be­cause it re­du­ces both wa­ter con­sump­tion and CO2 emis­sions. (Auf Deutsch: Wir er­wä­gen, häu­fi­ger A­qua­po­nik ein­zu­set­zen, ob­wohl sie nicht in den Stan­dard­pro­to­kol­len des Ö­ko­land­baus ent­hal­ten ist. Da­bei wer­den die Wur­zeln der Pflan­zen ei­nem dich­ten, nähr­stoff­rei­chen Ne­bel aus­ge­setzt, was Vor­tei­le hat, da es so­wohl den Was­ser­ver­brauch als auch die CO2-E­mis­sio­nen re­du­ziert.)

Der Fran­zo­se, der frü­her mal ei­ni­ge Jah­re in Ber­lin ge­lebt hat, nickt. „Ah! Mist!“, sagt er spon­tan auf Deutsch und nickt sehr zu­frie­den.

Die Eng­lisch-Dol­met­sch­kol­le­gin rollt mit den Au­gen. Es ist im­mer schwie­rig, wenn Teil­neh­men­de bei ei­nem Ter­min spon­tan die Spra­che wech­seln, das ist für uns an­stren­gend, aber es be­las­tet auch den In­halt.

An­statt zu dol­met­schen, sa­ge ich dem fran­zö­si­schen Teil­neh­mer: Au fait, il parle de la bru­me. Voici ce qu'il a dit: ... und dol­met­sche dann Wort für Wort.

Fischtank für Aquaponik
Hier kommt das angereicherte Wasser her
Der Fran­zo­se dar­auf: Il n'a pas par­lé de mer­de? Ich in den fran­zö­si­schen Ka­nal: Non, il ne parle pas de fu­mier. Il parle tou­jours de bru­me. (Nein, er spricht nicht von Mist. Er spricht noch im­mer von Ver­ne­be­lung.)

Und dann wie­der­ho­le ich, was der Mann ge­sagt hat, weil mein Kun­de of­fen­bar so ent­zückt war, ein Wort zu ver­ste­hen, das er zu erkennt glaubt, dass er nicht gut zu­ge­hört hat, auch wenn es ein deut­sches Wort war und der Kol­le­ge Eng­lisch spricht. 

Wir sind in Deutsch­land, auch so et­was ver­schiebt Wahr­neh­mun­gen. Mais c'est tout au­tre cho­se !, sagt un­ser Franz­mann, ... il parle d'hors-sol !, wo­mit er recht hat: Das ist ja ganz was an­de­res! Er meint An­bau oh­ne Er­de! (A­qua­po­nik wird auf Fran­zö­sisch oft so be­nannt.)

In der Zwi­schen­zeit hat die Eng­lisch-Kol­le­gin da­mit zu tun, dem eng­li­schen Mut­ter­sprach­ler zu er­klä­ren, was hier ge­ra­de ab­läuft. Denn der hat­te das Wort mer­de sehr wohl ge­hört, was ja auch als Fluch ver­stan­den wer­den kann, und er woll­te wis­sen, was sein Kol­le­ge aus Frank­reich denn für ein Pro­blem ha­be.

Die Kol­le­gin ist sehr ru­hig und ge­dul­dig bei der Ant­wort. Un­ser Bri­te hat in­des zwi­schen­durch auch dem Kol­le­gen aus Frank­reich Auf­merk­sam­keit ge­schenkt und in ih­rer A­tem­hol­pau­se hat er das fran­zö­si­sche Wort hors-sol auf­ge­schnappt, in pho­ne­ti­scher Um­schrift [ɔʁ sɔl], wo­bei die ers­te Sil­be dem eng­li­schen Wort "horse" so ähn­lich klingt, wie eben ein Fran­zo­se oh­ne das im Fran­zö­si­schen un­üb­li­che "h" das Wort aus­spre­chen wür­de. Er schüt­telt den Kopf und sagt kon­ster­niert: Ab­so­lu­tely no hor­ses ... (wirk­lich gar kei­ne Pfer­de).

Wir er­klä­ren wei­ter. Lang­sam lich­tet sich der Ne­bel, wer­den Mist, mer­de und hors-sol ge­klärt. Am En­de la­chen al­le über das in­ter­kul­tu­rel­le Hin und Her.

Und jetzt er­zäh­le mir mal ei­ner, wie die KI so­was be­werk­stel­li­gen soll, wenn sie selbst stän­dig Feh­ler baut (und Sa­chen er­fin­det), aber nicht mit­schnei­det, dass die feh­ler­be­haf­te­te mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on ei­ne gro­ße Quel­le für Miss­ver­ständ­nis­se ist.

Of­fen bleibt, ob und wann die Ne­bel­be­wäs­se­rung ei­nes Ta­ges in den Ka­non der zu­läs­si­gen An­bau­me­tho­den für nach­hal­ti­gen Öko­land­bau ein­ge­hen wird.

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Graphic courtesy of I. Karonent, adapted
for aquaponics by S. Friend (Wikimedia)

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