Dienstag, 26. Mai 2026

Montagsschreibtisch (141)

Bon­jour ! Mein Na­me ist Ca­ro­li­ne Eli­as, ich sit­ze meis­tens in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne bei Kon­fe­ren­zen oder be­glei­te De­le­ga­tio­nen oder auch Kund­schaft in­di­vi­du­ell. Was liegt die­se Wo­che auf dem Schreib­tisch? Mein Mon­tags­schreib­tisch mal wie­der am Diens­tag!

Was Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ma­chen, wie wir ar­bei­ten, da­von er­hal­ten Sie seit 2007 auf die­sen Sei­ten ei­nen Ein­druck. Ich bin Dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, die Dritt­spra­che Eng­lisch. Mei­ne Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che, ge­mein­sam ar­bei­ten wir ins Deut­sche. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film und Me­dien (Link): Dreh­buch und Dreh­ar­bei­ten, Pro­duk­tion, Mar­ke­ting, Fes­ti­val. 

Stifte und Pinsel und ein Souvenir
In Can­nes war ich die­ses Jahr schon wie­der nicht. Erst Jah­re mit ei­nem klei­nen Kind, dann die Pan­de­mie, mein ei­ge­nes (über­stan­de­nes) Long Co­vid, dann An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, auch bei uns gibt es gro­ße Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, die Lis­te der Grün­de ist lang.

Noch ein Grund, der mich der­zeit stark be­las­tet: ge­wis­se KI-Nerds, die vor­ge­ben, die­se Tech­nik kön­ne ganz al­lein und oh­ne Men­schen dol­met­schen. Die­se Herr­schaf­ten ha­ben nicht mir seit Mo­na­ten zu viel Um­satz ge­stoh­len. An­ders als Dieb­stahl kann ich es nicht be­zeich­nen.

Die End­kund­schaft be­kommt Fake-Dol­met­schen, auch KI-Bull­shit ge­nannt: Stre­cken­wei­se gut, al­so satz­wei­se, dann Pau­sen, dann Über­schall­ge­schwin­dig­keits­wort­sa­lat, dann er­fun­de­ne Ver­ben, dann Sil­ben­sa­lat (hier: Link).

Man­cher Ver­an­stal­ter spricht am En­de von „kei­nen oder we­ni­gen Be­schwer­den“, da­bei reicht es doch selbst, mal rein­zu­hören oder die Au­gen auf­zu­ma­chen, wenn die „Über­tra­gung“ per Un­ter­ti­tel ge­schieht. Es ist auch ein Pro­blem Mann-Frau. Die Ent­schei­der sind sehr oft Män­ner. Sie wa­ren in der Sprach­ar­beit schon im­mer von ei­nem Be­rufs­stand ab­hän­gig, in dem haupt­säch­lich Frau­en ar­bei­ten. Am En­de ge­ben sich die Ker­le High-five und üben sich in Schul­ter­klo­pfen: „Wir sind Pio­nie­re, die Tech­nik wird schon!“

Wird sie nicht. Die Tech­nik ist zu ein­deu­tig, ver­gli­chen mit dem Cha­os mensch­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on, die sie dau­er­haft über­for­dert, auch mit „selbst­ler­nen­der KI“. (Und noch ein Link.)

War­um gibt es so we­nig Be­schwer­den? Das ist wich­tig: Die Leu­te ha­ben das Ge­fühl, dass sie die Sprach­ar­beit gra­tis be­kom­men ... und ei­nem ge­schenk­ten Gaul ... Naja. Oder aber sie la­chen die Tech­nik im Grun­de aus und ver­su­chen es oh­ne oder mit den gro­ben An­halts­punk­ten zum In­halt, die sie lie­fert. Dass es hier zu öko­no­mi­schen Schä­den kommt, dass die End­kund­schaft ein An­recht auf gu­te Sprach­ar­beit hat, z.B. wenn sie ho­he Ein­tritts­prei­se für ei­ne Mes­se ent­rich­tet, däm­mert den Ers­ten.

So, nun zum Pro­gramm der Wo­che:
✗ Zwei Buch­ti­tel prü­fen, ob ich sie über­set­zen mag (Rech­te wer­den der­zeit ver­han­delt)
✗ Frau­en, Wis­sen­schaft, Kunst
✗ Kos­ten­vor­an­schlä­ge

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Fo­to:
C.E.

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