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| POV (point of view) bei MaFo |
Nach zwei Jahrzehnten in der Dolmetschkabine vertue ich mich da selten.
Die Kundin aus der Marktforschung: „Die KI hatte uns 150 Seiten Datenmüll als übersetztes Transkript geliefert, die KI-Verdolmetschung war die meiste Zeit komplett unklar.
Auch im Transkript waren viele Sätze ohne Ende, komplett wirres Zeug, Begriffe, die mit dem Thema gar nichts zu tun gehabt haben. Das musste am Ende komplett nochmal gemacht werden. Und wir haben die Arbeit doppelt gezahlt.“
Und dann schlug die Stunde des TOOLS der gekoppelten Supercomputer: Die Tonspuren wurden digital transkribiert und dann minutiös von Profis abgehört und korrigiert, eine zweite Kontrolle folgte der automatischen „Übertragung“.
Auf Englisch bedeutet „Intelligenz“ auch data processing, Datenverarbeitung, dann Sammeln und Auswerten von Informationen, Geheimdienst, sowie menschlichen Esprit. Die Reduktion des Begriffs auf die Idee der organisierten Massendatenverarbeitung spricht Bände über unsere Zeit und jene, die sie blind bejubeln.
Zusammenfassung: Die drei zentralen Kompetenzen professioneller Konferenzdolmetscherinnen, also Antizipation, Auswahl und Reduktion, sind durch keine KI ersetzbar.
Antizipation bezeichnet den gedanklichen Vorgriff, der auf jahrzehntelanger Lebenserfahrung, gezielter Vorbereitung und fachlichem Vorwissen basiert. Auswahl meint die Fähigkeit, in Echtzeit zwischen Relevantem und Nebensächlichem zu unterscheiden, auch dann, wenn Sprechende sich verhaspeln oder unklar formulieren. Reduktion ist das Verdichten des Wesentlichen, ohne den Sinn zu verfälschen.
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Foto: C.E. (Archiv)

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