Dienstag, 17. Februar 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Treppe, Jalousien, Fenster, Garten im Winter
Herz­lich Will­kom­men!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für schrif­tl­iche Ar­bei­ten? Nach vielen Jah­ren in Frank­reich und den ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dien sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen und ar­bei­te auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft und Kul­tur, Land­wirt­schaft, krea­ti­ve Pro­jek­te, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie und Me­dien so­wie Ki­no, vom Ex­po­sé über Dreh­buch und Pro­duk­tions­dos­sier bis zum Pres­se­heft. Als aus­ge­bil­de­te Jour­na­lis­tin kann ich auch Text­ar­beit an­bie­ten — mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Globish (mal wieder)

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und der Um­gang mit uns. Wir sind auf ei­nem Tief­punkt an­ge­langt.

Kuchen unter Glasglocken im Kerzenschein
Ge­burts­tags­ku­chen für einen Blog
Ei­gent­lich hat­te ich ge­ra­de mei­nen ei­ge­nen Fei­er­tag: Die­ser Blog be­steht ges­tern seit 19 Jah­ren! Er ent­stand auf der Ber­li­na­le in ei­ner Zeit, als es noch „das Blog“ hieß. Da­mals Pio­nie­rin, bin ich heu­te eine der letzten Mo­hi­ka­ner:in­nen ;-) …

Und wie alle x Jah­re stel­le ich mir auch heu­te die Fra­ge: wei­ter­ma­chen oder auf­hö­ren? [Das Zwan­zigs­te geb' ich mir noch!]

Trauri­ge Be­ob­ach­tung: Die Ent­pro­fes­sio­na­li­sie­rung des Dol­met­sch­be­rufs schrei­tet mun­ter vo­ran. Grund­sätz­lich kommt der Nie­der­gang von au­ßen. Die ver­meint­li­che Lin­gua Fran­ca, das „Glo­bish“, hat ih­ren An­teil dar­an. 
Die Kri­se ver­flacht die Dis­kur­se.

Das zweite Problem ist die Technik: Die KI mit ih­ren „Wun­der­lö­sun­gen“ schei­tert oft gran­di­os, dann wer­den rasch Eng­lisch­teams zu­sam­men­ge­sucht, auch und be­son­ders bei lau­fen­den Kon­fe­ren­zen, um ein trag­fä­hi­ges Mi­ni­mal­an­ge­bot si­cher­zu­stel­len. Eng­lisch ist auch die Re­dun­danz, wenn das Preis­dum­ping da­zu ge­führt hat, dass die ein­be­stell­ten (Un)Kol­le­gin­nen, die da mit­ma­chen, nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert sind.

Denn zu den Dol­met­sch­fä­hig­kei­ten hin­zu sind hier vie­le Kennt­nis­se ge­fragt, und zwar gleich aus meh­re­ren Be­rei­chen der Film­her­stel­lung, von der Stoff­ent­wick­lung über die Team­bil­dung, die Ka­me­ra­ar­beit (Auf­lö­sung, Ein­stel­lungs­grö­ßen, Blen­den­wer­te), Fra­gen von Schnitt, Soft­ware, End­fer­ti­gung, aber auch Dra­ma­tur­gie, Äs­the­tik, Aus­stat­tung, … ich weiß nicht, wie­ vie­le tau­send Wör­ter das sind. Ich ha­be sie ge­lernt in der Pro­duk­ti­ons- und Re­gie­as­sis­tenz, die ich als re­cher­chie­ren­de Jour­na­lis­ten jah­re­lang ne­ben der fremd­spra­chi­gen Be­treu­ung von Drehs in Frank­reich oder fran­zö­si­schen Drehs in Deutsch­land ge­macht ha­be, pa­ral­lel da­zu 20 + Jah­re auf der Ber­li­na­le.

Und so­gar mir feh­len manch­mal noch De­tail­be­grif­fe, weil sich die Film­her­stel­lung durch die Tech­nik stän­dig ver­än­dert, bzw. ich fri­sche je­des Jahr auf.

Wenn, weil das Dol­met­schen nicht „fließt“, die Teams dann auf Eng­lisch wei­ter­ma­chen, weil die In­ter­views 20 Mi­nu­ten lang sind, kann ich das gut ver­ste­hen. Die Dol­met­sche­rin denkt: Sie kön­nen gut ge­nug Eng­lisch, sie spre­chen jetzt in ih­rer Wunsch­spra­che. Die Krea­ti­ven den­ken: Scha­de, dass die­se Dol­met­sche­rin das Wis­sen nicht hat. Die Pres­se­agen­tur denkt: Das nächs­te Mal spa­ren wir den Pos­ten „Sprach­mitt­lung“, wenn die sich auf Eng­lisch gut be­hel­fen kön­nen.

Als Re­dun­danz von „KI-Dol­metsch-De­sas­ter“ und von schlech­tem Dol­met­schen, weil Preis­dum­ping und Fehl­ein­schät­zung („Ich ge­he oft ins Ki­no, ken­ne mich aus, und ist ja ‚nur‘ Kul­tur“), ist in bei­den Fäl­len Eng­lisch die ver­meint­li­che Uni­ver­sal­spra­che. Doch die De­tails ge­hen da­bei zu oft flö­ten. Und die Stim­me ist ein we­sent­li­cher Teil des Kör­per­li­chen, da­her lie­ben ech­te Ci­né­as­ten ja Un­ter­ti­tel. War­um müs­sen sich die Krea­ti­ven jetzt un­be­dingt al­le auf „Glo­bish“ selbst „syn­chro­ni­sie­ren“, um es mal sa­lopp zu sa­gen?

Ich ru­fe hier­mit den Wunsch in den gro­ßen Raum hin­ein: Be­sinnt Euch auf die kul­tu­rel­len Fein­hei­ten! Spra­che, ge­spro­che­ne Spra­che, Un­ter­ti­tel, das Art­work mit Buch­sta­ben drauf (Pres­se­heft, aber auch im Vor­feld: Pro­jekt­map­pe zur Ein­rei­chung) sind Eu­re Vi­si­ten­kar­ten und die Vi­si­ten­kar­ten des Films. Und da­mit auch Teil sei­ner künst­le­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Wir­kung. Ihr druckt das doch auch nicht auf Klo­pa­pier, oder?

In der In­dus­trie ke­hren ge­ra­de die ers­ten Kund:in­nen zu­rück. Da in den letz­ten Jah­ren vie­le aus dem Be­ruf ge­flo­hen sind, kön­nen wir dem­nächst die Prei­se selbst be­stim­men.

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Fo­to: C.E.
Tags: #Ber­li­na­le2026 #1nt #xl8

Montag, 16. Februar 2026

Montagsschreibtisch (127)

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Hamburg, Lille, Köln oder an­ders­wo. 

Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch sowie dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert.

Two Ladies and a Clown
Kar­ne­val 1926
So kalt wie die­se war lan­ge kei­ne Ber­li­na­le mehr, und jetzt auch noch Schnee! Wie oft liegt das Fes­ti­val in der Fa­schingszeit. Am Mor­gen prompt ei­nen Clown ge­se­hen, der es so schnell nicht ins Kino ge­schafft hat. Er muss­te vie­le Sel­fies mit ei­ner Grup­pe Asiat:in­nen ma­chen. Das hat mich an das Fo­to rechts er­in­nert!

Auf dem Mon­tags­schreib­tisch:
❦ An­ge­bot schrei­ben
❦ Ter­mi­ne planen
❦ Film­ex­po­sé Kor­rek­tur le­sen;
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung er­stel­len

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 14. Februar 2026

Hintergrundarbeit

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie lesen hier im Blog ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che. Ich übersetze auch, und Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Ich schrei­be hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen, De­le­ga­tio­nen oder im Filmkontext. Ge­ra­de läuft die Ber­li­na­le, die in diesem Jahr et­was an­ders ist für mich als frü­her.
   
Wäh­rend die ers­ten Ver­leih­fir­men, Tech­nik­bu­den, Film­produktionsfirmen usw. ih­re Ber­li­na­le­früh­stücke ver­an­stal­ten, sit­ze ich am Vor­mit­tag am Schreib­tisch an zwei Tex­ten: Grund­la­gen­pa­pier und Pro­jekt. Das Zoom-Ge­spräch vor­ges­tern war sehr er­gie­big, zum Glück den­ke und schrei­be ich schnell.

Das Ge­sprä­ch musste ich aus­wärts ein­schie­ben, letz­ten Freitag: Am Ver­an­stal­tungs­ort von Mit­glie­der­ver­samm­lung und Em­pfang des Do­ku­men­tar­film­ver­bands AG DOK, ei­nem Co­wor­king-Space, gibt es im Un­ter­ge­schoss Te­le­fon­bo­xen, und auf die Schnel­le hat­te ich mich schon auf der Trep­pe auf dem Mo­bil­te­le­fon ins Ge­spräch ein­ge­loggt. „Man muss sich nur zu hel­fen wis­sen“, sag­te mei­ne klei­ne Oma im­mer, „Omaus“, ge­nannt. Und das ha­be ich von ihr ge­lernt: Zack!, meine im­pro­vi­sier­te Ar­beits­sta­tion, mit dem al­ten Pri­vat­han­dy fo­to­gra­fiert. Eh­re, wem Eh­re ge­bührt!

Ei­nen An­teil an der Schnel­lig­keit in Sa­chen Ideen­fin­dung hat si­cher aber auch mein Dol­metsch­be­ruf. Wir sind ja da­rauf trai­niert, fix Lö­sun­gen zu fin­den, die wie hier im wahrs­ten Wort­sin­ne trag­fähig sind.

Das Holz ist der ein­fachs­te, leich­tes­te Lap­top­stän­der der Welt und heißt „it stood“
Nach­mit­tags ging es zu einer Pres­se­kon­fe­renz ins Rote Rat­haus, dann ins Ki­no.

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Fo­tos: C.E.

Freitag, 13. Februar 2026

Rennstrecke (1)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te. Hier nur kur­ze Fuß­no­ten zur Ber­li­na­le 2026.

Groß­ar­ti­ger Sit­zungs­saal in ei­nem ehe­ma­li­gen Um­spann­werk (Strom)
Der Saal kurz vor Ver­an­stal­tungs­en­de
Wäh­rend an­ders­wo der Kar­ne­val tobt, step­pt in der deut­schen Haupt­stadt der Ber­li­na­le­bär.
Vor­mit­tags: ler­nen im Büro für ei­nen Ein­satz zur in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit und Men­schen­rech­te, nach­mit­tags: eben je­ner Ter­min, spä­ter Nach­mit­tag: Ver­bands­tref­fen, neue Hin­ter­grün­de ler­nen und von Trends er­fah­ren.
Wich­tig ist aber auch die Kon­takt­ar­beit!

A­bends dann: klei­ner Emp­fang, ge­folgt von noch ei­ner Zoom-Sit­zung, wo es um Ak­ti­vi­tä­ten zur Hu­man In­tel­li­gence ver­sus KI geht, dann noch um die Ecke zum Emp­fang ei­nes Film­ver­leihs.

Ich bin auf der Ber­li­na­le und ma­che das, was wich­tig ist: In­ter­es­sens­ver­tre­tung, und ich dol­met­sche auch auf Zu­ruf.

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Fo­to: C.E. / der Ort heißt BuM

Donnerstag, 12. Februar 2026

Berlinaledolmetschen 2026

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Sprach­mitt­le­rin. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch … und Film. Auf die­sen Sei­ten er­zäh­le ich re­gel­mä­ßig so, dass man nicht im­mer die Be­tref­fen­den er­kennt, da­für aber die Si­tu­a­tio­nen. Heu­te: Ber­li­na­le. Im Schat­ten des gro­ßen Events bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. 

Un­sicht­bar: Das wird die­ses Jahr auf dem Blog so blei­ben. Nur kur­ze Sta­tus­mit­tei­lun­gen, kein Hin­ter­grund, mir fehlt die Zeit, die ich mir vor Jah­ren noch ge­nom­men hat­te ... bzw., klei­ner Blick ins Näh­käst­chen: Ich hat­te einst Stü­cke vor­pro­du­ziert, die wie­der­keh­ren­den Mo­men­te schon be­schrie­ben, be­vor das Fes­ti­val über­haupt er­öff­net war, und die­se Tei­le dann ak­tua­li­siert!

Berlinale-Bär, vom Inneren des „Festivalpalasts“ aus gesehen
POV der Dolmetscherin kurz vor Filmstart
So ar­bei­ten Me­di­en ja auch. Im Erst­be­ruf war ich Jour­na­lis­tin, und mit Ma­te­ri­al im Steh­satz lässt sich gut blog­gen und auch Zu­sa­gen ma­chen, wie mein täg­li­ches Ber­li­na­le-Ge­flüs­ter auf UEPO aus dem Jahr 2009: Hier geht's zum ers­ten Bei­trag der Rei­he.

Was steht die­ser Ta­ge an? Die Ber­li­na­le hat noch un­ter Koss­lick in un­se­re Bran­che fies rein­ge­metz­gert und dem Film und der Kom­mu­ni­ka­ti­on da­mit kei­nen Ge­fal­len ge­tan. Die meis­ten Film­ge­sprä­che sind in­zwi­schen auf Eng­lisch, so­gar in der Ju­gend­sek­ti­on. Das hat ab­sur­de Fol­gen, wie zum Bei­spiel vie­le Jah­re Film­kul­tur­ar­beit in ei­ner Neu­köll­ner Brenn­punkt­schu­le in we­ni­gen Mi­nu­ten durch „Klas­sis­mus“ zer­stört wor­den sind.

Das ha­be ich hier ir­gend­wo be­schrie­ben ... Mo­ment ... ach, Mist, ich fin­de den Link nicht. Kurz­fas­sung: Tee­na­ger aus Neu­kölln mit Zweit­spra­che Deutsch rät­seln über eng­li­sche Un­ter­ti­tel, die Büh­nen­spra­che ist auch EN, an­de­re jun­ge Teil­neh­mer:innen des Ju­gend­film­wett­be­werbs brüs­kie­ren sie auf of­fe­ner Büh­ne mit per­fek­tem Eng­lisch (Ju­gend­li­che von in­ter­na­tio­na­len Schu­len in Ber­lin) und stel­len sie in ge­meins­ter Wei­se bloß. Bäng! Zi­tat: „Nie wie­der dein Scheiß Kul­tur­ki­no, ab jetzt nur noch Ac­tion­fil­me!“

Vie­le Men­schen aus Ost­deutsch­land, aber auch West­ber­li­ner und West­deut­sche sind nicht so per­fect­ly flu­ent in Eng­lish; bei den Q & As, ques­ti­ons and an­swers, frü­her: Pu­bli­kums­ge­sprä­che, sind meist nur die glei­chen Per­so­nen ak­tiv, in­ter­na­tio­na­le Gäs­te, EN-Mut­ter­sprach­ler, sehr sel­ten sind die auf Deutsch oder Wa­ckel­eng­lisch ge­stell­ten Fra­gen.

Al­so ar­bei­te ich im Hin­ter­grund, mit Pro­du­zen­ten und Pres­se­leu­ten, kurz: dort, wo es für die Ver­lei­her wirk­lich auf Nu­an­cen an­kommt, denn Murks ge­fähr­det Um­sät­ze.

Und ich stel­le er­schüt­tert fest, dass ich bei vie­len In­ter­views von ei­ner Kol­le­gin aus­ge­boo­tet wur­de, die ich mal für ei­ne an­de­re Sprach­kom­bi­na­ti­on emp­foh­len ha­be, die jetzt in die und aus der Fremd­spra­che für (ver­mut­lich deut­lich) we­ni­ger als 50 Pro­zent der Ho­no­ra­re ar­bei­tet, als sie ei­gent­lich üb­lich sind. Es ist nicht ein­fach für mich, laut zu wer­den. Wir Dol­met­scher:in­nen sind ja ge­prägt vom di­plo­ma­ti­schen Par­kett.

Mein Ver­ständ­nis ist höchst ge­ring. „Wir wa­ren jung und brauch­ten das Geld“ wä­re schlimm, ist aber nicht der Fall, wenn es um eta­blier­te Kräf­te mit aus­kömm­li­chen Ren­ten­an­sprü­chen al­lei­ne durch ei­nen gut­ver­die­nen­den Gat­ten geht. Man­che ver­die­nen sich die Ex­tras für den Ur­laub hin­zu. Ich ar­bei­te für mei­nen Le­bens­un­ter­halt und mei­ne ei­ge­nen Al­ters­rück­la­gen. Bit­ter.

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Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)

Dienstag, 10. Februar 2026

Kolonialismus und Ökologie

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen hier in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch (und Deutsch als Mut­ter­spra­che). Als Dol­met­scherin und Zeit­ge­nos­sin bin ich auch an der Ver­an­stal­tung von Ki­no­aben­den be­tei­ligt. Ges­tern Abend ging es um De­ko­lo­ni­sie­rung, Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei und den Gift­s­kan­dal um Chlor­de­con in Mar­ti­ni­que und Gua­de­lou­pe.

Ein Infozettel klebt an der Tür
Am Ver­an­stal­tungs­ort

Der Do­ku­men­ta­rfilm „Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie“ gibt den Be­völ­ke­run­gen Mar­ti­ni­ques und Gua­de­loupes ei­ne Stim­me, die bis heu­te den Folbgen der Ko­lo­nia­li­sie­rung aus­ge­setzt sind. Dabei sind die­ beiden An­til­len­in­seln auch noch 2026 durch eine post­ko­lo­nia­le Na­bel­schnur mit Frank­reich ver­bun­den. Die Nach­fah­ren der Ko­lo­nis­ato­ren, die Bé­kés, sind ver­hasst, denn die Aus­beu­tung der Bö­den und der Men­schen dort hat nie wirk­lich auf­ge­hört. Nicht nur Was­ser und das Erd­reich sind kon­ta­mi­niert, son­dern auch die meis­ten Be­woh­ner:in­nen der In­seln.
Die Ba­na­ne, Sym­bol ei­ner aus dem ko­lo­nia­len Sys­tem her­vor­ge­gan­ge­nen Land­wirt­schaft, wird trotz ih­rer ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen wei­ter­hin an­ge­baut.

Ohne EU-För­de­run­gen wäre die­ser An­bau üb­ri­gens un­wirt­schaft­lich.

Rück­blick 

Die­se Ver­schmut­zun­gen sind Teil ei­ner lan­gen Ge­schich­te der Un­ter­drü­ckung. Im 17. Jahr­hun­dert wur­den Mar­ti­ni­que und Gua­de­lou­pe im Dienst der fran­zö­si­schen Wirt­schaft der Mo­no­kul­tur un­ter­wor­fen. Die Skla­ve­rei, 1642 le­ga­li­siert und durch den Code Noir or­ga­ni­siert, be­grün­de­te er­gän­zend ein Sys­tem, in dem sich Macht, Land und Reich­tum in den Hän­den we­ni­ger Fa­mi­li­en kon­zen­trie­ren. Nach der Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei blie­ben die­se Struk­tu­ren in an­de­ren For­men be­ste­hen. Bis heu­te kon­trol­lie­ren we­ni­ge Fa­mi­lien den Groß­teil der frucht­bars­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen.

Ba­na­nen­an­bau und -han­del ist nach wie vor eine der wirt­schaft­li­chen Säu­len der bei­den In­seln: Fast die ge­sam­te Ern­te wird nach Eu­ro­pa ex­por­tiert. Ihr Anbau ist je­doch ohne den mas­si­ven Ein­satz von Pes­ti­zi­den un­denk­bar. 

Das Gift und die Fol­gen

Chlor­de­con, das of­fi­zi­ell zwi­schen 1972 und 1993 ein­ge­setzt wur­de, hat Bö­den, Flüs­se und Küs­ten­ge­bie­te kon­ta­mi­niert; es braucht noch etwa 700 Jah­re, bis die Chemikalie nicht mehr schädlich ist. Bis heu­te tau­chen noch Be­stän­de der Sub­stanz auf, die seit Jahr­zehn­ten in Eu­ro­pa ver­bo­ten ist.

Mehr als 90 % der Be­völ­ke­rung wa­ren dem hoch­gif­ti­gen Chlor­de­con aus­ge­setzt, das un­ter an­de­rem mit ei­nem mas­si­ven An­stieg von Krebserkrankungen so­wie schwe­ren Ent­wick­lungs­stö­run­gen bei Kin­dern in Ver­bin­dung steht. Trotz seit vor über fünf­zehn Jah­ren ein­ge­reich­ter Kla­gen we­gen „Ge­fähr­dung des Le­bens Drit­ter“ sta­gnie­ren die Ge­richts­ver­fah­ren und schü­ren ein tie­fes Ge­fühl von Un­ge­rech­tig­keit und Ver­las­sen­sein.

Der Film be­schreibt ein­drück­lich die tra­gi­sche Iro­nie der Ver­schmut­zung: Die Bö­den blei­ben noch für Jahr­hun­der­te kon­ta­mi­niert, zu­gleich wä­re heute der Über­gang zu nachhaltigen Be­triebs­mit­teln deut­lich teu­rer als der Ein­satz vom Che­mie­keu­len. Die­ser Preis scheint zu hoch zu sein für die Play­er des glo­ba­len Han­dels.

Selbst­er­mä­chti­gung

Ein wei­te­res Ka­pi­tel des Films ist dem Wi­der­stand ge­wid­met, der sich ge­bil­det hat und bil­det, um den Ver­ge­hen gegen Ar­beits- und Um­welt­schutz et­was ent­ge­gen­zu­set­zen. Es ent­stan­den Ge­werk­schaf­ten, Bür­ger:in­nen­ko­mi­tees, po­li­ti­sche Be­we­gun­gen so­wie al­ter­na­ti­ve land­wirt­schaft­li­che In­itia­ti­ven mit dem Ziel, die Kon­trol­le über Ter­ri­to­ri­um und Ge­sund­heit zu­rück­zu­ge­win­nen. Der Kampf ist glei­cher­ma­ßen öko­lo­gisch, so­zi­al und po­li­tisch: Es geht dar­um, mit ei­nem wirt­schaft­li­chen Mo­dell zu bre­chen, das aus der Ko­lo­ni­al­zeit stammt, und eine ech­te Er­näh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät auf­zu­bau­en. Dass viele Ländereien geraubt sind, setzt dem Drama noch die Krone auf.

Aus­blick

Am En­de stellt der Film eine ra­di­ka­le und sym­bo­li­sche Fra­ge: Müs­sen zu­erst die Ba­na­nen­plan­ta­gen ab­ge­fa­ckelt wer­den, da­mit aus ih­rer Asche end­lich eine ge­sun­de Land­wirt­schaft ent­ste­hen kann? „Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie“ er­in­nert dar­an, dass die Um­welt­kri­se nicht von his­to­ri­schen Herr­schafts­ver­hält­nis­sen zu tren­nen ist. Die Na­tur zu schüt­zen be­deu­tet hier auch, Un­ge­rech­tig­kei­ten zu re­pa­rie­ren, Er­in­ne­rung wei­ter­zu­ge­ben und eine le­bens­fä­hi­ge Zu­kunft zu ent­wer­fen.

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Publikum vor Leinwand
Au Café Plume

Le do­cu­men­taire « Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie » donne la pa­role aux po­pu­la­tions mar­ti­ni­quaises et gua­de­lou­pé­ennes, con­fron­tées aux hé­ri­ta­ges tou­jours vi­ru­lants de la co­lo­ni­sa­tion. 

Ces îles sont en­core au­jourd’hui re­liées à la France par un cor­don om­bi­li­cal post­co­lo­nial. La co­lère contre les bé­kés, des­cen­dants des co­lons et grands pro­prié­taires fon­ciers, reste vive.

Les ha­bi­tants dé­non­cent l’ex­ploi­ta­tion con­ti­nue des terres, la pol­lu­tion mas­sive de l’en­vi­ron­ne­ment et ses con­sé­quen­ces dra­ma­tiques : l’eau, le sol et les hu­mains sont con­ta­mi­nés. La ba­nane, sym­bole d’une agri­cul­ture hé­ri­tée du sys­tème co­lo­nial, con­ti­nue d’être cul­ti­vée mal­gré ses ef­fets dé­vas­ta­teurs.

Sans les sub­ven­tions de l’UE, cette cul­ture ne se­rait d’ail­leurs pas ren­table.

Coup d'œil sur l'his­toire

Ces pol­lu­tions s’in­scri­vent dans une his­toire longue de do­mi­na­tion. Dès le XVIIᵉ siècle, la Mar­ti­nique et la Gua­de­lou­pe de­viennent des terres de mo­no­cul­ture au ser­vice de l’é­co­no­mie fran­çaise. L’es­cla­vage, lé­ga­lisé en 1642 et or­ga­nisé par « Code Noir », fonde un sys­tème de con­cen­tra­tion des terres et des ri­ches­ses entre les mains de quel­ques fa­milles. Après l’a­bo­li­tion, cette do­mi­na­tion éco­no­mique se main­tient sous d’autres formes. Au­jourd’hui en­core, quel­ques fa­milles con­trôlent l’es­sen­tiel des terres agri­coles les plus pro­duc­tives.

La fi­lière ba­na­nière cons­ti­tue tou­jours l’un des pi­liers éco­no­miques des deux îles : près de 100 % de la pro­duc­tion est ex­por­tée vers l’Eu­rope. Mais cette agri­cul­ture re­pose sur un usage mas­sif de pes­ti­cides. 

Le pro­duit to­xique et son im­pact

Le chlor­de­cone, qui a été uti­lisé of­fi­ciel­le­ment ent­re 1972 et 1993, a con­ta­miné les sols, ri­vières et les zones cô­tières; sa dé­gra­da­tion pren­dra en­vi­ron sept sièc­les.

Plus de 90 % de la po­pu­la­tion a été ex­po­sée au chlor­dé­cone hau­te­ment to­xique, as­so­cié no­tam­ment à une ex­plo­sion des can­cers et à de graves trou­bles du dé­ve­lop­pe­ment chez les en­fants. Mal­gré les plaintes dé­po­sées de­puis plus de quinze ans pour mise en dan­ger de la vie d’au­trui, les pro­cé­dures ju­di­ciaires sta­gnent, ali­men­tant un pro­fond sen­ti­ment d’in­jus­tice et d’a­ban­don.

Le film sou­ligne avec force l’i­ro­nie tra­gique de cette pol­lu­tion : alors que les sols res­te­ront con­ta­mi­nés pour des siècles, la tran­si­tion vers des in­trants agri­coles du­ra­bles coû­te­rait net­te­ment plus cher que l’u­ti­li­sa­tion des cock­tails chi­miques, un coût qui semble dé­ri­soire aux yeux des grands ac­teurs du com­merce mon­dial.

Eman­ci­pa­tion

Un aut­re cha­pitre du film est con­sac­ré à la ré­sis­tan­ce qui s'est for­mée et con­ti­nue de se for­mer pour lut­ter con­tre les in­frac­tions en ma­tière de pro­tec­tion du tra­vail et de l'en­vi­ron­ne­ment. Il mon­tre l’é­mer­gence de syn­di­cats, co­mi­tés ci­toyens, mou­ve­ments po­li­tiques et ini­tia­tives agri­coles al­ter­na­tives s’or­ga­nisent pour re­prendre le con­trôle du ter­ri­toire et de la santé. La lutte est à la fois éco­lo­gique, so­ciale et po­li­tique : il s’a­git de rompre avec un mo­dèle éco­no­mique hé­rité de la co­lo­ni­sa­tion et de cons­truire une vé­ri­table sou­ve­rai­neté ali­men­taire. Le fait que de nom­breu­ses pro­prié­tés aient été vo­lées ajou­te en­core au drame.

Nou­velles pers­pec­ti­ves

En con­clu­sion, le film pose une ques­tion ra­di­cale et sym­bo­lique : faut-il d’a­bord brû­ler les ba­na­ne­raies pour que, de leurs cendres, puisse en­fin naît­re une agri­cul­ture saine ? « Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie » rap­pelle que la crise en­vi­ron­ne­men­tale ne peut être dis­so­ciée des rap­ports de do­mi­na­tion his­to­riques. Pro­té­ger la na­ture, ici, si­gni­fie aussi ré­pa­rer les in­jus­tices, trans­mettre la mé­moire et i­ma­gi­ner un ave­nir via­ble.


Pour al­ler plus loin, nous vous con­seil­lons les res­sour­ces sui­van­tes :
— Pod­cast « La Terre au carré : Scan­dale du chlor­dé­cone aux An­til­les : une his­toire co­lon­ia­le », France Inter (Paris), nov. 2024
Une écologie décoloniale, penser l'écologie depuis le monde caribéen , Mal­colm Fer­di­nand, Cairn (Paris), 2019
S'aimer la Terre: Dé­fai­re l'ha­bi­ter co­lo­nial, Mal­colm Fer­di­nand, Seuil (Paris), 2024 

Mer­ci beau­coup à la sec­tion ber­li­noi­se des Fran­çais du Mon­de !

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Fo­tos:
C.E.

Montag, 9. Februar 2026

Montagsschreibtisch (126)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne, den es seit 2007 gibt. Mei­nen Ar­beits­all­tag mit Mut­ter­spra­che Deutsch und den Ar­bei­tssprachene Fran­zö­sisch (bi­la­te­ral) und Eng­lisch (Aus­gangs­spra­che) be­schrei­be ich hier in lo­ser Fol­ge.

Vor der Frühjahrs­saison lau­tet die Pa­ro­le: Flei­ßig ar­bei­ten!

Frau vor Schreibmaschine (1926)
Klee als Bü­ro­pflan­ze (1926)

Al­ler­dings ar­bei­ten wir ins Blaue hin­ein, und dann dür­fen wir ab­war­ten, was be­stä­tigt wird.

❦ Fünf An­ge­bo­te schrei­ben (Kon­fe­ren­zen)
❦ Dreh­buch­über­set­zung be­treuen, Fil­me sich­ten.
❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben
❦ Kol­le­‍gin für ei­nen Ein­‍satz an ei­‍nem Tag su­chen, an dem ich nicht kann.
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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 7. Februar 2026

Bitte seid uncool!

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Köln oder an­ders­wo. Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on und dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert. Heu­te: Link der Wo­che.

Ei­ner sag­te mal: „Ich er­zie­he mei­ne Kin­der kaum, ich le­be ih­nen ein gu­tes, sinn­füll­tes und ver­ant­wort­li­ches Le­ben vor.“

Pup­pen­kopf, ge­se­hen in Wien
Köpf­chen be­wei­sen!
Je äl­ter ich wer­de, des­to wich­ti­ger wird die­ser Satz für mich.
Auch mei­ne Ab­leh­nung der "Cool­ness", die vor al­lem bei Ju­gend­li­chen, da be­son­ders bei männ­li­chen Ju­gend­li­chen, seit Jahr­zehn­ten en vo­gue ist, he­ge ich schon lan­ge.

Wer sich cool gibt, vor al­lem läs­sig im Un­ter­richt auf den Stuhl flezt und so tut, als ge­he ihn das al­les nicht an, oder sel­te­ner: sie, der (oder die) lernt nicht gut. Die Kri­se der Männ­lich­keit, des Bil­dungs­rück­stands der Tes­to­ste­ron­trä­ger, hängt mit der Mo­de zu­sam­men, mög­lichst ge­chil­led, un­be­tei­ligt, un­be­rühr­bar wir­ken zu wol­len.

So stump­fen Em­pa­thie und Ehr­geiz ab, wächst die Not­wen­dig­keit, sich mit kör­per­li­cher Kraft, Geld, Tri­cke­rei­en oder Ge­mein­hei­ten ei­nen Platz in der Welt zu su­chen und zu be­haup­ten.

Erst ges­tern ha­be ich da­zu Be­stä­ti­gung ge­fun­den. Ha­be den ers­ten Teil ei­ner „Na­no“-Re­por­ta­ge mit dem Ti­tel „Mein Kör­per, mein Ge­däch­t­nis“ ge­se­hen (auf 3Sat, Me­dia­the­ken­film­tipp: Link). Da wird ei­ne Schau­spie­le­rin ge­zeigt, die fünf, sechs Stück lau­fend im Re­per­toire hat und spielt, da­zu wei­te­re Stücke probt und lernt. Sie be­rich­tet, dass sie sich Din­ge no­tie­re, um sie nicht zu ver­ges­sen, zum Bei­spiel ei­nen An­ruf zu tä­ti­gen.

Das ken­ne ich aus Ge­hirn­über­las­tungs­zei­ten.

Jetzt kom­me ich rasch auf mein Ein­gangs­state­ment zu­rück. Ein grie­chi­scher Lern­for­scher wird in­ter­viewt, der Ler­nen als Vor­gang be­schreibt, bei dem es um drei Din­ge ge­he: Wie­der­ho­lung, Ver­knüp­fung mit schon Be­kann­tem, Emo­tio­nen.

Et voi­là !

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Donnerstag, 5. Februar 2026

Kreative Pause

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch der krea­tive Um­gang mit Spra­che, sie auch mal wört­lich zu neh­men. Heu­te: Ei­ne Nach­dich­tung!

Vor zwei Ta­gen ha­be ich mei­ne Sprach­lie­be of­fen­bart. Oh­ne sie wä­re mei­ne Ar­beit nicht mög­lich, das stän­di­ge Le­sen, Ler­nen, Schlei­fen, Wei­ter­kom­men. Life­long lear­ning: Als der Be­griff auf­kam, ha­ben wir Dol­met­sche:rin­nen uns ge­wun­dert. Wie, ist das nicht in al­len Be­ru­fen so? Für uns war das schon im­mer All­tag.

E­ben­so das Spie­len mit Wor­ten.

Die Zei­len un­ten sind ei­ne Nach­dich­tung und ei­ne Such­an­zei­ge. Ich be­saß einst ein Kin­der­buch aus den 1970-­ern mit Ding­ge­dich­ten, Da­da­is­ti­schem, vi­su­el­ler Poe­sie, es war nicht sehr groß, nicht sehr dick, ich konn­te es be­quem im Ka­buff ei­nes VW-­Kä­fers le­sen, un­se­res ers­ten Au­tos, und dann pass­ten ne­ben mir auch noch De­cken und Kis­sen rein, der Ko­a­la­bär und die Püp­pi. Es stand da­rin et­was zur Ro­ko­ko­kom­mo­de, die ei­nen Ver­lust er­litt. Das Dra­ma ist i­den­tisch, die Form kom­plett an­ders.

Ich zeich­ne jetzt Il­lus­tra­tio­nen zu mei­nen Ver­sen und ma­che ein klei­nes Kin­der­buch dar­aus. In der Zwi­schen­zeit su­che ich wei­ter nach der Vor­la­ge, um die Per­son mit der Ur­sprungs­i­dee be­nen­nen zu kön­nen. Könn­te mir bit­te je­mand hel­fen?

Kommode, schwerer Vorhang, Teppich, Spiegel, Gummibaum
Die Ro­kok­ko­kom­mo­de

Die schö­ne Ro­ko­ko­kom­mo­de
War der­mal­eins ganz schwer in Mo­de.

Stolz steht sie da, jahr­ein, jahr­aus.
Dann heißt es schlicht: „Wir zie­hen aus!“

Vor Schreck die Knäu­fe tan­zen frei,
Kom­möd­chen is­ses ei­ner­lei.

Es geht trepp­auf, es geht trepp­un­ter,
Die Ku­geln ku­geln mun­ter run­ter.

Im LKW ist’s nicht ganz e­ben,
O­o­gott­o­gott, das geht da­ne­ben!

Ein Ruck. Ein Schlag. Ein off’­nes Fach.
O folgt auf O folgt OO-­O nach.

Im Loft mit Licht und ho­her De­cke,
die Rkkk­mm­de klmmt in der E­cke.

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Zeich­nung: C.E.

Dienstag, 3. Februar 2026

Sprachliebe

Bon­jour & hel­lo! Herz­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Als Dol­met­scher­in und Über­set­ze­rin ar­bei­te ich schrift­lich mit Deut­sch als Ziel­spra­che (Text), münd­lich meis­tens ins Fran­zö­si­sche, oft auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Wie un­ser Be­ruf den All­tag be­stimmt, aber auch die Näch­te, ist all­ge­mein nicht be­kannt. Hier be­rich­te ich dar­über.

Was be­son­ders ist im Le­ben von uns Dol­met­scher:in­nen: Wenn du ki­chernd auf­wachst, ge­weckt vom ei­ge­nen La­chen, und dann über­legst, was im Traum pas­siert sein könn­te. Es däm­mert dir lang­sam, und dann weißt du: das deut­sche Wort für hum­ming­bird wur­de ge­sucht.

Was ist denn bit­te hier pas­siert?

Die Fo­kus­sie­rung des Geis­tes auf ein feh­len­des Wort: Das ma­che ich täg­lich im Wach­zu­stand, wirk­lich stän­dig, schla­ge nach, schrei­be auf. Der Kopf mel­det zu­ver­läs­sig feh­len­de Be­grif­fe. Kurz: Das Ge­hirn ist fast stän­dig im lei­sen Ar­beits­mo­dus.

Die An­wen­dung kör­per­zen­trier­ter Tech­ni­ken zur Ent­span­nung, hier­in sind wir Dol­met­scher:in­nen meis­tens gut. Ich war wohl kurz wach, ha­be mit Mas­sa­ge und lei­sem Sum­men den Va­gus­nerv sti­mu­liert und die pa­ra­sym­pa­thi­sche „Ru­he- und Ver­dau­ungs­re­ak­ti­on” aus­ge­löst. Lei­ses Sum­men oder Brum­men wirkt mit Vi­bra­tio­nen auf das Ner­ven­sys­tem, in­dem es ei­ne lang­sa­me, kon­trol­lier­te Aus­at­mung för­dert. In In­di­en ist die­se Tech­nik, als Bh­ra­ma­ri Pra­na­ya­ma be­kannt.

Hum­ming­bird, ich schla­ge nach: Ko­li­bri. Ach ja, stimmt, die­se Vö­gel ha­be ich in den 1990-ern in den USA be­ob­ach­tet und mich nie ge­fragt, wie die sweet lit­tle bir­dies wohl auf Deutsch hei­ßen mö­gen. Jetzt nach­ge­holt, Häk­chen dran!

Wör­ter wie „Ko­li­bri” mit so wun­der­voll klin­gen­den Vo­ka­len ha­ben mich als Kind fas­zi­niert. Wenn ich nicht ein sol­ches Fas­zi­no­sum für Spra­che schon im jüngs­ten Al­ter ge­habt hät­te, wä­re ich nie Sprach­ar­bei­te­rin ge­wor­den.

Ei­ne ge­zeich­ne­te, ge­schwun­ge­ne Kom­mo­de
Spä­ter in der Wo­che mehr zum Mö­bel
Und dann fällt mir prompt auch noch die „Ro­ko­ko­kom­mo­de” ein. Ich hat­te als Kind ein Buch mit Non­sense­ge­dich­ten, halb Da­da, halb kon­kre­te Poe­sie, Gra­fik und Ge­dich­t. Über die­ser Er­in­ne­rung schla­fe ich ein.

Wenn ich nur wüss­te, wie ich die­ses Ge­dicht wie­der­fin­den kann? Ich wür­de es ger­ne den klei­nen Fräu­lein(s) zei­gen, was Nich­ten sind. Denn sie sind auch recht sprach­ver­liebt.

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Zeich­nung: C.E.

Montag, 2. Februar 2026

Montagsschreibtisch (125)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

PAUSE
Pau­se und doch im Be­reit­schafts­dienst

Der Mon­tags­schreib­tisch ist heu­te aber nicht voll. Das Pau­sen­schild ist nur halb ernst ge­meint. Ich bin wie so oft stand by für kurz­fris­tig An­ge­raum­tes (wie neu­lich bei ei­nem me­di­zi­ni­schen Not­fall).

Al­so sind es Eis­blu­men statt ech­ter Blu­men und ge­stick­te Schmet­ter­lin­ge für Lö­cher in Kin­der­ho­sen ...

Auf dem Schreib­tisch:
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­ten zum Auf­ar­bei­ten, die ei­ne gu­te Quel­le für die Vor­be­rei­tung kom­men­der Ein­sät­ze sind und
 ❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben

„Rein­ge­blei­stif­te­te Ter­mi­ne“ sind Ter­mi­ne, zu de­nen wir Kos­ten­vor­an­schlä­ge ge­schrie­ben ha­ben. Frü­her be­ka­men wir zu je­dem drit­ten An­ge­bot ei­ne Zu­sa­ge, heu­te ist die ers­te Kenn­zif­fer deut­lich zwei­stel­lig.

Es gibt we­ni­ger Ver­an­stal­tun­gen, seit man­che in der Po­li­tik stär­ker auf Glo­bish set­zen, es au­ßer­dem mehr Agen­tu­ren gibt, die nur wei­ter­be­auf­tra­gen (mit Ab­schlä­gen von bis zu 50 Pro­zent des Ho­no­rars als „Ver­gü­tung“ ei­ni­ger Mails; da „spie­len“ vie­le von uns nicht mit).

Au­ßer­dem gibt es Tech­nik­fir­men, die „KI-Dol­met­schen“ ver­kau­fen, ob­wohl die KI das nicht kann und nicht kön­nen wird, denn sie hat kei­ne Er­fah­rung, kei­ne Kör­per­lich­keit und erst recht kei­nen ech­ten Über­blick, wenn sie nur Wör­ter aus­tauscht, die nach ma­the­ma­ti­scher Wahr­schein­lich­keit auf­ein­an­der fol­gen.

Grund­la­ge da­für sind oft miss­ver­stan­de­ne Be­grif­fe, die alles ver­zer­ren. Wenn mir Ver­käu­fer die­ser Tech­nik sa­gen: „Aber un­se­re Ma­schi­nen ar­bei­ten zu 80 Prozent ak­ku­rat!“, em­pfin­de ich das als eine Be­lei­di­gung mei­nes Be­rufs­stan­des und der In­tel­li­genz der Kund:in­nen. Denn was sol­len die bit­te­schön mit 20 Pro­zent Murks ma­chen, mit Aus­las­sun­gen, Fehl­grif­fen und Er­fun­de­nem? Ein fal­sches Verb reicht, und al­les ist für die Katz. Die Auf­räum­ar­beit an­schlie­ßend wird teu­rer als die ver­meint­li­che Geld­er­spar­nis.

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Gra­fik: C.E. mit pixlr.com + Let­ter­set

Freitag, 30. Januar 2026

Eis!

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie sind hier auf der Blog­sei­te ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che ge­lan­det. Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Seit 2007 schrei­be ich hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen oder De­le­ga­tio­nen. Als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin bin ich ge­le­gent­lich auch im Spra­chen­paar Eng­lisch → Fran­zö­sisch un­ter­wegs. Sonst über­set­ze ich Tex­te ins Deut­sche.

Berliner Gehweg im Ausnahmezustand
Nicht nur ein Herbst­blatt auf dem Eis
Heu­te: [ˈaɪ̯s], der Deut­schen liebs­tes Des­sert, heu­te auf den Stra­ßen We­gen, nicht zu ver­wech­seln mit Tram­pel­tiers gleich­klin­gen­der Ge­sta­po.

Das Foto ist von gestern. In Ber­lin gibt's heu­te Neu­schnee, das sieht schön aus, ein klei­nes Win­ter­wun­der­land vor dem Haus. Wenn dar­un­ter nicht an vie­len Stel­len ei­ne ein- bis an­der­thalb Zen­ti­me­ter di­cke Eis­schicht lie­gen wür­de. Vie­le Men­schen ha­ben so Haus­ar­rest.

Wir hätten am Mor­gen ei­gent­lich Be­such aus Nord­ber­lin krie­gen sol­len. Ab­ge­sagt. Ber­lin ist hals­bre­che­risch glatt. Und ich bin ge­ra­de ein we­nig frus­tri­ert, weil mei­ne täg­li­chen Wan­de­run­gen aus­fal­len

Ber­li­ner:­in­nen sind Kum­mer ge­wohnt. Wäh­rend in Pa­ris in stark fre­quen­tier­ten Ge­gen­den täg­lich die Stra­ße ge­fegt wird, sonst al­le zwei Ta­ge, gibt es hier in Ber­lin vie­le Stra­ßen, de­nen sich die BSR viel­leicht zwei­mal im Jahr wid­met. An vie­len Ecken lie­gen Dreck und Müll. Fes­te Sperr­müll­ta­ge für al­le gibt es nicht, da­für lan­ge War­te­zei­ten auf die Ab­ho­lung. Das ist ner­vig ge­nug.

Jetzt sind seit Tagen die Geh­we­ge als Eis­lauf­bah­nen nutz­bar: mit Eis be­deckt, oft nicht ge­streut. Die Fahr­bahn da­ge­gen ist meist pri­ma nutz­bar. Bei den Fahr­rad­we­gen: mal so, mal so.

Ges­tern muss­te ich zum Kuh­damm, ei­ne der kom­mer­zi­ells­ten und tou­ris­tischs­ten Ge­gen­den der Stadt. Dort tas­ten sich die Men­schen schritt­wei­se im Pin­gu­in­wat­schel­gang über die Eis­de­cke. Ei­ne äl­te­re Da­me pro­pel­lert wild mit den Ar­men, als woll­te sie gleich ab­he­ben, schwankt kurz, fängt sich dann wie­der. Oh­ne ih­ren Ruck­sack mit Ein­käu­fen drin hät­te sie ab­ge­ho­ben!

Hals­bre­che­ri­sche Zu­stän­de gibt es auch auf et­li­chen S-Bahn-Stei­gen. Was pas­siert ei­gent­lich mit un­se­rem Fahr­geld, mit un­se­ren Steu­er­gel­dern, den Ne­ben­kos­ten für den Win­ter­dienst? Of­fen­sicht­lich fehlt es an öf­fent­li­cher Si­cher­heit, auch oh­ne Eis oft an der In­stand­hal­tung. (Übers Jahr droht vie­ler­orts Schlag­loch­a­larm.)

Win­ter ist in Ber­lin kei­ne Über­ra­schung. Schnee und Eis wa­ren jahr­zehn­te­lang All­tag. Und nun, in Zei­ten der Kli­ma­ka­ta­stro­phe, ha­ben vie­le städ­ti­sche Ei­gen­be­trie­be Tech­nik und Per­so­nal ab­ge­baut. Auch pri­va­te Win­ter­diens­te schei­nen den Win­ter un­ter­schätzt zu ha­ben. Nie­mand kommt hin­ter­her.

Da­bei wird für die Fahr­bah­nen durch­aus et­was ge­tan, al­ler­dings nicht von der Stadt, son­dern von der Phy­sik: Die Rei­fen lie­fern Rei­bungs­wär­me, Ab­ga­se und war­me Fahr­zeug­tei­le hei­zen die Stra­ße zu­sätz­lich auf. Das Ge­wicht der Fahr­zeu­ge zer­bricht und zer­malmt die Eis­schicht. Wir Fuß­gän­ger:­in­nen da­ge­gen po­lie­ren mit un­se­ren Schu­hen die Eis­ober­flä­che eher noch.

Die hier be­rich­ten­de Dol­met­sche­rin hat üb­ri­gens ge­ra­de mit ei­nem fran­zö­si­schen Gast acht Stun­den in der Not­fall­stel­le ei­nes Kran­ken­hau­ses ver­bracht. Dort: al­les vol­ler äl­te­rer Men­schen, die auf dem Eis aus­ge­rutscht wa­ren.

Seit dem Nach­mit­tag er­laubt Ber­lin das Streu­en von Salz trotz er­wie­se­ner Schäd­lich­keit. Es liegt an der Man­po­wer, nicht am Subs­trat.

CUT. In Aus­tra­li­en ist so viel Land ab­ge­brannt wie das hal­be Saar­land groß ist. Nörd­lich von Ade­lai­de wur­den 49 °C ge­mes­sen. Und wäh­rend bei uns noch häu­fi­ge­re und län­ge­re Käl­te­pha­sen dro­hen, weil die Kli­ma­ka­ta­stro­phe den Golf­strom bzw. AMOC ab­schwächt, ver­brennt auf der an­de­ren Sei­te un­se­res Glo­bus die Ge­gend.

P.S.: Ei­ne Nach­richt an die EB Im­mo­bi­li­en­ver­wal­tung: Wir ha­ben mit­be­kom­men, dass wir seit dem 3.12. ent­we­der Win­ter­dienst oder die Putz­leu­te im Haus ha­ben. Dass sie die Putz­lis­te am Aus­hang im nach­hin­ein ha­ben än­dern las­sen, än­dert da­ran nichts. Das hier ist hals­bre­che­risch. An der Haus­wand lässt sich knapp ent­lang­schlei­chen, so­lan­ge kein Ge­gen­ver­kehr ist (und wir stel­len­wei­se seit­lich tre­ten). Ach, und um die in­zwi­schen il­le­ga­le Blei­lei­tung in der Wand soll­ten Sie sich auch mal küm­mern. Mal sehen, viel­leicht re­agie­ren Sie ja auf die­se Wei­se.

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Fo­to: C.E.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Und bitte!

... lau­tet der Auf­trag an die Schau­spie­le­r:in­nen und Schau­spie­ler vor der Ka­me­ra, mit der Ar­beit los­zu­le­gen. Auf EN und FR geht's knap­per: « AC­TION »! Ich muss schmun­zeln, da ich an deut­schen Sets im­mer häu­fi­ger das hier hö­re: „Äktsch'n!“

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Sprach­mit­tle­rin. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch … und Film. Hier er­zäh­le ich re­gel­mä­ßig so, dass man nicht im­mer die Be­tref­fen­den er­kennt, da­für aber die Si­tu­a­tio­nen. Heu­te: Ber­li­na­le. Im Schat­ten des gro­ßen Events bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig.

Dol­met­schen auf Fes­ti­vals
Zwei Jahr­zehn­te lang war die Ber­li­na­le für mich gleich­be­deu­tend mit der Ein­sam­keit der Dol­metsch­ka­bi­ne, der Ber­li­na­le­büh­ne oder den Ho­tel­zim­mern mit Hoch­flor­tep­pich und Häpp­chen bei den Pres­se­inter­views.
Ich habe fran­zö­si­sche Gäs­te dem Pu­bli­kum und der Pres­se nä­her ge­bracht — oder ich war die fran­zö­si­sche Stim­me man­chen deut­schen Fil­ms für fran­ko­pho­ne Gäs­te. Lan­ge ha­ben wir aus­schließ­lich deutsch oder eng­lisch un­ter­ti­tel­te Fil­me si­mul­tan ins Fran­zö­si­sche ge­dol­metsch­t.

Die­ses so­ge­nann­te „Ein­spre­chen“ klingt ein we­nig so, wie et­li­che aus­län­di­sche Fil­me im pol­ni­schen Fern­se­hen klin­gen. In den Nul­ler­jah­ren wur­de dann Eng­lisch zur Haupt­ar­beits­spra­che des Fes­ti­vals.

I speak Ger­man, French and the lan­guage of ci­ne­ma

Ge­blie­ben sind Pres­se­inter­views. Die­se Ar­beit ist mehr als das Über­set­zen von Wör­tern: es sind hoch­auf­ge­la­de­ne, durch­cho­reo­gra­fier­te Mo­men­te, die trotz­dem leicht und spon­tan wir­ken sol­len. Ich ma­che mich da­bei un­sicht­bar. Wenn al­les pri­ma läuft, spre­chen die Künst­ler:in­nen di­rekt mit den Men­schen von der Pres­se, als hät­ten sie ein- und die­sel­be Spra­che.

Nach mehr als 25 Jah­ren auf Fes­ti­vals und vie­len VIP-Ein­sät­zen weiß ich, wor­auf es wirk­lich an­kommt.

Rückblick

Im Vor­feld steht im­mer viel Re­cher­che. Vor Ort sind Ener­gie­haus­hal­ten und Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent die ho­he Schu­le. Zu­frie­de­ne Ge­sich­ter von Künst­ler:in­nen wie Pu­bli­kum sind die schöns­te Ent­loh­nung. Häu­fig durf­te ich bei der Ent­ste­hung neu­er Ko­pro­duk­tio­nen mit­wir­ken. Die Stra­pa­zen sind dann schnell ver­ges­sen.

In den Jah­ren mit oft 30 Ber­li­na­le­ter­mi­nen war es meist ta­bu, sich abends auf Par­tys rum­zu­trei­ben, schon al­lein der Stim­me we­gen. Jah­re­lang ha­be ich die Kon­takt­pfle­ge schlei­fen las­sen müs­sen, die Ar­beit ging vor. Ber­li­na­le-Dol­met­scher mit eng ge­tak­te­tem Ter­min­ka­len­der zu sein war ein Le­ben von ge­ra­de­zu mön­chi­scher Ein­fach­heit.

Seit al­le Eng­lisch auf dem Fes­ti­val spre­chen, wur­den lei­der auch die Pu­bli­kums­ge­sprä­che ver­kürzt. Gäs­te dür­fen sich nun in Shake­spea­res Spra­che äu­ßern. Die Ge­duld des Pu­bli­kums scheint durch di­gi­ta­le Me­dien ver­kürzt, die Kon­zen­tra­ti­on schwin­det. Ein Kul­tur­ver­lust. Statt­des­sen ent­ste­hen kur­ze Vi­deos, bei de­nen al­le sehr schnell auf den Punkt kom­men müs­sen.

Zwangs­pau­se, nur zum Teil film­reif

Dann schlug bei mir das Schick­sal zu: An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge, Co­ro­na­jah­re, Long Covid, wei­te­re Pfle­ge­jah­re in Teil­zeit folg­ten. Heu­te dol­met­sche ich in den Ku­lis­sen: Pres­se­inter­views, Hin­ter­grund­ge­sprä­che, tech­ni­sche Mee­tings. 

Let's party!

Und ich den­ke wie­der an Bran­chen­treffs, die es bei der Ber­li­na­le in Dut­zen­den pro Tag gibt, Um­trun­ke, Emp­fän­ge, Par­tys; fast im­mer nur mit Ein­la­dung. Das Nach­ja­gen nach Ein­la­dun­gen kos­tet Zeit, die ich lan­ge nicht hat­te.

Drei Ein­la­dun­gen lie­gen bei mir schon auf dem Tisch, ohne jeg­li­che Nach­fra­ge: zwei da­von ech­te Brief­post mit Um­schlag und Brief­mar­ke. Very nice and the old style.

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Gra­fik: Ar­chiv

Montag, 26. Januar 2026

Montagsschreibtisch (124)

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen auf den Sei­ten mei­nes vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch, Deutsch ist mei­ne Mut­ter­spra­che. Heu­te wie­der ein Blick auf den Schreib­tisch.

Letz­te Ja­nuar­wo­che schon wieder, die Zeit rauscht nur so durch! Die Ber­li­na­le-Un­ter­ti­tel sind ab­ge­ge­ben; ich bin ge­spannt, was als nächs­tes kommt.

Frau am Telefon
He­le­ne beim Te­le­fon­dienst (1926)
Neu­lich wur­de bei uns ge­gen­über mal wie­der laut­ re­no­viert, dann flie­he ich meis­tens, und vom Co­wor­king-Space ha­be ich noch ei­ni­ge Slots frei. Mal se­hen, wann ich da hin­ge­he in den nächs­ten Wo­chen. Kei­ne schlech­te Sa­che, um auf neu­e Ge­dan­ken zu kom­men, so ei­ne Aus­la­ge­rung, viel­leicht wer­de ich mir ei­nes Ta­ges mit dem Netz­werk auch ei­nen Te­le­fon­ser­vice su­chen.
Da­bei schrei­be ich hier stän­dig: Bit­te send­en Sie mir ei­ne Mail und wir ver­ab­re­den ei­n Te­le­fon­gespräch, da­mit Sie die bes­te, näm­lich die di­rek­te Be­ra­tung durch Dol­met­sche:rin­nen be­kom­men, und nicht mög­li­cher­wei­se Fehl­in­for­ma­tio­nen durch Kauf­leu­te. (... in Sa­chen Tech­nik­an­for­de­rung, Pro­fi­le des Dol­metsch­teams oder gar KI-Ein­satz. War­nung: Die KI kann nicht dol­met­schen.)

Auf dem Schreib­tisch diese Woche:
♠ Kos­ten­vor­an­schlä­ge
♠ KI und Krea­ti­v­wirt­schaft
♠ Bi­blio­thek
♠ Ab­la­gen

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Sonntag, 25. Januar 2026

Nachtrag / KI / Lernen


Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Sie le­sen in ei­nem Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt. Ich bin Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin, ar­bei­te als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und aus dem Eng­li­schen, was auch die Ziel­spra­che der Bü­ro­kol­le­gin ist, die schrift­lich ar­bei­tet: sie über­setzt. Klei­nes P.S. zu ges­tern.

Der Film, den ich ges­tern ver­linkt ha­be, bringt vie­les auf den Punkt. Da­für bin ich dem Team, das ihn ge­macht hat, dank­bar.

Al­ler­dings ist mir auf­ge­sto­ßen, dass er mit ei­ner KI-Stim­me ver­tont wur­de, die ei­ni­ger­ma­ßen na­tür­lich klingt, aber eben am En­de doch syn­the­tisch, was die Auf­merk­sam­keit ein­schränkt, das Ver­ständ­nis er­schwert und da­mit, ge­mes­sen an den Ab­sich­ten, ein klas­si­sches Ei­gen­tor dar­stellt … und zu­dem be­feu­ert, dass Spre­cher:in­nen ar­beits­los wer­den.

Mit den KI-Stim­men ist es so ähn­lich wie mit dem Le­sen di­gi­ta­ler Bü­cher ver­sus ech­ter Bü­cher auf Pa­pier, wie mit di­gi­ta­len No­ti­zen ver­sus hand­schrift­li­chen No­ti­zen, wie mit den von KI zu­sam­men­kom­pi­lier­ten ver­sus von ei­nem selbst er­stell­ten Tex­ten: Um wirk­lich zu ler­nen, d.h. dau­er­haf­te Ver­knüp­fun­gen im Ge­hirn her­zu­stel­len, ist das mensch­li­che Mo­ment nö­tig, hier al­so die ech­te Stim­me mit ih­ren an­de­ren Be­to­nun­gen, Pau­sen, viel­leicht auch klei­nen Un­schär­fen in der Aus­spra­che und der Sprach­me­lo­die, mit hör­ba­ren Emo­tio­nen.

Und wir brau­chen Hand­ar­beit beim Schrei­ben, beim Ver­fol­gen der Zei­len auf Buch­sei­ten ver­an­kern wir das Ge­le­se­ne an­ders, auch durch An­strei­chun­gen und Rand­no­ti­zen. In­zwi­schen be­stä­ti­gen ers­te For­schungs­er­geb­nis­se, was vie­le Leh­ren­de so­wie wir pro­fes­sio­nel­le Dau­er­ler­nen­de schon im­mer ver­mu­tet bzw. em­pi­risch „er­forscht“ hat­ten.

Zu­sam­men­fas­sung: Ler­nen ge­schieht durch Wie­der­ho­lung, Ver­knüp­fung, Emo­tio­nen, Bin­dung, Ein­satz der Sin­ne und des Kör­pers, Ver­knüp­fun­gen, die durch die Ko­or­di­nie­rung von Hand und Hirn ent­ste­hen.

Einladung: Dekolonisieren wir die Ökologie, Vorführung mit Diskussion, französischer Filmabend der Auslandsfranzosen in Berlin
Ein­la­dung zu ei­nem Ber­li­ner Ki­no­abend
Last but not least: Als be­fremd­lich emp­fand ich auch den Link un­ter dem oben er­wähn­ten Film, der zum gr­o­ßen A. ge­führt hat, und zwar zu Me­di­ta­tions­kis­sen, Bü­chern & Co. ... Statt­des­sen bit­te den klei­nen Buch­han­del an der Ecke und eu­ro­pä­i­sche Lie­fe­rant:in­nen be­vor­zu­gen, die ih­re Steu­ern in Eu­ro­pa zah­len und die mit ih­ren Ge­win­nen nicht mut­wil­lig un­se­re De­mo­kra­tien zer­stö­ren! 

So, jetzt be­ginnt das frei­e Wo­chen­en­de, denn ges­tern ha­be ich mich tat­kräf­tig für ei­ne Ki­no­vor­füh­rung en­ga­giert.

Der Abend wird vom Ver­ein der Aus­lands­fran­zo­sen or­ga­ni­siert. Ich ha­be mich an der Vor­be­rei­tung be­tei­ligt und die­se Ein­la­dung ge­stal­tet.

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Gra­fik
: C.E.


Samstag, 24. Januar 2026

Sün­den­bock­nar­ra­tiv

Was Dol­met­scherin­nen und Über­set­zerin­nen, Dol­met­scher und Über­set­zer um­treibt, wie wir ar­bei­ten, ist hier seit 2007 in lo­ser Fol­ge The­ma. Als Fran­zö­sisch­dol­met­scherin mit Eng­lisch als Drittsprache be­ob­ach­te da­ne­ben un­se­re Zeit sehr ge­nau ... und sor­tie­re ein, aus der Per­spek­ti­ve ei­ner Dol­met­scherin. Sams­tags brin­ge ich ger­ne mei­nen Link der Wo­che.

Vor­ab: Hat diese Woche ein ernst­zu­neh­men­des Me­di­um das Auf­flam­men anti­grü­ner Pro­pa­gan­da in den Me­di­en und in der Po­li­tik zum The­ma ge­habt? Mir fiel auf, das hier et­was fehlt. Und ja, ich ha­be na­tür­lich nicht al­les ge­le­sen, man­gels Zeit und Zu­gang, und ha­be selbst schon darüber ge­schrie­ben: klick. Ich hät­te hier ger­ne ein­en Ar­ti­kel ver­linkt. Ha­be ich ihn über­se­hen? Dann bit­te ich um ei­nen Hin­weis an ca­ro­li­ne@ada­zyl­la.de!

Das ak­tu­el­le Sün­den­bock­nar­ra­tiv geht so: Acht grü­ne Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te brin­gen das Mer­co­sur-Ab­kom­men zu Fall. Pa­ral­lel da­zu töl­pelt ein kran­ker, rei­cher Mann vor ex­klu­si­vem Pu­bli­kum mit Lü­gen, Ver­kür­zun­gen und Dro­hun­gen rum. Na­tür­lich braucht Eu­ro­pa gu­te, so­li­de Part­ner. Das Mer­co­sur-Ab­kom­men bie­tet sich hier an. Aber ei­ne gu­te Part­ner­schaft braucht ei­ne fes­te Grund­la­ge.

Jetzt al­so die­ser Skan­dal! Das Pu­bli­kum denkt (ein­mal mehr): Mit den Grü­nen ist kein Staat zu ma­chen, die sind de­struk­tiv und blöd, so wie je­ne, die neu­lich in Ber­lin gan­ze Be­zir­ke von der Strom­lei­tung ab­ge­schnit­ten ha­ben. So oder so ähn­lich.

Wer Ih­nen das ein­flüs­tert, man­che Po­li­ti­ker und et­li­che Me­di­en, han­delt un­­de­mo­kra­tisch. Denn es gibt kei­nen Skan­dal, es wird nur in we­ni­gen Mo­na­ten in Ba­den-Würt­tem­berg ge­wählt.

Nor­ma­ler­wei­se hät­te der Eu­ro­pä­i­sche Ge­richts­hof (EuGH) im Vor­feld des par­la­men­ta­ri­schen Ter­mins Zeit ge­habt, um al­le De­tai­ls des Ab­kom­mens zu prü­fen. Die Kom­mis­sion wollte aber in der ak­tu­el­len Welt­la­ge, dass der Text vom Par­la­ment rasch be­stä­tigt wer­den wür­de und ließ die­se Etap­pe aus. Nach ge­nug Zeit sieht's ja aus: Das Ab­kom­men wur­de in über 25 Jah­ren ver­han­delt. In die­sem Vier­tel­jahr­hun­dert ha­ben in­des häu­fig die De­le­ga­tio­nen ge­wech­selt, und es wur­de mal ernst­haft, mal halb­her­zig, mal lieb­los de­bat­tiert. Da­her steckt der Text vol­ler Wi­der­sprü­che, ist he­te­ro­gen.

Man­cher Tag im po­li­ti­schen Be­trieb klei­ner Ver­hand­lungs­kom­mis­sio­nen en­det da­mit, dass sich al­le Sei­ten auf ei­ne Ab­sichts­er­klä­rung ei­ni­gen, oft un­scharf ge­fasst, da­mit zu Hau­se die Zei­len al­le ab­ni­cken kön­nen. Wich­tig ist, dass ein Hä­kchen an die Auf­ga­be ge­setzt wer­den kann.

Das weiß ich aus ers­ter Rei­he als Dol­met­sche­rin. Man­ches aber könn­te an­schlie­ßend zum Pro­blem wer­den, wenn aus­län­di­sche In­ves­to­ren ent­gan­ge­ne Ge­win­ne ein­kla­gen, über­haupt droht bei ei­ner hand­werk­lich schlecht ge­mach­ten Ar­beit am En­de ei­ne Kos­ten­la­wi­ne, Spott und Hohn für schlech­tes Re­gie­ren. Da­mit han­delt es sich hier um ei­ne Prä­ven­tiv­maß­nah­me, die eben­so nor­mal wie ba­nal ist.

Et­li­che As­pek­te des ak­tu­e­l­len Texts kön­n­en näm­lich ge­gen die Eu­ro­pä­i­schen Ver­trä­ge ver­sto­ßen, da­her ist die­ser Schritt im­mens wich­tig. Au­ßer­dem soll ge­prüft wer­den, ob das Ab­kom­men mit dem eu­ro­pä­i­schen Vor­sor­ge­prin­zip kon­form geht. So, wie es der­zeit im Text steht, wür­den Prüf- und Kon­troll­me­cha­nis­men für Ag­rar­im­por­te ab­ge­senkt. Es geht schlicht um Ver­brau­cher­schutz und die Er­fül­lung der Sorg­falts­pflicht.

Al­le, die den Text des Ab­kom­mens dem EuGH zur Prü­fung vor­le­gen möch­ten, ha­ben also dem Po­li­tik­be­trieb über­haupt kei­ne Stei­ne in den Weg ge­legt, son­dern ganz im Ge­gen­teil ein Be­kennt­nis zu Rechts­staat­lich­keit und für rechts­si­che­re eu­ro­pä­i­sche Ge­setz­ge­bung ab­ge­ge­ben. Die vom Ge­richts­hof am En­de mög­li­cher­wei­se be­an­stan­de­ten Punk­te wür­den neu ver­han­delt, was das Ab­kom­men in Gän­ze nicht ge­fähr­det. In der Zwi­schen­zeit kann das Ab­kom­men vor­läu­fig in Kraft tre­ten.

Zur Ein­ord­nung, wie groß die Pro­pa­gan­da­leis­tung ist: Die Mehr­heit hing an zehn Stim­men, für die An­ru­fung des EuGH ha­ben acht deut­sche Grü­ne ge­stimmt. Oh­ne sie wä­re der An­trag trotz­dem durch­ge­gan­gen, auch we­gen knapp 100 Ja-Stim­men der kon­ser­va­ti­ven und so­zia­len/de­mo­kra­ti­schen Frak­tio­nen.

Wir dür­fen uns in un­se­rer Po­li­tik nicht von den Sau­en ab­hän­gig ma­chen, die das Tram­pel­tier da durchs Dorf treibt, aber auch nicht von par­tei­po­li­ti­schen In­ter­es­sen, die sich am Wahl­ka­len­der ori­en­tie­ren.

Vie­le der Grü­nen selbst füh­len sich in­zwi­schen so un­ter Druck, dass sie selbst zu den Kri­ti­kern die­ses Ab­stim­mungs­er­geb­nis­ses zäh­len und leider die of­fen­sicht­li­che Mei­nungs­ma­che so­wie die De­tai­ls nicht öf­fent­lich klar­stel­len. Das ist das Ein­ge­ständ­nis, dass vie­le Men­schen, die dem­nächst an die Wahl­ur­ne tre­ten dür­fen, mit sol­chen kom­ple­xen De­tai­ls über­for­dert sind, aber auch jam­mer­scha­de, denn im Grun­de ist es ho­he Zeit, die­se Pro­pa­gan­da­me­cha­nis­men auf­zu­de­cken. 

Wir hat­ten das schon beim „Heiz­ham­mer“ ge­se­hen, dem „Hei­zungs­ge­setz“, das es mit die­sem Na­men nie gab, durch das Ro­bert Ha­beck an­geb­lich ar­me Rent­ner:in­nen um ih­re klei­nen Häus­chen brin­gen woll­te. Die Kri­tik be­zog sich auf das von CDU und SPD ein­ge­brach­te Ge­bäu­de­ener­gie­ge­setz (GEG), das un­ter grü­ner Lei­tung nicht ver­schärft, son­dern im Ge­gen­teil ent­schärft wur­de. Aber al­le Me­di­en, so­gar die Öf­fent­lich-Recht­li­chen, sind dar­auf an­ge­sprun­gen.

Ein­schub: Dass die ak­tu­el­le Pfle­ge­si­tua­ti­on vie­le Fa­mi­li­en kalt ent­eig­net und Kas­sen ru­i­niert, da­für sat­te Di­vi­den­den bei den An­le­gern ein­fährt, da­von kaum ein Ster­bens­wört­chen in der heu­ti­gen Po­li­tik. Ein­schu­ben­de.

Die ak­tu­el­le La­ge: Wär­me­pum­pen hat­ten noch nie ei­nen so gu­ten Ab­satz wie im letz­ten Jahr, sie wer­den wei­ter ver­bes­sert, lei­ser, hüb­scher, auch SPLIT-Kli­ma­an­la­gen wer­den tech­nisch bes­ser, die In­dus­trie ar­bei­tet mit Hoch­druck an En­er­gie­spei­cher­mo­del­len und die ak­tu­el­le Re­gie­rung hat die För­de­rung für E-Au­tos wie­der auf­ge­legt. Die En­er­gie­wen­de ist in vol­lem Gan­ge, trotz­dem lan­det ak­tu­ell zu viel des knap­pen Gel­des durch Sub­ven­tio­nen der Fos­sil­in­dus­trie nicht nur in fal­schen Kas­sen, son­dern schä­digt wei­ter­hin Um­welt, Bio­di­ver­si­tät, Kli­ma und die Zu­kunfts­per­spek­ti­ven un­se­rer Kin­der und En­kel.

Ré­su­mé: Wer Fak­ten be­reits als Par­tei­nahme empfindet, hat den Bo­den der De­bat­te ver­las­sen.

Zur Vertiefung: In die­sem Vi­deo wird er­ör­tert, wie Laut­stär­ke po­li­ti­sche Wahr­neh­mung be­ein­flusst und wa­rum oft die sach­lich Kom­pe­ten­tes­ten die Leisen sind; ein Phä­no­men, das auch im me­dia­len Dis­kurs um das Mer­co­sur-Ab­kom­men re­le­vant ist.



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Film: am bes­ten oh­ne Wer­bung
im Duck­Duck­Go-Play­er!

Freitag, 23. Januar 2026

Die nächste Sau

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie Dol­met­sche­r:in­nen und Über­setze­r:in­nen ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Be­ruf ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten. Heu­te: ak­tu­el­le Po­li­tik, die mich in der zwei­ten oder drit­ten Rei­he be­schäf­ti­gen wird.

Aus der Dolmetscherkabine: Blick auf Stuhlreihen
In einem Sitzungssaal des EP
Ein kur­zes State­ment zum ak­tu­el­len Auf­re­ger „Mer­co­sur-Ab­kom­men“: Tat­säch­lich hat das EU-Par­la­ment die­ses Ab­kom­men nicht ge­kippt, son­dern es NUR zur recht­li­chen Prü­fung an den Eu­ro­pä­i­schen Ge­richts­hof (Eu­GH) ver­wie­sen. Das ist ein Rou­ti­ne­vor­gang. 

Das nun häu­fig be­schwo­re­ne Nar­ra­tiv, die deut­schen Grü­nen hät­ten hier als „Züng­lein an der Waa­ge“ agiert, hält der nüch­ter­nen Be­trach­tung nicht stand. Die Ab­stim­mung ging mit ei­ner Mehr­heit von zehn Stim­men durchs Par­la­ment. Die Zahl der deut­schen grü­nen Stim­men be­trug acht, die der deut­schen Kon­ser­va­ti­ven hin­ge­gen 45. Auch oh­ne die Grü­nen hät­te wäre das Ge­richt an­ge­ru­fen wor­den. Kurz: Die „Skan­dal­blo­cka­de“ ist Teil ei­ner Kam­pa­gne.

Ein Blick in den po­li­ti­schen Ka­len­der und wir wis­sen: In acht Wo­chen wird in Ba­den-Würt­tem­berg ge­wählt.

Wer weiß, wie sol­che Ab­kom­men ver­han­delt wer­den, und wir Dol­met­sche­r:in­nen kön­nen ein Lied da­von sin­gen, sieht das noch ent­spann­ter. In Ein­zel­ka­pi­tel un­ter­teilt, in Ver­hand­lungs­grup­pen auf­ge­teilt, hier über 25 Jah­re: Man­che um­strit­te­ne Pas­sa­ge ist am En­de lan­ger Sit­zun­gen so weich­ge­spült (oder schwam­mig for­mu­liert), dass eine all­ge­mei­ne Über­ein­kunft mög­lich wird. Al­le Sei­ten hof­fen dann auf Ent­wick­lun­gen bei den je­wei­li­gen Part­nern, um ei­nes Ta­ges nach­schär­fen zu kön­nen.

Die­ses Schwam­mi­ge kann sich al­ler­dings am En­de als Pro­blem er­wei­sen. Näm­lich jetzt, wenn das Ge­samt­werk, das sehr he­te­ro­gen ist und schon wie­der­hol­te Glät­tungs­vor­gän­ge er­lebt hat, ra­ti­fi­ziert wer­den soll. Das Ge­richt hat üb­ri­gens zu­vor schon an­de­re Frei­han­dels­ver­trä­ge über­prüft, so ge­sche­hen bei CE­TA oder Sin­ga­pur. Die­se Ver­fah­ren dau­ern in der Re­gel an­dert­halb bis zwei Jah­re und die­nen da­zu, spä­te­re Kla­ge­wel­len und ju­ris­ti­sches Cha­os zu ver­mei­den. (Bei hand­werk­li­chen Fehlern wür­de es dann be­rech­tigt gro­ße Kri­tik set­zen.)

Ich hat­te es erst Mitt­woch von den be­rühm­ten Sau­en, die durchs Dorf ge­trie­ben wer­den, Stich­wort „Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie“. Dass schon wie­der ernst­zu­neh­men­de Me­di­en bei die­sen in­halts­ver­kür­zen­den Hass­kam­pa­gnen mit­mi­schen, er­schüt­tert mich. Aus der Treib­jagd ge­gen Ha­beck nichts ge­lernt? Der ver­meint­li­che „Heiz­ham­mer“ war das Ge­bäu­de­en­er­gie­ge­setz (GEG) aus der Fe­der der CDU, von Ha­beck ent­schärft, nicht ver­schärft.

Ich fin­de das nicht wit­zig. Die­ses Ver­hal­ten be­schä­digt die De­mo­kra­tie. Wo bleibt die ru­hi­ge, krea­ti­ve Ar­beits­ru­he? Und der Lärm droht an der Ta­ges­ord­nung zu blei­ben, wir ha­ben schließ­lich ein Land­tags­wahl­jahr.

Die EU-Kom­mis­si­on hat­te bei Mer­co­sur üb­ri­gens be­wusst auf ei­ne vor­he­ri­ge Eu­GH-Prü­fung ver­zich­tet, um po­li­ti­schen Schwung zu hal­ten und das Ab­kom­men zü­gig durch Rat und Par­la­ment zu brin­gen. Der Ge­dan­ke war wohl: „Wir spa­ren Zeit.“ Da­mit wer­den aber die recht­li­chen Ri­si­ken in die Zu­kunft ver­la­gert. Das Par­la­ment schließt nun die­se Lü­cke.

Im Zen­trum der Kri­tik ste­hen un­ter an­de­rem Um­welt­stan­dards. Eu­ro­pä­i­sche Che­mie­kon­zer­ne pro­du­zie­ren Ag­rar­che­mie, die in Eu­ro­pa aus gu­ten Grün­den ver­bo­ten ist, und ver­kau­fen die Sub­stan­zen dann in Län­der des glo­ba­len Sü­dens. Dort be­las­ten sie ­Land­ar­bei­ter, Bö­den und Le­bens­mit­tel. Zu befürchten ist, dass die Ac­ker­gifte in den Le­bens­mit­tel so auf eu­ro­pä­i­sche Märk­te zu­rück­keh­ren.

Zu klä­ren wä­re jetzt, ob Um­welt­schutz nach In­kraft­tre­ten des Ab­kom­mens ju­ris­tisch ab­ge­si­chert bleibt, und am bes­ten gleich mit, ob die Her­stel­lung die­ser gif­ti­gen Stof­fe über­haupt noch zu recht­fer­ti­gen ist. In Frank­reich gilt Par­kin­son bei Land­wir­ten be­reits als Be­rufs­krank­heit, in Deutsch­land nicht, ich schät­ze, weil die Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten ei­ne Kos­ten­la­wi­ne ver­mei­den möch­ten.

Die­ser Punkt zeigt ein grund­sätz­liches Pro­blem: Che­mi­sche Sub­stan­zen wir­ken nicht iso­liert oder ad­di­tiv, son­dern ku­mu­la­tiv bis po­ten­zie­rend. In be­stimm­ten Kom­bi­na­tio­nen ent­ste­hen neue Ri­si­ken, die sich re­gu­la­to­risch kaum noch kon­trol­lie­ren las­sen. Ge­nau des­halb ist die ju­ris­ti­sche Prü­fung kein po­li­ti­sches Hin­der­nis, son­dern ei­ne not­wen­di­ge Ver­si­che­rung ge­gen spä­te­re, weit gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen ... und ge­gen das nächs­te me­di­a­le Em­pö­rungs­feu­er auf vor­ge­glüh­tem Die­sel.

Wei­te­re Kon­flikt­the­men: Ar­beit­neh­mer­rech­te, A­ma­zo­nas, Tier­schutz, Me­cha­nis­men, die hel­fen, die Exis­tenz­grund­la­ge eu­ro­pä­i­scher Land­wirt:in­nen zu si­chern, Ze­men­tie­rung des post­ko­lo­ni­a­len Un­gleich­ge­wichts sol­cher Han­dels­ver­trä­ge, die in der Part­ner­re­gi­on die La­ge oft ze­men­tie­ren (wie aus der For­schung be­kannt).

Trotz der recht­li­chen Über­prü­fung durch den Eu­GH kann das Ab­kom­men üb­ri­gens auch vor­läu­fig in Kraft tre­ten, was das rich­ti­ge Zei­chen in die­ser her­aus­for­dern­den Zeit wä­re.

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Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)

No scandal

This blog fo­cus­es on the every­day wor­king life of an in­ter­pre­ter. My na­tive lan­guage is Ger­man, and I work pri­ma­ri­ly as a con­fer­en­ce in­ter­pre­ter for French and out of Eng­lish; my col­le­ague trans­la­tes in­to Eng­lish.

Interpreter's booth
The author of these lines at work in Strasbourg (2007)
A brief note on the cur­rent Me­rco­sur “scan­dal” we are having in Germany right now: the Eu­ro­pe­an Par­lia­ment did not block the a­gree­ment, but re­ferred it to the Eu­ro­pe­an Court of Jus­tice for a rou­tine le­gal re­view. This is stan­dard pro­ce­dure.

The nar­ra­tive that the Ger­man Greens acted as a de­ci­sive swing fac­tor does not hold up. 
The re­fer­ral passed with a ma­jor­i­ty of ten votes. 

Ger­man Green votes: 8. Ger­man con­ser­va­tive votes: 45. The “scan­dal block­ade” is part of a me­dia cam­paign.

From long ne­go­ti­a­tions, in­ter­pre­ters know how such deals are made: soft­ened for­mu­la­tions, com­pro­mi­ses, and hopes for fu­ture ad­just­ments. Ex­act­ly for this rea­son, ju­di­cial re­view is not a po­lit­i­cal ob­sta­cle, but a ne­ces­sary in­sur­ance a­gainst le­gal and en­vi­ron­men­tal risks la­ter on.

In times of e­lec­tion cam­paigns and per­ma­nent out­rage, le­gal cer­tain­ty is not a lux­u­ry. It is part of the in­fra­struc­ture of de­mo­cra­cy.

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Pho­to:K.K.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Schwein gehabt

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ma­chen wir die Wo­che schwei­nisch weiter!

Am heu­ti­gen Throw­back thurs­day folgt die nächs­te Saue­rei.

Im Au­gust 2011 hat­te der welt­bes­te Paten­zieh­sohn sei­nen Spaß an ei­nem Lied (und wir mit ihm): « Dans le co­chon, tout est bon ! », aut Deutsch: Am Schwein ist al­les gut (ver­wert­bar). Hier geht's zum Pos­ting: klick!

Vor dem Som­mer­ur­laub hat­te ich eine Wet­te ver­lo­ren und muss­te da­her ei­nen Bei­trag über Schwei­ne brin­gen. Da durf­te ich ver­bal mal rich­tig die Sau raus­las­sen. Noch heu­te freut mich di­ese For­mu­lie­rung: „korken­zie­her­be­schwanz­tes We­sen“.



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Musique: Encore merci, Juliette !

 


Mittwoch, 21. Januar 2026

Mäandernd im Kreis

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Hier le­sen Sie auf den Sei­ten mei­nes lo­se ge­schrie­be­nen Ta­ge­buchs aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch und Deutsch in Ber­lin, Pa­ris und über­all dort, wo Sie mich brau­chen. Ein ru­hi­ger Ja­nu­ar­diens­tag ist das heu­te. Ich den­ke nach.

Ein an De­menz er­krank­ter Nar­zisst in ei­nem Ort der Schweiz: Er spricht, mä­an­dert sich durch an­schei­nend be­lie­bi­ge The­men­fel­der, über Hö­hen und durch Tie­fen, os­zil­liert zwi­schen Dro­hun­gen und Su­per­la­ti­ven, Selbst­lob, Lü­gen und Short cuts, die haar­sträu­bend sind. Sei­ne Gram­ma­tik hat­te ich frü­her schon mal ana­ly­siert. Er spricht vor Pu­bli­kum. Über­ra­schung: Kaum ei­ne(r) ver­lässt den Saal.

Orange face, heute schwarz
Duck face, heu­te ohne Ge­sicht
Auch ich se­he hin, es ist ein Fas­zi­no­si­um, ir­gend­was zwi­schen Vul­kan­aus­bruch und Mor­gen­ne­bel, ei­gen­ar­tig und sinn­frei.

In deut­schen Me­di­en dol­met­schen zwei Men­schen, ei­ne Frau und ein Mann, die sich aber nicht ab­wech­seln, er be­spielt das Zwei­te Deut­sche Fern­se­hen (ZDF), sie ist im Ers­ten (ARD) zu hö­ren. Nur sie klingt wirk­lich nach mi­ni­ma­lem Ka­bi­nen­echo. Das dürf­te ei­ne Da­me von vor Ort sein. 

Aber war­um muss­te sie je­weils AL­LEI­NE die­sen Quark 90 Mi­nu­ten lang ver­to­nen? Das ist kom­plett NICHT bran­chen­üb­lich und ge­fähr­det die Ge­sund­heit der Kol­leg:innen.

Beide sind Hel­den.

Wir Dol­met­scher:innen be­kom­men in der Re­gel vor­ab grob die In­hal­te zu­ge­spielt, manch­mal gibt es ein Re­de­ma­nu­skript, ei­ne Power­PointPrä­sen­ta­tion oder das, was durch den Te­le­promp­ter läuft. Wer die In­hal­te, die ei­nen er­war­ten, schon mal grob kennt, kann Zu­sam­men­hän­ge er­ah­nen und Ab­schwei­fun­gen an­ti­zi­pie­ren, Be­grif­fe, Zah­len, Na­men nach­schla­gen. 

Aber hier? Un­mög­lich. Der Stil des Man­nes ist grau­en­haft, eine ver­ba­le Tanz­an­lei­tung für kurz­at­mi­ges Ge­trip­pel, Side­kicks, Rück­fall­schrit­te, ar­ti­ku­lier­te Ge­dan­ken­stol­pe­rer und Über­sprung­shand­lun­gen bis hin zum Be­haup­ten des Ge­gen­teils. (Quelle des Zitats: hier.)

So ei­ne Per­for­mance dol­met­schen zu müs­sen ist kurz vor Fol­ter. Ich hät­te das drei­fa­che Ho­no­rar als Schmerz­geld ver­langt, min­des­tens!

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Gra­fik: Netz­fund/pixlr.com (Ar­chiv)

Von Sauen und Eichhörnchen

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­tions­rei­sen. Heu­te: KI-Mitt­woch!

Links ein menschliches Profil, recht Kopf mit elekronischen Synapsen
Mensch vs. Ma­schi­ne
Diens­tag, wir sind auf ei­ner Dis­kus­sions­ver­an­stal­tung an­läss­lich der Grü­nen Wo­che. Es geht um Re­na­tu­rie­rung, um EU-För­der­sche­ma­ta, um Welt­po­li­tik und die Aus­wil­de­rung von Tie­ren bzw. das Vor­kom­men von Wöl­fen. Der Red­ner sagt auf Deutsch: „Ich spre­che jetzt zum Kon­flikt­po­ten­zial aus un­se­rer Si­cher­heits­per­spek­ti­ve, wir sind in Ös­ter­reich, kaum ha­ben wir ein The­ma ein­ge­kreist, wir ken­nen das in un­se­rem ber­gi­gen Bun­des­land … wird dann die nächs­te Sau durchs Dorf ge­jagt.“

Er spricht leicht un­ko­or­di­niert, sucht sei­ne Ge­dan­ken zu­sam­men, eben so, wie Men­schen oft spre­chen. Die Be­zü­ge ent­ste­hen in den Köp­fen der Hö­rer­schaft.

Ich sit­ze zur Ab­wechs­lung mal im Pub­li­kum, denn hier „dol­metscht“ eine Wun­der­kis­te. Al­ler­dings macht die KI dar­aus auf Fran­zö­sisch, zu­rück­über­setzt ins Deut­sche: „... In un­se­rem ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­land wis­sen wir, dass im Ge­bir­ge die Jä­ger dann die Wild­schwei­ne ein­krei­sen und im Dorf ja­gen.“ Ein Teil des Pu­bli­kums lacht. Das La­chen ist aber kein freund­li­ches, ver­bind­li­ches, son­dern ein un­gläu­bi­ges La­chen, vol­ler Hohn. 

Der Red­ner schaut ver­dutzt. Er weiß, dass die KI „dol­metscht“. Er va­ri­iert den Aus­gangs­satz. Die KI macht dar­aus, rück­über­setzt ins Deut­sche: „Wir sind in Ös­ter­reich. Wir ken­nen das in un­se­rer be­grenz­ten Berg­re­gi­on. Da wird das nächs­te Op­fer durch das Dorf ge­jagt.“ Wie­der Ge­läch­ter vol­ler Ir­ri­ta­ti­on.

Ein­schub: Was hier pas­siert, ist kein lus­ti­ger Aus­rut­scher und auch kein Mo­ment von „... sind ja nur Kin­der­krank­hei­ten des Sys­tems“, die sich „weg­trai­nie­ren“ lie­ßen. Es ist ein sys­te­mi­sches Pro­blem. Kurz­ge­fasst über­trägt die KI so ähn­lich, wie wir das von Au­to­com­ple­te ken­nen, wenn das Sys­tem ein an­ge­fan­ge­nes Wort "fer­tig­schreibt“. Der Rest ist in meh­re­ren Schrit­ten ähn­lich au­to­ma­ti­siert, sie­he den Kas­ten ganz un­ten. Ein­schub­en­de.

In der Dis­kus­si­on zur Agrar­po­li­tik war zu­vor von Wöl­fen die Re­de ge­we­sen, die Scha­fe rei­ßen. Die KI weiß nicht, was im Ge­gen­satz zu ei­ner ech­ten Hatz die Re­de­wen­dung „ei­ne Sau durchs Dorf ja­gen“ be­deu­tet. Sie be­zeich­net kei­ne rea­le Hand­lung, son­dern ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Me­cha­nis­mus: die nächs­te künst­lich auf­ge­bla­se­ne Auf­re­gung, das nächs­te me­dia­le Ab­len­kungs­ma­nö­ver. Ein mensch­li­cher Dol­met­scher hät­te das so­fort er­kannt und rich­tig über­tra­gen. Die KI hin­ge­gen zer­legt den Aus­druck in Ein­zel­tei­le: Sau, Dorf, ja­gen. Sie pro­du­ziert wört­li­che Bil­der, wo Be­deu­tung ge­meint war.

Be­mer­kens­wert ist der Mo­ment, als der Red­ner ver­sucht hat, sich der Tech­nik an­zu­pas­sen. Er hat ver­ein­facht, re­du­ziert und da­mit un­ge­wollt das Er­geb­nis ver­schlech­tert. Es ist ein wich­ti­ger Mo­ment: Die Kom­mu­ni­ka­ti­on rich­tet sich nicht mehr nach den Men­schen im Raum, son­dern nach den ver­mu­te­ten Gren­zen der Ma­schi­ne. Nicht die Kom­mu­ni­ka­ti­on steht im Mit­tel­punkt, son­dern ein un­zu­läng­li­ches Hilfs­mit­tel für Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Hier hat­te ein Tech­nik­an­bie­ter ver­spro­chen, dass es mög­lich sei, die Ar­beit von uns Dol­met­sche:rinnen kom­plett durch KI zu er­set­zen. „Schnel­ler“, „bil­li­ger“, „ska­lier­bar“: So oder so ähn­lich lau­ten die Schlag­wor­te auf sei­ner Web­sei­te. Was da­bei sys­te­ma­tisch aus­ge­blen­det wird: Dol­met­schen ist kei­ne rein tech­ni­sche Über­tra­gungs­leis­tung, son­dern ei­ne hoch­kom­ple­xe mensch­li­che Tä­tig­keit, die Ver­ant­wor­tung trägt ... für die Be­deu­tung und den Kon­text, al­so da­für, dass die In­hal­te bei den Men­schen an­kom­men.

Dol­met­schen ist kein Wör­ter­schub­sen. Es geht da­bei um Sinn, Sprech­ab­sich­ten, Vor­wis­sen und Zie­le der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Nur Men­schen kön­nen den je­wei­li­gen kul­tu­rel­len Kon­text mit­den­ken. Oft gibt es ei­ne Ebe­ne, die sich bei ober­fläch­li­chem Zu­hö­ren nicht er­schließt, die der im­pli­zi­ten Be­deu­tun­gen. Wir Dol­met­scher:in­nen sind dar­auf trai­niert, si­tua­tiv an­ge­mes­sen zu über­tra­gen, in Echt­zeit, oft un­ter ho­hem Druck, manch­mal in kon­flikt­ge­la­de­nen oder exis­ten­ziel­len Si­tua­tio­nen: vor Ge­richt, in me­di­zi­ni­schen Ge­sprä­chen, in po­li­ti­schen Ver­hand­lun­gen, in Asyl­ver­fah­ren, in Kri­sen. In sol­chen Set­tings sind KI-Feh­ler gar nicht mehr lus­tig. Sie ver­än­dern Be­deu­tun­gen, ver­schie­ben Ver­ant­wort­lich­kei­ten, füh­ren zu Miss­ver­ständ­nis­sen mit rea­len Kon­se­quen­zen, z.B. un­be­grün­de­te Ab­schie­bung oder Tod.

Das Schei­tern der Ma­schi­ne ist rasch er­klärt: KI-Sys­te­me ar­bei­ten sta­tis­tisch. Sie be­rech­nen Wahr­schein­lich­kei­ten auf der Ba­sis vor­han­de­ner Da­ten, und seit ei­ni­ger Zeit wer­den der Quatsch aus den „aso­zia­len“ Me­di­en so­wie frü­he­re KI-Er­geb­nis­se mit hin­ein­ver­wurs­tet. KI-Sys­te­me ver­ste­hen nicht, was sie sa­gen, sie er­ken­nen we­der dop­pel­te Bö­den noch Macht­ver­hält­nis­se. 

Bei KI-Feh­lern gibt es kein Si­cher­heits­netz. Sie kor­ri­giert sich nicht aus Ein­sicht, sie hat kei­ne Kol­le­gin ne­ben sich sit­zen, die sanft ein­greift, so dass sich die ak­ti­ve Dol­met­scher:in kor­ri­gie­ren kann. Sie knallt dem Pu­bli­kum ih­ren Out­put um die Oh­ren. Fer­tig. (Und ja, Dol­met­scher:in­nen aus Fleisch und Blut ma­chen auch mal Feh­ler. Mir wur­de zwei­mal mit­ten in ei­nem Ein­satz mit­ge­teilt, dass ein An­ge­hö­ri­ger im Ster­ben liegt, ein­mal war's ein Fehl­alarm. Da­nach war ich ei­ni­ger­ma­ßen out of or­der. Wir Men­schen sind zum Glück kei­ne Ma­schi­nen.)

Be­son­ders pro­ble­ma­tisch ist das Macht­ge­fäl­le, das durch KI-Dol­metsch­sys­te­me ent­steht. Wer die Tech­nik kon­trol­liert, kon­trol­liert die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Trans­pa­renz über Trai­nings­da­ten, Ver­zer­run­gen, Aus­las­sun­gen oder Prio­ri­sie­run­gen fehlt meist. Dass KI be­ste­hen­de ge­sell­schaft­li­che Un­gleich­hei­ten re­pro­du­ziert und ver­stärkt, ist in­zwi­schen gut do­ku­men­tiert, auch im sprach­li­chen Be­reich. Dia­lek­te, phy­sio­lo­gi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen, Min­der­hei­ten­spra­chen, kurz: je­de Form von nicht­nor­mier­ten Sprech­wei­sen, wo­zu aus Sicht der Ma­schi­ne lei­der auch Ge­füh­le, Iro­nie oder Rück­fra­gen zäh­len, fal­len rasch un­ter den Tisch oder wer­den „glatt­ge­bü­gelt“. Die Aus­gangs­tex­te sind vol­ler Ste­reo­ty­pen, sie wer­den mun­ter ver­wen­det, ih­re Nut­zung da­mit ver­stärkt: Män­ner steu­ern den Be­trieb, Frau­en ma­xi­mal die Melk­ma­schi­ne.

Hin­zu kommt ein öko­no­mi­sches In­ter­es­se, das wir of­fen be­nen­nen müs­sen: Hier wur­de nicht auf die KI zu­rück­ge­grif­fen, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­bes­sern, son­dern ei­ner­seits, um Kos­ten zu sen­ken, an­de­rer­seits, um den Ge­winn auf die Sei­ten der Tech-An­bie­ter zu ver­schie­ben. Mensch­li­che Ar­beit gilt oft als „zu teu­er“, Er­fah­rung als „in­ef­fi­zi­ent“. Dass ne­ben der Qua­li­tät auch Ver­läss­lich­keit und ethi­sche Ver­ant­wor­tung auf der Stre­cke blei­ben, wird bil­li­gend in Kauf ge­nom­men, so­lan­ge kurz­fris­tig die Rech­nung stimmt. Und es droht ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­mög­lich­kei­ten für un­se­rei­ner bei wach­sen­der Ver­wir­rung des Pu­bli­kums durch er­schüt­ternd schlech­ten KI-Aus­wurf. Ich den­ke es wei­ter: Den Ge­mein­den wer­den Steu­er­ein­nah­men feh­len, denn ein Teil des Ge­winns fließt zu den nord­ame­ri­ka­ni­schen Tech-Bros ab.

Ich schät­ze mal, auch Sie, liebe Le­se­rin, lie­ber Le­ser, ha­ben die KI schon mal für Tex­te ein­ge­setzt, z.B. Goog­le Trans­la­te oder Deepl. Das ging mal bes­ser, mal schlech­ter, denn die KI ist ein Werk­zeug, kann auch als Re­cher­che­hil­fe die­nen oder für nied­rig­schwel­li­ge, in­for­mel­le An­wen­dun­gen, et­wa für ei­ne gro­be ers­te Über­sicht über ei­nen fremd­spra­chi­gen In­halt. Da­bei ha­ben wir hof­fent­lich al­le ge­lernt, die KI kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und Feh­ler ein­zu­kal­ku­lie­ren. Wenn's drauf an­kommt, sind dann wie­der wir Pro­fis nö­tig.

Denn rich­tig ge­fähr­lich wird die KI dort, wo sie Men­schen er­setzt, ob­wohl mensch­li­ches Ur­teil, Ver­ant­wor­tung und Be­zie­hung ent­schei­dend sind. Die Es­ka­la­ti­on ist schon ab­seh­bar. Wir er­le­ben schon jetzt, dass die Ei­gen­tü­mer der Tech-Fir­men ge­wis­se Be­grif­fe auf den In­dex set­zen und Be­grif­fe ma­ni­pu­lie­ren, und zwar per Or­dre de Muf­ti. Die Ver­bots­lis­te von Oran­ge face ist lang, sie be­inhal­tet u.a. die Wör­ter „Frau“, „Ge­sund­heit“, „Dis­kri­mi­nie­rung" und „Di­ver­si­tät“.

Dol­met­schen ist Be­zie­hungs­ar­beit. Dol­met­schen schafft Ver­stän­di­gung dort, wo es um In­hal­te und Kom­mu­ni­ka­ti­on geht und wo Miss­ver­ständ­nis­se rea­le Schä­den ver­ur­sa­chen kön­nen. Wer die­se Ar­beit voll­stän­dig au­to­ma­ti­sie­ren will, ver­kennt nicht nur die Kom­ple­xi­tät von Spra­che, son­dern auch ih­ren ge­sell­schaft­li­chen Wert.

Was bei dem Ter­min mit Bau­ern sonst oft falsch war: die Zu­ord­nung von Zah­len, die manch­mal in Tei­len wie­der­holt wur­den (FR>DE ist auch kom­pli­ziert, 96 ist auf Fran­zö­sisch vier (mal) 20 (plus) 16). Re­gel­mä­ßig fie­len In­hal­te weg, Lü­cken wur­den mit Be­grif­fen ge­füllt, die nie ver­wen­det wor­den wa­ren.

Die an­schlie­ßen­den Dis­kus­sio­nen wa­ren mau, fan­den nur zwi­schen Teil­neh­men­den der je­wei­li­gen Spra­che statt. Für ei­ne ord­ent­li­che Aus­wer­tung des De­sas­ters hät­te ich zwei End­ge­rä­te und zwei Auf­nah­me­ge­rä­te ge­braucht. Ich wuss­te nicht, dass mich bei der Dis­kus­si­on die KI er­war­ten wür­de.

INFO: Sprache zu Text zu Sprache Spracherkennung: Die gesprochene Sprache wird von einer Spracherkennungs-software in Text umgewandelt. Textverarbeitung: Der erkannte Text wird in die Zielsprache übertragen. Sprachsynthese: Das Ergebnis wird durch einen Text-to-Speech-Engine wieder in gesprochene Sprache transferiert.
Vie­le Ar­beits­schrit­te mit viel Stör­an­fäl­lig­keit

Das En­de ha­be ich nicht mit­be­kom­men, weil ich raus­ge­gan­gen bin. Ei­ne Ir­ri­ta­ti­on konn­te ich im­mer­hin re­kon­stru­ie­ren. Pé­nib­le­ment, l'écureuil s'ap­pro­che, hat ei­ne Frau aus dem Pu­bli­kum ge­hört. Hier ging gleich der ers­te Schritt schief: Bei „lang­sam nährt sich das Eich­hörn­chen“, wur­de aus „nährt“ ein­fach „nä­hert“.

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Fo­to: pixlr.com (Zu­falls­fund, farb­lich ver­än­dert)