Montag, 9. März 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Win­ter­lich im Win­ter­licht: Treppe, Jalousien, Fenster, Garten
Blau­er Him­mel unter grü­nen Ja­lou­sien!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für Schrif­tl­iches? Nach vie­len Jah­ren in Frank­reich und dem ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dium sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.
Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen, dol­met­sche auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft, Kul­tur, Ag­rar, Krea­ti­ves, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie, Me­dien so­wie Ki­no: Ex­po­sé, Dreh­buch, Pro­duk­tions­dos­sier, Pres­se­heft. Im ers­ten Be­rufs­le­ben war ich Jour­na­lis­tin, bie­te auch Text­ar­beit an­, und zwar mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Montagsschreibtisch (130)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che, und ich über­set­ze auch (auch aus dem Eng­li­schen und meis­tens ins Deut­sche). Was ist diese Wo­che los?

Fan­gen wir an mit ei­nem Bil­dungs­tipp für Fa­mi­li­en: Sel­te­ne Din­ge sam­meln und si­cher im Schrank hin­ter Glas ver­wah­ren, ab und zu da­vor­stel­len und Ge­füh­le ha­ben, sich da­bei von den Klei­nen be­o­b­ach­ten las­sen. Das mit den Ge­füh­len ist ein­fach, wenn auch al­te und sehr al­te Fo­tos da­bei sind.

Hin­ter Glas sind bei uns Mi­ni­a­tu­ren von Streit­wa­gen und al­ten Ben­zin­kut­schen, al­te Mün­zen, Mu­scheln, ver­stei­ner­te Schne­cken, Bern­stein mit In­sek­ten­ein­schluss, Mi­ni­a­tu­ren aus Ägyp­ten, die der Opa mit­ge­bracht hat. Bei uns sitzt Gott Set, Schutz­gott der Oa­sen und der Be­du­i­nen, di­rekt ne­ben di­ver­sem Ge­stein, dar­un­ter Vul­kan­stein vom Ät­na. Wich­tig: al­les im­mer gut hin­ter Ver­schluss las­sen. Wün­sche und In­ter­es­se wach­sen las­sen: „Das ist sehr wert­voll!“

Irgend­wann sind die Klei­nen groß ge­nug, um sich den Schatz an­zu­se­hen, und die Fräu­leins, was mei­ne Nich­ten sind, ma­chen das im­mer wie­der ger­ne. Mit drei­ein­halb Jah­ren hat da­bei mir dann die Klei­ne die ägyt­pi­sche Gott­heit als sol­che iden­ti­fi­ziert und vom Nil und den Wüs­ten er­zählt. Da hat wohl auch ein Buch aus dem Kin­der­gar­ten nach­ge­wirkt.

Schreib­tisch, Uten­si­li­en, Schreib­ma­schi­ne, Blu­men, Schreib­kraft
Pla­nungs­schreib­tisch flo­ral
Ges­tern Abend ist im Sü­den West­deutsch­land ein Me­te­o­rit ein­ge­schla­gen, klei­ne Stein­chen, die jetzt ana­ly­siert wer­den. Das klei­ne Fräu­lein wür­de wohl Ähn­lich­keit mit Vul­kan­ge­stein dar­in er­ken­nen, ober­fläch­lich ge­spro­chen.

Na­tur­wis­sen­schaft ist gut, his­to­ri­sche Bil­dung auch. Grund­sätz­lich si­chern sie die Zu­kunft des Lan­des ab.

Ak­tu­ell steht an:
❦ Kos­ten­vor­an­schlag Über­set­zung (Bil­dungs­ar­beit, Ge­schich­te)
❦ Schrift­kram für Re­lo­ca­ti­on-Kun­din (Ge­flüch­te­te aus den USA)
❦ Gut­ach­ten fürs Ge­richt (KI-Tran­skrip­ti­on)
❦ Kos­ten­vor­an­schlag Dol­met­schen (Ur­ba­nis­mus)
❦ Ter­min­pla­nung

Wir hat­ten es eben vom Me­te­o­ri­ten, da­her mei­ne drin­gen­de Film­emp­feh­lung: „Don't look up“ von Adam McKay (2021), der Film ist ak­tu­el­ler denn je. Und ja, wer in die­sen Zei­len ei­nen Kom­men­tar zur ak­tu­el­len po­li­ti­schen La­ge er­kennt, liegt nicht falsch.

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Fo­to: pri­va­tes Fo­to­ar­chiv (1926)

Donnerstag, 5. März 2026

Ernsthafte Warnung!

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Ham­burg, Lil­le, Köln oder an­ders­wo.

Heu­te früh flat­tert mir ei­ne Ab­sa­ge zu ei­nem mei­ner Kos­ten­an­schlä­ge in den di­gi­ta­len Brief­kas­ten. Ich ha­ke nach. Die Ant­wort: Man ha­be sich für ei­ne Fir­ma ent­schie­den, die KI-Dol­met­schen an­bie­tet.

Schild: Meeting, bitte nicht stören
Über­wie­gend Schlips­trä­ger
Da­vor kann ich nur war­nen. Die KI lie­fert viel, das ei­ni­ger­ma­ßen gut klingt, aber auch viel Er­fun­de­nes.
Wenn die Sta­tis­tik an­gibt, dass 80 Pro­zent der Be­grif­fe von der KI über­tra­gen wer­den, so je­den­falls wer­ben die An­bie­ter­fir­men, fra­gen wir Lin­guist:in­nen: Stimmt die Rei­hen­fol­ge der Wör­ter? Das ist wich­tig, denn ei­ne fal­sche Rei­hen­fol­ge kann die Aus­sa­ge kom­plett ver­än­dern.

Und was ist mit den ver­blei­ben­den 20 Pro­zent? Sind das Fehl­grif­fe, Hal­lu­zi­na­tio­nen oder ein­fach nur Pau­sen?

Sol­cher Murks kos­tet Geld. Ei­nen un­se­rer Kun­den, er ist Land­ma­schi­nen­her­stel­ler, hat das schon meh­re­re hun­dert­tau­send Eu­ro ge­kos­tet. Sol­che In­for­ma­tio­nen ste­hen lei­der nicht in der Zei­tung, sie sind hoch­not­pein­lich.

Der Grund für den Mist, den die Ma­schi­ne oft baut, ist rasch er­klärt: Men­schen ver­hal­ten sich nur sehr sel­ten so, wie es für die KI ide­al wä­re. Was bie­ten die Tech­nik­nerds an? Bei "Dol­met­schen" oh­ne Men­schen wer­den meh­re­re KI-Tools hin­ter­ein­an­der­ge­schal­tet: Voice to text, text to text, text to voice. Wer ein­mal er­lebt hat, wie De­tails in der KI-Ver­ar­bei­tung ver­schwim­men, kann sich vor­stel­len, wel­che "Stil­le Post"-Ef­fek­te da mög­lich sind. Den Pro­fis vor der Ka­bi­ne (die Kas­se ma­chen wol­len,) ist das egal. Wir Pro­fis aus der Ka­bi­ne (die wir wirk­lich wis­sen, wie Dol­met­schen geht,) war­nen.

Men­schen kom­mu­ni­zie­ren zu chao­tisch, ma­chen Feh­ler, ver­has­peln sich, steu­ern mit­ten im Satz auf ein an­de­res Satz­en­de zu, nut­zen in ih­rer Re­dun­danz manch­mal ein ver­meint­li­ches Sy­no­nym, was die Tech­nik dann "auf die fal­sche Fähr­te" bringt. (Mehr Feh­ler­mo­men­te ste­hen hier: klick.)

Denn die KI ist weit da­von ent­fernt, Auf­ga­ben zu be­herr­schen, die über ein­fa­che Fra­gen nach dem Be­fin­den des an­de­ren oder ei­ner Weg­be­schrei­bung hin­aus­ge­hen. Ich er­gän­ze: Ste­reo­ty­pi­sche, trai­nier­te, vor­ge­ge­be­ne In­hal­te "kann" sie auch. Nun geht es bei 99 Pro­zent der Ver­an­stal­tun­gen ein­mal um das Neue, Be­son­de­re ... und um den Aus­tausch. Bei Rück­fra­gen schei­tert die KI zu­ver­läs­sig.

Wie feh­ler­be­haf­tet spon­ta­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on sein kann, und sei es nur durch spon­ta­nen Wech­sel der Spra­che, ha­be ich ges­tern in ei­nem Blog­post ge­schrie­ben (Link). Miss­ver­ständ­nis­se lie­fern Men­schen schon al­lein gut ge­nug.

Beim ges­tern be­schrie­be­nen Ter­min ging es in ei­ner Run­de um Land­wirt­schaft, Vieh­zucht, Bio­land­bau und Dün­ge­mit­tel, al­so auch um In­fla­ti­on. Am Ran­de wur­den neue, noch nicht von Bio-La­bels an­er­kann­te Me­tho­den be­spro­chen.

Wir sa­ßen al­le ge­mein­sam im Raum, wir dol­met­schten halb kon­se­ku­tiv, halb si­mul­tan (mit mo­bi­ler Dol­met­schan­la­ge). Der Teil­neh­mer aus Frank­reich hat mal in Ber­lin ge­lebt. Er hat ein Wort aus dem Mun­de des Ge­gen­übers auf­ge­schnappt, falsch ver­stan­den und es dann halb­laut selbst über­tra­gen, in den Wort­strom der Dol­met­sche­rin hin­ein. Der Bri­te vis-à-vis des Ti­sches hat das Wort kurz als Schimpf­wort auf­ge­fasst ... und an­schlie­ßend selbst beim fran­zö­si­schen Kol­le­gen ge­nau hin­ge­hört, bis er glaub­te, ein Wort zu er­ken­nen, und er sich da­mit geis­tig be­schäf­tigt hat, statt wei­ter sei­ner Dol­met­sche­rin zu­zu­hö­ren.

Die Her­ren (die Kun­den wa­ren Män­ner und Frau­en ha­ben ge­dol­met­scht) wa­ren nicht miss­trau­isch, die Sze­ne spie­gelt schlicht den All­tag. Wenn wir Dol­met­sche­rin­nen mit im Raum sit­zen und ei­gent­lich Kon­se­ku­tiv­dol­met­schen ge­wünscht ist, in die Pau­sen hin­ein, kön­nen sol­che Mo­men­te leicht ent­ste­hen, aber auch beim Si­mul­tan­dol­met­schen. Denn bei drei Spra­chen an ei­nem Tisch wa­ren wir mit Tech­nik zur Sit­zung er­schie­nen, die für ei­nen Abend­ter­min oh­ne­hin ge­bucht war. 

Wir Sprach­ar­bei­ter:in­nen durf­ten dann das lin­gu­is­ti­sche To­hu­wa­bo­hu ent­wir­ren. Es hat ge­klappt. Al­le ha­ben ge­lacht. Es wur­de ein aus­ge­spro­chen har­mo­ni­scher Ter­min. Die KI wä­re an den men­sch­li­chen Feh­lern ge­schei­tert. Denn sie ist oft ge­nug aus­rei­chend da­mit be­schäf­tigt, ei­ge­ne Feh­ler zu ma­chen.

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Mittwoch, 4. März 2026

Mist aber auch!

Was Dol­met­scherin­nen und Über­set­zerin­nen, Dol­met­scher und Über­set­zer um­treibt, wie wir ar­bei­ten, ist hier im 20. Jahr in lo­ser Fol­ge The­ma. Ich be­ob­ach­te da­ne­ben un­se­re Zeit sehr ge­nau. Heu­te wird es im Blog schmut­zig. Nein, es geht nicht um Sex, aber um Fä­ka­li­en, genauer: um tie­ri­sche Aus­schei­dun­gen. KI-Mitt­woch!

Vor­be­rei­tungs­run­de für eine De­le­ga­ti­ons­rei­se, The­ma: Land­wirt­schaft, Rin­der­hal­tung, Bio­land­bau, In­fla­ti­on und der­glei­chen mehr. Da im Bio­land­bau nicht auf pe­tro­che­mi­sche Dün­ge­mit­tel zu­rück­ge­grif­fen wird, ist er von ei­nem Teil der Teu­e­run­gen durch den Krieg im Na­hen Os­ten ver­schont. Es wird um Marketing, Kommunikation und neue Anbaumethoden gehen.

Es sind drei Spra­chen im Raum, EN, FR und DE. Wir sit­zen mit im Raum und dol­met­schen halb kon­se­ku­tiv (in für uns ge­mach­te Sprech­pau­sen hin­ein), halb flüs­ternd, un­ter­stützt durch leicht trans­por­tier­ba­re Tech­nik. Die Sit­zung ist für 90 Mi­nu­ten an­be­raumt, da ist das kein Pro­blem.

Irgend­wann fällt ein Satz, der in et­wa so geht: We are con­si­de­ring in­ten­si­fy­ing a­qua­po­nics tech­niques, even though these are not lis­ted in the stan­dard pro­to­cols for or­ga­nic far­ming. This in­vol­ves gro­wing plants by sus­pen­ding their roots in a den­se, nu­tri­ent-rich mist. This is be­ne­fi­cial be­cause it re­du­ces both wa­ter con­sump­tion and CO2 emis­sions. (Auf Deutsch: Wir er­wä­gen, häu­fi­ger A­qua­po­nik ein­zu­set­zen, ob­wohl sie nicht in den Stan­dard­pro­to­kol­len des Ö­ko­land­baus ent­hal­ten ist. Da­bei wer­den die Wur­zeln der Pflan­zen ei­nem dich­ten, nähr­stoff­rei­chen Ne­bel aus­ge­setzt, was Vor­tei­le hat, da es so­wohl den Was­ser­ver­brauch als auch die CO2-E­mis­sio­nen re­du­ziert.)

Der Fran­zo­se, der frü­her mal ei­ni­ge Jah­re in Ber­lin ge­lebt hat, nickt. „Ah! Mist!“, sagt er spon­tan auf Deutsch und nickt sehr zu­frie­den.

Die Eng­lisch-Dol­met­sch­kol­le­gin rollt mit den Au­gen. Es ist im­mer schwie­rig, wenn Teil­neh­men­de bei ei­nem Ter­min spon­tan die Spra­che wech­seln, das ist für uns an­stren­gend, aber es be­las­tet auch den In­halt.

An­statt zu dol­met­schen, sa­ge ich dem fran­zö­si­schen Teil­neh­mer: Au fait, il parle de la bru­me. Voici ce qu'il a dit: ... und dol­met­sche dann Wort für Wort.

Fischtank für Aquaponik
Hier kommt das angereicherte Wasser her
Der Fran­zo­se dar­auf: Il n'a pas par­lé de mer­de? Ich in den fran­zö­si­schen Ka­nal: Non, il ne parle pas de fu­mier. Il parle tou­jours de bru­me. (Nein, er spricht nicht von Mist. Er spricht noch im­mer von Ver­ne­be­lung.)

Und dann wie­der­ho­le ich, was der Mann ge­sagt hat, weil mein Kun­de of­fen­bar so ent­zückt war, ein Wort zu ver­ste­hen, das er zu erkennt glaubt, dass er nicht gut zu­ge­hört hat, auch wenn es ein deut­sches Wort war und der Kol­le­ge Eng­lisch spricht.

Wir sind in Deutsch­land, auch so et­was ver­schiebt Wahr­neh­mun­gen. Mais c'est tout au­tre cho­se !, sagt un­ser Franz­mann, ... il parle du hors-sol !, wo­mit er recht hat: Das ist ja ganz was an­de­res! Er meint An­bau oh­ne Er­de! (A­qua­po­nik wird auf Fran­zö­sisch oft so be­nannt.)

In der Zwi­schen­zeit hat die Eng­lisch-Kol­le­gin da­mit zu tun, dem eng­li­schen Mut­ter­sprach­ler zu er­klä­ren, was hier ge­ra­de ab­läuft. Denn der hat­te das Wort mer­de sehr wohl ge­hört, was ja auch als Fluch ver­stan­den wer­den kann, und er woll­te wis­sen, was sein Kol­le­ge aus Frank­reich denn für ein Pro­blem ha­be.

Die Kol­le­gin ist sehr ru­hig und ge­dul­dig bei der Ant­wort. Un­ser Bri­te hat in­des zwi­schen­durch auch dem Kol­le­gen aus Frank­reich Auf­merk­sam­keit ge­schenkt und in ih­rer A­tem­hol­pau­se hat er das fran­zö­si­sche Wort hors-sol auf­ge­schnappt, in pho­ne­ti­scher Um­schrift [ɔʁ sɔl], wo­bei die ers­te Sil­be dem eng­li­schen Wort "horse" so ähn­lich klingt, wie eben ein Fran­zo­se oh­ne das im Fran­zö­si­schen un­üb­li­che "h" das Wort aus­spre­chen wür­de. Er schüt­telt den Kopf und sagt kon­ster­niert: Ab­so­lu­tely no hor­ses ... (wirk­lich gar kei­ne Pfer­de).

Wir er­klä­ren wei­ter. Lang­sam lich­tet sich der Ne­bel, wer­den Mist, mer­de und hors-sol ge­klärt. Am En­de la­chen al­le über das in­ter­kul­tu­rel­le Hin und Her.

Und jetzt er­zäh­le mir mal ei­ner, wie die KI so­was be­werk­stel­li­gen soll, wenn sie selbst stän­dig Feh­ler baut (und Sa­chen er­fin­det), aber nicht mit­schnei­det, dass die feh­ler­be­haf­te­te mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on ei­ne gro­ße Quel­le für Miss­ver­ständ­nis­se ist.

Of­fen bleibt, ob und wann die Ne­bel­be­wäs­se­rung ei­nes Ta­ges in den Ka­non der zu­läs­si­gen An­bau­me­tho­den für nach­hal­ti­gen Öko­land­bau ein­ge­hen wird.

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Graphic courtesy of I. Karonent, adapted
for aquaponics by S. Friend (Wikimedia)

Montag, 2. März 2026

Montagsschreibtisch (129)

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che.

Die Sonne scheint am Mon­tag­mor­gen, die Vögel vor dem Haus zwitschern was von Früh­jahr. Und während es draußen kalt ist, flammt im Nahen Osten der Krieg erneut auf und zieht Kreise. Ach, wenn Wün­schen hel­fen wür­de ... 

Bücherschrank, Schreibitsch und -sessel, Gardine und Fenster
An der Wand: Schloss und Gut Podewitten (Kr. Wehlau)
Auf dem Schreibtisch:

▶  Kostenvoranschläge schreiben für:
     ‣ Untertitelung an kürzeres Format anpassen
     ‣ Untertitelung Korrektur lesen
     ‣ Schreiben und Sprechen einer Audiodeskription
     ‣ Lektorat Biographie
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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Mittwoch, 25. Februar 2026

Die KI kostet Ihr Geld!

Wie sich der Ar­beits­all­tag von Dol­met­sche:rin­nen an­fühlt, wie wir uns vor­be­rei­ten und was Dol­met­schen wirk­lich aus­macht, kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten im 20. Jahr le­sen. Mit der Mut­ter­spra­che Deutsch, ar­bei­te ich über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang Tex­te.

Für Film­leu­te ist die Ber­li­na­le die fünfte Jah­res­zeit, dann folgt der Früh­ling. Schon ges­tern flo­gen in Ber­lin die Grau­gän­se laut schnat­ternd über den Dach­first, heu­te gleich wieder. Der Schnee ist ge­schmol­zen, ich kann end­lich wie­der wei­te We­ge zu Fuß ma­chen, ohne stän­dig Angst ha­ben zu müs­sen, ir­gend­wo ei­ne ver­eis­te Stel­le zu über­se­hen.

Die Au­to­rin die­ser Zei­len
Schon wie­der KI-Mitt­woch!

Ich muss kurz ei­ni­ge Ge­dan­ken sor­tie­ren, die ich zum The­ma KI ha­be, dann wei­ter­ver­wal­ten und an­de­re Arbeit er­le­di­gen, die mit dem Dol­met­schen zu­sam­men­hän­gen, die aber meist un­sicht­bar bleiben, um in den Mo­men­ten, in de­nen ich hör­bar bin, auf den Punkt zu ar­bei­ten.

Ges­tern er­reich­te mich die Nach­richt, dass ein be­kann­ter Dienst­leis­ter für Kon­fe­renz­tech­nik In­sol­venz an­ge­mel­det hat. Das ist trau­rig, denn die Tech­nik­kol­leg:in­nen wa­ren im­mer sehr freund­lich. Wir ha­ben bei ih­nen in der Pan­de­mie oft im Hub ge­ses­sen.

Es ist ein Zei­chen, dass sich et­was am Markt ver­än­dert. Die nicht leis­tungs­star­ken Sprach­mo­del­le (LLM), ver­kürzt als „künst­li­che In­tel­li­genz“ be­zeich­net, kön­nen ein­fach nicht ad­äquat dol­met­schen. Sie si­mu­lie­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on. Sie pro­du­zie­ren Feh­ler oh­ne En­de. Ich be­rich­te hier re­gel­mä­ßig dar­über, gerne mittwochs. Hier ha­be ich be­wie­sen, wie we­nig Über­blick die­se Tech­nik hat. Und oh­ne Über­blick kein sinn­vol­les Dol­met­schen.

Trotz­dem fließt Geld in die Kas­sen der Tech­nik­an­bie­ter und der Gi­gan­ten, die hin­ter der Soft­ware ste­hen, sehr viel Geld so­gar.

Seit dem Er­schei­nen von ChatGPT im Jahr 2022 wird al­lent­hal­ben der Ein­druck ver­mit­telt, es han­de­le sich um ei­nen quan­ten­sprung­haf­ten Durch­bruch. Tat­säch­lich ba­sie­ren gro­ße Sprach­mo­del­le auf sta­tis­ti­schen Ver­fah­ren, de­ren Grund­la­gen schon seit den 1980er-Jah­ren be­kannt sind. Neu ist vor al­lem die Re­chen­leis­tung, die schie­re Men­ge an Da­ten und die in­dus­tri­el­le Ska­lie­rung. Das Prin­zip bleibt: Wort folgt auf Wort nach Wahr­schein­lich­keit. Be­deu­tung wird nicht ver­stan­den, son­dern erraten bzw. er­rech­net.

Die­se Sys­te­me wur­den mit Tex­ten trai­niert, die Men­schen ge­dacht, for­mu­liert und ver­öf­fent­licht ha­ben, aus dem In­ter­net, aus Ar­chi­ven, aus Bi­blio­the­ken, und dabei wurde in vielfältiger Weise das Urheberrecht verletzt. Oh­ne die­se men­schen­ge­mach­ten In­hal­te gä­be es kei­ne Ant­wor­ten. Es gä­be nur Lee­re. Was heu­te als „ei­gen­stän­di­ge“ Leis­tung der Ma­schi­ne ver­kauft wird, ist in Wahr­heit die sta­tis­ti­sche Re­kom­bi­na­ti­on frem­der Ge­dan­ken. Und dann ha­ben vie­le Men­schen dar­an ge­ar­bei­tet, aus den 100 Pro­zent Zu­fall­s­murks nur noch 40 oder 20 Pro­zent Zu­fall­s­murks zu ma­chen. Bis heu­te su­chen die Tech-Bu­den hän­de­rin­gend nach Pro­fis, die am Sys­tem wei­ter­schrau­ben. Auch ich be­kom­me fast täg­lich Ar­beits­an­ge­bo­te in die­se Rich­tung.

Denn was viel­fach als „au­to­ma­ti­sier­te KI-Lö­sung“ ver­kauft wird, lebt von mensch­li­cher Ar­beit da­hin­ter, und zwar in er­heb­li­chem Um­fang. Trans­pa­renz­be­rich­te zei­gen, dass Mil­lio­nen von In­hal­ten au­to­ma­ti­siert über­prüft wer­den, dass aber auch Mil­lio­nen von ma­nu­el­len Prü­fun­gen durch Men­schen statt­fin­den. Kon­ser­va­ti­ve Schät­zun­gen ge­hen von 100 000 Men­schen aus, die weltweit als „Trai­ner“ von KI-Sys­te­men ar­bei­ten. Beim Chat­bot Ge­mi­ni (Goog­le) wur­den laut The Guar­di­an erst knapp 25 so­ge­nann­te Su­per ra­ters ein­ge­stellt, be­vor die Teams im Zu­ge des KI-Wett­be­werbs auf fast 2000 Men­schen an­wuch­sen (wo­von spä­ter wie­der 500 ent­las­sen wor­den sein sol­len). Das ist nur ein Bei­spiel un­ter vie­len.

Die Mas­se der Men­schen sitzt in Bil­lig­lohn­län­dern wie In­di­en, so­ge­nann­te Klick­wor­ker:in­nen, die oft in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen nicht nur Ge­walt­dar­stel­lun­gen und Por­no­gra­fie ein­zu­däm­men ver­su­chen, son­dern die auch in­halt­lich ein­grei­fen, KI-Aus­wür­fe be­wer­ten und lö­schen.

Trotz die­ses Auf­wands ist das Er­geb­nis oft ent­täu­schend: so­ge­nann­te „Hal­lu­zi­na­tio­nen“, al­so frei er­fun­de­ne Fak­ten, fal­sche Quel­len, plau­si­bel klin­gen­de, aber sach­lich un­rich­ti­ge Aus­sa­gen spucken die Maschinen aus. For­schen­de wie Dagmar Monett spre­chen in die­sem Zu­sam­men­hang von „de­ge­ne­ra­ti­ver KI“, also von Sys­te­men, die nicht zu Er­kennt­nis­ge­winn füh­ren, son­dern vor­han­de­nes Ma­te­ri­al im­mer wei­ter ver­wäs­sern. Wenn sol­che Mo­del­le zu­künf­tig mit ih­ren ei­ge­nen, syn­the­ti­schen Aus­würfen trai­niert wer­den, droht ein zir­ku­lä­rer Ef­fekt: Qua­li­tät sinkt, Feh­ler ver­viel­fa­chen sich, In­for­ma­ti­on de­ge­ne­riert. Die Schlan­ge beißt sich in den Schwanz, am En­de wächst der Da­ten­müll. Es gibt Men­schen, die des­halb das In­ter­net schon am Ende se­hen. Filmt­ipp: KI: Der Tod des In­ter­nets von Mario Six­tus, ver­füg­bar ab dem 28. Feb­ruar in der Ar­te-Me­dia­thek

Sind die KI-Ela­bo­ra­te ei­ne trag­fä­hi­ge Ar­beits­grund­la­ge für Men­schen, die auf ho­hem Ni­veau den­ken, spre­chen, schrei­ben und dol­met­schen, also in ei­nen Be­ruf, bei dem Nu­an­cen, Kon­text, Im­pli­ka­tio­nen und kul­tu­rel­le Re­fe­ren­zen ent­schei­dend sind? Nein. Und auch nicht für un­se­re End­kund:in­nen in der Sprach­ar­beit, so sehr sich das Leu­te, die der­lei an­bie­ten oder be­auf­tra­gen, sich das auch wün­schen mö­gen.

Ein Sprach­mo­dell kann be­kann­te Wort­fol­gen mit ho­her Wahr­schein­lic­hkeit re­pro­du­zieren. Es schei­tert aber zu­ver­läs­sig am Neu­en, und vom Neu­en le­ben Kon­fe­ren­zen, Mes­sen und Pres­se­kon­fe­ren­zen. Es wird auch kei­ne Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Es „weiß“ nichts von der je­wei­li­gen Si­tua­ti­on, der Dy­na­mik im Raum, der po­li­ti­schen Bri­sanz. Es „weiß“ nicht, wann ein Satz ex­plo­siv ist und wann er ver­söhn­lich wir­ken muss. Es „kennt“ kei­ne Stra­te­gie, kei­ne Di­plo­ma­tie, kei­ne in­ter­kul­tu­rel­le Fein­füh­lig­keit.

Und doch wer­den sol­che Sys­te­me als „Stand-alone-Lö­sung“ für Kon­fe­renz­dol­met­schen an­ge­bo­ten. Tech-Bu­den prei­sen „KI-Dol­met­schen“ als kos­ten­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve an. Wenn es schei­tert, und es schei­tert re­gel­mä­ßig, wird das als „Lern­kur­ve“ ver­kauft. Man ha­be im­mer­hin „ge­spart“. Man sei „pio­nie­r­haft“ un­ter­wegs. Schul­ter­klop­fen, meis­tens un­ter Män­nern: Das neue tech­ni­sche Spiel­zeug be­ein­druckt.

Das ist öko­no­misch bri­sant. Oft kos­tet es mehr als das ver­meint­lich ein­ge­spar­te Geld, um hinterher Schä­den an Image oder In­halt zu kor­ri­gie­ren. Bei­spiel: Auf ei­ner Mes­se hat neu­lich ein An­bie­ter land­wirt­schaft­li­cher Ge­rä­te KI-„Über­set­zun­gen“ an­ge­bo­ten und die Ma­schi­ne hat Mist ge­baut. Po­ten­ziel­le Kund­schaft war so nicht zu über­zeu­gen. Im Ver­trag des Dienst­leis­ters war ei­ne Ge­währ­leis­tung im Klein­ge­druck­ten aus­ge­schlos­sen.

Das ist auch de­mo­kra­tie­po­li­tisch bri­sant. In den aso­zia­len Netz­wer­ken ver­stär­ken au­to­ma­ti­sier­te Sys­te­me Mei­nun­gen, imi­tie­ren Zu­stim­mung, er­zeu­gen mas­sen­haf­te Kom­men­ta­re. Die Gren­ze zwi­schen ech­ter Re­so­nanz und syn­the­ti­scher Ver­stär­kung ver­schwimmt. Men­schen füh­len sich be­stärkt durch ver­meint­li­che Mehr­hei­ten. Dis­kur­se ver­ro­hen. Ra­di­ka­le Po­si­tio­nen ge­win­nen Sicht­bar­keit. Was als tech­ni­sche In­no­va­ti­on be­gon­nen hat, wird zum Macht­fak­tor: Stim­men, Mehr­hei­ten und letzt­lich Geld­strö­me ver­schie­ben sich.

Des­halb schrei­be ich hier dar­über, nicht, weil ich Tech­nik grund­sätz­lich ab­leh­nen wür­de, son­dern als besorgte Bürgerin und weil Prä­zi­si­on mein Beruf ist, Kom­mu­ni­ka­tion, Ver­ant­wor­tung und Hand­werk.

Was der­zeit als „KI“ ver­kauft wird, ist kei­ne den­ken­de In­tel­li­genz. Es ist sta­tis­ti­sche Text­ver­dich­tung mit gi­gan­ti­scher Re­chen­leis­tung, gi­gan­ti­schem Strom­ver­brauch und gi­gan­ti­schem Küh­lungs­be­darf. Die KI hält nicht, was ih­re Ver­käu­fer ver­spre­chen. Sie wirkt aber trotz­dem, durch Mar­ke­ting, durch In­ves­ti­ti­ons­druck, durch die Sehn­sucht nach schnel­len Lö­sun­gen.

Der Markt ver­än­dert sich. Kon­fe­renz­tech­nik-Fir­men ge­ra­ten un­ter Druck, wir Dol­met­sche:rin­nen eben­so. Sprach­be­ru­fe wer­den in­fra­ge ge­stellt, künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen das Stu­dium aus­ge­re­det. Aber Spra­che ist kein Da­ten­strom, sie ist Kon­text, Hin­ter­grund, Be­zie­hung, be­steht aus Nu­an­cen und Ver­ant­wor­tung.

Und wer ein­mal in ei­nem Raum ge­sessen hat, in dem ein ein­zi­ges falsch über­tra­ge­nes Wort ei­ne Ver­hand­lung kip­pen kann, der weiß: Si­mu­la­ti­on ist kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on.

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Foto: Fo­to­jour­na­list Mar­co Ur­ban

Montag, 23. Februar 2026

Montagsschreibtisch (128)

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ei­ne mei­ner Spe­zia­li­sie­run­gen als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin ist Film: Dreh­buch, Pro­duk­tion, Her­stel­lung, Mar­ke­ting, Fes­ti­val.

Der Mon­tag nach der Ber­li­na­le ist für vie­le ein Schalt­tag, so ähn­lich wie bei den Leu­ten aus dem Mu­seums­be­reich oder dem Haar­sty­ling nach Ta­gen mit gro­ßem An­sturm. Auf dem Mon­tags­schreib­tisch für die­se Wo­che:

Menschen stehen in 50-er Jahre-Kleidung vor einem Nachkriegsbau
POV als Klein­dar­stel­le­rin beim Film: die Au­to­rin die­ser Zei­len
✗ Fol­low-up der Ber­li­na­le­tref­fen
✗ Be­grif­fe, Ma­te­rial, Fo­tos sor­tie­ren
✗ Strategieüberlegungen
✗ Kos­ten­vor­an­schlag
✗ Über­set­zungs­lek­to­rat (ein ech­tes, kein KI-Bull­shit-Auf­räu­men)

Im Fo­to­ar­chiv habe ich die­sen Schnapp­schuss aus mei­nen An­fän­gen in der Film­sprach­ar­beit ge­fun­den, als ich als Kom­par­sin Vo­ka­beln ge­sam­melt ha­be.

Hier hat­te ich Glück: Ich durf­te am Set aus nächs­ter Näh­e al­len auf die Hän­de se­hen und ge­nau zu­hö­ren und muss­te nur sel­ten (wie die meis­ten) in ir­gend­ei­nem Auf­ent­halts­raum ab­hän­gen. Der Grund: Mit Sprech­aus­bil­dung wur­de ich oft di­rekt zur Klein­dar­stel­lerin be­för­dert.

Aus recht­li­chen Grün­den ord­ne ich dem Fo­to jetzt kei­nen Film zu. Am Dreh­tag ent­stand eine be­rühm­te „Film-im-Film“-Sze­ne, die in der deut­schen Nach­kriegs­zeit ver­or­tet war.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Zur „Autowaschanlage“

Die Prob­le­me, die uns die so­ge­nann­te Künst­li­che In­tel­li­genz bringt, sind al­le wis­sen­schaft­lich er­kannt, be­schrie­ben und es wird vie­ler­orts ge­warnt. Trotz­dem glau­ben die Leu­te all­zu oft, dass die KI ei­ne ein­fa­che Lö­sung dar­stel­len wür­de, weil sie es ger­ne so hät­ten. Sie möch­ten be­tro­gen wer­den. (Ich ka­pier's nicht.)

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Si­mul­tan­dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Schrift­lich ar­bei­te ich meis­tens auf Deutsch. Auf die­sen Sei­ten be­rich­te ich über die Ar­beit und zwar so, dass die Si­tu­a­tio­nen klar er­kenn­bar sind, nicht aber die Be­tref­fen­den. Im Schat­ten der Ber­li­na­le bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. Da ich ge­ra­de viel im Ki­no bin, kom­me ich noch­mal kurz auf mei­nen Bei­trag von ges­tern zu­rück.

Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren?

ChatGPT: Ganz klar zu Fuß, das ist um­welt­scho­nen­der.

Was ist ges­tern bei dem Bei­spiel­text pas­siert? Die KI bleibt am En­de ei­nes Sat­zes ste­hen, geht dann zum nächs­ten über und ver­peilt man­gels Le­bens­er­fah­rung die Si­tu­a­ti­on. Sie ver­schiebt den Kon­text, da­mit ih­re Ant­wort „funk­tio­niert“. Was sie pro­du­ziert, wirkt auf den ers­ten Blick ko­hä­rent.

Ale­xan­der­bär
In der KI-For­schung wird von si­tu­a­ted cog­ni­ti­on ge­spro­chen. Den Be­griff ken­ne ich aus der Lern­theo­rie. Situated cognition be­schreibt in der Theo­rie, wie Ler­nen durch so­zia­le In­ter­ak­ti­on und prak­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten statt­fin­det, vor­zugs­wei­se in rea­len Kon­tex­ten. Die Si­tu­a­ti­on im di­gi­ta­len Raum wird wei­ter er­forscht. Die ei­ge­ne Kör­per­lich­keit, der kul­tu­rel­le Hin­ter­grund und so­zia­le As­pek­te ste­hen hier im Mit­tel­punkt.

Die­se so­zia­le Kom­po­nen­te wird im Ler­nen oft un­ter­schätzt, vor al­lem von den jun­gen Leu­ten, bei de­nen Cool­ness noch im­mer an­ge­sagt zu sein scheint (hier mein Rant da­zu). Da­bei müs­sen wir Men­schen mit Herz und See­le bei et­was da­bei sein, da­mit es uns er­reicht.

Wo­bei wir wie­der bei der KI sind. Sie hat we­der ein Herz noch (ei­ne wie auch im­mer de­fi­nier­te) See­le, kei­nen Kör­per, kei­ne Er­fah­rung im Raum oder in so­zia­len Zu­sam­men­hän­gen.

Die KI ist Sta­tis­tik in ac­tion. Sie kann Sät­ze fort­set­zen und weiß nicht, ob sie über­haupt sinn­voll sind. Ich hat­te ges­tern au­to com­ple­te on speed zi­tiert. Die Wis­sen­schaft spricht von au­to­re­gres­si­ve mo­dels: Die Ge­rä­te sa­gen die nächs­te Kom­po­nen­te in ei­ner Se­quenz vor­her und stüt­zen sich da­bei auf frü­her ge­ge­be­ne oder in Trai­nings­ma­te­ri­al ent­hal­te­ne In­for­ma­tio­nen.

Und Iro­nie, Ab­sur­des (wie mei­ne Fra­ge), der be­wuss­te Clash von Spra­che­be­nen, Stil und in­halt­li­che, kul­tu­rel­le Fein­hei­ten: Fehl­an­zei­ge.

Die KI baut sich ih­ren Ent­schei­dungs­baum, sie ar­bei­tet ihn stur ab und glät­tet da­bei Wi­der­sprü­che und De­tails, was für Kon­fe­ren­zen al­les an­de­re als ziel­füh­rend ist. Sie ver­schiebt den Sinn, um ei­ne plau­si­ble Ant­wort lie­fern zu kön­nen.

In der For­schung heißt das Se­man­tic drift: Be­deu­tungs­ver­schie­bun­gen, da­mit die sta­tis­ti­sche Ko­hä­renz „funk­tio­niert“. Hier wird nichts ver­stan­den, hier wird plau­si­bel hal­lu­zi­niert.

Noch ein Fach­be­griff: Epis­te­mic opa­ci­ty. Die KI weiß nicht, wa­rum sie et­was sagt, kann ih­re "Ent­schei­dun­gen" auch nicht be­grün­den. Dann hal­lu­zi­niert sie lie­ber, oh­ne Leer­stel­len zu lie­fern, Fach­be­griff AI hal­lu­ci­na­tions. Ihr fehlt der Ge­samt­über­blick, the big pic­tu­re, la vi­sion d'en­sem­ble, Wis­sen um das gro­ße Gan­ze, das wird Con­text star­va­tion ge­nannt.

Last but not least greift in vie­len Fäl­len, ich sprin­ge zu­rück zu "übel­setz­ten" Kon­fe­ren­zen, auch noch der Au­to­ma­ti­on bi­as, wenn das ge­neig­te Pu­bli­kum der Ma­schi­ne mehr glaubt als den ei­ge­nen Zwei­feln. Men­schen wer­den im­mer be­que­mer, nei­gen zu Träg­heit, ver­ges­sen, Fak­ten zu prü­fen oder zu hin­ter­fra­gen.

Und dann stellt sich die Fra­ge der Ver­ant­wor­tung. Die KI über­nimmt sie nicht, die Dienst­leis­ter, die die Tech­nik als Wun­der­ma­schi­ne an­prei­sen, auch nicht.

So schnell macht sich je­mand lä­cher­lich, ist Re­pu­ta­ti­on ver­spielt. Es kos­tet Geld, Ima­ge oder Fehl­ent­schei­dun­gen zu re­pa­rie­ren.

Des­halb ist hier im­mer der Ein­satz mensch­li­cher In­tel­li­genz nö­tig, die er­gänzt, die aber vor al­lem im Vor­feld be­reits ent­schei­det, ob der Ein­satz der KI über­haupt sinn­voll ist. Die KI ver­bie­tet sich, wenn sen­si­ble In­for­ma­tio­nen, Wirt­schafts­ge­heim­nis­se, Pa­ten­te oder stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen im Spiel sind. Für al­les an­de­re bleibt die KI ein Werk­zeug. Den Maß­stab bil­den wir Men­schen. 

Ber­li­na­le­ta­ge: Ganz wun­der­ba­re Fil­me ge­se­hen und ei­nem un­ter­ir­di­schen und ei­nem her­vor­ra­gen­den Film­ge­spräch zu­ge­hört, je­weils auf Eng­lisch ge­führt, beim ers­ten Mal in dop­pel­ter Fremd­spra­chig­keit, beim zwei­ten Bei­spiel in 1,5-fa­cher Fremd­spra­chig­keit. (Die Mo­de­ra­to­rin hat schon als Kind in Eng­land ge­lebt, nur ihr Ak­zent schim­mert noch durch.)

Die bei­den bes­ten Fil­me bis­lang für mich, je­der auf sei­ne ei­ge­ne Wei­se: "Take me home" und "Die Blut­grä­fin". In bei­den Fäl­len wä­re mit KI als Stand alo­ne-Tech­nik hier kein Blu­men­pott zu ge­win­nen ge­we­sen, denn mensch­li­che Nä­he, Gren­zen, Kul­tur, Hin­ter­grund­wis­sen, vi­su­el­le Iro­nie und Stil­über­schrei­tun­gen kann die Ma­schi­ne nicht, ja der­lei scheut die­se Tech­nik oft wie der Teu­fel das Weih­was­ser.

Thank you very much, Liz and An­na Sar­gent, vie­len Dank, Ul­ri­ke Oet­tin­ger, mer­ci beau­coup, Isa­bel­le Hu­p­pert !

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Fo­to: C.E.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Philosophisch fragwürdig

Bon­jour & hel­lo! Hier schreibt ei­ne Wort­schub­se! Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen, ich schub­se Wör­ter. Die All­ge­mein­heit nimmt uns Si­mul­tan­d­ol­met­sche:rin­nen ähn­lich sel­ten wahr wie die Pro­fis im Gas­traum ei­nes Flug­zeugs (oft ab­schät­zig „Saft­schub­se“ ge­nannt). Aus Ig­no­ranz ent­steht da­bei zu oft Gleich­gül­tig­keit. Wir ha­ben lan­ge Aus­bil­dungs­zei­ten, im Schnitt 7,5 Jah­re, per­fek­tio­nie­ren Spra­che, Kul­tur, Fach­ge­bie­te, Me­tho­dik und Be­rufs­kun­de, da­zu kom­men As­sis­ten­zen. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Neu­lich bei ei­nem Ber­li­na­le­emp­fang (bei dem ich aus Grün­den wohl aus­ge­la­den wur­de): Die KI lie­fer­te „Un­ter­ti­tel“ zu ei­ner live ge­hal­te­nen Re­de und der Aus­wurf der Ma­schi­ne war vol­ler Feh­ler und Pein­lich­kei­ten. Aber ir­gend­wie hat nie­mand rich­tig hin­ge­se­hen. Wer wird schon je­ne kri­ti­sie­ren, die ei­nen ge­ne­rös zum Es­sen oder auf Kaf­fee und Ku­chen ein­la­den?

Im Nach­hi­nein be­frag­te Leu­te mein­ten sinn­ge­mäß und nicht oh­ne Schmun­zeln: „Wir ken­nen die Re­den von G. be­reits, und die Ge­mein­plät­ze bei sol­chen An­läs­sen be­herrscht die Ma­schi­ne meis­tens gut.“ Dass aus Arte prompt „Arty“ wird, liest sich wie ei­ne Pe­ti­tes­se. Da­bei hat nie­mand auf dem Schirm, dass „Arty“ noch schnel­ler zu „Darty“ wird, der bri­ti­sche Haus­halts­ge­rä­te­händ­ler, der neu­er­dings Ber­li­na­le-Emp­fän­ge spon­sert. Na, pri­ma!

Und nein, die KI kann nicht dol­met­schen, LLMs kön­nen es nicht, und selbst wenn, wä­re es ge­fähr­lich für die De­mo­kra­tie, al­les par­tout aus­la­gern zu wol­len. War­um soll­ten sich Sprach­un­kun­di­ge mit 80 Pro­zent des ge­spro­che­nen Worts (oft in fal­scher Rei­hen­fol­ge, d.h. mit fal­schen Be­zü­gen) zu­frie­den­ge­ben, gar­niert mit 20 Pro­zent Vo­la­ti­lem: Leer­stel­len, von der KI Er­fun­de­nem oder eben Arty. 

War­um sol­len wir mög­li­cher­wei­se auch stra­te­gi­sche In­for­ma­tio­nen den gro­ßen Da­ten­kra­ken an­ver­trau­en? War­um sol­len wir die Gel­der, die sonst Men­schen in Eu­ro­pa zu­ge­flos­sen sind (und die als Kauf­kraft und Steu­ern hier ver­blie­ben sind), den Tech-Gi­gan­ten (vor al­lem in Über­see) zu­spie­len, die aus Geld­über­fluss und Selbst­über­schät­zung die De­mon­ta­ge der west­li­chen Welt fi­nan­zie­ren?

Dol­met­schen ist Ver­trau­ens­ar­beit, und noch nie ist ei­ne Do­lm­etsche­rin, ein Dol­met­scher, fer­tig vom Him­mel ge­fal­len. Die ve­rmeint­lich „ein­fa­chen“ Ein­sät­ze mit ih­ren Tisch­re­den, Höf­lich­kei­ten und Ge­mein­plät­zen sind für den Nach­wuchs ein Übungs­feld, um mit Lam­pen­fie­ber zu­recht­zu­kom­men, und sie ent­schä­di­gen auch uns Ge­stan­de­ne für an­de­re Ein­sät­ze, bei denen oft die (nicht ver­gü­te­te) Vor­be­rei­tung sehr auf­wän­dig ist, al­so in Sum­me gna­den­los un­ter­be­zahlt.

Die Sa­che mit den „al­ter­na­tiv­lo­sen“ KI-„Über­set­zern“ ist al­so nicht mo­dern und ef­fi­zi­ent, son­dern tech­nik­ver­liebt, un­zu­läng­lich und de­mo­kra­tie­feind­lich. Die KI über­nimmt auch kei­ne Ver­ant­wor­tung, nicht für ihre Er­geb­nis­se, nicht für even­tu­ell nö­ti­ge Re­pa­ra­tur­kos­ten. Die KI ist im wahrs­ten Wort­sin­ne ver­ant­wor­tungs­los. Nicht mehr und nicht we­ni­ger.

Die so­ge­nann­te KI ist nur künst­lich, aber kei­ne In­tel­li­genz. Das gro­ße, was­ser- und ener­gie­ver­schlin­gen­de Sys­tem ist das nichts an­de­res als ein enormes Auto com­ple­te. Sie ken­nen das vom Han­dy, wo wie von Geis­ter­hand Wör­ter fer­tig­ge­schrie­ben wer­den, die oft ge­nug falsch sind oder beim Tip­pen selbst nerv­tö­tend im­mer wie­der Be­grif­fe „fehl­kor­ri­gie­ren“. Ei­ner nann­te die KI mal auto com­ple­te on speed, ei­ne ge­dop­te au­to­ma­ti­sche Wort­ver­voll­stän­di­gung.

Und die KI ist der­zeit ein be­lieb­tes Spiel­feld für In­ves­tor:in­nen. Ei­ne enor­me Bla­se hat sich ge­bildet, die dem­nächst laut plat­zen wird. War­nung an die Po­li­tik: Haut sie nicht raus auf Kos­ten al­ler. Es ha­ben ge­nü­gend Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Pro­gram­mie­rer ge­warnt.

Die ge­kop­pel­ten Ma­schi­nen kön­nen nicht den­ken, da­her feh­len oft Sinn­zusam­men­hän­ge, die über das Satz­en­de hin­aus­ge­hen. Die KI ver­ar­bei­tet Zei­chen­ket­ten, re­pro­du­ziert be­kann­te Mus­ter. Da­her „kann“ sie oft Ge­mein­plät­ze, ver­sagt aber be­son­ders bei Neu­em und Au­ßer­ge­wöhn­li­chem, was ja die Gründe fürs Ausrichten von Kon­fe­ren­zen überhaupt sind.

Die KI weiß nichts von Sprech­ab­sich­ten, die KI denkt oft auch nicht über den Punkt hin­aus. Na­tür­lich lässt sich viel ver­bes­sern mit gu­ten Brie­fings und Hin­ter­grund­in­fos. Aber wol­len Sie tat­säch­lich ei­ne Mit­ar­bei­te­rin/ei­nen Mit­ar­bei­ter ta­ge­lang Prompts üben las­sen, ei­ne Tech­nik­bu­de teu­er be­zah­len und am En­de dro­hen Pein­lich­kei­ten?

Die KI „rech­net“ zu­dem nicht mit der Feh­ler­an­fäl­lig­keit der Men­schen, mit Nu­scheln, Dia­lek­ten, kör­per­li­chen Be­son­der­hei­ten, Fehl­be­to­nun­gen, ver­tausch­ten Wör­tern oder la­p­sus lin­guae.

Als Zu­schau­er:in ken­nen Sie die „Fehl­le­sun­gen“ und Fehl­leis­tun­gen von au­to­ma­tisch ge­ne­rier­ten Un­ter­ti­teln, wie sie bei You­Tube, aber auch an­de­ren An­bie­tern, so­gar teu­er be­zahl­ten, an der Ta­ges­ord­nung sind (ich sa­ge nur Net­flix). Wenn mangelhafter Krem­pel dann wei­ter­über­tra­gen wird, wer­den die Feh­ler fort­ge­schrie­ben. Am En­de kommt stel­len­wei­se gro­ber Dop­pel­murks her­aus, und wenn der Text noch in ein Sys­tem Text to voice hin­ein­ge­ge­ben wird, ha­ben wir das nächs­te Ein­falls­tor für Feh­ler und die Ver­grö­ße­rung der Be­ste­he­nden. Und der Murks der einen KI, ih­r Aus­wurf, wird von der anderen KI dann als „neu­es“ Trai­nings­ma­te­ri­al verstoffwechselt.

Ein durch die KI er­zeug­ter Tipp­feh­ler im Un­ter­ti­tel, der auf dem durch­schnitt­li­chen Mo­ni­tor we­ni­ger als ei­nen Zen­ti­me­ter groß ist, er­reicht auf der Lein­wand (ab­hän­gig von de­ren For­mat, of cour­se) dann Ma­ße zwi­schen Hand­tel­ler und Schul­li­ne­al. Er fällt al­so auf.

Hier als Raus­schmei­ßer noch ei­ne lus­ti­ge Fra­ge und, *räus­per*, wohl­feil un­ter­mau­er­te Ant­wor­ten. He­lau! (Ach nee, heu­te ist ja Ascher­mitt­woch.)

Ca­ro­li­ne Elias: Mein Au­to ist schmut­zig. Ich woh­ne 100 Me­ter von der Au­to­wasch­an­la­ge ent­fernt. Meinst Du, ich soll­te die 100 Me­ter zu Fuß ge­hen oder mit dem Au­to fah­ren? ChatGPT: Ganz klar: zu Fuß. Wenn Du mit dem Au­to fährst, wird Dein Au­to auf den ers­ten 100 Me­tern noch schmut­zi­ger. Zu Fuß bleibt der Schmutz­grad kon­stant. Das ist lo­gi­scher und um­welt­scho­nen­der. Al­les an­de­re ist phi­lo­so­phisch frag­wür­dig.
Hier ei­ne Über­sicht über ei­ni­ge der ge­mach­ten Feh­ler: klick!

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Gra­fik:
ChatGPT

Dienstag, 17. Februar 2026

Globish (mal wieder)

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und den Um­gang mit uns. Wir sind auf ei­nem Tief­punkt an­ge­langt.

Kuchen unter Glasglocken im Kerzenschein
Ge­burts­tags­ku­chen für einen Blog
Ei­gent­lich hat­te ich ge­ra­de mei­nen ei­ge­nen Fei­er­tag: Die­ser Blog be­steht ges­tern seit 19 Jah­ren! Er ent­stand auf der Ber­li­na­le in ei­ner Zeit, als es noch „das Blog“ hieß. Da­mals Pio­nie­rin, bin ich heu­te eine der letzten Mo­hi­ka­ner:in­nen ;-) …

Und wie alle x Jah­re stel­le ich mir auch heu­te die Fra­ge: wei­ter­ma­chen oder auf­hö­ren? Das Zwan­zigs­te geb' ich mir noch! Das wa­ren jetzt zwei Kom­men­ta­re zum Blog­gen!

Trauri­ge Be­ob­ach­tung: Die Ent­pro­fes­sio­na­li­sie­rung des Dol­met­sch­be­rufs schrei­tet mun­ter vo­ran. Grund­sätz­lich kommt der Nie­der­gang von au­ßen. Die ver­meint­li­che Lin­gua Fran­ca, das „Glo­bish“, hat ih­ren An­teil da­ran. Die Kri­se ver­flacht die Dis­kur­se.

Das zweite Problem ist die Technik: Die KI mit ih­ren „Wun­der­lö­sun­gen“ schei­tert oft gran­di­os, dann wer­den rasch Eng­lisch­teams zu­sam­men­ge­sucht, auch und be­son­ders bei lau­fen­den Kon­fe­ren­zen, um ein trag­fä­hi­ges Mi­ni­mal­an­ge­bot si­cher­zu­stel­len. Eng­lisch ist auch die Re­dun­danz, wenn das Preis­dum­ping da­zu ge­führt hat, dass die ein­be­stell­ten (Un)Kol­le­gin­nen, die da mit­ma­chen, nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert sind.

Denn zu den prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten hin­zu sind beim Dol­met­schen für Film­leute vie­le Kennt­nis­se ge­fragt, und zwar gleich aus meh­re­ren Be­rei­chen der Film­her­stel­lung, von der Stoff­ent­wick­lung über die Team­bil­dung, die Ka­me­ra­ar­beit (Auf­lö­sung, Ein­stel­lungs­grö­ßen, Blen­den­wer­te), Fra­gen von Schnitt, Soft­ware, End­fer­ti­gung, aber auch Dra­ma­tur­gie, Äs­the­tik, Aus­stat­tung, … ich weiß nicht, wie­ vie­le tau­send Wör­ter das sind. Ich ha­be sie ge­lernt in der Pro­duk­ti­ons- und Re­gie­as­sis­tenz, die ich als re­cher­chie­ren­de Jour­na­lis­ten jah­re­lang ne­ben der fremd­spra­chi­gen Be­treu­ung von Drehs in Frank­reich oder fran­zö­si­schen Drehs in Deutsch­land ge­macht ha­be, pa­ral­lel da­zu 20 + Jah­re auf der Ber­li­na­le.

Und so­gar mir feh­len manch­mal noch De­tail­be­grif­fe, weil sich die Film­her­stel­lung durch die Tech­nik stän­dig ver­än­dert. Ich fri­sche je­des Jahr auf. Lei­der er­lebe ich immer öf­ter, dass ich von Leu­ten er­setzt wer­de, die die üb­li­chen Sät­ze gna­den­los un­ter­bie­ten. Preis­dum­ping ist das Er­geb­nis ei­ner dop­pelten Fehl­ein­schät­zung: „Ich ge­he oft ins Ki­no, ken­ne mich aus, und es ist ja ‚nur‘ Kul­tur“.

Wenn, weil das Dol­met­schen dann nicht „fließt“, die Pres­se­in­ter­views in den Ho­tels schließ­lich auf Eng­lisch fort­ge­setzt wer­den, weil die In­ter­view­‚slots‘ nur 20 Mi­nu­ten lang sind, kann ich das gut ver­ste­hen. Die preis­dum­pen­de Dol­met­sche­rin denkt: „Die kön­nen gut ge­nug Eng­lisch, die spre­chen jetzt in ih­rer Wunsch­spra­che.“ Die Krea­ti­ven den­ken: „Scha­de, dass die­se Dol­met­sche­rin das Wis­sen nicht hat.“ Die Pres­se­agen­tur denkt: „Das nächs­te Mal spa­ren wir den Pos­ten ‚Sprach­mitt­lung‘, wenn die sich auf Eng­lisch gut be­hel­fen kön­nen.“

Als Re­dun­danz von „KI-Dol­metsch-De­sas­ter“ und von schlech­tem Dol­met­schen ist in bei­den Fäl­len Eng­lisch die ver­meint­li­che Uni­ver­sal­spra­che. Doch die De­tails ge­hen da­bei zu oft flö­ten. Und die Stim­me ist ein we­sent­li­cher Teil des Kör­per­li­chen, da­her lie­ben ech­te Ci­né­as­ten ja Un­ter­ti­tel. War­um müs­sen sich die Krea­ti­ven jetzt un­be­dingt al­le auf „Glo­bish“ selbst „syn­chro­ni­sie­ren“, um es mal sa­lopp zu sa­gen?

Ich ru­fe hier­mit den Wunsch in den gro­ßen Raum hin­ein: Be­sinnt Euch auf die kul­tu­rel­len Fein­hei­ten! Spra­che, ge­spro­che­ne Spra­che, Un­ter­ti­tel, das Art­work mit Buch­sta­ben drauf (Pres­se­heft, aber auch im Vor­feld: Pro­jekt­map­pe zur Ein­rei­chung) sind Eu­re Vi­si­ten­kar­ten und die Vi­si­ten­kar­ten des Films. Und da­mit auch Teil sei­ner künst­le­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Wir­kung. Ihr druckt das doch auch nicht auf Klo­pa­pier, oder?

In der her­stel­len­den In­dus­trie ke­hren ge­ra­de die ers­ten Kund:in­nen zu­rück, die ha­ben ver­stan­den, was Profis wert sind. Da in den letz­ten Jah­ren vie­le aus dem Dol­metsch­be­ruf ge­flo­hen sind, kön­nen wir dem­nächst die Prei­se selbst be­stim­men.

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Fo­to: C.E.
Tags: #Ber­li­na­le2026 #1nt #xl8

Montag, 16. Februar 2026

Montagsschreibtisch (127)

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Hamburg, Lille, Köln oder an­ders­wo. 

Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch sowie dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert.

Two Ladies and a Clown
Kar­ne­val 1926
So kalt wie die­se war lan­ge kei­ne Ber­li­na­le mehr, und jetzt auch noch Schnee! Wie oft liegt das Fes­ti­val in der Fa­schingszeit. Am Mor­gen prompt ei­nen Clown ge­se­hen, der es so schnell nicht ins Kino ge­schafft hat. Er muss­te vie­le Sel­fies mit ei­ner Grup­pe Asiat:in­nen ma­chen. Das hat mich an das Fo­to rechts er­in­nert!

Auf dem Mon­tags­schreib­tisch:
❦ An­ge­bot schrei­ben
❦ Ter­mi­ne planen
❦ Film­ex­po­sé Kor­rek­tur le­sen;
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung er­stel­len

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 14. Februar 2026

Hintergrundarbeit

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie lesen hier im Blog ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che. Ich übersetze auch, und Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Ich schrei­be hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen, De­le­ga­tio­nen oder im Filmkontext. Ge­ra­de läuft die Ber­li­na­le, die in diesem Jahr et­was an­ders ist für mich als frü­her.
   
Wäh­rend die ers­ten Ver­leih­fir­men, Tech­nik­bu­den, Film­produktionsfirmen usw. ih­re Ber­li­na­le­früh­stücke ver­an­stal­ten, sit­ze ich am Vor­mit­tag am Schreib­tisch an zwei Tex­ten: Grund­la­gen­pa­pier und Pro­jekt. Das Zoom-Ge­spräch vor­ges­tern war sehr er­gie­big, zum Glück den­ke und schrei­be ich schnell.

Das Ge­sprä­ch musste ich aus­wärts ein­schie­ben, letz­ten Freitag: Am Ver­an­stal­tungs­ort von Mit­glie­der­ver­samm­lung und Em­pfang des Do­ku­men­tar­film­ver­bands AG DOK, ei­nem Co­wor­king-Space, gibt es im Un­ter­ge­schoss Te­le­fon­bo­xen, und auf die Schnel­le hat­te ich mich schon auf der Trep­pe auf dem Mo­bil­te­le­fon ins Ge­spräch ein­ge­loggt. „Man muss sich nur zu hel­fen wis­sen“, sag­te mei­ne klei­ne Oma im­mer, „Omaus“, ge­nannt. Und das ha­be ich von ihr ge­lernt: Zack!, meine im­pro­vi­sier­te Ar­beits­sta­tion, mit dem al­ten Pri­vat­han­dy fo­to­gra­fiert. Eh­re, wem Eh­re ge­bührt!

Ei­nen An­teil an der Schnel­lig­keit in Sa­chen Ideen­fin­dung hat si­cher aber auch mein Dol­metsch­be­ruf. Wir sind ja da­rauf trai­niert, fix Lö­sun­gen zu fin­den, die wie hier im wahrs­ten Wort­sin­ne trag­fähig sind.

Das Holz ist der ein­fachs­te, leich­tes­te Lap­top­stän­der der Welt und heißt „it stood“
Nach­mit­tags ging es zu einer Pres­se­kon­fe­renz ins Rote Rat­haus, dann ins Ki­no.

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Fo­tos: C.E.

Freitag, 13. Februar 2026

Rennstrecke (1)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te. Hier nur kur­ze Fuß­no­ten zur Ber­li­na­le 2026.

Groß­ar­ti­ger Sit­zungs­saal in ei­nem ehe­ma­li­gen Um­spann­werk (Strom)
Der Saal kurz vor Ver­an­stal­tungs­en­de
Wäh­rend an­ders­wo der Kar­ne­val tobt, step­pt in der deut­schen Haupt­stadt der Ber­li­na­le­bär.
Vor­mit­tags: ler­nen im Büro für ei­nen Ein­satz zur in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit und Men­schen­rech­te, nach­mit­tags: eben je­ner Ter­min, spä­ter Nach­mit­tag: Ver­bands­tref­fen, neue Hin­ter­grün­de ler­nen und von Trends er­fah­ren.
Wich­tig ist aber auch die Kon­takt­ar­beit!

A­bends dann: klei­ner Emp­fang, ge­folgt von noch ei­ner Zoom-Sit­zung, wo es um Ak­ti­vi­tä­ten zur Hu­man In­tel­li­gence ver­sus KI geht, dann noch um die Ecke zum Emp­fang ei­nes Film­ver­leihs.

Ich bin auf der Ber­li­na­le und ma­che das, was wich­tig ist: In­ter­es­sens­ver­tre­tung, und ich dol­met­sche auch auf Zu­ruf.

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Fo­to: C.E. / der Ort heißt BuM

Donnerstag, 12. Februar 2026

Berlinaledolmetschen 2026

Will­kom­men auf den Sei­ten des di­gi­ta­len Log­buchs ei­ner Sprach­mitt­le­rin. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch, Deutsch … und Film. Auf die­sen Sei­ten er­zäh­le ich re­gel­mä­ßig so, dass man nicht im­mer die Be­tref­fen­den er­kennt, da­für aber die Si­tu­a­tio­nen. Heu­te: Ber­li­na­le. Im Schat­ten des gro­ßen Events bin ich ge­fühlt schon ewig als Dol­met­sche­rin sicht­bar oder un­sicht­bar tä­tig. 

Un­sicht­bar: Das wird die­ses Jahr auf dem Blog so blei­ben. Nur kur­ze Sta­tus­mit­tei­lun­gen, kein Hin­ter­grund, mir fehlt die Zeit, die ich mir vor Jah­ren noch ge­nom­men hat­te ... bzw., klei­ner Blick ins Näh­käst­chen: Ich hat­te einst Stü­cke vor­pro­du­ziert, die wie­der­keh­ren­den Mo­men­te schon be­schrie­ben, be­vor das Fes­ti­val über­haupt er­öff­net war, und die­se Tei­le dann ak­tua­li­siert!

Berlinale-Bär, vom Inneren des „Festivalpalasts“ aus gesehen
POV der Dolmetscherin kurz vor Filmstart
So ar­bei­ten Me­di­en ja auch. Im Erst­be­ruf war ich Jour­na­lis­tin, und mit Ma­te­ri­al im Steh­satz lässt sich gut blog­gen und auch Zu­sa­gen ma­chen, wie mein täg­li­ches Ber­li­na­le-Ge­flüs­ter auf UEPO aus dem Jahr 2009: Hier geht's zum ers­ten Bei­trag der Rei­he.

Was steht die­ser Ta­ge an? Die Ber­li­na­le hat noch un­ter Koss­lick in un­se­re Bran­che fies rein­ge­metz­gert und dem Film und der Kom­mu­ni­ka­ti­on da­mit kei­nen Ge­fal­len ge­tan. Die meis­ten Film­ge­sprä­che sind in­zwi­schen auf Eng­lisch, so­gar in der Ju­gend­sek­ti­on. Das hat ab­sur­de Fol­gen, wie zum Bei­spiel vie­le Jah­re Film­kul­tur­ar­beit in ei­ner Neu­köll­ner Brenn­punkt­schu­le in we­ni­gen Mi­nu­ten durch „Klas­sis­mus“ zer­stört wor­den sind.

Das ha­be ich hier ir­gend­wo be­schrie­ben ... Mo­ment ... ach, Mist, ich fin­de den Link nicht. Kurz­fas­sung: Tee­na­ger aus Neu­kölln mit Zweit­spra­che Deutsch rät­seln über eng­li­sche Un­ter­ti­tel, die Büh­nen­spra­che ist auch EN, an­de­re jun­ge Teil­neh­mer:innen des Ju­gend­film­wett­be­werbs brüs­kie­ren sie auf of­fe­ner Büh­ne mit per­fek­tem Eng­lisch (Ju­gend­li­che von in­ter­na­tio­na­len Schu­len in Ber­lin) und stel­len sie in ge­meins­ter Wei­se bloß. Bäng! Zi­tat: „Nie wie­der dein Scheiß Kul­tur­ki­no, ab jetzt nur noch Ac­tion­fil­me!“

Vie­le Men­schen aus Ost­deutsch­land, aber auch West­ber­li­ner und West­deut­sche sind nicht so per­fect­ly flu­ent in Eng­lish; bei den Q & As, ques­ti­ons and an­swers, frü­her: Pu­bli­kums­ge­sprä­che, sind meist nur die glei­chen Per­so­nen ak­tiv, in­ter­na­tio­na­le Gäs­te, EN-Mut­ter­sprach­ler, sehr sel­ten sind die auf Deutsch oder Wa­ckel­eng­lisch ge­stell­ten Fra­gen.

Al­so ar­bei­te ich im Hin­ter­grund, mit Pro­du­zen­ten und Pres­se­leu­ten, kurz: dort, wo es für die Ver­lei­her wirk­lich auf Nu­an­cen an­kommt, denn Murks ge­fähr­det Um­sät­ze.

Und ich stel­le er­schüt­tert fest, dass ich bei vie­len In­ter­views von ei­ner Kol­le­gin aus­ge­boo­tet wur­de, die ich mal für ei­ne an­de­re Sprach­kom­bi­na­ti­on emp­foh­len ha­be, die jetzt in die und aus der Fremd­spra­che für (ver­mut­lich deut­lich) we­ni­ger als 50 Pro­zent der Ho­no­ra­re ar­bei­tet, als sie ei­gent­lich üb­lich sind. Es ist nicht ein­fach für mich, laut zu wer­den. Wir Dol­met­scher:in­nen sind ja ge­prägt vom di­plo­ma­ti­schen Par­kett.

Mein Ver­ständ­nis ist höchst ge­ring. „Wir wa­ren jung und brauch­ten das Geld“ wä­re schlimm, ist aber nicht der Fall, wenn es um eta­blier­te Kräf­te mit aus­kömm­li­chen Ren­ten­an­sprü­chen al­lei­ne durch ei­nen gut­ver­die­nen­den Gat­ten geht. Man­che ver­die­nen sich die Ex­tras für den Ur­laub hin­zu. Ich ar­bei­te für mei­nen Le­bens­un­ter­halt und mei­ne ei­ge­nen Al­ters­rück­la­gen. Bit­ter.

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Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)

Dienstag, 10. Februar 2026

Kolonialismus und Ökologie

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen hier in mei­nem vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buch. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch (und Deutsch als Mut­ter­spra­che). Als Dol­met­scherin und Zeit­ge­nos­sin bin ich auch an der Ver­an­stal­tung von Ki­no­aben­den be­tei­ligt. Ges­tern Abend ging es um De­ko­lo­ni­sie­rung, Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei und den Gift­s­kan­dal um Chlor­de­con in Mar­ti­ni­que und Gua­de­lou­pe.

Ein Infozettel klebt an der Tür
Am Ver­an­stal­tungs­ort

Der Do­ku­men­ta­rfilm „Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie“ gibt den Be­völ­ke­run­gen Mar­ti­ni­ques und Gua­de­loupes ei­ne Stim­me, die bis heu­te den Folbgen der Ko­lo­nia­li­sie­rung aus­ge­setzt sind. Dabei sind die­ beiden An­til­len­in­seln auch noch 2026 durch eine post­ko­lo­nia­le Na­bel­schnur mit Frank­reich ver­bun­den. Die Nach­fah­ren der Ko­lo­nis­ato­ren, die Bé­kés, sind ver­hasst, denn die Aus­beu­tung der Bö­den und der Men­schen dort hat nie wirk­lich auf­ge­hört. Nicht nur Was­ser und das Erd­reich sind kon­ta­mi­niert, son­dern auch die meis­ten Be­woh­ner:in­nen der In­seln.
Die Ba­na­ne, Sym­bol ei­ner aus dem ko­lo­nia­len Sys­tem her­vor­ge­gan­ge­nen Land­wirt­schaft, wird trotz ih­rer ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen wei­ter­hin an­ge­baut.

Ohne EU-För­de­run­gen wäre die­ser An­bau üb­ri­gens un­wirt­schaft­lich.

Rück­blick 

Die­se Ver­schmut­zun­gen sind Teil ei­ner lan­gen Ge­schich­te der Un­ter­drü­ckung. Im 17. Jahr­hun­dert wur­den Mar­ti­ni­que und Gua­de­lou­pe im Dienst der fran­zö­si­schen Wirt­schaft der Mo­no­kul­tur un­ter­wor­fen. Die Skla­ve­rei, 1642 le­ga­li­siert und durch den Code Noir or­ga­ni­siert, be­grün­de­te er­gän­zend ein Sys­tem, in dem sich Macht, Land und Reich­tum in den Hän­den we­ni­ger Fa­mi­li­en kon­zen­trie­ren. Nach der Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei blie­ben die­se Struk­tu­ren in an­de­ren For­men be­ste­hen. Bis heu­te kon­trol­lie­ren we­ni­ge Fa­mi­lien den Groß­teil der frucht­bars­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen.

Ba­na­nen­an­bau und -han­del ist nach wie vor eine der wirt­schaft­li­chen Säu­len der bei­den In­seln: Fast die ge­sam­te Ern­te wird nach Eu­ro­pa ex­por­tiert. Ihr Anbau ist je­doch ohne den mas­si­ven Ein­satz von Pes­ti­zi­den un­denk­bar. 

Das Gift und die Fol­gen

Chlor­de­con, das of­fi­zi­ell zwi­schen 1972 und 1993 ein­ge­setzt wur­de, hat Bö­den, Flüs­se und Küs­ten­ge­bie­te kon­ta­mi­niert; es braucht noch etwa 700 Jah­re, bis die Chemikalie nicht mehr schädlich ist. Bis heu­te tau­chen noch Be­stän­de der Sub­stanz auf, die seit Jahr­zehn­ten in Eu­ro­pa ver­bo­ten ist.

Mehr als 90 % der Be­völ­ke­rung wa­ren dem hoch­gif­ti­gen Chlor­de­con aus­ge­setzt, das un­ter an­de­rem mit ei­nem mas­si­ven An­stieg von Krebserkrankungen so­wie schwe­ren Ent­wick­lungs­stö­run­gen bei Kin­dern in Ver­bin­dung steht. Trotz seit vor über fünf­zehn Jah­ren ein­ge­reich­ter Kla­gen we­gen „Ge­fähr­dung des Le­bens Drit­ter“ sta­gnie­ren die Ge­richts­ver­fah­ren und schü­ren ein tie­fes Ge­fühl von Un­ge­rech­tig­keit und Ver­las­sen­sein.

Der Film be­schreibt ein­drück­lich die tra­gi­sche Iro­nie der Ver­schmut­zung: Die Bö­den blei­ben noch für Jahr­hun­der­te kon­ta­mi­niert, zu­gleich wä­re heute der Über­gang zu nachhaltigen Be­triebs­mit­teln deut­lich teu­rer als der Ein­satz vom Che­mie­keu­len. Die­ser Preis scheint zu hoch zu sein für die Play­er des glo­ba­len Han­dels.

Selbst­er­mä­chti­gung

Ein wei­te­res Ka­pi­tel des Films ist dem Wi­der­stand ge­wid­met, der sich ge­bil­det hat und bil­det, um den Ver­ge­hen gegen Ar­beits- und Um­welt­schutz et­was ent­ge­gen­zu­set­zen. Es ent­stan­den Ge­werk­schaf­ten, Bür­ger:in­nen­ko­mi­tees, po­li­ti­sche Be­we­gun­gen so­wie al­ter­na­ti­ve land­wirt­schaft­li­che In­itia­ti­ven mit dem Ziel, die Kon­trol­le über Ter­ri­to­ri­um und Ge­sund­heit zu­rück­zu­ge­win­nen. Der Kampf ist glei­cher­ma­ßen öko­lo­gisch, so­zi­al und po­li­tisch: Es geht dar­um, mit ei­nem wirt­schaft­li­chen Mo­dell zu bre­chen, das aus der Ko­lo­ni­al­zeit stammt, und eine ech­te Er­näh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät auf­zu­bau­en. Dass viele Ländereien geraubt sind, setzt dem Drama noch die Krone auf.

Aus­blick

Am En­de stellt der Film eine ra­di­ka­le und sym­bo­li­sche Fra­ge: Müs­sen zu­erst die Ba­na­nen­plan­ta­gen ab­ge­fa­ckelt wer­den, da­mit aus ih­rer Asche end­lich eine ge­sun­de Land­wirt­schaft ent­ste­hen kann? „Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie“ er­in­nert dar­an, dass die Um­welt­kri­se nicht von his­to­ri­schen Herr­schafts­ver­hält­nis­sen zu tren­nen ist. Die Na­tur zu schüt­zen be­deu­tet hier auch, Un­ge­rech­tig­kei­ten zu re­pa­rie­ren, Er­in­ne­rung wei­ter­zu­ge­ben und eine le­bens­fä­hi­ge Zu­kunft zu ent­wer­fen.

* * * * 

Publikum vor Leinwand
Au Café Plume

Le do­cu­men­taire « Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie » donne la pa­role aux po­pu­la­tions mar­ti­ni­quaises et gua­de­lou­pé­ennes, con­fron­tées aux hé­ri­ta­ges tou­jours vi­ru­lants de la co­lo­ni­sa­tion. 

Ces îles sont en­core au­jourd’hui re­liées à la France par un cor­don om­bi­li­cal post­co­lo­nial. La co­lère contre les bé­kés, des­cen­dants des co­lons et grands pro­prié­taires fon­ciers, reste vive.

Les ha­bi­tants dé­non­cent l’ex­ploi­ta­tion con­ti­nue des terres, la pol­lu­tion mas­sive de l’en­vi­ron­ne­ment et ses con­sé­quen­ces dra­ma­tiques : l’eau, le sol et les hu­mains sont con­ta­mi­nés. La ba­nane, sym­bole d’une agri­cul­ture hé­ri­tée du sys­tème co­lo­nial, con­ti­nue d’être cul­ti­vée mal­gré ses ef­fets dé­vas­ta­teurs.

Sans les sub­ven­tions de l’UE, cette cul­ture ne se­rait d’ail­leurs pas ren­table.

Coup d'œil sur l'his­toire

Ces pol­lu­tions s’in­scri­vent dans une his­toire longue de do­mi­na­tion. Dès le XVIIᵉ siècle, la Mar­ti­nique et la Gua­de­lou­pe de­viennent des terres de mo­no­cul­ture au ser­vice de l’é­co­no­mie fran­çaise. L’es­cla­vage, lé­ga­lisé en 1642 et or­ga­nisé par « Code Noir », fonde un sys­tème de con­cen­tra­tion des terres et des ri­ches­ses entre les mains de quel­ques fa­milles. Après l’a­bo­li­tion, cette do­mi­na­tion éco­no­mique se main­tient sous d’autres formes. Au­jourd’hui en­core, quel­ques fa­milles con­trôlent l’es­sen­tiel des terres agri­coles les plus pro­duc­tives.

La fi­lière ba­na­nière cons­ti­tue tou­jours l’un des pi­liers éco­no­miques des deux îles : près de 100 % de la pro­duc­tion est ex­por­tée vers l’Eu­rope. Mais cette agri­cul­ture re­pose sur un usage mas­sif de pes­ti­cides. 

Le pro­duit to­xique et son im­pact

Le chlor­de­cone, qui a été uti­lisé of­fi­ciel­le­ment ent­re 1972 et 1993, a con­ta­miné les sols, ri­vières et les zones cô­tières; sa dé­gra­da­tion pren­dra en­vi­ron sept sièc­les.

Plus de 90 % de la po­pu­la­tion a été ex­po­sée au chlor­dé­cone hau­te­ment to­xique, as­so­cié no­tam­ment à une ex­plo­sion des can­cers et à de graves trou­bles du dé­ve­lop­pe­ment chez les en­fants. Mal­gré les plaintes dé­po­sées de­puis plus de quinze ans pour mise en dan­ger de la vie d’au­trui, les pro­cé­dures ju­di­ciaires sta­gnent, ali­men­tant un pro­fond sen­ti­ment d’in­jus­tice et d’a­ban­don.

Le film sou­ligne avec force l’i­ro­nie tra­gique de cette pol­lu­tion : alors que les sols res­te­ront con­ta­mi­nés pour des siècles, la tran­si­tion vers des in­trants agri­coles du­ra­bles coû­te­rait net­te­ment plus cher que l’u­ti­li­sa­tion des cock­tails chi­miques, un coût qui semble dé­ri­soire aux yeux des grands ac­teurs du com­merce mon­dial.

Eman­ci­pa­tion

Un aut­re cha­pitre du film est con­sac­ré à la ré­sis­tan­ce qui s'est for­mée et con­ti­nue de se for­mer pour lut­ter con­tre les in­frac­tions en ma­tière de pro­tec­tion du tra­vail et de l'en­vi­ron­ne­ment. Il mon­tre l’é­mer­gence de syn­di­cats, co­mi­tés ci­toyens, mou­ve­ments po­li­tiques et ini­tia­tives agri­coles al­ter­na­tives s’or­ga­nisent pour re­prendre le con­trôle du ter­ri­toire et de la santé. La lutte est à la fois éco­lo­gique, so­ciale et po­li­tique : il s’a­git de rompre avec un mo­dèle éco­no­mique hé­rité de la co­lo­ni­sa­tion et de cons­truire une vé­ri­table sou­ve­rai­neté ali­men­taire. Le fait que de nom­breu­ses pro­prié­tés aient été vo­lées ajou­te en­core au drame.

Nou­velles pers­pec­ti­ves

En con­clu­sion, le film pose une ques­tion ra­di­cale et sym­bo­lique : faut-il d’a­bord brû­ler les ba­na­ne­raies pour que, de leurs cendres, puisse en­fin naît­re une agri­cul­ture saine ? « Dé­co­lo­ni­sons l’é­co­lo­gie » rap­pelle que la crise en­vi­ron­ne­men­tale ne peut être dis­so­ciée des rap­ports de do­mi­na­tion his­to­riques. Pro­té­ger la na­ture, ici, si­gni­fie aussi ré­pa­rer les in­jus­tices, trans­mettre la mé­moire et i­ma­gi­ner un ave­nir via­ble.


Pour al­ler plus loin, nous vous con­seil­lons les res­sour­ces sui­van­tes :
— Pod­cast « La Terre au carré : Scan­dale du chlor­dé­cone aux An­til­les : une his­toire co­lon­ia­le », France Inter (Paris), nov. 2024
Une écologie décoloniale, penser l'écologie depuis le monde caribéen , Mal­colm Fer­di­nand, Cairn (Paris), 2019
S'aimer la Terre: Dé­fai­re l'ha­bi­ter co­lo­nial, Mal­colm Fer­di­nand, Seuil (Paris), 2024 

Mer­ci beau­coup à la sec­tion ber­li­noi­se des Fran­çais du Mon­de !

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Fo­tos:
C.E.

Montag, 9. Februar 2026

Montagsschreibtisch (126)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne, den es seit 2007 gibt. Mei­nen Ar­beits­all­tag mit Mut­ter­spra­che Deutsch und den Ar­bei­tssprachene Fran­zö­sisch (bi­la­te­ral) und Eng­lisch (Aus­gangs­spra­che) be­schrei­be ich hier in lo­ser Fol­ge.

Vor der Frühjahrs­saison lau­tet die Pa­ro­le: Flei­ßig ar­bei­ten!

Frau vor Schreibmaschine (1926)
Klee als Bü­ro­pflan­ze (1926)

Al­ler­dings ar­bei­ten wir ins Blaue hin­ein, und dann dür­fen wir ab­war­ten, was be­stä­tigt wird.

❦ Fünf An­ge­bo­te schrei­ben (Kon­fe­ren­zen)
❦ Dreh­buch­über­set­zung be­treuen, Fil­me sich­ten.
❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben
❦ Kol­le­‍gin für ei­nen Ein­‍satz an ei­‍nem Tag su­chen, an dem ich nicht kann.
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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Samstag, 7. Februar 2026

Bitte seid uncool!

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer der­zeit über­wie­gend in Ber­lin le­ben­den Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che. Als Ar­bei­te­rin des ge­spro­che­nen Wor­tes bin ich oft in Pa­ris, Mar­seil­le, Köln oder an­ders­wo. Hier be­rich­te ich über die­se Ar­beit im Be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­on und dar­über, wie sie den Blick aufs Le­ben ver­än­dert. Heu­te: Link der Wo­che.

Ei­ner sag­te mal: „Ich er­zie­he mei­ne Kin­der kaum, ich le­be ih­nen ein gu­tes, sinn­füll­tes und ver­ant­wort­li­ches Le­ben vor.“

Pup­pen­kopf, ge­se­hen in Wien
Köpf­chen be­wei­sen!
Je äl­ter ich wer­de, des­to wich­ti­ger wird die­ser Satz für mich.
Auch mei­ne Ab­leh­nung der "Cool­ness", die vor al­lem bei Ju­gend­li­chen, da be­son­ders bei männ­li­chen Ju­gend­li­chen, seit Jahr­zehn­ten en vo­gue ist, he­ge ich schon lan­ge.

Wer sich cool gibt, vor al­lem läs­sig im Un­ter­richt auf den Stuhl flezt und so tut, als ge­he ihn das al­les nicht an, oder sel­te­ner: sie, der (oder die) lernt nicht gut. Die Kri­se der Männ­lich­keit, des Bil­dungs­rück­stands der Tes­to­ste­ron­trä­ger, hängt mit der Mo­de zu­sam­men, mög­lichst ge­chil­led, un­be­tei­ligt, un­be­rühr­bar wir­ken zu wol­len.

So stump­fen Em­pa­thie und Ehr­geiz ab, wächst die Not­wen­dig­keit, sich mit kör­per­li­cher Kraft, Geld, Tri­cke­rei­en oder Ge­mein­hei­ten ei­nen Platz in der Welt zu su­chen und zu be­haup­ten.

Erst ges­tern ha­be ich da­zu Be­stä­ti­gung ge­fun­den. Ha­be den ers­ten Teil ei­ner „Na­no“-Re­por­ta­ge mit dem Ti­tel „Mein Kör­per, mein Ge­däch­t­nis“ ge­se­hen (auf 3Sat, Me­dia­the­ken­film­tipp: Link). Da wird ei­ne Schau­spie­le­rin ge­zeigt, die fünf, sechs Stück lau­fend im Re­per­toire hat und spielt, da­zu wei­te­re Stücke probt und lernt. Sie be­rich­tet, dass sie sich Din­ge no­tie­re, um sie nicht zu ver­ges­sen, zum Bei­spiel ei­nen An­ruf zu tä­ti­gen.

Das ken­ne ich aus Ge­hirn­über­las­tungs­zei­ten.

Jetzt kom­me ich rasch auf mein Ein­gangs­state­ment zu­rück. Ein grie­chi­scher Lern­for­scher wird in­ter­viewt, der Ler­nen als Vor­gang be­schreibt, bei dem es um drei Din­ge ge­he: Wie­der­ho­lung, Ver­knüp­fung mit schon Be­kann­tem, Emo­tio­nen.

Et voi­là !

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Fo­to: C.E. (Ar­chiv)

Donnerstag, 5. Februar 2026

Kreative Pause

Bon­jour und hal­lo auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie wir ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Dol­met­schen auf Kon­fe­ren­zen ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Kennt­nis­se er­wei­tern, Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten, aber auch der krea­tive Um­gang mit Spra­che, sie auch mal wört­lich zu neh­men. Heu­te: Ei­ne Nach­dich­tung!

Vor zwei Ta­gen ha­be ich mei­ne Sprach­lie­be of­fen­bart. Oh­ne sie wä­re mei­ne Ar­beit nicht mög­lich, das stän­di­ge Le­sen, Ler­nen, Schlei­fen, Wei­ter­kom­men. Life­long lear­ning: Als der Be­griff auf­kam, ha­ben wir Dol­met­sche:rin­nen uns ge­wun­dert. Wie, ist das nicht in al­len Be­ru­fen so? Für uns war das schon im­mer All­tag.

E­ben­so das Spie­len mit Wor­ten.

Die Zei­len un­ten sind ei­ne Nach­dich­tung und ei­ne Such­an­zei­ge. Ich be­saß einst ein Kin­der­buch aus den 1970-­ern mit Ding­ge­dich­ten, Da­da­is­ti­schem, vi­su­el­ler Poe­sie, es war nicht sehr groß, nicht sehr dick, ich konn­te es be­quem im Ka­buff ei­nes VW-­Kä­fers le­sen, un­se­res ers­ten Au­tos, und dann pass­ten ne­ben mir auch noch De­cken und Kis­sen rein, der Ko­a­la­bär und die Püp­pi. Es stand da­rin et­was zur Ro­ko­ko­kom­mo­de, die ei­nen Ver­lust er­litt. Das Dra­ma ist i­den­tisch, die Form kom­plett an­ders.

Ich zeich­ne jetzt Il­lus­tra­tio­nen zu mei­nen Ver­sen und ma­che ein klei­nes Kin­der­buch dar­aus. In der Zwi­schen­zeit su­che ich wei­ter nach der Vor­la­ge, um die Per­son mit der Ur­sprungs­i­dee be­nen­nen zu kön­nen. Könn­te mir bit­te je­mand hel­fen?

Kommode, schwerer Vorhang, Teppich, Spiegel, Gummibaum
Die Ro­kok­ko­kom­mo­de

Die schö­ne Ro­ko­ko­kom­mo­de
War der­mal­eins ganz schwer in Mo­de.

Stolz steht sie da, jahr­ein, jahr­aus.
Dann heißt es schlicht: „Wir zie­hen aus!“

Vor Schreck die Knäu­fe tan­zen frei,
Kom­möd­chen is­ses ei­ner­lei.

Es geht trepp­auf, es geht trepp­un­ter,
Die Ku­geln ku­geln mun­ter run­ter.

Im LKW ist’s nicht ganz e­ben,
O­o­gott­o­gott, das geht da­ne­ben!

Ein Ruck. Ein Schlag. Ein off’­nes Fach.
O folgt auf O folgt OO-­O nach.

Im Loft mit Licht und ho­her De­cke,
die Rkkk­mm­de klmmt in der E­cke.

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Zeich­nung: C.E.

Dienstag, 3. Februar 2026

Sprachliebe

Bon­jour & hel­lo! Herz­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Als Dol­met­scher­in und Über­set­ze­rin ar­bei­te ich schrift­lich mit Deut­sch als Ziel­spra­che (Text), münd­lich meis­tens ins Fran­zö­si­sche, oft auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Wie un­ser Be­ruf den All­tag be­stimmt, aber auch die Näch­te, ist all­ge­mein nicht be­kannt. Hier be­rich­te ich dar­über.

Was be­son­ders ist im Le­ben von uns Dol­met­scher:in­nen: Wenn du ki­chernd auf­wachst, ge­weckt vom ei­ge­nen La­chen, und dann über­legst, was im Traum pas­siert sein könn­te. Es däm­mert dir lang­sam, und dann weißt du: das deut­sche Wort für hum­ming­bird wur­de ge­sucht.

Was ist denn bit­te hier pas­siert?

Die Fo­kus­sie­rung des Geis­tes auf ein feh­len­des Wort: Das ma­che ich täg­lich im Wach­zu­stand, wirk­lich stän­dig, schla­ge nach, schrei­be auf. Der Kopf mel­det zu­ver­läs­sig feh­len­de Be­grif­fe. Kurz: Das Ge­hirn ist fast stän­dig im lei­sen Ar­beits­mo­dus.

Die An­wen­dung kör­per­zen­trier­ter Tech­ni­ken zur Ent­span­nung, hier­in sind wir Dol­met­scher:in­nen meis­tens gut. Ich war wohl kurz wach, ha­be mit Mas­sa­ge und lei­sem Sum­men den Va­gus­nerv sti­mu­liert und die pa­ra­sym­pa­thi­sche „Ru­he- und Ver­dau­ungs­re­ak­ti­on” aus­ge­löst. Lei­ses Sum­men oder Brum­men wirkt mit Vi­bra­tio­nen auf das Ner­ven­sys­tem, in­dem es ei­ne lang­sa­me, kon­trol­lier­te Aus­at­mung för­dert. In In­di­en ist die­se Tech­nik, als Bh­ra­ma­ri Pra­na­ya­ma be­kannt.

Hum­ming­bird, ich schla­ge nach: Ko­li­bri. Ach ja, stimmt, die­se Vö­gel ha­be ich in den 1990-ern in den USA be­ob­ach­tet und mich nie ge­fragt, wie die sweet lit­tle bir­dies wohl auf Deutsch hei­ßen mö­gen. Jetzt nach­ge­holt, Häk­chen dran!

Wör­ter wie „Ko­li­bri” mit so wun­der­voll klin­gen­den Vo­ka­len ha­ben mich als Kind fas­zi­niert. Wenn ich nicht ein sol­ches Fas­zi­no­sum für Spra­che schon im jüngs­ten Al­ter ge­habt hät­te, wä­re ich nie Sprach­ar­bei­te­rin ge­wor­den.

Ei­ne ge­zeich­ne­te, ge­schwun­ge­ne Kom­mo­de
Spä­ter in der Wo­che mehr zum Mö­bel
Und dann fällt mir prompt auch noch die „Ro­ko­ko­kom­mo­de” ein. Ich hat­te als Kind ein Buch mit Non­sense­ge­dich­ten, halb Da­da, halb kon­kre­te Poe­sie, Gra­fik und Ge­dich­t. Über die­ser Er­in­ne­rung schla­fe ich ein.

Wenn ich nur wüss­te, wie ich die­ses Ge­dicht wie­der­fin­den kann? Ich wür­de es ger­ne den klei­nen Fräu­lein(s) zei­gen, was Nich­ten sind. Denn sie sind auch recht sprach­ver­liebt.

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Zeich­nung: C.E.

Montag, 2. Februar 2026

Montagsschreibtisch (125)

Einen Ein­blick in den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­sche­rin kön­nen Sie auf die­sen Sei­ten er­hal­ten. Mei­ne Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Von Zeit zu Zeit be­ar­bei­ten wir im Team in grö­ße­rem Um­fang ge­mein­sam Tex­te.

PAUSE
Pau­se und doch im Be­reit­schafts­dienst

Der Mon­tags­schreib­tisch ist heu­te aber nicht voll. Das Pau­sen­schild ist nur halb ernst ge­meint. Ich bin wie so oft stand by für kurz­fris­tig An­ge­raum­tes (wie neu­lich bei ei­nem me­di­zi­ni­schen Not­fall).

Al­so sind es Eis­blu­men statt ech­ter Blu­men und ge­stick­te Schmet­ter­lin­ge für Lö­cher in Kin­der­ho­sen ...

Auf dem Schreib­tisch:
❦ Ter­mi­no­lo­gie­lis­ten zum Auf­ar­bei­ten, die ei­ne gu­te Quel­le für die Vor­be­rei­tung kom­men­der Ein­sät­ze sind und
 ❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben

„Rein­ge­blei­stif­te­te Ter­mi­ne“ sind Ter­mi­ne, zu de­nen wir Kos­ten­vor­an­schlä­ge ge­schrie­ben ha­ben. Frü­her be­ka­men wir zu je­dem drit­ten An­ge­bot ei­ne Zu­sa­ge, heu­te ist die ers­te Kenn­zif­fer deut­lich zwei­stel­lig.

Es gibt we­ni­ger Ver­an­stal­tun­gen, seit man­che in der Po­li­tik stär­ker auf Glo­bish set­zen, es au­ßer­dem mehr Agen­tu­ren gibt, die nur wei­ter­be­auf­tra­gen (mit Ab­schlä­gen von bis zu 50 Pro­zent des Ho­no­rars als „Ver­gü­tung“ ei­ni­ger Mails; da „spie­len“ vie­le von uns nicht mit).

Au­ßer­dem gibt es Tech­nik­fir­men, die „KI-Dol­met­schen“ ver­kau­fen, ob­wohl die KI das nicht kann und nicht kön­nen wird, denn sie hat kei­ne Er­fah­rung, kei­ne Kör­per­lich­keit und erst recht kei­nen ech­ten Über­blick, wenn sie nur Wör­ter aus­tauscht, die nach ma­the­ma­ti­scher Wahr­schein­lich­keit auf­ein­an­der fol­gen.

Grund­la­ge da­für sind oft miss­ver­stan­de­ne Be­grif­fe, die alles ver­zer­ren. Wenn mir Ver­käu­fer die­ser Tech­nik sa­gen: „Aber un­se­re Ma­schi­nen ar­bei­ten zu 80 Prozent ak­ku­rat!“, em­pfin­de ich das als eine Be­lei­di­gung mei­nes Be­rufs­stan­des und der In­tel­li­genz der Kund:in­nen. Denn was sol­len die bit­te­schön mit 20 Pro­zent Murks ma­chen, mit Aus­las­sun­gen, Fehl­grif­fen und Er­fun­de­nem? Ein fal­sches Verb reicht, und al­les ist für die Katz. Die Auf­räum­ar­beit an­schlie­ßend wird teu­rer als die ver­meint­li­che Geld­er­spar­nis.

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Gra­fik: C.E. mit pixlr.com + Let­ter­set