Dienstag, 3. Februar 2026

Sprachliebe

Bon­jour & hel­lo! Herz­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Als Dol­met­scher­in und Über­set­ze­rin ar­bei­te ich schrift­lich mit Deut­sch als Ziel­spra­che (Text), münd­lich meis­tens ins Fran­zö­si­sche, oft auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Wie un­ser Be­ruf den All­tag be­stimmt, aber auch die Näch­te, ist all­ge­mein nicht be­kannt. Hier be­rich­te ich dar­über.

Was be­son­ders ist im Le­ben von uns Dol­met­scher:in­nen: Wenn du ki­chernd auf­wachst, ge­weckt vom ei­ge­nen La­chen, und dann über­legst, was im Traum pas­siert sein könn­te. Es däm­mert dir lang­sam, und dann weißt du: das deut­sche Wort für hum­ming­bird wur­de ge­sucht.

Was ist denn bit­te hier pas­siert?

Die Fo­kus­sie­rung des Geis­tes auf ein feh­len­des Wort: Das ma­che ich täg­lich im Wach­zu­stand, wirk­lich stän­dig, schla­ge nach, schrei­be auf. Der Kopf mel­det zu­ver­läs­sig feh­len­de Be­grif­fe. Kurz: Das Ge­hirn ist fast stän­dig im lei­sen Ar­beits­mo­dus.

Die An­wen­dung kör­per­zen­trier­ter Tech­ni­ken zur Ent­span­nung, hier­in sind wir Dol­met­scher:in­nen meis­tens gut. Ich war wohl kurz wach, ha­be mit Mas­sa­ge und lei­sem Sum­men den Va­gus­nerv sti­mu­liert und die pa­ra­sym­pa­thi­sche „Ru­he- und Ver­dau­ungs­re­ak­ti­on” aus­ge­löst. Lei­ses Sum­men oder Brum­men wirkt mit Vi­bra­tio­nen auf das Ner­ven­sys­tem, in­dem es ei­ne lang­sa­me, kon­trol­lier­te Aus­at­mung för­dert. In In­di­en ist die­se Tech­nik, als Bh­ra­ma­ri Pra­na­ya­ma be­kannt.

Hum­ming­bird, ich schla­ge nach: Ko­li­bri. Ach ja, stimmt, die­se Vö­gel ha­be ich in den 1990-ern in den USA be­ob­ach­tet und mich nie ge­fragt, wie die sweet lit­tle bir­dies wohl auf Deutsch hei­ßen mö­gen. Jetzt nach­ge­holt, Häk­chen dran!

Wör­ter wie „Ko­li­bri” mit so wun­der­voll klin­gen­den Vo­ka­len ha­ben mich als Kind fas­zi­niert. Wenn ich nicht ein sol­ches Fas­zi­no­sum für Spra­che schon im jüngs­ten Al­ter ge­habt hät­te, wä­re ich nie Sprach­ar­bei­te­rin ge­wor­den.

Ei­ne ge­zeich­ne­te, ge­schwun­ge­ne Kom­mo­de
Spä­ter in der Wo­che mehr zum Mö­bel
Und dann fällt mir prompt auch noch die „Ro­ko­ko­kom­mo­de” ein. Ich hat­te als Kind ein Buch mit Non­sense­ge­dich­ten, halb Da­da, halb kon­kre­te Poe­sie, Gra­fik und Ge­dich­t. Über die­ser Er­in­ne­rung schla­fe ich ein.

Wenn ich nur wüss­te, wie ich die­ses Ge­dicht wie­der­fin­den kann? Ich wür­de es ger­ne den klei­nen Fräu­lein(s) zei­gen, was Nich­ten sind. Denn sie sind auch recht sprach­ver­liebt.

______________________________
Zeich­nung: C.E.

Keine Kommentare: