Einen Einblick in den Arbeitsalltag einer Dolmetscherin können Sie auf diesen Seiten erhalten. Meine Muttersprache ist Deutsch, ich arbeite überwiegend mit Französisch und Englisch, die Bürokollegin übersetzt in die englische Sprache. Von Zeit zu Zeit bearbeiten wir im Team in größerem Umfang gemeinsam Texte.
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| Pause und doch im Bereitschaftsdienst |
Der Montagsschreibtisch ist heute aber nicht voll. Das Pausenschild ist nur halb ernst gemeint. Ich bin wie so oft stand by für kurzfristig Angeraumtes (wie neulich bei einem medizinischen Notfall).
Also sind es Eisblumen statt echter Blumen und gestickte Schmetterlinge für Löcher in Kinderhosen ...
Auf dem Schreibtisch:
❦ Terminologielisten zum Aufarbeiten, die eine gute Quelle für die Vorbereitung kommender Einsätze sind und
❦ Termine mit Bleistift in den neuen Kalender schreiben
„Reingebleistiftete Termine“ sind Termine, zu denen wir Kostenvoranschläge geschrieben haben. Früher bekamen wir zu jedem dritten Angebot eine Zusage, heute ist die erste Kennziffer deutlich zweistellig.
Es gibt weniger Veranstaltungen, seit manche in der Politik stärker auf Globish setzen, es außerdem mehr Agenturen gibt, die nur weiterbeauftragen (mit Abschlägen von bis zu 50 Prozent des Honorars als „Vergütung“ einiger Mails; da „spielen“ viele von uns nicht mit).
Außerdem gibt es Technikfirmen, die „KI-Dolmetschen“ verkaufen, obwohl die KI das nicht kann und nicht können wird, denn sie hat keine Erfahrung, keine Körperlichkeit und erst recht keinen echten Überblick, wenn sie nur Wörter austauscht, die nach mathematischer Wahrscheinlichkeit aufeinander folgen.
Grundlage dafür sind oft missverstandene Begriffe, die alles verzerren. Wenn mir Verkäufer dieser Technik sagen: „Aber unsere Maschinen arbeiten zu 80 Prozent akkurat!“, empfinde ich das als eine Beleidigung meines Berufsstandes und der Intelligenz der Kund:innen. Denn was sollen die bitteschön mit 20 Prozent Murks machen, mit Auslassungen, Fehlgriffen und Erfundenem? Ein falsches Verb reicht, und alles ist für die Katz. Die Aufräumarbeit anschließend wird teurer als die vermeintliche Geldersparnis.
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Grafik: C.E. mit pixlr.com + Letterset

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