Samstag, 29. Oktober 2022

Heimat

Will­kom­men im digi­talen Arbeits­ta­ge­buch aus der Spra­chen­welt. Sams­tags brin­ge ich hier, wenn ich es schaf­fe, mei­nen aktu­el­len Lieb-Link.

Haus Simon (Drehort)
In meiner Jugend gab es Begrif­fe, die ver­brannt waren und die es im Grun­de bis heute sind. "Na­tio­nal" ist so einer. Da echo­­te noch zu stark nach, was ei­nige Jahr­zehnte zuvor Leid, Tod und Zer­störung über Eu­ro­pa ge­bracht hatte. Noch heute übertrage ich die solution na­tio­nale als "frank­reich­weit gül­ti­ge Lösung". Ist län­ger, ja, aber klappt.

Natürlich ist es ziemlich blöd, wenn bestimmte Gruppen mit ihren Ver­schwörungs­er­zäh­lungen Begriffe beschmutzen und für lange Zeit un­brauchbar machen. Heute ist das die "Alternative", was schon ziemlich heftig ist, waren "die Alter­na­tiven" doch jahr­zehn­te­lang die juteta­schen­tra­genden Ge­sund­heits­schuh­ler:innen. Oder das Wort "querdenken". Bäh.

Auch "Heimat" war lange so be­schmutzt, klang es doch noch nach "BluBo" (Blut und Boden), nach Nar­zis­sen (Nazi-Frau­en) und "Heimat­schutz", wo Kinder und Opas dem Höllen­feuer des zu Ende ge­hen­den Krie­ges in den Schlund gewor­fen wurden. 

Dann kam Edgar Reitz. Der große Edgar Reitz. Er schenkte uns in den 1980-er und früh­en 90-er Jahren seine Heimat­trilogie. Wir alle wohn­ten damals in Schab­bach und waren in Schnüss­chen verlie­bt, auch wir Fra­uen. (Und Helmut Kohls dialek­tale Einfärbung war plöt­zlich we­ni­ger pein­lich. Ohne "Heimat" und Mauer­fall wäre er En­de der 1990-er abge­wählt wor­den!)

Jetzt (und den ganzen Novem­ber über) ist der erste Teil der Groß­serie (be­ste­hend aus drei Zyklen) auf 3Sat zu sehen. Für die Deutschlerndenden hier: Ich hoffe,  dass ohne Geolokalisierung gesendet wird. Sonst etwas dazwischenschalten, was Euren Standort verwirbelt, ihr wisst schon. Denn Ihr braucht natürlich kulturelles Hin­ter­grund­wis­sen für Eure künf­ti­ge Ar­beit. Und wir hoffen dann auf die nächsten Folgen der Chronik der deutschen Geschichte aus der Perspektive der kleinen Leu­te, liebes 3Sat!

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Foto: Totina, Bauernhaus mit Schmiede
in Gehlweiler
, Wikicommons

2 Kommentare:

Klaus Peter hat gesagt…

Da wäre noch der Begriff "Aktivist", heute fast ein Unwort für üble Gestalten.
Jeder ostsozialisierte Bürger verbindet mit diesem Begriff Arbeitshelden à la Adolf Hennecke, Frida Hockauf ...

caro_berlin hat gesagt…

Traurig, dass der Begriff in Augen vieler langsam negativ wird. Er kann ja auch eine/ein Aktive/r einer Nichtregierungsorganisation bezeichnen, die z.B. gegen den Hunger in der Welt kämpft, gegen die Unterdrückung von Frauen und Mädchen oder für Bildungsprogramme für den globalen Süden!
Nun, viele Wörter erleben Veränderungen im Laufe ihrer Zeit. Mir fällt dazu noch ein, dass in der Nazizeit Menschen, die das Wörtchen"Fakt" verwendet haben, als Kommunisten betrachtet wurden.