Freitag, 30. Januar 2026

Eis!

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Sie sind hier auf der Blog­sei­te ei­ner Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che ge­lan­det. Fran­zö­sisch ist mei­ne Haupt­ar­beits­spra­che. Seit 2007 schrei­be ich hier in lo­ser Fol­ge über die Ar­beit auf Kon­fe­ren­zen, für Pri­vat­kund:­in­nen oder De­le­ga­tio­nen. Als Si­mul­tan­dol­met­sche­rin bin ich ge­le­gent­lich auch im Spra­chen­paar Eng­lisch → Fran­zö­sisch un­ter­wegs. Sonst über­set­ze ich Tex­te ins Deut­sche.

Berliner Gehweg im Ausnahmezustand
Nicht nur ein Herbst­blatt auf dem Eis
Heu­te: [ˈaɪ̯s], der Deut­schen liebs­tes Des­sert, heu­te auf den Stra­ßen We­gen, nicht zu ver­wech­seln mit Tram­pel­tiers gleich­klin­gen­der Ge­sta­po.

Das Foto ist von gestern. In Ber­lin gibt's heu­te Neu­schnee, das sieht schön aus, ein klei­nes Win­ter­wun­der­land vor dem Haus. Wenn dar­un­ter nicht an vie­len Stel­len ei­ne ein- bis an­der­thalb Zen­ti­me­ter di­cke Eis­schicht lie­gen wür­de. Vie­le Men­schen ha­ben so Haus­ar­rest.

Wir hätten am Mor­gen ei­gent­lich Be­such aus Nord­ber­lin krie­gen sol­len. Ab­ge­sagt. Ber­lin ist hals­bre­che­risch glatt. Und ich bin ge­ra­de ein we­nig frus­tri­ert, weil mei­ne täg­li­chen Wan­de­run­gen aus­fal­len

Ber­li­ner:­in­nen sind Kum­mer ge­wohnt. Wäh­rend in Pa­ris in stark fre­quen­tier­ten Ge­gen­den täg­lich die Stra­ße ge­fegt wird, sonst al­le zwei Ta­ge, gibt es hier in Ber­lin vie­le Stra­ßen, de­nen sich die BSR viel­leicht zwei­mal im Jahr wid­met. An vie­len Ecken lie­gen Dreck und Müll. Fes­te Sperr­müll­ta­ge für al­le gibt es nicht, da­für lan­ge War­te­zei­ten auf die Ab­ho­lung. Das ist ner­vig ge­nug.

Jetzt sind seit Tagen die Geh­we­ge als Eis­lauf­bah­nen nutz­bar: mit Eis be­deckt, oft nicht ge­streut. Die Fahr­bahn da­ge­gen ist meist pri­ma nutz­bar. Bei den Fahr­rad­we­gen: mal so, mal so.

Ges­tern muss­te ich zum Kuh­damm, ei­ne der kom­mer­zi­ells­ten und tou­ris­tischs­ten Ge­gen­den der Stadt. Dort tas­ten sich die Men­schen schritt­wei­se im Pin­gu­in­wat­schel­gang über die Eis­de­cke. Ei­ne äl­te­re Da­me pro­pel­lert wild mit den Ar­men, als woll­te sie gleich ab­he­ben, schwankt kurz, fängt sich dann wie­der. Oh­ne ih­ren Ruck­sack mit Ein­käu­fen drin hät­te sie ab­ge­ho­ben!

Hals­bre­che­ri­sche Zu­stän­de gibt es auch auf et­li­chen S-Bahn-Stei­gen. Was pas­siert ei­gent­lich mit un­se­rem Fahr­geld, mit un­se­ren Steu­er­gel­dern, den Ne­ben­kos­ten für den Win­ter­dienst? Of­fen­sicht­lich fehlt es an öf­fent­li­cher Si­cher­heit, auch oh­ne Eis oft an der In­stand­hal­tung. (Übers Jahr droht vie­ler­orts Schlag­loch­a­larm.)

Win­ter ist in Ber­lin kei­ne Über­ra­schung. Schnee und Eis wa­ren jahr­zehn­te­lang All­tag. Und nun, in Zei­ten der Kli­ma­ka­ta­stro­phe, ha­ben vie­le städ­ti­sche Ei­gen­be­trie­be Tech­nik und Per­so­nal ab­ge­baut. Auch pri­va­te Win­ter­diens­te schei­nen den Win­ter un­ter­schätzt zu ha­ben. Nie­mand kommt hin­ter­her.

Da­bei wird für die Fahr­bah­nen durch­aus et­was ge­tan, al­ler­dings nicht von der Stadt, son­dern von der Phy­sik: Die Rei­fen lie­fern Rei­bungs­wär­me, Ab­ga­se und war­me Fahr­zeug­tei­le hei­zen die Stra­ße zu­sätz­lich auf. Das Ge­wicht der Fahr­zeu­ge zer­bricht und zer­malmt die Eis­schicht. Wir Fuß­gän­ger:­in­nen da­ge­gen po­lie­ren mit un­se­ren Schu­hen die Eis­ober­flä­che eher noch.

Die hier be­rich­ten­de Dol­met­sche­rin hat üb­ri­gens ge­ra­de mit ei­nem fran­zö­si­schen Gast acht Stun­den in der Not­fall­stel­le ei­nes Kran­ken­hau­ses ver­bracht. Dort: al­les vol­ler äl­te­rer Men­schen, die auf dem Eis aus­ge­rutscht wa­ren.

Seit dem Nach­mit­tag er­laubt Ber­lin das Streu­en von Salz trotz er­wie­se­ner Schäd­lich­keit. Es liegt an der Man­po­wer, nicht am Subs­trat.

CUT. In Aus­tra­li­en ist so viel Land ab­ge­brannt wie das hal­be Saar­land groß ist. Nörd­lich von Ade­lai­de wur­den 49 °C ge­mes­sen. Und wäh­rend bei uns noch häu­fi­ge­re und län­ge­re Käl­te­pha­sen dro­hen, weil die Kli­ma­ka­ta­stro­phe den Golf­strom bzw. AMOC ab­schwächt, ver­brennt auf der an­de­ren Sei­te un­se­res Glo­bus die Ge­gend.

P.S.: Ei­ne Nach­richt an die EB Im­mo­bi­li­en­ver­wal­tung: Wir ha­ben mit­be­kom­men, dass wir seit dem 3.12. ent­we­der Win­ter­dienst oder die Putz­leu­te im Haus ha­ben. Dass sie die Putz­lis­te am Aus­hang im nach­hin­ein ha­ben än­dern las­sen, än­dert da­ran nichts. Das hier ist hals­bre­che­risch. An der Haus­wand lässt sich knapp ent­lang­schlei­chen, so­lan­ge kein Ge­gen­ver­kehr ist (und wir stel­len­wei­se seit­lich tre­ten). Ach, und um die in­zwi­schen il­le­ga­le Blei­lei­tung in der Wand soll­ten Sie sich auch mal küm­mern. Mal sehen, viel­leicht re­agie­ren Sie ja auf die­se Wei­se.

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Fo­to: C.E.

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