Ob geplant oder zufällig: Sie sind hier auf der Blogseite einer Dolmetscherin für die französische Sprache mit Deutsch als Muttersprache gelandet. Französisch ist meine Hauptarbeitssprache. Seit 2007 schreibe ich hier in loser Folge über die Arbeit auf Konferenzen, für Privatkund:innen oder Delegationen. Als Simultandolmetscherin bin ich gelegentlich auch im Sprachenpaar Englisch → Französisch unterwegs. Sonst übersetze ich Texte ins Deutsche.
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| Nicht nur ein Herbstblatt auf dem Eis |
Das Foto ist von gestern. In Berlin gibt's heute Neuschnee, das sieht schön aus, ein kleines Winterwunderland vor dem Haus. Wenn darunter nicht an vielen Stellen eine ein- bis anderthalb Zentimeter dicke Eisschicht liegen würde. Viele Menschen haben so Hausarrest.
Wir hätten am Morgen eigentlich Besuch aus Nordberlin kriegen sollen. Abgesagt. Berlin ist halsbrecherisch glatt. Und ich bin gerade ein wenig frustriert, weil meine täglichen Wanderungen ausfallen
Berliner:innen sind Kummer gewohnt. Während in Paris in stark frequentierten Gegenden täglich die Straße gefegt wird, sonst alle zwei Tage, gibt es hier in Berlin viele Straßen, denen sich die BSR vielleicht zweimal im Jahr widmet. An vielen Ecken liegen Dreck und Müll. Feste Sperrmülltage für alle gibt es nicht, dafür lange Wartezeiten auf die Abholung. Das ist nervig genug.
Jetzt sind seit Tagen die Gehwege als Eislaufbahnen nutzbar: mit Eis bedeckt, oft nicht gestreut. Die Fahrbahn dagegen ist meist prima nutzbar. Bei den Fahrradwegen: mal so, mal so.
Gestern musste ich zum Kuhdamm, eine der kommerziellsten und touristischsten Gegenden der Stadt. Dort tasten sich die Menschen schrittweise im Pinguinwatschelgang über die Eisdecke. Eine ältere Dame propellert wild mit den Armen, als wollte sie gleich abheben, schwankt kurz, fängt sich dann wieder. Ohne ihren Rucksack mit Einkäufen drin hätte sie abgehoben!
Halsbrecherische Zustände gibt es auch auf etlichen S-Bahn-Steigen. Was passiert eigentlich mit unserem Fahrgeld, mit unseren Steuergeldern, den Nebenkosten für den Winterdienst? Offensichtlich fehlt es an öffentlicher Sicherheit, auch ohne Eis oft an der Instandhaltung. (Übers Jahr droht vielerorts Schlaglochalarm.)
Winter ist in Berlin keine Überraschung. Schnee und Eis waren jahrzehntelang Alltag. Und nun, in Zeiten der Klimakatastrophe, haben viele städtische Eigenbetriebe Technik und Personal abgebaut. Auch private Winterdienste scheinen den Winter unterschätzt zu haben. Niemand kommt hinterher.
Dabei wird für die Fahrbahnen durchaus etwas getan, allerdings nicht von der Stadt, sondern von der Physik: Die Reifen liefern Reibungswärme, Abgase und warme Fahrzeugteile heizen die Straße zusätzlich auf. Das Gewicht der Fahrzeuge zerbricht und zermalmt die Eisschicht. Wir Fußgänger:innen dagegen polieren mit unseren Schuhen die Eisoberfläche eher noch.
Die hier berichtende Dolmetscherin hat übrigens gerade mit einem französischen Gast acht Stunden in der Notfallstelle eines Krankenhauses verbracht. Dort: alles voller älterer Menschen, die auf dem Eis ausgerutscht waren.
Seit dem Nachmittag erlaubt Berlin das Streuen von Salz trotz erwiesener Schädlichkeit. Es liegt an der Manpower, nicht am Substrat.
CUT. In Australien ist so viel Land abgebrannt wie das halbe Saarland groß ist. Nördlich von Adelaide wurden 49 °C gemessen. Und während bei uns noch häufigere und längere Kältephasen drohen, weil die Klimakatastrophe den Golfstrom bzw. AMOC abschwächt, verbrennt auf der anderen Seite unseres Globus die Gegend.
P.S.: Eine Nachricht an die EB Immobilienverwaltung: Wir haben mitbekommen, dass wir seit dem 3.12. entweder Winterdienst oder die Putzleute im Haus haben. Dass sie die Putzliste am Aushang im nachhinein haben ändern lassen, ändert daran nichts. Das hier ist halsbrecherisch. An der Hauswand lässt sich knapp entlangschleichen, solange kein Gegenverkehr ist (und wir stellenweise seitlich treten). Ach, und um die inzwischen illegale Bleileitung in der Wand sollten Sie sich auch mal kümmern. Mal sehen, vielleicht reagieren Sie ja auf diese Weise.
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Foto: C.E.

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