Ein an Demenz erkrankter Narzisst in einem Ort der Schweiz: Er spricht, mäandert sich durch anscheinend beliebige Themenfelder, über Höhen und durch Tiefen, oszilliert zwischen Drohungen und Superlativen, Selbstlob, Lügen und Short cuts, die haarsträubend sind. Seine Grammatik hatte ich früher schon mal analysiert. Er spricht vor Publikum. Überraschung: Kaum eine(r) verlässt den Saal.
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| Duck face, heute ohne Gesicht |
In deutschen Medien dolmetschen zwei Menschen, eine Frau und ein Mann, die sich aber nicht abwechseln, er bespielt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), sie ist im Ersten (ARD) zu hören. Nur sie klingt wirklich nach minimalem Kabinenecho. Das dürfte eine Dame von vor Ort sein.
Aber warum musste sie jeweils ALLEINE diesen Quark 90 Minuten lang vertonen? Das ist komplett NICHT branchenüblich und gefährdet die Gesundheit der Kolleg:innen.
Beide sind Helden.
Wir Dolmetscher:innen bekommen in der Regel vorab grob die Inhalte zugespielt, manchmal gibt es ein Redemanuskript, eine PowerPointPräsentation oder das, was durch den Teleprompter läuft. Wer die Inhalte, die einen erwarten, schon mal grob kennt, kann Zusammenhänge erahnen und Abschweifungen antizipieren, Begriffe, Zahlen, Namen nachschlagen.
Aber hier? Unmöglich. Der Stil des Mannes ist grauenhaft, eine verbale Tanzanleitung für kurzatmiges Getrippel, Sidekicks, Rückfallschritte, artikulierte Gedankenstolperer und Übersprungshandlungen bis hin zum Behaupten des Gegenteils. (Quelle des Zitats: hier.)
So eine Performance dolmetschen zu müssen ist kurz vor Folter. Ich hätte das dreifache Honorar als Schmerzgeld verlangt, mindestens!
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Grafik: Netzfund/pixlr.com (Archiv)
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