... lautet der Auftrag an die Schauspieler:innen und Schauspieler vor der Kamera, mit der Arbeit loszulegen. Auf EN und FR geht's knapper: « ACTION »! Ich muss schmunzeln, da ich an deutschen Sets immer häufiger das hier höre: „Äktsch'n!“
Willkommen auf den Seiten des digitalen Logbuchs einer Sprachmittlerin. Meine Arbeitssprachen sind Französisch, Deutsch … und Film. Hier erzähle ich regelmäßig so, dass man nicht immer die Betreffenden erkennt, dafür aber die Situationen. Heute: Berlinale. Im Schatten des großen Events bin ich gefühlt schon ewig als Dolmetscherin sichtbar oder unsichtbar tätig.![]() |
| Dolmetschen auf Festivals |
Ich habe französische Gäste dem Publikum und der Presse näher gebracht — oder ich war die französische Stimme manchen deutschen Films für frankophone Gäste. Lange haben wir ausschließlich deutsch oder englisch untertitelte Filme simultan ins Französische gedolmetscht.
Dieses sogenannte „Einsprechen“ klingt ein wenig so, wie etliche ausländische Filme im polnischen Fernsehen klingen. In den Nullerjahren wurde dann Englisch zur Hauptarbeitssprache des Festivals.
I speak German, French and the language of cinema
Geblieben sind Presseinterviews. Diese Arbeit ist mehr als das Übersetzen von Wörtern: es sind hochaufgeladene, durchchoreografierte Momente, die trotzdem leicht und spontan wirken sollen. Ich mache mich dabei unsichtbar. Wenn alles prima läuft, sprechen die Künstler:innen direkt mit den Menschen von der Presse, als hätten sie ein- und dieselbe Sprache.
Nach mehr als 25 Jahren auf Festivals und vielen VIP-Einsätzen weiß ich, worauf es wirklich ankommt.
Rückblick
Im Vorfeld steht immer viel Recherche. Vor Ort sind Energiehaushalten und Improvisationstalent die hohe Schule. Zufriedene Gesichter von Künstler:innen wie Publikum sind die schönste Entlohnung. Häufig durfte ich bei der Entstehung neuer Koproduktionen mitwirken. Die Strapazen sind dann schnell vergessen.
In den Jahren mit oft 30 Berlinaleterminen war es meist tabu, sich abends auf Partys rumzutreiben, schon allein der Stimme wegen. Jahrelang habe ich die Kontaktpflege schleifen lassen müssen, die Arbeit ging vor. Berlinale-Dolmetscher mit eng getaktetem Terminkalender zu sein war ein Leben von geradezu mönchischer Einfachheit.
Seit alle Englisch auf dem Festival sprechen, wurden leider auch die Publikumsgespräche verkürzt. Gäste dürfen sich nun in Shakespeares Sprache äußern. Die Geduld des Publikums scheint durch digitale Medien verkürzt, die Konzentration schwindet. Ein Kulturverlust. Stattdessen entstehen kurze Videos, bei denen alle sehr schnell auf den Punkt kommen müssen.
Zwangspause, nur zum Teil filmreif
Dann schlug bei mir das Schicksal zu: Angehörigenpflege, Coronajahre, Long Covid, weitere Pflegejahre in Teilzeit folgten. Heute dolmetsche ich in den Kulissen: Presseinterviews, Hintergrundgespräche, technische Meetings.
Let's party!
Und ich denke wieder an Branchentreffs, die es bei der Berlinale in Dutzenden pro Tag gibt, Umtrunke, Empfänge, Partys; fast immer nur mit Einladung. Das Nachjagen nach Einladungen kostet Zeit, die ich lange nicht hatte.
Drei Einladungen liegen bei mir schon auf dem Tisch, ohne jegliche Nachfrage: zwei davon echte Briefpost mit Umschlag und Briefmarke. Very nice and the old style.
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Grafik: Archiv

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