Dienstag, 26. März 2024

Bahnkram

Bon­jour, gu­ten Tag & hel­lo! Der Ar­beits­all­tag von Sprach­ar­bei­te­r:in­nen ist Ge­gen­stand des Web­logs. Mei­ne Spra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Wie Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier. Heu­te den­ke ich wei­ter über die Grund­la­gen mei­nes Be­rufs- und Fa­mi­lien­le­bens nach: das Rei­sen.

Zwei Laptops sind auf einem Tisch des DB-Boardrestaurants aufgeklappt
Arbeitsplatz Eisenbahn
Eine gute Nach­richt: Der Ta­rif­streit bei der Bahn ist zu­ende. Dass es so bald kei­ne neu­en Streiks ge­ben wird, be­glückt mich, das The­ma macht mich zu­gleich auch wü­tend.
Für mich en­det zu­nächst eine lan­ge Zeit der Un­si­cher­heit. Als Dol­met­sche­rin, aber auch pri­vat neh­me ich die Bahn, wie an­de­re Leu­te den Bus. Wenn ich vor ei­nem Jahr ge­wusst hät­te, was mich er­war­tet, hät­te ich mir die Bahn­Card 100 ge­kauft.

Aber ein sol­cher Frei­fahrtschein fürs ge­sam­te Ver­kehrs­netz hilft auch nicht wei­ter, wenn die Bahn streikt. Ich muss das noch­mal ge­nau durch­rech­nen. Ich schätze, mich hat der Bahn­streik­stress in den ver­gan­ge­nen 12 Mo­na­ten an die 5000 Euro ge­kos­tet — das ist mehr, als die­se Bahn­Card 100 in der 2. Klas­se kos­tet (4.550 Eu­ro). Da­zu kom­men noch zwei Ein­sätze, die ich wei­ter­ge­ben musste, weil ich ir­gend­wo in der Pam­pa mit der Bahn fest­saß. Da­mit wä­re ei­ne BC in der 1. Klas­se mög­lich ge­we­sen. Und, lie­be strei­ken­de Bah­ner, ich spre­che hier nicht von Eu­rem In­fla­tions­aus­gleich und Mehr­ver­dienst, son­dern von Umsät­zen, aus de­nen sich mein Ein­kom­men ab­lei­tet.

Die kom­men­den knapp zwei Jah­re muss ich we­nigs­tens keine Streiks mehr er­lei­den, auch kei­ne "Wel­len­streiks" (wo­bei nie er­läu­tert wurde, was das ge­nau ist). Es gilt Frie­dens­pflicht zwi­schen den Ta­rif­par­tei­en.

Ja, ich kann Ta­rif­au­to­no­mie und Streik­recht gut nach­voll­zie­hen, finde aber auch, dass das Be­strei­ken von In­fra­struk­tur der Grund­ver­sor­gung problematisch ist. Es gibt viele Men­schen ohne Auto, die ähn­lich wie die Men­schen im Füh­rer­stand der Loks nicht im "Home office" ar­bei­ten kön­nen, Be­rufs­pen­dler:in­nen, ent­fernt ar­bei­ten­de El­tern­teile, die re­gel­mä­ßig zu ihren Kin­dern und er­wachsene Kin­der, die eben­so re­gel­mäßig zu ihren al­ten El­tern rei­sen, manche so­gar als pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge.

In den Me­dien war von einem ver­gif­te­ten Klima zwi­schen Bahn­vor­stand und Bahn­füh­rer­ge­werk­schaft GDL die Rede, der Spar­ten­ge­werk­schaft für das Eisen­bahn­per­so­nal, hier ste­hen ei­ni­ge tau­send Men­schen Mil­lio­nen po­ten­tiel­len Rei­sen­den ent­ge­gen. Ehr­li­cher­wei­se wür­den wir von ei­nem ver­gif­te­ten Klima zwi­schen Ma­na­gern und An­ge­stell­ten auf der ei­nen und Nut­ze­r:in­nen auf der an­de­ren Sei­te sprechen.

Öffent­liche Nah- und Fern­ver­kehrs­sys­teme müss­ten eigent­lich für Ver­läss­lich­keit und Plan­bar­keit ste­hen. Ver­tra­uen in die Bahn ist ein ho­hes Gut. Die sprich­wört­lich chao­ti­sche deut­sche Bahn, die kei­ne Streiks für Ver­spä­tun­gen und Zug­aus­fälle braucht, hat ih­ren Ruf wei­ter be­schä­digt.

Durch ihr lan­ges Rin­gen ha­ben Ma­nage­ment und GDL der Ge­sell­schaft und der Volks­wirt­schaft hohe Kos­ten ver­ur­sacht. Lei­der hat auch GDL-Chef We­sels­ky mit lau­ten An­sa­gen, in de­nen die Kund­schaft über­haupt nicht vor­kam, die "Buh­mann­rol­le" per­fekt ver­kör­pert und viel dafür ge­tan, dass der säch­si­sche Dia­lekt jetzt von mehr Men­schen als un­sym­pa­thisch wahr­ge­nom­men wird. Das hat er, der Dia­lekt, nicht ver­dient.

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Foto:
C.E.

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