Montag, 1. Juni 2009

Arbeitsbedingungen

Arbeitsbedingungen die erste:

Freitagmorgen um halb neun, der Ansturm auf die BVG durch die Schulkinder ist gerade abgeebbt, betrete ich die U-Bahn, die mich zum Tagungsort bringen soll. Der Wagon ist pickepackevoll - und 80 % der Sitzplätze sind von Rentnern belegt. Müssen die alle gleichzeitig zum Arzt? Gibt es irgendwo etwas umsonst - nur für die Generation 65 plus?

Neben mir stehen auf dem Gang: Ein Anwalt, der versucht, eine Akte durchzublättern, die so dick ist, dass sie nicht auch noch in den edlen Lederkoffer passt; eine Lehrerin, die Notizen durchsieht, zwischen ihren Füßen sind zwei Umwelttaschen mit Schülerheften in bunten Schutzhüllen eingeklemmt; ein Büromensch, der mit dem Kalender in der einen Hand und dem Handy in der anderen Termine macht und bei den Brems- und Beschleunigungsvorgängen sich mit der Schulter an die Haltestange stützt und ich, 80 Seiten Ausdrucke von Redetyposkripten und Power-Point-Präsentationen in der Hand, die ich gerne noch einmal überfliegen würde. An einem Halt steigen Leute aus und ein - und ganz selbstverständlich schiebt sich eine ältere Dame in Richtung des einzigen in unserer Nähe freiwerdenden Platzes, knallt mir dabei ihre Getränkeflaschen ans Schienbein, setzt sich hin.

Nach einigen Stationen, der Anwalt ist längst ausgestiegen, finden die Lehrerin und ich doch noch unsere Sitzplätze. Ich hole meinen Laptop aus der Tasche und lese weiter.

Die alte Dame mit der Getränkeflaschenkeule: "Also früher, da war das anders. Zu meiner Zeit haben wir im Büro gearbeitet oder uns zu Hause vorbereitet!"

Die Lehrerin und ich schauen uns entgeistert an. Da mein Schienbein noch immer juckt (ja, es wird ein blauer Fleck), kann ich mich nicht beherrschen: "Ja, zu Ihrer Zeit, gnädige Frau, da gab es auch noch kein Internet. Die Rede hier, mit dem der Gastgeber in der nächsten Stunde eine Tagung eröffnet, wurde mir gestern Abend um 23:00 Uhr elektronisch zugeschickt!"

Arbeitsbedingungen die zweite:

Wir kommen am Tagungsort an, es ist ein großer Hörsaal einer Hochschule, und erfahren, dass wir keine Dolmetscherkabine haben, sondern eine Flüsteranlage, mit der man normalerweise Werks- und Stadtbesichtigungen begleitet. Und das für eine ganztägige Konferenz ...

Wir richten uns in der hintersten Sitzreihe ein. Uns fehlt Platz zum risikofreien Ausbreiten von Technik und Texten, uns fehlt die Abgeschiedenheit. Bei den ersten Vorträgen müssen wir parallel zum Sprechen immer heftig abwinken, wenn sich Zuspätkommende direkt in die Reihe vor uns setzen wollen. Parallel dazu halten wir den absturzgefährdeten Laptop zu zweit, mit meiner freien Hand "blättere" ich, so ich nicht "abwinke", elektronisch die Seiten weiter.

Arbeitsbedingungen die dritte:

Nach den Vorträgen die Debatte. Die Damen und Herren wenden sich ans Podium, das ist logisch. Aber sie warten selten aufs Mikrofon und sprechen uns abgewandt - und das, was sie sagen, ist oft nicht oder nur kaum verständlich. Währenddessen balanciert das Wasserglas auf dem Tabletttisch - mein Technikberater würde kopfstehen, denn Technik und Speisen und Getränke haben auf ein- und demselben Tisch nichts zu suchen. Aber heute, ja heute ist alles anders als früher und früher war alles besser. Basta!

Montag, 25. Mai 2009

Drehbuchübersetzung, die (gefühlte) elfte!

Ein Werk der französischen Frühaufklärung dient als Vorlage für ein Drehbuch. Ich bekomme die typische 'vorletzte' Fassung vor dem "Shooting script" zugeschickt mit sehr ausführlichen Szenenbeschreibungen und Fußnoten für den historischen Hintergrund, die im nächsten Schritt sicher stark gekürzt werden. Auch die Dialoge sind noch nicht immer reif. Dann die übliche Frage: Was kostet die Übersetzung?

Der Text aus dem 18. Jahrhundert stellt die absolutistische Monarchie ebenso infrage wie die Allmacht der Kirche - und die Hauptfiguren reiten recht forsch durchs Bild, im ursprünglichen und im übertragenen Wortsinn: Sie bewegen sich gleichermaßen sicher auf dem Parkett des Hofs wie in den Salons des Adels und in Räumen des an Bedeutung zunehmenden Bürgertums.

Also übersetze ich langsam, zur Probe, um zu ermessen, wie viel Zeit mich die Arbeit kosten wird. Dabei bin ich umgeben von meinen Büchern. Die sind zwar nicht alle so alt, aber auch hier gibt es historische Referenzen, die es mir erleichtern, den Ton dieser dekadenten Welt und des Epochenbruchs zu treffen.

Das Übersetzen geht mindestens ein Drittel langsamer als bei zeitgenössischen Texten. Logische Folge: Mein Kostenvoranschlag liegt ein Drittel über dem, was die Produktionsfirma kalkuliert hatte.

Den Spaß, den mir dieses Projekt macht, trüben die finanziellen Aussichten und der Stress, denn auch der Zeitplan behagt mir nicht.

Und dann fällt mir ein schlüssiges Argument ein, mit dem ich meine Situation plausibel machen kann: Liebe Produktionsfirma, vergleicht doch bitte mal den Preis für Bühne und Ausstattung eines historischen Films mit dem, was ihr für ein zeitgenössisches Projekt veranschlagt: Hier teure Fundi, Studiobauten vielleicht sogar, historische Beratung, dort die Set-Designer, die aus dem eigenen Bestand schöpfen, das eine oder andere rasch im Laden nebenan kaufen (anstatt es anfertigen zu lassen). Das gleiche gilt fürs Kostüm.

Nicht nur die Roben, sondern auch die Worte, in die sich die Hauptfiguren kleiden, sollten wohl ausgesucht sein. Sie sind seltener, zum Teil maßgeschneidert, kurz: alles ist ein größerer Aufwand.

P.S. (28.05.): Das Argument verfing.

Samstag, 23. Mai 2009

Dolmetschen im Theater

Hallo! Sie lesen in einem Blog aus der Welt der Sprachen. Ich bin Dol­met­scher­in und Über­setze­rin für die fran­zö­si­sche Sprache, arbeite auch mit Englisch als Ausgangssprache, und habe mich auf Medien, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft spezialisiert. Ich arbeite auf Konferenz und Festival, in Büro und Parlament ... und auch im Theater.  

Zwischen Proben, Einzelinterviews und Aufführung drehen wir in einem Berliner Theater.

Ein Team aus Frankreich portraitiert die Macher und beschreibt den Ort der Inszenierung von "Mutter Courage", mit Carmen Maja Antoni in der Titelrolle. Von drei Uhr nachmittags bis in den Abend sind wir im Berliner Ensemble. Die Proben verzögern sich, weil am zwei Mal im Monat aufgeführten Stück gefeilt wird.

Damit verschiebt sich auch unser Interviewablauf. Zwischen Zuschauerraum bei den Proben, Foyer, Gängen, Brechts Arbeitszimmer, Logen, Maske und Garten bewegen wir uns in diesen Stunden und fangen Bilder ein.

Um mich zwischendurch auf etwas Nichtsprachliches zu konzentrieren, schieße ich meine Schnappschüsse - und habe sogar Zeit für fotografische Experimente. Am Ende bin ich nach einem halben Arbeitstag im Theater müder als nach einem ganzen Tag Konferenzdolmetschen. Der Grund ist rasch erklärt: Ich bin die ganze Zeit stand by, stehe unter Strom, lausche in alle Richtungen. So dass ich das Team immer wieder mit meinem Informationsvorsprung überrasche ...

Als kurz vor Aufführung noch die Bühne nachgepinselt wird, das Schwarz ist stellenweise schadhaft, sehen wir das vom Monitor der Maske aus.
Alle meinen, die Bretter, die die Welt bedeuten, würden noch einmal rasch gefegt, ich aber hatte am Rande mit­be­kom­men, dass es Ärger gab wegen einiger schadhafter Stellen (und das nicht verdolmetscht).

Dass da wirklich Farbe im Spiel war — und zwar bis fünf Minuten vor der Aufführung — haben wir dann vor Ort selbst gesehen. Denn als wir über eine Seitentür wieder in den Foyer- und Garderobenbereich gelangen, es ist dreizehn Minuten vor Aufführungsbeginn, staut sich hier schon das Publikum. Der Abenddienst wird angehalten, die Zuschauer erst auf den letzten Moment "ins Haus" einzulassen, und wir haben noch acht Minuten für ein Interview mit Claus Peymann, die Bühnenarbeiter mit ihren Malerpinseln im Nacken. Der Meister selbst ist besorgt, dass wir keine Farbe an die Jacken kriegen.

Dann strömt das Publikum herein ...


Manchmal dolmetsche ich auch bei Theaterproben oder -aufführungen, siehe: hier!
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Fotos: C.E.

Freitag, 15. Mai 2009

Statusmeldung

Willkommen beim Blog einer Übersetzerin und Dolmetscherin. Hier schreibe ich fast täglich über die Besonderheiten unseres Berufsalltags — oder aber ich bin auf Reisen.

Vom 15.-22.05.2009 bin ich in Cannes — à Cannes du 15 au 22 mai !
Das Büro ist besetzt — les bureaux sont occupés.

Dieses Jahr war "minus dreißig Prozent" das Schlagwort: weniger Filme, weniger Gäste, weniger Publikum. Zum Glück sagt Quantität nichts über Qualität aus.



Letztes Jahr war Cannes so: hier klicken.
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Foto: C.E.

Sonntag, 10. Mai 2009

Arbeitsmaterial

Eine Crux vieler Aufträge ist, dass wir zu spät Material zur Vorbereitung erhalten - oder gar nicht. Dabei ist es von größter Wichtigkeit, lesen wir uns doch in das ein, was für den Kunden selbstverständlich ist: Fachvokabular und stehende Redewendungen, Hintergründe und individuelle Sprechstile. Wir lesen, lernen und denken uns ein - damit wir diese adäquat wiedergeben können, in der Zielsprache soll es eben so klingen wie in der Ausgangssprache.

Regelmäßig kommt es daher vor, dass wir auf alte Materialien zurückgreifen, um uns vorzubereiten. Zum ersten Mal hatte ich jetzt das Erlebnis, dass ich nach zwanzig Jahren auf Dokumente aus meinem Archiv zurückgreifen konnte, die authentisch sind. Denn wir drehen in Babelsberg fürs französische Fernsehen ...
Das frühere Filmorchester der DEFA heißt heute Deutsches Filmorchester Babelsberg, es ist das einzige professionelle Orchester für Filmmusik in Deutschland. Was uns interessierte: es ist vor kurzem an seine neue alte Adresse im Herzen des Filmstudios in Potsdam-Babelsberg zurückgekehrt, und zwar in ein Gebäude, das zu Beginn der Tonfilmära für den Klangkörper gebaut wurde. Die Gespräche über die Entwicklung des Orchesters waren faszinierend. Die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre lässt sich auch an der Technik ablesen.

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(C) Ada & Zylla Film / Génération Vidéo

Samstag, 9. Mai 2009

Sonntägliches Küchenkorrektorat

... Worte gibt's, die kennt nicht mal Google. Jetzt aber ...

Mittwoch, 6. Mai 2009

Raumgreifend

Wir sind in den ersten Minuten der Veranstaltung, der Direktor hat Redner und Moderatorin vorgestellt, da macht es das erste Mal "rumms!" Kurz darauf wieder: "rumms!", von da an alle paar Minuten, bei einem Redner sogar im Fünf-Sekunden-Abstand.

Der Schlag geht uns direkt ins Ohr. Im Saal ist er auch hörbar, als "plopp!" auf den Lautsprechern. Da wir direkt auf die Lauscher kriegen, was auf dem Podium geschieht, und das ist ja auch gut so, haben wir sie nicht nur simultan, sondern verstärkt: Die Gesten eines der Redner. Er spricht über große Themen und macht große Gesten, die Arme führt er vor dem Körper entlang, zum Teil in kreisförmigen Bewegungen, zum Teil als auf und ab: es sieht aus, als wolle er mal schwimmen, mal pumpen. In Zusammenhang mit Wasser mögen diese Gesten angebracht sein, hier unterstützen sie wirkungsvoll die Rede - und sorgen in der Kabine für Ohrenfolter! Autsch! Und dennoch müssen wir genau hinhören, denn nach jedem intensiveren Kontakt mit dem Ansteckmikrofon (le micro cravate) sackt die Dynamik runter, wird das Gesagte für Sekunden schwerer verständlich. Und da reicht manchmal das Geschubbere, das durch die Bewegungen entsteht, der Wind, gar nicht zu sprechen von den 'touchés'.

Was tun? Hinhören, sich konzentrieren, hoffen, dass einer der Veranstalter was sagt. Da die "plopps!" im Saale mitunter auch das Nachfolgende fürs Publikum ins akustische Loch fallen lässt, sollte es nur eine Frage von Minuten sein ... oder doch rauslaufen? Intervenieren? Den Ablauf stören?

Dolmetschernöte ...

Dienstag, 5. Mai 2009

Dolmetscher für die EU

Das ZDF-Morgenmagazin hat heute einen Beitrag über Dolmetscher der EU veröffentlicht, hier der Link:
"europa konkret": Parlez You Europäisch?

Freitag, 1. Mai 2009

Das liebe Geld ...

Viele potentielle Kunden erkundigen sich oft zu Beginn des Gesprächs nach der Preisliste. Eine solche haben viele Dolmetscher und Übersetzer nicht. Die Preise schwanken - je nach Thema, Aufwand und Technik. Aber auch der Finanzierungsstatus des Auftraggebers kann den Preis beeinflussen.

Beispiel: Einen Dolmetscheinsatz zu mir vertrauten Filmthemen (Geschichte, Produktion, Marketing) oder Urbanismus, Innenarchitektur, Bildungsplanung, Stadt- und Kunstgeschichte oder ähnliches kann ich sehr viel günstiger anbieten, als wenn ich Inhalte übertragen soll, in die ich mich erst einlesen muss. Das gilt aber nur für unterfinanzierte Projekte. Dabei zähle ich auf die Ehrlichkeit meiner Kunden - und bin damit bislang gut gefahren. Im besten Falle wachse ich mit meinen Kunden - so kam ich jedenfalls zu meinen Spezialgebieten.

Als Faustregel mag gelten: Die einzelne Arbeitsstunde eines geisteswissenschaftlichen Akademikers ist 60 Euro und mehr wert. Im Durchschnitt brauche ich für jede netto geleistete Arbeitsstunde eine Stunde Vor- und Nachbereitung. Hier hinkt wieder mal die Praxis der Theorie hinterher: Ein Durchschnitt bildet eben nicht den Einzelfall ab, in dem ich mich auf den einstündigen Einsatz in der Politik auch schon mal drei ganze Tage lang vorbereite. Aber mit um die 120 Euro die Stunde und der Grundinfo im Hinterkopf, dass in der Regel keine Einzelstunden buchbar sind, weil sie selten der Vorbereitung entsprechen, können Sie vielleicht weiterrechnen.

So schwanken die Preise enorm, denn keine Regel ohne Ausnahme: Zwischen einer Flasche Rotwein fürs Dolmetschen beim Standesamt für zwei Filmleute aus dem erweiterten Bekanntenkreis - obwohl hier alles, alles, alles mit Filmfachjargon durchsetzt war - bis zu 1100 Euro für eine Verhandlung im Ministerium ist in der Tat viel Spielraum. In beiden Fällen betrug die Nettoarbeitszeit jeweils eine Stunde. So viel zu Durchschnitten.

Angesichts der Krise möchte ich Sie noch eins bitten: Fragen Sie beim Buchen von Dolmetschern und Übersetzern immer nach der Vorerfahrung. Es ist kein Wunder, dass derzeit jedes zweite Drehbuch, das bei uns zum Bearbeiten ankommt, eine bereits übersetzte, nicht verwendbare Fassung ist. Was als Problemsituation nicht unterschätzt werden darf, denn in vielen Fällen ist die Überarbeitung genauso aufwändig wie eine komplette Neuübersetzung. Und so teuer ...

Tag der Arbeit

Ein erster Mai mit Sonnenschein, da zieht es auch mich nach draußen. Indes: Ich hab Stubenarrest. Vor den Filmfestspielen in Cannes schlagen bei uns die Drehbücher, Treatments und Flyer kiloweise auf. Akkordarbeit ist angesagt, auch so kann der Tag der Arbeit begangen werden.

Ärgerlich ist das schon mit dem ungünstig verteilten "workload". Da hatte ich etliche Wochen Zeit für Recherchen zur Doktorarbeit, die ich in arbeitsfreien Wochen vorantreibe, leistete mir die Mitarbeit an einem Dokumentarfilm, den ich koproduziere, denn er ist unterfinanziert: Mein Produktionsanteil ist der Wert der unbezahlten Arbeit. Und dann eben kommen diese Anfragen in Serie herein und für rasche Bearbeitung, zum Glück Einzelwerke und fürs Kino.

Was nicht so glücklich ist: Die Qualität manchen Opus'. Mit den Jahren ging sehr viel durch meine Hände, und die Finger sperren sich jetzt manchmal, wenn ich Sätze und Dialoge übersetzen soll, die schlicht und einfach nicht gut sind. Demnächst werde ich bei weniger guten Drehbücher den doppelten Preis verlangen — als Schmerzensgeld.

Zwischendurch geht's raus ans Wasser ...
... und fürs Abendessen lege ich den Laptop mal kurz beiseite. Bon appétit !

Sonntag, 26. April 2009

Simplify!

Sich das Leben leichter zu machen, dazu aufzurufen ist in Krisenzeiten schick, denn kompliziert ist gleich teuer. Also simplifizieren wir unseren Hausstand (und erleben große Erleichterung), sparen uns die ellenlangen, historischen Grußformeln in der Korrespondenz mit Frankreich, reduzieren unnötige Gänge und versuchen, unseren CO2-footprint kleiner werden zu lassen.

Als nächstes ist die Sprache dran. Seit Jahren propagiert Jean-Paul Nerrière, ein ehemaliger IBM-Manager, globish, eine Art simplified english. Bereits 2004 veröffentlichte er sein erstes Buch zum Thema, außerdem betreibt Nerrière eine Webseite für den "Weltdialekt", den 88 Prozent der Menschen weltweit längst sprechen würde. Mit der Einfachheit von Esperanto werden Vokabeln verbunden, die dem Englischen entlehnt sind: Es ist das microsoft-english von über die ganze Welt verstreuten usern, die sich des Sprachvehikels für die Kommunikation des Allernotwenigsten bedienen. Beispiele: Gespräche im Hotel in Kalkutta, sollte jemand das hand out beim check in nicht verstehen, small talk am Flughafen in Rio, gossip am Strand in Sardinien. Der unterstützende Einsatz von Augen (hat er/sie mich verstanden?) und Händen ist dabei selbstverständlich.

Englische Muttersprachler verstehen indes oft nicht richtig, wovon die Rede ist. Kein Wunder, haben doch die Kinder der Sprache Shakespeares mehr als 600.000 Vokabeln zur Verfügung, die sie oft und gerne zu komplizierten Satzkonstruktionen verbauen. Globish dagegen kommt mit 1.500 einfachsten Begriffen und Strukturen wie aus dem Plattenbau aus. Das Runterbrechen führt zu veränderten Mustern, zu dialektalen Verschiebungen, während Mangel an Konkretheit die Hörer dazu nötigt, die Leerstellen im Gesagten eigenständig zu füllen, natürlich mit dem Risiko, den anderen falsch zu verstehen.

Letztens verbrachte ich einen Vormittag auf einem Filmfestival, auf dem alle Diskussionen von Nicht-Muttersprachlern auf Englisch geführt wurden. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass die Gesprächspartner nur antäuschten, statt sich auszutauschen. Es blieb alles im Vagen, Ungefähren. Am Nachmittag las ich dann in der deutschen Zeitung, dass etliche Großunternehmen, die auch ihren Mitarbeitern in Deutschland die englische Sprache als Haussprache verordnet hatten, diese Entscheidungen rückgängig machen werden: Die Verluste, die durch Ungenauigkeiten und Missverständnisse entstanden, waren einfach zu hoch.

Für alles weitere gilt der eine zeitlang in Deutschland verwendete Slogan: come in and find out, was kein Werbespruch für ein Labyrinth war - auf Berlinisch: "Komm'nse rin, findense wieder raus!"
Very simplified.

Freitag, 24. April 2009

Drehbücher übersetzen

Aus der Übersetzerwerkstatt: In den Wochen vor dem Filmfestival in Cannes treffen bei uns viele Drehbücher ein. Das Schöne am Drehbuchübersetzen ist, dass literarische Qualitäten gefragt sind, nicht wörtliches Übersetzen. Manchen französischen Büchern merke ich außerdem an, dass sie sehr schnell geschrieben wurden — und streiche Bild- und Denkfehler. Außerdem versuche ich hier und da Klischees abzumildern und moderner zu werden. Damit komme ich den Bitten der deutschen Produzenten nach, denn französische Bücher sind gern ein wenig altmodischer, klassischer, während die deutschen eher der amerikanischen Tradition verpflichtet sind, also klarer, einfacher, eindeutiger daherkommen. Am Ende soll das deutsche Buch so klingen, als wäre es auf Deutsch geschrieben worden.

Dieser Tage überarbeite ich eigene Arbeiten (und ergänze um neue Passagen aus Drehbuchautorenfeder) sowie ein Buch, das ein weniger erfahrener Übersetzer in der Hand gehabt hatte. Beispiele ...

Jemand geht von außen auf ein Gebäude zu, er ahnt, dass sich darin viele Menschen befinden, denn: "une épaisse couche de buée recouvre la vitre", eine dicke Schicht Dampf/Schwitzwasser bedeckt das Fensterglas.

Ich habe meine Schwierigkeiten damit — denn wie dick kann Dampf oder Schwitzwasser aufgetragen werden? Ich sehe eher das: Erst beschlagen die Fenster, dann läuft das Kondenswasser in Tropfen am Glas hinunter und bildet kleine Rinnsale. Ich ändere also in die Fenster sind von innen beschlagen, was auf großen Andrang hindeutet. Später kommen die Tropfen ins Spiel.

Dann lese ich weiter in der Fassung des Erstübersetzers: "Er [der Protagonist] hängt wieder mit dem Ohr am Handy, während er in die Schwüle des Gebäudes tritt."

Seit wann gibt es Fühl- und Geruchsfilm? Ich blicke wie immer ins Original: "tout en pénétrant dans la nébuleuse" ... er betritt also etwas Nebliges ... Da Nebel auf Deutsch nur draußen vorkommt (bis auf Theaternebel), schreibe ich: ... während er den dunstigen Innenraum betritt.

Sonntag, 19. April 2009

Dolmetschen am Set

Und weiter geht's mit dem Dreh eines im Winter begonnenen Filmprojekts. Unser Interviewgast entwickelt seine Gedanken und auf die dritte Frage antwortet er: "Wie ich vorhin schon sagte ..." Darauf Thomas, der Kameramann, und ich simultan: "Entschuldigung, könnten Sie bitte noch einmal anfangen ...?!" Solche Satzanfänge "wie eben gesagt" lassen sich nicht mal kurz rausschneiden, das ist das Problem.

Wir arbeiten auf Deutsch und auf Französisch, der Kameramann beherrscht die Sprache der Interviews. Ist dies nicht der Fall, dann ist es allein der Job der Dolmetscherin/des Dolmetschers, auf die Schneidbarkeit der Antworten zu achten. Diese und weitere filmspezifische Kenntnisse entziehen sich indes Dolmetschern, die nicht auf Medien spezialisiert sind.

Mehr über Mediendolmetschen hier.

Freitag, 17. April 2009

Bilderreiche Schifffahrt

Neulich in der Kabine: Wir dolmetschen einen Euro-Betriebsrat. Die Firmengruppe ist im Bereich Logistik und Transporte tätig, der Veranstaltungsort eine Stadt am Meer.

Der Redner, einer der Firmenleiter, spricht volksnah - und verwendet viele idiomatische Redewendungen, also metaphorische Begriffe, die für Fremdsprachige auf den ersten Blick nicht leicht zu entschlüsseln sind. Das geht noch. Dann wird das Thema komplizierter und Monsieur greift auf Begriffe zurück, die mit Schifffahrt, Wasser, Transport zu tun haben, um die Gemeinsamkeit der Interessen zu unterstreichen.

Hier in den verschiedenen Sprachen Deckungsgleichheit herzustellen, ist ungeheuer schwierig. Der französische Chef sagt "mener quelqu'un en bateau" - was jemanden irreführen, um sein Ziel einfacher zu erreichen bedeutet. Ich bin dran und dolmetsche als "Pivot", also als zentrale Kabine, von der aus die Verdolmetschungen in die anderen Sprachen erfolgen. Der kurze Schock ist schnell überwunden, es hier mit einer Metapher aus der Arbeitswelt des Kunden zu tun zu haben, und ich übertrage mit jemandem Kutsche fahren, was im Bilde bleibt, irgendwie auch in der Branche (wenn man davon absieht, dass heute kaum noch Kutschen ... geschenkt!) Die Engländer machen daraus "to lead someone astray", was jemanden vom Weg abbringen bedeutet ...

Bei der nächsten Redewendung hält der Konzernchef kurz inne und sagt: "Jetzt hoffe ich mal sehr, dass ich die Künste der Dolmetscher nicht überstrapaziere mit den ganzen maritimen Begriffen, aber wir befinden uns nun mal in Küstennähe ..."

Dann geht die Sache munter weiter. Manches ist einfacher, da entsprechen sich die Begriffe oder sind weniger metaphorisch, wie zum Beispiel
wir sitzen alle im selben Boot - on est embarqué sur le même bateau
in See stechen - le bateau prend la mer
unter falscher Flagge segeln - ne pas hisser le bon pavillon
Und dass ich mal einen Beitrag über Schifffahrt mit drei "f" würde schreiben müssen, war mir längst klar, daher das Foto (von einem anderen Kunden). Selbst, wenn die Umsetzung ein wenig "bateau" ist ...
être un peu bateau - nichtssagend, banal, Gemeinplatz

Dienstag, 7. April 2009

Offensichtlich

Manche Argumente sind einfach offen-sichtlich.

Neulich wollte jemand ein Filmexposé übersetzt haben, knapp 8000 Anschläge, wir kamen auf ca. 170 Euro. Der Kollege schrieb zurück, wunderte sich über den Preis, es seien doch nur zwei Seiten. Meine Antwort setzte ich keck auf 8-Punkt-Schrift und argumentierte auch im Text mit Textgröße. Die Zusage kam postwendend.

Im "Kleingedruckten" steht:
Zwei Seiten ... so wie es bei Euch jetzt vorliegt, mit 11-Punkt-Schrift und einzeilig und knappem Rand ist es das schon. Aber auf Normseite umgerechnet (Sprechertextformat) sind es 4,3 Seiten, denn die allgemeine Normseite hat in Deutschland 1800 Anschläge – 60 Anschläge zu 30 Zeilen, so dass es gesprochen jeweils etwa zwei Minuten sind. Das ist die “Währung”, die sich neben Anschlägen incl. Leerzeichen eingebürgert hat. Und das Übersetzen bindet einen über Stunden und ist eher schlecht bezahlt. Und wenn ich von 40 Euro je Seite ausgehe, komme ich auch auf keine andere Summe: 40 * 4,3 = 172 Euro

Samstag, 4. April 2009

Aufruf zum Support der deutschen Sprache

Will­kom­men auf den Sei­ten des ersten Web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bine. Heute bringe ich eine Fundsache, die im Netz kusiert, jemand hat sie unter dem Pseudonym Lorenz Meyer veröffentlicht.  

Nicht nur Insider wissen, dass wir bei den PISA-Ratings unterdurchschnittlich per­formt haben.

Sowohl Teens und Twens als auch der nor­male Consumer haben den Benefit der deutschen Sprache aus den Augen verloren. Daran mögen auch wenige bemühte Best-Ager und Silver-Surfer nichts ändern.

Der Hype um die deutsche Sprache war wohl nie sehr stark, aber der Boom der Begriffe mit englischem Hintergrund erfährt ein neues All-Time-High. Wenn es so weiter geht, werden wir mit den Global Playern nicht mehr mithalten können und unseren Lifestyle aufs Spiel setzen.

Unser Claim muss daher lauten: Back to the Roots und zurück zur deutschen Sprache!

Man muss kein Trendsetter sein, um zu erkennen, dass die deutsche Sprache ein Evergreen unter den Sprachen ist, die vielfältige Ausdrucksmöglichkeit mittels deutscher Wörter ist nicht zu toppen!

Nach etwas Brainstorming haben wir in einem Meeting einige Flyer und Folder entworfen, in denen wir ein klares Commitment zur deutschen Sprache abgeben. Diese könnt Ihr von unserem Info Server downloaden, als Handouts printen und an Friends & Family weiter reichen. (Der Teaser auf dem Frontcover des Flyers ist hoffentlich ein echter Eye Catcher. Ein Briefing ist daher wohl nicht nötig, das Handling ist mehr als einfach.)

Wir müssen uns bewusst werden: die deutsche Sprache ist unsere Cash-Cow, die wir dank unserer Soft-Skills noch lange weiter melken sollten. Kommuniziert das in Eurer Community!

Wenn wir alle zusammen halten, erreichen wir den Turnaround und machen die Sache zur Success-Story und zur Win-Win-Situation für alle. Seit also keine Couch Potatoes, und schließt Euch unserer Initiative zur Verankerung der deutschen Spra­che im Grundgesetz an.

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Illustration: Archiv

Freitag, 3. April 2009

Nato-Gipfel live

Arte überträgt unter der Überschrift "Good morning, Strassburg" am 3. und 4. April auf seiner Webseite Sonderberichte über den NATO-Gipfel, der in Straßburg, Kehl und Baden-Baden stattfindet. Zum Treffen reisen Staats- und Regierungschefs aus 28 Ländern an, darunter Barack Obama, der Deutschland und Frankreich seinen ersten Besuch als amerikanischer Präsident abstattet. Der Videostream wird live kommentiert - zu erwarten ist, dass er auch live verdolmetscht wird. Am Freitag zwischen 17.30 und 21.00 Uhr, am Samstag zwischen 8.45 und 11.00 sowie von 12.45 bis 15.00 Uhr.

Donnerstag, 2. April 2009

Aprilfisch

Mich erreichte die Frage:
"Woher kommt 'le poisson d'avril', das französische 'April, April!'?"
In Frankreich heftet man seinen Zeitgenossen ein papierenes Fischlein an den Rücken, um sie in den April zu schicken. Die Geste hängt zusammen mit dem Verbot des Fischfangs Anfang April, dem Beginn der Laichperiode. Nach Meinung einiger ist der Schabernack nun darauf zurückzuführen, dass manche Menschen, als diese Schutzzeit eingeführt wurde, Heringe in den Fluss waren, um die Angler zu ärgern, und riefen dabei: poisson d'avril ! - "Aprilfisch.

Andere führen den Spaß auf das astrologische Zeichen "Fisch" zurück, das Ende März endet. Dabei war der erste April lange für die Franzosen eine Zäsur im Jahreslauf, denn bis 1564 fing an diesem Tag das neue Jahr an. Bevor Charles IX den neuen Kalender einführte, war dieser Jahresanfang ein klassischer Moment für Glückwünsche und kleine Geschenke. Auch aus dieser Geste heraus ist es denkbar, dass der 1. April auch weiterhin als Moment für "kleine Aufmerksamkeiten" geschätzt wird - nur sind diese halt besonders liebevoller Art ...


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Foto: Visitenkarte "Forelle", ca. 1930,
gefunden bei Tombées du Camion (Paris)

Blogs, Mails und Webseiten als Agitprop

Gerade lese ich für eine Konferenz über verschiedene Ansätze, Grundeinkommen für breite Massen zu sichern, da erhalte ich eine Mail, aus der hervorgeht, dass es seit gestern in Deutschland das von etlichen Initiativen, aber auch von Theoretikern und Praktikern wie dem Eigner einer Drogerienkette Götz Werner geforderte solidarische Bürgergeld in Deutschland geben würde. Zitat: "Aufgrund des großen Erfolges der Abwrackprämie und um weiterhin die Wirtschaft von der Konsumentenseite aus anzukurbeln, hat sich die Bundesregierung kurzfristig entschlossen das Bedingungslose Grundeinkommen einzuführen."

Der Link "http://www.bundesagentur-fuer-einkommen.de" bringt mich auf eine hochgradig offiziell aussehende Seite (anklicken, um sie zu vergrößern):

Als ich weiterklicke, gelange ich auf die Seite der Bürgerinitiative für bedingungsloses Einkommen. Das Ganze scheint ein kreativer Aprilscherz zu sein aus der Abteilung Agitprop.

Und während ich da durch die Seiten surfe, lande ich schwups!, auf einer Übersicht weiterführender Texte, darunter auch fremdsprachiger Texte. Wie schön, da hat jemand an Menschen mit fremder Zunge gedacht: Spanisch, Englisch, Italienisch und auch Französisch sind dort vertreten. Das freut mich. (Es fehlen: Türkisch, Griechisch ... und der versammelte Ostblock. Hier ist noch Übersetzerbedarf.)

Aber die Freude währt nicht lang. So richtig ärgerlich ist dann dieser Link: Von der vermeintlichen Regierungsseite aus führt einen die Schaltfläche "Menschen mit Behinderung" zu einem YouTube-Film. Da sehen wir eine Politikerin der Linkspartei, die von Michel Friedman daran gehindert wird, sich zum Thema zu äußern, und das auf seine bekannte, höchst provokante, launische Art, die in den 1990-er Jahren im Vergleich zum dominierenden "Abnicke-Moderator" erfrischend wirkte. Das Interview wurde so zusammengeschnitten, dass wir nur den Moderator hören, der ausschließlich seine Meinung zum Besten gibt ... das wird sicher auch die verbliebenen Friedman-Fans nerven. Absolut inakzeptabel finde ich diesen Link aber aus zwei Gründen: Den Titel der Schaltfläche, der beleidigend ist, und die eindeutig antisemitischen Kommentare mancher YouTube-Nutzer.

P.S. vom 3.4.2009, 16.30 Uhr: Die von mir kritisierte Schaltfläche wurde entfernt. Vielen Dank!

Mittwoch, 1. April 2009

April, April!

... war mein Eintrag gestern natürlich, bei dem in Grundzügen sicherlich einiges stimmt, was aber so in der Kombination nur Humbuk war. Daher liest sich das Akronym des Luxemburgischen Berufsverbandes wie der schwäbische Dummkopf: Dubbl.

Ein real existierender Verband, der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), schätzt die Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die bei Konferenzen aus dem Deutschen oder ins Deutsche übertragen, auf rund 1.000. Und es stimmt auch, dass mehr Frauen als Männer dolmetschen. Der Verband der Konferenzdolmetscher (VKD), schätzt das Verhältnis auf 3:1 bis 4:1. Die im gestrigen Beitrag erwähnte "Kollegin" Lola Montez (im Namen steckt ein Filmtipp) aus Luxemburg schien beim größten Arbeitgeber für unsereinen beschäftigt, dem Dolmetscher- und Konferenzdienst der Europäischen Kommission (SCIC). Hier arbeiten 550 Kollegen fest angestellt und 2.000 auf freiberuflicher Basis.

Richtig ist ferner, dass genau dort, in Brüssel und Straßburg, man um Nachwuchs bangt. Im Zuge der EU-Vergrößerungen der Siebziger wurden viele Dolmetscher und Übersetzer angestellt, die bald im Rentenalter sind. Für den Dolmetschberuf mit Englisch als Muttersprache wirbt die EU inzwischen per YouTube.

Auch wahr ist, dass Dolmetscher ja über Jahre trainiert haben, auf einer "zweiten Spur" mitzuhören, und dass sie diese Fähigkeit ins Privatleben hinein begleitet. Außerhalb der schalldichten Kabine leiden viele von uns an Reizüberflutung, können nur schlecht weghören, wenn am Nebentisch im Café gesprochen wird, kriegen mit, was das Thema der Mitwartenden in der Schlange ist. Das Gehirn ist nun einmal darauf trainiert, alles mitbekommen zu wollen, auch vermeintlich unwichtige Dinge - sie können ja von einem Moment zum nächsten Bedeutung erlangen. So kommt es oft vor, dass ich bei Freunden nicht nur darum bitte, dass (für mich) grelles Licht ausgeschaltet wird (als Kurzsichtige bin ich lichtempfindlich), sondern auch die Wort- und Musikberieselung durch das Radio.

Dem Zuhörzwang entziehe ich mich, indem ich lieber ruhige Natur aufsuche als überfüllte ... und Lärm entgehe. Hier kommen die Ohrenstöpsel ins Spiel - Sylvester, WM-Eröffnung mit dem kanadischen Fernsehen, der Nachhauseweg in Kreuzberg am 1. Mai: Ohne Gehörschutz nicht denkbar, denn ich höre sehr gut - und das soll auch so bleiben!
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le poisson d'avril - der Aprilscherz
Zahlen sowie das Wort "Zuhörzwang" stammen
aus einem Artikel des Goethe-Instituts über
unseren Beruf: Hier entlang.