Mittwoch, 8. Juli 2026

Hinter den Kulissen ... (1)

... muss es nicht schick aus­sehen.

Bon­jour & hel­lo! Hier er­hal­ten Sie Ein­blick in mei­nen All­tag aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch und aus dem Eng­li­schen. Der Ein­blick ist heute höchst wört­lich zu neh­men.

Haupt­sa­che funk­tio­nal!
Wir sit­zen ne­ben dem Stuhl­la­ger, neben Tisch­bö­cken, einer Trans­port­kis­te und einem rie­si­gen Elek­tro­schrank, ein­mal knarrt da ein Zahn­räd­chen hör­bar, der Strom­zäh­ler mit 'ner neu­en Zahl vor dem Kom­ma. An der an­de­ren Wand eine Kü­chen­zei­le, an der Fens­ter­front wird das Buf­fet auf­ge­tra­gen. 
Wäh­rend der Ver­an­stal­tung sind nur wir hier, die Dol­met­sche­rin­nen.

Wir lie­fern den Ton der zwei­ten Spra­che für den Ver­an­stal­tungs­raum hin­ter der vier­ten Wand, hin­ter der mit vie­len Türen, aber pa­ral­lel auch für die Men­schen drau­ßen, die on­line teil­neh­men. Seit der Pan­de­mie ha­ben wir es immer öfter mit hy­bri­den Events zu tun. Prak­tisch für die Ver­an­stal­ter:in­nen, die sich die Mie­te für eine Dol­metsch­ka­bi­ne spa­ren. (Für uns geht es nicht im­mer auf, weil wir gerne durch­ge­hend die Per­son se­hen möch­ten, die spricht.)

Schön­heit ist bei die­sem Set­ting nicht wich­tig [auch nicht un­se­re ;-)]. Wir be­kom­men zu un­se­rem Head­set für den di­gi­ta­len Raum auch noch ein Hand­held-Mi­kro­fon für die Gäste vor Ort, also eines zum Jon­glie­ren für die Hand. Dabei ar­bei­ten wir ger­ne pa­ral­lel mit den Hän­den, schrei­ben Be­grif­fe auf, su­chen rasch was im Rech­ner. Ein Sta­tiv wird ge­holt, die Sys­te­me pas­sen nicht recht zu­sam­men, und Gaf­fa­band hilft im­mer. Ach, schön.

Und nach­dem wir den Ter­min zur gro­ßen Freu­de al­er sou­ve­rän jon­gliert ha­ben, kommt beim Emp­fang wie­der die­ser Satz, der ger­ne mit ei­ner Spur Her­ab­las­sung ge­spro­chen wird: „Ach, Sie sind ja si­cher bald ar­beits­los, jetzt, wo die KI alles über­nimmt!“

Lau­ter Leu­te, die nicht ge­merkt ha­ben, was bei­na­he schief­ge­gan­gen wä­re auf der zwei­ten Ton­spur, wenn wir nicht ge­we­sen wären. Leu­te, die auch nicht ge­hört ha­ben, dass wir bei den manch­mal recht kom­ple­xen Ver­schach­te­lun­gen ei­nes an­sons­ten glas­klar ar­gu­men­tie­ren­den Pro­fes­sors die Satz­tei­le auch schon mal ent­schach­telt ha­ben. Und Leu­te, die nicht mit­be­kom­men ha­ben, dass wir die fran­zö­si­schen Kür­zel CNC und CNL er­klä­rend ver­dol­metscht ha­ben, eben­so das Film­för­der­tool avance sur re­cet­te, dass wir trotz sehr un­ter­schied­li­cher Sprach­dich­te und -ge­schwin­dig­keit im­mer ru­hig und ver­ständ­lich ... und voll­stän­dig ... und ohne Hal­lu­zi­na­tio­nen ...

Ich mag es gar nicht mehr er­klä­ren müs­sen. Mein Mund ist mü­de, und nach dem Ein­satz ist es auch das Ge­hirn. Seit zwei Jah­ren er­klä­re ich un­be­zahlt, was die KI nicht kann und was wir leis­ten. Mir ist lang­wei­lig. Die Me­di­en de­cken den Hoax der „KI“-„Dol­met­scher“ nicht auf, weil es ge­fühlt an allen Ecken brennt, End­kund:in­nen wer­den stän­dig ge­leimt, haben das Nach­se­hen, zah­len die teu­ren Fol­ge­kos­ten für Miss­ver­ständ­nis­se oder feh­len­de In­fos.

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Fo­to: C.E.

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