Mittwoch, 20. Oktober 2010

Kapazitäten frei!

Für kurze Dolmetscheinsätze habe ich noch im Oktober, für kurze oder längere Dolmetscheinsätze sowie Übersetzungen von Drehbüchern, Projekten und anderen Dokumente von November bis Januar kurzfristig wieder freie Kapazitäten!

Normalerweise stehen die meisten meiner Termine zwei bis sechs Monate im Voraus fest. Was bei der Filmherstellung auch für unsereinen manchmal schwierig ist, sind geplatzte Verträge mit Sendern, erkrankte Stars oder wenn ein im Grunde vielversprechendes Projekt an der letzten Filmfinanzierungshürde scheitert. Dann wird verschoben, verschoben, umgeplant, werden Szenen gestrichen, Inhalte auf andere Szenen übertragen, neu übersetzt ... und manches scheitert in der Zielgeraden dann doch, manchmal liegt's am Ende an so Banalem wie den Witterungsbedingungen, der falschen Jahreszeit, den kurzen Drehtagen im Winter.

Außerdem merkt die Branche inzwischen die Krise. In einigen (Bundes-)Ländern bzw. Regionen wurden Termine bei der staatlichen Filmförderung gestrichen, das Geld steht der Branche nicht zur Verfügung. Die Sender halten sich zurück oder wollen, dass alles bis ins letzte Detail planbar wird. Indikator dafür ist für mich der Trend beim Dokumentarfilm zur "scripted reality" - ein Widerspruch erster Güte, diese szenarisierte Wirklichkeit als vorgebenes Format, das die Regisseure dann nur noch zu füllen haben. Der mitgliederstärkste deutsche Filmverband, die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, hat sich gerade dagegen ausgesprochen.

Vielleicht ist der Trend zur durchgeplanten, vorhersehbaren Wirklichkeit auch eine Reaktion mancher Senderverantwortlicher in Richtung Planbarkeit eines anscheinend immer undurchschaubarer werdenden Alltags. (Ich schreibe hier anscheinend, weil ich denke, dass sie es immer war, nur ist die Informationslage heute eine andere).

Mit der Unplanbarkeit müssen nicht zuletzt wir Dolmetscher und Übersetzer leben, jedes Jahr ist wirtschaftlich anders, nichts ist von Dauer. Das sei als kleine Warnung vor allem jenen mitgegeben, die mit feuchtglänzenden Augen von einer Karriere als Filmdolmetscher oder Fachübersetzer für Medien träumen: Die Honorare sinken seit Jahren, denn zum Beispiel beim Fernsehen ist das Programmangebot explodiert, was mehr Investitionen in Technik und Gehälter derjenigen zur Folge hatte, die Programme aussuchen, präsentieren und abrechnen.

Qualität kostet aber. Wir arbeiten weiterhin auf einem hohen Niveau mit gegenseitiger Supervision, Lektoraten und gelegentlichem Coaching. Dennoch haben auch wir eine breite Preisspanne, erzielen nicht immer die höchsten Sätze, fördern indirekt mit einigen guten Honorarergebnissen durch Preisnachlässe an anderer Stelle jene, die nicht so viel zahlen können ...

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Foto: Auf der Berlinale

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