Freitag, 10. Juli 2026

Moment mal! (1)

Bon­jour & hel­lo! Sie le­sen in einem di­gi­ta­len Ta­ge­buch aus der Spra­chen­welt. Ich über­set­ze ins Deut­sche und dol­met­sche Fran­zö­sisch ⇄ Deutsch so­wie aus dem Eng­li­schen. Neue Ru­brik, glei­cher Blog: Hier hal­te ich künf­tig die­se win­zi­gen Au­gen­blic­ke fest, in de­nen beim Dol­met­schen für ei­nen Atem­zug die Zeit still­zu­steh­en scheint: Mo­ment mal!

Innenansicht Dolmetscherkabine, das Headset liegt auf dem Tisch
Ein Blick, ein Wort, eine Frage
Der Mo­ment, um den es hier geht, ist im­mer der glei­che und nie der­sel­be: die­ser eine Wim­pern­schlag zwi­schen den Wör­tern, der ge­ra­de für je­ne sicht­bar wird, die wis­sen, des ei­ne sel­te­ne Fach­be­griff, der im Ohr an­kommt oder der Satz, der rasch aus dem Mund her­aus­schlüp­fen will.
Et­was, das vie­le gar nicht wahr­ne­hmen.

Da­zwi­schen manch­mal ein win­zi­ges Loch, ein Ein­ras­ten, ein Klick im Kopf, der Au­gen­blick der Selbst­re­fle­xi­on mit­ten im Satz, den nie­mand im Saal be­merkt, au­ßer wir Dol­met­sche­r:in­nen selbst.

Ge­nau die­se Se­kun­den samm­le ich hier ab jetzt. Kei­ne gro­ße Drama­tur­gie, kein Blitz, kein Knall, nur der Mo­ment, der sonst spur­los durch die Ka­bi­ne rauscht.

Klei­ne Ab­gren­zung, weil’s mich als Sprach­frau juckt: Der Mo­ment ist der Au­gen­blick, das kur­ze Jetzt, ge­nau das, was die­se Ru­brik meint. Das Mo­ment da­ge­gen ist et­was ganz an­de­res: ein Fak­tor, ein Um­stand, ein Be­stand­teil ei­ner grö­ße­ren Sa­che, "das ent­schei­den­de Mo­ment ei­ner Ver­hand­lung" zum Bei­spiel. Und schließ­lich gibt es noch das Mo­men­tum, das aus der Phy­sik und zu­neh­mend auch aus dem Ma­nage­ment-Sprech her­über­schwappt: Schwung, Wucht, die Kraft ei­ner Be­we­gung, die (noch) trägt.

Drei Wör­ter, die sich äh­neln, die aber nichts mit­ein­an­der zu tun ha­ben, au­ßer viel­leicht, dass ein gu­ter Mo­ment manch­mal das Mo­men­tum ei­nes gan­zen Ge­sprächs kip­pen kann.

Am Frei­tag, dem meist­ge­buch­ten Tag der Wo­che, wird die­se Ru­brik lan­den, mein klei­ner Auf­ruf zum In­ne­hal­ten. Nicht, weil dann schon das Wo­chen­end­ru­he aus­bre­chen wür­de, son­dern weil ge­ra­de dann, mit­ten im dich­tes­ten Pro­gramm, sich die­ser Mo­ment am häu­figs­ten ein­stellt.

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Gra­fik:
OpenAI

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