Was auch immer Sie oder Dich herführt: Hier schreibt eine Konferenzdolmetscherin für die französische Sprache. Dieses virtuelle Arbeitstagebuch gibt es seit 2007. Simultandolmetschen ist anspruchsvoll, es bleibt eine menschliche Aufgabe. Auch in der Vorbereitung kann uns die KI nur am Rande unterstützen.
Mein Gerede: Von Hand zu schreiben bringt die besten Lernergebnisse, das bestätigt eine aktuelle Studie. Als Dolmetscherin bin ich Lernprofi, und ich mag gutes, glattes Papier und meinen alten Füller dabei nicht missen.
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| Mehr Hirnregionen sind hier beteiligt |
Vokabelnotizen per Hand sind das Geheimnis. Alles, was ich als Liste zum Termin mitnehme, umfasst vielleicht zwei Blatt Papier, jeweils zweiseitig ausgedruckt. Am Ende drucke ich immer viele Leerzeilen mit aus.
Während des Einsatzes fülle ich die dann auf, mache Notizen in der Blattmitte zwischen den Begriffen, wenn es sein muss, unten und oben. Von Hand zu schreiben ist der Kern der Arbeit.
Industrielle KI-Effizienz geht anders
Ich sortiere vor dem Einsatz auch die losen Wortnotizen, die ich mir beim Lesen gemacht habe. Beim Lesen notiere ich Begriffe im Kontext. Beim Wiederlesen denkt der Kopf diesen Kontext mit. Am Ende, wenn ich die Begriffe in eine Tabelle eintrage, also digitalisiert habe, drücke ich auf „alphabetisch sortieren, aufsteigend“. Damit finde ich Wörter im Bedarfsfall rasch wieder.
Gelernt sind die meisten davon längst. Die Liste wird nötig, wenn ich müde werde, wenn in der Hektik kaum noch Neuronen zum Wiederfinden von soeben Gelerntem da sind.
Ich habe oft noch eine Zwischenphase beim Lernen: baumartige Strukturen aus den Begriffen zeichnen, Abhängigkeiten und Zusammengehörigkeit kartieren. Hier bin ich schon beim Begriff „Mind Map“.
Neue Forschungsergebnisse
Mich bestätigt Audrey van der Meer in Trondheim; die Neurowissenschaftlerin hat die Vorteile des Mit-der-Hand-Schreibens mit Sensoren, Elektroden, Versuchspersonen und Wörtern auf Bildschirmen getestet. Es wurden zwei Gruppen gegeneinander antreten gelassen: die mit der Hand und jene mit der Computertastatur als „Gerät“.
Beim Handschreiben wird es magisch: Viele Hirnregionen sind gleichzeitig aktiv, der Körper sieht, er misst Bewegung, spürt den Raum, aktiviert das Gedächtnis, alles zugleich, parallel und kreuz und quer. Ein neurologisches Netzwerk wird gebaut oder gestärkt.
Die Erkenntnis ist nicht neu
Die neue Forschung bestätigt übrigens, was die Wissenschaftler Mueller und Oppenheimer in Princeton schon vor einem Jahrzehnt beobachtet haben. Auch wenn die Laptop-Gruppe schneller und vollständiger war, hat die Handschrift-Gruppe gewonnen.
Wer mit der Hand schreibt, arbeitet langsamer. Wer nicht alles mitschreiben kann, muss entscheiden. Das Treffen der Auswahl ist der Knackpunkt. Der Kopf denkt alles durch, hierarchisiert und sortiert, verknüpft und merkt es sich. Hier findet Lernen statt.
Wer wie ich super schnell tippt, protokolliert eher Wortlaut. Die Analyseebene tritt da eher zurück. Am Ende habe ich mehr Text, aber weniger die Inhalte durchdrungen.
Fazit
Mehr Material kann sich nach mehr Lernen anfühlen, ist es aber nicht zwingend. Beim selbstständigen Lesen, Anstreichen, Mitschreiben von Notizen, Verschlagworten und Sortieren findet die wirkliche Arbeit statt.
Weniger ist oft mehr. Der unbequeme, langsame Weg führt schneller zum Ziel.
Weiterführende Links
— Studie „The Pen Is Mightier Than the Keyboard“ (2014) (https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797614524581)
— Handschrift vs Tippen — EEG-Konnektivität / van der Meer & van der Weel (2024) (https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2023.1219945/full)
— Audrey van der Meer — Forschung zu Handschrift und Gehirnaktivität (2024) (https://www.frontiersin.org/search?query=audrey%20van%20der%20meer%20handwriting)
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Grafik: pixlr.com (Zufallsfund)

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