Freitag, 8. Dezember 2023

Abwesenheitsgründe

Aus dem Arbeits­alltag einer Dol­met­scherin können Sie auf diesen Seiten einiges er­fah­ren. Meine Muttersprache ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, ins Eng­li­sche über­setzt die Büro­kol­le­gin. Berufs­mä­ßig lebe ich in einer "heraus­for­dern­den Zeit".

Mich nervt nicht die KI, die uns an­geb­lich in we­ni­gen Wochen, Mo­naten oder Jah­ren über­flüs­sig macht, sondern ganz klas­sisch: Fa­mi­lie, Ge­sund­heit, Po­li­tik und die Bahn.

Im Win­ter im Zug vor ei­nem auf­ge­klapp­ten Rech­ner sitzen

Ei­ner­seits hat der­zeit mei­ne ge­samte Fa­mi­lie viel mit der Pfle­ge An­ge­hö­ri­ger zu tun, an­spruchs­voll, nicht im­mer ein­fach. In Sa­chen äl­te­re Herr­schaf­ten ma­­che ich wei­ter; den zum Teil men­schen­rechts­wid­rigen Zu­ständen in man­chem Pflege­heim möch­ten wir nie­man­den aus­lie­fern. (In­so­fern ge­hö­re ich zu den Spon­so­ren der Bahn.)
An­de­rer­seits habe ich da­durch heuer ein "Drit­tel­jahr" nicht ge­ar­bei­tet. Ko­misch, dass es das Wort 'Vier­tel­jahr' gibt, das Wort 'Drit­tel­jahr' aber nicht. Und "heuer" ist südliches Deutsch, hier mehr.

An­fang des Jah­res war ich selbst noch krank, Long Co­vid, März war mein Kur­monat und der Mo­ment, ab dem es lan­gsam aufwärts ging.

Drei Einsatztage gin­gen flö­ten, weil Kon­sul­ta­tio­nen auf­grund von Un­ruhen in fran­zö­si­schen Vor­städ­ten ab­ge­sagt wor­den waren. Die Nicht­in­te­gra­tion von wei­ten Kreisen der mus­li­mi­schen Be­völ­ke­rung in den nicht nur nah­ver­kehrs­tech­nisch ab­ge­häng­ten Vor­städ­ten ist seit den 60-er Jah­ren dort ein Thema, das re­gelmäßig die Schlag­zei­len be­herrscht und Anlass zu gro­ßer Sor­ge sein müss­te.

Fünf Ta­ge in Saldo min­des­tens wird mich bis Jahr­es­ende die Bahn ge­kos­tet ha­ben. Auch wenn Bahn­schmäh gerade so der­maßen *gähn* ist, dass ich es fast nicht glau­ben mag, dass ich erst Anfang dieser Woche ... jetzt be­kom­me ich den Satz nicht fer­tig, egal! Neue Satz­an­fang: Be­kannter­maßen hat die Bahn sechs Feinde: Früh­ling, Som­mer, Herbst, Win­ter, Pas­sa­giere und Mit­ar­bei­ter.

Einmal durfte ich auf­grund einer fünf­stün­digen Bahn­ver­spä­tung einen Dol­metsch­termin ab­geben. In Sum­me saß ich zwei weitere, volle Tage mit Ein­zel­ver­spä­tun­gen im Zug und habe gewartet. (We­nigs­tens gin­gen hier nicht gleich zwei Ar­beits­ta­ge ver­lo­ren.)

An­ders war es mit dem über­ra­schend he­rein­bre­chen­den Winter­wet­ter vor einer Wo­che, da hat mich die Al­le-Wet­ter-Bahn zwei Ho­no­rar­ta­ge ge­kos­tet. Ein Tag aus dem ers­ten Halb­jahr ist schon streik­be­dingt futsch, heute also der zweite, denn so eine Miet­wagen­nutzung wä­re derzeit kaum be­zahl­bar.

Dem­nächst darf ich wie­der zur Pflege. Ich hof­fe sehr, dass Ar­beits­hin­de­rungs­grund Num­mer drei mich nicht daran hin­dert, den Ar­beits­hin­de­rungs­grund Num­mer eins wahr­zu­ne­hmen.

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Illus­tra­tion: Dall:e (korr.). Als würde die
Frau po­peln ... oder Ruhewagon? Die KI
fand das Buch besser als den Rechner.

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