Freitag, 16. Dezember 2011

Untertitel und Urheberrecht

Will­kom­men auf den Sei­ten mei­nes Blogs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Wenn ich nicht den mehr oder weniger großen Be­rühmt­hei­ten auf Kon­fe­ren­zen Wörter zuflüstere, sitze ich zuhause, ler­ne ... oder übersetze.

Je ne suis pas prête à recommencer!, sagt die alte Dame erschöpft, als der En­kel­an­sturm eines schönen Sommerabends vorüber ist. Dabei hat sie seit Wochen darauf hingearbeitet, dass die lieben Kleinen einen Grund dafür bekommen, ihre Großeltern öfter zu besuchen. "Ich bin nicht bereit, nochmal von vorne an­zu­fan­gen", steht im Untertitel, der Satz war die Antwort auf die Frage, wie es ihr denn jetzt gehe.

Es geht alles noch schlimmer: UTs per Machine Translation
(so liest es sich jedenfalls)
Der Abspann nennt als Autorin dieser Untertitel die In­ha­ber­in der Firma, die die Un­ter­ti­tel verantwortet. Die ge­nann­te Dame verfügt über deut­lich mehr als ein Vier­tel­jahr­hundert Be­rufs­er­fah­rung. Ich glaube nicht, dass die Un­ter­ti­tel von ihr sind. Sie hat sie nicht einmal ge­gen­ge­le­sen, und wenn, dann nur flüchtig oder auszugsweise. Jeder Profi hätte hier: "Jetzt brauch' ich erstmal eine Pause!" über­setzt, denn die Oma hat den ganzen Garten umgekrempelt und sogar ein echtes Schwimmbecken anlegen lassen.

Noch erhalten die deutschen Übersetzer und Untertitler über eine (oft auch zu geringe) Einmalzahlung hinaus für ihre Arbeit keine angemessene Vergütung, was die Urheberrechte angeht. In Frankreich wird meinen Kollegen bei wiederholten Ausstrahlungen audiovisueller Werke, an deren anderssprachigen Fassungen sie beteiligt waren, einmal im Quartal ein interessantes Sümmchen von den Ver­wer­tungs­ges­ell­schaf­ten überwiesen. Im Fall einer Synchronautorin, die u.a. für einen erfolgreichen und arbeitsamen Filmemacher tätig wird, reichen diese Aus­schüt­tun­gen, um den Kredit für ihre Pariser Wohnung abzubezahlen.

Diese für deutsche Kollegen nachteilige Situation wird in Fachkreisen langsam zum Thema. Zugleich scheint sich mancher Inhaber von Übersetzungsbuden noch rasch zum Gewinn auch die künftigen Ausschüttungen sichern zu wollen.

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Illustration: Ein nicht näher genannter big player
der französischen Kinoindustrie (Kundenschutz!)

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