Montag, 16. September 2019

Paradigmenwechsel

Über den Arbeitsalltag einer Dolmetscherin können Sie hier einiges lesen. Wenn ich nicht Konferenzen vertone, sitze ich am Über­set­zer­schreib­tisch oder ich lese Zeitung oder höre Radio.

Abend­nach­richten. Bei Kon­fe­ren­zen werden sehr oft An­spie­lun­gen auf ta­ges­ak­tu­el­le Themen gemacht, ent­spre­chend auf­merk­sam beob­achtet un­ser­einer die Medien.

Gesehen 2003 in Sachsen
Diese Woche erwarten wir die neu­en Ge­setze der Re­gie­rung zur mas­si­ven Kli­ma­ver­än­de­rung. Der Ent­wurf der CDU soll indes Regelungen für Luft­­ta­xis ent­hal­ten. Sowas klingt dann doch nach Bu­si­ness as usual und nicht nach einem Pa­­ra­­dig­­men­­wech­sel.

Und dann kommt der Spre­­cher auf den An­­schlag in Sau­di-Arabien zu sprechen.

Ölanlagen sind getroffen, die Lage wird be­schrie­ben, die Folgen werden analysiert: Sinkende Roh­öl­för­de­rung sei gleich­bedeutend mit stei­gen­den Preisen. Das sei "Gift für die Kon­junk­tur". 

Hierarchie der News und ihre Inter­pre­tation spiegeln die Themen der Regierung. Hallo, Politik? Habt Ihr das an­ste­hende Agenda­setting wirklich durchdacht? Oder bedeuten Eure Pläne etwa Klima­schutz aus­schließ­lich im Rahmen von Wirtschafts­wachs­tum und bitte ohne Infragestellung von Kon­sums und Lebens­stil?

Schon im letzten Jahr­hun­dert hat Wirt­­schafts­­wis­­sen­­schaftler Kenneth E. Boulding (1910 bis 1993) die Cho­se mit dem ewi­gen Wachs­tum so zu­sam­­men­­ge­fasst: Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist. ("Jeder, der glaubt, ex­po­nen­tiel­les Wachs­tum kann in einer end­lichen Welt fort­gesetzt wei­ter­­gehen, ist entweder ein Irrer oder ein Öko­nom.")

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Foto: Dr. Friederike Elias

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