Montag, 20. November 2017

Bahnkram

Hello, bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Während der Mitbewohner in Berlin die Pflanzen gießt, bin ich schon wieder auf Kurzreise.

Jeder zweite Zug, mit dem ich in den letzten Monaten gefahren bin, war ver­spä­tet. Einige sind überhaupt nicht gefahren, gerne nach stürmischen Winden.

Bahnhofausfahrt mit diversen Neubauten im Gegenlicht
Essen am Wegesrand
Daher war der Zug neulich, der mit Verfrühung in einen Bahnhof eingelaufen ist, auch so ein kleines Wunder. Denn es kann vorkommen, dass ich zwei Züge früher fahre, um pünktlich zu sein, neulich sogar drei, um ein­en Film­re­gis­seur, der über 90 ist, vom Flughafen abzuholen. Und so schlendere ich schon wieder über den Bahnhof und warte auf einen Zug.

Dieses Mal ist er schon bei der Abfahrt zu spät dran. Zufällig treffe ich am Bahn­hof eine Kollegin, die wie ich nach "Westdeutschland" fährt, wie West­berliner und West­deut­sche ab Mitte 40 die "alten" Bundesländer nennen. Ihr Wunschzug war al­ler­dings schon eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrtszeit abgefahren. Auf ihre Beschwerde hin erfuhr sie, dass man sich als Reisender jedes Mal aufs Neue im Vorfeld von der unveränderten Abfahrtszeit des gewählten Schienenfahrzeugs zu überzeugen habe. Es herrsche Mitwirkungspflicht, so jedenfalls ein Bahn­mensch.

Meistens sind diese turbulenten Momente auf Unwetter zu­rück­zu­füh­ren. Ich er­in­ne­re mich an Zeiten, in denen die Bahn geworben hat mit Sätzen wie: "Alle reden vom Wetter, wir nicht." Seit "Die Bahn" das "deutsche" und das "Bun­des-" ab­ge­legt hat, ist das alles perdü. (Der weltbeste Ziehpatensohn wür­de sich jetzt mög­li­cher­wei­se selbst zitieren, wenn er das hören könnte: "Ha­ben damals ei­gent­lich noch Dinosaurierer gelebt?")

In der Schweiz sind die Ränder der Bahnlinien übrigens nicht so dicht baum­be­stan­den wie hierzulande. Daher funktionieren dort die Anschlüsse auch sehr viel bes­ser und weitere Bevölkerungsschichten nutzen dieses Fort­be­we­gungs­mit­tel in­ten­siv.

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Foto: C.E.

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