Sonntag, 1. Mai 2011

Tag der Arbeit

Die Bezahlung von Arbeit ist heute für viele nur ein Kostenfaktor (coût monétaire du travail), und nicht "Gehalt", "Lohn" oder "Honorar", mit denen die Bürger als Kunden für Nachfrage am Markt sorgen können. Der "Arbeitgeber" zahlt LohnnebenKOSTEN (charges sociales u.a.) und keine "SozialBEITRÄGE" (côtisations) mehr, die der sozialen Absicherung der Betreffenden dienen.

Der Leiter HR spricht ...
(Untertitel, von einem Billigübersetzer gefertigt
)
Nicolas Philibert und Gérard Mordillat haben 1977 den Film "La voix de son maître" gedreht, einen Film über (die Sprache der) Unternehmer, als es in den Firmen noch Personalleiter gab (directeur du personnel). Ein Jahr später, als der Film ins Kino kam, hießen diese Mitabeiter schon "Leiter/in Human Ressources" (directeur ressources humaines).

Begriffe der Arbeitswelt, in denen das Wort "Arbeit" auch wirklich vorkommt, verschwinden aus der Sprache, die sich damit von der Wirklichkeit entfernt. Danke, RFI, Danke, Carrefour de l'europe, wo heute daran erinnert wurde.

Und wie feiert eine Berliner Filmdolmetscherin den "Tag der Arbeit"? Mit Arbeit natürlich, ich lerne für einen Einsatz. Selbständigendasein.

Und eigentlich gebe ich meine Arbeit, müsste ich demnach "Arbeitgeber" heißen, und der Kunde nimmt am Ende meine Arbeit und wäre logischerweise der "Arbeitnehmer" ... Ich muss an eine Geschichte denken, die in den 1970-er Jahren in vielen Schulbüchern stand: "Ein Tisch ist ein Tisch" von Peter Bichsel.

______________________________  
Foto: Untertitel, der 2010 von einer offiziellen
französischen Stelle im Rahmen von Video 
on demand "angeboten" wurde

Kommentare:

IW hat gesagt…

Hi Caro,
wer zeigt denn solche Untertitel? Ich bin dem Link gefolgt und hab mehr davon gesehen, das ist ja unglaublich!?

Offizielle Stelle sagst Du, hm, da fallen mir gleich einige ein, aber keiner traue ich das zu. Oder betreibt das Filmland Frankreich jetzt Selbstsabotage?

Gruß aus Kölle und bis Freitag,
Inga

caro_berlin hat gesagt…

Liebe Inga,

Filmland Frankreich hat in jedem Fall von oben die Direktive, dass Kultur nicht mehr ganz so wichtig ist. Das spüren wir an allen Ecken und Enden. Mehr darf ich nicht sagen, Verträge, Diplomatie etc.

Sehen wir uns an der Côte ?
Bises,
C