Montag, 31. März 2025

Montagsschreibtisch (84)

Hel­lo, bon­jour, gu­ten Tag! Als Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che mit Deutsch als Mut­ter­spra­che blog­ge ich hier seit 2007. Ich dol­met­sche auch En­g­li­sch → Fran­zö­sisch, und ich über­set­ze nur in die deut­sche Spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Heu­te folgt ein Blick in die Agen­da.

Einst im Büro
Diese Wo­che geht es um:

⊗ Kri­sen­be­ra­tung in der Ener­gie­wirt­schaft
⊗ Ein Af­ri­ka­the­ma
⊗ Film­gut­ach­ten
Glo­bal Dis­abi­li­ty Sum­mit (GDS)
⊗ An­ge­bo­te für die Herbst­sai­son

Die Früh­jahrs­sai­son läuft schlep­pend an, dass wir der­zeit nur ei­ne kom­mis­sa­ri­sche Re­gie­rung ha­ben, dür­fte der Haupt­grund da­für sein.


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Fo­to: Ar­chiv Eli­as Los­sow

Dienstag, 25. März 2025

Partyplausch

Bon­jour oder bon­soir auf den Sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­te­rin. In die­sem di­gi­ta­len Ta­ge­buch kön­nen Sie an ei­ni­gen Ta­gen in der Wo­che mit­le­sen, wie Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zer und Dol­met­scher ar­bei­ten. Ich spre­che Deutsch (Mut­ter­spra­che), Fran­zö­sisch (Haupt­ar­beits­spra­che) und Eng­lisch (Aus­gangs­spra­che). Auf man­chen Par­ties ha­be ich rich­tig Spaß.

Porzellanfigur (Kopf) aus zwei Teilen
Doppelkopf
Hier mein "Best of" der Par­ty­fra­gen, die ich mir so anhören darf!

1. Sind Sie Dol­met­sche­rin?
Nein, ich plappere nur zu­fäl­lig ge­nau das nach, was an­de­re ge­ra­de sa­gen — aber lip­pen­syn­chron und in ei­ner frem­den Spra­che. 
[OK, im Ernst: Als pro­fes­sio­nel­le Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin ar­bei­te ich zeit­ver­setzt zwi­schen zwei Spra­chen, je Dol­metsch­art mit klei­nem oder gro­ßem Zeit­ver­satz.]

2. Wie vie­le Spra­chen spre­chen Sie so?
Kommt drauf an: Mei­nen Sie je­ne, die ich wirk­lich spre­che, oder je­ne, zu de­nen ich im Re­stau­rant höf­lich ni­cken kann? 

[Gut. So ist es wirk­lich: Wir Dol­met­scher:in­nen ar­bei­ten in we­ni­gen, aber per­fekt be­herrsch­ten Spra­chen. Mehr als zwei bis drei Ar­beits­spra­chen sind sel­ten, kom­men aber bei glei­cher Ziel­spra­che bei den in­ter­na­tio­na­len Ins­ti­tu­tio­nen vor.]

3. Wie schaf­fen Sie es, gleich­zei­tig zu hö­ren und zu spre­chen?
Jah­re­lan­ges Trai­ning mit Ra­dio­sen­der, Pa­pa­gei und Te­le­fon im Haus so­wie ei­ner Ver­wandt­schaft, die stän­dig durch­ein­an­der­redet. Seit­dem ist mein Ge­hirn ein Mehr-Fens­ter-Brow­ser. [Al­so, wir hö­ren den nächs­ten Satz schon, wäh­rend wir den vor­he­ri­gen über­set­zen. Das Ge­hirn ver­ar­bei­tet bei­des pa­ral­lel, das ist ähn­lich wie beim bei­d­hän­di­gen Kla­vier­spie­len oder bei der Or­gel, wo auch noch die Fü­ße da­zu­kom­men.]

4. Wie lan­ge kön­nen Sie am Stück dol­met­schen?
Un­ge­fähr 30 Mi­nu­ten  oder bis je­mand so lan­ge um den hei­ßen Brei re­det, dass ich in­ner­lich ko­che. [Er­klä­rung: We­gen der ex­trem­en Kon­zen­tra­ti­on wech­seln wir uns al­le 20 bis 30 Mi­nu­ten ab.]

5. Wie kön­nen Sie sich das al­les mer­ken?
Gar nicht! Ich hö­re es, dol­met­sche es und dann rauscht es ins men­ta­le Ber­mu­da-Drei­eck, in dem auch di­ver­se Pass­wör­ter ver­schwun­den sind. [Ernst­ge­mein­te Ant­wort: Dol­met­schen funk­tio­niert über so­for­ti­ges Ver­ste­hen und Wie­der­ge­ben, nicht über Lang­zeit­ge­dächt­nis. An­sons­ten be­rei­ten wir uns auf die In­hal­te in­ten­siv vor, im Schnitt kommt ein Tag Le­sen und Ler­nen auf ei­nen Tag Dol­met­schen.]

6. Was ist das Schwie­rigs­te in Ih­rem Be­ruf?
Je­man­den dol­met­schen zu müs­sen, der drei Mi­nu­ten re­det, oh­ne auf den Punkt oder zum Verb zu kom­men und es trotz­dem so klin­gen zu las­sen, als hät­te das al­les ei­nen Sinn. [Ech­te Er­klä­rung: Un­kla­re, um­ständ­li­che oder schlecht struk­tu­rier­te Re­den sind ei­ne ech­te Her­aus­for­de­rung; Schach­tel­sät­ze wer­den aus­ge­packt in klei­ne Schäch­tel­chen.]

7. Was war das Lus­tigs­te, das Ih­nen je pas­siert ist?
Da hat mich doch tat­säch­lich mal je­mand ge­fragt, ob ich Dol­met­sche­rin bin! [Nun, es gibt vie­le ab­sur­de oder ko­mi­sche Si­tua­tio­nen, aber meis­tens bleibt kei­ne Zeit, sie fest­zu­hal­ten.]

8. Sind Dol­met­sche­r:in­nen la­tent schi­zo­phren?
Nein, nur per­fekt dop­pel­zün­gig. [Im Ernst, wir ha­ben un­se­ren Kopf da­rauf trai­niert, dass bei­de Hirn­hälf­ten be­son­ders gut zu­samm­en­ar­bei­ten und der Bal­ken, die Ver­bin­dung zwi­schen den Hälf­ten, scheint bei uns be­son­ders groß zu sein.]

9. Ha­ben Sie kei­ne Angst, dass Sie die KI bald ar­beits­los macht?
Oh, ab­so­lut! Ich lie­ge je­de Nacht wach und war­te dar­auf, dass am Mor­gen der Toas­ter mit mir in meh­re­ren Spra­chen dis­ku­tie­ren will. [Ganz ehr­lich: Die KI kann Tex­te ver­ar­bei­ten, man­che, manch­mal, aber sie nicht ver­ste­hen. Und was nicht ver­stan­den wird, kann nicht rich­tig über­tra­gen wer­den.]

Und was wä­re Ih­re oder Dei­ne Fra­ge? Ich su­che Num­mer zehn! Kom­men­ta­re herz­lich will­kom­men!

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Foto: C.E.

Montag, 24. März 2025

Montagsschreibtisch (83)

Bien­ve­nue auf den Sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­te­rin. Hier schrei­be ich seit 2007 über den Ar­beits­all­tag von Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zern, Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­schern. 

Ruhige Ar­beits­mo­men­te mit Katze
Mei­ne Spra­chen sind Fran­zö­sisch und Eng­lisch mit Mut­ter­spra­che Deutsch (das Idi­om Shakes­peares nur als Aus­gangs­spra­che).) Die Früh­jahrs­sai­son steht vor der Tür!

Auf dem Schreib­tisch:
⊗ Nach­be­rei­tung
⊗ Kos­ten­‍vor­‍an­‍schlä­ge schrei­‍ben
⊗ Kol­le­‍gen für ei­nen Ein­‍satz an ei­‍nem Tag su­chen, an dem bis­lang kei­ne(r) von uns kann
⊗ Sai­son­pla­nung

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Il­lus­tra­tion: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Donnerstag, 20. März 2025

Nur kurz gegenlesen

Meine Haupt­arbeits­sprache beim Dolmet­schen ist Fran­zösisch, denn ich dol­met­sche in beide Rich­tungen (oder aus dem Eng­li­schen ins Fran­zö­si­sche). Deutsch ist meine Mut­ter­sprache und schrift­lich die Ziel­sprache. Die Büro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­li­sche. Über­setzen er­fordert viel Wis­sen, Hin­gabe und Ge­duld, denn gu­te Über­set­zun­gen brau­chen ih­re Zeit.

Je­mand von einer Fir­ma ruft an, die Über­set­zungs- und Dol­metsch­dienst­leis­tun­gen ver­kauft. Ich habe heu­te Nach­mit­tag nichts mehr zu tun und da­her Zeit, zu­zu­hören und mich viel­leicht darauf ein­zu­lassen. Die Da­me am Te­le­fon sagt: „Ich habe das schon mal vor­über­setzt, Sie müss­ten nur ein­mal kurz ge­gen­le­sen!“


Sprach­ar­beit ist Team­ar­beit!
Das klingt so, als wür­de eine Über­set­ze­rin mit einer an­de­ren Über­set­ze­rin spre­chen und um ein Kor­rek­torat bit­ten, klas­sisches Über­setzen im Vier-Au­gen-Prin­zip: Zwei Fach­leute küm­mern sich um den ers­ten und den zwei­ten Schritt, am En­de nimmt die Erst­über­set­ze­rin die An­mer­kun­gen ent­ge­gen und baut sie ein. Nichts Neu­es un­ter der Früh­jahrs­son­ne Ber­lins.

Vier-Augen-Prinzip
Ich er­bit­te Ein­blick in die Da­tei um zu se­hen, ob mir die Auf­tei­lung des Hono­rars passt: 20 Cent pro Wort für die Erst­über­setzung waren es das letz­te Mal, fünf fürs Korrek­torat sol­len es die­ses Mal sein.

Ein­schub: In Deutsch­land ist das Ab­rech­nen nach Wort weni­ger üblich und nicht so prak­tisch, denn die deut­sche Spra­che neigt ja zu sehr lan­gen Wörtern, aber mit­un­ter kom­men Texte aus Frank­reich, dem Land mit den Ein-bis-zwei-Buch­sta­ben-Wör­tern.

Um­rech­nen von Wort­preis zu Zei­len­preis
Die Über­set­zer­norm­zei­le (ÜNZ) ist genau 55 An­schläge lang, das stammt noch aus den al­ten Zeiten des Blei­sat­zes und ist ein ge­mit­telter Durch­schnitts­wert. Ich rech­ne mit ei­nem zwei­ten Durch­schnitt, näm­lich der Wort­länge eines Wor­tes, im Deut­schen ist diese Zahl 6,8 Buch­staben, im Fran­zö­sischen 5,4. Da­für ist fol­gen­de For­mel prak­tisch: 0,24x55/6,8=2,02 Euro. Damit kä­me ich auf den Preis von 2,02 Euro bei der Ab­rech­nung nach Norm­zeile, und zwar für ei­nen leich­ten bis mit­tel­schwe­ren Text. Ein­schub­ende.

Ein sat­tes Plopp kün­digt die Mail im elek­tro­ni­schen Brief­kasten an. Ich öffne die Da­tei. Was ich se­he, ist ein krea­ti­ver Mar­ke­ting­text, die deut­sche Fas­sung klingt schwer nach KI. Es dauert nicht lan­ge, bis ich seuf­ze. Wer bei neu­er Tech­nik Wun­der auf Knopf­druck er­wartet, wird mal wie­der ent­täuscht. Die KI hat nicht „vor­über­setzt“, sie hat Wör­ter an­ein­ander­ge­reiht, oft Ge­gen­satz­paare zur Aus­wahl. Die KI kann keine Kom­mu­ni­kation, sie si­mu­liert Kom­mu­ni­ka­tion. Und es klingt so ele­gant wie ein kaput­tes Navi: „In 200 Metern bie­gen Sie links rechts ge­ra­de­aus ab.“ Und natür­lich ha­ben sich wie­der­holt false friends in den Text ge­schli­chen: „Un­se­re Fir­ma ist enga­giert im Be­reich ...“ ... Be­trug, bin ich ge­neigt zu er­gänzen.

Hier: nur zwei Augen, denn die KI ist blind
Ich bit­te die Da­me um ein Te­le­fo­nat. Ich fra­ge nach. Sie druckst am Te­le­fon he­rum und gibt am En­de zu: Ja, die KI ha­be die ers­te Fas­sung er­stellt, aber das sei ei­ne KI, die Zu­griff auf Da­ten­bänke und frü­here Tex­te der Fir­ma ha­be, das sei al­les „sehr, sehr or­dent­lich!“ Und wei­ter, dass die fünf Cent ei­gent­lich über­be­zahlt seien, „so viel Geld nur fürs Le­sen ...!“, ent­fährt es der Da­me noch.
 
Meine Ant­wort ist, dass sie nie­man­den zum „Gegen­lesen“ brau­che, son­dern für eine Ret­tungs­aktion. Bis auf zwei Sät­ze ist al­les zu kor­ri­gieren, um­zu­stellen, neu zu über­setzen.

Ich rech­ne laut noch ein­mal nach und kom­me auf min­des­tens zwei Stun­den für die Ar­beit. Ich könn­te pro Stun­de ab­rech­nen oder 20 Cent pro Wort für die Neu­über­setzung. Doch die Da­me fin­det den Vor­schlag nicht gut. Ich wür­de über­treiben, meint sie. Dan­ke, dann ma­che sie das eben rasch selbst. In­zwi­schen ist Fei­er­abend, ich ver­ab­schie­de mich aus dem Bü­ro. Abends um neun, so wer­de ich es am Frei­tag­mor­gen sehen, al­so nach vier (!) Stun­den, kommt der Text er­neut bei mir an, recht or­dent­lich über­setzt, mit der Bit­te, nach den be­kann­ten Kon­di­tio­nen kor­rek­tur­lesen zu wol­len.

Siehs­te, geht doch. Lei­der nicht im­mer.
Ich freue mich über die Ein­sicht der Da­me, die an die­sem Tag et­was ler­nen durf­te. Ich fürch­te al­ler­dings, dass sie es schon vor­her ge­wusst hat. Es ist lei­der ein weit­ver­brei­te­tes Ge­schäfts­mo­dell, den Be­rufs­ethos von Frei­be­ruf­ler:in­nen aus­zu­beu­ten.

Gerne be­ar­beite ich Tex­te von Men­schen, die wis­sen, dass Spra­che mehr ist als ein Algo­rith­mus vol­ler Wort­bau­steine, der dann al­les so aus­wirft, dass es der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung ent­spricht.

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Bild:
Fotoar­chiv Elias Lossow

Mittwoch, 19. März 2025

Was die KI nicht kann

Wie Über­set­ze­rin­nen und Übersetzer, Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, be­schrei­be ich hier im 19. Jahr. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Deutsch (Mut­ter­spra­che), Fran­zö­sisch und Eng­lisch; mei­ne Bü­ro­kol­le­gin ar­bei­tet als Über­set­ze­rin, al­so schrift­lich, mit Eng­lisch als Ziel­spra­che. Heu­te: KI-Mitt­woch.

Kopf und Netz
Mensch oder Maschine?

„Künst­liche Intel­ligenz“: Das Wort hat einst ein Infor­matiker er­fun­den, um Ven­ture Ca­pi­tal an­zu­locken. Intel­ligence wird hier im Sinn von Infor­ma­tions­samm­lung und Daten­bank ver­standen. 

Darauf zu warten, dass die KI künf­tig ein „Be­wusst­sein“ er­langt, ist der schiere Ani­mismus. Ohne Ner­ven, Or­gane, Krank­heits­an­fäl­lig­keit, Familie und Liebste so­wie ohne Sterb­lich­keit wird die KI nie­mals ein men­schen­ähn­liches Be­wusst­sein er­lan­gen.

Die KI si­mu­liert Kom­muni­ka­tion mit Bau­stei­nen, Flos­keln und Steh­satz. Ihr Aus­wurf ist der sta­tis­tisch wahr­schein­lichs­te Durch­schnitt. Exakt darum geht es in meinem Be­rufs­kon­text nicht — Kon­fe­renzen, Dreh­bücher, Preis­reden, Gedenk­ver­an­stal­tungen, inno­vative Texte, Nach­rufe, Ver­hand­lungen sind Aus­nah­men, kei­ne Durch­schnitts­fälle.

Iro­nie, Sar­kas­mus, Wort­spie­le, kul­tu­relle An­spie­lungen und sozio­kultu­rel­les Hinter­land bleiben der Ma­schi­ne ver­bor­gen. Sie er­kennt kei­ne Into­na­tion, sieht nichts zwi­schen den Zeilen, hört kei­ne „Un­ter­töne“. Un­voll­stän­dige Sät­ze er­gänzt das Sys­tem ei­gen­mächtig, hallu­ziniert, er­findet Infor­ma­tionen, ver­mischt sie mit Ge­sagtem oder be­haup­tet das Ge­gen­teil.

Kom­muni­ka­tion ist mehr als Wör­ter: Vor­träge und De­batten, Pub­likums­rück­fragen, an­ge­regte bis hitzige Ge­spräche, spon­tane Pro­gramm­ab­weichungen über­fordern die KI. Sie igno­riert Kon­text, Kör­per­sprache, Sprech­ab­sichten und Ver­hand­lungs­stra­tegien.

Poin­tierte Un­ter­titel der KI an­zu­ver­trauen ist ebenso riskant wie krea­tive Texte. Finger­spitzen­gefühl kann nur je­mand haben, der/die Finger­spitzen und Ge­fühle hat. Sinn­volles Kürzen setzt Wis­sen vor­aus, das Ge­stri­chene muss leise mit­schwingen. Das Tem­po und der Zus­chnitt der Titel hän­gen von der je­wei­li­gen Dich­te der Spra­che ab so­wie von den Lese­ge­wohn­heiten der Ziel­grup­pe.

Schlech­te Ton­tech­nik, leise, dia­lek­tale Stim­men — was falsch trans­kri­biert wird, wird falsch von Text-to-Speech ver­tont. Auch Sprech­feh­ler über­for­dern die KI. (In­klu­sion?)

Die Qua­lität des KI-Aus­wurfs hängt vom In­put ab. Englisch ist die Mut­ter­sprache von 18,2 Pro­zent der Welt­be­völ­kerung, aber 49 Pro­zent der Web­seiten im Netz sind An­fang 2025 auf Eng­lisch. Für kleine Spra­chen gibt es kaum Trai­nings­mate­rial. Eine do­mi­nie­rende Sprache in der Hand ei­ner do­mi­nie­renden Person, siehe Trumps Ver­bots­liste vom 8.3.25, dar­unter auch Be­griffe wie „Frauen“ und „stil­len“, führen zu Ver­zer­run­gen. Die KI hat in den USA neulich eine Seite über Trans­plan­ta­tions­medizin ab­ge­schal­tet, geht halt mit Trans… los.

Struk­tur­schwa­ches Land? Netz­ausfall? Kei­ne KI! Das wird struk­tu­relle Un­gleich­heit ver­stärken.

Bei "Dol­metsch­tests" hat die KI oft pau­siert, dann In­halt in der fünf­fachen Sprech­ge­schwin­digkeit „ab­ge­spult“. Profis würden inter­ve­nieren, wenn etwas unklar ist, und wir spre­chen auch nicht sooo schnell. Bei Texten sind wir Sprach­ar­bei­te­r:innen die ersten, die etwas kritisch gegenle­sen, Feh­ler fin­den und zu­rück­mel­den.

Neben der er­wähnten Be­griffs­zen­sur sind KI-Sys­teme auch für An­griffe von au­ßen an­fällig. Stra­te­gien, Film­kon­zepte, Pa­tente etc. schützen mensch­liche Kom­mu­ni­ka­tion, die weiß, wie sie un­ge­betene Zu­hörer ver­meidet.

Die KI ist ein Tool. An­gehende Me­di­ziner:in­nen wird aktu­ell nicht vom Stu­dium ab­geraten, an­ders als Lin­guist:in­nen. Fach­kräf­te­man­gel ist pro­gram­miert.

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Il­lus­tra­tion: pixlr.com (Zufallsfund)

Montag, 17. März 2025

Montagsschreibtisch (82)

Bon­jour oder bon­soir auf den Sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­te­rin. In die­sem di­gi­ta­len Ta­ge­buch kön­nen Sie an ei­ni­gen Ta­gen in der Wo­che mit­le­sen, wie Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zer und Dol­met­scher ar­bei­ten. Zu­nächst, was die­se Wo­che an­steht.

Wer so lan­ge wie ich sein di­gi­ta­les Ar­beits­ta­ge­buch führt, los ging's im Jahr 2007, er­lebt Wie­der­ho­lun­gen. Bes­ser noch, aus län­ge­ren Pro­jek­ten wer­den Spe­zia­li­sie­run­gen!

Symbolbild Klapprechner
Vor­be­rei­tung im­mer am Rech­ner
Auf dem Schreib­tisch:
⊗ Ak­tu­el­le po­li­ti­sche La­ge
⊗ Agraröko­lo­gie: Mal wie­der Bo­den­ge­sund­heit und Was­ser
⊗ Ter­min­pla­nung
⊗ Kor­rek­to­rat Hör­film­fas­sung

Im Früh­jahr sind noch Ter­mi­ne frei, ger­ne auch Kurz­be­spre­chun­gen per Zoom.

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Illus­tra­ti­on:
pixlr.com (Zu­falls­fund)

Freitag, 14. März 2025

Motivation

Aus dem Ar­beits­all­tag der Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen be­rich­te ich hier, ge­nau­er: Hier schreibt ei­ne Dol­met­sche­rin mit Mut­ter­spra­che Deutsch. Ich ar­bei­te über­wie­gend mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ne­ben Po­li­tik und Wirt­schaft, Kul­tur und So­zia­les ha­be ich mich auch auf Ur­ba­nis­mus und Bau spe­zia­li­siert.

Neu­lich ste­he ich mit einer In­nen­ar­chi­tek­tin in einer frisch ge­kauf­ten Ber­li­ner Alt­bau­woh­nung. Der Be­sit­zer, ein Fran­zo­se, wünscht sich Um­bau- und Ein­rich­tungs­vor­schlä­ge. 

Weiße Dielen, weiße Wand
Eine "weiße Leinwand" (white canvas)
Ich dol­met­sche. Mon­sieur als Auf­takt­sta­te­ment: „Ich hät­te das hier ger­ne sehr ber­li­nisch. Eine ech­te Ber­li­ner Woh­nung.“
 
Die In­nen­ar­chi­tek­tin: „Gut. Was stel­len Sie sich vor?“
Er (au­gen­zwin­kern­d): „Qua­dra­tisch, prak­tisch, gut. Ge­nau so se­he ich Deutsch­land.“
Sie nickt: „Krie­gen wir hin.“

Er zeigt auf den Bo­den, wo die Die­len un­ter­schied­li­che Far­ben ha­ben, hier ist eine brei­te Li­nie aus hel­ler Fich­te ne­ben satt oran­ge­far­be­ne Fich­te. „Was ist denn hier pas­siert?“ Sie sieht ge­nau hin. „Hier stand mal ei­ne Wand. Da war die Toi­let­te …“ und sie zeigt auf zwei schma­len, über­ein­an­der an­ge­ord­ne­te Fens­ter. „Von Spei­se­kam­mer und Toi­let­te.“ Er über­legt und fragt: „Und wo war die Kü­che?“

Sie atmet tief durch und zeigt, wo frü­her die Küche war und wo das hand­tuch­schma­le Klo. Heute gibt es ein fens­ter­lo­ses Bad, das vom Flur ab­geht, die Küche wur­de ver­klei­nert. Die Ar­chi­tek­tin er­klärt ihm, dass es zu­vor kein Bad in der Woh­nung ge­ge­ben ha­be.

Er nickt lang­sam. „Hm, könn­ten wir den Flur­an­teil et­was ver­klei­nern? Und wo sind die Ein­bau­schrän­ke ge­blie­ben?“ Ich über­tra­ge. Die In­nen­ar­chi­tek­tin blin­zelt. Nicht nur ich weiß genau, was er meint. In Frank­reich zäh­len Ein­bau­schrän­ke zur Grund­aus­stat­tung.

Sie so: „Nun, wir kön­nen ja etwas Frank­reich rein­brin­gen …“, und sie schlägt vor, den ent­stan­de­nen zwei­ten klei­nen Flur, den Durch­gang zur an der Fens­ter­sei­te ge­le­ge­nen Küche, mit Wand­schrän­ken zu ver­se­hen und ein Stück Wand weg­zu­neh­men: „Zum Glück ist hier kein tra­gen­des Mau­er­werk.“

„Wie soll denn die Grund­stim­mung sein?“, möch­te sie wis­sen. Mon­sieur dar­auf: „Ich wün­sche mir eine war­me, ge­müt­li­che At­mo­sphä­re.“ „Kein Pro­blem“, meint die In­nen­ar­chi­tek­tin. „Wel­che Far­ben stel­len Sie sich denn vor?" und zückt ei­nen Farb­fä­cher. Er ist schnel­ler: „Son­nen­gelb, Fla­min­go­rot und La­ven­del­blau!“ Ma­da­me: „Wie schön, ich woll­te Ihnen auch gera­de vor­schla­gen, lie­ber Pro­ven­ce­bunt als Ber­lin­grau zu wäh­len. Ber­li­ner Win­ter kön­nen lan­ge dau­ern!“

Wir ge­hen ins Bad. Er zeigt auf die Du­sche. „Könn­te die grö­ßer wer­den? Und mit Re­gen­du­sche?“ Die In­nen­ar­chi­tek­tin mus­tert die Flä­che. „Dann müss­ten wir die Wasch­ma­schi­ne in die Küche ver­la­gern.“ So soll es sein. „Und wa­rum gibt es in deut­schen Woh­nun­gen kei­ne Bi­dets?“ Die In­nen­ar­chi­tek­tin macht sich No­ti­zen, ver­schiebt die Ob­jek­te in Ge­dan­ken, fin­det die per­fek­te An­ord­nung, zeich­net. Al­le lä­cheln.

Dann geht es ins Wohn­zim­mer und das da­hin­ter­lie­gen­de Schlaf­zim­mer. Mon­sieur be­zeich­net das alles als „nackt“. "Ich brau­che prak­ti­sche Lö­sun­gen“, sagt er. „Wie in Paris!“ Die In­nen­ar­chi­tek­tin nickt. „Al­so kom­pak­te Mö­bel?“

„Ja, genau!“, sagt er, „Stau­raum!“. Sie schlägt vor, ein Bett mit viel Stau­raum da­run­ter ein­zu­bau­en und de­cken­ho­he Schrän­ke, dazu eine Lei­ter, um oben noch Sa­chen ver­stau­en zu kön­nen.“ Er strahlt: „Ja, das habe ich letzt­ens in Vogue Li­ving ge­se­hen, so­was ist gut!“ Ma­da­me strahlt zu­rück.

Er: „Ich möch­te mög­lichst viel Platz spa­ren.“ Sie schaut sich im 30-Qua­drat­me­ter-Wohn­zim­mer um, auch hier wurde eine Wand ent­fernt, und auch das Schlaf­zim­mer ist über 20 Qua­drat­me­ter groß. „Das müs­sen Sie doch gar nicht!“

Er wirkt un­si­cher. „Aber ich möch­te den Platz ef­fi­zi­ent nut­zen! Schön wä­re auch ein klei­nes Ar­beits­zim­mer, so eine Art Box, gerne mit Bett da­rü­­ber für meine Gäste. Nicht so ein Mö­bel­haus­hoch­bett, son­dern mit ech­ten Trenn­wän­den und Fens­tern en se­cond jour, mit in­di­rek­tem Licht, hier hin­ten in der Ecke.“ Er greift zum Stift und zeich­net es auf: „Glau­ben Sie, dass so etwas mög­lich ist?“

Die In­nen­ar­chi­tek­tin macht gro­ße Augen. „Ja, das ist mach­bar, und so würde ich es ver­bes­sern“, sagt sie und zeich­net es fer­tig. „Wun­der­bar!“, dar­auf Mon­sieur. Mein Kopf ist ir­ri­tiert, weil in Paris sol­che Lö­sun­gen an der Ta­ges­ord­nung sind.

Nach zwei Stun­den ist er zu­frie­den. Als wir gehen, sagt er zu mir: „Ber­lin ist an­ders als Paris, da muss mehr er­klärt wer­den.“

Ver­mut­lich habe ich ihn ver­wun­dert ge­nug an­ge­se­hen. Prompt lädt er mich zum Essen ein. Ich er­fah­re, dass er sich im Grun­de seine Pa­ri­ser Woh­nung hier nach­bau­en lässt, denn er pen­delt, um in Ber­lin sei­nen klei­nen Sohn zu be­su­chen, der mit sei­ner Mut­ter nach Ber­lin ge­zo­gen ist.

Ich fra­ge ihn, wa­rum er am An­fang et­was von „Ber­li­ner Stil“ ge­sagt ha­be. Er grinst. „Jetzt hat die In­nen­ar­chi­tek­tin das alles mit­ent­wi­ckelt und wird per­fekt sein als Bau­lei­te­rin ih­rer ei­ge­nen Ide­en“, sagt er au­gen­zwin­kern­d.

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Foto: pixlr.com (Zu­falls­fund)

Montag, 10. März 2025

Montagsschreibtisch (81)

Seit 2007 schrei­be ich hier als Dol­met­sche­rin über mei­nen All­tag in der Bran­che. Was und wie Dol­met­scher und Dol­met­sche­rin­nen be­schäf­tigt, wie wir ar­bei­ten, ist kaum be­kannt. Dies möch­ten vie­le von uns än­dern. Mei­nen Teil tra­ge ich mit die­sem Blog bei.

"Fenster" auf dem Computer mit verschiedenen Tastenfeldern für Onlinegespräche
✆ +49 (0) 1523 168 4558
Der März­an­fang war bis­lang über­schau­bar. Die Früh­jahrs­sai­son des Kon­fe­renz­we­sens hat noch nicht be­gon­nen. In Ber­lin war es aber ei­ni­ge Ta­ge lang früh­lings­haft warm. Jetzt ist es wie­der kühl.

Für mich ist das wich­tig, denn seit Mo­na­ten ist un­se­re Hei­zung ka­putt. (Und die Haus­ver­wal­tung lässt uns frieren. Ab und zu den­ke ich, ich soll­te hier ihren Na­men nen­nen.)

Auch in der Po­li­tik schüt­te­le ich oft den Kopf, vor al­lem bei ban­gen Bli­cken in die USA. Und ich über­le­ge mir, wo auch ich mei­ne Kom­fort­zo­ne ver­las­sen muss, um zur Stär­kung der De­mo­kra­tie bei­zu­tra­gen.

Auf dem Schreib­tisch die­se Wo­che:
❊ Wirt­schafts­po­li­tik, Hin­ter­grund und
❊ Vo­ka­bel­lis­ten auf­be­rei­ten
❊ Nach­be­rei­tung Kun­den­ter­min mit In­nen­ar­chi­tek­tin
❊ Kos­ten­vor­an­schlä­ge und Ter­min­pla­nung
❊ On­line-Team­be­spre­chung zur Kon­fe­renz­pla­nung (sie­he Fo­to)

Bald wird hier die Zeit wie­der knapp. Als Teil ei­nes Dol­metsch­teams be­glei­te ich seit über 20 Jah­ren in­ter­na­tio­na­le Ter­mi­ne, hoch­ran­gi­ge Dis­kus­sio­nen, Fach­kon­fe­ren­zen und öf­fent­li­che Ge­sprä­che als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch ⇔ Deutsch.

In den letz­ten Jah­ren ha­be ich mein Tä­tig­keits­feld er­wei­tert und mo­de­rie­re zu­neh­mend auch Ver­an­stal­tun­gen. Los ging es vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert mit Film­ge­sprä­chen der Ber­li­na­le, dann ka­men Li­te­ra­tur­prä­sen­ta­tio­nen und Pres­se­kon­fe­ren­zen hin­zu, in­zwi­schen ha­be ich auch die ers­ten ge­sell­schafts­po­li­ti­schen De­bat­ten als Mo­de­ra­to­rin be­treut. Die Kom­bi­na­ti­on aus sprach­li­cher Prä­zi­si­on und Ge­fühl für die in­halt­li­chen Fein­hei­ten liegt mir sehr.

Dass ich im ers­ten Be­rufs­le­ben Jour­na­lis­tin und im zwei­ten Hoch­schul­do­zen­tin war, hilft mir bis heu­te in der In­for­ma­ti­ons­be­ar­bei­tung und -struk­tu­rie­rung. Ziel und Mit­tel sind im­mer ein- und die­sel­ben: kla­re und le­ben­di­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on.

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Fo­to: C.E.

Samstag, 8. März 2025

Frauentagsgrüße aus Washington

Hal­lo! Hier bloggt eine Sprach­arbei­ter­in. Was Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin­nen und -über­set­zer um­treibt, wenn sie Schwer­punk­te wie Film, Wirt­schaft, Po­li­tik, Kul­tur und So­zia­les ha­ben, le­sen sie hier. Da­ne­ben ar­bei­te ich auch mit der eng­li­schen Spra­che. Der Blick in die USA wirkt im­mer wie­der ver­stö­rend.

Pas­send zum Frau­en­tag: Hier die Black­list mit den ver­bo­te­nen Wör­tern in Trum­pel­tiers be­gin­nen­der Dik­ta­tur, daran halten sollen sich zu­nächst Wis­sen­schaft­le­r:in­nen. Ver­öf­fent­licht hat sie The New York Times. Es gibt auch ei­ne Buch­lis­te, der­zeit wer­den dort Bi­blio­the­ken ge­säu­bert. Die­se Lis­ten soll­ten für uns in Eu­ro­pa als Emp­feh­lungs­lis­te gel­ten.

„Frau“ und „un­ter­re­prä­sen­tiert“ ge­hört eb­en­so zum Ver­bots­wort­schatz wie „zu­gäng­lich“, „Un­ter­schied­lich­keit“, „Ver­tei­di­ger“, „Ba­by stil­len“, „Un­ge­rech­tig­keit“, „Golf von Me­xi­ko“, „aus­ge­schlos­sen“, „his­pa­ni­sche Min­der­heit“, „mar­gi­na­li­siert“, „schwarz“, „LGBTQ“ „trau­ma­tisch“, „Pro­sti­tu­ier­te“, „Un­ter­drüc­kung“, „Bio­di­ver­si­tät“ „Pri­vi­le­gien", „per­so­nen­be­zo­ge­ne Pfle­ge“, „Mi­gran­ten“, „Sex“, „In­klu­si­on“, „ge­fähr­de­te Be­völ­ke­rungs­grup­pen“, „so­zia­le Ge­rech­tig­keit“, „Viel­falt“, „Hass­kom­men­ta­re“ und vie­le mehr.

Das Dol­met­sch­büro wün­scht all­seits ei­nen schö­nen, kämp­fe­ri­schen, son­ni­gen Frau­en­tag!
ac­ces­si­ble, ac­ti­vism, ac­ti­vists, dis­cri­mi­na­ted, dis­cri­mi­na­tion, ad­vo­ca­cy, ad­vo­cate, dis­cri­mi­na­to­ry, dis­pa­ri­ty, di­ver­se, in­clu­si­ve, in­clu­si­ve lea­der­ship, in­clu­si­ve­ness, in­clu­si­vi­ty, in­crease di­ver­si­ty, pri­vi­le­ge, pri­vi­le­ges, pro­mo­te di­ver­si­ty, pro­mo­ting di­ver­si­ty, pro­noun, ad­vo­ca­tes, di­ver­se back­grounds, af­fir­ming care, di­ver­se com­mu­ni­ties, in­crease the di­ver­si­ty, in­di­ge­nous com­mu­ni­ty, pro­nouns, pros­ti­tu­te, all-in­clu­si­ve, di­ver­se com­mu­ni­ty, in­equa­li­ties, race, al­ly­ship, di­ver­se group, in­equa­li­ty, race and eth­ni­ci­ty, an­ti-ra­cism, an­ti­ra­cist, di­ver­se groups, in­equi­ta­ble, ra­cial, di­ver­si­fied, in­equi­ties, ra­cial di­ver­si­ty, as­si­gned at birth, as­si­gned fe­ma­le at birth, as­si­gned ma­le at birth, di­ver­si­ty, di­ver­si­fy, in­equi­ty, ra­cial iden­ti­ty, di­ver­si­fy­ing, in­jus­ti­ce, in­sti­tu­tio­nal, en­han­ce the di­ver­si­ty, in­ter­sec­tio­nal, at risk, bar­ri­er, bar­ri­ers, be­long, bi­as, en­han­cing di­ver­si­ty, en­vi­ron­men­tal qua­li­ty, key groups, e­qual op­por­tu­ni­ty, key peo­ple, e­qua­li­ty, key po­pu­la­tions, bi­a­sed, bi­a­sed to­ward, bi­a­ses, e­qui­ta­ble, La­tinx, e­qui­ta­ble­ness, LGBT, e­qui­ty, LGBTQ, bi­a­ses to­wards, eth­ni­ci­ty, mar­gi­na­li­ze, bio­lo­gi­cal­ly fe­ma­le, ex­clu­ded, mar­gi­na­li­zed, bio­lo­gi­cal­ly ma­le, ex­clu­si­on, men who have sex with, in­ter­sec­tio­na­li­ty, ra­cial in­equa­li­ty, ra­cial jus­ti­ce, ra­cial­ly, ra­cism, se­gre­ga­ti­on, sen­se of be­lon­ging, sexua­li­ty, so­cial jus­ti­ce, so­cio­cul­tu­ral, so­cio­eco­no­mic, sta­tus, sex, BIPOC, ex­pres­si­on, men, ste­reo­ty­pe, Black, fe­ma­le, men­tal health, ste­reo­ty­pes, breast­feed + peo­ple, fe­ma­les, mi­no­ri­ties, sys­te­mic, breast­feed + per­son, fe­mi­nism, mi­no­ri­ty, sys­te­mi­cal­ly, chest­feed + peo­ple, fos­te­ring in­clu­si­vi­ty, most risk, they/them, chest­feed+per­son, GBV, MSM, clean ener­gy, gen­der, mul­ti­cul­tu­ral, cli­ma­te cri­sis, cli­ma­te sci­ence, com­mer­cial sex wor­ker, com­mu­ni­ty di­ver­si­ty, com­mu­ni­ty e­qui­ty, con­fir­ma­ti­on bi­as, cul­tu­ral com­pe­tence, cul­tu­ral dif­fe­ren­ces, cul­tu­ral he­ri­ta­ge, cul­tu­ral sen­si­ti­vi­ty, gen­der-ba­sed, gen­der-ba­sed vio­lence, Gulf of Me­xi­co, ha­te speech, health dis­pa­ri­ty, Mx, Na­ti­ve A­me­ri­can, trans, trans­gen­der, trans­sexual, trau­ma, gen­der di­ver­si­ty, non-bi­na­ry, trau­ma­tic, gen­der iden­ti­ty, non­bi­na­ry, tri­bal, gen­der ideo­lo­gy, op­pres­si­on, un­con­scious bi­as, gen­der-af­fir­ming care, op­pres­si­ve, gen­ders, o­ri­en­ta­ti­on, peo­ple + ute­rus, peo­ple-cen­te­red care, per­son-cen­te­red, per­son-cen­te­red care, un­de­rap­pre­cia­ted, un­der­pri­vi­le­ged, un­der­re­pre­sen­ta­ti­on, un­der­re­pre­sen­ted, un­der­ser­ved, cul­tu­ral­ly ap­pro­pria­te, health e­qui­ty, un­der­va­lued, cul­tu­ral­ly re­spon­si­ve, his­pa­nic mi­no­ri­ty, po­la­ri­za­ti­on, vic­tim, DEI, DEIA, DEIAB, DEIJ, his­to­ri­cal­ly, po­li­ti­cal, vic­tims, i­den­ti­ty, pol­lu­ti­on, im­mi­grants, preg­nant peo­ple, di­sa­bi­li­ties, di­sa­bi­li­ty, im­pli­cit bi­as, im­pli­cit bi­a­ses, in­clu­si­on, preg­nant per­son, preg­nant per­sons, pre­ju­di­ce, vul­ne­ra­ble po­pu­la­tions, wo­men, wo­men and, un­der­re­pre­sen­ted
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Lis­te zi­tiert nach: New York Ti­mes

Freitag, 7. März 2025

Men on fire

Was Dol­met­sche­rin­nen und Über­setze­rin­nen tag­ein, tag­aus be­schäf­tigt, wie wir ar­bei­ten, na­türlich auch Dol­met­scher und Über­set­zer, kön­nen Sie hier mit­le­sen. Ich be­ob­ach­te von Be­rufs we­gen un­se­re Zeit sehr ge­nau, denn ich muss ja von jetzt auf gleich im­stan­de sein, alle mög­li­chen Men­schen mit den ent­spre­chen­den Vo­ka­beln "zu ver­to­nen".
Männer mit Feuerhaar
Wer hat die bloß al­le an­ge­zün­det?

Sich zu bil­den ge­hört zu mei­nem Be­rufs­all­tag. Mei­ne Quel­len sind: in­ter­na­tio­na­le Pres­se (meh­re­re Abos, z.T. on­li­ne), aus­län­di­sche Rund­funk­me­di­en, Pod­casts, Vor­le­sungs­reihen, Hoch­schul­kon­fe­ren­zen, die im Netz zu­gän­glich sind, Bi­blio­the­ken. Ich ge­he re­gel­mä­ßig auch zu di­ver­sen Ver­an­stal­tung­en. Und ich schrei­be Vo­ka­beln auf und über­le­ge mir Über­tra­gun­gen.
"Der wahr­schein­li­che Bald-Bun­des­kanz­ler" höre ich in den Nach­rich­ten. Schla­ge eine Ab­kür­zung vor: der WBBK.

In mei­nem Freun­des- und Kol­le­gin­nen­kreis wächst die Un­mut über den Wahl­au­s­gang und die 180-Grad-Wen­de des WBBK. Ein Haupt­kri­tik­punkt ist der, dass das Per­so­nal, das mit dem Akro­nym­mann kom­men soll, sich wie­der­holt durch sub­op­ti­ma­le Ver­wen­dung von Geld­mit­teln aus­ge­zeich­net hat, um das De­sas­ter nur an­zudeu­ten, ich sa­ge nur Au­to­bahn­maut, und dass die an­de­ren Par­tei­en Per­so­nal ge­habt hät­ten, das deut­lich sel­te­ner 'schrä­ge' Schlag­zei­len lie­fert. Vor al­lem ha­ben auf­grund der Knapp­heit, mit der die Wahl an­be­raumt wur­de, sehr vie­le Aus­lands­deut­sche nicht mit­wäh­len kön­nen: Die Wahl­un­ter­la­gen ha­ben es nicht recht­zei­tig hin- und wie­der zu­rück­ge­schafft.

Die Zei­ten sind er­schre­ckend. Zum drit­ten Mal seit 1945 und '89 knallt die Welt­ord­nung des Wes­tens aus­ein­an­der, zum ers­ten Mal seit '45 die Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur. Mi­l­itärische Be­dro­hung do­mi­niert die Schlag­zei­len, ag­gres­sive Clowns sind in wich­ti­gen Staa­ten an der Macht. Das Aus­maß konn­ten in­for­mier­te Men­schen ab­se­hen, aber auch die ha­den die Aus­wir­kun­gen und das Tem­po un­ter­schätzt.

Vor al­lem er­schreckt mich, dass die dräng­ends­te Fra­ge der Mensch­heit nie­mand mehr im Blick zu ha­ben scheint, als da wä­ren: die Kli­ma­ka­tas­tro­phe, das Ar­ten­ster­ben, die in­dus­triel­­le Zer­stö­rung der Bio­di­ver­sität, de­ren Teil wir sind und von der wir le­ben, so­wie die im­mer größer wer­de­nde so­zia­le Un­gleich­heit, gras­sie­rende Ar­mut, aber auch Bil­dungs­armut in sämt­li­chen Schich­ten der Ge­sell­schaft, was die Pro­pa­gan­dis­ten der Ex­tre­me stärkt und die La­ge wei­ter zu ver­schlim­mern droht.

Und ko­misch: Seit Mag­gie That­cher hat­ten wir kei­ne Frau mehr un­ter den Kriegs­trei­bern. Was ist mit den Ker­len los?

Wort­feld ak­tu­el­le Po­li­tik
la dis­sua­sion ato­mi­que — die ato­ma­re Ab­schre­ckung
le pa­ra­pluie ato­mi­que (... les pays qui sont do­tés d'un p.a.) — der ato­ma­re Schutz­schirm (... Län­der, die über ei­nen a. S. ver­fü­gen)
ogi­ves nu­clé­ai­res  — Atom­spreng­köpfe dé­clen­cher
dé­clen­cher le feu ato­mique, 1ère frappe nucléaire  — Erst­schlag (wörtlich: das ato­ma­re Feu­er)
sous-marins plus fur­tifs  —  be­weg­li­cher und ge­hei­mer na­vi­ge­ren­de U-Boote (wört­lich: "flüch­ti­ge")
le brouil­lard stra­té­gique  —  stra­te­gisch mo­ti­vier­te Un­klar­hei­ten (wört­lich: "Ne­bel")

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Fo­to: pixlr.com (Zu­falls­fund) 

Dienstag, 4. März 2025

Verwaltung

Meine Haupt­ar­beits­spra­che ist Fran­zö­sisch, ich dol­met­sche in bei­de Rich­tun­gen (oder aus dem Eng­lischen ins Fran­zö­sische). Deutsch ist mei­ne Mut­ter­spra­che und bei Tex­ten meis­tens auch die Ziel­spra­che. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt ins Eng­lische. Wir le­ben in Deutsch­land, des­sen Re­gie­run­gen, so die of­fi­zi­el­le Le­se­art, den Bü­ro­kra­tie­auf­wand re­du­zie­ren möch­te.

Lernsituation
Tja, Deutsch­land er­säuft in Do­ku­men­ta­tions­pflich­ten und der Ver­wal­tungs­an­teil wird im­mer grö­ßer. Da­für ha­ben wir Ge­set­ze mit schö­nen Na­men wie "Bü­ro­kra­tie­ent­las­tungs­ge­setz", Num­mer vier­t ist im Ja­nu­ar in Kraft ge­tre­ten.
Man­che Än­de­rung ist äl­ter. Aus dem Steu­er­bü­ro kam die Mit­tei­lung über die Ge­set­zes­än­de­rung zu Ar­beits­zim­mern: Das Ge­setz hat sich in Be­zug auf das Ar­beits­zim­mer geän­dert: die be­schrän­k­te Ab­zugs­mög­lich­keit bis zu 1.250,00 € ist ab 2023 ent­fal­len.

Sie kön­nen nun die Home-Of­fice-Pau­schale in Hö­he von 6,00 € pro Tag, an dem Sie im Home-Of­fice ge­ar­bei­tet ha­ben, gel­tend ma­chen, egal, ob Sie an die­sem noch zu Dol­met­sch­kun­den ge­fah­ren sind oder nicht. Die­se Pau­schale ist auf 210 Ar­beits­ta­ge, max. 1.260,00 € ge­deck­elt. Bit­te tei­len Sie uns mit, an wie vie­len Ta­gen Sie im Home-Of­fice ge­ar­bei­tet ha­ben.


Ich ar­bei­te je­den Tag, den ich in Ber­lin bin, ei­nige Stun­den lang dort, auch sams­tags, sonn­- und fei­er­tags. Dann gibt es Pfle­ge­wo­chen, in de­nen ich nicht ein­mal in Ber­lin bin, son­dern in je­der auch noch so kur­zen Pau­se am Schreib­tisch bei mei­ner Mut­ter sitze. Und dann gibt es Mo­na­te wie die­se, in de­nen mei­ne Haus­ver­wal­tung es nicht ge­ba­cken be­kommt, so was Ein­fa­ches wie ei­ne Hei­zungs­rei­ni­gung, -re­pa­ra­tur bzw. -er­neu­e­rung durch­zu­füh­ren, so war die Ent­wick­lung über fünf Mo­na­te, in de­nen es mir oft zu kalt ist, um mich dort län­ger auf­zu­halten. Ich ho­le also Bü­cher, Ak­ten, Schreib­ma­te­rial ... und sit­ze dann in der Küche oder hin­ten in der Kam­mer, die leich­ter mit Herd oder E-Lüf­tern zu hei­zen sind. Wie dem auch sei, das Ar­beits­zim­mer kann ich trotz­dem nicht ein­fach "weg­zau­bern".

Sorry, aber die­se neue gesetzliche Pflicht ist be­scheu­ert. Hier wird un­nö­ti­ger Da­ten­müll ge­schaf­fen, der oh­ne­hin kei­ner Über­prü­fung stand­hält. Na gut. Ich le­ge mir ei­ne neue Ka­len­der­über­sicht an. Är­ger­lich fin­de ich es trotz­dem.

Er­in­nert mich va­ge an die­se Sa­che mit der An­rech­en­bar­keit ei­nes Kin­der­zim­mers bei ei­ner an Long Covid er­krank­ten Ma­ma mit ge­teil­tem Sor­ge­recht. Sie be­kam Un­ter­stüt­zung für ih­ren Le­bens­un­ter­halt, ich weiß nicht mehr, ob es hier um die Kran­ken­kasse, die BfA oder das Ar­beits­lo­sen­amt ging. Plöt­zlich woll­te ihr die Be­hör­de den Miet­an­teil für das Zim­mer ih­res Soh­nes nicht mehr für je­ne Ta­ge über­wei­sen, an de­nen das Kind beim Va­ter war (oder die Mut­ter im Kran­ken­haus bzw. zur Kur). Sie kann doch das Zim­mer bzw. die Kos­ten für das Zim­mer nicht ein­fach so weg­zau­bern?

Wie war das doch gleich noch mit der Ver­rin­ge­rung der Bü­ro­kra­tie?

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Il­lus­tra­tion: pixlr.com (Zu­falls­fund) 

Montag, 3. März 2025

Montagsschreibtisch (80)

Bien­ve­nue auf den Sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­te­rin. Wie Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zer, Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher ar­bei­ten, kön­nen Sie hier mit­le­sen. Mei­ne Spra­chen sind Fran­zö­sisch und Eng­lisch (das Idi­om Shakes­peares nur als Aus­gangs­spra­che).) 

Mon­tag­mor­gen mit Son­ne, Piep­matz­ra­batz, aber auch mit kal­ten Tem­pe­ra­tur­en: Das Früh­jahr mit ech­tem Früh­jahrs­wet­ter wird drin­gend her­bei­ge­sehnt, vor al­lem bei die­sem dro­hen­den kal­ten Krieg 2.0. Wenn denn Wün­schen hel­fen wür­de ...

Ruhigs­ter und kleins­ter Ar­‍beits­‍platz im Haus
Erst­mal lüf­ten und küh­len Kopf be­wah­ren. Ich sit­ze im kleins­ten Raum, noch im­mer oh­ne Hei­zung, weil vorne mal wieder ge­baut wird. Was steht die Wo­­che an?

❦ – Kostenvoranschläge
❦ – Korrektorate Drehbuch und Filmförderantrag

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Foto: C.E. (Archiv)

Samstag, 1. März 2025

Diplomatisches Fiasko

Hal­lo! Sie ha­ben zu­fäl­lig oder be­wusst ei­ne Sei­te mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs auf­ge­schla­gen. Ich bin Dol­met­sche­rin und Über­set­ze­rin für Po­li­tik, Wirt­schaft und Land­wirt­schaft, Me­di­en, So­zia­les und Kul­tur.

Ei­gent­lich hat­te ich uns ein lang­wei­li­ges Jahr ge­wünscht, wohl ah­nend, dass es da­zu nicht kom­men wür­de.

Gespräch vor Kamin, zwei Männer
Ein Bild für Lehr­bü­cher (ver­frem­det)
Jetzt reiht sich ein his­to­ri­scher Tag an den nächs­ten. Ge­fühlt ist 2025 schon so viel pas­siert wie sonst in ei­nem Jahr ... oder in fünf.
Dass mit "DDT" in Über­see ei­ne tox­i­sche Per­sön­lich­keit an der Macht ist, dürf­te spä­tes­tens jetzt al­len klar sein.

Of­fen­sicht­lich legt er und sei­ne En­tou­ra­ge auch kei­nen Wert auf di­plo­ma­ti­sche Ge­pflo­gen­hei­ten. Auch wenn der ukrai­ni­sche Prä­si­dent durch­aus gut Eng­lisch spricht, so wä­re hier der Ein­satz von Dol­met­scher:in­nen ein Dämp­fer ge­we­sen, hät­te Raum für Be­denk­zeit ge­schaf­fen, Zeit, Mimik und Ge­bär­den zu ana­ly­sie­ren und ei­nen Plan B für die Au­ßen­wir­kung zu ent­wi­ckeln. Hier wur­de ge­gen üb­li­che Ge­pflo­gen­hei­ten ver­sto­ßen. (Beim Tref­fen mit dem fran­zö­si­schen Staats­chef wa­ren Kol­leg:­in­nen an­we­send.)

Das Set­ting war von An­fang an (be­wusst) falsch ge­wählt. Im nicht ganz run­den Büro (ich las­se den Na­men be­wusst weg, um den Tä­tern nicht noch mehr Reich­wei­te zu ver­schaf­fen) wer­den nor­ma­ler­wei­se kei­ne Pres­se­kon­fe­ren­zen ab­ge­hal­ten. In die­sen Raum ha­ben TV-Ka­me­ras ei­gent­lich nur zu zwei Zwe­cken Zu­tritt: für die Auf­zeich­nung von An­spra­chen oder ei­nes kur­zes Hand­shakes, das mehr oder we­ni­ger wort­los ge­schieht. Für Pres­se­kon­fe­ren­zen gibt es ei­nen ge­son­der­ten Raum. Dort wird ver­laut­bart, was im Vor­feld ab­ge­spro­chen wor­den ist.

So läuft die Ent­schei­dung, hier vor der in­ter­na­tio­na­len Pres­se zu ver­han­deln (und sich spä­ter zu strei­ten), von An­fang an den di­plo­ma­ti­schen Ab­läu­fen zu­wi­der. Es sieht aus, als sei al­les so or­ga­ni­siert wor­den, um den Gast mög­lichst stark zu ver­un­si­chern. Auch das un­ge­wöhn­lich hohe Auf­ge­bot an Ver­tre­tern des Gast­ge­ber­lan­des ge­gen­über ei­ner ein­zel­nen Per­son ist auf­fäl­lig: Dass der Vi­ze­prä­si­dent, der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter und aus­ge­wähl­te Pres­se an­we­send wa­ren, ent­spricht nicht der üb­li­chen Pra­xis.

Wir se­hen hier deut­lich, wohin es führt, wenn ein Land wie ei­ne Fir­ma ge­führt wird, mit ei­nem Chef, der zu­dem ein ver­ur­teil­ter Straf­tä­ter ist und frü­her ei­ne TV-Show mo­de­rier­te, in der es dar­um ging, Men­schen ein­zu­stel­len oder aus­zu­sor­tie­ren. In bester Ma­fia-Ma­nier wur­de hier je­mand ab­ge­kan­zelt, laut­stark ver­bal ge­nö­tigt, kör­per­lich be­drängt. Sol­che Sze­nen sind aus der der west­li­chen Welt noch nie in den Nach­rich­ten zu se­hen ge­we­sen, seit es Fern­se­hen gibt.

"You are fired!" hat DDT nach dem Mee­ting zwar nicht ge­sagt, aber die Welt­öf­fent­lich­keit dürf­te ge­nau das ge­dacht ha­ben, vor al­lem, als er die La­ge am En­de mit "This is going to be great te­le­vi­sion" kom­men­tier­te. Er­schwe­rend kommt hin­zu, dass auch sein Vis-à-vis kei­ne klas­si­sche po­li­ti­sche Kar­rie­re von der Pi­ke auf ge­macht hat, son­dern zu­nächst als Schau­spie­ler vor Ka­me­ras stand. Mit der Här­te in­ter­na­tio­na­ler Po­li­tik war er kon­fron­tiert, als plötz­lich der Nach­bar krie­ge­risch in sein Land ein­fiel.

Als Dol­met­sche­rin wer­te ich nicht, son­dern ha­be ei­ne pri­va­te Mei­nung. Und wenn ich wie­der Zeit ha­be, wer­de ich mir das knapp ein­stün­di­ge Tref­fen in vol­ler Län­ge an­se­hen (Link hier). Wer je­doch S. heu­te für sein Ver­hal­ten kri­ti­siert (wie Tei­le der bür­ger­li­chen Pres­se und ei­ni­ge Po­li­ti­ker), über­sieht, dass T. die un­an­ge­mes­se­ne und völ­lig un­pas­sen­de Si­tua­ti­on erst her­beig­e­führt hat. (Es wirkt wie ein schlech­tes Film­script.)

Und ich stel­le fest, dass hier zu­nächst bran­chen­frem­de Per­so­nen die Rol­le von Po­li­ti­kern über­neh­men und dass sich Po­li­ti­ker, seit TV-De­bat­ten all­abend­lich über die Bild­schir­me flim­mern, im­mer mehr zu Show­fi­gu­ren ent­wi­ckelt ha­ben. Changing times — mit Fol­gen, die sich be­reits er­ah­nen las­sen. Ich hat­te uns ein lang­wei­li­ges Jahr ge­wünscht.

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Il­lus­tra­ti­on: Pixlr.com