Die Wählscheibe
So ein Telefon mit Wählscheibe war fast so schwer wie ein Ziegelstein, schwarz wie die Nacht oder grau wie ein Amtsflur, mit einer Schweineschwänzchenkringelschnur, die die Bewegungsfreiheit auf einen Meter beschränkt hat.
Und so wird derlei benutzt: Finger in das entsprechende Loch stecken, bis zum Anschlag drehen und loslassen. Dann rattert die Scheibe zurück, und das Geräusch gehörte zu den ehrlichsten der Welt, so meditativ wie eine Katze. Dann erst kam die nächste Zahl dran.
Die Eins war schnell erledigt. Die Null hat gedauert, und wer eine Vorwahl mit vielen Nullen hatte, bekam Extrazeit zum Zurechtlegen der Wörter.
Heute hat kein Telefon mehr eine Wählscheibe, aber wir wählen immer noch. Wir legen auf, obwohl nichts mehr aufgelegt wird, und wir klingeln durch, obwohl nichts mehr klingelt. Die Sprache ist das letzte Museum, in dem das Telefon von damals weiterschnurrt.
Und dann die Stimmen! Die Telefonauskunft, die jede Nummer wusste und dabei klang, als hätte sie noch nie in ihrem Leben eine Gefühlsregung gehabt. Und die Zeitansage, die ohne Atem, ohne Zögern und ohne jede Betonung verkündete, wie spät es war, die war schon damals automatisiert. Beim nächsten Ton ist es ...! Pieeeep!
Diese Stimmen waren so monoton, dass sie schon wieder eine eigene Farbe hatten: Tiefstensgrau.
Wer so spricht, spricht telefonauskunftsneutral. Oder, noch strenger und automatischer: telefonuhrzeitansageneutral.
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Idee: H.F.
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