Dienstag, 30. Oktober 2007

Rauchfrei in Berlin

Deutschland steht eine große Veränderung bevor, die auch für Berufssprecher, wie wir Dolmetscher es sind, große Auswirkungen haben wird: viele öffentliche Orte sollen (endlich!) rauchfrei werden.

Das ist eine wunderbare Nachricht. Meine Stimme leidet nämlich, wenn ich mich, was gelegentlich geschieht, aus beruflichen Gründen in einem verrauchten Raum aufhalte - am nächsten Tag klinge ich wie 30 Jahre "french breakfast" (le journal, un exprès et une clope - Zeitung-Espresso-Fluppe) oder wie Zarah Leander d'outre-tombe (aus einem literarischen Jenseits). Und ich habe sowas wie einen Kater.

Mich hat die Qualmerei an öffentlichen Orten jahrelang in meinem Sozialverhalten geprägt. Ich bin kein Fan von Kneipen im Winter, liebe private Räume.
Rauchfreie Cafés waren lang in Berlin selten. Dieser Tage sucht ein Kolleginnenkreis einen solchen.

Die Favoriten hier:
Teehaus Aurum in der Schönberger Akazienstraße, macht allerdings schon um 22 Uhr zu. Der Link hierzu, über den man zu weiteren Lokalitäten gelangt.

Einer meiner (rauchfreien) Lieblingsorte liegt in der historischen Mitte Berlins, es ist die tadschikische Teestube, die ich nicht nur wegen des selbst erfundenen Sprichworts mag: "Mit französischen Filmfreunden in der tadshikischen Teestube über die anamorphotische Vorsatzlinse sprechen!"

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Symbolisch

In Australien gibt es ein offizielles Signet für Dolmetscher, das im öffentlichen Raum Verwendung findet. Hier sind die Bürger Kunden, die Verwaltung wird Dienstleistung genannt, und wer sprachlich Probleme hat, kann nach einer Dolmetscherin oder einem mehrsprachigen Mitarbeiter fragen. Echte Multikulturalität.


Mir gefällt's.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Übersetzen ist Handwerk ...

... dennoch meinen immer mehr Firmen, dass ihnen dieses Maschinen abnehmen können.

Ein nettes Beispiel für "machine translation" fand eine Kollegin. Danke, Ina!
Shanghai ist einer der populärsten touristischen Punkte in der Welt. Jedes Jahr kommen Touristen zu dieser wundervollen Hauptstadt und haben einen Knall während ihrer Ferien. Die durchschnittliche Temperatur von Shanghai schwebt um ungefähr 15.7 Grad Celsius. Sommer erfahren reißenden Regen ziemlich häufig. Aber die Jahreszeit empfängt häufiges buchstabiert vom Regen, und die Temperatur verändert auch sich. Fall- oder Herbstanfänge im September. Duschen sind weniger wahrscheinlich und die Temperatur ist auch während dieser Jahreszeit ziemlich mild.
Das war ein Ausschnitt. Der Text in seiner ganzen Pracht hier.

Freitag, 19. Oktober 2007

Dabei und danach

Strasbourg, die Zweite. Und zu müde für einen Kommentar. Wie sind Dolmetscherinnen privat? Nicht immer gesprächig (click to enlarge).

Aufräumen, abheften, noch ein paar Vokabelerkentnisse in die Tabelle eintragen und aus die Maus. Morgen weiter, Nachbereitung ist sehr wichtig.

Portrait: Jean-Louis Besombes

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Vor der Arbeit

Wir sind in Strasbourg. Hier sind an die zweihundert Lehrer, Kinobetreiber, Dozenten und Fortbilder zusammengekommen, um drei Tage gemeinsam zu arbeiten. Titel der Tagung, der zugleich der Name des veranstaltenden Vereins ist, lautet "les enfants du cinéma" - die Kinder des Kinos.

Als Dolmetscher tragen wir mit unseren Fähigkeiten zu den Arbeiten bei - ein halber Tag ist der Entwicklung von Filmpädagogik an deutschen Schulen gewidmet. Darauf bereiten wir uns gründlich vor. Da ich von Haus aus Filmwissenschaftlerin bin, nehme ich sogar an der ganzen Konferenz teil. Standesgemäß tagen wir in einem Kino: Filme, Vorträge, Diskussionen, Arbeitsgruppen - das Programm lässt uns kaum Pausen zum Durchatmen. Nur morgen geht es an einen anderen Ort. Wir tagen in einem Sitzungssaal des Europäischen Parlaments, vermittelt durch die Schirmherrin der Tagung, die Abgeordnete Catherine Trautmann, einige Jahre Bürgermeisterin der Stadt und französische Kulturministerin. Es ist das erste Mal, dass ich das Parlament betrete, und hier arbeiten zu dürfen freut mich schon jetzt.

Trotz der vielen Programmpunkte schaffen wir es kurz, uns dort am Vorabend die technischen Einrichtungen anzusehen. José, ein spanischsprachiger Techniker, weist mich ein. Die Dolmetscherkabine, eine von vielen, ist groß wie ein Zimmer, hat vier Plätze und ist mit der neuesten Technik ausgestattet. "Ein Rolls unter den Kabinen" wird Olivier von "enfants du cinéma" später kommentieren. José, der Haustechniker, sieht das lakonischer: "Die Parlamentsdolmetscher haben viel Macht. Hier ist alles immer auf dem neusten Stand."

Zurück ins Hotel, Vokabeln pauken, auch nach Jahren im Filmbereich gibt's immer noch welche, die nicht im Schlaf gleichermaßen in beide Richtungen sitzen: Einsaal-Kino - salle à mono-écran, Legetrickanimation - silhouettes animées usw.

Montag, 15. Oktober 2007

Manuskripte

Nächsten Freitag dolmetschen wir in Strasbourg. Der Veranstalter bat alle Teilnehmer, uns ihre Manuskripte zu schicken. Das hatten wir uns gewünscht, es birgt aber eine Gefahr. Daher meine Mail:
Liebe Rednerinnen und Redner,
in Ergänzung der Mail von E.A., hier die Information, dass es uns bei unserem Manuskriptwunsch nicht um einen bis ins letzte ausformulierten Vortrag geht, sondern dass Notizen, ein Konzept oder ein früher veröffentlichter Text die ideale Vorbereitung darstellen, von der aus wir Dolmetscher uns dann selbständig einarbeiten. Denn bei fertig Ausformuliertem besteht ja auch immer die Gefahr, dass der Text dann wörtlich und schneller als Sprechgeschwindigkeit abgelesen wird - auch das gilt es zu vermeiden.

Am liebsten sind uns Redner, die ihre Gedanken nach (vorab gelieferten) Stichpunkten nachvollziehbar entwickeln, so dass wir uns ausreichend lang und in der Tiefe mit dem jeweiligen Gebiet vertraut machen können.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und ebenso Dank für die ersten Notizen, die bereits eingegangen sind!

Viele Grüsse aus Paris,
C.E.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Fliegender Wechsel

... und weiter geht's mit den jungen Berlingästen unseres Auftraggebers. Heute sind wir in Potsdam im Restaurant an der Mühle, gleich geht's auf Schlössertour.

Beim politischen Hintergrundgespräch im Séparé lassen wir es uns schmecken, die Gäste, die Programmbetreuung, der Redner und wir Dolmetscherinnen. Heute keine Technikprobleme, wir haben eine andere Anlage besorgt.

Der Redner entschuldigt sich - auch bei uns. Es sei ja eigentlich eine Unsitte, dass selbst die Essenszeit mit Vorträgen und Gesprächen zugepackt seien, und er hätte ja leider selbst dazu beigetragen und die mobilen Dolmetschanlagen immer befürwortet. Und so müssten nun wir, die Dolmetscherinnen, umschichtig essen. Da im Anschluss kein Dolmetschtermin mehr folgt, verlegen wir unsere Pause eben in die Nachmittagsstunden. Und jede darf einmal bei einem Gang mit den anderen essen, und beim Dessert sind wir eh bei kleinen Gesprächsgruppen angelangt.

Was es gab? Ich erinnere mich noch an Fisch, Sauerkraut und Senfsauce - ob die rustikalen letztgenannten Ingredienzien meines Mahls zum sehr feinen Fisch passten, konnte ich dann nicht mehr mit mir selbst klären.. Dafür weiß ich, wann Kerstin aufgegessen hatte und neben mir steht und das Mikrophon ergreift. Ich hatte gerade gedolmetscht: "Seit 1990", da übernimmt sie Anlage und angefangenen Satz, "also etwa seit dem Mauerfall, haben sich die Zahlen ..."

Mir gegenüber sitzt Stéphane, beobachtet uns mit einem Augenzwinkern, wünscht mir guten Appetit und fragt uns nachher, ob wir uns schon seit dem Studium kennen würden. Nein, eigentlich erst seit drei Jahren. Aber wir sind uns ähnlich im Anspruch, im Arbeitsstil und der guten Laune.

Montag, 8. Oktober 2007

Power!

Wir arbeiten für Filmproduktionen und Festivals, Unis, Verbände und Stiftungen im In- und Ausland. Heute ist es mal wieder so weit: eine Delegation steht ins Haus. Einer unserer Kunden bekommt Besuch aus dem frankophonen Ausland. Acht politische Nachwuchskräfte dürfen wir jetzt drei Tage lang begleiten - durch Vorträge, Gespräche, Analysen ... und das eine oder andere Rendez-vous mit der deutschen Geschichte.

Um neun geht's im kleinen Konferenzsaal los, alle haben ihre Kopfhörer auf - und Kerstin und ich sitzen einmal nicht in der Kabine. Bei einer so kleinen Gruppe arbeiten wir mit einer "Personenführungsanlage", das heißt, die Gäste sitzen um einen Konferenztisch und wir mit dabei. Manchmal gehen wir zum Dolmetschen in eine Ecke, vertreten uns ein wenig die Beine oder stellen uns direkt hinter Redner, um ihnen die Übersetzung von Fragen aus dem Publikum zuzuflüstern.

Aber eins nach dem anderen: Erst Grußworte und Danksagungen, dann wird das Wochenprogramm besprochen. Nach einer Stunde das erste Rauschen in de Kopfhörern. Wir tauschen ihn aus, die Batterie ist wohl alle. Fünf Minuten später ist der nächste fällig. Wir ahnen: die hauseigene Anlage, nunmehr seit fünf Jahren in Betrieb, beginnt zu schwächeln. Leider geht das mit dem Austauschen munter so weiter, so dass immer eine von uns dolmetscht, die andere Kopfhörer wechseln geht.

Nach einer Stunde sind wir mit den Geräten durch, der zweite Koffer wird geholt, alles andere wandert an den Akku. Sie ahnen es vielleicht: nach wieder einer Stunde war der dritte Koffer fällig.

Des Rätsels Lösung: Die Koffer mit Steckplätzen für die Kopfhörer hatte niemand in der Nacht zuvor an die Steckdosen angeschlossen. Es war schlicht vergessen worden. Außerdem ist das Material wirklich zur Hälfte nicht mehr funktionsfähig gewesen, aber niemand hatte sich Zeit genommen und die defekten Geräte aussortiert.

Wir haben dann alle fast Dolmetschformen aufs Mal präsentiert, Fragen aus dem Publikum per Flüsterdolmetschen, mal semi-konsekutiv für eine kleine Gruppe (die übergangshalber hörerlos war), mal richtig konsekutiv für alle - und irgendwann war ein Teil der Geräte auch wieder nachgeladen.

Und die Moral von der Geschicht': Wer solche Dolmetscherkoffer besitzt als Einrichtung, sollte jemanden fest mit Wartung und Vorbereitung beauftragen. Alles andere macht unnötigen Stress.

Wie die frankophonen Gäste reagierten? Schmunzelnd. "Tse-tse", neckten sie uns, "von wegen deutsche Technik unkaputtbar und Pflichterfüllung, ach so! Aber das macht Euch nur noch sympathischer."
Wir haben dazu fein gelächelt.

Freitag, 5. Oktober 2007

Wer nicht hören will, darf ... hören lernen!

Eben lese ich ein Berliner Stadtmagazin, das über die vielen Promis aus Hollywood berichtet, die zu Filmarbeiten herkommen, da erhalte ich eine Anfrage aus Paris: Ein französischer Schauspieler soll kommendes Frühjahr in Berlin drehen, er spielt einen Franzosen, der mit den Alliierten herkam und der aus Liebe zu seiner deutschen Frau hierblieb. Das Problem: Der Schauspieler aus Paris hatte Deutsch in der Schule, und das war's dann auch schon fast. Die Castingfrau aus Paris sagt, er hätte eine sehr harte französische Aussprache (un accent à couper au couteau, mit dem Messer zu schneiden so dick) und sei vor allem durch einen weiteren Deutschlernversuch demotiviert.

Der eine Teil des Problems lässt sich phonologisch erklären: Der Mensch kann nur das aussprechen, was er/sie wahrnimmt. Das kommt daher, dass sich das Gehör im Moment des Erlernens der Muttersprache auf die Frequenzen, Laute und Sprachmelodie der betreffenden Sprache “einschießt”. Und da gibt es zwischen Französisch und Deutsch nun mal klare Unterschiede. Der zweite Punkt ist auch verständlich; es geht also für den Schauspieler auch darum, Spaß beim Lernen (wieder)zugewinnen.

Es gibt Hoffnung. Für Opernsängerinnen entwickelte der Pariser HNO-Arzt Alfred Tomatis schon in den späten 50er Jahren das “elektronische Ohr”, mit dem der Hörende über das sogenannte “Knochenhören” bzw. Lauschen verfremdeter Akustiken (Musik, z.B. Mozart, Gregorianik oder die Stimme der eignen Mutter) wieder in eine Hörtrainingsphase kommt, die der frühkindlichen, sogar embryonalen, nicht unähnlich ist. Der Gehörsinn wird angeregt, die entsprechende Hirnaktivität gefördert, was zu differenzierten Hörleistungen führt, und die wiederum haben als Ergebnis, dass der Betreffende besser moduliert (denn das, was akustisch ‘produziert’ wird, kontrolliert immer das Ohr, s.o.) So kommt es zu Erfolgserlebnissen und die bringen Spaß!

Diese Methode, sie wird “Audio-Psycho-Phonologie” genannt, ist im Filmsektor in Frankreich durch das Beispiel Gérard Depardieu bekannt. Frankreichs berühmtester lebender Schauspieler stotterte als junger Mann, hatte sonst auch noch Artikulationsprobleme und wurde erfolgreich von Tomatis behandelt. Eine andere berühmte Patientin ist Maria Callas.

Heute werden auch Kinder mit Lernstörungen damit therapiert, denn auch da ist die Verbindung zum Gehör augenfällig. Dennoch ist die Methode vor allem aus Kostengründen umstritten, in Deutschland und Frankreich zahlt die Kasse in der Regel nicht, auch nicht die Therapie von Kindern und Jugendlichen. Ganz anders verhält es sich in der Schweiz, wo die Hörschulung inzwischen zum Grundkanon zählt.

Für den Schauspieler heißt es: Grundlagen legen in Paris (Hören und Deutsch-Grundkurs, allein oder in der Mini-Gruppe), dann ab nach Berlin. Die Stadt und ihr Fluidum werden das ihrige beitragen.

P.S.: Nein, ich habe keine solche Schulung absolviert, aber mein Gehör durch frühkindlichen Fremdsprachenkontakt trainiert. Den Rest machte die Musik. Viele "Sprachmenschen" haben eine hohe Affinität zur Musik. Aber das ist ein anderes Thema.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Timing and Trimming

Nein, jetzt geht's nicht auf Englisch weiter. Es geht mir heute nur um Zeit und Form beim Dreh. Ich schrieb schon über Interviews, zu denen ich Notizen mache und dann immer in die Gesprächspausen hinein übersetze. Dazu ist gutes Timing nötig, also eine gute zeitliche Koordinierung, damit sich nachher die Aufnahmen auch gut montieren lassen. Meine Stimme, die eine Arbeitsgrundlage ist, wird nämlich herausgeschnitten, daher darf sich nichts überlappen, was sonst im Alltag ja ständig stattfindet: Da ergänzt der eine noch was, während der andere schon an seiner Frage bastelt - im Ton ließe sich später nicht "entflechten", was unsere Ohren automatisch machen. Daher muss ich immer sehr aufs Timing achten.

Dazu kommt Trimming, das "Beschneiden", "Begrenzen", "in Form bringen". Logisch, dass, wenn meine Frage weggeschnitten wird, ein Interviewter nicht antworten kann: "Ja, das ist genauso, wie Sie sagen!" Oder natürlich kann sie oder er das, aber es nützt nichts für den Film. Also muss ich immer wieder darauf hinweisen, dass bitte in ganzen Sätzen gesprochen werden möge und die Elemente der Frage bitte aufzugreifen seien.
Als Dolmetscherin muss ich hier, über die Inhalte hinaus, die ich gleich übersetze, auf die Schneidebarkeit der Aussagen achten. Timing und Trimming eben.

Andere Drehberichte hier und hier. Achtung! Länger!
Zum Mediendolmetschen mehr hier.

Foto: Friederike Elias

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Flüsterdolmetschen

Dann dolmetschen wir simultan.
Noch eine Dolmetschart: Das Flüsterdolmetschen. Manche nennen uns ja spöttisch "die Flüsterer". Das kommt daher, dass wir zum Beispiel bei politischen Vier-Augen-Gesprächen  (an denen immer mehr Augen teilnehmen, die der Berater und unsere) für unsere Gäste flüstern. Wir sitzen schräg hinter der betreffenden Person oder wenden uns ganz ab, wenn es keine Sicht auf die Redner gibt, um uns besser konzentrieren zu können.

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Foto: C.E. (Nachtrag vom
Bundeswahlkampf 2009)

Dienstag, 2. Oktober 2007

konsekutiv

Konsekutiv bedeutet zeitversetzt. Erst spricht der Redner (aus Gründen der Einfachheit hier nur die männliche Form), dann der Dolmetscher. Der Vorteil: Wenn Leute unter den Zuhörern sind, die beide Sprachen können, hören sie auch beide. Ich habe meine Sprachkenntnisse auf jeden Fall durch viel Zuhören verbessert und das geschieht auch heute noch so.

Der Nachteil: Es dauert alles doppelt so lange. Oder nicht ganz doppelt so viel, weil wir immer ein wenig kürzen, aber die Wechselei kostet ja auch Zeit.

Und noch ein Vorteil fällt mir ein: Konsekutives Dolmetschen ist nicht ganz so anstrengend. Bin ich beim Simultandolmetschen nach einer halben Stunde spätestens müde, hab ich hier noch Energie.

Emmanuel Mouret, Olivier Pierre, C.E.
auf den Französischen Filmtagen Tübingen
Bei Themen, in denen ich zu Hause bin, und bei bekanntem Publikum, dolmetsche ich auch länger. Aber das sind die Extremausnahmen. Zum Beispiel letzten Sommer, beim Besuch von Benoît Jacquot in der deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), da wollten Moderator Gerhard Midding und der Gast irgendwie gar keine Pausen machen aus Angst, die Studenten würden sich im Filmhaus am Potsdamer Platz verlaufen. So saßen wir da und ich dolmetschte immer schön konsekutiv, unterbrochen lediglich von drei etwa zehnminütigen Filmbeispielen. Im Publikum saßen auch meine Studenten, die Fragen waren erstklassig, die Themen spannend. Nach gefühlten anderthalb Stunden war Schluss — und ich erschrak, als ich auf die Uhr sah: Die Masterclass hatte drei Stunden fünfzehn Minuten gedauert. Aber das ist so eine extreme Ausnahme, dass ich sie lieber keinem weitererzähle. Psst!

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Foto: FFT

Montag, 1. Oktober 2007

simultan

Simultan steht für Gleichzeitigkeit — ich spreche also, während auch derjenige, den ich dolmetsche, spricht. Da ich erstmal verstehen muss, was er oder sie sagt, lasse ich ihm oder ihr ein wenig "Vorsprung", setze also später ein. Deshalb brauche ich am Ende auch ein wenig länger, als der andere. Meistens. Manchmal ist der Gedankengang so logisch und die Wortfolge so zwingend, dass wir zeitgleich aufhören. Es ist mir auch schon mal passiert, dass ich einen Halbsatz früher fertig war, weil alles so logisch war und/oder weil ich den Redner oder den Text kannte. Das irritiert manche Sprecher und oft lachen dann alle.

Simultan zu dolmetschen ist sehr anstrengend, weshalb wir uns in der Kabine meistens alle 20 bis 30 Minuten abwechseln. Allein halten wir Dolmetscher bis zu einer Dreiviertelstunde durch. Dann ist aber meistens das Ende erreicht und die Erschöpfung ist groß.

Mehr hier: Artikel aus Wikipedia

Symposium zum Thema Multitasking am 5. und 6.10.2007

Über die Multikasking-Ausstellung "Synchronität als kulturelle Praxis" schrieb ich hier bereits. Jetzt findet ein interdisziplinäres Symposium anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst statt, und zwar am

Freitag, 5. Oktober 2007, 19 -21 Uhr: NGBK, Oranienstr. 25, 10999 Berlin
Samstag, 6. Oktober 2007, 10-19 Uhr: RADIALSYSTEM V, Holzmarktstr. 33, 10243 Berlin

Die Themen der Ausstellung sollen erweitert werden. ReferentInnen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen aus Geistes- und Naturwissenschaften werden das Phänomen Multitasking fächerübergreifend diskutieren. Mögliche Erscheinungsweisen und Verflechtungen von Multitasking in Ökonomie, Medien und Gesellschaft werden präsentiert und zur Diskussion gestellt.
Im Zentrum steht die Frage nach den technischen, sozialen und psychischen Auswirkungen der zunehmenden Beschleunigung und Verdichtung von Informations-, Entscheidungs- und Handlungsprozessen.

//////// PROGRAMM als PDF-Datei zum Download unter www.emw.eu und www.ngbk.deFoto: Ana Lisa Calais e Val