Dienstag, 19. Juni 2018

Geiseln

Was Dol­met­scher und Über­setzer so er­le­ben kön­nen, be­schrei­be ich hier in loser Folge. Ich arbeite mit den Sprachen Deutsch, Französisch (Ausgangs- und Ziel­spra­che) und Engl­isch (nur Ausgangssprache in Marseille, München, Cannes, Berlin, Paris und dort, wo meine Kunden mich brauchen.

"Was meinst du mit Geiseln, Liebling?" Die Stimme der Oma klingt leicht ver­zwei­felt, als sie die Frage zum dritten Mal wiederholt. Wir sind in einer Eisdiele: Am Fenster sitzt ein gut Drei­jäh­ri­ger auf einem Bar­hocker und blättert in der Zeitung, die dort auf Steh­tischen ausliegt. Kann der Kleine etwa schon lesen?

Darauf der kleine Mann: "Schoko mit Geiseln!"

Eistheke mit Kinderhand und -Rücken
Eistheke mit Kind und ohne Bindestriche
Die hier berichtende Dol­met­sche­rin, eben aus der Ka­bi­ne ge­pur­zelt, hat die Szene nur aus den Au­gen­winkeln mit­be­kom­men. "Er meint 'Streusel'", sagt sie in Rich­tung der Groß­mutter und geht weiter.

Diese tritt nun auch an die Theke he­ran: "Woher wissen Sie das? Wer sind Sie?" Die Antwort kommt so spontan, wie so man­che Wortfindung in der Kabine, schnell, kon­text­be­zo­gen: "Ich bin Dol­met­sche­rin, gnädige Frau!"

(... und ich muss grinsen, weil "Kleinkind­deutsch" hatte ich bislang noch nicht in der Liste meiner Fremd­spra­chen.)

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Foto: C.E.

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