Dienstag, 8. Februar 2011

Night shifts head away ...

... oder sowas in der Art, jetzt versuche ich mich schon in poetischen Schlagzeilen in einer mir nicht sehr vertrauten Fremdsprache, wobei mir diese Kopflosigkeit am Ende einer Nachtschicht verziehen sein mag. Nachtschicht? Vorauszuschicken ist da rasch, dass ich im Urlaub bin, hatte ich das übrigens schon erwähnt? Indes, mein Arbeitsalltag hat sich dadurch nicht verändert, außer, dass ich die ganze Zeit mein Privatleben verpasse.

Das Dialogfenster widerspricht den Tatsachen
Gut. Montagabend will ich ins Theater eilen, da klingelt das Telefon. Ein Drehbuch, das ich in übersetzter Fassung letzte Woche abgegeben habe, ist voller bugs. Die .doc-Datei, die meine Kunden öffnen, wimmelt nur so von Notizen, Kommentaren, Geändertem, falscher Formatierung. Jede zweite Regieanweisung (la didascalie) ist nicht nicht auf Courier New gesetzt, sondern wird mit Arial-Buchstaben angezeigt. Figuren und Dialoge haben die Drehbuchautoren im dunkler erscheinenden Normal-Courier gesetzt, ich kann also leider nicht mit drei Mausklicken das ganze Dokument neu formatieren.

Ich bin jetzt schon in der Beschreibung dessen, was ich sah, als ich mir selbst eine Kopie meiner wundervoll sauberen, endlektorierten Schwarz-Weiß-Fassung mache, die angeblich frei sein soll von Anmerkungen: Au weia, denke ich und paraphrasiere Nina Hagen: alles so hässlich bunt hier! Da steht mein Name, der meiner Lektorin, aber auch noch ein völlig fremder. Bizarre, vous avez dit bizarre.?

Nach dem ersten Schreck lese ich weiter und stelle entsetzt fest, dass sogar Überarbeitungen der letzten Korrekturstufe rausgeflogen sind. Ich versuche, mich im Text zu orientieren und mein "Fenster", das mir einen Ausschnitt des Dokuments anzeigt, rast wie von Geisterhand bewegt in Windeseile hoch, ich nehme die Hände von der Tastatur, das Bildfenster eilt wieder runter, im Zickzack durch verschiedene Absätze, dann wieder hoch ... der Horror!

Ich hab' nie ein Format "Auto" genannt!
Der Abend im Theater ist schon lange im Voraus geplant, es ist eine Debatte über Einsprechen und Übertitel im Theater, derlei mache ich ja auch regelmäßig. Also ab in den Feierabend, danach im Pulk in die Kneipe zum Gedankenaustausch, und erst dann wieder an den Schreibtisch. Ich mach's kurz: Das Neuformatieren des gesamten Dokuments hat mich inklusive Umschaltens vier Stunden gekostet.

Vor allem fanden sich in der Liste der Formatvorlagen gefühlte fünfzig unterschiedliche Befehle zur Drehbuchformatierung, von denen ich viele nie zuvor genutzt, geschweige denn bemerkt habe und die einander zu behindern schienen. Beim Ansteuern der richtigen Formatierung erlebe ich auch, dass die Scrollfunktion zwischendurch aussetzt. Ich solche phasenweise unsteuerbaren Doc-Dateien bereits erlebt und schon gänzlich mit PlotPot neuformatiert. Hier schien mir indes nur ein Drittel des Textes betroffen.

Wie können solche Artefakte entstehen? Das Originaldrehbuch wurde mit einem Acer-Rechner erstellt, soviel erzählt mir das Protokoll des Dokuments. Ich habe einen Apple und simuliertes Word (oder wie das heißt). Dazwischen haben viele am Text mitgearbeitet, so dass der Text durch mehrere Word-Versionen, Linux usw. "gereist" ist.


Passend zu meinem Hass auf Microsoft ein 'Office 2010'-Trailer, der's in sich hat

Wie kann es sein, dass ein derart weitverbreitetes Format derlei grundlegende Sachen nicht hinkriegt? Ob Office 2012 besser wird? Am |"Morgen"| Mittag nach der Nachtschicht kommt mir ein Filmchen reingeflattert, das die Zwanzig-Zehner-Software ab der 48. Sekunde mit einer unglaublichen Französisch-Sequenz bewirbt: Klingt Französisch, ist es aber nicht, und die Untertitel haben mit dem Gesagten erst recht nichts zu tun. Aber ob die Microsoft-Leute wissen, was der Mann, der laut Untertitel "Word" antwortet und die Finger zum W formt, wirklich sagt? Es klingt für französische Ohren verdammt nach Il est mort! (Er ist tot!)
Da bin ich ja mal ausnahmsweise mit Microsoft einer Meinung! Word ist tot, was könnten wir stattdessen nutzen?

Und wenn so ein Informatikriese mit Pseudofranzösisch aufwartet, dann darf ich schon lange mit gekalauertem, fragwürdigem Englisch schlagzeilen, oder?

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Film: Internet-Fundstück

Kommentare:

G. hat gesagt…

Selbst verschiedene Versionen ein- und derselben Software können der Grund für solche Fehler sein. Word hat 10.000 bugs, nur merken die meisten nicht viel davon.

caro_berlin hat gesagt…

Danke. Also gibt's keine Hoffnung? Ich hatte, da ich ja nur das halbe Buch neu formatiert hatte und sich neue Fehler eingeschlichen hatten, danach noch eine halbe Stunde "Säuberarbeiten", der Praktikant der Filmproduktion saß da sicher länger, als er die Stellen rausgesucht hat.
Wenn ich hochrechne, wie viele teure Arbeitsstunden das kostet, wird mir ganz schlecht!
Gruß, C.

André hat gesagt…

Das Problem sind oft veraltete Versionen, die das RTF-Format oder docx-Format nicht wirklich beherrschen. Leider hat nicht jeder die halbwegs aktuellen Versionen und dann haut es die Formatierung zusammen.

Persönlich verwende ich Office 2007 (PC) und bin recht zufrieden damit. Sende ich das File an einen anderen User, erkundige ich mich immer nach dessen Version und formatiere sie via Office um falls möglich. Wobei man Office 2007 und aufwärts als 3er-Lizenz inwzischen schon ab etwa 70 Euro bekommt, daher wundert es mich immer, warum die Leute an der Stelle sparen.

Ganz großes Problem ist Open Office, das fast garantiert immer die Formatierung umhaut, von daher lass ich von OO seit zwei Jahren die Finger. Auch hinkt es den Möglichkeiten von Word weit hinterher.

Was Macs angeht: Da ist auch teilweise Apple das Problem, die wollen ums Verrecken ein geschlossenes System haben und man hat nicht immer Zugriff auf alle relevanten Libraries.Von daher sind PC-basierte Programme auf den Mac umgesetzt immer im Nachteil gegenüber nativen. Wobei: Im Home-Recording Bereich sind vor allem die nativen Mac-Programme extrem verbuggt, da diese eigentlich tief in das Sytem greifen müssen, aber Apple das nicht zulassen will.

caro_berlin hat gesagt…

Schöne Anti-Werbung für Apple. Allerdings bin ich mit der Kiste sonst hochzufrieden, kein Vergleich mit dem Leiden, das ich vor meiner Apple-Zeit mit der Technik so erlebte ... ich finde den Beruf anspruchsvoll genug und weigere mich immer latent, auch noch mein eigener Informatiker sein zu müssen.

Solche Horrorgeschichten wie die da oben sind inzwischen seltener geworden, da wir meistens mit der Drehbuchsoftware "Final Draft" arbeiten. Die ist klobig und gemütlich wie ein alter Mercedes.

André hat gesagt…

Auch wenn Apple durchaus interessant ist, sorgt ihr Geschlossenheitswahn dafür, dass ich mich immer wieder gegen ihre Produkte entscheide.

Prinzipiell hätte mir Z.B. das iPad3 als PDF-Reader gut gefallen. Aber meine Kunden würden mich killen, wenn ich zuerst ein NDA unterschreibe und dann ihre Files in die Cloud hochlade, damit ich es überhaupt auf dem IPad nutzen kann. Die knapp 10 Stunden Ladezeit vor jedem Einsatz haben mich auch nicht grad begeistert.

Jetzt wird es halt ein Lenovo Ideapad K2, das hat auch noch alle relevanten Anschlüsse und ein Kunde kann mir gleich auf der Messe die Daten übespielen ohne erst ein WLAN suchen zu müssen.

caro_berlin hat gesagt…

Das klingt überzeugend. Und ich habe mich bei einem Walkman-MP3-Spieler auch bewusst gegen Apple entschieden. Die Hörigkeit mancher Kunden stößt mich ab - und Berichte über Sklavenarbiter in China.

André hat gesagt…

Bei MP3-Playern bin ich in der glücklichen Lage auf Profi-Geräte zurückgreifen zu können, da diese bei uns auch als Aufnahmegeräte für meine bessere Hälfte dienen. Mit den Consumer-Geräten bin ich da schon lange nicht mehr zufrieden.

Wenn ein neues Aufzeichnungsgerät benötigt wird, helf ich gerne mit meinen Erfahrungen aus (Tascam und Zoom sind zur Zeit führend) und einigen Kollegen hab ich so schon das Nervenkostüm etwas retten können ;).