Sonntag, 4. Januar 2009

Nacharbeiten

Das Schöne am Job ist: Nach getaner Arbeit geht's nach Hause und ich kann die Festplatte unter der Frisur wieder leerputzen" — so oder so ähnlich sagte mir Sebastian letzten November, warum er unseren Dolmetscherberuf so mag. Der liebe Kollege arbeitet aber auch schon mehrere Jahrzehnte und wird nur wenig von seinen Jobs mit nach Hause nehmen.

Er schreibt sich im Lauf eines Dolmetschertages vielleicht ein halbes bis ganzes Dutzend neuer Begriffe auf — "weniger alte Hasen" wie ich schleppen zusätzlich gerne Unterlagen nach Hause. Das hat seinen Sinn: An Tagen wie heute bereite ich einige Stunden lang den Einsatz zum zweiten Mal nach. Die erste Nachbereitung erfolgt — des besseren Merkens willen — gleich im Anschluss an den Einsatz: Ich notiere Vokabeln, sortiere aus, was in den Reißwolf kommt und was in den Themenordner darf, zu dem ich übers Jahr auch die passenden Lesenotizen und Artikel hefte. Wenn später dann ein Einsatz mit verwandten Inhalten vorzubereiten ist, ist es immer ein schönes, angenehmes Wiedersehen mit den Früchten früherer Arbeit, ein Anknüpfen mit bereits Gewusstem und das schöne Gefühl, dass die Materie nicht ganz fremd ist.

Ich hefte mir dazu auch gern die Reden ab, an die ich vielleicht keine so gute Erinnerung haben müsste, jene, bei denen ich im Geschwindmarsch mit durchmusste, ich schrieb vor zwei Tagen davon. Diese später nochmal aus dem Aktenregal zu holen und erneut zu studieren hat etwas Versöhnliches. Und ich bin überrascht, wie viel ich trotzdem immer mit aufnehme  bei meinen Fachgebieten, die bei mir mehr als die Hälfte der Ordner ausmachen, ohnehin, und bei allgemeineren Inhalten auch. Dritter Themenkomplex: Die Bereiche, in die ich mich erst einfuchsen muss, die mich dann auch oft über Jahre begleiten. Heute überrascht mich beim Nacharbeiten das erstaunliche Gefül, die Texte gut zu kennen und viel vom Inhalt zu wissen. Die negativen Gefühle aus der Kabine sind verschwunden. Na, denn mal los ...

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Foto: Musterbüro aus dem Katalog. Nur wer verrät
einem, welche Farbe für welche Art von Inhalten steht?
Ich knoble noch an meiner idealen Büroordnung.

1 Kommentar:

caro_berlin hat gesagt…

... und habe jetzt aufgrund dessen, was ich bereits mache, mein System ergänzt und systematisiert.

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