Samstag, 14. Juli 2007

Trockener Kommentar

Diesen Text verstecke ich jetzt mal unter einem anderen Datum als dem heutigen, dann steht er im Weblog nicht ganz oben. Er ist mir nämlich peinlich. Auf der anderen Seite sagt mir eine Kollegin: "Nichts da, sei stolz auf Deine Arbeit, freu Dich!"

Es geht nämlich um Lob. Lob ist etwas anderes als ein Kompliment, das habe ich zwei Mal erfahren, als ich auf Lob, das meinen Französischkenntnissen galt, mit den Worten geantwortet habe: "Merci pour le compliment!" und von berühmten Menschen jedes Mal ebenso freundlich wie bestimmt 'abgewatscht' wurde.

Aber nacheinander.

1988, ich war noch Studentin, habe ich eine Hospitation im ARD-Fernsehstudio in Paris gemacht und die Berichterstattung zur Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution mit geplant. Eines Tages kam Gérard Gabert und mit ihm eine Studentengruppe des deutsch-französischen Jugendwerks (dfjw) dorthin. Sie waren eine gute Woche in Paris, um den Präsidialwahlkampf zu beobachten. Ich durfte sie als "Hospi" durch das Studio führen, und im Anschluss danach luden sie mich ein, mit zu François Mitterrand ins Elysée zu kommen.

Dort diskutierten wir mit dem ersten Mann im Staate, immer wunderbar gedolmetscht von Gérard, einem Projektleiter des Jugendwerks, der mich auch schon kannte, da ich im Herbst zuvor beim dfjw eine kurze Ausbildung zur Dolmetscherin bei Gruppenbegegnungen absolviert hatte. Es war die Ära vor dem Mobiltelefon, und irgendwann musste Gérard raus um zu telefonieren. Schüchtern nahm ich seinen Platz als Dolmetscherin ein. Der Puls schlug mir bis zum Hals, ich war in meinen allerersten Anfängen und dann solch einen "Kunden"! Aber es ging, mit dem Sprechen verlor sich die Aufregung, es war wie am Live-Mikrophon des Radios.

Als wir gingen, kam oben erwähntes Lob. Darauf ich: "Merci pour le compliment." Darauf er, sehr ernst, fast strafend: "Ce n'est pas un compliment, c'est un constat!" (Das ist kein Kompliment, sondern eine Feststellung!")

Etwa sieben Jahre später wiederholte sich die Szene. Ich saß mit Nathalie Sarraute und einem Radiomann im Garten des Literarischen Colloquiums am Berliner Wannsee. Am Ende das Lob und meine Antwort gefolgt vom ebenso strengen wie trockenen Kommentar der fast Hundertjährigen: "... kein Kompliment, sondern ...!"

Seither sage ich schlicht: "Merci beaucoup !"

So, jetzt noch ein Datum suchen. Von der französischen Revolution sprach ich grad eben erst. Also nehme ich den 14. Juli ... Kleine Revolution, ich steh zum erhaltenen Lob.

Kommentare:

Norbert hat gesagt…

Wirklich schöne Geschichte und die Bedeutung ist auch gut und wichtig, denn tatsächlich hat ja "compliment" immer etwas von “freundlich dahin gesagt, weil man es eben so sagt”, statt wirklich etwas klar und deutlich zu loben und würdigen. Gérard mochte ich im übrigen sehr.

Auf ganz bald.

Liebe Grüße
Norbert

caro_berlin hat gesagt…

Ja, lieber Norbert, Gérard gehört zu den seltenen Menschen, die Kulturvermittlung mit Heru und Seele leben. Mit ihm habe ich neulich länger über diese alten Tage gesprochen, und auch über das Seminar, zu dem wir ja vor X Jahren bei Dir mal das Programm aus der Archivkiste gezogen haben!
Ich hoffe, es geht Dir gut, und grüßen soll ich Dich auch schön, von Gérard ...
Herzlich, Caroline

caro_berlin hat gesagt…

Natürlich mit HerZ und Seele statt HerU ...
Schnelltippfolgen ;-)

Wallner hat gesagt…

Liebe Frau Elias,

neulich habe ich Sie in den Hackeschen Höfen bei einer Filmpremiere sehen und vor allem hören dürfen. Ich saß in einer Reihe mit einer Dame, die mal Professorin an der FU Berlin gewesen ist und die mir am Ende meinen Eindruck bestätigt hat: Sie haben es vermocht, ebenso elegant wie stilsicher, sachlich richtig und zugleich verbindlich auch drohende Klippen zielsicher zu umschiffen und das Gespräch, das zwischendurch extrem politisch wurde und zu entgleiten drohte, wieder in ruhige Gewässer geleitet! Hut ab! So etwas sieht man heute leider selten!

Ich hoffe, dass Ich Sie noch oft in Berlin erleben kann ... und eigentlich müssten Sie mit DEM Talent doch ins Fernsehen!

Mit den allerbesten Grüßen,
L. Wallner