Sonntag, 10. Juli 2016

Dorfleben

Ob absichtlich oder geplant, Sie lesen auf den Blogseiten einer Dol­met­sche­rin und Übersetzerin, die in Paris, Berlin und überall dort arbeitet, wo Sie meine Dienste brauchen. Sonntags werde ich hier privat.
 
Am Ufer des Landwehrkanals
Wohn- und Le­bens­ge­wohn­hei­ten, räum­li­che Mus­ter, sind si­cher ei­ne Fol­ge der Welt­wahr­neh­mung und der Ge­wohn­hei­ten. Wenn ich mich be­ob­ach­te, kann ich sa­gen, dass die Struk­tu­ren im­mer gleich ge­blie­ben sind. Ge­nau­er ge­sagt: In Pa­ris und Ber­lin le­be ich sehr ähn­lich, in mei­nem je­wei­li­gen Dorf näm­lich, die Eck­punk­te mar­kieren Bib­lio­the­ken, Kul­tur­ins­ti­tu­te, Hoch­schu­len, Ki­nos, Buch­lä­den, Mu­seen und na­tür­lich Woh­nun­gen von Freun­den so­wie schö­ne Ecken der Stadt.

In Berlin kommt noch der per Rad erreichbare Badesee hinzu.

Dabei ist immer der Kiez wichtig, le quartier, das Wohnviertel: Die morgendliche Joggingstrecke, die Kiezkinos, die Abendpromenaden, der Schnack mit den Ein­zel­händ­lern und ihren Mitarbeitern.

In unserem Berliner Haus kennen die Mitbewohner einander; wir wis­sen oft sogar, wer die Nachbarn im Ge­bäu­de nebenan sind, und etliche aus dem Haus und dem Kiez kümmern sich gemeinsam um Gärtchen und öffentliches Grün, das ist ganz wunderbar. In Paris leben alle zu­rück­ge­zo­ge­ner, was an der hohen Be­völ­ke­rungs­dich­te liegt, naja, auch. Aber komisch ist es schon. Meis­tens wünschen sich in Paris die Men­schen auf der Trep­pe nicht spontan "Guten Tag", sondern sie ent­schul­di­gen sich auf engen Stiegen mit "Par­don!" für ihre An­we­sen­heit und den mög­lichen Stör­fak­tor. Der Dorf­bewohner möch­te ein­sam sein. Na­tür­lich über­treibe ich, aber nur leicht.

______________________________
Foto: C.E.

Kommentare:

Nadine Hak hat gesagt…

Schöner Post, insbesondere interessant für mich, die ich mich für Stadtsoziologie interessiere.
Der kurze Blogpost gibt in "(...) sondern sie ent­schul­di­gen sich auf engen Stiegen mit "Par­don! (...)" selbst schon einen Teil der Antwort auf das Phänomen. Es ist so eng, so eng in Paris, der Wohnraum so teuer. Im Vergleich Berlin (noch) ein Wohnparadies...

Herzliche Grüße aus Hamburg,
Nadine Hak

caro_berlin hat gesagt…

Vielen Dank für Ihren Kommentar!

Ja, Fläche entspannt, aber Paris wird weiter verdichtet. In Paris haben noch vor einem halben Jahrhundert 30 % mehr Menschen gelebt. Das Problem: Viele Wohnungen sind dort eingemottet oder werden nur einige Wochen im Jahr bewohnt, in den reichen und repräsentativen Vierteln, während in anderen sogar Dachbodenverschläge vermietet werden.

Der zweigrößte Pluspunkt in Berlin ist aber die Natur und das Umland, die vielen Seen, die vielen Freizeitangebote. Daher zieht es immer mehr Pariser auch in die deutsche Hauptstadt.

Herzliche Rückgrüße nach Hamburg,
CE