Mittwoch, 4. August 2010

Dünnhäutig!

Wortarbeiter wie ich sind, was Sprache geht, mitunter dünnhäutig. Wenn eine Mutter eindeutig deutscher Herkunft in der Gasse zwischen Süßkram und Laufband bzw. Kasse lautstark ihren Nachwuchs schilt: "Diana, Pfoten weg von das Süße, sonst haste gleich eins gewischt!" ... und wenig später (artikelfrei) ins Handy keift: "Isch kann nicht kommen, isch muss Polizei!", dann zucke nicht nur ich zusammen. Wir Menschen, die mit Sprache arbeiten, aber möglicherweise ein wenig mehr als die anderen Anwesenden, zumal Dolmetscher mit halbem Ohr irgendwie immer mithören (müssen).

Sensibilität in Sachen Sprache wird oft vererbt. Ich erinnere mich an den Ausruf einer Frau, die sich aus dem Fenster lehnte und meinen Vater, er war damals noch ein Kind, zusammenzucken ließ. Er kann das noch heute entrüstet wiedergeben, wie diese einst ihr Kind rief: "Aurora, du Dreckmensch, komm aus der Goss'n!" (Das Ganze ist auch noch in breitestem Sächsisch zu sprechen.)

Kommentare:

Heiner hat gesagt…

... wobei der Name Aurora in Sachsen noch eine Nebenbedeutung hat als Anspielung auf Aurora von Königsmarck, die kluge Geliebte der Königs August, genannt der Starke (schöne Bilder der Dame bei Wiki).

caro_berlin hat gesagt…

Danke, lieber Heiner, für den Hinweis. Wiki schrieb auch: "Sie war für Voltaire neben Katharina II. 'die berühmteste Frau zweier Jahrhunderte'."

Lena hat gesagt…

Solche Sätze ohne Präpositionen dringen auch immer wieder an meine Ohren (der Bus fährt Hauptbahnhof), die dann noch lautstark ins Handy gebrüllt werden, sodass der komplette Bus weiß, was dieser eine Mensch so den Tag über macht.

Ich kann mir das Mithören da auch nie verkneifen :D

caro_berlin hat gesagt…

Ja, Handys werden ohnehin nur in 50% der Fälle zu Ortsangaben oder Veränderungen von Verabredungen genutzt ...
Ach, und das Mithören, wie gern würd ich weghören können, aber das ist echt eine déformation professionnelle, wir kriegen immer alles unterschwellig mit, könnte ja gleich dolmetschtechnisch relevant werden. Mit dieser Berufsmacke sind manche Restaurantbesuche gar nicht mehr entspannend für unsereinen ...