Montag, 26. Januar 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Treppe, Jalousien, Fenster, Garten im Winter
Herz­lich Will­kom­men!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für schrif­tl­iche Ar­bei­ten? Nach vielen Jah­ren in Frank­reich und den ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dien sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen und ar­bei­te auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft und Kul­tur, Land­wirt­schaft, krea­ti­ve Pro­jek­te, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie und Me­dien so­wie Ki­no, vom Ex­po­sé über Dreh­buch und Pro­duk­tions­dos­sier bis zum Pres­se­heft. Als aus­ge­bil­de­te Jour­na­lis­tin kann ich auch Text­ar­beit an­bie­ten — mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

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Fo­to: C.E.

Montagsschreibtisch (124)

Hal­lo! Wie auch im­mer Sie hier ge­lan­det sind, Sie le­sen auf den Sei­ten mei­nes vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin und ar­bei­te mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch, Deutsch ist mei­ne Mut­ter­spra­che. Heu­te wie­der ein Blick auf den Schreib­tisch.

Letz­te Ja­nuar­wo­che schon wieder, die Zeit rauscht nur so durch! Die Ber­li­na­le-Un­ter­ti­tel sind ab­ge­ge­ben; ich bin ge­spannt, was als nächs­tes kommt.

Frau am Telefon
He­le­ne beim Te­le­fon­dienst (1926)
Neu­lich wur­de bei uns ge­gen­über mal wie­der laut­ re­no­viert, dann flie­he ich meis­tens, und vom Co­wor­king-Space ha­be ich noch ei­ni­ge Slots frei. Mal se­hen, wann ich da hin­ge­he in den nächs­ten Wo­chen. Kei­ne schlech­te Sa­che, um auf neu­e Ge­dan­ken zu kom­men, so ei­ne Aus­la­ge­rung, viel­leicht wer­de ich mir ei­nes Ta­ges mit dem Netz­werk auch ei­nen Te­le­fon­ser­vice su­chen.
Da­bei schrei­be ich hier stän­dig: Bit­te send­en Sie mir ei­ne Mail und wir ver­ab­re­den ei­n Te­le­fon­gespräch, da­mit Sie die bes­te, näm­lich die di­rek­te Be­ra­tung durch Dol­met­sche:rin­nen be­kom­men, und nicht mög­li­cher­wei­se Fehl­in­for­ma­tio­nen durch Kauf­leu­te. (... in Sa­chen Tech­nik­an­for­de­rung, Pro­fi­le des Dol­metsch­teams oder gar KI-Ein­satz. War­nung: Die KI kann nicht dol­met­schen.)

Auf dem Schreib­tisch diese Woche:
♠ Kos­ten­vor­an­schlä­ge
♠ KI und Krea­ti­v­wirt­schaft
♠ Bi­blio­thek
♠ Ab­la­gen

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Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Sonntag, 25. Januar 2026

Nachtrag / KI / Lernen

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Sie le­sen in ei­nem Ta­ge­buch aus der Ar­beits­welt. Ich bin Deutsch-Mut­ter­sprach­le­rin, ar­bei­te als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und aus dem Eng­li­schen, was auch die Ziel­spra­che der Bü­ro­kol­le­gin ist, die schrift­lich ar­bei­tet: sie über­setzt. Klei­nes P.S. zu ges­tern.

Der Film, den ich ges­tern ver­linkt ha­be, bringt vie­les auf den Punkt. Da­für bin ich dem Team, das ihn ge­macht hat, dank­bar.

Al­ler­dings ist mir auf­ge­sto­ßen, dass er mit ei­ner KI-Stim­me ver­tont wur­de, die ei­ni­ger­ma­ßen na­tür­lich klingt, aber eben am En­de doch syn­the­tisch, was die Auf­merk­sam­keit ein­schränkt, das Ver­ständ­nis er­schwert und da­mit, ge­mes­sen an den Ab­sich­ten, ein klas­si­sches Ei­gen­tor dar­stellt … und zu­dem be­feu­ert, dass Spre­cher:in­nen ar­beits­los wer­den.

Mit den KI-Stim­men ist es so ähn­lich wie mit dem Le­sen di­gi­ta­ler Bü­cher ver­sus ech­ter Bü­cher auf Pa­pier, wie mit di­gi­ta­len No­ti­zen ver­sus hand­schrift­li­chen No­ti­zen, wie mit den von KI zu­sam­men­kom­pi­lier­ten ver­sus von ei­nem selbst er­stell­ten Tex­ten: Um wirk­lich zu ler­nen, d.h. dau­er­haf­te Ver­knüp­fun­gen im Ge­hirn her­zu­stel­len, ist das mensch­li­che Mo­ment nö­tig, hier al­so die ech­te Stim­me mit ih­ren an­de­ren Be­to­nun­gen, Pau­sen, viel­leicht auch klei­nen Un­schär­fen in der Aus­spra­che und der Sprach­me­lo­die, mit hör­ba­ren Emo­tio­nen.

Und wir brau­chen Hand­ar­beit beim Schrei­ben, beim Ver­fol­gen der Zei­len auf Buch­sei­ten ver­an­kern wir das Ge­le­se­ne an­ders, auch durch An­strei­chun­gen und Rand­no­ti­zen. In­zwi­schen be­stä­ti­gen ers­te For­schungs­er­geb­nis­se, was vie­le Leh­ren­de so­wie wir pro­fes­sio­nel­le Dau­er­ler­nen­de schon im­mer ver­mu­tet bzw. em­pi­risch „er­forscht“ hat­ten.

Zu­sam­men­fas­sung: Ler­nen ge­schieht durch Wie­der­ho­lung, Ver­knüp­fung, Emo­tio­nen, Bin­dung, Ein­satz der Sin­ne und des Kör­pers, Ver­knüp­fun­gen, die durch die Ko­or­di­nie­rung von Hand und Hirn ent­ste­hen.

Einladung: Dekolonisieren wir die Ökologie, Vorführung mit Diskussion, französischer Filmabend der Auslandsfranzosen in Berlin
Ein­la­dung zu ei­nem Ber­li­ner Ki­no­abend
Last but not least: Als be­fremd­lich emp­fand ich auch den Link un­ter dem oben er­wähn­ten Film, der zum gr­o­ßen A. ge­führt hat, und zwar zu Me­di­ta­tions­kis­sen, Bü­chern & Co. ... Statt­des­sen bit­te den klei­nen Buch­han­del an der Ecke und eu­ro­pä­i­sche Lie­fe­rant:in­nen be­vor­zu­gen, die ih­re Steu­ern in Eu­ro­pa zah­len und die mit ih­ren Ge­win­nen nicht mut­wil­lig un­se­re De­mo­kra­tien zer­stö­ren!

So, jetzt be­ginnt das frei­e Wo­chen­en­de, denn ges­tern ha­be ich mich tat­kräf­tig für ei­ne Ki­no­vor­füh­rung en­ga­giert.

Der Abend wird vom Ver­ein der Aus­lands­fran­zo­sen or­ga­ni­siert. Ich ha­be mich an der Vor­be­rei­tung be­tei­ligt und die­se Ein­la­dung ge­stal­tet.

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Gra­fik
: C.E.

Samstag, 24. Januar 2026

Sün­den­bock­nar­ra­tiv

Was Dol­met­scherin­nen und Über­set­zerin­nen, Dol­met­scher und Über­set­zer um­treibt, wie wir ar­bei­ten, ist hier seit 2007 in lo­ser Fol­ge The­ma. Als Fran­zö­sisch­dol­met­scherin mit Eng­lisch als Drittsprache be­ob­ach­te da­ne­ben un­se­re Zeit sehr ge­nau ... und sor­tie­re ein, aus der Per­spek­ti­ve ei­ner Dol­met­scherin. Sams­tags brin­ge ich ger­ne mei­nen Link der Wo­che.

Vor­ab: Hat diese Woche ein ernst­zu­neh­men­des Me­di­um das Auf­flam­men anti­grü­ner Pro­pa­gan­da in den Me­di­en und in der Po­li­tik zum The­ma ge­habt? Mir fiel auf, das hier et­was fehlt. Und ja, ich ha­be na­tür­lich nicht al­les ge­le­sen, man­gels Zeit und Zu­gang, und ha­be selbst schon darüber ge­schrie­ben: klick. Ich hät­te hier ger­ne ein­en Ar­ti­kel ver­linkt. Ha­be ich ihn über­se­hen? Dann bit­te ich um ei­nen Hin­weis an ca­ro­li­ne@ada­zyl­la.de!

Das ak­tu­el­le Sün­den­bock­nar­ra­tiv geht so: Acht grü­ne Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te brin­gen das Mer­co­sur-Ab­kom­men zu Fall. Pa­ral­lel da­zu töl­pelt ein kran­ker, rei­cher Mann vor ex­klu­si­vem Pu­bli­kum mit Lü­gen, Ver­kür­zun­gen und Dro­hun­gen rum. Na­tür­lich braucht Eu­ro­pa gu­te, so­li­de Part­ner. Das Mer­co­sur-Ab­kom­men bie­tet sich hier an. Aber ei­ne gu­te Part­ner­schaft braucht ei­ne fes­te Grund­la­ge.

Jetzt al­so die­ser Skan­dal! Das Pu­bli­kum denkt (ein­mal mehr): Mit den Grü­nen ist kein Staat zu ma­chen, die sind de­struk­tiv und blöd, so wie je­ne, die neu­lich in Ber­lin gan­ze Be­zir­ke von der Strom­lei­tung ab­ge­schnit­ten ha­ben. So oder so ähn­lich.

Wer Ih­nen das ein­flüs­tert, man­che Po­li­ti­ker und et­li­che Me­di­en, han­delt un­­de­mo­kra­tisch. Denn es gibt kei­nen Skan­dal, es wird nur in we­ni­gen Mo­na­ten in Ba­den-Würt­tem­berg ge­wählt.

Nor­ma­ler­wei­se hät­te der Eu­ro­pä­i­sche Ge­richts­hof (EuGH) im Vor­feld des par­la­men­ta­ri­schen Ter­mins Zeit ge­habt, um al­le De­tai­ls des Ab­kom­mens zu prü­fen. Die Kom­mis­sion wollte aber in der ak­tu­el­len Welt­la­ge, dass der Text vom Par­la­ment rasch be­stä­tigt wer­den wür­de und ließ die­se Etap­pe aus. Nach ge­nug Zeit sieht's ja aus: Das Ab­kom­men wur­de in über 25 Jah­ren ver­han­delt. In die­sem Vier­tel­jahr­hun­dert ha­ben in­des häu­fig die De­le­ga­tio­nen ge­wech­selt, und es wur­de mal ernst­haft, mal halb­her­zig, mal lieb­los de­bat­tiert. Da­her steckt der Text vol­ler Wi­der­sprü­che, ist he­te­ro­gen.

Man­cher Tag im po­li­ti­schen Be­trieb klei­ner Ver­hand­lungs­kom­mis­sio­nen en­det da­mit, dass sich al­le Sei­ten auf ei­ne Ab­sichts­er­klä­rung ei­ni­gen, oft un­scharf ge­fasst, da­mit zu Hau­se die Zei­len al­le ab­ni­cken kön­nen. Wich­tig ist, dass ein Hä­kchen an die Auf­ga­be ge­setzt wer­den kann.

Das weiß ich aus ers­ter Rei­he als Dol­met­sche­rin. Man­ches aber könn­te an­schlie­ßend zum Pro­blem wer­den, wenn aus­län­di­sche In­ves­to­ren ent­gan­ge­ne Ge­win­ne ein­kla­gen, über­haupt droht bei ei­ner hand­werk­lich schlecht ge­mach­ten Ar­beit am En­de ei­ne Kos­ten­la­wi­ne, Spott und Hohn für schlech­tes Re­gie­ren. Da­mit han­delt es sich hier um ei­ne Prä­ven­tiv­maß­nah­me, die eben­so nor­mal wie ba­nal ist.

Et­li­che As­pek­te des ak­tu­e­l­len Texts kön­n­en näm­lich ge­gen die Eu­ro­pä­i­schen Ver­trä­ge ver­sto­ßen, da­her ist die­ser Schritt im­mens wich­tig. Au­ßer­dem soll ge­prüft wer­den, ob das Ab­kom­men mit dem eu­ro­pä­i­schen Vor­sor­ge­prin­zip kon­form geht. So, wie es der­zeit im Text steht, wür­den Prüf- und Kon­troll­me­cha­nis­men für Ag­rar­im­por­te ab­ge­senkt. Es geht schlicht um Ver­brau­cher­schutz und die Er­fül­lung der Sorg­falts­pflicht.

Al­le, die den Text des Ab­kom­mens dem EuGH zur Prü­fung vor­le­gen möch­ten, ha­ben also dem Po­li­tik­be­trieb über­haupt kei­ne Stei­ne in den Weg ge­legt, son­dern ganz im Ge­gen­teil ein Be­kennt­nis zu Rechts­staat­lich­keit und für rechts­si­che­re eu­ro­pä­i­sche Ge­setz­ge­bung ab­ge­ge­ben. Die vom Ge­richts­hof am En­de mög­li­cher­wei­se be­an­stan­de­ten Punk­te wür­den neu ver­han­delt, was das Ab­kom­men in Gän­ze nicht ge­fähr­det. In der Zwi­schen­zeit kann das Ab­kom­men vor­läu­fig in Kraft tre­ten.

Zur Ein­ord­nung, wie groß die Pro­pa­gan­da­leis­tung ist: Die Mehr­heit hing an zehn Stim­men, für die An­ru­fung des EuGH ha­ben acht deut­sche Grü­ne ge­stimmt. Oh­ne sie wä­re der An­trag trotz­dem durch­ge­gan­gen, auch we­gen knapp 100 Ja-Stim­men der kon­ser­va­ti­ven und so­zia­len/de­mo­kra­ti­schen Frak­tio­nen.

Wir dür­fen uns in un­se­rer Po­li­tik nicht von den Sau­en ab­hän­gig ma­chen, die das Tram­pel­tier da durchs Dorf treibt, aber auch nicht von par­tei­po­li­ti­schen In­ter­es­sen, die sich am Wahl­ka­len­der ori­en­tie­ren.

Vie­le der Grü­nen selbst füh­len sich in­zwi­schen so un­ter Druck, dass sie selbst zu den Kri­ti­kern die­ses Ab­stim­mungs­er­geb­nis­ses zäh­len und leider die of­fen­sicht­li­che Mei­nungs­ma­che so­wie die De­tai­ls nicht öf­fent­lich klar­stel­len. Das ist das Ein­ge­ständ­nis, dass vie­le Men­schen, die dem­nächst an die Wahl­ur­ne tre­ten dür­fen, mit sol­chen kom­ple­xen De­tai­ls über­for­dert sind, aber auch jam­mer­scha­de, denn im Grun­de ist es ho­he Zeit, die­se Pro­pa­gan­da­me­cha­nis­men auf­zu­de­cken. 

Wir hat­ten das schon beim „Heiz­ham­mer“ ge­se­hen, dem „Hei­zungs­ge­setz“, das es mit die­sem Na­men nie gab, durch das Ro­bert Ha­beck an­geb­lich ar­me Rent­ner:in­nen um ih­re klei­nen Häus­chen brin­gen woll­te. Die Kri­tik be­zog sich auf das von CDU und SPD ein­ge­brach­te Ge­bäu­de­ener­gie­ge­setz (GEG), das un­ter grü­ner Lei­tung nicht ver­schärft, son­dern im Ge­gen­teil ent­schärft wur­de. Aber al­le Me­di­en, so­gar die Öf­fent­lich-Recht­li­chen, sind dar­auf an­ge­sprun­gen.

Ein­schub: Dass die ak­tu­el­le Pfle­ge­si­tua­ti­on vie­le Fa­mi­li­en kalt ent­eig­net und Kas­sen ru­i­niert, da­für sat­te Di­vi­den­den bei den An­le­gern ein­fährt, da­von kaum ein Ster­bens­wört­chen in der heu­ti­gen Po­li­tik. Ein­schu­ben­de.

Die ak­tu­el­le La­ge: Wär­me­pum­pen hat­ten noch nie ei­nen so gu­ten Ab­satz wie im letz­ten Jahr, sie wer­den wei­ter ver­bes­sert, lei­ser, hüb­scher, auch SPLIT-Kli­ma­an­la­gen wer­den tech­nisch bes­ser, die In­dus­trie ar­bei­tet mit Hoch­druck an En­er­gie­spei­cher­mo­del­len und die ak­tu­el­le Re­gie­rung hat die För­de­rung für E-Au­tos wie­der auf­ge­legt. Die En­er­gie­wen­de ist in vol­lem Gan­ge, trotz­dem lan­det ak­tu­ell zu viel des knap­pen Gel­des durch Sub­ven­tio­nen der Fos­sil­in­dus­trie nicht nur in fal­schen Kas­sen, son­dern schä­digt wei­ter­hin Um­welt, Bio­di­ver­si­tät, Kli­ma und die Zu­kunfts­per­spek­ti­ven un­se­rer Kin­der und En­kel.

Ré­su­mé: Wer Fak­ten be­reits als Par­tei­nahme empfindet, hat den Bo­den der De­bat­te ver­las­sen.

Zur Vertiefung: In die­sem Vi­deo wird er­ör­tert, wie Laut­stär­ke po­li­ti­sche Wahr­neh­mung be­ein­flusst und wa­rum oft die sach­lich Kom­pe­ten­tes­ten die Leisen sind; ein Phä­no­men, das auch im me­dia­len Dis­kurs um das Mer­co­sur-Ab­kom­men re­le­vant ist.



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Film: am bes­ten oh­ne Wer­bung
im Duck­Duck­Go-Play­er!

Freitag, 23. Januar 2026

Die nächste Sau

Will­kom­men auf mei­nen Blog­sei­ten aus der Ar­beits­welt der Spra­chen! Wie Dol­met­sche­r:in­nen und Über­setze­r:in­nen ar­bei­ten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Be­ruf ge­hört auch, dass wir stän­dig un­se­re Ar­beits­fel­der im Blick be­hal­ten. Heu­te: ak­tu­el­le Po­li­tik, die mich in der zwei­ten oder drit­ten Rei­he be­schäf­ti­gen wird.

Aus der Dolmetscherkabine: Blick auf Stuhlreihen
In einem Sitzungssaal des EP
Ein kur­zes State­ment zum ak­tu­el­len Auf­re­ger „Mer­co­sur-Ab­kom­men“: Tat­säch­lich hat das EU-Par­la­ment die­ses Ab­kom­men nicht ge­kippt, son­dern es NUR zur recht­li­chen Prü­fung an den Eu­ro­pä­i­schen Ge­richts­hof (Eu­GH) ver­wie­sen. Das ist ein Rou­ti­ne­vor­gang. 

Das nun häu­fig be­schwo­re­ne Nar­ra­tiv, die deut­schen Grü­nen hät­ten hier als „Züng­lein an der Waa­ge“ agiert, hält der nüch­ter­nen Be­trach­tung nicht stand. Die Ab­stim­mung ging mit ei­ner Mehr­heit von zehn Stim­men durchs Par­la­ment. Die Zahl der deut­schen grü­nen Stim­men be­trug acht, die der deut­schen Kon­ser­va­ti­ven hin­ge­gen 45. Auch oh­ne die Grü­nen hät­te wäre das Ge­richt an­ge­ru­fen wor­den. Kurz: Die „Skan­dal­blo­cka­de“ ist Teil ei­ner Kam­pa­gne.

Ein Blick in den po­li­ti­schen Ka­len­der und wir wis­sen: In acht Wo­chen wird in Ba­den-Würt­tem­berg ge­wählt.

Wer weiß, wie sol­che Ab­kom­men ver­han­delt wer­den, und wir Dol­met­sche­r:in­nen kön­nen ein Lied da­von sin­gen, sieht das noch ent­spann­ter. In Ein­zel­ka­pi­tel un­ter­teilt, in Ver­hand­lungs­grup­pen auf­ge­teilt, hier über 25 Jah­re: Man­che um­strit­te­ne Pas­sa­ge ist am En­de lan­ger Sit­zun­gen so weich­ge­spült (oder schwam­mig for­mu­liert), dass eine all­ge­mei­ne Über­ein­kunft mög­lich wird. Al­le Sei­ten hof­fen dann auf Ent­wick­lun­gen bei den je­wei­li­gen Part­nern, um ei­nes Ta­ges nach­schär­fen zu kön­nen.

Die­ses Schwam­mi­ge kann sich al­ler­dings am En­de als Pro­blem er­wei­sen. Näm­lich jetzt, wenn das Ge­samt­werk, das sehr he­te­ro­gen ist und schon wie­der­hol­te Glät­tungs­vor­gän­ge er­lebt hat, ra­ti­fi­ziert wer­den soll. Das Ge­richt hat üb­ri­gens zu­vor schon an­de­re Frei­han­dels­ver­trä­ge über­prüft, so ge­sche­hen bei CE­TA oder Sin­ga­pur. Die­se Ver­fah­ren dau­ern in der Re­gel an­dert­halb bis zwei Jah­re und die­nen da­zu, spä­te­re Kla­ge­wel­len und ju­ris­ti­sches Cha­os zu ver­mei­den. (Bei hand­werk­li­chen Fehlern wür­de es dann be­rech­tigt gro­ße Kri­tik set­zen.)

Ich hat­te es erst Mitt­woch von den be­rühm­ten Sau­en, die durchs Dorf ge­trie­ben wer­den, Stich­wort „Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie“. Dass schon wie­der ernst­zu­neh­men­de Me­di­en bei die­sen in­halts­ver­kür­zen­den Hass­kam­pa­gnen mit­mi­schen, er­schüt­tert mich. Aus der Treib­jagd ge­gen Ha­beck nichts ge­lernt? Der ver­meint­li­che „Heiz­ham­mer“ war das Ge­bäu­de­en­er­gie­ge­setz (GEG) aus der Fe­der der CDU, von Ha­beck ent­schärft, nicht ver­schärft.

Ich fin­de das nicht wit­zig. Die­ses Ver­hal­ten be­schä­digt die De­mo­kra­tie. Wo bleibt die ru­hi­ge, krea­ti­ve Ar­beits­ru­he? Und der Lärm droht an der Ta­ges­ord­nung zu blei­ben, wir ha­ben schließ­lich ein Land­tags­wahl­jahr.

Die EU-Kom­mis­si­on hat­te bei Mer­co­sur üb­ri­gens be­wusst auf ei­ne vor­he­ri­ge Eu­GH-Prü­fung ver­zich­tet, um po­li­ti­schen Schwung zu hal­ten und das Ab­kom­men zü­gig durch Rat und Par­la­ment zu brin­gen. Der Ge­dan­ke war wohl: „Wir spa­ren Zeit.“ Da­mit wer­den aber die recht­li­chen Ri­si­ken in die Zu­kunft ver­la­gert. Das Par­la­ment schließt nun die­se Lü­cke.

Im Zen­trum der Kri­tik ste­hen un­ter an­de­rem Um­welt­stan­dards. Eu­ro­pä­i­sche Che­mie­kon­zer­ne pro­du­zie­ren Ag­rar­che­mie, die in Eu­ro­pa aus gu­ten Grün­den ver­bo­ten ist, und ver­kau­fen die Sub­stan­zen dann in Län­der des glo­ba­len Sü­dens. Dort be­las­ten sie ­Land­ar­bei­ter, Bö­den und Le­bens­mit­tel. Zu befürchten ist, dass die Ac­ker­gifte in den Le­bens­mit­tel so auf eu­ro­pä­i­sche Märk­te zu­rück­keh­ren.

Zu klä­ren wä­re jetzt, ob Um­welt­schutz nach In­kraft­tre­ten des Ab­kom­mens ju­ris­tisch ab­ge­si­chert bleibt, und am bes­ten gleich mit, ob die Her­stel­lung die­ser gif­ti­gen Stof­fe über­haupt noch zu recht­fer­ti­gen ist. In Frank­reich gilt Par­kin­son bei Land­wir­ten be­reits als Be­rufs­krank­heit, in Deutsch­land nicht, ich schät­ze, weil die Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten ei­ne Kos­ten­la­wi­ne ver­mei­den möch­ten.

Die­ser Punkt zeigt ein grund­sätz­liches Pro­blem: Che­mi­sche Sub­stan­zen wir­ken nicht iso­liert oder ad­di­tiv, son­dern ku­mu­la­tiv bis po­ten­zie­rend. In be­stimm­ten Kom­bi­na­tio­nen ent­ste­hen neue Ri­si­ken, die sich re­gu­la­to­risch kaum noch kon­trol­lie­ren las­sen. Ge­nau des­halb ist die ju­ris­ti­sche Prü­fung kein po­li­ti­sches Hin­der­nis, son­dern ei­ne not­wen­di­ge Ver­si­che­rung ge­gen spä­te­re, weit gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen ... und ge­gen das nächs­te me­di­a­le Em­pö­rungs­feu­er auf vor­ge­glüh­tem Die­sel.

Wei­te­re Kon­flikt­the­men: Ar­beit­neh­mer­rech­te, A­ma­zo­nas, Tier­schutz, Me­cha­nis­men, die hel­fen, die Exis­tenz­grund­la­ge eu­ro­pä­i­scher Land­wirt:in­nen zu si­chern, Ze­men­tie­rung des post­ko­lo­ni­a­len Un­gleich­ge­wichts sol­cher Han­dels­ver­trä­ge, die in der Part­ner­re­gi­on die La­ge oft ze­men­tie­ren (wie aus der For­schung be­kannt).

Trotz der recht­li­chen Über­prü­fung durch den Eu­GH kann das Ab­kom­men üb­ri­gens auch vor­läu­fig in Kraft tre­ten, was das rich­ti­ge Zei­chen in die­ser her­aus­for­dern­den Zeit wä­re.

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Fo­to:
C.E. (Ar­chiv)

No scandal

This blog fo­cus­es on the every­day wor­king life of an in­ter­pre­ter. My na­tive lan­guage is Ger­man, and I work pri­ma­ri­ly as a con­fer­en­ce in­ter­pre­ter for French and out of Eng­lish; my col­le­ague trans­la­tes in­to Eng­lish.

Interpreter's booth
The author of these lines at work in Strasbourg (2007)
A brief note on the cur­rent Me­rco­sur “scan­dal” we are having in Germany right now: the Eu­ro­pe­an Par­lia­ment did not block the a­gree­ment, but re­ferred it to the Eu­ro­pe­an Court of Jus­tice for a rou­tine le­gal re­view. This is stan­dard pro­ce­dure.

The nar­ra­tive that the Ger­man Greens acted as a de­ci­sive swing fac­tor does not hold up. 
The re­fer­ral passed with a ma­jor­i­ty of ten votes. 

Ger­man Green votes: 8. Ger­man con­ser­va­tive votes: 45. The “scan­dal block­ade” is part of a me­dia cam­paign.

From long ne­go­ti­a­tions, in­ter­pre­ters know how such deals are made: soft­ened for­mu­la­tions, com­pro­mi­ses, and hopes for fu­ture ad­just­ments. Ex­act­ly for this rea­son, ju­di­cial re­view is not a po­lit­i­cal ob­sta­cle, but a ne­ces­sary in­sur­ance a­gainst le­gal and en­vi­ron­men­tal risks la­ter on.

In times of e­lec­tion cam­paigns and per­ma­nent out­rage, le­gal cer­tain­ty is not a lux­u­ry. It is part of the in­fra­struc­ture of de­mo­cra­cy.

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Pho­to:K.K.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Schwein gehabt

Den Ar­beits­all­tag einer Dol­met­scherin finden Sie auf diesen Sei­ten skiz­ziert. Meine Mut­ter­spra­che ist Deutsch, ich arbei­te über­wie­gend als Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin mit Fran­zö­sisch und Eng­lisch, die Büro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Ma­chen wir die Wo­che schwei­nisch weiter!

Am heu­ti­gen Throw­back thurs­day folgt die nächs­te Saue­rei.

Im Au­gust 2011 hat­te der welt­bes­te Paten­zieh­sohn sei­nen Spaß an ei­nem Lied (und wir mit ihm): « Dans le co­chon, tout est bon ! », aut Deutsch: Am Schwein ist al­les gut (ver­wert­bar). Hier geht's zum Pos­ting: klick!

Vor dem Som­mer­ur­laub hat­te ich eine Wet­te ver­lo­ren und muss­te da­her ei­nen Bei­trag über Schwei­ne brin­gen. Da durf­te ich ver­bal mal rich­tig die Sau raus­las­sen. Noch heu­te freut mich di­ese For­mu­lie­rung: „korken­zie­her­be­schwanz­tes We­sen“.



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Musique: Encore merci, Juliette !

 


Mittwoch, 21. Januar 2026

Mäandernd im Kreis

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Hier le­sen Sie auf den Sei­ten mei­nes lo­se ge­schrie­be­nen Ta­ge­buchs aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch und Deutsch in Ber­lin, Pa­ris und über­all dort, wo Sie mich brau­chen. Ein ru­hi­ger Ja­nu­ar­diens­tag ist das heu­te. Ich den­ke nach.

Ein an De­menz er­krank­ter Nar­zisst in ei­nem Ort der Schweiz: Er spricht, mä­an­dert sich durch an­schei­nend be­lie­bi­ge The­men­fel­der, über Hö­hen und durch Tie­fen, os­zil­liert zwi­schen Dro­hun­gen und Su­per­la­ti­ven, Selbst­lob, Lü­gen und Short cuts, die haar­sträu­bend sind. Sei­ne Gram­ma­tik hat­te ich frü­her schon mal ana­ly­siert. Er spricht vor Pu­bli­kum. Über­ra­schung: Kaum ei­ne(r) ver­lässt den Saal.

Orange face, heute schwarz
Duck face, heu­te ohne Ge­sicht
Auch ich se­he hin, es ist ein Fas­zi­no­si­um, ir­gend­was zwi­schen Vul­kan­aus­bruch und Mor­gen­ne­bel, ei­gen­ar­tig und sinn­frei.

In deut­schen Me­di­en dol­met­schen zwei Men­schen, ei­ne Frau und ein Mann, die sich aber nicht ab­wech­seln, er be­spielt das Zwei­te Deut­sche Fern­se­hen (ZDF), sie ist im Ers­ten (ARD) zu hö­ren. Nur sie klingt wirk­lich nach mi­ni­ma­lem Ka­bi­nen­echo. Das dürf­te ei­ne Da­me von vor Ort sein. 

Aber war­um muss­te sie je­weils AL­LEI­NE die­sen Quark 90 Mi­nu­ten lang ver­to­nen? Das ist kom­plett NICHT bran­chen­üb­lich und ge­fähr­det die Ge­sund­heit der Kol­leg:innen.

Beide sind Hel­den.

Wir Dol­met­scher:innen be­kom­men in der Re­gel vor­ab grob die In­hal­te zu­ge­spielt, manch­mal gibt es ein Re­de­ma­nu­skript, ei­ne Power­PointPrä­sen­ta­tion oder das, was durch den Te­le­promp­ter läuft. Wer die In­hal­te, die ei­nen er­war­ten, schon mal grob kennt, kann Zu­sam­men­hän­ge er­ah­nen und Ab­schwei­fun­gen an­ti­zi­pie­ren, Be­grif­fe, Zah­len, Na­men nach­schla­gen. 

Aber hier? Un­mög­lich. Der Stil des Man­nes ist grau­en­haft, eine ver­ba­le Tanz­an­lei­tung für kurz­at­mi­ges Ge­trip­pel, Side­kicks, Rück­fall­schrit­te, ar­ti­ku­lier­te Ge­dan­ken­stol­pe­rer und Über­sprung­shand­lun­gen bis hin zum Be­haup­ten des Ge­gen­teils. (Quelle des Zitats: hier.)

So ei­ne Per­for­mance dol­met­schen zu müs­sen ist kurz vor Fol­ter. Ich hät­te das drei­fa­che Ho­no­rar als Schmerz­geld ver­langt, min­des­tens!

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Gra­fik: Netz­fund/pixlr.com (Ar­chiv)

Von Sauen und Eichhörnchen

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Ich bin Si­mul­tan­dol­met­sche­rin, ar­bei­te bei Kon­fe­ren­zen, auf Mes­sen und be­glei­te De­le­ga­tions­rei­sen. Heu­te: KI-Mitt­woch!

Links ein menschliches Profil, recht Kopf mit elekronischen Synapsen
Mensch vs. Ma­schi­ne
Diens­tag, wir sind auf ei­ner Dis­kus­sions­ver­an­stal­tung an­läss­lich der Grü­nen Wo­che. Es geht um Re­na­tu­rie­rung, um EU-För­der­sche­ma­ta, um Welt­po­li­tik und die Aus­wil­de­rung von Tie­ren bzw. das Vor­kom­men von Wöl­fen. Der Red­ner sagt auf Deutsch: „Ich spre­che jetzt zum Kon­flikt­po­ten­zial aus un­se­rer Si­cher­heits­per­spek­ti­ve, wir sind in Ös­ter­reich, kaum ha­ben wir ein The­ma ein­ge­kreist, wir ken­nen das in un­se­rem ber­gi­gen Bun­des­land … wird dann die nächs­te Sau durchs Dorf ge­jagt.“

Er spricht leicht un­ko­or­di­niert, sucht sei­ne Ge­dan­ken zu­sam­men, eben so, wie Men­schen oft spre­chen. Die Be­zü­ge ent­ste­hen in den Köp­fen der Hö­rer­schaft.

Ich sit­ze zur Ab­wechs­lung mal im Pub­li­kum, denn hier „dol­metscht“ eine Wun­der­kis­te. Al­ler­dings macht die KI dar­aus auf Fran­zö­sisch, zu­rück­über­setzt ins Deut­sche: „... In un­se­rem ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­land wis­sen wir, dass im Ge­bir­ge die Jä­ger dann die Wild­schwei­ne ein­krei­sen und im Dorf ja­gen.“ Ein Teil des Pu­bli­kums lacht. Das La­chen ist aber kein freund­li­ches, ver­bind­li­ches, son­dern ein un­gläu­bi­ges La­chen, vol­ler Hohn. 

Der Red­ner schaut ver­dutzt. Er weiß, dass die KI „dol­metscht“. Er va­ri­iert den Aus­gangs­satz. Die KI macht dar­aus, rück­über­setzt ins Deut­sche: „Wir sind in Ös­ter­reich. Wir ken­nen das in un­se­rer be­grenz­ten Berg­re­gi­on. Da wird das nächs­te Op­fer durch das Dorf ge­jagt.“ Wie­der Ge­läch­ter vol­ler Ir­ri­ta­ti­on.

Ein­schub: Was hier pas­siert, ist kein lus­ti­ger Aus­rut­scher und auch kein Mo­ment von „... sind ja nur Kin­der­krank­hei­ten des Sys­tems“, die sich „weg­trai­nie­ren“ lie­ßen. Es ist ein sys­te­mi­sches Pro­blem. Kurz­ge­fasst über­trägt die KI so ähn­lich, wie wir das von Au­to­com­ple­te ken­nen, wenn das Sys­tem ein an­ge­fan­ge­nes Wort "fer­tig­schreibt“. Der Rest ist in meh­re­ren Schrit­ten ähn­lich au­to­ma­ti­siert, sie­he den Kas­ten ganz un­ten. Ein­schub­en­de.

In der Dis­kus­si­on zur Agrar­po­li­tik war zu­vor von Wöl­fen die Re­de ge­we­sen, die Scha­fe rei­ßen. Die KI weiß nicht, was im Ge­gen­satz zu ei­ner ech­ten Hatz die Re­de­wen­dung „ei­ne Sau durchs Dorf ja­gen“ be­deu­tet. Sie be­zeich­net kei­ne rea­le Hand­lung, son­dern ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Me­cha­nis­mus: die nächs­te künst­lich auf­ge­bla­se­ne Auf­re­gung, das nächs­te me­dia­le Ab­len­kungs­ma­nö­ver. Ein mensch­li­cher Dol­met­scher hät­te das so­fort er­kannt und rich­tig über­tra­gen. Die KI hin­ge­gen zer­legt den Aus­druck in Ein­zel­tei­le: Sau, Dorf, ja­gen. Sie pro­du­ziert wört­li­che Bil­der, wo Be­deu­tung ge­meint war.

Be­mer­kens­wert ist der Mo­ment, als der Red­ner ver­sucht hat, sich der Tech­nik an­zu­pas­sen. Er hat ver­ein­facht, re­du­ziert und da­mit un­ge­wollt das Er­geb­nis ver­schlech­tert. Es ist ein wich­ti­ger Mo­ment: Die Kom­mu­ni­ka­ti­on rich­tet sich nicht mehr nach den Men­schen im Raum, son­dern nach den ver­mu­te­ten Gren­zen der Ma­schi­ne. Nicht die Kom­mu­ni­ka­ti­on steht im Mit­tel­punkt, son­dern ein un­zu­läng­li­ches Hilfs­mit­tel für Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Hier hat­te ein Tech­nik­an­bie­ter ver­spro­chen, dass es mög­lich sei, die Ar­beit von uns Dol­met­sche:rinnen kom­plett durch KI zu er­set­zen. „Schnel­ler“, „bil­li­ger“, „ska­lier­bar“: So oder so ähn­lich lau­ten die Schlag­wor­te auf sei­ner Web­sei­te. Was da­bei sys­te­ma­tisch aus­ge­blen­det wird: Dol­met­schen ist kei­ne rein tech­ni­sche Über­tra­gungs­leis­tung, son­dern ei­ne hoch­kom­ple­xe mensch­li­che Tä­tig­keit, die Ver­ant­wor­tung trägt ... für die Be­deu­tung und den Kon­text, al­so da­für, dass die In­hal­te bei den Men­schen an­kom­men.

Dol­met­schen ist kein Wör­ter­schub­sen. Es geht da­bei um Sinn, Sprech­ab­sich­ten, Vor­wis­sen und Zie­le der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Nur Men­schen kön­nen den je­wei­li­gen kul­tu­rel­len Kon­text mit­den­ken. Oft gibt es ei­ne Ebe­ne, die sich bei ober­fläch­li­chem Zu­hö­ren nicht er­schließt, die der im­pli­zi­ten Be­deu­tun­gen. Wir Dol­met­scher:in­nen sind dar­auf trai­niert, si­tua­tiv an­ge­mes­sen zu über­tra­gen, in Echt­zeit, oft un­ter ho­hem Druck, manch­mal in kon­flikt­ge­la­de­nen oder exis­ten­ziel­len Si­tua­tio­nen: vor Ge­richt, in me­di­zi­ni­schen Ge­sprä­chen, in po­li­ti­schen Ver­hand­lun­gen, in Asyl­ver­fah­ren, in Kri­sen. In sol­chen Set­tings sind KI-Feh­ler gar nicht mehr lus­tig. Sie ver­än­dern Be­deu­tun­gen, ver­schie­ben Ver­ant­wort­lich­kei­ten, füh­ren zu Miss­ver­ständ­nis­sen mit rea­len Kon­se­quen­zen, z.B. un­be­grün­de­te Ab­schie­bung oder Tod.

Das Schei­tern der Ma­schi­ne ist rasch er­klärt: KI-Sys­te­me ar­bei­ten sta­tis­tisch. Sie be­rech­nen Wahr­schein­lich­kei­ten auf der Ba­sis vor­han­de­ner Da­ten, und seit ei­ni­ger Zeit wer­den der Quatsch aus den „aso­zia­len“ Me­di­en so­wie frü­he­re KI-Er­geb­nis­se mit hin­ein­ver­wurs­tet. KI-Sys­te­me ver­ste­hen nicht, was sie sa­gen, sie er­ken­nen we­der dop­pel­te Bö­den noch Macht­ver­hält­nis­se. 

Bei KI-Feh­lern gibt es kein Si­cher­heits­netz. Sie kor­ri­giert sich nicht aus Ein­sicht, sie hat kei­ne Kol­le­gin ne­ben sich sit­zen, die sanft ein­greift, so dass sich die ak­ti­ve Dol­met­scher:in kor­ri­gie­ren kann. Sie knallt dem Pu­bli­kum ih­ren Out­put um die Oh­ren. Fer­tig. (Und ja, Dol­met­scher:in­nen aus Fleisch und Blut ma­chen auch mal Feh­ler. Mir wur­de zwei­mal mit­ten in ei­nem Ein­satz mit­ge­teilt, dass ein An­ge­hö­ri­ger im Ster­ben liegt, ein­mal war's ein Fehl­alarm. Da­nach war ich ei­ni­ger­ma­ßen out of or­der. Wir Men­schen sind zum Glück kei­ne Ma­schi­nen.)

Be­son­ders pro­ble­ma­tisch ist das Macht­ge­fäl­le, das durch KI-Dol­metsch­sys­te­me ent­steht. Wer die Tech­nik kon­trol­liert, kon­trol­liert die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Trans­pa­renz über Trai­nings­da­ten, Ver­zer­run­gen, Aus­las­sun­gen oder Prio­ri­sie­run­gen fehlt meist. Dass KI be­ste­hen­de ge­sell­schaft­li­che Un­gleich­hei­ten re­pro­du­ziert und ver­stärkt, ist in­zwi­schen gut do­ku­men­tiert, auch im sprach­li­chen Be­reich. Dia­lek­te, phy­sio­lo­gi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen, Min­der­hei­ten­spra­chen, kurz: je­de Form von nicht­nor­mier­ten Sprech­wei­sen, wo­zu aus Sicht der Ma­schi­ne lei­der auch Ge­füh­le, Iro­nie oder Rück­fra­gen zäh­len, fal­len rasch un­ter den Tisch oder wer­den „glatt­ge­bü­gelt“. Die Aus­gangs­tex­te sind vol­ler Ste­reo­ty­pen, sie wer­den mun­ter ver­wen­det, ih­re Nut­zung da­mit ver­stärkt: Män­ner steu­ern den Be­trieb, Frau­en ma­xi­mal die Melk­ma­schi­ne.

Hin­zu kommt ein öko­no­mi­sches In­ter­es­se, das wir of­fen be­nen­nen müs­sen: Hier wur­de nicht auf die KI zu­rück­ge­grif­fen, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­bes­sern, son­dern ei­ner­seits, um Kos­ten zu sen­ken, an­de­rer­seits, um den Ge­winn auf die Sei­ten der Tech-An­bie­ter zu ver­schie­ben. Mensch­li­che Ar­beit gilt oft als „zu teu­er“, Er­fah­rung als „in­ef­fi­zi­ent“. Dass ne­ben der Qua­li­tät auch Ver­läss­lich­keit und ethi­sche Ver­ant­wor­tung auf der Stre­cke blei­ben, wird bil­li­gend in Kauf ge­nom­men, so­lan­ge kurz­fris­tig die Rech­nung stimmt. Und es droht ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­mög­lich­kei­ten für un­se­rei­ner bei wach­sen­der Ver­wir­rung des Pu­bli­kums durch er­schüt­ternd schlech­ten KI-Aus­wurf. Ich den­ke es wei­ter: Den Ge­mein­den wer­den Steu­er­ein­nah­men feh­len, denn ein Teil des Ge­winns fließt zu den nord­ame­ri­ka­ni­schen Tech-Bros ab.

Ich schät­ze mal, auch Sie, liebe Le­se­rin, lie­ber Le­ser, ha­ben die KI schon mal für Tex­te ein­ge­setzt, z.B. Goog­le Trans­la­te oder Deepl. Das ging mal bes­ser, mal schlech­ter, denn die KI ist ein Werk­zeug, kann auch als Re­cher­che­hil­fe die­nen oder für nied­rig­schwel­li­ge, in­for­mel­le An­wen­dun­gen, et­wa für ei­ne gro­be ers­te Über­sicht über ei­nen fremd­spra­chi­gen In­halt. Da­bei ha­ben wir hof­fent­lich al­le ge­lernt, die KI kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und Feh­ler ein­zu­kal­ku­lie­ren. Wenn's drauf an­kommt, sind dann wie­der wir Pro­fis nö­tig.

Denn rich­tig ge­fähr­lich wird die KI dort, wo sie Men­schen er­setzt, ob­wohl mensch­li­ches Ur­teil, Ver­ant­wor­tung und Be­zie­hung ent­schei­dend sind. Die Es­ka­la­ti­on ist schon ab­seh­bar. Wir er­le­ben schon jetzt, dass die Ei­gen­tü­mer der Tech-Fir­men ge­wis­se Be­grif­fe auf den In­dex set­zen und Be­grif­fe ma­ni­pu­lie­ren, und zwar per Or­dre de Muf­ti. Die Ver­bots­lis­te von Oran­ge face ist lang, sie be­inhal­tet u.a. die Wör­ter „Frau“, „Ge­sund­heit“, „Dis­kri­mi­nie­rung" und „Di­ver­si­tät“.

Dol­met­schen ist Be­zie­hungs­ar­beit. Dol­met­schen schafft Ver­stän­di­gung dort, wo es um In­hal­te und Kom­mu­ni­ka­ti­on geht und wo Miss­ver­ständ­nis­se rea­le Schä­den ver­ur­sa­chen kön­nen. Wer die­se Ar­beit voll­stän­dig au­to­ma­ti­sie­ren will, ver­kennt nicht nur die Kom­ple­xi­tät von Spra­che, son­dern auch ih­ren ge­sell­schaft­li­chen Wert.

Was bei dem Ter­min mit Bau­ern sonst oft falsch war: die Zu­ord­nung von Zah­len, die manch­mal in Tei­len wie­der­holt wur­den (FR>DE ist auch kom­pli­ziert, 96 ist auf Fran­zö­sisch vier (mal) 20 (plus) 16). Re­gel­mä­ßig fie­len In­hal­te weg, Lü­cken wur­den mit Be­grif­fen ge­füllt, die nie ver­wen­det wor­den wa­ren.

Die an­schlie­ßen­den Dis­kus­sio­nen wa­ren mau, fan­den nur zwi­schen Teil­neh­men­den der je­wei­li­gen Spra­che statt. Für ei­ne ord­ent­li­che Aus­wer­tung des De­sas­ters hät­te ich zwei End­ge­rä­te und zwei Auf­nah­me­ge­rä­te ge­braucht. Ich wuss­te nicht, dass mich bei der Dis­kus­si­on die KI er­war­ten wür­de.

INFO: Sprache zu Text zu Sprache Spracherkennung: Die gesprochene Sprache wird von einer Spracherkennungs-software in Text umgewandelt. Textverarbeitung: Der erkannte Text wird in die Zielsprache übertragen. Sprachsynthese: Das Ergebnis wird durch einen Text-to-Speech-Engine wieder in gesprochene Sprache transferiert.
Vie­le Ar­beits­schrit­te mit viel Stör­an­fäl­lig­keit

Das En­de ha­be ich nicht mit­be­kom­men, weil ich raus­ge­gan­gen bin. Ei­ne Ir­ri­ta­ti­on konn­te ich im­mer­hin re­kon­stru­ie­ren. Pé­nib­le­ment, l'écureuil s'ap­pro­che, hat ei­ne Frau aus dem Pu­bli­kum ge­hört. Hier ging gleich der ers­te Schritt schief: Bei „lang­sam nährt sich das Eich­hörn­chen“, wur­de aus „nährt“ ein­fach „nä­hert“.

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Fo­to: pixlr.com (Zu­falls­fund, farb­lich ver­än­dert)

Montag, 19. Januar 2026

Montagsschreibtisch (123)

Bon­jour & hel­lo! Herz­lich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne. Ich bin Dol­met­scher­in und Über­set­ze­rin, ar­bei­te schrift­lich mit Deut­sch als Ziel­spra­che (Text), münd­lich meis­tens ins Fran­zö­si­sche, oft auch mit Eng­lisch als Aus­gangs­spra­che. Was steht die­se Wo­che an?

Heu­te ist wie­der mal ein Über­gangs­tag zwi­schen An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge und Vor­sai­son, der üb­li­che Spa­gat ei­ner Frau in der zwei­ten Le­bens­hälf­te.

Raum­ecke mit Bü­ro­tech­nik der 1. Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts
Al­te Bü­ro­tech­nik

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:

♠ Un­ter­ti­tel­lek­to­rat (Ber­li­na­le)
♠ Ar­beits­jahr 2026 wei­ter­pla­nen
♠ Kos­ten­vor­an­schlä­ge schrei­ben
♠ An­ge­bo­te durch­rech­nen, ob noch gül­tig (Rei­se­kos­ten)
♠ Zwei The­men will­kür­lich her­aus­pi­cken und ak­tu­el­le Be­rich­te da­zu le­sen, Vo­ka­bel­lis­te er­wei­tern

In die­sem Jahr sind noch sehr vie­le Ter­mi­ne frei. Wir spü­ren die Fol­gen der Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) lei­der der­zeit sehr.

Die KI kann aber nicht dol­met­schen (oder: Sie ist beim Dol­met­schen ge­nau­so per­fekt und all­um­fas­send gül­tig wie die vor­aus­schau­en­de, nach­hal­ti­ge und kul­tur­sen­si­ble Po­li­tik eines Do­nald Trump).

Lei­der bie­ten man­che Tech­nik­ver­lei­he, jetzt plötz­lich Fach­leu­te für Dol­met­schen, ge­nau das jetzt im­mer öf­ter als Dienst­leis­tung an. Bis al­le Kund:in­nen ein- oder zwei­mal hef­tig auf die Na­se ge­fal­len sind da­mit, wird es et­was dau­ern.

Die KI ist ein Wie­der­käu­er, lie­fert nur die ma­the­ma­tisch wahr­schein­lichs­ten Lö­sun­gen, nicht aber das, was bei Kon­fe­ren­zen oder auf Mes­sen ver­han­delt wird: das Neue, das Be­son­de­re, das, was Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und Wis­sen um kul­tu­rel­le, po­li­ti­sche und auch ju­ris­ti­sche Un­ter­schie­de er­for­dert. Die KI ist ein Werk­zeug für die Hän­de von Pro­fis. So eine al­te Schreib­ma­schi­ne wie die da oben tippt auch nicht von al­lei­ne.

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Fo­to: Ar­chiv Eli­as Los­sow

Dienstag, 13. Januar 2026

Produktionsfaktor Zeit (1)

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig: Hier le­sen Sie auf den Sei­ten mei­nes lo­se ge­schrie­be­nen Ta­ge­buchs aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Ich bin Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch und Deutsch in Ber­lin, Pa­ris und über­all dort, wo Sie mich brau­chen. Ein ru­hi­ger Ja­nu­ar­diens­tag ist das heu­te. Ich den­ke nach.

Frü­her wä­re ich an ei­nem 12. Ja­nu­ar im Ur­laub, statt­des­sen den­ke ich über Mar­ke­ting nach. Seit über zwan­zig Jah­ren dol­met­sche ich hoch­ran­gi­ge Fach-, Kul­tur- und Kon­fe­renz­ter­mi­ne — si­mul­tan und kon­se­ku­tiv. Mei­ne Ar­beit ist an­er­kannt. Ich ha­be nur noch sel­ten Lam­pen­fie­ber, das letz­te Mal, als ich von der Staats­se­kre­tär- in die Mi­nis­ter­e­be­ne wech­sel­te oder bei ei­nem Me­di­en­auf­tritt plötz­lich sicht­bar wur­de.

Der­zeit su­che ich nach ei­ner Fest­an­stel­lung, ide­a­ler­wei­se 35 bis 50 Pro­zent ei­ner vol­len Stel­le, wo­bei der Grund da­für nur teil­wei­se bei der KI zu su­chen ist. Nicht die KI nimmt uns Ein­sät­ze weg, son­dern Nerds mit Ver­kaufs­ta­lent, die In­te­res­sier­ten das Blau­e vom Him­mel ver­spre­chen. Aber die KI ist kein Dol­met­scher (Link). Bis die gan­ze lie­be Kund­schaft ein­mal durch ist mit die­ser Tech­nik-Hoch­sta­pe­lei, wer­den wohl ein, zwei Jah­re ver­ge­hen, in de­nen wir viele An­ge­bo­te schrei­ben und die KI er­klä­ren müs­sen. Das klingt nicht nur an­stren­gend, das schlaucht wirk­lich. Zum Glück gibt es et­wa ein hal­bes Dut­zend Aus­nah­men.

Konferenzraum, Sitzreihen, mobile Dolmetschkabine
Die Ruh­e vor dem Sturm

Da­bei wa­ren die letz­ten Jah­re schon an­stren­gend ge­nug. Ne­ben der Pan­de­mie und der Ar­beit stand für mich die in Teil­zeit ge­leis­te­te An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge im Vor­der­grund. Ich weiß in­des, dass mei­ne Ren­ten­punk­te, die ich mir hart er­ar­bei­tet ha­be, nur dann etwas wert sind, wenn ich min­des­tens fünf Jah­re di­rekt in die Ren­ten­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt ha­be.

Klingt ab­surd, ist aber so. Das The­ma ge­hört auf die Lis­te der Punk­te ek­la­tan­ter Un­gleich­be­hand­lung von Frei­be­ruf­ler:innen und So­lo-Selbst­stän­di­gen in un­se­rem Land. Ei­gent­lich wi­der­spricht das dem im Grundgesetz ver­brie­ften Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. (Mehr da­zu im P.S.)

Ich lie­be mei­ne Ar­beit als Dol­met­sche­rin, ar­bei­te da­ne­ben auch als Ter­mi­no­lo­gin, Über­set­ze­rin und Sprach­coach. In ei­nem ers­ten Be­rufs­le­ben ha­be ich Er­fah­rung als Do­zen­tin, in der Pres­se­ar­beit und der Me­di­en­pro­duk­tion ge­sam­melt. Manch­mal schrei­be ich Re­den und Film­scripts bzw. ma­che sie les­bar oder sprech­bar, und ich ha­be selbst für die Me­di­en ge­spro­chen. Grund­la­ge un­se­rer Dol­metsch­ar­beit ist Pro­jekt­ma­na­ge­ment, das ich zu­vor als Ku­ra­to­rin ei­nes Film­fes­ti­vals, in der Me­dien­pro­duk­tion und als Do­zen­tin ge­macht ha­be.

E­gal in wel­chem Ar­beits­feld, mein Schwer­punkt liegt auf Ein­sät­zen, bei de­nen Vor­be­rei­tung ent­schei­dend ist: Po­li­tik, Stadt- und Raum­pla­nung, Land­wirt­schaft, Bio­di­ver­si­tät, Geschichte, Bil­dung, Kul­tur, Me­di­en und Ki­no, So­zia­les, und zwar auf Kon­fe­ren­zen, bei De­le­ga­tions­rei­sen, Fach­ge­sprä­chen oder vor Pu­bli­kum.

Dol­met­schen setzt für mich vor­aus, dass ich die In­hal­te ver­ste­hen kann, Struk­tu­ren er­ken­ne, das je­wei­li­ge Hin­ter­land der Spra­chen und Ge­sell­schaf­ten ken­ne und prä­zi­se, zu­ver­läs­sig und si­tua­tions­ge­recht über­tra­gen kann. Das ist et­was an­de­res als die KI, die ei­nen Be­griff nimmt und ihn mit ei­nem Be­griff ver­bin­det, der mit größ­ter ma­the­ma­ti­scher Wahr­schein­lich­keit folgt. Das passt dann — oder auch nicht. Die KI lie­fert kei­ne Kom­mu­ni­ka­tion, son­dern Kom­mu­ni­ka­tions­si­mu­la­tion.

Rück­sprung in mei­ne Be­rufs­pra­xis: Ein Groß­teil mei­ner Ar­beit ist da­bei un­sicht­bar und lei­se. Er be­steht aus Le­sen, Re­cher­chie­ren, Ver­glei­chen, Vor­be­rei­ten. Oft über meh­re Ta­ge hin­weg, manch­mal muss/darf ich auch in die Bi­blio­thek. Die­se Vor­be­rei­tung ist kein Zu­satz, son­dern 80 % der Leis­tung. Sie ent­schei­det dar­über, ob kom­ple­xe In­hal­te klar an­kom­men ... oder nur un­ge­fähr.

Im Gegensatz dazu die maschinelle Sprachverarbeitung: hier fehlt meis­tens der Zu­sam­men­hang, oder er war zu kom­plex. Die KI lässt oft In­hal­te un­ter den Tisch fal­len, oder sie fa­bu­liert drauf­los, was das Zeug hält. Die KI ist kein „Über­set­zer“ oder „Dol­met­scher“, son­dern je nach Zu­sam­men­hang manch­mal ein Werk­zeug für die Hän­de von Pro­fis.

Wir Pre­mi­um-Dol­met­sche­rin­nen be­trei­ben kein ag­gres­si­ves Mar­ke­ting, da­zu fehlt uns die Zeit. Wir in­ves­tie­ren auch nicht in Fir­men, die das für uns ma­chen. Wir ha­ben kei­ne re­prä­sen­ta­ti­ven Adres­sen, tre­ten nicht auf Spon­so­ring-Ga­las auf. Uns geht es um fach­lich prä­zi­se Ar­beit. Wir blei­ben im Hin­ter­grund. Wer­bung wür­de sich auf­grund der we­ni­gen High-End-Kund:innen, die wir be­die­nen, gar nicht loh­nen. Und wenn wir Gu­tes tun, spre­chen wir viel­leicht zum Jah­res­en­de da­zu à la „an­stel­le von Weih­nachts­kar­ten ha­ben wir ge­spen­det, um Mäd­chen in Kri­sen­ge­bie­ten der Welt ei­ne Schul­bil­dung zu er­mög­li­chen“. Oder et­was in der Art.

Wie ar­bei­te ich? Ich dol­met­sche Fran­zö­sisch ↔ Deutsch, in bei­de Rich­tun­gen, au­ßer­dem aus dem Eng­li­schen. Vom ein­stün­di­gen Amts­ter­min au­ßer­halb der Sai­son bis zum Wo­chen­ein­satz auf ei­ner po­li­ti­schen Rei­se ist al­les da­bei. Sie kön­nen mich di­rekt be­auf­tra­gen, ich ver­mit­tle auch ger­ne Kol­leg:innen wei­ter. Hier er­rei­chen Sie kei­ne Agen­tur, die 50 Pro­zent des ge­zahl­ten Ho­no­rars für sich be­an­sprucht, son­dern ein Netz­werk mit fai­rer Part­ner­schaft.

High-End-Auf­trä­ge, das be­deu­tet eben auch, dass un­se­re Auf­trag­ge­ber:innen vor­ab wis­sen, wen sie bu­chen, wie wir ar­bei­ten, was wir zur Vor­be­rei­tung brau­chen, wel­che Tech­nik wir uns wün­schen, wir be­ra­ten da­bei auch, und was sie er­war­ten kön­nen. So ein­fach ist das. Wie in der Schnei­de­rei für Maß­klei­dung: bes­tes Ma­te­ri­al, bes­te Ver­ar­bei­tung, per­fek­ter Sitz. Da­mit kön­nen un­se­re Kund:innen im­mer punk­ten.

Soll­te et­was schief­ge­hen bei dem „Set­ting“, kann un­se­rei­ner auch im­pro­vi­sie­ren. Wir hän­gen uns rein, blei­ben dran. Wich­tig ist auch, uns recht­zei­tig zu bu­chen. Seit der Pan­de­mie ha­ben et­li­che Kol­leg:in­nen den Be­ruf ver­las­sen, weil sie zum Bei­spiel für ih­re Kin­der öko­no­mi­sche Si­cher­heit brau­chen. Da­her gibt es je­des Jahr Wo­chen und Mo­na­te, in de­nen Kol­leg:innen mit viel Be­rufs­er­fah­rung schon aus­ge­bucht sind. Die Haupt­zei­ten des Kon­fe­renz­we­sens sind: A­pril bis Ju­ni oder Mit­te Ju­li, Sep­tem­ber bis No­vem­ber oder Mit­te De­zem­ber. (Die klas­si­sche „Sai­son“ wur­de ein we­nig ver­län­gert.)

Soll­ten sich Be­dar­fe bei Ih­nen ab­zeich­nen, wür­den wir uns auch schon über ei­ne Vor­an­fra­ge freu­en. Im Be­reich Film: Wir schät­zen die Kos­ten ein und hel­fen so, rea­lis­ti­sche In­for­ma­tio­nen für För­der­an­trä­ge zu­sam­men­zu­stel­len.

Unter der Überschrift Produktionsfaktor Zeit werde ich ab jetzt den einen oder anderen Auftrag protokollieren.

Als Post Scriptum folgt hier ein klei­ner Ein­blick in ei­ne miss­li­che La­ge, die be­weist, dass seit Jahr­zehn­ten Lob­by­is­mus wich­ti­ger ist als Fak­ten. Zu­nächst: Wo kein Klä­ger, da kein Rich­ter. Ver­bands­kla­gen ha­ben es in Deutsch­land schwer. Die struk­tu­rel­le Be­nach­tei­li­gung von uns „Frei­en“ geht schon da­mit los, dass wir kaum in die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung rein­kom­men. In der Co­ro­na­zeit dann wa­ren wir dem Staat den be­rühm­ten Schlag aus der Gu­lasch­ka­no­ne wert.

Der war wich­tig und in die­sem Mo­ment groß­ar­tig. Aber mit dem Um­satz von zwei Mo­na­ten kann nie­mand zwei Jah­re lang gut le­ben. Im Grun­de war's noch län­ger. Die Ver­an­stal­tungs­bran­che lebt be­kannt­lich da­von, Men­schen zu­sam­men­zu­brin­gen. Es gab lan­ge Vor­lauf­zei­ten und Stop and go: Pla­nun­gen folg­ten auf Ab­sa­gen wg. hö­he­rer Ge­walt, es gab kei­ne Aus­fall­ho­no­ra­re, das meis­te wur­de ver­tagt, und im On­line­ge­schäft ha­ben ei­ni­ge Agen­tu­ren, die Mar­ke­ting kön­nen, aber kein Dol­met­schen, lei­der mas­siv Kund:innen ab­ge­wor­ben. (Sie hat­ten vom Staat mehr­mo­na­ti­ge Jah­res­um­sät­ze als Kom­pen­sa­ti­on er­hal­ten, konn­ten da­her ag­gres­siv in Wer­bung in­ves­tie­ren.) Last but not least: Bei der Ak­tiv­ren­te sind wir er­neut wie­der au­ßen vor.

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Fo­to: C.E.