Dienstag, 6. Januar 2026

Bonjour

... und herz­lich will­kom­men! Als erfahrene Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin („se­nior in­ter­pr­eter“) und Über­set­ze­rin bin ich seit bald 20 Jah­ren in Deutsch­land, Frank­reich und in an­de­ren Län­dern Eu­ro­pas tä­tig — meist mit Fran­zö­sisch und Deutsch als Ar­beits- und Ziel­spra­che. Als Teil ei­nes Netz­werks kann ich Ih­nen auch bei der Su­che nach Un­ter­stüt­zung in an­de­ren Spra­chen hel­fen.

Treppe, Jalousien, Fenster, Garten im Winter
Herz­lich Will­kom­men!
Sie su­chen Kom­mu­ni­ka­tions­pro­fis fürs Dol­met­schen oder für schrif­tl­iche Ar­bei­ten? Nach vielen Jah­ren in Frank­reich und den ein­schlä­gi­gen aka­de­mi­schen Stu­dien sitze ich in der Fran­zö­sisch­ka­bi­ne. Schrift­lich ar­bei­te ich ins Deut­sche, auch aus dem Eng­li­schen.

Allein oder im Team be­glei­te ich De­le­ga­tio­nen und ar­bei­te auf Kon­fe­ren­zen, in Mi­nis­te­rien, Bot­schaf­ten oder am Film­set ... für Po­li­tik, Un­ter­neh­men und Pri­vat­leu­te.

Schwer­punk­te: Ak­tu­el­les, In­dus­trie, Wirt­schaft und Kul­tur, Land­wirt­schaft, krea­ti­ve Pro­jek­te, Ur­ba­nis­mus und Bau, Ener­gie und Me­dien so­wie Ki­no, vom Ex­po­sé über Dreh­buch und Pro­duk­tions­dos­sier bis zum Pres­se­heft. Als aus­ge­bil­de­te Jour­na­lis­tin kann ich auch Text­ar­beit an­bie­ten — mit dem größ­ten Ver­gnü­gen.

Mit ei­ner ers­ten Kon­takt­mail an caroline@adazylla.de kön­nen Sie ei­nen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren, um Ih­ren Be­darf ab­zu­klä­ren. (Ich ant­wor­te spä­tes­tens nach zwölf Stun­den.)

Ich bie­te an: Si­mul­tan- (fast zeit­gleich), Kon­se­ku­tiv- (zeit­ver­setzt), Flüs­ter- und Be­gleit­dol­met­schen, Büh­nen­dol­met­schen, Spre­ch­ein­sät­ze (Ton­auf­nah­men), Dia­log­Coa­ching für Film und Büh­ne, Fern­dol­met­schen.

Dol­met­schen lebt von Fach­kom­pe­tenz, Hin­ter­grund­wis­sen und Er­fah­rung. Ger­ne bin ich Ih­re Brü­cke zwi­schen der deutsch- und fran­zö­sisch­spra­chi­gen Welt — fle­xi­bel und punkt­ge­nau! Vor Ort oder mit On­line-Ex­per­ti­se: Mein Ein­satz ga­ran­tiert Ih­nen Ver­ständ­lich­keit oh­ne Miss­ver­ständ­nis­se.

Doch ge­na­u­so gern un­ter­stüt­ze ich klei­ne­re In­iti­a­ti­ven, per­sön­li­che Be­geg­nun­gen oder punk­tu­el­le Ein­sät­ze, denn auch bei die­sen sind Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gu­te Vor­be­rei­tung und ei­ne aus­ge­bil­de­te Stim­me ge­fragt.

Jetzt pla­nen — Er­folg si­chern!
Dol­met­schen ist mehr als Spra­che: Prä­zi­si­on, Kon­text, Wis­sen um Sprech­ab­sich­ten, Hin­ter­grund, Takt­ge­fühl und Er­fah­rung. Si­chern Sie sich mei­ne oder un­se­re pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung!

Herz­li­che Grü­ße,
Ca­ro­li­ne Eli­as

P.S.: Wir sind nicht nur Sprach­ar­bei­te­rin­nen und Sprach­ar­bei­ter, son­dern be­ob­ach­ten auch die Welt. Hier dür­fen Sie in mei­nem Ar­beits­ta­ge­buch mit­le­sen. Die­se Sei­te ist für das Web­la­y­out op­ti­miert, sonst dro­hen Text­pas­sa­gen hin­ter den Fo­tos zu ver­schwin­den.

______________________________
Fo­to: C.E.

Leben in vollen Zügen (2)

Herz­lich will­kom­men! Hier bloggt eine Dol­met­sche­rin. Was wir Sprach­ar­bei­ter:innen ma­chen, wie wir ar­bei­ten und le­ben, ist hier seit 2007 re­gel­mä­ßig The­ma. Wer Kon­fe­renz­ein­sät­ze sagt, muss auch Rei­sen sagen, denn mit un­se­ren Fach­rich­tun­gen, Öko­no­mie und Kul­tur­wirt­schaft Tippfehler (Kul­tur­wirt­schaft), Ko­ope­ra­ti­on mit Dritt­län­dern, Afri­ka, Nach­hal­tig­keit, Ag­rar, Me­di­en und Ki­no und Stadt­pla­nung, His­to­ri­sches und Mu­se­a­les, be­kom­me ich re­gel­mä­ßig An­fra­gen für De­le­ga­ti­ons­rei­sen. Auch pri­vat rei­se ich viel.

Lang­sam zieht die Land­schaft vo­rü­ber, wie­der ein­mal viel zu lang­sam. Das deut­sche Bahn­netz scheint ein Fli­cken­tep­pich aus „Lang­sam­fahr­stre­cken“ zu sein. Ich fah­re zu Dol­met­sche­in­sät­zen, De­le­ga­ti­ons­ab­rei­se­or­ten, Kon­fe­ren­zen, pen­de­le aber auch zur An­ge­hö­ri­gen­pfle­ge. Ich bin auf die Bahn an­ge­wie­sen. Um mich nicht zu är­gern, den­ke ich be­wusst, dass Är­gern oh­ne­hin nichts nützt, dass ich mit viel Zeit­puf­fer rei­se, dass das hier im­mer noch bes­ser ist, als am Steu­er ei­nes Au­tos zu sit­zen.

Oft ler­ne ich im Zug. Seit vie­len Jah­ren ist das Zug-WLAN sta­bi­ler, es gibt di­gi­ta­le An­ge­bo­te wie Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten und Ki­no­fil­me. Lei­der ist kein Ver­lass da­rauf.

1935 irgendwo in Europa
Grund­sätz­lich rei­se ich nie oh­ne Buch. Ich le­se viel. Manch­mal ret­te ich mich in den Spei­se­wa­gen. Dort er­scheint mir das Un­ter­wegs­sein wie ein ei­gen­ar­ti­ger Lu­xus. Au­ßer auf der Fahrt zu Dol­metsch­ein­sät­zen habe ich meis­tens kei­ne Bü­ro­pflich­ten, ist die Zeit zwi­schen Ab­fahrt und An­kunft an­ge­hal­te­ne, ge­schenk­te Zeit, in der ich frei bin und ge­nuss­voll tag­träu­men kann.

Die­se Spei­se­wa­gen sind auch Or­te für Zeit­rei­sen. Die wei­ßen Tisch­dec­ken gibt es nicht mehr, das Es­sen kommt aus der Mi­kro­wel­le. Ich weiß auch um die Hy­gie­ne­pro­ble­me im Spei­se­wa­gen, be­stel­le dort ein Ge­tränk in der Fla­sche, lau­sche zer­streut den Ge­sprä­chen an den Ne­ben­ti­schen oder übe mich im Weg­hö­ren, las­se drau­ßen Fel­der, Wäl­der und Bahn­däm­me vo­rü­ber­zie­hen. Oft su­che ich nach Spu­ren der deutsch-deut­schen Gren­ze, nach Schnei­sen, merk­wür­di­gen Ge­bäu­den oder Un­stim­mig­kei­ten im Ge­län­de, fin­de nichts mehr, weil die­se Gren­ze über­wach­sen und zu­gleich noch im Kopf prä­sent ist.

Das Fo­to, das die­sen Text be­glei­tet, stammt aus dem Jahr 1926 und zeigt ei­nen Spei­se­wa­gen in ei­ner Zeit, in der die­se Wa­gen ih­re Hoch­pha­se er­leb­ten, als an Bord noch ge­kocht und ge­spült wur­de. Zum Glück wur­den die Spei­se­wa­gen­tei­le der Gas­tro-Wa­gons nicht wie ge­plant ab­ge­schafft.

Die Zü­ge sind schnel­ler ge­wor­den, die Elek­tro­nik an­fäl­li­ger, die Pri­va­ti­sie­rung der Bahn vor Jahr­zehn­ten ging auf Kos­ten der In­fra­struk­tur. 2025 habe ich wie­der knapp 70 Stun­den län­ger in ver­spä­te­ten Zü­gen ge­ses­sen, als ei­gent­lich nö­tig ge­we­sen wä­re. Das sind fast zwei Ar­beits­wo­chen; trotz­dem he­ge ich kei­nen Groll.

Viel­leicht be­steht das Rei­sen in vol­len Zü­gen ge­nau dar­in, die­se Zeit an­zu­neh­men, sich im Spei­se­wa­gen ei­nen Mo­ment der Ru­he zu gön­nen, aus dem Fens­ter zu se­hen und das Un­ter­wegs­sein nicht als Stö­rung, son­dern als Zu­stand zu be­grei­fen. „Der Weg ist das Ziel“, weiß das Sprich­wort.

______________________________
Fo­to:
Ar­chiv Elias Los­ow

Montag, 5. Januar 2026

Montagsschreibtisch (121)

Bon­jour & he­llo! Her­zlich will­kom­men beim ers­ten deut­schen Dol­met­scher­web­log aus dem In­ne­ren der Dol­metsch­ka­bi­ne, den es seit 2007 gibt. Ich ar­bei­te als Kon­fe­renz­dol­met­scher­in mit den Spra­chen Fran­zö­sisch und Eng­lisch, Deutsch ist mei­ne Mut­ter­spra­che ... und ich über­set­ze auch. Heu­te wie­der der Blick auf den Mon­tags­schreib­tisch.

Neues Jahr, neu­es Glück! Die al­ler­bes­ten Wün­sche auch für Sie und für Dich! Das Jahr geht ru­hig los. Vor al­lem le­se ich in drei Spra­chen. Vor der Früh­jahrs­sai­son lau­tet die Pa­ro­le: Vor­be­rei­tung!

Junge Frau liest konzentriert in einem Buch und macht sich Notizen dazu
Kon­zen­trier­tes Le­sen (1926)
Ganz kon­kret:
❦ zwei An­ge­bo­te schrei­ben (Kon­fe­ren­zen)
❦ Ter­mi­ne mit Blei­stift in den neu­en Ka­len­der schrei­ben
❦ Un­ter­ti­tel Kor­rek­tur le­sen
❦ An­ge­bot für ei­ne Dreh­buch­über­set­zung

Vor al­lem aber le­sen! Ich be­rei­te mich da­mit auch schon auf die Grü­ne Wo­che vor.

______________________________
Fo­to: Ar­chiv Elias Los­sow

Freitag, 19. Dezember 2025

Respekt (3)

Hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin mit Erst­spra­che Deutsch und Zweit­spra­che Fran­zö­sisch. Die Bü­ro­kol­le­gin über­setzt in die eng­li­sche Spra­che. Die Be­ru­fe sind an­spruchs­voll und schwer. Man­che Zeit­ge­nos­sen ma­chen ihn noch schwe­rer: Gras­sie­ren­de Res­pekt­lo­sig­keit, ge­mischt mit Her­ab­las­sung, lässt mich ir­ri­tiert zu­rück. Mehr Res­pekt, bit­te! Hier äl­te­re Fol­gen: (1) und (2).

Ein Fo­to auf ei­ner Web­sei­te, über die üb­li­cher­wei­se Be­rufs­tä­ti­ge netz­wer­ken: Es zeigt ei­ne Dol­metsch­ka­bi­ne und da­rin ei­nen la­chen­den Mann. Auf den ers­ten Blick lacht er uns an. Da­bei lacht er et­was aus.

Mann sitzt lachend in der Dolmetschkabine
„My first time ever in a booth“
Ne­ben dem Fo­to steht ein Kom­men­tar, der das Set­ting als „ab­surd“, „ab­so­lu­ter Non­sense“ und „mu­se­um­reif“ be­zeich­net, die Tech­nik als zu schwer und zu alt. Noch feh­len Red­ner:­in­nen auf dem Bild­schirm und Pub­li­kum im Saal di­rekt da­vor, doch das sei völ­lig über­flüs­sig in ei­ner Welt, in der man doch re­mote, be­quem aus der Ferne, KI-ge­stützt und an­geb­lich ef­fi­zi­ent ar­bei­ten kön­ne.

Der Spott rich­tet sich da­bei ge­gen ei­ne gan­ze Pra­xis und ge­gen die Men­schen da­hin­ter, ge­gen uns und un­ser Ar­beits­um­feld, das als über­kom­me­nes Re­likt dar­ge­stellt wird, nicht weil es nicht funk­tio­niert, son­dern weil es dem ei­ge­nen Ge­schäfts­mo­dell im Weg steht. Auf der Web­sei­te kann kom­men­tiert wer­den. Kol­leg:in­nen ant­wor­ten. Die Stim­mung kocht hoch.

Vor-Ort-Dol­metsch­en in der Box wird nicht we­gen Kon­so­len, Ka­beln oder In­fra­rot ver­tei­digt, son­dern we­gen des Set­tings und we­gen al­lem, was dort mög­lich ist und sich nicht di­gi­ta­li­sie­ren lässt: die Be­zie­hun­gen zu Auf­trag­ge­ber:­in­nen, Red­ner:­in­nen und Pu­bli­kum, die Ge­sprä­che in der Kaf­fee­pau­se, die Rück­fra­gen, die wir stel­len, be­vor sie auf der Büh­ne zum Pro­blem wer­den, so­wie die Re­ak­tio­nen im Raum, die wir hö­ren, se­hen und spü­ren, lan­ge be­vor sie sich in Wor­te über­set­zen las­sen. Au­ßer­dem we­gen der kon­zen­trier­ten Ar­beits­stim­mung, die die meis­ten von uns nur in der Ka­bi­ne er­le­ben, oh­ne Stö­run­gen wie im „Home­of­fice“.

Kom­mu­ni­ka­ti­on ist zwi­schen­mensch­li­che Ar­beit, Dol­metsch­en kein iso­lier­ter Vor­gang zwi­schen Kopf­hö­rer und Mi­kro­fon, son­dern Teil ei­nes so­zia­len Ge­sche­hens. Wir Dol­met­sche:rin­nen ar­bei­ten nicht ab­strakt für ei­nen Aus­tausch, son­dern sind Teil der Vor­gän­ge.

Vie­le ah­nen nicht, was Team­ar­beit in der Ka­bi­ne bedeutet. Wir spre­chen hier nicht nur im Wech­sel ins Mi­kro­fon, son­dern ar­bei­ten mit Bli­cken, Ges­ten und No­ti­zen: Es wer­den Zah­len mit­ge­schrie­ben, Be­grif­fe ein­an­der zu­ge­spielt und Do­ku­men­te ge­teilt. Wir ko­or­di­nie­ren ges­tisch Über­ga­ben, hel­fen Miss­ver­ständ­nis­se ab­zu­fan­gen. Das ist kei­ne Sen­ti­men­ta­li­tät, son­dern pro­fes­sio­nel­le Re­dund­anz, die un­se­re oh­ne­hin schon ho­he kog­ni­ti­ve Be­las­tung senkt und Qua­li­tät si­chert, ge­ra­de dann, wenn es schwie­rig wird.

Wenn heu­te von „mo­der­nen Be­din­gun­gen“ die Re­de ist, sind meist Re­mo­te-Set­ups ge­meint, er­gänzt durch KI-Cap­tions und au­to­ma­ti­sche Glos­sa­re, die in der Pra­xis mehr Rei­ze und Un­si­cher­heit er­zeu­gen als Ent­las­tung, denn ich kann die­se KI-Pro­duk­te in der Schnel­le nicht prü­fen. Aber ich weiß, dass die KI vie­le Feh­ler macht. KI-Glossare fragwürdiger Qualität brauche ich auch nicht. Für mich ist im Vor­feld das Er­stel­len ei­ge­ner Le­xi­ken Teil der Lern­ar­beit. Auch die Kol­le­gin in ei­nem wei­te­ren, zu­sätz­li­chen Fens­ter zu se­hen, ist kei­ne gro­ße Hil­fe.

Wenn Men­schen zu schnell spre­chen, hel­fen erst recht kei­ne KI-Un­ter­ti­tel, dann hilft Prä­senz, ein Schritt aus der Ka­bi­ne, ein Zei­chen Rich­tung Mo­de­ra­ti­on oder Red­ner­pult. So ein Mo­ment ret­tet die Kom­mu­ni­ka­tion, ist na­tür­lich un­schön, weil wir die Auf­merk­sam­keit auf uns zie­hen, aber hier wird kurz die ach so mensch­li­che Me­cha­nik sicht­bar. Wer spä­ter spricht, schaut öf­ter zu uns rü­ber, zü­gelt sein Te­mpo, macht Päus­chen. (Dan­ke!) Da­mit wer­den wir wie­der un­sicht­bar.

Auch die Fra­ge des Klangs ist kei­ne der Nos­tal­gie, son­dern der Kon­trol­le, denn ana­lo­ge, lo­kal kon­trol­lier­te Sys­te­me lie­fern sta­bi­le­ren Ton, ge­rin­ge­re La­tenz und we­ni­ger Schwan­kun­gen als in­ter­net­ba­sier­te Lö­sun­gen, die den Ton stau­chen, bei denen es zu un­kon­trol­lier­ten Peaks kommt, was al­les un­ser Ge­hör be­las­tet. Für die Ren­di­te ano­ny­mer In­ves­to­ren ris­kie­re ich doch mei­ne Ge­sund­heit nicht!

Kurz: Die ver­spot­te­ten Tech­nik-Old­ti­mer sind be­währt, be­rech­en­bar und ver­trau­ens­wür­dig, denn Tech­ni­ker be­treu­en sie in der Werk­statt, und sie be­treu­en den Klang (und schüt­zen un­ser Ge­hör) bei den Ver­an­stal­tun­gen. Dass gro­ße In­sti­tu­tio­nen wei­ter­hin dar­auf set­zen, ist kei­ne Träg­heit, son­dern ei­ne Ent­schei­dung für Qua­li­tät, Kon­trol­le und, last but not least, auch für Da­ten­schutz.

Ein Ver­gleich aus der Kü­che macht das greif­bar: Nie­mand wür­de ei­ne Fünf-Ster­ne-Kü­che aus­la­chen, nur weil dort Ge­rä­te ste­hen, die seit Jahr­zehn­ten per­fek­tio­niert wur­den, und nie­mand kä­me auf die Idee, sie ins Mu­se­um zu ver­wei­sen, nur weil es pa­ral­lel Tief­kühl­ge­rich­te, Halb­fer­tig­wa­re und Mi­kro­wel­len gibt. Hau­te Cui­si­ne ist Prä­zi­si­ons­ar­beit, sie braucht Raum, Zeit, Ab­stim­mung, Hand­werk und Werk­zeu­ge, die ge­nau da­für ge­macht sind, und wird nicht da­durch ent­wer­tet, dass es schnel­le­re und bil­li­ge­re Al­ter­na­ti­ven gibt.

Ge­nau­so ver­hält es sich mit High-End-Dol­metsch­en. Die­se Maß­ar­beit ist für Si­tua­tio­nen ge­dacht, in de­nen Nu­an­cen zäh­len, Ver­trau­en ent­schei­dend ist und Kom­mu­ni­ka­ti­on mehr ist als rei­ne In­for­ma­ti­ons­über­tra­gung. Nicht je­de Ver­an­stal­tung braucht die glei­chen ho­hen Si­cher­heits­stan­dards. Es gibt Kon­tex­te, in de­nen Fern­dol­metsch­en sinn­voll sein kann. Ich ha­be selbst El­tern­aben­de aus der Fer­ne be­glei­tet, das Ge­rät aus­ge­schal­tet, als es am En­de um Ein­zel­schick­sa­le ging. Und ich ha­be mich in ei­nem Fall per Te­le­fon wie­der zu­ge­schal­tet.

Dass die mo­der­ne Tech­nik des Fern­dol­met­schens exis­tiert, macht Ar­beits­si­tua­tio­nen nicht be­lie­big aus­tau­sch­bar. Und na­tür­lich wer­den sol­che Fir­men ih­re po­ten­tiel­len Kun­den stets im ei­ge­nen Interesse be­ra­ten und auch Ei­gen­tums­an­sprü­che auf (die von uns er­stell­ten, un­ter uns ge­teil­ten) Glos­sare er­he­ben, oder wenn das Sys­tem unsere Ar­beit ‚mit­schreibt‘. Kei­ne gu­ten Aus­sich­ten.

Die ei­gent­li­che Be­dro­hung geht wirk­lich nicht von der Tech­nik aus. Bedroh­lich sind Men­schen, die un­se­re Ar­beit ver­mark­ten wol­len, wäh­rend sie so tun, als ver­stün­den sie die Vor­gän­ge, die sie ver­ein­fa­chen und ab­wer­ten müs­sen, um sie auf ein Pro­dukt zu re­du­zie­ren. Denn es ist ein­fa­cher, schlich­te Lö­sun­gen mit gu­ter Mar­ge zu ver­kau­fen, als ei­ne kom­ple­xe pro­fes­sio­nel­le Pra­xis. 

Mein Tipp: Wer Rahm ab­schöp­fen will, soll­te lie­ber ei­ne Mol­ke­rei auf­ma­chen. Da­mit wäre der Nicht­ab­ge­bil­dete üb­ri­gens wie­der in sei­ner frü­he­ren Bran­che, er war in der Gas­tro­no­mie tä­tig und hat da­vor so Din­gel­chen zum Ein­ha­ken mit­ent­wickelt, die ‚mul­ti­funk­tio­nell‘ er­lau­ben, ei­ne Ta­sche am Ca­fé­haus­tisch zu be­fes­ti­gen.
Schus­ter, ...!

P.S.: Auf den drit­ten Blick möch­te die Firma un­se­res Spöt­ters übr­ig­ens am liebs­ten rei­nes KI-Dolmet­schen ver­kau­fen. Die Prob­le­me, die das auf­wirft, habe ich im Sep­tem­ber hier be­schrie­ben: KI-Ver­zer­run­gen.

______________________________
Il­lus­tra­tion: Netz­fund (ver­än­dert)

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Respekt (2)

Sie lesen hier die Sei­ten einer Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin. Wie wir ar­bei­ten, ist in der All­ge­mein­heit kaum be­kannt. Schlim­mer noch: Wir wer­den der­zeit im­mer mehr an den Rand ge­drängt und ver­ges­sen (ge­macht). Wie kann es sein, dass ein frü­her hoch­gra­dig re­spek­tier­ter Be­ruf der­art unter die Rä­der kommt? Die KI, aber auch gras­sie­ren­de Dumm­heit und Re­spekt­lo­sig­keit kos­ten Men­schen­le­ben. Ich muss das Phä­no­men Kom­pe­tenz­ver­leug­nung nen­nen. Heu­te die zwei­te Fol­ge der neu­en Rei­he (Auf­takt hier).

Mutter mit Säugling (mit mehr Händen und Fingern als möglich)
Hier hat­te die KI ihre Hän­de
(und Fin­ger) im Spiel
Wir Sprach­ar­bei­te­rin­nen war­ten seit Jah­ren auf Me­di­en­be­rich­te über die Fol­gen der KI-ge­trie­be­nen Ver­ach­tung un­se­res Be­rufs­stan­des, die über­all gras­siert.

Er­stens wird die KI-Bla­se plat­zen, nicht weil KI kein wir­kungs­lo­ses Tool wä­re, son­dern weil ein­fach un­re­a­lis­tisch hohe Sum­men da­für in­ves­tiert wur­den, die von kei­ner­lei Bu­si­ness mo­dels ge­deckt sind.

Ein­schub: Stel­len wir uns kurz vor, die Rei­chen, Hoch­rei­chen und Über­rei­chen wür­den ähn­lich viel in Um­welt- und Ar­ten­schutz in­ves­tie­ren? Nicht aus­zu­den­ken. Ein­schu­ben­de.

Zwei­tens führt die Flut von ver­zerr­ten, un­rich­ti­gen und er­lo­ge­nen In­for­ma­tio­nen zu ei­ner ge­wis­sen Gleich­gül­tig­keit und Mü­dig­keit bei vie­len Mit­men­schen.

Drit­tens meh­ren sich die Fäl­le, in de­nen Kom­pe­tenz­ver­leug­nung le­bens­ge­fähr­lich und töd­lich wur­de.

In Groß­bri­tan­ni­en (GB) ist ein neun Mo­na­te al­tes Ba­by ge­stor­ben. Als Grund für den Tod wur­den ei­ne Sprach­bar­rie­re so­wie der Man­gel an be­ruf­li­cher Neu­gier sei­tens des me­di­zi­ni­schen Per­so­nals ge­nannt: Corn­wall­li­ve.com. Ein Dol­met­scher/eine Dol­met­sche­rin hät­te beim Ter­min im Roy­al Corn­wall Hos­pi­tal hin­zu­ge­zo­gen wer­den müs­sen, um die­sen Tod mög­li­cher­wei­se zu ver­hin­dern.

Im Ein­zel­nen: Die Mut­ter des Winz­lings stamm­te aus dem Aus­land und sprach nur we­nig Eng­lisch. Der Va­ter sprach ein we­nig Eng­lisch, sei­ne Kennt­nis­se wa­ren je­doch be­grenzt. Me­di­zi­ni­schen Fach­kräf­ten wur­de wie­der­holt er­klärt, dass das Kind „mit der Fla­sche ge­füt­tert” wor­den sei, bot­tle-fed, doch nie­mand hat ab­ge­klärt, was das be­deu­tet.

Hier wä­ren Dol­met­sche­rin­nen kul­tur­sen­si­bel ge­we­sen, denn wir ken­nen Hin­ter­grün­de. Nicht in al­len Län­dern wird Fla­schen­nah­rung au­to­ma­tisch mit Säug­lings­nah­rung in Pul­ver­form gleich­ge­setzt. Die­se Vor­an­nah­men ha­ben in­des sei­tens der me­di­zi­ni­schen Kräf­te be­stan­den. Fa­tal: Der Säug­ling hat­te Kuh­milch be­kom­men.

Die­ser Fall passt auch in den grö­ße­ren Kon­text der Sprach­bar­rie­ren im Ge­sund­heits­we­sen: Ak­tu­el­le Da­ten zei­gen, dass der Man­gel an Dol­met­schern in GB be­reits in den letz­ten Jah­ren in Eng­land mit zahl­rei­chen To­des­fäl­len von Kin­dern in Zu­sam­men­hang ge­bracht wird, ge­nannt wird die Zahl von 16 ver­lo­re­nen Le­ben: Hy­phen­on­li­ne.com: Lack of in­ter­pre­ters con­tri­bu­ted to deaths of 16 chil­dren last year.

Im oben ge­nann­ten Fall hät­te auch ei­ne KI-Ver­dol­met­schung nicht ge­hol­fen, denn die KI weiß nichts vom wirk­li­chen Le­ben, sie hat kei­nen Kör­per, kein Be­wusst­sein vom Tod, al­so auch kei­ne Furcht, dass hier Scha­den ent­ste­hen könn­te, sie kennt kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de kaum bis gar nicht, son­dern er­fin­det im Ge­gen­teil Zu­satz­in­fos, die, wenn sie glaub­haft da­her­kom­men, so­gar zu­sätz­lich scha­den kön­nen.

Lei­der noch ei­ne Schip­pe oben­drauf: Für das Dol­met­schen im Kran­ken­haus wer­den auch in Deutsch­land, wenn über­haupt, im­mer häu­fi­ger Nicht-Pro­fis hin­zu­ge­zo­gen, äl­te­re Kin­der, die Rei­ni­gungs­kraft, manch­mal auch Zu­ge­wan­der­te nach Kurz­aus­bil­dung zum Com­mu­ni­ty in­ter­pre­ter. Hier wird Not ver­wal­tet und neue Not ge­schaf­fen. Prio­ri­tä­ten!

______________________________ 
Gra­fik: pix­lr.com (Zu­falls­fund)

Mittwoch, 17. Dezember 2025

KI ist kein Dolmetscher

Bon­jour & hel­lo! Hier schreibt ei­ne Wort­schub­se! Sie ha­ben rich­tig ge­lesen, ich schub­se Wör­ter. Die All­ge­mein­heit nimmt un­sere Leis­tun­gen ähn­lich sel­ten wahr wie die der Pro­fis im Gas­traum ei­nes Flug­zeugs. Aus Ig­no­ranz ent­steht da­bei oft ge­nug Gleich­gül­tig­keit. Wer dol­met­schen möch­te, braucht auf dem Weg zur Ex­zel­lenz viel Zeit: im Schnitt 7,5 Jah­re Aus­bil­dung in Spra­che, Kul­tur, Fach­ge­bie­ten, Me­tho­dik und Be­rufs­kun­de. Ich dol­met­sche FR, DE und EN, meis­tens si­mul­tan. Heute: KI-Mitt­woch.

Die Be­haup­tung ist rasch auf­ge­stellt und im­mer öf­ter zu hö­ren: „Die KI über­setzt heu­te schon fast so gut wie Men­schen.“ Sie klingt mo­dern, ef­fi­zi­ent und al­ter­na­tiv­los. Und sie taucht zu­ver­läs­sig im­mer dann auf, wenn Bud­gets knap­per und Ver­ant­wor­tung aus­ge­la­gert wer­den.

Ar­beits­platz Dol­metsch­ka­bi­ne
Falsch ist die Be­haup­tung trotz­dem.

Nicht, weil KI nichts könn­te, sie ist nütz­lich: Hier setzt sie zum Bei­spiel Soft hy­phens. Sie hilft manch­mal auch, ei­nen ers­ten Über­blick zu be­kom­men. Die Be­haup­tung mit dem Dol­met­schen ist aber des­halb falsch, weil vie­le Zwei­bei­ner nicht ver­ste­hen (oder nicht ver­ste­hen wol­len), was Dol­met­schen ist.

Warum Dol­met­scher:in­nen nicht ein­fach aus­tausch­bar sind 
Kon­fe­ren­zdo­lmets­chen ist kei­ne Wort-für-Wort-Über­tra­gung. Wer das glaubt, hat noch nie er­lebt, wie Be­deu­tung un­ter Zeit­druck ent­steht. Wir Dol­met­scher:in­nen tref­fen per­ma­nent Ent­schei­dun­gen, und zwar in Se­kun­den­bruch­tei­len. Wir hö­ren nicht nur Wör­ter, son­dern Ab­sich­ten. Wir re­gis­trie­ren Ton­fall, Aus­las­sun­gen, vor­sich­tige For­mu­lie­rungen und ge­ziel­te Un­schär­fen. Und wir wis­sen, wann es klü­ger ist, et­was mi­ni­mal zu glät­ten oder ein falsch ver­wen­de­tes Wort zu kor­ri­gie­ren ... und wann ge­nau das nicht pas­sie­ren darf.

Ei­ne KI ver­ar­bei­tet Spra­che. Ein Mensch ar­bei­tet in Si­tu­a­tionen und bringt Ge­füh­le mit ein. Das ist kein ro­man­tischer Un­ter­schied, son­dern ein funk­tiona­ler. Des­halb sind wir Dol­met­scher:in­nen nicht ein­fach aus­tausch­bar, ge­nau des­halb schei­tert KI dort, wo zwi­schen­mensch­liche Kom­mu­ni­ka­tion Fol­gen hat.

Wo­ran las­sen sich „KI-Übel­set­zun­gen“ er­ken­nen? 
Schlechte KI-Aus­wür­fe, die vor­geben, Über­set­zun­gen zu sein, fal­len sel­ten da­durch auf, dass je­des Wort falsch wäre. Im Ge­gen­teil: Sie wir­ken auf den ers­ten Blick er­staun­lich kor­rekt. Das Pro­blem ist da­bei nie der ein­zel­ne Satz, es ist das Ge­samt­bild, sind An­spie­lun­gen und die kul­tu­rel­len Hin­ter­gründe, die zwi­schen den Text­zei­len hin­durch­schei­nen bzw. eben nicht, weil der KI das kul­tu­rel­le Hin­ter­land fehlt. Bei Tex­ten, die am En­de noch durch ei­nen Sprach­ge­ne­ra­tor ge­jagt wer­den, ist es ähn­lich. Zu­sätz­li­che Feh­ler, die bei die­sem letz­ten Schritt ent­ste­hen, sit­zen on top wie die kan­dier­te Kir­sche auf der Tor­te.

1. KI-Pro­duk­te klin­gen glatt, aber leer und oft be­lie­big
Die Sät­ze die­ser Pro­duk­te sind gram­ma­ti­ka­lisch sau­ber, Tipp­feh­ler sel­ten. Der Ton ist neu­tral, manch­mal so­gar ele­gant. Und trotz­dem bleibt am En­de we­nig hän­gen. Was fehlt, ist Po­si­tion, Hal­tung, das Wis­sen um Stand­punk­te, um Kom­mu­ni­ka­tions­ab­sich­ten und Ge­fah­ren.

Kon­fe­ren­zen dre­hen sich meis­tens um die Aus­nah­me, das Be­son­dere, Neue, Ak­tu­el­le. Die KI aber ver­mei­det Zu­spit­zung. Sie scheut Wi­der­spruch, sie kennt kei­ne Ver­ant­wor­tung. Das Er­geb­nis ist Spra­che oh­ne Ge­wicht. In ei­ner Kon­fe­renz, in der Ent­schei­dun­gen vor­be­rei­tet oder le­gi­ti­miert wer­den sol­len, ist das nicht harm­los, son­dern kann ri­skant wer­den. Die Wort­wahl der KI folgt der Wahr­schein­lich­keit, dem ma­the­ma­tischen Durch­schnitt. Als Bei­spiel dür­fen Sie an Ma­ler­fahr­un­gen aus der Kind­heit den­ken: Al­le Far­ben zu­sam­men­ge­mischt er­ge­ben grau.

2. Ma­schi­nen ken­nen Wör­ter, kei­ne Ab­sich­ten
Die KI über­setzt, was ge­sagt wird, nicht das, was ge­meint ist. Iro­nie wird zu Ernst, Vor­sicht wird zu Be­lie­big­keit, Kri­tik klin­gt plötz­lich wie ei­ne sach­liche Rand­be­mer­kung. Für das Pu­bli­kum ent­steht ein völ­lig an­deres Bild, nicht of­fensichtlich falsch, aber ver­zerrt. Ge­nau dar­in liegt die Ge­fahr: Nie­mand springt auf, nie­mand wi­der­spricht oder hin­ter­fragt die State­ments. Trotz­dem hat sich die Be­deu­tung ver­än­dert.

3. Ma­schi­nen ig­no­rie­ren Macht­ver­hält­nisse

Bei Kon­fe­ren­zen spre­chen nicht al­le auf Au­gen­höhe. Das ist kein Ge­heim­nis, son­dern All­tag. Er­fah­rene Dol­met­scher:in­nen hö­ren, wer ab­si­chert, wer pro­vo­ziert und wer de­es­ka­li­eren will. Sie er­ken­nen, wann ein Satz for­mal höf­lich ist, aber in­halt­lich Druck aus­übt. KI er­kennt Satz­struk­turen, aber sie er­kennt nicht, wer ge­rade wem et­was sagt.

4. Ma­schi­nen schei­tern an Fach­lo­gik
Fach­be­griffe sind sel­ten das ei­gent­liche Pro­blem, Fach­lo­gik schon. Die KI kann Ter­mi­no­lo­gie re­pro­du­zie­ren und da­mit Kom­mu­ni­ka­tion si­mu­lie­ren, sie kann aber nicht be­ur­tei­len, ob Be­griffe zu­ein­an­der pas­sen, ob sie im ge­ge­be­nen Kon­text Sinn er­ge­ben oder ob je­mand sie ge­rade stra­te­gisch falsch ver­wen­det. Wir Men­schen kor­ri­gie­ren lei­se, die KI re­pro­du­ziert kon­se­quent, auch dann, wenn der Feh­ler of­fen­bar ist. Sie stellt kei­ne Fra­gen, ist auch hier aal­glatt, be­quem im Um­gang und lie­fert da­mit un­zu­ver­läs­sigen Out­put.

5. Ma­schi­nen ma­chen Feh­ler, Men­schen auch
Kon­fa­bu­la­tionen oder vor­schnel­le In­ter­pre­ta­tionen der KI ha­ben in­zwi­schen wohl al­le schon mal ge­lesen. Die KI kann sich nicht selbst aus­brem­sen und ist nicht selbst­kri­tisch. Wenn am En­de 20 Pro­zent des Aus­wurfs 'un­scharf' ist, er­fun­den oder ver­pei­lt, warnt die Ma­schi­ne ei­nen nicht. Was soll das Pu­bli­kum am En­de glau­ben? Und wenn Men­schen Feh­ler ma­chen, und Men­schen ma­chen Feh­ler, er­kennt die KI das nicht, warnt nicht vor Miss­ver­ständ­nissen, über­trägt 1:1. Grund­sätz­lich gilt: Die KI kennt kei­ne Feh­ler.

Bei Kun­den führ­te das zu viel Auf­ruhr, weil ei­ne Text­über­tra­gungs-KI das Ge­gen­teil von dem pro­du­ziert hat, was ge­meint war: klick. Das war 2021. Auch heu­te fin­den sich im­mer wie­der gro­be Feh­ler in Tex­ten.

Die „KI“ ar­bei­tet zu­dem nicht al­lein:
Oh­ne mas­sen­haf­te Aus­beu­tung in ar­men Län­dern ist sie nicht mög­lich

Ré­su­mé: Was Auf­trag­geber re­gel­mäßig falsch ver­ste­hen 
Vie­le Auf­trag­geber ge­hen da­von aus, dass es beim Dol­met­schen vor al­lem dar­um geht, dass „es ir­gend­wie an­kommt“. Das reicht aber nicht: Ge­rade bei Ver­hand­lun­gen, po­li­tischen Ge­sprä­chen oder fach­lich sen­sib­len The­men ent­schei­det der Ton über die Wir­kung. Wir al­le ken­nen die Aus­sa­gen, dass die Kör­per­spra­che ei­nen we­sent­lichen An­teil an der Kom­mu­nika­tion hat, wenn nicht gar den größ­ten.

Ei­ne KI hat kei­nen Kör­per, kei­nen Auf­tritt, wenn es um Vor-Ort-Ver­hand­lun­gen im Klei­nen oder um die gro­ße Büh­ne geht. Ei­ne KI fragt nicht vor dem Ein­satz die si­tu­a­ti­ons­typi­schen Be­griffs­ver­wen­dun­gen ab. Ei­ne KI über­schrei­tet un­sicht­bar die Schwel­le ih­rer ei­genen In­kom­pe­tenz. Wir Men­schen ha­ben die Grö­ße, Lü­cken ein­zu­ge­stehen, wir Men­schen fra­gen nach oder über­le­gen ge­mein­sam mit den Kun­den, um gu­te Mus­ter­über­set­zun­gen zu fin­den, soll­te ter­mi­no­lo­gi­sches Glat­teis dro­hen, al­so „Bei­n­bruch­gefahr“ be­ste­hen. Die KI hat kein Bein, er­kennt al­so auch sol­che Ge­fah­ren nicht.

We­sent­lich: Ei­ne mi­ni­ma­le Ver­schie­bung kann Be­zie­hun­gen be­schä­di­gen, Miss­ver­ständ­nisse er­zeu­gen oder Ver­trau­en un­ter­gra­ben. Die KI be­merkt das nicht, weil sie nicht weiß, was Ver­trau­en ist. Men­schen schon. Und sie ge­ben In­hal­te, an­ders als vie­le KI-Sys­teme, nicht stan­dard­mäßig an Tech-Kon­zer­ne wei­ter.

Warum KI trotz­dem gern ein­gesetzt wird

Nicht, weil sie bes­ser wäre, son­dern weil sie bil­lig er­scheint, so­fort ver­füg­bar ist und Ver­ant­wor­tung ver­schiebt. Das ist be­quem, aber kein pro­fes­sio­neller Um­gang mit Kom­mu­ni­ka­tion. Wenn et­was schief­geht, war es die Tech­nik und kein per­sön­liches Ver­sagen, kein Feh­ler im Sys­tem. Mög­licher­weise wur­de aber aus „bil­lig“ plötz­lich rich­tig teu­er.

Kon­fe­renz­dol­met­schen ist kein tech­ni­sches Fea­ture, son­dern mensch­liche Kom­pe­tenz. Da­her sind wir zwei­bei­nigen Kon­fe­renz­dol­met­scher:in­nen un­er­setz­lich, und das gilt auch für je­ne von uns, die viel­leicht im Rol­li sit­zen oder mit Krü­cken an­kom­men.

Bis zum nächs­ten KI-Mitt­woch!

______________________________
Foto:
C.E. / Wikicommons (mechanical Turc)

Dienstag, 16. Dezember 2025

Museum der Wörter (46)

Will­kom­men bei mei­nem Blog aus der Ar­beits­welt der Spra­chen. Wie Dol­met­scher und Über­set­zer ar­beiten, ist oft nicht so ge­nau be­kannt. Zum Be­ruf gehört auch, dass wir uns stän­dig Ge­dan­ken über die Ar­beits­mit­tel machen, über Tech­nik, na­tür­lich, aber auch über die Spra­chen.

              
             
Der Ball liegt im La­ger des Geg­ners
 
Die­sen Be­griff gab es auf Deutsch noch nicht, als ich Kind war. Im Eng­lischen exis­tiert das Idiom the ball is in some­one’s court, im Fran­zö­sischen la bal­le est dans le camp de l'au­tre. Im Deut­schen wurde die wört­liche Über­tra­gung erst spä­ter geläufig, be­för­dert durch Glo­ba­li­sie­rung, Medi­en und Ver­hand­lungs­jargon. 

Völkerball
Meine Assoziation zum Begriff
Es gibt kei­nen klaren Nach­weis, dass der Ju­go­slaw­ien­krieg die­se Re­de­wen­dung in Deutsch­land erst brei­ten Krei­sen be­kannt mach­te, was meine stil­le Vermutung ist; es war al­so eher ein schlei­chen­der sprach­licher Trans­fer.

Zum Bild: „Völ­ker­ball“ hieß üb­ri­gens in dem Teil Deutsch­lands, in dem der „Füh­rer­schein“ eine „Fah­rer­laub­nis“ ge­nannt wurde, auch „Zwei­fel­der­ball“. Auf Fran­zö­sisch ist es la balle aux pri­son­niers, was mei­nen Ge­dan­ken wei­ter­treibt: „Ge­fan­ge­nen­ball“ in der wört­li­chen Über­set­zung, ein Feld­teil wird dann prompt auch la pri­son ge­nannt, das Ge­fäng­nis. Auf Eng­lisch ist es dodge­ball, dabei be­deu­tet the dodge Trick, Täu­schung oder Win­kel­zug.

______________________________
Il­lus­tra­tion: Schul­buch ca. 1911

Montag, 15. Dezember 2025

Montagsschreibtisch (120)

Herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­sche­rin, auf de­nen ich über Spra­che und Wör­ter schrei­be und über das, was zwi­schen den Zei­len liegt. Die meis­te Ar­beit, die wir Dol­met­sche­rin­nen leis­ten, bleibt un­sicht­bar: Vor­be­rei­tung und Nach­be­rei­tung, Vo­ka­bel­er­kennt­nis­se si­chern, Fach­ar­ti­kel oder Bü­cher stu­die­ren, täg­li­ches Be­a­ckern der Wort­fel­der und Zei­tungs­lek­tü­re. Die­ser Blog ist ein Ort für No­ti­zen vom Rand des Ge­sche­hens. Heu­te: Mon­tags­schreib­tisch! 

Frau mit kurzem Rock zwischen Nebel und Frost an einem Tisch
Die KI weiß nicht, was frie­ren be­deu­tet
Ges­tern wa­ren wir nur kurz im Re­gie­rungs­vier­tel, an et­li­chen Stel­len war al­les dicht. Dort herrscht heu­te Si­cher­heits­stu­fe Rot. Ich hal­te die Dau­men für ein Ge­lin­gen und für mög­lichst we­nig wei­te­re Kol­la­te­ral­schä­den für die Uk­ra­i­ne. Ich darf heu­te im Bü­ro zu­brin­gen.

Auf dem Schreib­tisch lie­gen:
Ab­la­gen
Bü­ro auf­räu­men
Vo­ka­bel­lis­ten durch­se­hen
Vor­la­gen durch­ge­hen, viel schred­dern, man­che Re­de­wen­dung vor­her ex­zer­pie­ren 
Jahr 2026 wei­ter­pla­nen

Ge­ra­de tre­ten wir in die­se Zwi­schen­zeit ein, in der sich Din­ge ord­nen las­sen, oh­ne dass gleich der nächs­te Ter­min an­steht. 

Ich mag das. Der Kopf wird frei, wäh­rend die Hän­de ar­bei­ten.

Die Näch­te dau­ern mir ge­ra­de wie­der zu lang, aber sol­che Be­schwer­den sind Bin­sen: Das än­dert sich von al­lein. Zu­gleich bin ich er­schüt­tert.

Die Men­schen fei­ern zur Win­ter­son­nen­wen­de ih­re Lich­ter­fes­te. Die See­le trau­ert, ras­sis­ti­sche Ta­ten nun auch in Aus­tra­li­en. Da­bei be­deu­tet das jü­di­sche Fest, dass das Licht die Dun­kel­heit be­siegt. Ge­nau die­se Leich­tig­keit ha­ben die At­ten­tä­ter be­wusst zer­stört wol­len. Mei­ne Trau­er, mein Bei­leid und mei­ne Ge­ne­sungs­wün­sche gel­ten den Op­fern und ih­ren An­ge­hö­ri­gen.

______________________________
Foto:
pixlr.com (Zu­falls­fund)

Samstag, 13. Dezember 2025

Überwachungssoftware

Bon­jour oder bon­soir auf den Sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­te­rin. In die­sem di­gi­ta­len Ta­ge­buch kön­nen Sie an ei­ni­gen Ta­gen der Wo­che mit­le­sen, wie Dol­met­sche­rin­nen und Über­set­ze­rin­nen, Über­set­zer und Dol­met­scher ar­bei­ten. Heu­te: Link der Wo­che.

Un­be­strit­ten gibt es seit Jah­ren häufiger At­ten­ta­te, Amok­läu­fe, Kri­sen­alarm, in­ter­na­tion­al­en Ter­ror­is­mus, re­li­giö­se Fun­da­men­ta­lis­ten und ir­re Men­schen­fein­de. Die Re­gie­rung ist auf­ge­for­dert, sich Maß­nah­men zu über­le­gen, wie sich das ein­he­gen lässt. Zugleich gibt es in Deutsch­land einen brei­ten Kon­sens: Die DDR war ein Über­wa­chungs­staat, und flä­chen­dec­ken­de, au­to­ma­ti­sier­te Ein­mi­schung von oben wi­der­spricht den Rech­ten der Men­schen, zum Beispiel auf Un­ver­letz­lich­keit der Woh­nung oder des Brief­ver­kehrs. Para­dox: In Deutsch­land soll bald, Jahr­zehn­te nach dem En­de der DDR, flä­chen­de­ckend eine Soft­ware ge­nutzt wer­den, die der feuchte Traum je­des Stasi-Offi­ziers ge­we­sen wäre. Schlim­mer noch: Sie ist in Hän­den von fa­schis­toi­den, ex­tre­mis­ti­schen Über­rei­chen auf ei­nem an­de­ren Kon­ti­nent.

... und für Deutsch­land?
Schwei­zer Ab­leh­nung
Es geht um die um­strit­te­ne Pa­lan­tir-Soft­ware. Die Schwei­zer Be­hör­den haben sie gerade nach gründ­li­cher Ri­si­ko­prü­fung ab­ge­lehnt. Ein in­ter­ner Be­richt der dor­ti­gen Ar­mee stell­te klar: Die Soft­ware birgt er­heb­li­che Ge­fah­ren für Da­ten­ho­heit, na­tio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät und Pri­vat­sphä­re. 

Ein Da­ten­ab­fluss aus den Sys­te­men kann tech­nisch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, die Ab­hän­gig­keit von hoch­qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal des US-Kon­zerns ist ge­ge­ben, und die Kos­ten sind schwer kal­ku­lier­bar.

Undemokratische Ziele
Ab­ge­zielt wird auf „Ver­bre­chens­vor­her­sage“, auf Englisch Pre­dic­tive Po­li­cing. Da­mit sind wir nicht weit ent­fernt von Me­tho­den, die in der Ver­gan­gen­heit zu „Schutz­haft“ oder „Sip­pen­haft“ führ­ten, die Be­grif­fe stam­men aus der Na­zi­zeit. Datentausch per Echt­zeit­kom­mu­ni­ka­ti­on (En­de-zu-En­de-Ver­schlüs­se­lung) schwächt die in­ne­re Si­cher­heit des Landes mas­siv. Der Staat ver­liert da­durch einen nicht geringen Teil an Sou­ve­rä­ni­tät. Netzpolitik.org hat darüber berichtet.

Ge­fah­ren für Bür­ger­rech­te
Be­son­ders kri­tisch: Die Soft­ware sam­melt und ver­knüpft rie­si­ge Da­ten­men­gen, wodurch Men­schen an­hand sta­tis­ti­scher Mus­ter ins Vi­sier ge­ra­ten kön­nen, oh­ne Ver­dacht, nur durch al­go­rith­mi­sche Ver­knüp­fung. Dis­kri­mi­nie­rungs­po­ten­zial und Grund­rechts­ein­grif­fe sind Teil der Analyse.

Deut­sche Igno­ranz
Wäh­rend die Eid­ge­nos­sen ab­lehn­ten, set­zen vier deut­sche Lan­des­po­li­zei­en (NRW, Hes­sen, Bay­ern, Ba­den-Würt­tem­berg) Pa­lan­tir be­reits ein. In­nen­mi­nis­ter Do­brindt plant zu­sätz­lich, die Soft­ware bun­des­weit zu nut­zen, ob­wohl die Ri­si­ken be­kannt sind. Fra­gen der di­gi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät, Da­ten­ho­heit und Grund­rech­te wer­den da­bei an­sichts der of­fen­sicht­li­chen War­nun­gen igno­riert.

Glaub­wür­dig­keit
Soft­ware und Al­go­rith­men, ganz be­son­ders die KI, küm­mern sich nicht um die Wahr­heit. Sie in­ter­es­sie­ren sich ge­nau­so we­nig für Ge­nau­ig­keit wie manche Po­li­ti­ker:innen of­fen­bar für die ei­ge­ne Glaub­wür­dig­keit. Sie wol­len plau­si­bel ge­nug klin­gen, damit das Publikum zu­stim­mt. Rea­lis­tisch be­trach­tet kön­nen Amts­trä­ger:innen die Auf­ga­be der Sou­ve­rä­ni­tät über sen­si­ble Da­ten nicht mit ihrem Amt­seid ver­ein­ba­ren.

Fa­zit
Was in der Schweiz als zu ris­kant gilt, soll in Deutsch­land Rea­li­tät wer­den. Mil­lio­nen un­ver­däch­ti­ger Bür­ge­rin­nen und Bür­ger könn­ten der Soft­ware und de­ren Ei­gen­tü­mern in einem prä-faschistischen Staat aus­ge­setzt sein. Die Dis­kre­panz zwi­schen Ri­si­ko­ein­schät­zung und po­li­ti­scher Um­set­zung wirft viele Fra­gen auf, vor al­lem zur Ver­ant­wor­tung der Po­li­tik im Um­gang mit sen­si­blen Da­ten.

______________________________
Bild: Netz­fund