Sonntag, 31. Juli 2016

Stadtmauer

Willkommen auf den Seiten des ersten deutschen Blogs aus dem Inneren der Dol­met­scher­ka­bine. In Berlin herrscht hochsommerliche Geschäftigkeit. Es folgen die Sonntagsbilder! Ich bin diese Wochen im Berliner Büro.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert regelmäßig in Berlin unterwegs sein und dann, eines nachts, plötzlich und überraschend vor dem Rest einer mit­tel­al­ter­li­chen Stadtmauer stehen: Sehnse, det is Balin! So geschehen letzten Februar auf dem Weg zu einer Berlinalpartylocation, und dieser Tage treibe ich mich wieder in der Gegend rum. Zwischen der Littenstraße, die bis 1951 Neue Friedrichstraße hieß, und der Waisenstraße liegt dieses Reststück, das durch die Berliner Mauer (1961-1989) in Vergessenheit geraten ist. Diese andere "Berliner Mauer" entstand hier vermutlich ab den 1250-er Jahren.

Wir befinden uns zwischen Parochialkirche und der Ruine des Grauen Klosters in fast unmittelbarer Nachbarschaft zur Museumsinsel und dem von der DDR in his­to­ri­sie­ren­der Platte Mitte der 1980-er Jahre rekonstruierten Nikolaiviertel. Hier gibt es auch Berlins älteste Schankwirtschaft in einem Gebäude, das 1561 erstmalig ur­kund­lich erwähnt wurde. Dass dieses und Nachbarhäuser die Steine der Stadt­be­fes­tig­ung als Außenwand genutzt haben, war die Rettung der Einfriedung.

Nach dem Krieg standen auch in dieser Gegend fast nur noch Ruinen. Bei Räu­mungs­ar­bei­ten wurde der historische Wert der alten Mauerpartien schnell fest­ge­stellt und gesichert, was gesichert werden konnte. Die Reste einige Nach­bar­häu­ser der Reihe wurden leider abgetragen; anderes, darunter die stark beschädigte Wirt­schaft, wur­de bereits 1961-63 rekonstruiert und ver­größ­ert. Die his­to­ri­sche Bau­subs­tanz ging da­durch weitgehend verloren. Ge­ret­tet wurde der his­to­ri­sche Ka­chel­ofen aus Ma­jo­li­ka-Ka­cheln, an dem sich schon Na­po­le­on Bo­na­par­te ge­wärmt ha­ben soll.


Ich kannte bislang nur das wiederhergestellte "Zitat" der Akzisemauer in der Stre­se­mann­stra­ße. Aber diese Mauer entstand deutlich später. Der Film zeigt die Ge­gend eindrucksvoll; in den winterlichen Aufnahmen sind die gemauerten Partien besonders gut zu sehen. Mich berührt die Ge­gend sehr, habe ich doch meine Kind­heit in einer historischen Stadt verbracht, in der das Mittelalter sehr präsent war. Ich spreche von Marburg an der Lahn.



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Fotos: C.E.
Video:
YouTube/videohai02

Donnerstag, 28. Juli 2016

Lage, die

Willkommen beim Blog aus der Dolmetscherkabine für die französische Spra­che. Sie befinden sich in exakt diesem Augenblick in Berlin und teilen mit uns eine knapp zwei Quadratmeter kleine, schallisolierte Kabine.

Mitten in der Som­mer­pause eine inter­national bestückte La­ge­be­spre­chung. Etliche Beteiligte sind aus dem Urlaub zurück­gekehrt, manche genie­ßen wie ich den Som­mer in Berlin.

Das Wort "Lage" wird derzeit inflationär genutzt. Die Morgen­lage bringt der Hör­funk um acht, die Gefähr­dungs­lage durch den Zuzug so vieler Aus­länder wird er­ör­tert, die Terrorlage neulich in Mün­chen.

Der Be­griff stammt vom Militär. So, wie bereits der "Stand­ort", der seit Jahren zum aktiven Wortschatz der Öko­no­men, Politiker und Wirtschaftspolitiken gehört. Si­cher­heit steht im Mittelpunkt. In Frank­reich hat seit Jahr­zehnten das militä­rische sécurité das zivile sûreté ersetzt.

Wandbild mit Müll und "Stop War"-Schild, inmitten dessen ein schwarzer Pistolenmann
Gesehen am Stadtschlossbauzaun
Die rhetorische Bewaffnung gefällt mir gar nicht. Ebenso wenig wie das Hy­per­ven­ti­lie­ren mancher Politiker und Medien. Schlimme Dinge geschehen derzeit, darin sind sich ja wohl alle einig. Aber durch die ständigen Sprünge von Körper- zu Kopf­stim­me, das aufgeregte: "Wir wissen der­zeit auch nichts Neues", das derzeit stun­den- bis abendstundenlang gesendet wird (nach München), regt nur Trittbrettfahrer an. Wie zu beweisen war.

Deutschlandfunk gestern in den News: "Ich fürchte, was das künftig für die Flücht­lings­hilfe zu bedeuten hat, das werden wir sehen." Diesen Satz nicht zu sen­den, wäre auf das Glei­che hin­aus­ge­lau­fen.

Ich zähle zu jenen, die sich noch gut an die Fahndungsplakate der RAF in den Sieb­zi­ger Jahren erinnern und in den Jahrzehnten danach an die Attentate in Paris. Ver­gli­chen mit dem Ende des 20. Jahrhunderts haben wir es heute in Europa mit weniger Terrorismus zu tun. Es sind die Medien und die sozialen Netzwerke, die die Wahrnehmung verändern.

Ich halte es mit dem Papst. Es ist kein Krieg der Ideologien oder der Religionen, sondern ein Krieg um Interessen, um Geld, um natürliche Ressourcen.

Meine Lage ist ganz gut, Danke der Nachfrage. Irgendwie schräg gelegen in der Nacht, die rechte Schulter zieht. In der engen Kabine kann ich mich gerade mal kurz recken und strecken, dann bin ich schon wieder am Mikro.

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Illustration: Bauzaun in Mitte

Montag, 25. Juli 2016

Kleinknüselkram

Hallo, bonjour, hello auf meinen Blog­seiten aus dem Le­ben einer Pro­fi­dol­met­scher­in. Hier schreibe ich im neunten Jahr über die Arbeitswelt der Sprachen. Ich arbeite in Berlin, Leipzig, Hamburg, Lyon, Pa­ris und dort, wo Sie mich brauchen. Ich bin diesen Sommer im Berliner Büro. 

Was steht an? Aktu­el­le Po­li­tik, Fra­gen der öko­lo­gi­schen Wär­me­däm­mung eines Alt­baus aus dem frühen 19. Jahrhundert und Kleinknüselkram. Das kann zum Beispiel sein: Warten auf die Fotos von den letzten Einsätzen, die eine Art Kom­men­tar­bei­trag zu den Er­eig­nis­sen in Deutschland und Frank­reich sein sollen, aber auch fünf Kostenvoranschläge an einem Tag, so lohnt es sich wirklich, der Herbst will vor­be­rei­tet sein.

Dann sucht eine Dolmet­scher­kollegin eine franzö­sische Un­ter­titlerin oder einen Unter­titler. Wer Filme auf diese Weise übersetzt, übt einen prekären Beruf aus. Wie Jour­na­lis­ten und Lektoren haben sie in den letzten Jahrzehnten die Ent­wer­tung ihrer be­ruf­li­chen Fä­hig­keiten mit­an­se­hen müssen. Die schlechte Qualität vie­ler Untertitel hat inzwischen zahlreiche die Pro­duk­tions­fir­men überzeugt, wieder mehr Geld auszugeben und direkt ihre Mit­ar­beiter zu suchen. (Vor einigen Jahren haben mich tatsächlich noch |Agenturen| Makler mit Hunger­ho­no­rar­sätzen an­ge­spro­chen und der Frage, ob ich nicht untertiteln möchte. Ja, aber ...)

Dem Lebenslauf, der mir auf den Tisch flattert, nähere ich mich professionell, auch wenn es sich eigentlich um eine Konkurrentin handelt, allerdings mit, bei schrift­li­chen Übersetzungen, einer anderen Zielsprache. Ich lese ihn kurzerhand Korrektur. Das sollten wir unter Kollegen regelmäßig machen und machen lassen, denn die berühmte Betriebsblindheit ... Lehrers Kinder, Müllers Vieh ...! Mehr sag ich nicht. Ihre Untertitelkorrekturen eines Berlinalefilms waren hervorragend, der Lebenslauf sollte das spiegeln.

Hiermit ist schon alles berichtet zu meiner Vision einer Wirtschaft nach mensch­­li­­chem Maß: Es geht um Kooperation und nicht um Ellenbogen. Das Ganze vor dem Hin­ter­grund, dass das Ergebnis bestmöglich sein soll.

Parkett, Flügeltür, neue Griffe, altes Treppenhaus
Berliner Hausdetails
Kleinknüselkram der be­son­de­ren Art: Die Kundin einer Kol­le­gin muss fürs Amt ein For­mu­lar aus­fül­len, in dem das Bau­jahr ih­rer Woh­nung ab­ge­fragt wird. Sie lebt in einer WG, hat kei­ne Ein­sicht in den Miet­ver­trag (in dem das Jahr steht). Ich bit­te sie, mir Fo­tos vom Haus zu schicken, in dem sie lebt.

Fassade, Treppenhaus, Fenstern und Türen erzählen mehr. Dann schaue ich mir den historischen Stadtplan mit den Stadterweiterungen an. Und kann das Haus auf knapp 30 Jahre genau datieren: 1872-1900. Ich freue mich, als historisch In­te­res­sier­te solchen "Mehrwert" leis­ten zu kön­nen. Die Be­trof­fe­ne hat­te "irgendwas nach 1945" getippt.

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Fotos: privat

Sonntag, 24. Juli 2016

Klimawandel

Bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Sprachmittlerin, derzeit aus Berlin. Sonntags werde ich privat: Sonntagsfoto!
 
Climate change on my balcony: I observe all growing cycles in parallel!

Oder liegt es an der guten Komposterde eigener Hofgartenherstellung?


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Foto: C.E.

Freitag, 22. Juli 2016

Gurgel-Übersetzung

Bon­jour und herz­lich will­kom­men auf den Sei­ten des 1. Blog Deutschlands, der im Inneren der Dolmetscherkabine entsteht — oder am Übersetzerschreibtisch. Ich arbeite mit den Sprachen Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (passiv).
Ich bin diesen Sommer im Berliner Büro.


Mails von Menschen, die so tun, als wür­den sie ei­nem Geld schen­ken wol­len, die aber in Wirk­lich­keit vom Em­pfän­ger wel­ches ha­ben wol­len, wer­den Scam­mer ge­nannt. Meis­tens dis­qua­li­fi­zie­ren sie sich in ih­ren Mails durch haar­sträu­ben­de Gram­ma­tik à la "Wer­te Frau/Mann, Ich sie ha­ben wun­der­vol­ler Bot­schaft mit 14 Mil­lio­nen Dol­lar auf Ihr Bank ac­count zu kom­men."

Den Scam­mern schien die Qua­li­tät ihrer Nach­rich­ten lan­ge un­wich­tig ge­we­sen zu sein. Das groß­zü­gi­ge Geld­ar­gu­ment sollte über­zeu­gend ge­nug sein. Inz­wi­schen hat sich aber in diesen Krei­sen of­fen­bar rum­ge­spro­chen, von welch zwei­fel­haf­ter Gü­te die "Über­tra­gun­gen" des Datenwasserspeiers "Gargyole" so sind, der uns Über­set­zern und Dolmetschern an die Gurgel will, al­so uns am liebs­ten (kos­ten­pflich­tig) er­set­zen möchte, weshalb er gerne auch mal als "Dr. Gurgel" apos­tro­phiert wird.

Wer hat die nur informiert? Vielleicht sollten wir diese Person bitten, auch mal bei etlichen potentiellen Kunden anzurufen, die uns immer wieder mal angeblich über­setz­te Dateien mit der Bitte um Korrektur senden. Diese Absender können durch­aus auch "Agenturen" seien, darunter viele in Werbung und Medien höchst­prä­sen­te Firmen und Startups, allesamt nur Makler, die sich allerdings 50 bis 75 % von Ho­no­rar und Nebenkosten für Telefondienste genehmigen und dann selbst nur wei­ter "gurgeln", bis sie ein Opfer haben ...(das müssen dann z.T. keine Profis sein).

Und ja, es soll auch gute Agenturen geben. Ich kenne leider keine.

Sorry für mein schlechtes Google Übersetzer Ich vertrete eine Investition Interesse von Dubai ; und interessiert sich für Investitionen in Übersee Erholung große Menge von Mitteln bei vi suchen Ihre Teilnahme als Auslandsvertreter zwei InvG . Antwort -mail unten auf E , wenn interessiert. Grüße, E - mail: MrDubaiinvest@...com
Heute im Mailbriefkasten
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Foto: Netzfund

Donnerstag, 21. Juli 2016

Sommer!

Bonjour, hier liest, denkt und schreibt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Ich ar­bei­te in Paris, Berlin, Cannes, War­ne­mün­de und dort, wo Sie mich brau­chen.

Diese Woche ver­ab­schie­den sich die Berliner Kinder in die Schul­ferien. Unser Ur­laub geht schon wieder zu Ende, wir halten die­sen Som­mer die Stellung im Büro in Berlin!

Ich wünsche meinen Kunden, Kol­legen und auch al­len an­de­ren Le­se­rin­nen und Le­sern einen schö­nen Sommer, trotz der oft be­drücken­den Welt­lage.


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Foto: privat

Mittwoch, 20. Juli 2016

Wer rastet, der ...

Welcome, bienvenue, gu­ten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer machen, kön­nen Sie hier lesen. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Ziel­spra­che) und Englisch (Ausgangssprache). Ich arbeite in Paris, Rennes, München, Berlin und dort, wo Sie mich brauchen.

Dann kommt noch die Frage einer Kollegin rein: Wie ließe sich "wer rastet, der ros­tet" ins Französische übertragen?  Ich denke ein wenig nach ... rosten heißt rouil­ler auf Französisch, rasten faire une halte (hier steckt das deutsche "Halt" drin), se reposer, faire la pause usw. Die wörtliche Übertragung wäre also Qui se repose, rouille.

Das liegt nicht weit entfernt von Se reposer, c'est se rouiller (sich ausruhen be­deu­tet rosten), sogar mit Reimschema, aber irgendwie klingt's übersetzt oder ähnlich phan­ta­sie­los wie S'arrêter, c'est reculer ("stehenbleiben bedeutet zu­rück­schrei­ten"). Hier wird einfach nur darauf gesetzt, dass ein Großteil der französischen Verben auf -er endet. Diese Lösungen wirkt nicht so elegant wie das deutsche Sprich­wort, das in seiner Kür­ze nicht zu überbieten ist.

Ich stehe kurz vor der eigenen Pause. Nein, nur Mittagspause, im Urlaub war ich die­sen Sommer schon, reingequetscht zwischen Dolmetschtermine, trotzdem schön. Jetzt hab ich Stallwache in Berlin und darf auch gleich spannende Themen be­ackern, etliches außerhalb jeglicher Konferenzschemata, weil Dolmetscher und Übersetzer eben auch soziale Berufe sind. Auf dem Tisch liegen:

⊗ Homosexualität und Religionen, gleich im Plural
⊗ Produktionsbegleitende Texte zu einem Weihnachtsfilm
⊗ Abnahme einer Untertitelung
⊗ Arbeits- und Lebenssituation kreativer Freiberufler
⊗ Bodengesundheit

An der Übersetzungsfrage puzzle ich zwei Minuten lang rum, eigentlich fast ziel- und absichtslos, und finde eine mögliche Lösung: Qui trop se repose, risque la sclérose, "Wer sich zu viel ausruht, riskiert die Verkalkung" ... mit Endreim na­tür­lich!

Solche kleinen Verschiebungen sind uralte Übersetzertricks. Eine andere Ver­schie­bung ist diese hier: Grouille avant que ça rouille !, wörtlich: "Mach hinne, bevor Rost ansetzt!"... die aus dem Netz gefischte Lösung ist auch schön, aber anderes Sprachniveau. Es ist schon klasse, so viel Auswahl zu haben. Und die fran­zö­si­sche Entsprechung ohnehin: L'oisiveté est mère de tous les vices, "Müßiggang ist aller Laster Anfang" (auf Französisch: "die Mutter aller Laster"), und völlig rostfrei noch dazu.

P.S.: Die Kollegin hat am Ende bouger, éviter de rouiller ("bewegen, vermeiden zu rosten") gewählt, weil's positiver sei.

Avid-Schnittplatz
Schnitt mit zwei Monitoren

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Foto: Sylvain Coutandin

Dienstag, 12. Juli 2016

Vermischtes

Hallo! Sie lesen im 1. Blog Deutschlands aus der Inneren der Dolmetscherkabine. Ich bin Französischdolmetscherin und übersetze derzeit in Berlin, allerdings keine beglaubigten Urkunden.

Bienen und Blüten
Bee Berlin
Auf dem Schreibtisch: Ge­schich­te, allgemeine Politik und Texte zur Vorbereitung von Dreharbeiten. Ach, und Untertitel erstellen darf ich auch bzw. her­aus­fin­den, wel­ches Un­ter­ti­tel­text­for­mat für eine neue Version des Schnitt­pro­gramms mit Namen Avid tauglich ist, wobei ich mich in die ent­spre­chen­de Software erst wieder einarbeiten muss. Das braucht Zeit.

Der Hauptrechner ist derzeit in der Werkstatt, also nutze ich die Gelegenheit, um auch den Reiserechner aufzuräumen. Und den Hofgarten und den Balkon zu be­ackern. Il faut cultiver notre jardin, wusste schon Voltaire, "wir müssen unseren Garten pfle­gen".

Zwischendurch lese ich in dicken Wälzern. Und wo ich gerade mitten in der Welt­ge­schich­te stecke, dort halte ich mich ich in Vorbereitung des übernächsten Ar­beits­ein­sat­zes auf, folgt hier noch ein Sichtungs- und Medientipp. Einer der Pro­du­zen­ten, für die ich regelmäßig arbeite, Felix Moeller, hat einen Film über den Um­gang mit dem Filmerbe des Dritten Reiches gedreht, der neulich zu nächt­li­cher Stunde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lief.

Noch ist er in der Mediathek des SWR zu sehen, wie lange noch, darüber gibt die Webseite leider keine Auskunft, ich schätze bis einschließlich 14. Juli, dass hier die Wochenregel greift. Also rasch hin zu "Verbotene Filme - Das Erbe der Nazi-Kinos".

Und wer sich über die Programmstruktur ärgert, in dem die besten Sachen zu nacht­schla­fe­ner Zeit laufen und die Tatsache, das wir Tagwachen nur Catch up-TV (wörtlich:Aufhol-TV) in den Mediatheken angeboten bekommen, solange wir keine on­line­fä­hi­ge Glotze kaufen, und wen zudem noch stört, dass die Sender das Geld aus Sicht vieler falsch verwenden, der lese, was Claudius Seidl schon 2014 in der FAZ über den Götzen Quote publiziert hat: Die große Quoten-Lüge.

Diese ach so fremde Quote scheint kalt lächelnd über allem zu thronen und noch den letzten geschmacklichen Fehlgriff zu rechtfertigen. "Der Zuschauer da drau­ßen" dürfe nicht über­for­dert werden, hat es schon in meinem ersten Berufsleben geheißen, vor mehr als 20 Jahren, als ich TV-Redakteurin war. Dabei sehen immer weniger Menschen fern.

Noch ein Lesetipp, hochgradig aktuell: Die Süddeutsche Zeitung widmet der Schwie­rig­keit, über die Polizeigewalt in den USA zu berichten, einen Artikel. Im Kern stünden dabei Übersetzungsprobleme. Unter dem Titel "Warum Gewalttaten in USA sich schwer übersetzen lassen" schreibt Jörg Häntzschel: "Mit "Schießerei" lässt sich ein shooting wie das von Dallas jedenfalls nicht übersetzen. Schießerei, das klingt nach Clint Eastwood, wiehernden Pferden und splitternden Whis­key­fla­schen ..."

Ein anderes Wort sei police shootings. Hier stellen wir uns ein Aufschaukeln zwi­schen einer verschanzten Mafia und Polizisten in Mannschaftsstärke vor. Das Pro­blem sei hier allerdings, dass man es in den USA oft gerade nicht mit Es­ka­la­tio­nen zu tun habe, in der es zu letalen Einsätzen durch die Polizei kommen könne. Weitere Begriffe: shooter, mass killings bzw. mass shootings, wo­bei das mass hier schlicht "Masse" be­deu­tet.
 
Der Hintergrund der übersetzerischen Klemme, das weiß jeder Übersetzer aus dem Effeff, liegt in den anderen Verhältnissen hierzulande. Nur für school shootings gibt es hierzulande schon einen verwendeten Begriff, auch wenn das Wort "Schule" rausfällt und damit der ganze so­zial­po­li­tische Hintergrund: Amoklauf.

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Foto: C.E.

Montag, 11. Juli 2016

Krossang

Guten Tag oder Abend, interessieren Sie sich für Dolmetschen und Übersetzen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten goldrichtig.

Cappuchinokunstwerk
Goldrichtig, nein, goldfar­ben ist auch das croissant au beurre, das mit Fug und Recht un croissant genannt werden darf und nicht, wie einst in der schwäbischen Pampa, "Krossang" genannt werden muss, weil es so deutsch ist. Das Wort Krossang geht auf unseren fran­zö­si­schen Nachbarn von einst zurück, Louis R., der genau mit dieser Begründung mit mir Fran­zö­sisch­schü­le­rin seine bö­sen Scher­ze trieb.

Endlich wieder länger zuhause, und so habe ich gleich blumen- und hum­mel­näh­ren­de Pflan­zen auf dem Bal­kon und im Gar­ten aus­ge­säht, die hoffentlich bis Ende Au­gust blühen, Berge Wäsche gewaschen und dann Berliner Morgenroutine erprobt.

Erst am Ufer joggen gehen, dann mit Café-Croissant im Nachbarhaus frühstücken, beim besten Croissantbäcker Berlins (... das Brot ist auch nicht schlecht). Berlin ist schon in Ferienlaune. Die Hauptstädter sind gelassener, an jeder Straßenecke wer­den diverse Sprachen gesprochen und ständig Fotoapparate gezückt.

Oft bleibe ich morgens aber beim selbstgeschrotenen Früchtemüsli. Das hält länger vor. Das ist wichtig. Ich muss mir nur ein Kochbuch kaufen und habe schon zu­ge­nom­men, die Entbehrungen meiner Vorfahren im Krieg haben bei mir genetisch voll durchgeschlagen. Naja, positiv gewendet: Gute Futterwerter dürfen mehr Bü­cher kaufen.


Die Croissants und diverse Brotsorten gibt's hier: The Bread Station, Maybachufer 16, 12047 Berlin, aus unterschiedlichen Bio-Mehlen, die vor Ort gemahlen werden.
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Fotos: C.E.

Sonntag, 10. Juli 2016

Dorfleben

Ob absichtlich oder geplant, Sie lesen auf den Blogseiten einer Dol­met­sche­rin und Übersetzerin, die in Paris, Berlin und überall dort arbeitet, wo Sie meine Dienste brauchen. Sonntags werde ich hier privat.
 
Am Ufer des Landwehrkanals
Wohn- und Le­bens­ge­wohn­hei­ten, räum­li­che Mus­ter, sind si­cher ei­ne Fol­ge der Welt­wahr­neh­mung und der Ge­wohn­hei­ten. Wenn ich mich be­ob­ach­te, kann ich sa­gen, dass die Struk­tu­ren im­mer gleich ge­blie­ben sind. Ge­nau­er ge­sagt: In Pa­ris und Ber­lin le­be ich sehr ähn­lich, in mei­nem je­wei­li­gen Dorf näm­lich, die Eck­punk­te mar­kieren Bib­lio­the­ken, Kul­tur­ins­ti­tu­te, Hoch­schu­len, Ki­nos, Buch­lä­den, Mu­seen und na­tür­lich Woh­nun­gen von Freun­den so­wie schö­ne Ecken der Stadt.

In Berlin kommt noch der per Rad erreichbare Badesee hinzu.

Dabei ist immer der Kiez wichtig, le quartier, das Wohnviertel: Die morgendliche Joggingstrecke, die Kiezkinos, die Abendpromenaden, der Schnack mit den Ein­zel­händ­lern und ihren Mitarbeitern.

In unserem Berliner Haus kennen die Mitbewohner einander; wir wis­sen oft sogar, wer die Nachbarn im Ge­bäu­de nebenan sind, und etliche aus dem Haus und dem Kiez kümmern sich gemeinsam um Gärtchen und öffentliches Grün, das ist ganz wunderbar. In Paris leben alle zu­rück­ge­zo­ge­ner, was an der hohen Be­völ­ke­rungs­dich­te liegt, naja, auch. Aber komisch ist es schon. Meis­tens wünschen sich in Paris die Men­schen auf der Trep­pe nicht spontan "Guten Tag", sondern sie ent­schul­di­gen sich auf engen Stiegen mit "Par­don!" für ihre An­we­sen­heit und den mög­lichen Stör­fak­tor. Der Dorf­bewohner möch­te ein­sam sein. Na­tür­lich über­treibe ich, aber nur leicht.

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Foto: C.E.

Freitag, 8. Juli 2016

Footballistique

Ob in Paris, Ber­lin, Mün­chen, Mar­seille, Schwe­rin oder Ar­ca­chon, als Dol­met­sche­rin für die fran­zö­si­sche Spra­che werde ich auf Kon­fe­ren­zen, Schu­lun­gen, Fes­ti­vals, bei Dreh­ar­beiten und Euro-Be­triebs­rat­ssit­zun­gen so­wie für Pri­vat­per­so­nen tätig. Hier können Sie meine Randnotizen mitlesen.

Knapp mehr als die Hälfte
"Footballistique" würden die Nachrichten, meint der Spre­cher der französischen Haupt­abend­nach­rich­ten, der das Programm am Frei­tag­abend mit einem Spiel auf­macht, das schon fast 24 Stunden zu­rück­liegt. Er denkt bei dem Wort natürlich an das von der Équipe gewonnenen Match.

Angesichts der News, die in Deutschland "auf der Eins" sind, macht mein sprach­do­mi­nier­tes Hirn gleich was anderes draus, es denkt an "Ballistik" und die Scharf­schüt­zen von Dallas. In meinem Kopf verschmelzen die Nachrichten.

Die deutsche Tagesschau hat nicht nur damit aufgemacht, sondern dem Ge­walt­the­ma auch noch einen "Brennpunkt" gewidmet. Keinen Unterschied in der Schreibung gibt es zwischen meinen beiden Wörtern, wohl aber einen bedeu­ten­den in der Aus­spra­che, [futbOlistik], das football  auf englische Art, versus [futbAlistik]. Beide Begriffe stehen übrigens in keinem Wörterbuch.

Die bei einem kurzen Zusammenschnitt von "Vox pop" (vox populi) in Frankreich ein­ge­fan­ge­nen Zuschauerstimmen sind erhellend. Micro-trott' (microphone sur le trottoir, das Mikro auf dem Gehweg) nennen es die Franzosen. Hier habe man ja deut­sche Strenge sehen können, sagt eine be­frag­te Frau in Archachon, aber fran­zö­si­scher Schwung und Brillanz (rigueur ↔ fouge et flamboyance) hätten das Er­geb­nis gebracht.

Die Hauptabendnachrichten um 20.00 Uhr im Sender France 2 dauern insgesamt 36 Minuten und 21 Sekunden, die Fußballbeiträge scheinen einige Sekunden mehr als die Hälf­te der Sendezeit: 18'15". Tief saß die Schmach der Franzosen, seit Jahr­zehn­ten im Fußball Deutschland unterlegen zu sein. Dann kommt der Nato-Gip­fel in War­schau dran, aber auch nur unter einem Fußballgesichtspunkt. Und schon geht es weiter mit Fußball ... mit dem Ausblick auf Sonntag. Das zweite Thema beginnt erst in der 21. Minute!

So viel muss die Dolmetscherin vom Aktuellen mitbekommen, und das exzessiv be­han­del­te Fuß­ball­the­ma ist an­ge­sichts der Lage Frankreichs Anlass eher zur Sorge.

Fußball zählt, wenn ich nicht gerade in Begleitung des weltbesten Patensohns bin, nicht gerade zu mei­nen Hauptinteressen. Hätte ich heute eine Konferenz zu ver­dol­met­schen gehabt, ich hätte gestern zum Konferenzrelevanten noch etliche Begriffe wiederholt wie: Trainer, Stürmer, Torverteidiger, Ballwechsel, Straf- und Reservebank, Elfmeter, Ab­seits und dergleichen mehr. Denn sehr gerne nehmen Moderatoren auf aktuelle Themen Bezug, die einen Großteil der Gäste in­teres­sie­ren könnten.

Spoiler les buts à quelqu'un schnappe ich noch kurz auf. Manche haben in Frank­reich ein Kabelprogramm abonniert, das dann 20 Sekunden früher die Tore bringt. "Ein Filmende spoilern" oder "Spoileralarm" ist auf Deutsch auch seit einiger Zeit (gefühlt seit zwei Jahren) zu hören.

An einem Fahrzeug ist Spoiler ein Bauteil, dessen Eigenschaft es ist, die Fahr­zeug­um­strö­mung zu optimieren, was mit Erlkönigen in Windkanälen getestet wird. Auf Englisch heißt to spoil so viel wie "verderben", also hier das Verraten wesentlicher Handlungselemente von Filmen, Büchern oder sonstigen der Unterhaltung die­nen­den Werken.

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Illustration: France 2

Donnerstag, 7. Juli 2016

Glück wünschen

Wer als Sprach­mitt­ler wie ich sich zwi­schen zwei Kul­tu­ren und Spra­chen bewegt, hat na­tür­lich seine Lieb­linge. An diesem Don­ners­tag geht die Eu­ropa-Fuß­ball­meis­ter­schaft ins Halb­finale.

"Für wen biste denn heute Abend?", werde ich den ganzen Tag lang gefragt.
Ich ant­worte wie eine gute Mut­ter von zwei (oder mehr) Kindern: "Ich liebe jedes am meisten!"

Zum Glück hab ich genauso viele Hände, wie Länder im Endspiel stehen. Je croise les doigts pour l'équipe fran­çaise & ich drücke der deutschen Mannschaft die Dau­men. (Les allemands pressent le pouce, während die Franzosen Finger kre­uzen.)

So unterschiedlich geht das mit dem Glückwünschen in den Sprachräumen. Wer ge­nau hinsieht, bemerkt übrigens: Französisch kann ich mit links, und deutsch bin ich von Rechts wegen ... (Und egal, wie das Spiel ausgeht, ich gehöre zu den Ge­win­nern!)

Mittel- und Zeigefinger kreuzen
Croiser les doigts
Sieht aus wie eine Faust
Daumen drücken




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Fotos: C.E.

Dienstag, 5. Juli 2016

Merci beaucoup XVI

Alte Dias an der Wand und im Projektor
Notre Dame in der Grimm-Bibliothek
Bonjour, hello, gu­ten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer be­schäf­tigt, kön­­nen Sie hier er­fah­ren. Ich arbeite mit Fran­zö­sisch (bilateral) und Englisch (nur Ausgangssprache). Auf die Arbeit fol­gen die Kunden­reaktionen. Je exquisiter das Fach, desto aparter das Feedback.
 
"K
önnen wir Sie abonnieren?", fragt die Ver­an­stal­te­rin nach dem Ende des Events. Was für ein schöner Kommentar.

Lustig auch das da, aus dem Mund einer Fran­zö­sin: "Du musst Deutsch als Hauptsprache haben, Du hast den Redetext ja ins Deut­sche über­setzt. Aber immer wieder habe ich ver­ges­sen, dass Du Deutsche bist. Ich wollte Dich heute den halben Tag lang fragen, wo in Frank­reich Du genau her­kommst, man hört so gar nichts! Ach ja, und heute Abend wollte ich Dir sagen, dass bei Dir, wenn Du müde wirst, Berlin abge­färbt hat, da hast Du dann einen leichten deutschen Ak­zent ...! — Mein Un­ter­­be­wusst­­sein hat Dich die ganze Zeit als Fran­zö­sin wahr­ge­nom­men!"

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Foto: C.E., So haben wir "einst"
Kunstgeschichte gelernt

Montag, 4. Juli 2016

Im Hörsaal

Was Dolmetscher und Übersetzer machen, die mit Französisch zu tun haben, wie wir arbeiten, darüber berichte ich an dieser Stelle im zehnten Jahr. Hier noch, wie die letzte Woche zu Ende ging.

Blick auf den Arbeitstisch
Grau und Bordeauxrot dominieren ...
Es gibt Einsätze, da bin ich Übersetzerin und Dol­met­sche­rin zugleich. Für eine 60- bis 75-minütige Veranstaltung übersetze ich erst einen wis­sen­schaft­lichen Beitrag, an­schlie­ßend dolmetsche ich die Diskussion zum Vortrag eine halbe Stunde lang si­mul­tan. Derlei lässt sich sogar als Solo-Einsatz gut bestreiten (während wir sonst immer al­le 30, 40 Minuten eine Ab­lö­sung brauchen).

Ein Lesetext flatterte mir da auf den Tisch, kein Sprechtext. Was ich für eine Kon­fe­renz über eine Kulturzeitschrift bearbeiten darf, wird sicher mal ein wun­der­ba­rer Beitrag für nämliche Kulturzeitschrift. Am ersten Tag lese ich. Wie immer bin ich erstmal kurz schockiert: Wie, das soll ich übertragen? Ist das schwer!

Dann lese ich mich ein, sitze in der Bibliothek, lese Hintergründe, Begleitexte aus der Zeit. Am Tag darauf lese ich den Text wieder: Schon besser. Und ich mache mir Notizen, finde schon Lösungen.

Dann blockiere ich ausreichend Stunden, zwei Vormittage à sechs Stunden, und lege los. Am Ende steht noch ein halber Tag Korrekturlesen und Probesprechen auf dem Programm.

Der Text ist hochkomplex und bietet bis zu fünf Schachtelungen je Satz an. Zum Hö­ren ist das nicht ideal. Ich entschachtele hier und dort und baue neue Sätze. Ich füge den sehr sehr dichten Sätzen, bei deren Erstellung mit Verben gegeizt worden war, erstmal ein Dutzend Satzzeichen und Wörter hinzu. Dadurch verändere ich den Charakter des Textes macht, mehr Handlung, weniger Mäandern. Die Grund­struk­tur aber bleibt. Und beim Zuhören ist der Eindruck derselbe, denn Lese- und Hörtexte folgen anderen Gesetzen.

Das am Ende in der anderen Sprache kein anderer Texteindruck ensteht, ist we­sent­lich. Schachtelsätze, bei denen das Leseauge zurückspringen kann, das Höh­rer­ohr aber nicht, werden im Vortrag wie mit einer Lupe vergrößert. Die Über­set­zung weist noch andere Schwierigkeiten auf.

Blick zum Rednerpult
... noch ohne gelben Punkt
Ein-, zweimal hänge ich in­halt­lich fest. Ich springe dort­hin, wo ich wieder mit­kom­me. Am Ende klären sich solche Stellen immer auf.

Problematische Partien oder Wörter enthalten jeweils ein Sternchen; später kann ich sehr einfach von Stelle zu Stelle springen, die noch erhöhte Aufmerksamkeit braucht.

Dann geht es in die Universität. Vor Ort richte ich mich ein. Ich warne den Redner vor, dass meine Textversion etwas länger braucht zum Sprechen. Wir legen los. Er wartet einige Male auf mich, wir schauen einander wie die Musiker bei den je­wei­li­gen Einsätzen kurz an, nicken und sprechen weiter. Zwischendurch improvisiert er Überleitungen, die ich simultan dolmetsche.

Einmal fasst er einen Absatz kurz zusammen und springt dann. Ich komme aus dem Takt. Er spricht weiter — noch immer kein Manuskript. Ich dolmetsche weiter, mer­ke aber: Redundanz, Redundanz! Die zweite Schleife mache ich nicht mit, lese lieber nochmal kurz den Anfang des nächsten Absatzes (in beiden Sprachen), um gleich sicher sein zu können. Atme tief durch, murmele mir flüsternd zu: "Alles gut!" Einige lachen freundlich. (Ich glaube, er hatte auch den Absatz aus den Au­gen verloren, der eigentlich dran war.)

Für die Diskussion verlasse ich meine Position neben dem Podium, um alle Be­tei­lig­ten besser zu hören und zu sehen.

Am Ende sind alle happy, ich zuallererst, und die Ohren glühen mir wegen der schö­nen Komplimente. Später essen wir zusammen, dann tanzen wir! Was für ein wun­der­ba­res Saisonende! Merci beaucoup !

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Fotos: C.E.

Sonntag, 3. Juli 2016

Berliner Fans

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Pa­ris, Cannes, Ham­burg, Köln, Hamburg und Berlin sind meine Einsatzorte, Französisch (aktiv) neben Deutsch sowie Eng­lisch (als Ausgangssprache) die Arbeitssprachen. Übersetzer und Dolmetscher haben auch ein Privatleben. Sonntagsbild!

Mein Berliner "Heimatbezirk" Neukölln ist und bleibt ein Arbeiterbezirk. Heute le­ben hier Geis­tes­ar­beiter aus allen Ländern Tür an Tür mit der Ar­bei­ter­klas­se von einst (auch ziemlich international). Daher spielt Sport hier eine große Rolle.

Fußball-EM als Dekomotiv
Gesehen in der Hobrechtstraße
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Foto: C.E.

Freitag, 1. Juli 2016

Die Siebente

Hallo auf den Blog­sei­ten einer Über­setzer­in und Dol­met­scherin. Hier berichte ich aus dem Inneren der Dolmetscherkabine oder vom Übersetzerschreibtisch. Die Kon­gress­sai­son geht dem Ende zu.

Manchmal bin ich im Home office einfach nur im siebenten Himmel. Das ist dieser Tage der Fall. Ich übersetzte für einen Kongress einen Text, der einem Kunst­his­to­ri­ker gewidmet ist, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt hat. Er hat die Ent­ste­hung des Kinos theoretisch begleitet, die siebente Kunst (dieser Begriff geht, wie ich lerne, auf Ricciotto Canudo zurück).

Da es hier um maximal das erste Vierteljahrhundert geht, darf ich mir die ganze Zeit ein 20. Jahrhundert ohne den Zweiten Weltkrieg mit seinem zentralen Zi­vi­li­sa­tions­bruch denken. Wie vielversprechend schien doch gerade vor Ausbruch des Ers­ten Weltkriegs den Menschen ihr neues Jahrhundert!

Und wie sehr müssen wir heute auf unseres achtgeben, über dem schon seit lan­gem tiefe Schatten liegen!

Draußen zwitschern die Vögel, ab und zu fährt ein Touristenschiff vorbei, in der Fer­ne lärmt in leiser Geschäftigkeit der Wochenmarkt und direkt unter meinem Fenster steht ein Violinist (es könnte auch eine Violinistin sein, die Blätter ver­decken die Person) und spielt richtig, richtig gut.

Dazu diktiere ich meine Übersetzung in den Computer. Das geht hervorragend. Vielleicht auch deshalb, weil ich akzentfrei Hochdeutsch spreche und einst auch Sprech­er­zie­hung bekommen habe. Die Grundlagen waren schon gut, Elternhaus sei Dank. Dabei fällt mir eine längst vergessene Episode wieder ein, als es mich mit die­sem Idiom nämlich im zarten Al­ter von 14 Jahren nach Schwaben verschlug und ich dort im Musikunterricht einmal die Antwort: " Die siebente Note!" gegeben ha­be. Unser damaliger Mu­sik­leh­rer, der auch ein Zugezogener war, geriet vor Be­geis­te­rung über "die siebente" ziemlich aus dem Häuschen.

Weiter im Text. Am frühen Morgen oder am Abend, ich arbeite gerne mit langer Mittagspause, mischen sich noch die spitzen Schreie der Mauersegler in diese Klanglandschaft. Soundfile folgt. 

Balkonhorizont mit Glas, Steinen, Sand und Totholz
Wegen zahlreicher Frühjahrsdienstreisen noch nicht bepflanzt
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Foto: C.E. (Archiv)