Donnerstag, 11. Februar 2016

Warming up, nicht: Berlinale

Ob ge­plant oder zu­fäl­lig, Sie lesen hier auf den Sei­ten einer Sprach­ar­bei­ter­in. Was Dol­met­scher für Fran­zö­sisch (und Über­setzer) so machen, darüber schreibe ich hier seit bald neun Jahren. Meine Arbeitsfelder haben sich seit 2014 kaum ver­än­dert. Gerne erstelle ich auch für Sie einen Kos­ten­vor­an­schlag.

Bild aus dem Film
Koumba im Taxi
Heute wird dieser Blog, des­sen Kommentarfunktion bis­lang leider nur spo­ra­disch wahr­ge­nom­men wird, zum Distributionsapparat.

Erstens darf ich vier Frei­karten verschenken für die Kinovorführung des Do­ku­men­tar­films La Mort Du Dieu Serpent / Death Of The God Serpent.

Dieser Film hat Regisseur Damien Froidevaux 2014 den Preis der Kritik in Locarno eingebracht. Im Anschluss an die Vorführung gibt es ein Pub­li­kums­ge­spräch, das ich dolmetschen darf. Heute Abend, 19.00 Uhr im Centre Français de Wedding, Müllerstraße 74, (U) Rehberge. Der Film wird in der Ori­gi­nal­fas­sung mit englischen Untertiteln gezeigt, das Gespräch auf Deutsch und Fran­zö­sisch geführt. Das ist mein Warming up (nicht) der Berlinale, auf der fast gar nicht mehr ins Deutsche (oder Französische) gedolmetscht wird.

Zum Film: Koumba kam im Alter von 2 Jahren nach Frankreich und hat ihr Ge­burts­land Senegal nie kennengelernt. Mit 22 gerät sie in eine Schlägerei und wird ab­ge­scho­ben — das ist möglich, weil sie bei ihrer Volljährigkeit versäumt hat, die fran­zö­si­sche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Innerhalb von 48 Stunden findet sich die junge Pariserin in einem senegalesischen Dorf wieder, weit weg von ihrer Fa­mi­lie und ihrem Leben in Paris. Der Film begleitet sie über fünf Jahre bei ihrem Kampf um Integrität in einem Land, das ihres und doch nicht ihres ist. Hier der Trailer des Films.

Wer möchte mit? Unten gibt's die Kommentarfunktion, die originellsten Antworten gewinnen! Stichwort: Kino. Herzlichen Dank an die Veranstalter, den Verein AfricAvenir!

Zweitens könnte die Kommentarfunktion auch in Beantwortung einer Frage genutzt werden. Für eine Zeitschrift darf ich über meinen Blog schreiben. Dazu wüsste ich gerne besser, wer meine Leser sind. Eine Idee habe ich, denn ich erhalte viele Mails außerhalb der Kommentarfunktion. Trotzdem würde ich mich über Feedback in jeder Form freue sehr freuen. Warum lesen Sie/liest Du hier mit? Was gefällt? Was nicht? Was könnte häufiger vorkommen?

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Foto: www.entre2prises.fr

Kommentare:

Th. hat gesagt…

Gerne käme ich, Caro, aber ich bin unterwegs zum Vorsingen.
Dir und Euch einen erfolgreichen Abend!

Herzliche Grüße,
Th.

caro_berlin hat gesagt…

Alles klar, lieber Th., und toi, toi, toi!

So, werte Leser, bislang sind zwei Karten weg, Jana schrieb mir, sie wohnt genau sieben Häuser von mir entfernt.
Ihre Nachricht übers Netz war einmal um die ganze Welt unterwegs!

Die Kommentarfunktion beißt übrigens nicht. ;-)
C.

Nils hat gesagt…

Warum ich mich für diesen Blog interessiere?

Nun, ich bin sowohl Frankodeutscher als auch Germanofranzose, und mir ist als solcher mit der Zeit aufgefallen, dass es wirklich nicht so viele Menschen gibt, die sich in diesen beiden Sprachen so agil ausdrücken können, dass man ihren Ursprung nicht heraushören kann.
Aus dem Grund interessiere ich mich als Dokumentarfilmer im Moment für den Aufbau eines nebenberuflichen Standbeins als Gelegenheits-Dolmetscher und -Übersetzer. Dieser Blog mit seinen hunderten (tausenden?!) von Posts wird mir sicher weiterhelfen :)

Anonym hat gesagt…

Da käme ich gern mit, aber leider ist der Schreibtisch noch viel zu voll. Dir und den Kartenempfänger(inne)n viel Vergnügen.

Und was deine Frage betrifft, bin ich zwar, wie du ja weißt,

1) ehemalige Vis-à-vis-Nachbarin,
2) Kollegin (wenn auch mit anderen Sprachkombinationen) und
3) fellow freecycle member und ehemailge Besitzerin deines Schreibtischstuhls,

habe deinen Blog aber, soweit ich mich erinnern kann, ganz unabhängig von all' diesen Verbindungen gefunden. Manchmal ist die Welt (Internet inklusive) eben doch ein Dorf (oder das Universum wollte partout, dass wir uns begegnen).

Susan

caro_berlin hat gesagt…

Ja, liebe Susan,

Deinen Balkon (1) sehe ich weiterhin von hier aus. An die Arbeitszimmerstuhlstory (3) erinnere ich mich auch noch regelmäßig, das Gerät wird weiterhin eifrig genutzt. Und (2) finde ich ja ganz bezaubernd.

Dass das Netz ein Dorf ist, wurde mir gleich wieder bewiesen. Die Kinomitgeher wohnen an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln, haben nicht nur mit Dokumentarfilm zu tun, sondern auch jeweils ein französisches und ein deutsches Elternteil ... und kennen sich noch nicht, was ich als ihre Schnittmenge aber ändern werde.

Statistiker würde das jetzt in den Wahnsinn treiben, Erfinder der Werbealgorithmen würden beteuern: "Wir waren's nicht!"

Hier sorgt's für großen Frohsinn.
Bonne soirée, guten Abend!
C.

caro_berlin hat gesagt…

P.S.: Und Nils, gerne unterhalten wir uns über Dein Ansinnen mal. Was Du beschreibst, musst Du Dir genau überlegen, denn die anderswo angedeutete Arbeit für die Zielgruppe in der Jugendarbeit ist nicht lukrativ. Die bekannten Förderer zahlen den Trägern 150 Euro "Zuschuss" pro Tag und Sprachbegleiter. Oft sind die Projekte aber derart unterfinanzert, dass die Menschen fürs Gruppendolmetschen/Sprachanimation 70 Euro am Tag bekommen, der Rest wird den Reise- und Sachkosten zugeschlagen.

Wenn's gut läuft, werden es 100 oder 120 Euro am Tag, erst einmal habe ich es in den letzten Jahren erlebt, dass der Zuschuss wirklich als solcher betrachtet wurde und der Veranstalter die Summe nochmal draufgelegt hat. (Vor 30 Jahren gab’s um die 200 DM.)

Wie es zu solchen Honorarsätzen gekommen ist? Anfangs waren das Aufwandsentschädigungen, die zu einem Grundehalt hinzu gezahlt worden sind. Die Zahl der Festanstellungen scheint reduziert worden zu sein, ohne, dass das Honorarsystem geändert worden wäre. Paralellfall: Freie Lehre an der Uni, in Berlin (Ost) bis vor kurzem mit 20,40 Euro die Stunde honoriert. (Oder waren es 21,40?)

Und in der Filmproduktion erlebe ich schon heute, dass "nebenbei" und "ungelernt" oder „Spielbein" oft leider nur unprofessionell ist, was die Branche in der Regel ohne aufwändige Übersetzungslektorate nicht so wirklich immer braucht.

Hier trudeln gelegentlich "Reparaturanfragen" für viel Nachbesserungsarbeit nötig machen würden, die aber für die geringen Restbudgets einfach nicht machbar sind. Meistens können wir Profis da nicht helfen - und sorgen mit der Nennung des eigentlich üblichen Honorars auch noch für Enttäuschung.

Kurz: Zwei Sprachen zu können, macht einen nicht automatisch zum Übersetzer oder Dolmetscher. Die langen Studienzeiten haben ihre Berechtigung. Genauso wenig ist jemand, der für seine Familie kochen kann, von jetzt auf gleich als Hotelkoch einsetzbar.

Last but not least, und oben ist es schon angedeutet, hat die Überflutung des Marktes durch Laien, von einer solchen müssen wir bereits jetzt sprechen, ein übles Honorardumping ausgelöst, das immer mehr Profis vom Markt verdrängt.

Am Ende hat, von seltenen Ausnahmen abgesehen, keiner was davon, der Hobbyübersetzer nicht, der Kunde und auch der Profi nicht. Eine loose-loose-loose-situation, um einen anderen Begriff zu variieren.

Sorry für die hoffentlich nicht zu harschen Worte.
Auf bald mal, gerne zu einem Mittagessen nach der Berlinale!
Grüße
C

Anonym hat gesagt…

Liebe Caroline,
ich hab mich sehr gefreut der Projektion dieses schönen, einfühlsamen Films beizuwohnen und hoffentlich bald auch ein Gesicht zu meiner bislang unbekannten Nachbarin zu kennen.
Toll, dass es eine so versierte Dolmetscherin, die die jeweiligen Idiosynkrasien der Sprachen mit Sensibilität und Souveränität zu übersetzen versteht, hier in Kreuzberg/Neukölln gibt. Ich hab die Rolle des Dolmetschers immer mit der eines Segelschiffs verglichen: von einem Ufer ans nächste wird ein Ding und seine Idee durch ein Meer und Winde, hinübergesetzt. Ich freu mich auf eine zukünftige Zusammenarbeit.
Viele Grüße!
Jana