Dienstag, 24. November 2015

Brett vorm Kopf

Bon­jour, hel­lo und sa­lut ... auf den Sei­ten die­ses Blogs. Hier schreibt ei­ne Dol­met­scher­in und Über­setzerin über ihren Alltag in Berlin, Paris, Köln und dort, wo sie gebraucht wird. Wer von Sprache lebt, schaut auch an­de­ren Sprechern aufs Maul.

Nein, der französische Präsident heißt nicht wie eine beliebte Tee­sorte, auch wenn eine Spre­cher­in eines öffent­lich-recht­lichen Hör­funk­sen­ders ihn heute wiederholt so aus­ge­spro­chen hat. Ich denke an 烏龍茶 oder 乌龙茶 alias Oolong-Tee: Dieser Tee wird nicht so lange oxidieren gelassen wie bei schwarzem Tee, weshalb er auch halb­fer­men­tier­ter Tee heißt.

Hier die Regel: Wenn hinter dem Kon­so­nant ein Vokal wie "e" steht, ist der Kon­so­nant zu hören. Ein "e" kommt bei Ad­jek­ti­ven vor, sie sich dem Geschlecht des No­mens anpassen.  Zum Beispiel bei folgenden Sätzen: L'ignorance (f) est granDe, das D ist hörbar, aber Le savoir est graNd. Hier fehlt das Schluss-"e", denn das Wissen ist auf Fran­zösisch männlich; den zuletzt hör­ba­ren Buchstaben habe ich als Groß­buch­staben markiert. Kurz: Das "e" sorgt dafür, dass der Kon­so­nant davor nicht stumm bleibt.

Vor über zehn Tagen haben in Paris gravierende Atten­tate stattgefunden. Der der­zei­ti­ge Prä­si­dent ist schon eine Weile an der Macht. Wo hat die Sprecherin ihre Ohren gehabt in der ganzen Zeit?

Gesehen in Berlin-Wedding
Kleiner Sprung für jene, deren Mut­ter­sprache nicht Deutsch ist. Es gibt da auf Deutsch eine Redewen­dung, die lautet "ein Brett vor dem Kopf haben". Re­dens­ar­ten gehören in den Wort­schatz für Kön­ner, es handelt sich um fest­stehende Wen­dun­gen, meistens bildhafte Aus­drücke.

Das mit dem Holz vor der "Birne" be­deu­tet, etwas nicht zu erkennen, was of­fen­sicht­lich ist, etwas nicht zu begreifen, sich dumm anstellen.

Das Bild stammt aus dem Mittel­alter, wo auf dem Acker haupt­säch­lich Ochsen ein­ge­setzt worden sind. Sie mussten den Pflug ziehen.

Es ist nicht klar, ob mit diesem Brett eine Art große Scheu­klap­pen gemeint waren, oder ob das Brett für das aus Holz gefertigte Joch steht, das den Ochsen vor Er­fin­dung des Kummet, das im Schul­ter­be­reich ansetzt, vor die Hörner gelegt wurde.

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Foto: C.E.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kommentieren Sie auch die Franzosen, die deutsche Namen falsch aussprechen? Der Blog wäre sehr schnell voll.

caro_berlin hat gesagt…

Vielen Dank für die Bemerkung. Aber darum geht es hier doch gar nicht, so sehr dieser Satz auch stimmt.

Es geht vielmehr darum, dass Medienvertretern, die alle Ressourcen haben, die Aussprachedatenbank oder uns Fachleute zu konsultieren, offenbar im Rahmen der Ausbildung das nötige Maß an Selbstinfragestellung nicht mehr beigebracht wird.

So wird mit öffentlich-rechtlichen Medien und Haushaltsabgabe Unwissen verbreitet.

I'm not amused.