Donnerstag, 2. April 2015

Merci beaucoup XIV

Hello, bonjour, guten Tag! Was eine Dolmetscherin mit den Lebens- und Ar­beits­ort­en Paris und Berlin so umtreibt, lesen Sie hier. Inzwischen schreibe ich im neun­ten Jahr dieses öffentliche Arbeitstagebuch.

Stehpult mit Rechner und Tastatur
Arbeit am Stehpultaufsatz
Aus der Mail des deutschen Re­dak­teurs, für den ich neu­lich einen französischen Mi­nis­ter verdolmetscht habe: "Für mich war alles wun­der­bar (...) Vielen Dank, Sie wa­ren so schnell und großartig!!"

Das hilft! Denn trotz langer Be­rufs­er­fah­rung, ir­gend­wel­che Restselbstzweifel bleiben im­mer (oder tauchen auch nach Jahren wieder auf).

EDIT: Diese kritische Infragestellung der eigenen Arbeit ist sehr gut und wichtig. Ich möchte nicht Gefahr laufen, eines Tages infolge Selbstüberschätzung meine "Haus­auf­ga­ben" nicht mehr zu machen, die intensive Vorbereitung auf Termine. Auch weiß ich, wie wichtig es ist, die neu gewonnen Begriffe jedes Mal in meine je­wei­li­ge Fachlexik einzupflegen und sie auch zwischendurch mal wieder zur Hand zu nehmen, damit der Sockel beim nächsten Mal wieder etwas größer ist.

Auch die Aufmerksamkeit, mit der ich Zeitung lese oder spätabends im Gespräch mit Freun­den eine Vokabel aufschreiben kann, hängt mit dieser Ehrfurcht vor dem Beruf und einer gewissen Demut zusammen. Diese Haltung erwächst aus dem Wis­sen heraus, was bei Einsätzen alles schiefgehen kann — und den damit ver­bun­den­en Selbstzweifeln. Ich wünsche mir, diese Haltung nicht nur zu be­wah­ren, son­dern zu pflegen.

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Foto: C.E. (Archiv)

Kommentare:

Th. hat gesagt…

Glückwunsch! Aber Du, Caro, und Selbstzweifel? Hätte ich jetzt nicht gedacht, vor allem, weil ja doch solche Interviews total Dein Ding sind ...

Tse, tse ...! Lasst es Euch gut gehen unterwegs, auf bald,
LG
Th.

caro_berlin hat gesagt…

Nee, klar, logisch kommt da erstmal keiner auf die Idee. Wenn wir nicht durch technische Probleme in der Arbeit gestört werden, die Sprecher keine MP-Tempi hinlegen, die Texte nicht aus Schachtelsätzen mit hochkomplexen Gedankengefügen und literarischen Zitaten bestehen, die Redner nicht nuscheln und die Klimaanlage nicht zu laut brummt, geht das ja in der Regel recht gut.

Aber dann sitzt da jemand mir gegenüber und schaut grimmig. Was hat er oder sie im Kopf? Vielleicht sitzt das Problem ja auch im Darm oder zuhause im Küchentisch und nimmt übel. Will sagen: Bei dieser hochkonzentrierten Arbeit sind ALLE unsere Antennen überfein und wir kriegen auch Sachen mit, die wir gar nicht mitkriegen sollen oder wollen.

Dass das Pokerface da nicht unbedingt etwas mit der eigenen Dienstleistung zu tun hat, ist dann die nicht so naheliegende Lösung, you understand?

Dir und Euch auch schöne Ostern, ist wieder ein echtes Passoveaster dieses Jahr!

A bientôt,
Grüßle,
C

caro_berlin hat gesagt…

Th., hosch gsäh? I han no zwei Abschnittle rabäbbt!
C.

Th. hat gesagt…

Anonym Th. hat gesagt...

Caro, däs kosch it mache, das kannst Du nicht machen, DU, die große Schwäbisch-Verweigerin!

[Proudly presents ... some interpretation by a non-linguist]

Ja, gesehen, noch zwei Absätze drangeklebt ;-)

Hat die Besinnlichkeit des Karwochenendes etwa abgefärbt?