Dienstag, 30. September 2014

Zitat

Hallo! Sie le­sen in ei­nem di­gi­ta­len No­tiz­buch ei­ner Über­setzerin und Dol­met­scher­in. Heute ist der Tag der Übersetzer, der dem heiligen Hie­ro­ny­mus ge­wid­met ist.
 

"Poetry is what gets lost in translation."
Robert Frost (1874-1963)

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Foto: wird nachgeholt

Montag, 29. September 2014

Aktuelles V

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Terminplanung ist das A und O
Heute lerne ich für einen Si­mul­tan­ein­satz zur Asyl­be­wer­ber- und Flüchtlingsthematik. Dann bereite ich das Wo­chen­en­de nach, das Kolloquium der Deutschen Kinemathek und die Pierre Etaix-Re­tro­spek­tive. No­ti­zen auswerten und Vo­ka­bel­listen ergänzen werde ich auch zu den von mir sprachlich mit­be­treu­ten Podien und Pres­se­kon­fe­ren­zen der ver­gan­ge­nen Woche.

Da ging es um Tropenkrankheiten sowie um Wahlen und verfassungsrechtliche Fra­gen in der Demokratischen Republik Kongo. Damit das Gelernte nicht sofort wieder aus dem Kopf veschwindet, werde ich es dieser Tage gezielt wiederholen und er­gän­zen.

Weitere Vorbereitungen: Gewerkschaftsarbeit, Bergbau und neue Ansätze des Bauens im Einklang mit der Natur in einer sich wandelnden Gesellschaft.

Um à jour zu bleiben bzw. als Langzeitvorbereitung lese ich zu den Themen Frei­han­dels­ver­hand­lun­gen (TTIP-/CETA), Senatswahl in Frankreich, Wirtschaftspolitik, Urbanismus und Stadtkritik (verschenkte gestalterische Chancen und an­ge­kün­dig­ter Ver­kehrs­in­farkt am Leipziger Platz) und historische Bauten wie "Voßpalais" (ehe­ma­li­ges Wohnhaus des Architekten Wilhelm Böckmann, Voßstraße 33) und Nicolaihaus nahe der Sperlingsgasse.

Diese Themen beschäftigen mich im Hinblick auf einen Euro-Be­triebs­rat, Kon­fe­ren­zen, TV-Beiträge eines ausländischen Senders und einen Privatkunden aus dem Bau­be­reich.

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Foto: C.E. (Archiv)

Im Kino gewesen, geweint.

Guten Tag oder Abend, interessieren Sie sich für Dolmetschen und Übersetzen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten goldrichtig.

Der Titel meines heutigen Blogbeitrags ist hemmungslos geklaut. Der Satz stammt von Franz Kafka, dem das Nach­rich­ten­ma­ga­zin "Der Spiegel" diese Woche die Ti­tel­ge­schich­te gewidmet hat. Auch mich hat das Kino mal wieder zu Tränen rühren kön­­nen, wobei Rührung hier das falsche Wort ist. Es waren Tränen der Wut.

Der Film, den ich gesehen habe, war heillos schlecht untertitelt. Ich sage jetzt nicht, welcher Film oder welches Kino es ist, mein Kundenschutz gilt auch ge­gen­über Noch-nicht-Kunden. Ich habe das Kino vorzeitig verlassen. Die Kasse hat mir den Preis fürs Ticket anstandslos erstattet. Man wisse um die "Qualität" der Un­ter­ti­tel. Der Verleiher bekommt jetzt Post.

Vor vielen Jahren habe ich auch untertitelt. Weil die Preise so runter sind, bin ich raus aus dem Geschäft. Alles, was einigermaßen normal bezahlt erscheint, wurde zunehmend von Firmen übernommen, deren einziger Mehrwert im Vermitteln be­steht. Die alten Preise wurden von den hiesigen |Agenturen| Sprachmaklern als "überzogen" kritisiert. Und Direktkunden, die oft mit wenig Geld spannende Pro­jek­te herstellen, besonders im Dokumentarfilmbereich, bleibt dann auch nur we­nig Geld für die Titelei übrig.

Gestern wurde ich mal wieder von Kollegen nach angemessenen Preisen gefragt. Ich weiß nicht, was gerade bezahlt wird, noch weniger, was als angemessenen be­trach­tet wird. Die Bezahlung je Titel war jedenfalls die alte, angemessene Grund­lage, alles andere, ein Entgelt nach Minuten, ist die berühmte Katze im Sack.

Die französische Gewerkschaft SNAC empfahl im Januar 2013 den Preis von 2,95 € je Titel bei Direktkunden, laut Wikipedia soll das noch oft der erzielte Preis sein. Macht bei einem abendfüllenden Spielfilm, 900 Titel durchschnittlich, eine gute Woche Arbeit inklusive Korrekturlesen im Naturalientausch, einen Nettoumsatz von 2655 Euro. Das entspricht, an der Kaufkraft gemessen, den Summen, die ich Ende der 1990-er Jahre verdient habe.

J'ai un antidote : l'argent ! (als Untertitel)
Geld ist das Gegengift
Zum Vergleich: Neulich wur­den mir zehn Euro je Minute angeboten, der Film dauerte 80 Minuten. Verglichen mit den SNAC-Preisen bzw. dem Honorarniveau, das vor über 15 Jahren noch üblich war, entspricht das einer Ho­no­rar­kür­zung von etwa 70 %. In welchen anderen Branchen gibt es solche Kürzungen? Freie Journalisten berichten über ähnliche Entwicklungen.

Das Zei­tungs­ster­ben infolge schwindender Leserschaft ließe sich als Folge des auch hier sinkenden Niveaus interpretieren, oder? In allen diesen Fällen gibt es einen ein­fa­chen Trick: Geld. Vielleicht sind die Prioritäten falsch gesetzt. Zeitungsverlage kalkulieren weiterhin mit hohen Renditen, wie sie sonst nirgends zu erlangen sind. Schwinden diese, wird die Kri­se aus­ge­ru­fen, es kommt zu Entlassungen.

Wohin geht die Reise? Brauchen wir 24 bunte Blätter mit Berichten über das ge­krön­te und ungekrönte Personal der Unterhaltungsindustrie, 21 Wohn­zeit­schrif­ten und 19 Magazine für die modebewusste Frau? Und ist es normal, dass in der Woche 15 Filme starten, von denen am Ende der Auswertungswoche 12 wieder raus­flie­gen? Ist das nicht derzeit alles viel zu viel? Der neue Trend lautet: Weniger ist mehr, das dafür aber von besserer (bester) Qualität. Ich freue mich auf den Mo­ment, in dem bei mir im Kino die Tränen wieder vor Rührung fließen (und schlechte Titel nicht den Blick auf den Film verstellen).

Ergänzung: Ich schätze, dass es da draußen irgendwo ganz sicher auch ein gutes Team gibt, das beim Finden von Untertitlern behilflich ist, das faire Preise zahlt, das auch noch Korrekturleser anheuert, das auch gegen Preisdumping bei End­ver­kaufs­prei­sen so kämpft, dass es den Machern zugute kommt. Bislang kenne ich lei­der noch niemanden aus der konkreten Zusammenarbeit.

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Foto: Archiv

Sonntag, 28. September 2014

Day and night

Bonjour, guten Tag! Sie lesen in meinem digitalen Arbeitstagebuch. Ich arbeite als Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache (und aus dem Eng­li­schen). Sonntags werde ich hier privat: Sonntagsbilder!

Letzte Woche kam ich irgendwas nach sieben von einem Einsatz auf dem Fahrrad an den nordischen Botschaften vorbei. An der roten Ampel roch es, als würde mit mir zusammen eine parfümierte Frau warten. Ich drehte mich um und war über­rascht: Blüten, und das Ende September. Was für ein Kontrast zu dem Gebäude und dem Fei­er­abend­ver­kehr!

Nach einem anderen Termin hatte ich mir einige Hinterhöfe in einem Kiez an­ge­se­hen — hier scharfkantige Linien, dazwischen etwas Gärtnergrün, dort Tristesse. Zille war nicht weit: "Wollt ihr von die Blume weg, spielt mit'n Müllkasten!"


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Fotos: C.E.

Donnerstag, 25. September 2014

Pierre Etaix in Berlin

Liebe Leserin, lieber Leser, hier schreibt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Meine Fachgebiete Politik und Wirtschaft sind in der Vorbereitung manchmal etwas trocken. Unterhaltsamer ist es auf jeden Fall mit meiner Spezialisierung Medien und Kino.

Rupture (1961)
Das nenne ich eine schöne Mit­tags­pau­se! Nach einem nicht zu ausführlichen Mahl darf ich mich auf Pierre Etaix vor­be­rei­ten, der in den nächsten Tagen im Ber­li­ner Kino "Brotfabrik" zu Gast sein wird (Link zum Programm).

Etliche seiner Kurzfilme können bei You­Tube betrachtet werden. Der Film "Tren­nung" (Rup­ture), aus dem der Bil­der­strei­fen stammt, kommt ohne Worte aus und ist eine Hommage an Jacques Tati. Das Werk "Glücklicher Geburtstag" (Heu­reux anniversaire) erhielt 1963 den Oscar für den besten Kurzfilm.

Neben den Filmen war Etaix viel als Clown und Schauspieler tätig. Ich habe ihn nur einmal gesehen, und zwar 1985 im Stück L'âge de monsieur est avancé ("Der Herr ist von vorgerücktem Alter").

Mehr weiß ich noch nicht. Vor allem su­che ich Interviewausschnitte, um mich auf seine Sprechweise einhören zu kön­nen.


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Foto: Pierre Etaix / Jean-Claude Carrière

Mittwoch, 24. September 2014

Sich abonnieren / sich einschreiben

Hallo! Sie le­sen im Blog ei­ner Sprach­ar­bei­ter­in. Ich berichte als Fran­zö­sisch­über­setz­er­in und Dolmetscherin aus der Kabine oder vom Schreib­tisch. 

Na klar, Netzwerken ist eine gute Sache. Das ist die eine Seite.

Bild aus einer Mail
Auf der anderen Seite habe ich den Ein­druck, dass immer weniger Leute etwas richtiges gelernt haben. Die Anfragen häufen sich, bei denen ich mich in ir­gend­wel­che dubiosen Bran­chen­ver­zeich­nis­se eintragen oder auf Premium-Seiten meine Daten hinterlassen soll.

Premium soll toll klingen, nach Be­vor­zu­gung und irgendwie professionell. Dabei bedeutet es im Netz einfach nur eines: Erst hinter der Bezahlschranke geht es weiter.

Nein, ich möchte nicht "Premium-Dienstes" kaufen, auch nicht wissen, welche Kollegin (wahlweise: welcher Kollege) mein (bei nämlichem Service überhaupt nicht existierendes) Profil betrachtet hat.

Schön, wenn sich jene, die nichts gelernt haben, durch schlechte Grammatik ver­ra­ten. Sie verraten sich auch durch Verwendung von im Netz verfügbarer Gra­tis-Über­­setz­ungs­soft­ware. Ihre Dummdreistigkeit überrascht mich jedes Mal aufs Neue. Von un­se­ren mit echter Arbeit ver­dien­ten Groschen wollen sie was abhaben, sind aber zu geizig dazu, selbst welche für Übersetzungsaufträge zu begleichen.

Wobei: Korrektes Deutsch allein ist nicht ausschlaggebend.

Liebe potentielle Dolmetscher- oder Übersetzerkunden! Bitte fallen auch Sie nicht herein. Auf dem Markt tummeln sich vie­le "Simultansimulationen". Ich erkläre mich: Es gibt da draußen viele "Agenturen", deren Webseiten möglicherweise so­gar schick aussehen und auch gut klingen, die aber denjenigen, die die Arbeit am Ende machen, nur 50 bis 30 Prozent dessen weitergeben, was Sie als Kunde be­glei­chen dürfen. Aus konstruierten Dolmetschanfragen und den Suchmails der Makler haben wir inzwischen gerichtsfeste Beweise für diese Sätze. (Mögliche Er­ken­nungs­merk­ma­le: Diese "Agenturen" bieten alle Fachgebiete in allen Sprachen an, überall und rund um die Uhr, sind laut Ei­gen­wer­bung die billigsten, schnellsten und zugleich Top-Profis und führen gerne schil­lern­de Na­men.)

Am sichersten fahren Sie mit hochqualifizierten Einzeldolmetscherinnen und -dol­met­schern und einem Netzwerk von Übersetzern und Dolmetschern, also selbst in der Vermittlung aktiven Menschen, die ihr Geld haupt­säch­lich mit der Sprach­ar­beit und nicht mit dem Verschieben von Aufträgen an die allerbilligsten Freiberufler verdienen. (Mögliches Erkennungsmerkmal: Bei einem Netzwerk ste­hen die Mail­ad­res­­sen der Mitglieder, ihre Kurzlebensläufe und Fachgebiete auf der Webseite, es ver­fügt über keine Renommieradresse.)

Diese Unterscheidung kann für Sie in Fragen der Qualität wichtig sein. Denn im Ver­gleich zu den |Agenturen| Maklern kennen wir Netzwerkkolleginnen und -kol­le­gen die­je­ni­gen, die sich im Team auch um die anderen Sprachen kümmern, nicht nur aus dem In­ter­net, sondern konkret von der Arbeit.

P.S.:  Sorry, liebe Stammleser, die Blogthemen wiederholen sich. Über die Pseu­do­an­bie­ter habe ich bereits vor zwei Jahren geschrieben. Da sich die Kolleginnen auf News­group­sei­ten inzwischen sehr offen darüber austauschen, werden ihre Ma­chen­schaf­ten immer offensichtlicher.


Vokabelnotiz
s'abonner / s'inscrire — etwas abonnieren, sich wo anmelden, sich einschreiben
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Die Illustration war in der Post.

Dienstag, 23. September 2014

Friedensstifter

Bienvenue und herzlich willkommen beim ersten Weblog Deutschlands aus dem Inneren der Dolmetscherkabine! Hier schreibt eine Übersetzerin und Dol­met­scher­in, deren zweite Hauptarbeitssprache Französisch ist.

kleiderschrankgroße Kästen
Es geht um Ebola: Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hat die Staa­ten­ge­mein­schaft um Hilfe gebeten, gerne auch mit Militär, denn die Truppen sind auf che­mi­sche, biologische und sonstige Einsätze menschlich und materiell vorbereitet.
Wir sitzen in den Kabinen und bedienen zu viert drei Sprachen. Der "Floor", wie die Gesamtheit der Diskutanten draußen auf dem Dolmetschpult genannt wird, spricht Englisch, wir jong­lie­ren zwischen Fran­zö­sisch und Deutsch. Darauf­hin wird in einem Atemzug über Kon­flikt­zo­nen und Frie­dens­mis­sionen gesprochen und von der Si­cher­stel­lung der Lieferkette dringend be­nö­tig­ter Medikamente und Me­di­zin­tech­nik.

Wir entfernen uns vom Ebola-Thema und landen bei der medizinischen Versorgung in Krisengebieten. Da fällt das Wort pacemaker in einem Satzzusammenhang mit "Nachschub". Zu erwähnen ist auch noch, dass der Redner kein Englisch-Mut­ter­sprach­ler ist. Seine Aussprache ist nicht einwandfrei.

Der Kollege verdolmetscht irgendwas zwischen Streitschlichter und Frie­dens­stif­ter, an den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr. Ich war nur letzte Woche mit Klinikärzten zusammen, daher interpretierte ich das, was wie peace­maker geklungen hatte, als pacemaker, Schrittmacher. Da kurz darauf von re­gel­mä­ßi­gen Wartungen und Batterien die Rede ist, erweist sich die Chose als ein­deu­tig: Von Herzschrittmachern ist die Rede. Zum Glück haben wir zwischen uns einen No­tiz­zet­tel liegen, und dorthin wandert das Wort dann zur weiteren Verwendung.

Vokabelnotiz
pace — Geschwindigkeit, Tempo
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Foto: C.E.

Montag, 22. September 2014

Rückblick I

Hallo! Hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Ab jetzt, dem achten Jahr meines digitalen Arbeitstagebuchs, schaue ich ab und zu auch mal zurück, denn viele Beiträge sind inzwischen in den Tiefen des Netzes verschwunden.

Dolmetschen beim Filmdreh
Schon vor sieben Jahren widmete ich mich der Fra­ge "Mensch oder Maschine", die heute aktueller ist denn je. Über­rasch­en­der­wei­se wurde das Thema unter dem gleichen Titel, "man vs. ma­chi­ne", im Som­mer von hunderten von Dolmetschern und Über­setzern in Berlin beim Welt­kon­gress diskutiert.

"Können Computer nicht viel besser über­setzen? Dazu habe ich doch ein Pro­gramm!" Solche Sätze hören wir immer wie­der. Oder aber es rufen be­sorgte Eltern an, deren Kind sich entschieden hat, Spra­chen zu studieren, um Dol­met­scher zu werden. (...)

Hier geht's weiter.


Und hier geht's zum Kongress:
http://www.fit2014.org/
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Foto: Friederike Elias
Illustration: FIT

Sonntag, 21. September 2014

Blumen am Landwehrkanal

Sie lesen im Blog einer Übersetzerin und Dolmetscherin. Sonntags werde ich pri­vat: Sonntagsfotos!

Wir befinden uns im Herzen von Berlin. Über ein Jahr lang war eine Tief­bau­stel­le vor dem Haus. Dann wurde sie geschlossen und das Erdreich wieder an­ge­schüt­tet. Das war's dann. Damit beim nächsten Starkregen nicht alles im Kanal ver­schwin­det, haben Nachbarn um die vierzig Resttütchen Blumensamen gesammelt und dort ver­teilt. Inzwischen ist diese Uferpartie einer der beliebsten Fo­to­hin­ter­grün­de der Gegend geworden. Meine Erholung an heißen Tagen: Hier beim Blu­men­gießen zu hel­fen.

Cosmeen, Anemonen, Sonnenblumen, Paddler auf dem Kanal, fotografierende Menschen, Bienen, die Blumen anfliegen usw.

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Collage: C.E. (In ein neues Fenster auf-
gerufen, lässt sich das Bild vergrößern.)

Freitag, 19. September 2014

POV I

Hallo und gu­ten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­setzerin. Auch im achten Jahr des Bestehens meines Blogs fallen mir noch Innovationen ein. Heute beginnt eine neue Reihe: POV, Point of view. Das ist der nur knapp kommentierte subjektive Blick aus der Spracharbeit.

Wir sitzen an einem Tisch am Rand des Tagungssaals, wir sehen die Leinwand mit ihren PowerPoint­Prä­sen­ta­tionen (PPT) gut, was den Abstand betrifft, nur manchmal steht der Redner in der Sicht­achse. Auch daher ist es wichtig, die Prä­sen­ta­tionen im Vorfeld zu be­kom­men. Gestern war ein Tag ohne Tisch­vor­la­gen, Präsentationen und Material. Naja, fast. Das Programm und eine einzige PPT bekamen wir vorab. Wir saßen nicht im Cockpit, in der Kabine, und bewältigten trotzdem einen Blindflug. Dafür war dieses Mal — aber auch nur im abgebildeten Fall — der Über­tra­gungs­auf­wand nicht groß.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 18. September 2014

Brille

Bon­­jour! Sie sind ab­­sicht­­lich oder zu­­fäl­­lig auf den Sei­­ten einer Dol­met­scherin und Über­setzerin für die fran­zö­si­sche Sprache gelandet. Ich berichte hier über den All­­tag der Französischdolmetscher und anderer Spracharbeiter — aus meiner streng sub­jek­ti­ven Perspektive.

Unbezahlte Freiberuflerarbeit: Das Abheften der Verträge, Vokabellisten und di­ver­ser Arbeitsmaterialien. Besonders fällt in Deutschland das Sortieren und Er­fas­sen der Belege ins Gewicht.

Ladenschild, gesehen in Kreuzberg
Alle Jahre wieder brauchen Bril­len­schlan­gen wie ich neue Sehhilfen. Was die Kasse von den Kosten übernimmt, ist lächerlich. Dass meine Gläser irgendwas zwischen neun und zehn Dioptrien minus aufweisen, ist meine Pri­vat­sache. Mit den "Ge­sund­heits­re­for­men" ging im Rückblick die Schwächung der So­li­dar­ge­mein­schaft los. Für Brille und Er­satz­brille zahle ich jedes Mal den Gegenwert einer Monatsmiete für eine geräumige Ber­liner Wohnung mit Ne­ben­kosten, Strom, Gas, Versicherungen, Re­pa­ra­tur­rück­lage und Telefon/Internet sowie Sachmittelverbrauch im Büro.
Eine Erklärung, warum es gerecht sein sollte, dass meine Fehlsichtigkeit Pri­vat­sache sein sollte, will mir partout nicht einfallen.

Ich habe mir diese Myopie, garniert mit einem leichten Astigmatismus, weder aus­ge­sucht noch habe ich sie verursacht. (A propos Verursacherprinzip: Fürs Rau­cher­bein kommt die Gemeinschaft der Versicherten auf.) Was mich fortgesetzt irritiert: Wa­rum ist diese Abschaffung offenbar auf keinen Wi­der­stand ge­sto­ßen? Wenn ich mich um­se­he, gibt es heute bald ebenso viele Bril­len­trä­ger wie Menschen ohne. War denn "da­mals" die Gesellschaft noch nicht so alt? Waren Brillenträger noch eine Min­der­heit? Haftete dem Nasenmöbel einst noch der Ruch des Accessoires best­aus­ge­bil­de­ter Besserverdiener an?

Und was war überhaupt die Alternative? Dieses Augen-sind-Privatsache-Ding möch­te ich probehalber mal kurz mit einer (eben­so will­kürlichen) "Pri­va­ti­sie­rung" eines an­de­ren Körperteils vergleichen: Wie wäre es, wenn die Kasse statt der Fehl­sich­tig­keit ... hm, sagen wir mal das linke Bein pri­va­ti­siert hätte? Das rechte ist Teil der So­li­dar­ge­mein­schaft, na klar, aber das linke, sorry, das ist Privatsache, Luxus, also dafür müssen die Men­schen schon allein aufkommen.

Wenigstens kann ich diese Luxusausgaben fürs Gesicht von der Steuer absetzen. Muss auch. Ohne sie wäre ich aufgeschmissen. Ich kann nur siebenkommafünf Zen­ti­me­ter ab Nasenspitze klar sehen. Fürs Küssen ist das ein enormer Vorteil! Daher weht also der Wind. Und fürs Handling der Hauptbrille, des Top-Modells mit hoch­bre­chen­dem Glase, gibt's eine einfachere (und doppelprivate) "Brillensuchbrille".

Privatsache sind auch meine ausschließlich beruflich genutzten Kostümchen und Anzüge samt deren Wege in die chemische Reinigung. Begründung: Ich könnte die Sachen ja auch privat tragen. Na klar. Als wäre ich nicht am Ende langer Tage ein­fach nur glücklich, aus meinen Weißkitteln, Blaumännern oder schwarzen Roben wieder rauszukommen. Im Gegensatz zu mir können die echten Träger dieser Be­rufs­ver­klei­dung Erwerb, Reinigung und Reparatur ihres jeweiligen Gewandes bei der jährlichen Abrechnung dem Finanzamt präsentieren.

P.S.: Wir gebeutelten "Spontanübersetzerinnen" (siehe Blogeintrag von gestern) freuen uns über die zweideutige Schlagzeile im Handelsblatt: "Frankreich fordert Streikende bei Air France".

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Foto: C.E. (gesehen in Kreuzberg)

Mittwoch, 17. September 2014

Sportlich ...

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Spra­che (und aus dem Englischen). In unserem Beruf müssen wir oft im­pro­vi­sie­ren. Derzeit leider noch mehr als sonst.

Mit wem arbeiten wir morgen zusammen?
Richtig sportlich müssen wir dieser Tage sein, denn wir ersetzen einander gerade ein wenig kreuz und quer bzw. dürfen zu verschobenen Ter­mi­nen mit anderen Fort­be­we­gungs­mit­teln anreisen. Gerade scheint alles dieser geheimen Parole zu folgen: "Gestalten Sie Ihren Beruf als adventure trip, die Piloten von Air France machen's möglich!"

Hinzukommen kürzere Nächte und bulimisches Pauken auf der Reise.

Vor wem werden wir morgen dolmetschen, und wenn ja: wo? Und wer werden mor­gen die Kolleginnen sein? Ich fühle mich an die unfreiwillige Verballhornung er­in­nert, die von einem Publikumsgast stammt: "Spontandolmetscher" statt "Si­mul­tan­dol­metscher". In einem Beruf, in dem Vorbereitung mehr als die halbe Miete ist, wird uns immer viel abverlangt. So ein Pilotenstreik bedeutet für uns, mit Verlaub, Arbeiten unter verschärften Bedingungen. Das Schöne an der Sache ist: Wir lernen neue Kollegen kennen!

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 16. September 2014

Selbständigkeit

Guten Tag oder Abend, interessieren Sie sich für Dolmetschen und Übersetzen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten goldrichtig.

Kongressvorbereitung bedeutet tagelanges Lesen, Lernen, Denken. Zwischendurch Stunden im See, auf der Joggingpiste oder dem Markt für beste Kochzutaten.

Abgeschubberte "E"-Tastatur, auf der noch das €-Zeichen übrig ist, als Teil des Wortes "WERT", den die Buchstaben bilden
abgenutzte Tastatur (nach fünf Millionen Anschlägen)
Das sind Zeiten, die indirekt durch die Honorartage mit bezahlt werden. Daher lie­gen unsere Honorare nicht bei 150 Euro, wie neulich ein La­bel­ma­na­ger erfahren musste, der sich meiner Dienste für diese Summe täglich ver­si­chern wollte, es ging um In­ter­views eines mu­si­ka­li­schen Nach­wuchs­stars aus Frank­reich mit den nam­haf­testen deutschen Me­dien­ver­tre­tern.

Schick war sein: "Aber es muss doch möglich sein, jemanden zu dem Preis zu fin­den!" Der Satz war an seine Assistentin gerichtet. Die Ärmste hat dann viele Dol­met­scherkol­le­gin­nen und -kollegen aufscheuchen müssen, um immer wieder die glei­che staunende Rat­los­ig­keit (oder vielleicht auch Gelächter) zu ernten.

Ich kann auch mit der größten Mühe nicht verstehen, wie jemand auf die Idee kommt, einen Dienstleister anzufragen und ihm zu sagen: "Das ist ihr Preis, gefolgt von einer Summe." Bei einem Anwalt würde er sich das nicht trauen. Und schon gar nicht, eine derartige Zahl aufzurufen.

Wer selbständig ist, hat viele andere Kosten, die regelmäßig anfallen, von den eigenen Bü­ro­räumlichkeiten und -mitteln bis hin zu Rücklagen für Urlaub, Un­vor­her­seh­bar­es, das Alter. Und für die Korrektur der eigene Elaborate, Über­setz­un­gen und Werbeaktionen.

Das mit der Korrektur gilt ja nicht nur für unsereinen. Aber nicht alle scheinen auf die Idee zu kommen, dass derlei nötig sein könnte. Unten, was eine von den of­fi­zi­ellsten Stel­len subventionierte Institution als Werbung verbreitet. Ich hoffe, es liegt nicht daran, dass sie ihren Korrektor nur für "kleines Geld" einkaufen wollten.

Dass bei "selbständig" das zweite "st" gestrichen wurde, fand ich als Schülerin ge­wöhn­ungs­be­dürftig. Logisch ist es nicht, zumal wir ja (bei der nächsten Reform) zum Beispiel bei "Schifffahrt" das dritte "f" hinzubekommen haben. "Selbstständig" mit doppeltem "st" ist inzwischen auch wieder möglich.

Selbsständig in Berlin? *cut*-deutschland.de
Nein, keine Bannerwerbung auf dem Dolmetscherblog, Netzfund von heute

Und die hier gleich folgende Stellenausschreibung tut richtig weh: Fünf Fehler in fünf Zeilen, denn auch das Datum wurde verhunzt, sowas habe ich lange nicht gesehen. Wer mit "vergleichbarer Ausbildung" sich darauf wohl beworben haben mag? Für dieses Sprachniveau fällt mir mitnichten ein geeigneter Ausbildungsgang ein.

Pikanterweise enthält "Muttersprachneveu" ein echtes französisches Wort: le neveu — der Neffe

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Illustration: Archiv und Netzfunde

Montag, 15. September 2014

Kanak im Kiez

Herzlich Willkommen! Sie lesen im Arbeitstagebuch einer Dolmetscherin. Meine Arbeitssprachen sind Französisch und Englisch (passiv).

Eine Straßenszene in Berlin-Neukölln: Eine junge Popdiva (die man kennen muss, die ich aber nicht erkenne), inspiziert den Kiez. In ihrem Fahrwasser diverse mit viel Stylingkunst auf lässig gezwirbelte Hipster, deren Aufgabe das Vermarkten, Be­ma­len und Inslichtsetzen ist. Gerade ist aber den Tonmensch dran, hält der jungen Lady ein Mikro mit püscheligem Windschutz unter die Nase und stellt ihr die Frage: "Kennst Du Berghain?"

Die den beschriebenen Pulk auf dem Gehweg kreuzende Berichterstatterin er­hasch­te nur die eine Frage, die allerdings hängen blieb.

Berghain, nein, pardon, natürlich DAS Berghain, ist ein berühmter Berliner Club, in dem vor allem Techno gespielt wird. Für alle, die vor 1960 geboren sind: Der Club bezeichnet das, was früher eine Disco war. Und Techno ist dieser Sound, der auf einfachen, wummernden Beats beruht.

Bücher stapeln sich in einem Fenster, oben drauf sitzt eine Buddha-Figur
Fensterszene in Neukölln
Weder die Interviewte, noch der Interviewer sahen aus, als wä­ren sie in Kreuzberg, im Mär­ki­schen Viertel oder in einer Fa­mi­lie mit Mi­gra­tions­hin­ter­grund aufgewachsen. Die Aus­las­sung des Artikels ist ein Phä­no­men, das sich aber in genau diesen Bezirken und Krei­sen be­ob­ach­ten (bzw. be­lau­schen) lässt. Und genau diese Aus­las­sung wird als Merkmal für "Ka­nak" betrachtet.

Kanak ist eine simplifizierte Version der deutschen Hochsprache, der schon im Som­mer die Berliner Zeitung zwei Artikel widmete, da eine junge Sprach­wis­sen­schaft­ler­in sich des Themas im Rahmen einer Forschungsarbeit angenommen hat­te. Bei Kanak werden Teile der türkischen Grammatik, die weder Artikel noch Prä­po­si­tio­nen kennt, auf die deutsche Umgangssprache übertragen.

Die Soziolinguistin Diana Marossek, die ihre Dokorarbeit an der Technischen Uni­ver­si­tät Berlin mit dem Titel "Gehst du Bahnhof oder bist du mit Auto? Wie aus einem sozialen Stil Ber­li­ner Umgangssprache wird", untersuchte (als Referendarin ge­tarnt) die Sprech­wei­se heutiger Jugendlicher an diversen Schulen. Sie stellte fest, dass diese Art semantischer Verkürzungen durch die ebenfalls zur Verkürzung nei­gen­de Syntax des Berliner Dialekts die Verbreitung von Kanak über die Kreise der Mi­gran­ten und ihrer Nachfahren hinaus begünstige.


Vokabelnotiz
WZBW (was zu beweisen war) — CQFD  (ce qu'il fallait démontrer)
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Foto: C.E.

Sonntag, 14. September 2014

Einkaufsladen

Hallo! Sie lesen im ersten Blog, der im Inneren der Dolmetscherkabine oder am Übersetzerschreibtisch entsteht. Sonntags werde ich privat: Fotos!

Die Banane im Supermarkt ruhte geschält auf eine Styroporschale und war in trans­pa­ren­te Folie gehüllt. Das gehört für mich zu den schrecklichen Bildern, die unsere vermeintlich so hochentwickelte Gesellschaft hervorgebracht hat.

Gestern stand ich beim Einkaufen in einer großen Meute, um uns herum Filmlicht, Kameras, Tonleute und Reporterinnen mit ihren Notizblöcken. Ich war im ersten Supermarkt Berlins einkaufen, in dem Waren "original unverpackt" über den La­den­tisch gehen. So heißt denn auch das Geschäft von Sara Wolf und Milena Glim­bov­ski. Ich brachte leere Gläser, eine Ölflasche, einen Eierkarton und Vor­ratsdo­sen im Ein­kaufs­netz mit. Einige Gefäße wurden erst gewogen, dann hatte ich die Wahl aus ca. 350 Produkten.

Eier, Rapsöl, guten Essig, Quinoa, Amaranth, Belugalinsen, Kefir und Ge­mü­se­brüh­pul­ver, das waren die Sachen, die mir in Ergänzung zum Einkauf auf dem Wo­chen­markt noch gefehlt hatten, wo mich ein Brandenburger Hof mit Biowaren versorgt.

Im hinteren Ladenraum, manches wirkt noch charmant improvisiert

Mir hat der schlichte Laden gut gefallen, der im vorderen Raum überhaupt nicht schlicht ist: Wunderbare Wandfliesen künden davon, dass hier vor Urzeiten mal ein Bäcker und ein Fleischer beheimatet gewesen sein muss. (Hier ein Bericht mit schönen Fotos aus dem leeren Laden.)

Der Kampf gegen die ewigen Umverpackungen aus Plastik, die auch in mei­ner Kü­che immer gleich zu Müll werden, geht also weiter. Gegen die Le­bens­mit­tel­mot­ten packe ich nämlich ohnehin zuhause alles in Sprungdeckelgläser um.

Links oben: Die Waren im Geschäft, links unten: Linsen, Quinoa und Co. in meiner Speisekammer
Laut Berliner Stadtreinigung, diese Zahl zitiert die "Berliner Zeitung", fallen in Berlin pro Jahr In 76.000 Tonnen Leichtverpackungen an. Plastikbeutel kommen noch hinzu. Leider endet viel zu viel vom häufig verwendeten Kunststoff im Meer (und produziert dort die gleichen Probleme wie das Mikroplastik aus Pee­ling­dusch­lo­tion, Fleecepulli oder plastikgedämmter Fassade).

Diese Art von losem Getreide-, Hülsenfrüchte- und Müsliverkauf habe ich 1996 in den USA kennengelernt, genauer: in kaliformischen health food stores. Und die Sache mit den mitzubringenden Verpackungen erinnert mich ans Milchholen in meiner Teenagerzeit auf dem Dorf. Nichts Neues unter der Sonne, und doch so revolutionär! Und als "Süßigkeit" für den Heimweg gibt's noch eine Banane, ori­gi­nalverpackt natürlich.

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Fotos: C.E.

Samstag, 13. September 2014

S-Kunde

Bienvenue, willkommen! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Am Wochenende werde ich privat: Ich zeige Links, über die mich in der Woche gefreut habe, und am Sonntag folgen die Sonntagsfotos.

Diese Woche gab's schon wieder einen Schreibmaschinenkunde, und jetzt haben wir sogar ein Kürzel dafür erfunden, zu internen Zwecken: S-Kunde.

alte Schreibmaschine
Auf Französisch heißt die Tastatur le clavier
Hatten wir schon mal, im Sommer habe ich darüber geschrieben: Aufgrund der technischen Möglichkeiten, Bürger, Politik und die In­dustrie auszuspionieren, scheint die einzige Mög­lich­keit zu sein, die Unternehmen bleibt, auf die gute alte Klapperatistik zu­rück­zu­kom­men. Auch die Presse hat berichtet.

Den Klang dieser Geräte mag ich gerne, das war der Sound meiner Kindheit. Wir lebten damals im Hinterhof in einem wunderbaren Schlösschen aus rotem Zie­gel­stein, bei uns und im Vorderhaus wurden die ganze Zeit irgendwelche Seminar-, Diplom- und Doktorarbeiten getippt.

Und weil die Sache so schön ist, hier gleich noch zwei Sounds zum Thema alte Bü­ro­tech­nik; Kids von heute können mit Wählscheibentelefonen nicht mehr viel an­fan­gen. Es folgt ein Geräusch aus der Küche, das bei mir tatsächlich öfter mal zu hören ist: das der Kaffeemühle. Ich mag keine hypermodernen, raumgreifenden Küchenmaschinen, die nach kurzem Gebrauch aufwändig zu putzen sind, daher ha­be ich das Teil in Benutzung, mit dem mein Urgroßvater schon seinen Kaffee ge­mah­len bekam.

Die Sache vom S-Kunden ging ins Englische, es handelt sich wieder mal um ein Pa­tent, ich durfte weiterreichen. Es droht also keine "Seh­nen­ent­schei­dungs­ge­fahr".

Links:
www.conservethesound.de — verschwindende Töne bewahren
www.unsplash.com — jede Woche gibt es hier zehn lizenzfreie Fotos

Vokabelnotiz
die Wählscheibe — le cadran (d'appel)
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Foto: S. Zolkin via Unsplash

Donnerstag, 11. September 2014

Image

Herzlich willkommen auf den Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs! Auch an Tagen, an denen ich nicht gegen Honorar Drehbücher übersetze oder Konferenzen verdolmetsche, arbeite ich intensiv. Derzeit muss ich mich um Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten und um mein Image kümmern.

Gestern habe ich huldvoll die erste Buchung für einen Dolmetscheinsatz ent­ge­gen­ge­nom­men, der in sieben Monaten stattfinden wird. Während ich mich tagsüber mit stiller Arbeit in der Studierstube auf die nächste Konferenz vorbereite, ver­brin­ge ich manche Teepause mit den Kollegen in der digitalen Kaffeeküche unseres virtuellen Großraumbüros.

Sara: Da ist 'ne Sache, an die erinnere ich mich nicht mehr. Ist deine Muttersprache jetzt Französisch oder Deutsch? Sara: Also in welche Richtung übersetzt du? Antwort: Dt. Sara: Also vom Französischen ins Deutsche. Antwort: Ja
"Instantdiskussion" statt Chat
Dabei meldete sich gestern eine ent­fern­te Bekannte mit Fragen wie dieser, die mich belustigen. Hintergrund: In der Vorbereitung eines Kulturprojekts sucht eine Französin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt, sie ist die Freundin von Freun­den, eine Übersetzerin. Denn im Vorfeld des Events wird es einiges an Texten zu über­tra­gen geben. Vor der Zusendung der Ausschreibung chattete sie mich kurz via Web 2.0 an. Die Über­setzungen sollten ins Französische ge­hen. Da musste ich ihr leider ab­sa­gen.

Voll­stän­dig daneben lag die Dame aber nicht. Manchmal über­setze ich in der Tat in meine erste Ar­beits­fremd­spra­che.

Das sind in der Regel kürzere Texte aus Arbeitsfeldern, die ich gut kenne. An­schlie­ßend lasse ich meine Fassung gründlich lektorieren. Dabei kann ich immer etwas hinzulernen, diese Art des Arbeitens hat etwas von privatem Unterricht. Ich ge­nie­ße das sehr.

Hier ging es um einen sehr um­fang­rei­chen Auf­satz für einen Katalog. Das soll dann doch besser eine Mut­ter­sprach­lerin oder ein Muttersprachler über­neh­men. Zum Glück konnte ich ihr gleich zwei Namen von einschlägig spezialiserten Kollegen nen­nen. Noch besser: Wenige Momente später hatte ich einen Dol­metschauftrag in der Tasche, denn beim Event werden auch Sprachmittler zum Einsatz kommen und hier arbeite ich in beide Richtungen (und aus dem Englischen), zusammen mit der jeweiligen Ko-Kabine natürlich.

So, der heutige Nachmittag gehört nach einem reellen Kaf­fee­trink­drei­vier­tel­stünd­chen mit einem Berufskollegen der Verwaltungsarbeit. Anschließend mache ich mir noch Gedanken darüber, wie ich mein Image eindeutiger werden lassen kann. Wer weiß, welche Drehbuchübersetzungsanfragen mich derzeit nicht erreichen, weil ich öfter als vermeintliche Französisch-Muttersprachlerin rü­ber­zu­kom­men scheine. Nochmal: Ich übersetze umfangreiche und künstlerische Texte nur ins Deut­sche.

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Illustration: facebook (verändert)
Die Übersetzung kann lesen, wer mit
dem Cursor auf die Illustration fährt.

Mittwoch, 10. September 2014

Wappentier

Hallo, hello, bonjour und willkommen! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dol­met­scher­in. Neben unseren Sprachtalenten sind noch viele weitere Eigenschaften nö­tig, wenn wir unseren Beruf gut machen möchten.

Beschreibungen von Wihnachtsmannbedarf, der via Internet geordert werden kann, der Bart aus bio­lo­gisch zertifizierter Baumwolle, die Maske aus kompostierbarem Plastik her­ge­stellt und mit ungiftigen Farben gefärbt, derlei hatte ich diesen Som­mer sehr in­ten­siv zu lektorieren. In einem zweiten Schritt durfte ich die neuen Tex­te dann selbst übersetzen und zum Lektorat rausgeben. (Aus Kun­den­schutz­gründen wurde die Beschreibung des Auftrags verändert, die Idee da­hin­ter blieb erhalten.)

Was mir da anfangs als "schon übersetzt" für ein "kurzes Gegenlesen" geliefert wur­de, ließ mir die Haa­re zu Ber­ge stehen. Der Text las sich wie aus der Feder von Raymond Queneau. An­schlie­ßend muss George Ionesco lektoriert haben, worauf das Ergebnis durch Google Trans­la­tor gejagt wurde. Solche Aufgaben zählen zu den besonderen Freu­den im Übersetzerbüro. Leider lässt sich von diesem Zwit­ter­we­sen, das hinter der "Übelsetzung" steckte, kein Fahn­dungs­foto herstellen, da nie­mand weiß, wie Dr. Gurgel ausschaut.

Eselfant mit Schneckenhaus und Flossen
Wappentier der Übersetzer, das Eselfantfischneck, ein Trans-Tier. Aus Gendergründen.
Aber es gibt andere Bilder. Bei meinen Sprach­ar­bei­ten darf ich regelmäßig auch an die Be­schrei­bung des Lektorenberufs durch mei­nen Vater denken: Mit der Stör­rischkeit eines Esels, der Dickhäutigkeit eines Ele­fan­ten sei zu arbeiten, wobei es manchmal nur mit dem Tempo einer Schnecke voran ginge. Kollegen, denen ich das Bild zeigte, meinten: Übersetzer arbeiteten (im Gegensatz zu den Dol­met­schern) meistens zuhause und hätten (wie diese) viel Wissen akkumuliert, was so ein Häuschen auf dem Dach recht­fer­ti­gen würde.

Ich ergänze: Geklagt werden darf so, wie sich Fische beklagen. Deshalb endet jetzt mein Beitrag auch gleich.

Nur Danksagungen muss ich noch loswerden: Ich bin beglückt über meine Text­ar­beit und über Kun­den, die hinzulernen. Wie gesagt, beim Weihnachtskramauftrag hatte ich anschließend komplett den Hut auf. Und ich bin beglückt über die kre­a­ti­ven Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich zum Teil aus der Ferne ge­mein­sa­me Sache mache. Eine, die Fisch nicht mag, weil sie ihn nicht verträgt, meinte spon­tan, dass wir durch­aus auch über Fischqualitäten verfügen müssten, wenn wir quicklebendig und wendig durch zum Teil trübe Textgewässer navigieren.

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Collage: C.E.

Dienstag, 9. September 2014

Preisgefüge

Bienvenue und herzlich willkommen beim ersten Weblog Deutschlands aus dem Inneren der Dolmetscherkabine! Hier schreibt eine Übersetzerin und Dol­met­scher­in, deren zweite Hauptarbeitssprache Französisch ist.

Eine Männerhand schreibt etwas in ein Notizbuch
Termine notieren wir im Team auch füreinander
Lange dachte ich, dass allen potentiellen Kunden ein­leuch­tet, dass die Arbeitsstunde einer mehrsprachigen Trans­la­to­rin teurer ist als zum Bei­spiel das, was ein Hand­werks­meister nor­ma­ler­wei­se so auf die Rechnung schreibt. Und dass die Stunde einer un­ge­lern­ten Kraft auf dem Markt weniger wert ist als die eines "aus­ge­lern­ten" Profis.

Das war lange mein Grundgedanke zum Thema "Preisgefüge". Ich schei­ne mich ge­täuscht zu haben. Offenbar gibt es da draußen bei vielen Menschen gar kein Gefühl mehr zum Thema angemessene Honorarsätze für die Dienstleistung von Menschen, die nach dem Abitur noch eine Hochschule besucht haben.

Freitag fragte mich ein Mensch aus dem mittleren Management eines Me­dien­un­ter­neh­mens, ob ich für sein Unternehmen würde dolmetschen können. Detailliert zähl­te er die Anforderungen auf, um mir dann einen Honorartagessatz von 150 Euro vor­zu­schla­gen. Samstag erhielt ich Post von |einer Agentur| einem Über­setz­ungs­mak­ler, die einen recht komplizierten Text übersetzt haben wollte, Lie­fer­ter­min: Sonn­tag­abend. Zeitaufwand für Übersetzen, Korrekturlesen und Neu­for­ma­tie­ren: ca. fünf Stunden. Dafür wurden mir knapp 100 Euro an­ge­bo­ten.

100 Euro hat auch der Hausmeisterdienst dafür veranschlagt, dass der Hauswart acht Ki­lo­me­ter aus dem Nachbarbezirk anreist, um die fette Ratte aus dem Hof zu ent­fer­nen, die sich dort zum Sterben niedergelegt hat. OK, war auch am Sonntag. Aber es war natürlich mal wieder spannend, was mit ungelernter Beschäftigung so er­wirt­schaf­tet werden kann, und dass es in anderen "Gewerken" Sonntagszuschläge natürlich noch gibt. Er hat so gerechnet: 40 Euro Honorar für die angefangene Stunde und zehn Euro für die Anfahrt, Sonntagszuschlag 100 %.

Auf keinen der Preisvorschläge wurde eingegangen. Und ich erinnere mich daran, dass echte Handwerker auf ihren Rechnungen immer noch einen Posten für das "Vorhalten" des Werkzeugs aufführen.

Nein, ich berechne demnächst nichts fürs Bereithalten von Rechner, Wörterbuch und Mundwerk. Kostenvoranschläge erstellen wir gerne und freuen uns über jede (ernstgemeinte) Anfrage.

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Foto: Alejandro Escamilla (via Unsplash)

Sonntag, 7. September 2014

Sommerfrische

Willkommen auf den Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs. Hier dreht sich alles um Sprachen, Kulturen und das Vermitteln zwischen denselben. Dabei schaue ich gelegentlich auch direkt auf die Unterschiede.

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu. Der Abschied geschieht in Schüben. Bereits Mitte August war es sehr frisch, seit wenigen Tagen genießen wir echten Spätsommer mit angenehmen Temperaturen.

Bademoden im und am Strandkorb, 1928
Deshalb folgt hier gleich noch ein Bild aus der "Som­mer­fri­sche", wie damals, als das Foto in den späten 1920-er Jah­ren entstand, eine Som­mer­fe­ri­en­re­si­denz noch genannt wurde. (Der Begriff bezeichnete auch die Sommerreise als sol­che.) Dieses Foto gehört zur Strand­mo­de, die ich vor einer Woche hier brachte.

Manchmal pflegen wir in der echten und erweiterten Familie gerne die eine oder andere Aus­drucks­wei­se, die mög­li­cher­wei­se ver­al­tet an­mu­tet. Dazu zählt eben jenes Wort "Som­mer­fri­sche".

Ich schmuggle es aus |arten|wortschutzgründen gelegentlich in meinen aktiven Wortschatz hinein. Ein Besuchsgast aus Frankreich verstand den Begriff prompt in einem anderen Sinn, nämlich in dem, dass der Sommer ja doch einer gewissen Frische gewichen sei.

Und gleich noch eine deutsche Besonderheit bringt mein heutiges Sommerbild: Den guten alten Strandkorb. Hohe Korbstühle gab es schon im 15. Jahr­hun­dert, wie er zum Beispiel auf dem Bild von Willem van Herp zu sehen ist.

Satyr und die Bauersfrau (um 1650)
Damals schützten diese Sitz­ge­le­gen­hei­ten durch hoch­ge­zo­gen­e Lehnen gegen die Zugluft. Ihre Wei­ter­ent­wick­lung, die Strandkörbe an den nicht immer son­nen­si­che­ren deutschen Stränden, sind übrigens eine Besonderheit. In anderen Ländern sind sie allenfalls Reisenden bekannt. Daher fehlen Vokabeln in an­de­ren Sprachen für diese Strandmöbel.

Das, was die bekannten Wörterwebseiten anbieten, sind Umschreibungen. Wer dem obenstehenden Wikipedia-Link folgt, kann unter "Kultur" auch noch eine hübsche Sammlung geschriebener und gemalter Strandkorbdarstellungen genießen.

Last but not least gibt es dort das Foto von Teilnehmern des G8-Gipfels vom Juni 2007 in Heiligendamm, die in den fauteuils-cabines en osier typiques des plages du nord de l'Allemagne Platz genommen haben. Kleine Rückübersetzung: Ka­bi­nen­ses­sel aus Korbweide, wie sie typisch für die Strände im Norden Deutschland sind. Hm, ja, in Ostdeutschland gibt es sie nicht nur auch, ein Rostocker Korb­ma­cher­meister soll sie erfunden haben. (Und wie sieht es an den Stränden im Süden Deutschlands aus, Peter E.?)

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Foto: Eigenes Archiv, copyright C.E.
Sollte eine der abgebildeten Personen eindeutig zu
identfizieren sein, bitte ich um Mitteilung.

Freitag, 5. September 2014

Straßenfeger

Hallo und bonjour beim Dolmetscherweblog. Hier schreibe ich über die Welt der Sprachen, und was mir als Übersetzerin und Dolmetscherin sonst noch so auffällt.

Als das Fernsehen noch jung war, haben die Gemeinden in Deutschland an Aben­den, an denen Francis Durbridge-Krimis liefen, die Bürgersteige hochklappen können, so wenig war drau­ßen los. Das hieß damals ein "Straßenfeger". Davon ist heute noch am Sonntagabend ein wenig zu spüren. Dann schaffen es manchmal das Gerät, das Fernsehapparat heißt, und ein ihm ei­gen­es Un­ter­hal­tungs­pro­gramm, mehrere Generationen zu in­ter­es­sie­ren.

Du hast g'sagt, i soll auf Urlaub fahren! // Kennst du dich aus mit Verlassenschaften? // - Ja, wir nehmen dasch Schimmer! - Wasch?

Gerade bei vielen Familien ist bis heute keine gute Idee, sonntags nach 20.15 Uhr an­zu­rufen, denn dann läuft der "Tatort", der Lieblingskrimi der Deutschen. Die einzelnen Folgen werden von den Re­gio­nal­sen­dern zugeliefert, und dank der Ko­ope­ra­ti­on mit an­de­ren deutsch­spra­chi­gen Ländern kann ein Tatort zum Beispiel auch aus Österreich kommen.

Um es gleich zu sagen: Ich bin kein Tatort-Fan. Dieses Mal habe ich den Film al­ler­dings im Netz gesehen, weil mein Vater mir erzählte, dass er stellenweise schlecht verständlich gewesen sei. Für mich war das gewissermaßen eine Fort­bil­dungs­maß­nah­me.

Das österreichische Deutsch weist etliche Abweichungen vom Hoch­deut­schen auf, weshalb es praktisch ist, dass die Sender Untertitel für Hörgeschädigte anbieten. Hier ein kleiner Eindruck, von mir auf einer Seite versammelt und ohne Absicht den Sprechern falsch zugeordnet. In der Zeile unten macht sich der Film über je­man­den mit Sprachfehler lustig, also "Schimmer" statt "Zimmer". Irritiert hat mich den ganzen Film hindurch das kleingeschriebene "i" für "ich". Ich las darin die gan­ze Zeit das englische I, das ich auch im französisch- oder deutschsprachigen Kon­text als Symbol für "ich" verwende.


Vokabelnotiz
der Straßenfeger ≈ la grande messe du dimanche soir (wörtlich: das Hochamt vom Sonntagabend)
die Verlassenschaft (Österreichisch) — die Erbschaft (Hochdeutsch)
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Fotomontage: C.E. (Material: ARD/ORF)

Mittwoch, 3. September 2014

Feuerwehr

Herzlich Will­kom­men! Sie le­sen im Ar­beits­ta­ge­buch ei­ner Dol­met­scher­in. Mei­ne Ar­beits­spra­chen sind Fran­zö­sisch und Eng­lisch (pas­siv).

Fortbildung dolmetschen
Manchmal bin ich eine Feuerwehrfrau. Aber nicht die Frau des Feu­er­wehr­man­nes, ich lösche eigenhändig. Im über­tra­gen­en Sin­ne. Das fiel mir gerade bei Ho­no­rar­ver­hand­lun­gen wieder ein. Drei Rückblicke.

Eins. Es war einmal ein namhafter Sender. Er suchte für eine Pressekonferenz eine Dolmetscherin. Das Ereignis ist eine Weile her, ich war noch nicht lange auf dem Markt für solche Ereignisse. Auch ich durfte ein Angebot schreiben, es gab eine Absage ('nicht unser Preis'). Da ich damals noch ein Bein in der Filmproduktion hatte und der von mir mitproduzierte Film am Rande auch vorgestellt werden sollte, saß ich im Publikum.

Die eigens aus Hannover angereiste Sprachkundige hat sicher ihre Stärken in der englischen und spanischen Sprache. Französisch war nicht ihr Ding. Sie übertrug Dinge, die gar nicht gesagt worden waren, jeder zweite Satz war falsch, entstellt oder hinzugedichtet. Im Publikum saßen auch die französischen Korrespondenten. Der Saal wurde unruhig. Nach 15 Minuten wurde auf Englisch weitergemacht. Inzwischen arbeite ich regelmäßig für den Sender — zu guten Preisen.

Zwei. Ein berühmter Herrenschneider kam nach Berlin. Wir hatten uns zur Ver­dol­met­schung von zwei Tagen Interview beworben, die Absage lautete: "Wir hätten gerne einen Mann." Am Abend des ersten Tages kam ein kleinlauter Anruf: "Können Sie kommen?" Der Satz war noch drastischer: "Wir haben hier ein Monster, wir brauchen einen Drachen."

Der (junge) Mann hatte wohl noch nicht genug Berufserfahrung sammeln können und war sogar noch vor Ende der Interviewserie durchgebrannt. Ich gab den Dra­chen, ver­ton­te einen sehr friedfertigen, älteren Herren und hatte sogar noch einen Eil­zu­schlag anbringen können.

Drei. Ein Festival j.w.d. buchte mich als dolmetschende Moderatorin und mo­de­rie­re­nde Dolmetscherin. Aufgrund veränderter Reisepläne von Gästen entstand ein Moment im Spiel­plan, bei dem ich mich wegen einer kleinen Überschneidung hätte zweiteilen müs­sen. In der kleinen Stadt schien es einfacher, eine festivalfremde Sprach­mitt­ler­in zu finden als eine weitere Moderatorin. Ich beendete mein Pub­li­kums­ge­spräch und eilte in den anderen Saal, um nachzusehen, was geschehen war.

Schon vor der Tür raunte mir ein Produzent aus München zu, für den ich seit Jah­ren übersetze, dass ich rechtzeitig käme. Gut sichtbar nahm ich ganz vorne Platz. Die Kollegin brachte fünf ausdifferenzierte, ziselierte französische Satz­konstrukte in einem kargen deutschen Hauptsatz unter. Der Moderator und Fes­ti­val­leiter nickte mir zu. Ich stand auf und setzte mich auf einen Stuhl auf der Bühne, der zufällig noch leer war. Der Moderator war brillant und sagte: "Dol­met­schen ist eine hochkomplexe Sache, daher machen das in der Regel immer zwei. Hier kommt die Verstärkung!"

Ich bin froh, dass die Kollegin ihr Gesicht wahren konnte. Sie sprach nachher von "Blackout". Die Wand von Gesichtern in einem vollen, großen Kinosaal ist sicher gewöhnungsbedürftig.

Ach, und dann gab es noch dieses kleine Festival, wo gar kein Dolmetscher vor Ort war, und ich einspringen musste (was bedauert werden kann, denn dieses Ver­ges­sen scheint System zu haben). (Nicht wahr, Volker Kufahl, Patricia Bauermeister, Ulrich Schreibern, Régis Présent-Griot?)

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Portrait C. Elias: Merci à David Perrin, Marseille 

Moderne Arbeitsweise

Bon­jour und Hal­lo auf den Seiten des ersten Weblogs aus dem Inneren der Dol­metschkabine. An Tagen außerhalb dieses kleiderschrankgroßen Trumms arbeite ich als Übersetzerin aus dem Französischen und Englischen. 

Gerade habe ich kleine Alltagsprobleme, die mich mal wieder daran erinnern, wie bequem das Internet doch ist. Während ich mich auf einen Termin vorbereite, muss ich etwas auf der Seite einer französischen Behörde (oder so) suchen. Tja, um leider festzustellen, dass bei denen auch am Mittwoch noch Wochenende ist. Das sieht böse aus. What the hack ist dort los?

Site en maintenance sur la durée du week-end

Denn dort steht: "Die Seite wird während des gesamten Wochenendes überholt". Wie haben die älteren Berufskolleginnen und -kollegen vor Erfindung des Netzes gearbeitet? Kaum vorstellbar. Da macht es "plopp!" im elektronischen Briefkasten und eine kluge Mitarbeiterin der genannten Stelle paukt mich mit einigen Do­ku­men­ten raus. Das ist ja noch mal gut gegangen! (Antwort auf die Frage: Früher hätte der Kurier die Schriftstücke bis zur Haustür gebracht.)

Der Beginn der obigen Webseitenkennung lautet übrigens auf Mission Sécurité des systèmes d'information, über diese Stelle laufen offenbar im Rahmen ihrer War­tun­gen die Seiten ihrer Auftraggeber.

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Foto: C.E.

Montag, 1. September 2014

Zurück im Büro

Bonjour und guten Tag! Interessieren Sie sich für Dolmetschen und Übersetzen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten goldrichtig.
 
Mit dem Beginn des me­te­o­ro­lo­gi­schen Herbsts geht auch die Dolmetscher- und Über­set­zer­sai­son erneut los.

Wir sind wie­der im Büro, stu­die­ren zwei Kon­gress­pro­jek­te, lesen zu übersetzende Dreh­bü­cher (letztere nur aus­zugs­wei­se), um Kosten­vor­an­schlä­ge zu erstellen, recherchieren neue Themen für die kom­men­den Einsätze, denn die Kun­den ha­ben uns leider da­für noch nichts geschickt, und überarbeiten turnusmäßig eine alte Lexik, die zu Thema Ar­chi­tek­tur zum Beispiel.

Büroszene, etwa aus den 1920-er/frühen 30-er Jahren.
Angebote schreiben und planen
Auf der Leseliste stehen ferner:
— IFA und die Novitäten
— EU-Finanzpolitik
— aktuelle politische Lage
— Wachstumsschwäche in Europa
— Bildungspolitik

Fürs Büro steht an: 
— Malerarbeiten beauftragen
— Sofa neu beziehen lassen
— Matte für den Steh­pult­schrank bestellen

Außerdem lese ich gerade viel über die Sachsenwahl. In diesem Bundesland, aus dem meine Familie stammt, war ich erst vor kurzem. Ich versuche diese Pro­test­wahl (und -wahlenthaltung) zu begreifen, gerade auch im Hinblick auf das 25-jäh­ri­ge Jubliäum der friedlichen Revolution.


Vokabelnotiz

Robuster Arbeitsmarkt: Diese Verwendung von "robust" höre ich erst seit kurzem, das Adjektiv "robust" machte zuletzt als "robustes Mandat" Karriere. Für das ro­buste Mandat gibt es bei Google erst 5880 Ergebnisse, bei Bing sogar nur 2670 Fundstellen (Abfragen: heute). Früheste Erwähnung des Begriffs, den ich über die erstgenannte Suchmaschine gefunden habe, bei www.manager-magazin.de, 30.11.2011.
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Foto: C.E. (Archiv, ©!)