Sonntag, 30. Juni 2013

Geist ist geil

Bonjour, hello und salut ... auf den Seiten dieses Blogs. Hier |plaudert| schreibt eine Dolmetscherin und Übersetzerin |aus dem Nähkästchen| über den Be­rufs­all­tag. Zeit für ein Sonntagsbild!

Geheimnisvolle Nachrichten wie "dein Darm denkt mit" oder "dein Gehirn macht dich glücklich" stehen seit Wochen auf Plakatwänden der Stadt und geben Rätsel auf. Was dahinter steckt, fand ich bei der Charité: Die Losungen sind Teil der Arbeit des Künstlers Adib Fricke "Your Brain is Your Brain". Auf insgesamt 110 Plakatwänden werden Passanten zum Denken angeregt. Der Partner des Künstlers ist das Medizinhistorische Museum der Charité.

Aus der Projektbeschreibung: "Durch die Zufälligkeit der ästhetischen Erfahrung vollziehen die Passanten, was der Künstler Fricke provoziert. Seine Sätze werden blitzartig aufgenommen, wirken nach, verselbständigen sich und lenken die Be­trach­ter bewusst oder unbewusst auf die Funktionsweisen des eigenen Gehirns."

Mehr Informationen gibt's auf der Webseite bedeutungslabor.com. Hier haben Neurowissenschaftler in kurzen Texten aktuelle Forschungsergebnisse erläutert. Zum Gehirnglück steht da zum Beispiel: "Immer wenn du etwas richtig gemacht hast, dich anstrengst etwas zu erreichen, neue Erfahrungen sammelst oder lernst, belohnt dich deine Denkfabrik mit der vermehrten Ausschüttung von Dopamin und sagt dir so: 'Gut gemacht! Mach das nochmal! Weiter so!'"

Ach, wäre das schön, wenn sich das rumsprechen könnte. Denn der neue Slogan lautet "Geist ist geil", um die Logline eines großen Technikhändlers zu variieren.



P.S.: Mehr Bilder und Infos gibt es hier. Eigentlich wäre das Projekt im städtischen Raum be­reits am 8. Juni ausgelaufen. Nun sorgt die Krise derzeit dafür, dass die Plakate in vielen Berliner Bezirken weiterhin zu sehen sind, denn es gibt für die Flächen keine Nachmieter. Das erinnert mich da­ran, dass auf Chinesisch das Wort "Krise" auch "Chance" bedeuten soll.
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Foto: C.E.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Alle Wetter!

Hallo! Ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig ha­ben Sie die Sei­ten einer Kon­fe­renz­dol­metscherin an­ge­steu­ert. Hier schreibe ich über meinen vielseitigen Alltag. Nachdem ich viele Jahre die beiden Sprachen und Lebenswelten wie getrennte Systeme im Kopf ab­ge­speichert hatte, war intensiver Sprachenvergleich die Voraussetzung fürs Dolmetschen. Mit dem Vergleich der Sprachen geht der Vergleich der Kulturen einher.

Heute ist Siebenschläfertag, das heutige Wetter soll entscheidend für das Wetter der nächsten Wochen sein. Letztes Jahr hat's gestimmt, da sind wir nach dem Siebenschläfertag fast weggeschwommen.

Hagel und Regen mit Blick auf die Straße, an dessen Rand ein einsames Fahrrad parkt.
Dieses Jahr kam die große Flut früher. Die Wet­­ter­­vor­her­sa­gen des einst nur innerhalb von we­ni­gen Jahren ent­stan­den­en "hundertjährigen" Ka­len­ders, darin sind sich alle Kri­tiker heute einig, sollten allerdings dem zeitlichen Umfeld des betreffenden Tages gelten; damit läge die Wahr­schein­lich­keit, dass die Vorhersagen zuträfen, höher.

Der französische Bauernkalender betrachtet hingegen den 8. Juni. Wenn es an diesem Tag regnet, soll es maximal bis zum 18. Juli weiterregnen: S'il pleut à la St Médart, il pleuvra jusqu'à 40 jours plus tard, à moins que Barnabé ne lui coupe l'herbe sous le pied. (Wenn es am Tag des heiligen Medardus regnet, regnet es auch noch bis zu vierzig Tage später, es sei denn, Barnabas kommt dem zuvor.)

Hm, wie war nochmal das Wetter am 8. Juni? Wie war's im Nachbarland? In Frank­reich sind Wettervorhersagen zumeist an die Tage der Heiligen gebunden, hier zeigt sich die Prägung durch die katholische Kirche. (Schon in Zeiten des Schul­austauschs überraschend: In vielen Familien wurde nicht der Geburtstag, sondern der Namenstag gefeiert, wofür wir unsere Altersgenossen ein wenig bedauerten, weil uns das Datum der Geburt als einziges feierwürdiges Moment erschien.)

Die französischen Fernsehnachrichten kommentierten die Flut, die auch viele fran­zö­sische Dörfer erreichte, unlängst mit Sätzen wie "die Wissenschaftler wissen noch nicht, worauf das Phänomen der Überschwemmungen zurückzuführen ist." In Printmedien New Yorks lassen überflogene Halbsätze keinen Zweifel mehr daran, dass der Gedanke, dass die globale Klimaerwärmung, das Abschmelzen der Pole zu mehr Wasser in der Luft und damit zu stärkeren Niederschlagsmassen in Ver­bin­dung mit unregelmäßigen Phasen der Luftmassen (eingefrorener Jetstream) ge­führt haben, dort inzwischen weit verbreitet ist. Diese Aspekte haben uns in Mitteleuropa drei "Jahr­hun­dert­wet­ter­la­gen" in nicht mal einem Dutzend Jahren gebracht hat, zwei Fluten und die Hitzewelle von 2003.

In früheren Jahrtausenden wäre das genug Anschauungsmaterial gewesen, um daraus eine "Bauernregel" oder eine gereimte Wettervorhersage unter Hei­li­gen­an­ru­fung zu machen. Leider verschmutzen wir Menschen die Welt jahrein, jahraus. Das an einem Datum festzumachen, dürfte schwierig werden.


Vokabelnotiz: Der weltbeste Patensohn hat einst "Wetterhervorsage" gesagt. Sehr sprechend!
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Foto: C.E.

Mittwoch, 26. Juni 2013

tief durchatmen!

Will­kom­men auf den Sei­ten ei­nes vir­tu­el­len Ar­beits­ta­ge­buchs aus der Dol­met­scher­ka­bine. Die meisten Kol­le­gen haben längst die Rei­se­kof­fer für den Som­mer­urlaub gepackt, vor allem die Berliner, und sind entschwunden. Ich reise noch ein wenig mit den Koffern der Dolmetschtechnik (bzw. einer Kamera). Damit die grauen Zellen nicht durch­brennen, gilt es, zielbewusst zu arbeiten ... und tief durchzuatmen!

Fundsachen! Erst das kurze Zitat: "Ope­ra­ti­ve Hektik zeugt von geistiger Windstille!"

Jetzt das lange: "im leben ist es wichtig, zeit zu haben und ganz ruhig zu sein. das ist meine klare erkenntnis. deshalb eben taugt deutschland nichts, weil sie alle ihre leere mit last ausfüllen müssen. Wenn man aber nicht still hält, können ja gar nicht die guten geister kommen, sie verfehlen den eingang zum herzen, und zielbewusst nach vorn gerichtete münder, von energie geschlossen, sind nicht der platz wohinein die guten geister wollen." (Hans Werner Henze an Ingeborg Bachmann, 1956)

Quelle: Ingeborg Bachmann/Hans Werner Henze: Briefe einer Freundschaft, München/Zürich 2004, S.11

Danke, Martin H.!


P.S.: Den Juli über werde ich in Berlin sein, im August und September auf Nachfrage.
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Foto:
C.E.

Dienstag, 25. Juni 2013

Interviews dolmetschen

Will­kom­men auf den Sei­ten einer Ber­liner Sprach­ar­beiterin. Ich dol­metsche aus dem Deutschen, Fran­zö­si­schen und Eng­lischen. Derzeit bin ich wieder viel mit Filmleuten unterwegs, und zwar nicht nur in Berlin.

Licht wird eingerichtet
Lichtsetzen braucht seine Zeit, Kamerastandort finden eben­so. Nicht selten wird dabei die halbe Wohnung unserer In­ter­view­part­ner umgeräumt. Da ich die Vorgespräche auf Deutsch ge­führt habe, mo­de­rie­re ich wäh­rend­des­sen im­mer die fran­zö­sisch­spra­chigen Filmgäste und die deutsch­spra­chi­gen Gesprächpartner "aufeinander zu".

Kamera, Journalisten, Kameramann, Interviewte, Dolmetscherin (Autorin dieser Zeilen)..
Französischer (1) und kanadischer (2) Dreh
Letzter Faktencheck, die al­ler­letzten Vokabelfragen klä­re ich zum Teil noch online, dann schnell einige Er­gän­zungs­fra­gen auf­schrei­ben und los geht's. Wir sitzen meist in einer Sichtachse. Oft wer­de ich als dolmetschende In­ter­viewerin angeheuert. André, der Kameramann, mit dem wir dieses Mal arbeiten, er­freut uns kurz vor Start mit einem Bonmot.

Auf die Frage nach einer Kopie des fertigen Werks, die regelmäßig fällt und eine Selbstverständlichkeit sein sollte, antwortet mit einem Bonmmot. "Was sind die drei Lügen am Dokumentarfilmset? 1. So, nur noch eine Frage! 2. Natürlich be­kom­men Sie eine DVD! 3. Wir räumen nachher auch alles wieder auf!"

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Fotos: Friederike Elias (Nr. 2),
Caroline Elias (Nr. 1)

Montag, 24. Juni 2013

[richtick]

Herz­lich Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer Sprach­ar­beiterin. Hier den­ke ich über den All­tag der Welt der Kon­fe­renz­dol­metscher und Über­setzer nach ... und über das Grund­ma­te­rial, die Spra­che(n).

[Richtick] ist falsch, [richtich] ist richtig. Ist eine olle Kamelle, die ich hier heute bringe. Und eigentlich nicht der Rede wert, wenn nicht ... naja wenn nicht selbst Nachrichtensprecher das oft falsch machen würden.

Frühstückstisch aus der Vogelperspektive: Milchkaffee, Orangensaft, Zopf und Konfitüre
Milch mit Kaffee ... für manche sicherlich köstlich!
Nein, ich nenne keine Sender, aber die letzte Woche hat mich das viele ge-zeh-kahe ziemlich genervt. Besonders "schick", wenn sich dann das falsch ge­spro­chene Wort auf [Leipzick] reimt.
Merksatz aus der Sprech­er­zie­hung: Der König trinkt Milch mit Honig. Alles endet auf weiche Laute. Wir ergänzen: Der König von Leipzig trinkt Milch mit Honig.

Wer dieser König wohl ist? Ach, im Grunde interessiert mich das doch herzlich wenig.

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Foto: C.E. (Archiv)

Sonntag, 23. Juni 2013

Barfuß am Set

Was Dol­met­scher und Über­setzer ma­chen, ist der brei­ten Öf­fent­lich­keit oft nicht ge­nau be­kannt. Hier schrei­be ich da­rü­ber. In me­iner Sprach­ar­beit ha­be ich mich auf die Be­rei­che Me­dien, Po­li­tik, Kul­tur und Ge­sell­schaft spe­ziali­siert.

Neulich abends, beim Film. Es ging etwas heißer zu in der Weltstadt, in der wir drehen. Während die Assistentin das Mikrofonkabel unter dem Kragen des In­ter­view­partners verschwinden lässt, fällt mir auf, dass ich die einzige bin, die hier nach Protokoll gekleidet ist (Kostümchen, Schühchen, Strümpfchen and so on).

Kein Wunder, hatte ich am Vormittag doch noch mit Großkopfeten zu tun. (Zum Glück habe ich meinen Sandelholzfächer aus Marseille dabei und setze ihn zwi­schendurch auch ein.)


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Foto: C.E.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Merci beaucoup IIX

Hallo, ich hei­ße Sie als Le­se­rin/Le­ser auf meinen Blog­seiten will­kom­men. Hier schrei­be ich über die Ar­beits­welt der Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer. Manch­mal brau­che ich al­ler­dings nicht selbst zu texten ... Hier eine ak­tu­el­le Dank­sa­gung.

Zwei Redner, ein Moderator, eine Dolmetscherin und ein ausschließlich französischsprachiger Publikumsgast, der mit "beflüstert" wurde"Der Verein Bleublancrose be­dankt sich herzlich bei Ca­ro­line Elias für ihre Arbeit als Dolmetscherin einer Dis­kus­sion, die am 14.6. dem Thema „Ehe für alle“ ge­wid­met war. Das große Interesse der Teil­neh­mer am Thema hat die Ver­anstaltung länger werden las­sen (sie dauerte fast 2,5 Stun­den) und damit einen hohen Einsatz von Caroline gefordert, die diese Veranstaltung trotz schwieriger Arbeitsbedingungen hochprofessionell und brillant übertrug. Sie war dabei ebenso souverän bei der Verdolmetschung aus dem Französischen ins Deutsche (konsekutive Übersetzung) wie andersherum (Flüsterdolmetschen).
Wir waren sehr glücklich und zufrieden mit dieser Zusammenarbeit. Wir können ihre Arbeit nur wärmstens empfehlen."

Berlin, am 18.06.2013, Pascal Thibaut (1. Vorsitzender des Vereins Bleublancrose)

Und im Original: L'association Bleublancrose remercie chaleureusement Caroline Elias pour son tra­vail d’interprète lors d'une discussion le 14 juin dernier sur le mariage pour tous. L'intérêt des participants a prolongé la discussion (près de deux heures et demie) et bien sûr exigé beaucoup de Caroline qui a malgré des con­ditions de travail dif­fi­ciles effectué avec brio et professionnalisme la tra­duc­tion de cette mani­festa­tion. Elle était autant à l’aise avec l’interprétation du français en allemand (tra­duction consecutive) qu'inversement (chuchotage).
Nous étions très heureux et satisfaits de collaborer avec elle. Nous recommandons vivement son travail. 


Berlin, le 18 juin 2013 Pascal Thibaut (Président de l'association Bleublancrose) 

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Foto: MANEO

Mittwoch, 19. Juni 2013

mühselig

Will­­­­kom­­­­men auf den Sei­­­­ten des ersten deut­schen Blogs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bine. Ich bin Dol­­met­­scher­in und Über­s­etzer­in für die fran­­zö­­si­sche Spra­­che und aus dem Eng­­li­schen. Hier denke ich über un­­­se­­ren Be­­­ruf nach und über sein Ma­te­rial, die Spra­chen.

Da habe ich mich gestern selbst überrascht. Beim Gegenlesen meines Blogeintrags fiel mir das kleine Wörtchen "mühselig" auf. Ja, die Arbeit macht oft viel Mühe, bedeutet viel Kleinteiliges, Recherchen und Vokabelarbeit, dabei darf ich das große Ganze nicht aus den Augen verlieren.

Blick aus der Kabine auf Redner und die Rücken von Zuhörenden
Das gilt gleichermaßen für Vorbereitung wie für die Durchführung, ganz gleich, ob sie in der Dolmetscherkabine oder am Über­setz­er­schreibtisch stattfindet. Und die Mühe macht selig, das akkurate Arbeiten, das Ergebnis, frohe Gesichter am Ende, ein Film der ins Kino kommt oder der von ei­nem Festival über eine Auszeichnung berichtet, solch' eine Mail hatte ich erst gestern im di­gi­ta­len Brief­kasten.
Da sind dann alle Mühen vergessen, die dieser Übersetzungsauftrag einst mit sich brachte. Oder das manchmal etwas müh­same Finden eines Preises, der für alle stimmt. Denn ich liebe es, Qualität zu liefern — und arbeite einfach gründlich ...

... und damit langsam. Was, auf die Geschwindigkeit bezogen, beim Si­mul­tan­dol­metschen natürlich nicht ganz stimmt, da bekomme ich dann schon mal wie letzten Freitag zu hören: "Du übersetzt ja schneller, als ich gesprochen habe".

Mit diesem Gefühl der Seligkeit macht mir das Warten auf Fotos und Kun­den­feed­back auch nichts mehr aus, mit denen ich die nächsten Blogeinträge gestalten will, denn auch letzte Woche war ich schwer aktiv und es gibt hier weitere Einblicke in den Dolmetscheralltag.

Ich kämpfe in der Zwischenzeit ganz alltäglich mit Computertechnikproblemen, Abrechnungen, verdolmetsche Dreharbeiten und mache Termine fürs Film­team ... alles höchst banal.

Und ich überrasche mich selbst, wie mich trotz knapper Zeit so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Ich liebe es, Sprache wörtlich zu nehmen. So genieße ich die Schönheit der Vokabeln, bin müh-selig, als wären sie Teile eines von einem Ster­ne­koch zubereiteten Mahls. Dass es seligmachend sein kann, Mühen auf sich zu neh­men, verspricht meines Wissens nur die deutsche Sprache, die ja oft so wunderbar konkret ist. Diesen Gedanken führe ich hier bald weiter und schreibe endlich auch einmal über Jacques-Arthur Goldschmidt.

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Foto: C.E. (Archiv. Wunderbar: Magnete
in der Kabine halten Lexik und Konzept)

Dienstag, 18. Juni 2013

Die brauchen mich wirklich!

Gu­ten Tag oder gu­ten Abend! Zu­fäl­lig oder ab­sicht­lich ha­ben Sie ei­ne Sei­te mei­nes di­gi­ta­len Arbeits­ta­ge­buchs auf­ge­schla­gen. Hier den­ke ich über Berufs­all­tag nach, über die Welt der Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer. Heu­te: Blick auf den Schreibtisch!

Es gibt Tage, an denen beuge ich mich stundenlang über frem­de Dossiers, um ein Ge­fühl dafür zu bekommen, wieviel Arbeit je­weils drin­steckt. 'Kostenvoranschlag schreiben' heißt diese müh­se­lige, zeitraubende Ver­ans­tal­tung. Etliches wird zugesagt, manches auch nicht, derzeit winken wohl wieder einige mit Dum­ping­an­ge­boten :-(

Manche Kunden senden zwischendurch Nachrichten mit der Bitte um Geduld. Diese hier brachte mich zum Schmunzeln.
Vielgeschaetztes Caroline:

Vielen Dank für die Informationen, die Sie uns gegeben haben.
Personal der Firma ist in Verbindung mit Ihnen im Falle gezusagt.

Mit freundlichen Grueßen,
Unterschrift
Wo die wohl das "Ess-Zett" herhaben? Vermutlich per copy & paste generiert ...

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Foto: C.E. (Archiv)

Montag, 17. Juni 2013

Korrigieren?

Hallo! Sie lesen in den Sei­­ten ei­­nes vir­­­tu­­­el­­­len Ar­­beits­­­ta­­ge­­buchs aus der Welt der Spra­chen. Ich bin Dol­met­scherin und Über­setzerin für die fran­zö­sische Spra­che und aus dem Eng­li­schen. Hier den­ke ich über un­se­ren Beruf­sall­tag nach ...
 
Dürfen Sprachmittler korrigieren? Dürfen wir besser sein als das Original?

Wenn ich Drehbücher übersetze, geschieht dies meistens in einem sehr frühen Stadium. Die Produzenten heuern mich an, weil ich viel Erfahrung habe und Stile wiedergeben und halten kann. Ziel ist ein Buch, das sich so liest, als wäre es auf Deutsch geschrieben worden. Da verbessere ich manchmal im Sinne des Autors, den ich ja lesend "begriffen" habe. Denn häufig geschieht es, dass beim Ändern von Stellen Wörter übersehen werden, die sich zum Beispiel im Original dann un­an­ge­nehm wiederholen (und es ist nicht als Stilmittel gemeint), um nur ein Moment zu erwähnen.

Solche "Fehler", die mehr sprachliche Ungeschicklichkeiten sind, wiederhole ich nicht. Ich schreibe so, wie ich als Autorin auch geschrieben hätte. Das führt am Ende dazu, dass nach Aussagen mancher, die beide Sprachen beherrschen, sich Übersetzungen gelegentlich besser lesen als die Originale.

Neulich war François Hollande in China. Er gab in Tokio eine Pressekonferenz, und es unterlief ihm eine sprachliche Ungeschicklichkeit. Er erwähnte die Geiselnahme in einer Gasförderanlage in Algerien, die im Januar zehn Japaner das Leben ge­kostet hatte. Er unterstrich, dass er damals das "Mitgefühl des französischen Volkes an das chinesische Volk" übermittelt habe.

Subjekte der Dolmetscherin beim Einsatz. Hilfsmittel: Computer, Lexik, Fülleretui, Füller, Notizblock im AbendlichtNun sprach Hollande natürlich nicht Chinesisch, sondern wur­de verdolmetscht. Die Dol­met­scherin wusste, was gemeint war, und machte "das ja­pa­ni­sche Volk" daraus. Der Sender ntv berichtete al­ler­dings, dass mindestens einem japanischen Journalisten, der des Fran­zö­si­schen mächtig ist, der Fehler aufgefallen war. Wie es wei­ter­ging, ist nicht überliefert.

Für uns ist das Ausbügeln kleiner Ungeschicklichkeiten Alltag. Vor einigen Tagen saß ich bei einer Veranstaltung neben einer Gesandten einer afrikanischen Bot­schaft auf dem Podium, da verhaspelte sich der Moderator und sagte wiederholt: Madame So­und­so, Attachée der französischen Botschaft. Für die Ohren der Be­tref­fen­den und einige ausschließlich Französischsprachige im Raum, denen ich per Kopfhörer zu­flüsterte, machte ich flugs die richtige Botschaft draus, nur murrten die deutsch­spra­chi­gen Zuhörer, denen der Fehler aufgefallen war.

Das Räuspern im Raum war nicht zu überhören, vor allem nicht beim 2. Mal. So musste ich dann am Ende doch in einem möglichst unauffälligen Ne­ben­satz­schlen­ker den kleinen Irrtum erwähnen, der dem Moderator unterlaufen war. Madame nahm es zum Glück gelassen.

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Foto: C.E. (von einer anderen Veranstaltung)

Sonntag, 16. Juni 2013

Leser im öffentlichen Raum

Will­kom­men auf den Sei­ten einer Ber­liner Sprach­ar­beiterin. Ich dol­metsche aus dem Deutschen, Fran­zö­si­schen und Eng­lischen. Sonn­tags werde ich pri­vat: Lieb­lings­fotos!

Mein heutiges Posting ist ein Aufruf. Für die Gestaltung eines Plakats in der Foto­mosaiktechnik bin ich auf der Suche nach 1100 Einzelbildern mit Lesern im öf­fent­li­chen Raum. Einhundert Bilder habe ich schon, ich denke daran, jedes Ein­zel­bild drei Mal zu verwenden. Ziel ist ein Plakat für öffentliche Lesungen zu erstellen.

Hier sind bereits einige Beispiele zu sehen gewesen. Es würde mich freuen, wenn Du/Sie diese Nachricht an Freunde weiterleiten ... und mir am liebsten auch ein Leserbild zusenden könntest/könnten. Das Foto bitte an meine private Mail­an­schrift senden: carolineelias[Klammeraffe]yahoo.de ...

Ich kann allerdings nur Bilder verwenden, die folgende Bemerkung begleitet: "Hiermit bestätige ich, dass ich über die Rechte am eingesandten Foto verfüge, die ich ausschließlich zum Zwecke der Pla­kat­ge­stal­tung an die Dolmetscherin Caroline Elias, Berlin, übertrage."

Unter allen Einsendern verlose ich zehn Bücher aus meinem Bücherschrank, da­her bitte Leseinteressen und Sprachkenntnisse mit angeben!

BVG-Lesegemeinschaft mit Omi
Die BVG ist ein Lesesaal ...
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Foto: C.E.

Freitag, 14. Juni 2013

Ausfallhonorar

Will­­kom­­men auf den Sei­­ten ei­­nes vir­­­tu­­­el­­­len Ar­­beits­­­ta­­ge­­buchs aus der Welt der Spra­chen. Ich bin Dol­met­scher­in und Übers­etzer­in für die fran­zö­si­sche Spra­che und aus dem Eng­li­schen. Hier denke ich über un­­se­­ren Be­­ruf und da­rü­ber nach, wie er wahr­ge­nom­men wird ...

GEISTERSITZUNGEN | EU-Parlament vergeudete 16 Mio. Euro für Dolmetscher
Bild-Zeitung vom 14.06.2013
Das bekannte deutsche |Revolverblatt| Bou­le­vard­me­dium mit den vier Buch­sta­ben, nein, es heißt nicht BLÖD-Zeitung, ver­öf­fent­lichte heute dies:

Wer den Artikel liest, erfährt, dass binnen dreier Jahre 15,93 Millionen Euro geflossen sind, um Dolmetscher für zu kurzfristig abgesagte Einsätze zu entschädigen. Dies betreffe gleichermaßen Fraktionen, Ausschüsse und Delegationen, die in durchschnittlich 16,3 % der Fälle vertagt würden.

Weiter schreibt die Zeitung, die eine Pressemeldung der Nachrichtenagentur dts aufgreift: "Etwa die Hälfte der Übersetzer in Diensten des EU-Parlaments sind Freiberufler."

Um hier dem Dolmetscherbashing, das ich indirekt daraus lese, zu widersprechen: Freiberufler wohnen vielleicht nicht am Arbeitsort, haben möglicherweise Zeiten für An- und Abreise eingesetzt und ihre Arbeitstage, die sie in der Regel lange im Voraus reserviert hatten, sind "weg", andere Aufträge finden sich so schnell für den Tag nicht. Kurz: Sie hätten, würde kein Ausfallhonorar gezahlt, an den ent­sprech­en­den Tagen Honorarausfälle zu verzeichnen. Ausfallhonorare gibt es nicht nur bei Sprachmittlern, andere Berufsgruppen machen diese auch geltend.

Dolmetschen ist eine sehr anstrengende Tätigkeit, die oft tagelange Vorbereitung nötig macht. Diese wird nicht gesondert vergütet. Bei einer kurzfristigen Absage entfällt je Thema möglicherweise damit oft nur ein "kleiner", dafür aber hoch­gra­dig sichtbarer Teil der Arbeit.

Die Frage wäre allerdings, warum im Parlament 16 % der Termine verschoben wer­den und ob der Prozentsatz im aktuellen politischen Prozess wirklich signifant hoch ist.

Und noch ein Aspekt fällt mir ein. Die freiberuflichen Dolmetscher, die für Brüs­sel/Straßburg arbeiten, werden meines Wissens mit Sätzen unterhalb dessen ver­gütet, was die freie Wirtschaft zahlt. Wenn also ab und zu ein Ausfallhonorar hin­zu­kommt, hebt das den Durchschnitt der wirklich wahrgenommenen Ter­mi­ne an. Vielleicht wurde der Faktor ja bei der Festlegung der einzelnen Ho­no­rare bereits berücksichtigt (oder ist das der Grund für ausgebliebene Er­höhungen)?

Alles Fragen, die ich gestellt hätte, wäre ich heute noch Journalistin, was ich in einem ersten Berufsleben war. Aber inzwischen scheint Recherchieren aus der Mode gekommen zu sein bzw. wird nicht mehr vergütet. Moment mal, wie war das gleich noch mit den Ausfallhonoraren von Journalisten?

Hier noch einige Bewegtbilder zum Thema:



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Illustration: B-Zeitung
Film:
Generaldirektion Dolmetschen, EP

Donnerstag, 13. Juni 2013

(Im)Mobiles Büro

« Bien­­ve­­nue !» Sie ha­­ben die Ar­­beits­­ta­­ge­­buch­­sei­­ten ei­ner Über­­setzer­in an­­ge­­klickt, die da­­ne­­ben in Ber­­lin und an­ders­­wo für Po­­li­­tik, So­zia­les und Wirt­­schaft, Ki­no und Kul­tur als Fran­­zö­­sisch­­dol­­met­scherin tätig ist. Hier den­ke ich re­gel­mä­ßig über meine Ar­beit und seine Begleiterscheinungen nach. 

Ein dummer Witz geht so: Ruft der eine dem anderen auf der anderen Straßenseite zu: "He du, dein Schutzblecht klappert!" Darauf der andere: "Ich kann dich nicht verstehen, mein Schutzblech klappert."

Zuhause habe ich einen Festnetzanschluss fürs Telefon, den ich selten brauche, außer, ich sitze an Recherchen für ein größeres Projekt, dann koordiniere ich neben meinem Sprachberuf auch noch Inhalte und Interviewtermine, wenn ich z.B. für kleine TV- oder Dokumentarfilmprojekte dolmetschen darf. Neben dem Te­le­fon- wird mir der Internetanschluss geliefert. Manchmal ist er gestört. In letzter Zeit häufiger, Nachbarn geht's ähnlich, man munkelt, es sei wegen des Hoch­was­sers.

tempus fugit - eine Frau vor einer bunten Weltkarte mit ihren Zeitzonen
Der Versuch, beim Te­le­fon­an­bie­ter mit dem Handy an­zu­ru­fen, führt mich in War­te­schlei­fen. Telefonzellen gibt es kaum noch, also versuche ich vom Büro eines Rah­men­ver­trags­kun­den aus, mich ins Internetkundencenter des Anbieters einzuloggen. Auf meiner letzten Rechnung stehen vier Zahlenfolgen, die mir vorliegen.

Als da wären: Kundennummer, Telefonnummer mit Vorwahl, Rechungsnummer, Buchungsnummer. Ich zähle durch: Insgesamt 41 Ziffern, zudem bin ich in der überaus glücklichen Lage, über Vor- und Zunamen, Adresse inklusive Post­leit­zahl und Stadt, Geburtsdatum und -ort zu verfügen. Liebe mathematisch Begabte, wie wahrscheinlich ist hier am Ende noch eine Verwechslung?

Während ich versuche mich einzuloggen, möchte das System von mir ständig eine Mailadresse wissen, die "Onlinemailadresse", über die ich offenbar schnell und einfach identifiziert werden kann. Keine meiner beiden Mailadressen funktioniert, weder die beruflich noch die privat genutzte. Ich schreibe meinem Te­le­fon­an­bie­ter. Der antwortet innerhalb von 24 Stunden:
Sehr geehrte Frau E., leider konnten wir Sie telefonisch nicht erreichen. Bitte melden Sie sich am Kundencenter im Internet mit der Zu­gangs­num­mer (ehemals Onlinenummer) und dem persönlichen Kennwort Ihres DSL-Anschlusses an. Beides ist Bestandteil Ihrer persönlichen Zu­gangs­da­ten, welche laut Recherche bei Anmeldung Ihres Anschlusses postalisch versandt wurden. MfG usw.
Das war jetzt im höchsten Maße redundant (nicht erreichbar) und selbst­re­fe­rentiell. Ganz ehrlich: Von einer Onlinenummer höre ich zum ersten Mal. Nun ist es so, dass ich zuhause durchaus einige Aktenordner mit Ver­wal­tungs­un­ter­la­gen aus ver­schie­densten Epochen im Regal stehen habe. Die Einrichtung des In­ter­net­zu­gangs über­ließ ich einst Profis. Die Daten dazu wurden anschließend ab­ge­hef­tet. Als Dol­metscherin und Übersetzerin bin ich etwa das halbe Jahr auf Dienstreisen oder im Ausland, um meine Sprachkompetenz aufrecht zu erhalten. Dickleibige Ver­wal­tungs­ord­ner pflege ich bei berufsbedingten Ortsveränderungen nicht mit mir zu führen. Denn zum Telefonanschluss kommen ja noch weitere Anbieter und Daten, Kennziffern, Kunden- und Buchungskontonummern hinzu.

Die Kernbestandteile meines Büros reisen in Form eines schmalen Klapprechners mit. Ich bin fast überall auch Onlinekundin. Die mir zugesandten oder -gemailten Zugangsdaten kann ich dabei stets einfach ändern und anpassen. Rechnungen be­kom­me und be­zah­le ich online, Auftragsdetails passe ich online an, Probleme übermittele ich auf gleichem Wege.

Daher frage ich mich bestürzt und den Anbieter gleich mit, ob es keine einfachere Möglichkeit gebe, mich einwandfrei zu identifizieren. Zum Bei­spiel über eine der oben erwähnten Ziffernfolgen. Mal sehen, was als Antwort kommt.

Liebe Telefondienstleister, was Sie treiben, entspricht nicht mehr der Le­bens­wirk­lich­keit der mobilen Generationen. Am Arbeitsplatz, auf Dienstreise oder aus dem Ausland kann ich mich nicht stundenlang zu Bürozeiten in irgendwelchen Te­le­fon­war­te­schlan­gen herumtreiben. Und ob Sie's glauben oder nicht: Ich habe nie­man­den zuhause sitzen, kein Hausfrauchen und auch keinen festangestellten As­sis­ten­ten, die oder der mir die ganze Verwaltungsarbeit abnimmt.

Es wäre also schön, wenn Sie den Verwaltungsanteil des von Ihnen angebotenen High speed-Netzes des 21. Jahrhunderts so modernisieren könnten, dass er sich nicht mehr wie frühe 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts anfühlt. Oder soll ich mal kurz ausländische Nachrichtendienste um die ominöse Onlinenummer anhauen? Vielleicht könnten die mir schnell(er) weiterhelfen?

Vielen Dank im Voraus für Ihr Verständnis,
C.E.

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Foto: C.E. (Archiv)

Mittwoch, 12. Juni 2013

Hörnchenmilch

Hörnchen auf dem Teller, Biomilch im Tetrapack, beides auf dem TischHallo! Sie le­sen den Blog­ ei­ner Wort­­ar­­bei­ter­in. Hier schrei­be ich über den All­tag als Über­setzer­in und Dol­met­scherin. Heu­te Blick auf den Schreib­tisch: Fran­zö­sisch ist eine schwe­re Spra­che, sogar für man­chen Mut­ter­sprach­ler.

Heute früh war was mit lait de croissants zu über­setzen. Es ging um die Ernährung von Kleinst­kin­dern. Es war keine Hörnchenmilch, sondern lait de croissance, Wachstumsmilch.
(Klingt halt gleich.)

Französisch' Schprach, schwähre Schprach, jawoll!

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Foto: C.E.

Dienstag, 11. Juni 2013

dépaysée

Gu­ten Tag! (oder gu­­ten Abend, gu­­te Nacht ...) Ab­­sicht­­lich oder zu­­fäl­­lig sind Sie auf den Blog­­sei­­ten ei­ner Sprach­­ar­­bei­terin gelandet. Wie die Arbeit als Dol­met­scher­in und Über­setzerin sich bis in die Träu­me aus­wir­ken kann, erzäh­le ich hier.

Die Reise war lang gewesen. Als ich am Morgen aufwache, bin ich noch immer die­selbe.

Dépayser ist ein französisches Verb, das bedeutet, dass man an einem anderen Ort völlig fremd ist und die Glückseligkeit erlebt, sich selbst vergessen zu dürfen. Das Nomen dazu lautet le dépaysement, wörtlich übersetzt kommt etwas wie "Ent­lan­dung" heraus. Verwende ich die Vokabel le pays aber in dem Sinn, wie sie oft ge­braucht wird, chez nous, au pays, geht sie in Richtung "Heimat", was mich zu "Ent­hei­ma­tung" führt, allerdings ohne eine möglicherweise mitschwingende be­droh­li­che Konnotation.

"Schlafzimmerblick"Als Reisende erleben wir uns in neuem Kontext anders, viel­­leicht substanzieller; wir ler­nen, von uns selbst abzusehen; der Hinterkopf spielt mit der biographischen Möglichkeit, woanders geboren worden und durch andere Einflüsse viel­leicht eine(r) andere(r) ge­wor­den zu sein.
Urlaub ist immer auch Urlaub von sich selbst.

Bei mir hat schon entspanntes Schlafen diese Wirkung. Und weil der Dol­met­scher­kopf regelmäßig viele Synapsen basteln muss, um neues Wortwerk festzumachen, zählt Schlafen zu meinen Hobbies.

Im Traum bin ich erst ganz alltäglich ich selbst, dann in einem mir fremden Kon­text, erst spreche ich die eine Sprache, dann eine andere, treffe auf Men­schen, die ich noch kennenlerne und auf solche, die sich aus meinem Alltag ver­ab­schie­det haben, stelle ihnen schon mal überfällige Fragen, erhalte (meistens) versöhnliche Antworten, wandele mich von der Frau zum Mann, reise durch die Alter, gehe, lau­fe, hüpfe, fliege. Meine Träume führen mich sehr weit.

Neulich habe ich etwas Bedrohliches geträumt, ich glaube, ein Kind geriet in Le­bens­gefahr. Ich war als Retterin nicht rechtzeitig zur Stelle. Da es mein Traum war, über die Besitzverhältnisse bestand nicht der Anflug eines Zweifels, konnte ich ihn zurückspulen, das Kind retten, beruhigt weiterträumen. Ja, meine jahrelange in­ten­si­ve Beschäftigung mit Film (als Übersetzerin, Dolmetscherin, Dozentin, Re­chercheurin) hat Spuren hinterlassen.

Vor langer Zeit habe ich mal was über "Klarträumen" gelesen. Das fand ich alles einleuchtend, habe es aber nicht weiter verfolgt, vermutlich, weil ich längst im­mer wieder bewusst träume. Noch bewusster ist mir aber meine Freude an Rol­len­wechseln. Die lebe ich tags als Dolmetscherin aus, denn ich schlüpfe in die ver­schie­den­sten Bereiche, Texte und damit in Leben hinein. Es ist auch eine Form von dépaysement ("Ent­hei­ma­tung" im positiven Sinne).

Eine meiner Freundinnen aus Schultagen ist Schauspielerin geworden. Das habe ich mir als Teenager auch vorstellen können. Heute bin ich froh, dass es anders ge­kom­men ist, denn ich habe mehr Einfluss auf die eigene Auftragslage als besagte Freundin. Den Rest kompensiere ich schlafend. Die Reise war lang gewesen.

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Foto: C.E. (Archiv)

Montag, 10. Juni 2013

Taubengrau und bunter Sommer

Was Dol­met­scher und Über­setzer ma­chen, ist der brei­ten Öf­fent­lich­keit oft nicht ge­nau be­kannt. Hier schrei­be ich da­rü­ber. In me­iner Sprach­ar­beit ha­be ich mich auf die Be­rei­che Me­dien, Po­li­tik, Kul­tur und Ge­sell­schaft spe­ziali­siert, dazu kom­men Privat­kun­den. Meine Arbeitssprachen sind Englisch (nur als Ausgangssprache) und Französisch (ich dolmetsche in diese und aus dieser Sprache).

Gestern habe ich hier zwei Turteltauben aus dem Tiergarten gezeigt, die ein Dol­met­scherkollege und ich beim Spaziergang beobachtet haben. Turteltauben sind auf Französisch les tourtereaux, das Turteln klingt an. Auf Englisch heißen sie lovebirds. (Dass Dolmetscher bei dem, was ihnen so vor die |Augen| Linse kommt, mal kurz Vokabeln wiederholen, ist normal und nur für Außenstehende nervig.)

Diese automatische Piepmatzvokabelwiedervorlage im Dolmetscherhirn erinnert mich an eine Privatkundin neulich, die in Paris ein sehr teures Kostüm erworben hatte ... übers Internet. Als Farbe hatte sie gris tourterelle ausgewählt, was an­kam war ein ins Rosa gehendes Grau.

Sie reklamierte. Und musste lernen, dass "Taubengrau" auf Französisch gris pigeon heißt, im Modebereich oft gorge-de-pigeon, wörtlich: "Taubenhals"(-farbe), in der Nebenbedeutung handelt es sich dabei aber auch um eine Farbe, die in ihren Nu­an­cen schillert.

Das Liebespärchen sitzt weiter auf der Wiese, wir sehen aber auch noch als Schattenrisse auf dem Weg einen Mann und eine fotografierende Frau.
Auch ich habe hier etwas mit der Kundin gelernt. Nun, viel­leicht nimmt sie mich beim nächsten Einkaufsgang mit. Gerne führe ich im Rahmen eines Dolmetschauftrags auch mal zum Einkaufen nach Paris ... Denn ja, unsereiner hat auch Privatkunden, vor allem in den Sommermonaten, in denen es konferenztechnisch eher sehr ruhig ist.

Leider wird mich (anders als geplant) in der Urlaubszeit kein großer Spielfilmdreh als Dolmetscherin beschäftigen, auf den letzten Metern stieg ein wichtiger Dar­stel­ler aus Deutschland aus, die Finanzierung wur­de des­halb ge­än­dert, so steht kein Set-Dol­metschen in Frankreich ins Haus. Daher habe ich im Sommer Kapazitäten frei. Urlaub gibt's zwischendurch und dann im Herbst. Bis dahin wird der Sommer richtig schön bunt!

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Foto: C.E.

Sonntag, 9. Juni 2013

Sommersonntag

Bien­ve­nue ! An die­ser Stel­le be­rich­tet eine Ber­li­ner Dol­met­scher­in für die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen) über ihren wechsel­vol­len Ar­beits­all­tag. 

Sonntags ist immer Zeit fürs Hobby: Fotgrafieren, also rasch ein Sonntagsfoto aus dem Berliner Tiergarten hochgeladen. Es könnte ménage à trois heißen ... 

Ein Liebespärchen sitzt auf einer Wiese, hinter ihnen ein Baumstamm, auf den mit weißer Farbe der Umriss eines Menschen gemalt wurde.______________________________  
Foto: C.E.

Samstag, 8. Juni 2013

48 Stunden Neukölln

Hallo beim Blog einer Spracharbeiterin. Wer unter der Woche viel mit Wörtern rumwirbelt, dessen Kopf braucht am Wochenende Entspannung und andersartige Anregegungen. Dieses Wochenende wird es Verwaltung, Natur und Literatur sein.

Samstags poste ich immer meinen Link der Woche, heute folgt ein Ver­an­stal­tungs­hin­weis. In weniger als acht Tagen startet das Festival "48 Stunden Neukölln", mit dem sich das sehr lebendige Quartier, in dem ich wohne, unter künst­lerischen Aspekten präsentiert. Es ist bereits das 15. Festival des Berliner Stadtteils (14.-16. Juni 2013).

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Logo: 48 Stunden

Freitag, 7. Juni 2013

Großraumbüro

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­ter­in. Hier den­ke ich da­rü­ber nach, was wir als Kon­fe­renz­dol­met­scher und Über­setzer so machen, na­tür­lich stets un­ter Wah­rung dienst­li­cher Geheimnisse. Heute: Blick auf den Schreibtisch.

Mehrere "Waben" eines Großraumbüros, mit Trennwänden voneinander "isoliert".
So sieht mein Schreibtisch ge­rade aus, oder zumdindest ein Teil davon: probesitzen im Großraumbüro eines Ver­lags­hau­ses. Dabei stellt sich mir die Frage, wie ich morgen ar­beiten will. Einer meiner Rah­men­vertragskunden, seit acht Monaten bin ich für ihn tätig, hat derzeit einen ungenutzten Schreibtisch, den ich immer mal wieder nutzen darf.

Mein Berufsleben außerhalb von Kabine, Botschaft, Sitzungssaal, Behörde, Filmset, Theater, Kino, Seminar usw. fühlt sich damit anders an. Ich habe jetzt hier Kol­le­gin­nen und Kollegen, die ich sehr viel öfter sehen kann als die verschiedenen Ko-Ka­binen. Im Gegenzug darf ich meine Büromitmenschen mit frischen Infos aus frankophonen Landen versorgen, ab und zu mit halbem Ohr hinhören und Be­wer­bungs­ge­spräche im Auftrag des Kunden inzwischen im Alleingang führen.

Was ich weiß: Für höchst kreative Arbeiten, also Drehbuchübersetzungen sowie ei­ge­nes Schreiben (im Sommer das 2. Buch fertig), ist ein Großraumbüro nichts. Für alles andere, Recherchen, Radiosendungen abhören zum Einhören auf Sprechende, Vokabelrecherchen, Lernen, Verwaltungsarbeit usw. ist der Anschluss an einen "nor­malen" Büroalltag positiv. Als Erstgeborene einer kinderreichen Familie mag ich ein gewisses "Grundrauschen" sehr, kann mich kurz unterbrechen und finde anschließend schnell wieder in meine Aufgaben rein.

Derzeit erwäge ich sogar, mir für ab dem Herbst eine halbe Stelle zu suchen, das ist sicher eine Reaktion auf stets klamme bis pleitegehende Film- und Fern­seh­be­trie­be, in der Branche habe ich traditionell viele Kunden, aber vor allem, weil es mir über­rasch­end gut gefällt, Arbeitsalltag mit Kollegen über längere Zeiträume mit­zu­er­le­ben. (Angebote werden freundlich entgegengenommen.)

Auf dem Schreibtisch: Letzte Interviewterminplanungen eines deutsch-fran­zö­si­schen Dokumentarfilmdrehs, den Dolmetscheinsatz vom Wochenanfang nach­be­reiten, eine Vertragsübersetzung kalkulieren, diverse Rechnungen, eine Dreh­buch­übersetzung gegenlesen (Kurzfilm, pro bono-Projekt).

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Foto: C.E.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Schönes Lob

Wel­come, bien­venue ... bei mei­nem Web­log. Hier schreibe ich über meinen Ar­­beits­­all­tag und erzähle, was un­ser­einer als Dol­metscher für Französisch in Ber­lin, Paris und anders­wo so alles er­le­ben kann.

Sagte doch vor kurzem ein langjähriger Dol­metsch­kun­de zu mir: "Mit den Jahren werden Sie immer wertvoller, das ist wie mit dem Wein. Gilt das eigentlich für alle Dol­met­scher?"
Bevor ich etwas antworten kann, ergänzt er selbst: "Naja, vermutlich nicht, beim Wein hängt's ja auch davon ab, was anfangs in die Flasche abgefüllt wurde!"

Das wollte ich der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten. Mein "Geheimnis": Fleißig stu­die­ren, viel arbeiten, im Beruf auch nicht auf­hö­ren, anspruchsvoll zu sein, offen, wiss­be­gie­rig, lifelong learning eben ... dabei die be­rühm­te Ausdauer an den Tag legen!

Ich erinnere mich an die 10.000-Stunden-Regel des kanadischen Neurologen Daniel Levitin: Ten thousand hours of practice is required to achieve the level of mastery as­so­­ci­ated with being a world-class expert — in anything. (Daniel Levitin: "This is Your Brain on Music", London 2006.)

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Foto: privat

Mittwoch, 5. Juni 2013

Was Sprache kann ...

Bien­ve­nue ! Sie le­sen ge­ra­de in ei­nem di­gi­ta­len Ta­­ge­­buch aus dem Be­rufs­le­ben. Ich be­rich­te hier aus der Welt der Über­setzer und Kon­fe­renz­dol­met­scher. Im­mer wieder hat es un­ser­einer mit Selbstoptimierung und -verwaltung zu tun. Ak­ro­ba­tisch, was Ak­ten­jong­leu­re in Büro und Verwaltung mit Sprache anstellen.

Endlich: Das "Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz" (RkReÜAÜG) ist Geschichte! Der Bandwurm stand als das Negativbeispiel in Sachen Verwaltungsdeutsch über zehn Jahre lang im Gesetz. Aber es schaudert mich Ar­beiterin aus den Niederungen der Sprache bereits angesichts einfacherer Begriffe. Neulich im Büro plagte ich mich mit Formularen und Briefvorlagen rum. Dann stieß ich auf das da: klick! ... und staunte selbst, was mit Sprache so alles |aus|ange­rich­tet werden kann!

Habe ich das wirklich verstanden? Muss ich das können?
Falz- und Absatzmarken lassen sich unter Ver­wen­dung eines Ge­danken­strichs richtig ausrichten, der zunächst mit gedrückter rechter Maus­taste in der richtigen Textfeldgröße mar­kiert, dann via Kon­text­me­nu als Text­feld formatiert wird, über die Auswahl "Linie" hin­ter "Farbe" auf der rich­ti­gen Registerkarte, und zwar auf der, die "Far­ben und Li­nien" heißt, dann den Eintrag "keine Linie" wählen, als­dann den Rahmen der Falz­mar­ke entfernen, den Word stets stan­dard­mä­ßig vorgibt, anschließend ...
Das war jetzt nicht einmal die Hälfte des Vorgangs.

Ein unscharf gestellter Monitor vor einem Fenster, auf dem drei unterschiedliche Texte abgebildet sind. Etliche Textstellen sind farblich markiert.
Meine normalen Computeranforderungen fordern mich genug.
Hier: Drehbuchübersetzung, Vergleich von Fassungen
Nein, mich interessiert die ab­so­lute vertikale Position jetzt nicht mehr, die gleich darauf folgt, es ist mir egal, ob sie bei 9,88 cm oder bei 9,9 cm liegt.

Dann lieber Konferenzen si­mul­tan dolmetschen. Wie einfach, pah! Und warum wird der fertig for­ma­tierte Stan­dard­brief in meinem Of­fice-Paket nicht ganz selbstverständlich als an­klick­bare Option vom Her­stel­ler an­ge­bo­ten?

Falls jemand eine Briefvorlage als Word für Apple hat, in der die Falz- und Lochvorlagen standardmäßig vorhanden sind, würde ich mich über die Zusendung sehr freuen. Falls nicht, müssen meine Kunden eben künftig ohne das auskommen und auch die Eigenbelege für Kontobewegungen unseres kleinen Kulturvereins kön­nen nicht auf perfekt gedritteltes A4 hoffen. So what!


Vokabelnotiz: Das RkReÜAÜG stand in Mecklenburg-Vorpommern im Gesetz, lax auch mal [Mac Pomm'] genannt. Auf Französisch: le Land de Mecklembourg-Poméranie
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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 4. Juni 2013

Struktur und Detail

Guten Tag oder gu­ten Abend! Auf die­sen Sei­ten schrei­be ich über den All­tag aus Sprach­mittler­sicht. In der Welt der Über­setzer und Kon­fe­renz­dol­metscher ist einiges anders als draußen, sogar das Hören.

Auf Sendung! Das rote Licht der Dolmetschanlage leuchtet ..."Vielen Dank für Ihre Arbeit!", sagt das 'Zielohr' am Eingang unserer 2,56 Quadratmeter kleinen Box, verabschiedet sich mit Handschlag und wünscht uns noch einen schö­nen Tag. Das Wort Zielohr hat neulich Sarah aufgebracht, sie hat es von irgendeiner Eng­lisch-Kabine, the target ear, eine Übertragung von target language, der "Zielsprache".

Bei EU-Seminaren, Euro-Betriebsratssitzungen sowie kleinen Konferenzen lernen wir die zwei, drei Personen schnell kennen, für die wir bei den oft mehrtägigen Veranstaltungen tätig werden. Etliche andere sprechen und verstehen so gut die allgemeine Schnitt­men­gen­spra­che Englisch, dass sie die Kopfhörer nicht brauchen. Zwischendurch wird aber z.B. auch Deutsch im Raum gesprochen, Polnisch oder Italienisch, da greift dann die ganze französischsprachige Welt im Raum zu den Lauschern.

Regelmäßig haben wir also eine oder zwei Personen, die in der Kommunikation voll von uns abhängen, unlängst gab es DAS EINE Zielohr (als Mensch mit zwei Ohren, bien sûr), und wenn die Betreuung z.B. bei Betriebsbesichtigungen oder Au­ßen­ter­mi­nen anderer Art individuell ist, werden wir am Ende oft persönlich ver­ab­schie­det. Bevor es geht, sagt das Zielohr also noch einen freundlichen Satz zu unserer Arbeit: "Ich weiß gar nicht, wie Sie das machen, gleichzeitig hören und sprechen gleichzeitig!"

Den Satz kennen wir gut. Darauf können wir oft nicht viel sagen, außer: "Wir wis­sen es selbst nicht, aber es funktioniert." Im Grunde ist Dolmetschen kein Zwei­fach-Multitasking, sondern es kommen fünf oder sechs Ebenen rein, ich hatte es bereits schon einmal aufzufächern versucht (Link). Ach, wenn das mal reicht!

Hier das Parallelgeschehen, ich zähle jetzt lieber nicht mit: Rede hören, Grob­ana­lyse, im Kopf übertragen, sprechen, sich selbst zuhören, ob der Satz Sinn macht, gegebenenfalls ergänzen. Dann noch Pult bedienen, kurz davor ent­schei­den, in welche Sprache es jeweils gehen soll, von floor auf "Relais" schal­ten, wenn ein Pole oder ein Italiener das Wort ergreift, atmen, schlucken, Au­gen­li­der betätigen, sitzen, verdauen, ab und zu etwas trinken.

Dann Dolmetschspezifisches: Zahlen aufschreiben (oder aufschreiben lassen), le­sen, welchen Eigennamen die Kollegin/der Kollege für einen notiert hat, viel­leicht auch noch eine Vokabel aufschreiben. In den ersten Berufsjahren oder bei großen Berühmtheiten oder bei Live-Sendungen sicher auch nach Jahren noch: mit Lam­pen­fieber kämpfen, merken, dass man dolmetscht, sich verbieten darüber nach­zu­den­ken, dass man dolmetscht.

Wasserglas und Notizzettel Aber, oh Schreck, ich kann mit der Liste wieder von vorne anfangen. Unter Punkt eins hatte ich ja angeführt: "Rede hören", Punkt zwei war die "Grob­analyse". Eigentlich müssten hier drei Punkte stehen: 1. Zuhören, 2. das Gesagte in seiner Gesamtheit erfassen, 3. einzelne Begriffe oder Redewendungen iden­ti­fi­zie­ren.

Beim Übertragen wähle ich die in der Zielsprache am naheliegensten Begriffe, um das Verständnis zu erleichtern, verabschiede mich hier von einer Redewendung, dort von einem Bild, das eine Vokabel transportiert, ich nenne nur das Wort "Ein­sicht" als 'der Blick in etwas hinein'. Aber dort, wo es auf die Nuancen ankommt, Zitate von Aussagen anderer, Stichworte, die über einen, zwei Konferenztage immer wieder hochkommen, Fachtermini, Kürzel wie WTO (word trade or­ga­ni­za­tion) und OMT (organisation mondiale de travail), hier muss ich ganz genau sein.

Das schießt mir also als mögliche Antwort durch den Kopf. Bevor unser Zielohr den Flieger verpasst, sage ich lieber lachend: "Wir wissen auch nicht, wie das funk­tion­iert!" und habe damit sogar die Wahrheit gesagt.

Bon voyage, Monsieur ! 

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Fotos: C.E.

Montag, 3. Juni 2013

wach

Hallo! Sie lesen im di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buch ei­ner Sprach­mitt­lerin für die fran­zö­sische Sprache.

Angeschnitten ein Flachbildschirm, im Hintergrund KonferenzbesucherWach sein! Das ist ein Stich­wort fürs Leben, das in mei­nem Falle stark vom Beruf ge­prägt wird. Unsereiner schnappt überall Worte und Informationen auf, weil sie ja von einem Moment zum an­de­ren relevant fürs Dolmet­schen werden können. Beispiel ge­fäl­lig? Am Morgen kommen wir sehr zeitig am Tagungsort an.
Da die Leinwand, auf der die Stichworte der Redner als Power­PointPräsentationen geworfen werden soll, gefühlte 20 Meter von der Schei­be der Kabine entfernt ist, hat uns die Technik freundlicherweise Flach­bild­mo­ni­to­re in Sichtweite hingestellt. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön!

Hier sehe ich, dass im Rechner, der mit dem Beamer verbunden wurde, ein Be­richt im YouTube-Kanal aufgerufen worden ist. Beim Einchecken hatte ich mir einen In­ter­net­zu­gang geben lassen. So kann ich den Film auch sofort aufrufen und rein­schau­en, die Ko-Kabine natürlich gleich mit. Nach der Sichtung diskutieren wir einige Übersetzungslösungen. Mir fällt ein Konstruktionsmangel des Films auf, ein nicht ausreichend anmoderierter inhaltlicher Sprung.

Dann prüfe ich, ob es Untertitel gibt. Gewonnen! Sogar auf Französisch. Wir sehen die Stellen, die uns als schwierig aufgefallen waren, ein zweites Mal. Dann gehe ich mit dem Cursor auf den Anfang des Films und stelle ihn stumm. Bevor wir den Kollegen in den anderen Kabinen bescheid sagen können, geht die Konferenz leider schon los. Die Kollegin fängt mit Dolmetschen an. Als der Redner den kurzen Bericht startet, starte auch ich den Streifen.

Das Gleiche wie oben, nur ein größerer Ausschnitt: Auf dem Pult in der Dolmetscherkabine läuft ein Film mit Unteriteln auf dem Laptop.
Er läuft mit wenigen frames Verzögerung. Wir hören aus der Englisch-Kabine die Worte: "Der Dol­met­scher hat den Film vorher nicht gesehen und kann ihn daher nicht übertragen."
Im Konferenzraum hatte der Redner ver­gessen, die (vor­handenen) eng­li­schen Untertitel anzuklicken.

Meine Kollegin sagt darauf: "In einige Sprachen kann hier leider nicht ver­dol­metscht worden, ich stütze meine Über­tragung auf die französischen Un­ter­titel" — und schon legt sie los.

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Fotos: C.E.

Sonntag, 2. Juni 2013

Reisepostkarte

Will­kom­men auf den Sei­ten ei­ner Dol­met­scherin für die fran­zö­si­sche Spra­che (und aus dem Eng­li­schen). Hier denke ich über den Arbeits­all­tag in Ka­bi­ne und am Über­setzer­schreib­tisch nach. Sonntags zeige ich hier meine Sonntagsbilder.

Reiseeindrücke von unterwegs, ich mag das Aufeinandertreffen von alt und neu. Sieht ein wenig aus wie England, ist es aber nicht.


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Foto: C.E.