Samstag, 21. September 2013

the wormery

Will­­kom­­men auf den Sei­­ten mei­nes sprach­­be­­ton­­ten Blogs aus der Dol­­met­­scher- und Über­­setzer­­ar­beits­­welt! Am Wochen­en­de gibt's hier die we­­nigsten Le­ser hier, da­­her kann ich jetzt über Dinge schrei­­ben, die man­che viel­leicht als un­ap­pe­tit­lich em­­pfin­­den mögen. Also: Ames sen­sibles s'abste­nir! Nichts für schwache Nerven! 

Von der "Pflegeanleitung" für Dolmetscher zur "Pflegeanleitung" für Kom­post­wür­mer ... denn ich dolmetsche nicht nur Termine zu aktueller Politik, Wahlen, Wirt­schaft, Bildung und Kultur. Letztes Jahr habe ich zum Thema Bi­o­kunst­stof­fe ge­arbeitet, meine daraus abgeleitete Erkenntnis, Plastikmikrofasern sind das As­best des 21. Jahrhunderts, können Sie hier nachlesen.

Der liebe Gott weiß, wie man fruchtbare Erde macht ... 
Auch die Themen Abfallwirtschaft und Design beschäftigen mich regelmäßig. In Vor­be­rei­tung eines Termins zum Thema Kreislaufwirtschaftsgesetz vs. in­di­vi­du­el­le Kom­postie­rung darf ich mich (in drei Sprachen) dazu vorbereiten, wie or­ga­ni­scher Müll ohne großen technischen Aufwand auf kleinstem Raum recycelt werden kann. Das geht über das Stichwort "Gartenkompost" hinaus, denn auch auf dem ei­ge­nen Bal­kon oder sogar in der Küche kann geruchsneutral kompostiert werden. Fachleute schätzen, dass 30 % des Abfallaufkommens zu hochwertigem Humus ver­ar­beitet werden könnten, das sind etwa zwi­schen 50 und 75 % der im Haushalt an­fal­len­den Bioabfälle.  

... und er hat sein Geheimnis den Regenwürmern anvertraut (*)
Kompostwürmer können durchschnittlich die Hälfte, bei guter Pflege bis zum Ein­ein­halb­fachen ihres Eigengewichts vertilgen. (Je nach Art und Alter wiegt so ein Würm­chen zwischen 0,6 und 1,6 Gramm.) Wer 30 Kilo Biomüll im Jahr (ohne Zi­trus­früch­te, Essensreste, Fett und Milchprodukte) regelmäßig einem mehr­stöcki­gen Wurm­kom­poster anvertraut, kauft nicht nur nie wieder Blumenerde oder Flüs­sig­dünger, er oder sie kann auch Nachbarn und Freunde versorgen, denn es entstehen jeweils etwas weniger als 10 Kilo Kompost, der dann der bestehenden Erde bei­ge­mischt wird.

Handelsübliche Blumenerde besteht in der Regel aus Torf. Bleibt die Nachfage un­ver­än­dert, sind die deutschen Torfvorräte in 20 bis 60 Jahren erschöpft. Schon jetzt kommt Torf oft aus dem Ausland, von LKWs herangekarrt; den Biomüll schaffen eben­falls schwer­ge­wich­tige Fahrzeuge aus der Stadt ... nichts scheint logischer, als die eigenen Abfälle selbst in "Gärtnergold" um­zu­wan­deln. Dass Kompost (gegen etliche Pflanzenwachstumsstörer) auch fungizid und herbizid wirkt, ist eine gute Drein­ga­be.
Und weil mich das Thema begeistert, habe ich sofort angefangen, das Gelernte in die Tat umzusetzen.

Noch bin ich Balkonkomposterin mit einer kleinen, improvisierten Versuchsanlage. Derzeit haben die ersten Gäste und ich nur ein Problem: Die Wahl ihres festen Wohn­hau­ses.

Die Plastikhütten, die es zu kaufen gibt, sehen nicht selten aus wie ein Hoch­spei­cher für giftige Substanzen und haben die Ausmaße eines halben Kleinwagens. Ganz normale Plastik- oder Holzkisten ließen sich auch umwidmen. Ich suche indes einen ästhe­tisch an­spre­chen­den Wurmkomposter aus Terracotta, der in der kalten Jahres­zeit in die Küche wandert und den ich mir wohl jetzt selbst basteln muss. Denn die in­di­schen Her­stel­ler von Tontöpfen liefern leider nicht nach Berlin. Was Architekten in Dublin ent­wickel­ten, wird hoffentlich bald in Serie gebaut. Und ich freue mich, dass of­fen­bar Nachwuchskräfte aus Frankreich das Thema zumindest theoretisch ent­deckt haben. Aber warten können wir nicht. Glücklicherweise fand ich im Netz auch eine Bau­an­lei­tung.

Die Angelegenheit ist übrigens geruchsneutral ... bzw. riecht maximal wie Un­ter­holz, denn es entsteht ja hier Humus. Kurz: Eine Biomüllsammeltonne stinkt, ein funktionierender Komposter nicht.

Mit Youtube kann ich denn auch in einen Wurmkomposter sehen, der in einer Kü­che im fran­zö­si­schen Angers steht, blicke einer Dame in Southwark auf den Balkon (Teil eines Stadt­teil­pro­jektes) und lerne lachend Details von britischen Wurm­gärt­nern, deren Hu­mor sich mir an manchen Stellen aber noch nicht zu 100 % er­schließt. Und sehr indiskret werden hier Würmer beim Reproduktionsgeschäft be­ob­ach­tet, tse, tse! (Minute 5'32'')

Résumé: Es gibt überraschend viel zum Thema, passt es doch haar­ge­nau zu einem anderen, von mir bereits wiederholt verdolmetschten Thema, das gerade "in" ist: dem urban gardening.

Und gleich noch ein Linktipp für Schüler zum Abfallthema: Arbeitsblätter des BMU.


Regenwurm vers de terre
Kaffeesatz coffee ground marc de café
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Foto: C.E.
(*) Le Bon Dieu seul sait comment on rend
la terre fertile et il a confié son secret aux
vers de terre.

Kommentare:

Vega hat gesagt…

Vielen Dank, liebe Caroline, für diesen vielseitigen Beitrag! Ich bin auf die Fortsetzung gespannt!
Bis bald,
LG,
Bine

caro_berlin hat gesagt…

Danke, Bine,

hatte Deinen Kommentar leider übersehen. Zwei Buchbesprechungen zum Thema werden folgen. Und jetzt darf ich dazu auch noch dolmetschen!

Bis die Tage,
herzlich,
Caro

... und ja, ich bringe Gartenkompost mit für Deine Kummerpflanze