Freitag, 6. September 2013

Da ist Musike drin

Guten Tag! (oder gu­ten Abend, gu­te Nacht ...) Ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig sind Sie auf den Blog­sei­ten ei­ner Sprach­ar­beiterin gelandet. Wie wir in Berlin, Paris, Mün­chen, Köln, Lyon und Marseille als Dolmetscher und Übersetzer arbeiten, er­zähle ich hier.

Vorgestern wusste ich noch nichts von dem Nachwuchsmusiker und Model aus Frankreich, das heute für ein Pri­vat­sen­der in Berlin in­ter­viewt wurde. Aber ich las mich ein und flüstere am Morgen im Foyer eines Musikkonzerns allen, die es wissen müs­sen, zu, wie der Name un­se­res Heldens ausgesprochen wird, denn einer vom Team holt dort Schlaf nach.

Kurz darauf geht's an den Set. Hinter dem Ka­me­ra­mann hängt die Küchenzeile an der Wand. Rechts von mir habe ich Ge­sprä­che aus Gang und Nachbarbüros im Ohr. Gleich werde ich immer mal wieder einen Satz nicht hören, zumal der Pro­ta­go­nist von mir weg spricht. (Notiz für mich: Künftig das Einrichten auf akustische Kriterien hin |bewachen| beraten.)

Es folgen 50 Minuten hochkonzentrierter Ar­beits­ru­he. Alle zehn Minuten warnt der Kameramann: "Kurze Pause!" Es wird mit High-Tech-Fotoapparaten gedreht, die bei Filmaufnahmen alle zehn Mi­nu­ten neu ansetzen. Ich muss an die alten Filmspulen und ihre begrenzte Laufzeit denken und darf grinsen. Dann kommt die Klappe. Parallelen gibt's!

Das Interview fluppt, alles un­kom­pli­ziert, außer vielleicht, dass diese tech­ni­schen Unterbrechungen und kleine Dis­kus­sionen darüber den Beginn meiner "Wiedergaben" leicht verzögern. Lustig das Erstaunen von Protagonist und Mo­de­ra­torin über meine leichte Art des Ar­bei­tens. (Sie hatten eine Schnell­hö­rer- und -sprecherin gebucht, warum jetzt dieses Verwundern?)

Swizz Beatz, Baptiste, französischer Gitarrist,
2. und 4. Bild: mit Moderatorin Andrea Guenther
Zwischendurch zeigen Interviewerin und Interviewter einander ihre tätowierten Unterarme, das hatte ich als Szene noch nicht. Mir fällt dabei die Armbanduhr auf, die der junge Mann am anderen Handgelenk trägt und für deren Wert in Berlin eine Wohnung zu haben wäre. (Selbstgespräch weiter: Ja, ich mache viel richtig im Leben, am Geld­be­wusst­sein muss ich noch arbeiten.)

Der Befragte wirkt wie ein Glückskind. Da macht einer, was er liebt: Musik. Er wirkt gelöst, klar, einfach. Ich bin vielen echten und selbsternannten Stars be­ge­gnet und kann sagen: Der hier hat das Zeug dazu, ein echter zu werden. Er ist noch jung. Was ihm vielleicht ein wenig fehlt (ich sehe hier nur das öffentliche Gesicht), ist wie erwartet: etwas Reife und damit wachsendes Interesse an der Umwelt.

Dazu blieb heute aber auch nicht viel Zeit. Der PR-Tag war streng durchgetaktet. Später wird noch Musik gemacht. Oft komme ich ja mit "meinen" Kunden ins Gespräch. Selten lege ich mir dazu etwas zurecht. Dieses Mal fürchtete ich um mangelnde Anknüpfungspunkte und fand sogar einen. Der junge Mann ist am Tag des Mauerfalls geboren, der Portraitteil des Interviews entstand im Tonstudio des Nhow-Hotels mit Blick auf die Warschauer Brücke, einst eine Grenz­über­gangs­stel­le. Das hebe ich mir fürs nächste Mal auf.


Vokabelnotiz: faire un bœuf (wörtlich: "ein Rind machen") — mit mehreren musikalisch improvisieren
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Fotos: C.E.

Kommentare:

Th. hat gesagt…

Hi Caro,
was hat es mit dem Namen auf sich?
Grüße ans Wasser,
Th.

caro_berlin hat gesagt…

Das "p" von Baptiste wird nicht ausgesprochen. Liebe Grüße an den Berg ;-)
c