Samstag, 31. März 2012

Typisch ... Auto!

Franzosen reden viel brillantes Zeug, gern auch in dunklen Fernsehstudios, tragen Kleidung in gedeckten Farben, sind auch schon mal hager oder rundlicher. Deutsche Männer sind hingegen gut proportioniert, gutaussehend und blond bis dunkelblond. So sieht das jedenfalls die Autowerbung unseres Nachbarlandes.

Heute eine kleine Reise durch aktuelle französische Werbespots. Fangen wir mit den französischen Männern an.
Einer leicht verschraubten Intellektualität wird ein mattglänzendes Auto gegenübergestellt, mit dem sich, so der Werbespot, "anders brillieren" ließe. Na denn.

Hans, Jürgen und Gunter scheinen für Franzosen auch heute noch typisch deutsche Namen zu sein. Und sie sehen dunkelhaarige Französinnen verführerisch an ...

... worauf der Blitz einschlägt. "Ja, ich werde ihn nehmen", sagt die vom coup de foudre getroffene dunkelhaarige Schönheit, wobei zu unterstreichen ist, dass hier das Fahrzeug eher nicht gemeint ist, also kein "Ich werde den Wagen nehmen", denn "das Auto" ist auf Französisch weiblich, la voiture ...

Tja, und sorry für unsere deutschen Landsleute des starken Geschlechts, die Art deutsche Männer, die unsere Französin hier schick findet, spricht leider Deutsch mit französischem Akzent — "Garantiemann" Gunter hat jedenfalls für deutsche Ohren ganz eindeutig einen.

Und schön, aber nicht repräsentativ: Madame erklärt ihrem Freund noch, dass sie Deutsch als erste Fremdsprache gelernt habe. Und dann kommt eine Antwort, die viele Franzosen als eine typisch deutsche Redewendung kennen, die für unser Idiom sogar dermaßen typisch sein soll, dass sie hierzulande ähnlich wie "genau!" alle Naslang zu hören sein müsste: "Ach so!"

Die drei Herren stehen für ein fünfjähriges Garantie-, Wartungs- und Technikpaket des Autoherstellers, und erst Tage nach der Idee zum Blogeintrag habe ich bemerkt, wer diese beiden Filme realisiert hat: Kein geringerer als Regisseur Cédric Klapisch ("... und jeder sucht sein Kätzchen", 1996, "L’auberge espagnole", 2002, "L’auberge espagnole — Wiedersehen in St. Petersburg", 2005 ...).
Ein kleines Making-of (nur auf Französisch) hier.

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Filme: bei YouTube

Donnerstag, 29. März 2012

Zitat

Dolmetscher und Übersetzer brauchen einen Schreibtisch, denn hinter dem locker Vorgetragenen oder leicht Lesbaren steckt zähe, kleinteilige Arbeit, die nicht nur im Job, auch an auftragsfreien Tagen geleistet wird, an denen wir einfach nur die Fakten und die Sprache unserer Arbeitsfelder beobachten. Mein Schreibtisch steht in Berlin — hier gewähre ich regelmäßig einen Blick darauf. 

Der Soziologe Ulrich Bröckling untersucht in seinem Buch "Das unternehmerische Selbst" die "Dynamik permanenter Selbstoptimierung" und nimmt dabei die Sprache und die Ideologie auch ständigen Empowerments der eigenen Person auseinander. Ich fand in dem Buch, das ich in Vorbereitung eines Termins in der Hand hatte, ein Zitat, bei dem ich stark an meinen Alltag denken musste: Freiheit und Flexibilität sind gleichzeitig mit entgrenzten Erwartungen verbunden. Man wird nie mit etwas fertig und kann die Ansprüche nie ganz erfüllen. Überstunden und der Druck nehmen zu, weil mehr Freiheit und Flexibilität an mehr Wettbewerb gekoppelt sind. Das ist die Kehrseite von mehr Freiheit.

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Illustration: Suhrkamp. Hier geht's zur Buchseite,
hier zur Kritik auf Deutschlandradio Kultur

Mittwoch, 28. März 2012

Zukunftsaussichten

Hm, ich bin gebeten worden, etwas über die Zukunftsaussichten in unserem Beruf zu schreiben. Die fragende Studentin hat die Kombination Französisch (B-Sprache) und Italienisch (C-Sprache) mit der Muttersprache Deutsch und möchte aus privaten Gründen in Berlin bleiben. Ihr lägen vor allem die Bereiche Film, Bildende Kunst und Soziales am Herzen; dabei würde sie gerne dolmetschen und Drehbücher übersetzen.

OK, mach' ich doch gerne. Also, ...
















Nee, im Ernst, in Sachen Dolmetschen werden wir derzeit viel für Französisch-Englisch angefragt, Einsatzort Berlin. Was bedeutet das? OK, Berlin ist schon lange eine Einwandererstadt, aber ist es den neuen Bürgern nicht zuzumuten, das vor Ort gesprochene Idiom zu erlernen? Oder stellen wir eine historisch bedingte Selbstabwertungsnummer fest? Vorauseilende Selbstaufgabe infolge Minderwertigkeitsgefühlen? Ich frag ja nur.

Inzwischen arbeite ich täglich eine Stunde an meiner "C-Sprache", wie wir Dolmetscher eine Drittsprache nennen, aus der wir dolmetschen (aber nie zurück). Bei mir ist es ... richtig, Englisch, und ich dolmetsche durchaus Film- und Kulturthemen auf der Berlinale und anderen Events von Shakespeare zu Goethe, um das mal verknappt zu sagen.

Was Drehbuchübersetzungen angeht, so scheinen die Honorare derzeit im freien Sinkflug zu sein, die Qualität ebenso.

Frühere Studentinnen, denen ich einstmals Praktika bei netten Filmproduktionen in Frankreich vermittelt habe, schreiben uns Fragen wie: "Beträgt die Umsatzsteuer bei der Übersetzung von Drehbüchern und Dialoglisten sieben oder 19.%?" Ja, nee, da freut mich natürlich der Erfolg des Nachwuchses, aber solche Infos mag ich nicht auch noch geben. Vor über zehn Jahren habe ich dafür beim Steuerberater Geld gelassen und für weiteres Branchenwissen auch.

Ich weiß nicht, ob die werten Demoisellen ihre Arbeiten entsprechend ihrem wirklichen Wert berechnet haben oder ob sie sich zu "Anfängerkonditionen" bequatschen ließen. Ich weiß allerdings nur, dass unser letztes gefühltes Dutzend Kostenvoranschläge für Übersetzungen ins Deutsche, die alle normal und mit Treue-Kunden- oder Mengenrabatten kalkuliert waren, mit den Worten beschieden wurden: "Wir haben jemanden gefunden, der's günstiger macht."

Wir fragten wiederholt nach. Die Firmen riefen zum Teil Dumpingpreise auf. Das ist günstig, aber nur für die Buchhaltung. Korrigieren darf's dann jemand inhouse, oder eine erfahrene Übersetzerkollegin fischt die gröbsten Schnitzer an einem Honorartag raus, der Rest "verspielt sich". Hier die Info an potentielle Auftraggeber: Wir machen keinerlei Polierarbeiten an Halbfertigware mehr, denn das motzt die Arbeit allenfalls für den ersten Eindruck auf. Genauerem Lesen hält derartiges Blendwerk nicht stand.

Mir bleibt zweierlei Trost: Wer sich heute zu billig verkauft, wird morgen von jemandem abgelöst, der noch billiger ist. Und wer wirklich Qualität sucht, der oder die kommt am Ende doch zu den Profis zurück. Nur zum ersten Problem, der grassierenden Anglitis, fällt mir nichts ein.

Welchen Tipp soll ich der Studentin geben? Ich bin überfragt. Ohne meine Aufträge aus Politik und Wirtschaft hätte ich längst den Beruf gewechselt, da ich wegen des Ziehsohns auch in Berlin bleiben muss.

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Foto: Übersetzer und Dolmetscher (facebook)

Dienstag, 27. März 2012

touchy

Bienvenue auf der Seite einer Dolmetscherin und Übersetzerin. Französisch ist meine zweite Arbeitssprache, Englisch meine "passive" Sprache. Hier erhalten Sie Einblicke in unseren Alltag. Höchste Zeit für ein kleines Geständnis: Manchmal verstehen sich selbst Dolmetscher ein- und derselben Muttersprache nicht.

"Der ist so ... taschi!", sagt eine Kollegin über einen höheren Angestellten einer Behörde, der manchmal Aufträge vergibt. Da zwischen ihrem "so" und dem "tatschi" eine ziemliche Pause liegt und sie sich beim Sprechen am Ende schüttelt, verstehe ich "hatschi".

— Gesundheit!
— Danke, wofür?
— Ja, ich weiß, man sagt nicht mehr "Gesundheit", weil es den anderen daran erinnert, politisch unkorrekt das eine oder andere Virchen verstreut zu haben ...
— Tierchen?
— Geschenkt! Müssen keine Viren, können auch Bakterien gewesen sein.

Jetzt lachen wir beide, denn als geübte Dolmetscherinnen "spulen" wir das Gehörte oft im Kopf sogar beim Sprechen "zurück", das ist ein Teil unserer "Berufs(ver)bildung". Und dass wir uns eben auf mehreren Ebenen missverstanden hatten, ist beiden klar.

Nächste Eigenschaft von Dolmetschern, die irgendwann zu einem Teil des Charakters wird: Wir gehen den Dingen und Worten auf den Grund. "Er ist touchy", das Wort klingt nicht ganz so böse wie "er ist ein Grapscher" und steht für: "er muss einen die ganze Zeit anfassen" ... Es gibt Menschen nicht nur im Süden Europas, bei denen ist das kein Sexismus, sondern Teil der Kommunikation. Trotzdem sind solche schnell grenzwertigen Situationen im Arbeitsleben nicht immer einfach.

Aber sagen die Briten dazu auch "touchy"? In mir höre ich ein lautes "nein" und wir schlagen nach. Wir haben zwar kein Wörterbuch dabei, aber ein internetfähiges |Handy| Mobiltelefon, und hier finden wir bei OWAD das:

"OWAD" steht für one word a day und ist die Seite von Paul Smith, über die Interessierte täglich ein neues englisches Wort in die Mailbox kriegen können, ergänzt durch drei Bedeutungsmöglichkeiten sowie Erklärungen.

Lerntipp! Und das mit manchem schrägen Moment bei der Auftragsvergabe, das ist wirklich ein touchy subject.

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Illustration: OWAD

Montag, 26. März 2012

Der Präsentkorb zum neuen Jahr

Herzlich Willkommen auf den Logbuchseiten einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Ich lebe in Berlin mit Freunden, Büchern und Filmen, freue mich über freundliche, kompetente Kunden und spannende Aufträge ... und ansonsten heißt es leider immer öfter: Nicht ärgern, nur wundern!

Heute ein Anti-Märchen: Wie dank eines Kurierdienst aus dem Präsentkorb zum neuen Jahr (fast) einer zum Quartalswechsel wurde.

Am 30. Dezember war ich mehrheitlich zu Hause, das entnehme ich meinem Kalender. An der Tür hat tags niemand geklingelt, die Anlage war auch nicht schon wieder kaputt, später habe ich das Haus verlassen und fand, an die Hauseingangstür geklebt, einen Zettel eines Kurierdienstes vor. Man habe mich nicht angetroffen, steht da, und etwas für mich bei Nachbar Schulzeschmidtmeier abgegeben.

Wir haben keinen Nachbarn Schulzeschmidtmeier. Nämlicher Nachbar solle HH rechts wohnen, nicht in Hamburg rechts, sondern im Hinterhaus rechts, das steht da auch noch. Verwirrend: Meint der Kurier nun rechter Aufgang rechts oder linker Aufgang rechts?

Anfang Januar klingeln wir an mehreren Abenden bei allen vier infragekommenden Nachbarn. Zwei sind anwesend und wissen von nichts, die anderen sind nicht da. Wir hinterlassen jeweils eine Nachricht.

Dann vergesse ich die Sache, bin viel unterwegs. Monate später klingelt es an der Wohnungstür, es war ein kühlnasser Vorfrühlingstag. Direkt davor steht ein Nachbar, den ich vage vom Sehen kenne, drückt mir ein Paket in die Hand und meint: "Das staubt bei mir schon lange ein."

Ich frage: "Schulzeschmidtmeier?" Der gute Mann darauf: "Meine Freundin, ja. Aber die steht ja gar nicht auf dem Klingelbrett ... sie wohnt überhaupt nicht hier! Und kurz nach Neujahr sind wir zum Überwintern nach Indien gefahren ... sorry, dass wir uns vorher nicht gemeldet haben ... aber Dein Zettel landete in einem Gummistiefel."

Naja. Der freundliche Kunde hat sich sicher gewundert, dass wir uns erst so spät im Jahr für den Präsentkorb bedankt haben. Die Sachen wären zu Fuß deutlich schneller hier gewesen. Zum Glück sind diese Spezereien allesamt Dauerwaren und schmecken auch nach dem ersten "Quartalssilvester".

Welcher Kurierdienst das war? Kann ich nicht mehr rekonstruieren, Zettel ist längst weggeworfen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann liefern sie auch heute noch ...

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Foto: C.E.

Sonntag, 25. März 2012

Frühlingsfenster


Meine blauen Vasen und Flaschen stehen im Sommer auf dem Balkon, sie überwintern in der Küche, ich kombiniere sie gern mit Blumen. Und es werden jedes Jahr mehr ...

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Foto: C.E.

Donnerstag, 22. März 2012

Husten und Liebe ...

Hallo! Sie haben ein Bordbuch aus der Dolmetscherkabine angesteuert (in der auch Übersetzerisches notiert wird). Endlich ist Frühjahr, und damit hat die Saison mit den Einsätzen außerhalb Berlins begonnen. Ich bin dann mal kurz in Frankreich ...

Husten und Liebe ... lassen sich nicht verheimlichen, so will es das französische Sprichwort l'amour et la toux ne se peuvent cacher.

Was mache ich heute Abend? Garantiert nicht das, was ich als Perle aus einer Drehbuchübersetzung gefischt habe. Hier wurde ein Drehbuch von verschiedenen, vermutlich unterbezahlten Übersetzern immer wieder bearbeitet. Wir befinden uns in der Phase, in der zwischen Deutsch­land und Belgien an Dialogen geschleift wird.

Aus "Dann hilft nur noch eine Infusion mit Wodka, um glücklich zu werden!" wurde in einer späteren Fassung der Übersetzung: "Da hilft nur Wodka intravenös, und ab geht's ins Paradies!" Hm, das französische Wort infusion bezeichnet einen Tee ohne Tein, die deutsche Infusion ist dafür la perfusion. Alles klar? Und ja, es ur­sprüng­lich war ein Kräutertee mit einem Schuss Rum gemeint. Aber diese "Übelsetzung" hat schon das Zeug zum Sprichwort, ich musste da gleich an "Ich schau dir in die Augen, Kleines" (Here's looking at you, kid) denken.

So, ich muss mich jetzt eilen, Wäsche anleinen, den Staubsauger durch die Wohnung schieben, der Mitbewohnerin noch ein paar Blümchen hinstellen und dann früh ins Bett (mit ohne Kräutertee und Wodka in den Venen).

Morgen beizeiten aus den Federn, mich aufrüschen, aufhübschen ... und los geht's. Den Brast, den ich heute gegen meinen dauerstreikenden Drucker hegen musste, kann ich leider nicht tätlich ausleben, ich flitze morgen auf dem Weg zum Bahnhof noch rasch am Copyshop vorbei, um noch Vokabellisten und (bearbeitete) Manu­skripte auszudrucken.

Zum Glück ist mein Husten nur noch kurz nach dem Aufstehen virulent, so dass ich ihn nachmittags beim Dolmetschen auch nicht nicht verheimlichen können muss (oder so). Da bleibt mir nur zu wünschen, dass die lieben Redner nicht im Zeit­raffer sprechen und dass ich es nicht mit Sprachakrobaten zu tun haben werde, die sich ihre Bälle zuwerfen (wobei ihnen das muttersprachliche Publikum ruhig zuschaut, während sich die Dolmetscher einen abrackern). Alles zur Abreise eingepackt? Reisekopfkissen, Ohrenstöpsel, Schlafmaske, Notizblock ...

Und noch den Römertopf aus dem hintersten Eck der Speisekammer angeln, die Mitbewohnerin wird in meiner Abwesenheit Gäste bewirten. Na denn, viel Spaß. Und los geht's!


Morgen fällt der Blogeintrag aus, wie meistens freitags.
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Foto: Werbung aus den 1920-er Jahren
(Flohmarktfund)

Mittwoch, 21. März 2012

Wetterlage

Bienvenue im digitalen Logbuch einer Dolmetscherin und Übersetzerin. Französisch ist meine zweite Arbeitssprache, Film meine "dritte" Sprache. So werde ich für Medienunternehmen tätig, aber auch in der Wirtschaft, für Politiker und für Privatleute. Ein Gros des Jahres bringe ich mit Filmthemen zu, und zwar in beiden Berufsfeldern. Die Arbeit ist leider auch Saisongeschäft, und neuerdings drängen sich Vergleiche zum Wetter geradezu auf.

Auf einen milden Winter folgten schöne erste Frühlingstage, aber nach einem warmen Samstag wurde es erstmal wieder bibberkalt. Vor den erst spät im Januar einsetzenden Frosttagen hatten meine Balkonpflanzen noch im Januar geblüht. Das stimmt mich zumindest für die nächste Heizungsabrechnung positiv, denn eben erst habe ich fürs Vorjahr eine deftige Gasnachzahlung überwiesen.

Honorare sollten nicht wie die Wetterkurve auf- und abgehen. Tun sie aber.

Morgendliche Lagebesprechung mit einer Kollegin: "Die Preise für Drehbuchüber-setzungen sind derzeit down, ich weiß auch nicht, wie das kommt", sagt sie. Ich weiß schon.

Veränderte Nachfrage

Am 16. Januar sah es auf meinem Balkon so aus: Blüten!
Die Logik folgt den Gesetzen unseres Wirtschaftssystems von Angebot und Nachfrage. Zunächst fiel etlichen Firmen auf, die Filme herstellen, dass die Fördereinrichtungen der öffentlichen Hand immer öfter Großproduktionen bevorzugt mit Geld ausstatten. Jetzt werden weniger Filmprojekte betrieben, die dafür teurer werden.

Dabei sind die Zeiten nicht leichter geworden. 40 Millionen Euro, die die ARD-Tochter DEGETO jährlich in die Branche pumpte, fehlen noch bis einschließlich 2013. So manches finanziell wohlausgestattete TV-Movie finanzierte bislang bei vielen Firmen die Grundkosten für Büro, Mitarbeiter, laufende Ausgaben mit. Dieses Geld muss jetzt von den weniger gut ausgestatten Projekten abgeknapst werden.

Last but not least streben immer mehr ausgebildete Leute in unseren Beruf ... oder aber es stellen sich Laien vor, dass sie ihn ausüben könnten. Ich spreche jetzt lediglich vom Übersetzen, nicht vom Dolmetschen, die Zahl der Anbieter nimmt zu. Die von vielen Menschen bislang nur "gefühlte" Krise lässt alle innerlich zusammenrücken, auch das Vergabeverhalten verändert sich: Die Ergebnisse manchen Auftrags lesen sich leider auch so, als hätte jemand jemanden gekannt, der wiederum jemanden kennt. (Auch das ist ein Schweinezyklus, nach Misserfolgen kommen die meisten Kunden wieder.)

Größeres Angebot

Mehr Anbieter hier, weniger Aufträge dort, gepaart mit einem insgesamt schwindenden Bewusstsein für Qualität, führen immer öfter dazu, dass wir unsere Preise rechtfertigen müssen. Beispiele gefällig?

Anfang April sieht es so aus: Neue, zarte Blättchen!
Ein Drehbuch, das im 19. Jahrhundert spielt, 170.000 Anschläge (mit Leerzeichen), anspruchsvoll. Wir kommen auf 3800 Euro für fünf Wochen, aufgeteilt auf zwei: eine Kollegin übersetzt, die andere korrigiert. So liegen wir bei einem Stundensatz von 30,96 Euro, der nur dadurch zu rechtfertigen ist, dass uns der Job über einen längeren Zeitraum beschäftigen würde.

Viele Wochen später kommt die Absage. Wir erfahren über andere Quellen, dass drei Kolleginnen Probeübersetzungen anfertigen durften, anschließend hat es wohl einen Unterbietungswettkampf gegeben. Wettbewerb pur.

Zweiter Markt

Dann kommt ein Mustervertrag rein, auch nicht dringend, Auftraggeber: Der nicht auf Rosen gebettete Filmverband der Dokumentarfilmschaffenden, dem ich angehöre. Ich gewähre 63,57 % Preisnachlass, weil das Hauptkorrektorat vom Auftraggeber selbst gemacht wird und die Übersetzung in den komischen Flickenteppich von Jobs gut reinpasst, den wir derzeit beobachten. Außerdem sind mir viele Filmfachtermini aus dem Effeff bekannt, ich gebe also einen Vorteil weiter, halte "nur" die Dividende meiner fachlichen Qualifikation gering. In insgesamt fünf Tagen schaffe ich mir das Werk vom Tisch.

Was wäre die Alternative gewesen? Ein anderer Filmmensch hätte damit gekämpft. Dieser Auftrag ist ein gutes Beispiel dafür, dass manche Fachaufträge gar nicht in die Sphäre der "Nur-Übersetzer" durchdringen und es sich hier um gar keine echte Wettbewerbssituation handelt. Es entsteht ein zweiter Markt.

Nächster Anruf: Freunde aus Straßburg, die einen Film mit Eigenmitteln hergestellt haben. Ihr Film wurde von einem renommierten Festival eingeladen, leider nicht fürs Programm, sondern "nur" für die "Videothek", sie müssen deshalb einen untertitelten Film mitbringen. Ob ich nicht, die ich vorher schon beratend tätig war, als Koproduzentin in das fast fertige Projekt mit einsteigen möchte? Mein Anteil wäre die Untertitelung des Films in zwei Sprachen, die eine könnte ich selbst machen, für die andere habe ich die Kollegen, muss aber Geld dafür veranschlagen. Wenn der Film eines Tages Geld einspielt, bin ich mit Prozenten daran beteiligt. Wir haben überlegt ... und abgesagt.

Beruf als "künstlerische" Selbstverwirklichung?

Dass in der sich verändernden Produktionslandschaft immer mehr Filmemacher dazu gezwungen sind, nahezu für lau (oder unter Einsatz privaten Vermögens) zu arbeiten, wenn sie sich kreativ verwirklichen möchten, auch gestandene, preisbepackte solche, ist das eine, denn das öffentlich-rechtliche System zieht sich mit immer neuen Auflagen und Formatnormen Schritt für Schritt weiter aus seiner Verantwortung zurück. Gut finde ich das nicht. Dass aber jetzt auch wir Dienstleister häufiger Verzicht üben sollen, wenn wir doch einfach nur unseren Job machen wollen, gibt mir zu denken.

Nein, ich bin nicht aus künstlerischer Selbstverwirklichung Übersetzerin und Dolmetscherin geworden, diese Kollegen soll's aber auch geben. Ich biete meine Sprachdienstleistungen an, um meine eigenen Projekte querzufinanzieren. Für die bleibt mir jetzt aber weniger Zeit.

Rauf und runter

"Wie soll's 'nem alten Mann schon gehen? Wie dem Wetter, es geht rauf und runter!", sagt Siggi, der Senior in der Kiezkantine, in der ich oft zu Mittag esse. Dort bin ich mit Jean bei strahlend blauem Himmel verabredet. Wir haben uns bei einem Branchentreff kennengelernt. Auch dieser Franzose ist Spracharbeiter, Lehrer bei einem Ministerium. Er hat ein spannendes Kurzfilmdrehbuch geschrieben, das er bald auf Deutsch braucht. Ich schenke ihm vier Tage. Lieber arbeite ich kostenlos als dauerhaft unterfinanziert. Dafür knüpfe ich weiter am Netzwerk.

Ich finanziere diese "Selbstverwirklichung" mit dem Dolmetschen für Politik und Wirtschaft quer. Außerdem muss ich derzeit verdammt aufpassen, mir meine Filmspezialisierung zu erhalten. Demnächst erhalte ich eine Marketingberatung, die mir ein langjähriger Kunde zu Weihnachten geschenkt hat. Heute Abend schlachten wir den Jahresendfresskorb eines anderen Auftraggebers, der Mühen hatte, mich zu erreichen (Bericht steht hier). Und wann geht die Zickzackkurve der Außentemperaturen wieder hoch? Und die der Honorare?

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Fotos: C.E.

Dienstag, 20. März 2012

Suche: EU-Zuwanderer in München (oder Berlin)

Für eine Hörfunkreportage, die im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Senders Radio Canada entsteht, suche ich einen am besten hochqualifizierten Einwanderer aus südlichen Ländern, der (oder die) sich derzeit aufgrund der Euro-Finanzkrise eine Zukunft in Deutschland aufbaut. Gedacht wird zum Beispiel an jemanden aus den Bereichen Informatik, Ingenieurwesen o.ä.

Zeit des Interviews in München: ab kommenden Freitag bis einschließlich Dienstag nächster Woche, in Berlin ab Mittwoch nächster Woche.

Der/die Gesuchte muss kein Französisch sprechen.

Für weitere Informationen erreichen Sie uns am besten unter caroline[at]adazylla.de

Vielen Dank!
Caroline Elias
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Foto: C.E.

Tischgespräche

Willkommen beim einzigen Blog Deutschlands, das in der Dolmetscherkabine entsteht. Hier denke ich (an manchen Tagen auch vom Übersetzerschreibtisch aus) über unseren Alltag als Sprachmittler nach. Dabei habe ich mich auf Politik, Wirtschaft, Film und Medien spezialisiert. Gerne antworte ich auf Leserfragen.

Zuschriften erhalte ich bis heute auf ein Sonntagsfoto vom letzten September und meine ergänzenden Worte, es ging damals um das Dolmetschen von Arbeitsessen. Mich wundert jetzt ein wenig, dass es Verwunderung auszulösen scheint, dass wir Nahrung zu uns nehmen, zum Beispiel bei Delegationsreisen. Wenn wir über Tage mit unseren Dolmetschkunden zusammen sind, wann bitteschön sollen wir denn sonst essen?

Natürlich dolmetschen wir nicht mit vollem Mund! In der Regel sagt einer der Verantwortlichen irgendwann mal: "So, jetzt wollen wir aber mal ruhig sein, damit auch die Dolmetscherin essen kann." (Bei vielen Gesprächen sind wir auch zu zweit, bei sehr langen Kabinentagen zu dritt, und essen dann abwechselnd.)

Und wir haben einen eigenen Platz, den manchmal ein eigenes Namensschild als solchen ausweist. Das ist schon allein deshalb erwähnenswert, weil wir bei normalen Hintergrundgesprächen selbst im Hintergrund bleiben, ein wenig versetzt hinter der wichtigsten Person, Stuhl hinter Sessel, zum besseren Flüstern.

Dass ich bei Dolmetscheinsätzen mit Verpflegung oft abends nicht mehr weiß, was ich gegessen habe, liegt auch daran, dass ich seit vielen Jahren fischessende Vegetarierin bin. An solchen Tagen, wo alle ein- und dasselbe serviert bekommen und der Terminkalender drängt, esse ich sogar Fleischsorten, für die ich gar keine Begriffe habe. Ich prüfe mit ersten Bissen, ob mein Körper die Nahrung toleriert, dann wird gegessen, basta. Alles andere vergesse ich, weil ich nur der Nahrungsaufnahme wegen esse und alle Aufmerksamkeit vom Dolmetschen absorbiert wird. Ansonsten ist es natürlich traurig, die Delikatessen nicht zu würdigen und auch die ausgesuchten Weine nicht verkosten zu dürfen, die da oft aufgefahren werden, aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.

Bei der Arbeit kam ich auch in den Genuss von Delikatessen, die ich ohne den Kontext nie probiert hätte. Bei einem Arte-Dreh mit Austernfischern in Arcachon gingen bis auf den Regisseur und mich alle stiften, als uns am Ende ein Gastmahl bereitet wurde; wir mussten dann zu zweit die Ehre hochhalten, die uns zuteil wurde, und durften uns nicht als schlechte Gäste blamieren. Oder aber der Dreh im Pariser Chinatown. Da habe ich dann lieber nicht gefragt, was uns da serviert wurde. Schmeckte fast wie Hase, nur süßlicher ...

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Foto: C.E.

Montag, 19. März 2012

Artikel über Zweisprachigkeit

Heute Mittag nur rasch einen Link. Die New York Times veröffentlichte in ihrer Wochenendausgabe einen Artikel zum Thema "Why bilinguals are smarter".

Zusammenfassende Worte über den Inhalt folgen, sobald ich wieder etwas Zeit habe, mein I'm sorry! für jene, die mit Englisch nicht so sehr vertraut sind: tut mir leid.

Sonntag, 18. März 2012

Fest der Frankophonie

Jedes Jahr um den 20. März feiern französischsprachige Menschen den Internationalen Tag der Frankophonie. In Berlin richten die Botschaften und die Vertretungen frankophoner Länder im Wechsel ein abendliches Fest aus. Dieses Mal waren es die Botschaften der Elfenbeinküste und Frankreichs. Der sowohl kulturell als auch kulinarisch sehr bunte spannende Abend fand letzten Freitag auf dem deutsch-französischen Campus Berlin statt.


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Fotos: C.E.

Samstag, 17. März 2012

Wochenend und Sonnenschein!

Viele Jahre hatte ich ein gutes Gespür für kommende Trends. Das liegt an der kulturellen Prägung, die ich von zuhause mitbekam, aber sicher auch an den vielen Reisen und den Kontakten in die unterschiedlichsten Milieus hinein, was für uns Dolmetscher typisch ist. Dass die "Comedian Harmonists" ein wunderbares Filmthema sein würden, wusste ich seit Kindertagen. Heute versuche ich, andere Trends zu erspüren, um unsere Zeit besser verstehen zu können, aber auch, um mir noch ein Feld für nebenberufliche Tätigkeiten zu erschließen.

Zum schönen Wochenende erstmal eine Portion gute Laune:



Für die kühleren Stunden und Drehbuchinteressierte folgt ein zweiter Link. Als auf Medien spezialisierte Dolmetscherin und Übersetzerin interessiere ich mich neben der Spracharbeit auch für Dramaturgie.

Emma Coats, eine junge Filmemacherin und Zeichnerin, die für das kalifornische Studio Pixar arbeitet, sandte in den letzten Monaten per Twitter eine Reihe von “Story Basics”: So nennt sie Regeln zum Schreiben guter Geschichten, die ihr die älteren Pixar-Kollegen erzählt hatten. Die interessante Liste umfasst 22 Hinweise, die nicht nur für Filmübersetzer und -dolmetscher interessant sind.

Hier die deutsche Fassung, hier die englische (weitere sollen folgen).

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Film: YouTube

Donnerstag, 15. März 2012

Olfaktorisch

« Bienvenue !» Sie sind auf den Arbeitstagebuchseiten einer Berliner Übersetzerin gelandet, die daneben auch als Französischdolmetscherin für Kino, Filmwirtschaft, Medien, Politik und Wirtschaft tätig wird. Dolmetscher müssen sich für nahezu alles interessieren (können) und kombinieren gelegentlich Informationen aus den entlegensten Gebieten miteinander. So kann sich auch manches Element scheinbar "nutzlosen Wissens", das wir erhalten, viele Jahre später als nützlich erweisen.

Neulich habe ich in einem Klärwerk gedolmetscht. Das war ... nicht ganz so schön. Die PR-Frau des Ladens reichte vorab der ganzen Delegation Mentholsalbe "zum Einbringen in die Nase" gegen die Gerüche. Auf der Höhe von Rechenanlage, Sandfang und Vorklärung ging es ja noch. Schwierig wurde es bei den Etappen der biologischen Wasserreinigung.

Details lasse ich hier mal aus. Auch Bilder gibt's keine von der Kläranlage; der Fotoapparat verweigerte ob des Ambientes an diesem Teil des Tages den Dienst. Das erschien mir ganz logisch, denn würde es einen Apparat zur Wiedergabe von Gerüchen geben, das berühmte Riechkino oder Riechbild, ich hätte ihn bewusst nicht zum Einsatz gebracht (und auch Fotos wirken ja mitunter intensiv).

Am Ende erwies sich die Mentholsalbe leider nicht als stark genug. Nun sorgten die Sprechsalven mancher Fachleute unter erschwerten olfaktorischen Bedingungen nicht nur bei meiner Kollegin für Schweißausbrüche. Da erinnerte ich mich an eine schräge Information, die vor über zehn Jahren zu mir gelangt war. In meiner Zeit als mehrsprachige Marketingbeauftragte des deutschen Dokumentarfilmverbandes AG DOK auf internationalen Messen sah ich in einem Film über Lateinamerika, wo auf einem Friedhof ... noch eine Auslassung. Es soll nicht zu Ihrem Schaden sein.

Kurz: Der eigene Schweiß, in die Nasenlöcher eingebracht, solle helfen, schlechte Aromen zu übertünchen. Diese Info war so schräg, dass sie sich mir wohl für immer eingeprägt hat. Und ich habe sie in meiner Atemnot dezent ausprobiert, als die Kollegin "dran" war und ich am Ende der Delegation gehen konnte. Ergebnis: Wirkt auf jeden Fall besser als überforderte Mentholsalbe!

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Foto: C.E. (In Sète. Weiß jemand, warum
dort unter den Fenstern Flaschen hängen?)

Mittwoch, 14. März 2012

In Mark und Pfennig

Willkommen beim einzigen Blog Deutschlands, das (seit 2007) in der Dolmetscherkabine geschrieben wird. Hier lasse ich — an manchen Tagen auch vom Übersetzerschreibtisch aus  unseren Alltag als Sprachmittler Revue passieren. Über die Jahre habe ich mich auf Politik, Wirtschaft, Film und Medien spezialisiert. Dieser Tage plane ich meine nächsten Arbeitswochen.

Anfrage einer Produktionsfirma: Ob ich denn bei einem Dreh in Rostock drei Tage dolmetschen könne? Eine französische Berühmtheit wandelt dort bald auf den Spuren der eigenen Vergangenheit, und ein renommierter Fernsehsender ist auch mit dabei.

Das geht — und zwar richtig gern. Die Laune vergeht mir allerdings, als es ums leidige Geld geht. Man bietet mir 350 Euro je Tag Honorar an, und die Produzentin scheint dabei sogar noch von der eigenen Großzügigkeit überzeugt zu sein!
Selbst die Autorin des längeren Beitrags habe nur einen Tagessatz von 330 Euro, sie arbeite direkt dem Regisseur zu, der ein Pauschalhonorar bekomme. Dann sei da noch die Kamerafrau aus Paris, die oft Stars ins Licht setze (und 400 Euro veranschlage), sowie der Maskenbildner des Stars (zum Freundschaftstarif von 200 Euro).

Bild vom Flohmarkt
Diese Zahlen werden als Teil einer Argumentationskette genannt. Ich erfahre, dass die Kamerafrau einige Tage Vorbereitung abrechnet. Und dass Herr Maskenbildner neues Puder, eine Quaste usw. kauft, das zähle nicht zur Arbeitszeit! Logisch!

Meine Aufgabe ist aber, mich ähnlich intensiv wie die Autorin vorzubereiten.

Es geht um ein komplexes historisches Thema. Ich überschlage die Kosten der Bücher und die Anzahl der zu lesenden Seiten (um die 1800). Die Autorin des Films bekommt die Bücher von der Produktionsfirma gestellt oder vom Verlag zugeschickt. Ich weiß, was ich zu hören kriege, wenn ich auch noch beim Verleger anrufe ... Nun, versuchen kann ich's ja.

Die Autorin wird am Ende das Werk bei den Verwertungsgesellschaften anbieten und erhält Tantiemen. Sie und der Regisseur werden auf ewig mit dem Filmwerk verbunden sein — was den Ruhm angeht und die dadurch erhöhten Chancen, weitere Projekte durchzuführen.

Ich habe das Bücherlesen hochgerechnet. Es handelt sich um anspruchsvolle Werke, da sind mehr als 300 Seiten täglich nicht drin, und an "Verarbeiten" ist nur zu denken, wenn ich am Wochenende den Inhalt rekapituliere und diese Tage nicht mitzähle, Stichwort "Milchmädchenrechnung". Okay, also ... mit dieser Milchmädchenrechnung komme ich auf zwei Tage Vorbereitung je bezahltem Drehtag.

Kurz: Das Dolmetscherhonorar würde am Ende bei 116,67 Euro am Tag liegen, indiskutabel. Der Maskenbildner bekommt 200 pro Tag ... und zwar wirklich für jeden Tag, denn er muss sich ja nicht aufwändig vorbereiten, und seine zweijährige Lehrzeit hat er lange schon amortisiert. Hier haben wir's wieder: Sichtbare und unsichtbare Arbeit! Rein marktwirtschaftlich gerechnet scheint meine vor einem Jahr angedeutete Vermutung, dass der return on investment des Berufs Maskenbildner gar nicht so schlecht scheint, nicht idiotisch zu sein. Aber ein System, das intellektuelle Arbeit zunehmend verachtet, ist dumm.

Okay, zurück zum Telefonat von vorhin. Am Ende des Gesprächs wurden mir immerhin zwei zusätzliche Honorartage zur Vorbereitung angeboten. Vorsichtig, sehr vorsichtig hatte ich meine Argumente vorgebracht, auch für einen höheren Preis. Ob sie ankommen? Das erfahre ich Ende der Woche.

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Foto: C.E., nein, ich rechne nicht mehr in DM!

Dienstag, 13. März 2012

Abspannordnung

Bonjour auf den Seiten eines Logbuchs aus dem Inneren der Dolmetscherkabine. Manchmal texte ich meine Einträge aber auch am Schreibtisch oder in der Abstellkammer bei den alten Akten, denn ich bin Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache, da gehört das Nachschlagen zum Alltag. In den letzten Jahren konnte ich mich auf Medien, Politik, Kino und Gesellschaft spezialisieren. Und immer sammele ich Vokabeln, nicht nur Begriffe wie Schuldenbremse, ungedecke Leerverkäufe oder Euro-Schutzschirm ...

Es soll ja noch Worte geben, die weisen bekannte Suchmaschinen nur an einer einzigen Stelle im Internet aus. Ein Beispiel dafür ist das schöne Wort „Abspannordnung". (Wenn Sie den Link nach Dienstag, dem 13.03.2012 um ca. 00:45 Uhr MEZ, anklicken, gibt's mindestens zwei Verweise, woran dann dieser Eintrag hier schuld ist.)

Neulich lasen wir wieder mal einen dieser 120-Seiten langen Produzentenverträge Korrektur. In den letzten Jahren hatten wir davon schon mehrere auf dem Schreibtisch, und weil Filmverträge jeder Couleur gespickt mit Fachvokabular sind, landen sie bei uns hinterher nicht im Reißwolf.

Insgesamt kommen wir bereits auf 4 ½ Pappendeckel voller Texte. Anhand der einzelnen Fassungen ließe sich schön nachvollziehen, wie aus manchem handlichen Mustervertrag, der aus Paris zu uns gelangte, innerhalb von anderthalb Jahrzehnten ein Werk von der Dicke eines Schmökers wurde, sofern wir es denn im Tachenbuchformat ausdrucken wollen würden.

Dabei ist immer wieder überraschend, wie haargenau alles festgelegt wird. Hübsch ist zum Beispiel stets das vertraute Wiedersehen mit den Schriftgrößen: Die Buchstaben, die Stellen und die jeweilige Dauer der Einblendungen von Namen der Beteiligten in Vor- oder Abspann sind hier detailliert aufgeführt. Auch hier festgelegte Tagegeldabrechnungsmodi oder aber der Umgang mit Altersfreigaben und anderen Zensurmaßnahmen sind an dieser Stelle zu würdigen, wo auf Deutsch die Verantwortlichkeiten anders zugeschnitten und definiert werden. (Ich muss da immer an das herrlich unklare und sehr deutsche Wort "Filmbewertungsstelle" denken.)

Beim Korrekturlesen suchte ich zwischendurch kurz die Bestätigung für "Tafel" als Übersetzung von le carton als eigenständig eingeblendeter Texteinheit und gab den Begriff zusammen mit dem Wort "Abspann" ein. Der Webbrowser Firefox wies mir an erster Stelle prompt einen Abspann aus, der mir nicht unbekannt war, weil eine Kollegin und ich sebst in ihm selbst vorkommen, und zwar zum Film "Es kommt der Tag" von Susanne Schneider. (Über diese Arbeit schrieb ich wiederholt.)

Der Vorgang hat mich peinlich berührt. Es war ungefähr so, wie als ich zum ersten (und bislang einzigen) Mal während meiner Volontariatszeit, ich war u.a. beim SFB, per Radiowecker von der eigenen Stimme geweckt wurde (der Beitrag war am Vortag für die "Vormittagsschiene" entstanden, die Frühsendung hatte ihn übernommen). Was für mathematische Häufigkeiten teste ich da an banalen Bürotagen eigentlich aus?

Am Ende fehlte uns beim Korrekturlesen noch eine Fernsehvokabel ... ich suchte, weil ich mich da dunkel an meine TV-Zeit erinnerte, und siehe da, das Wort "Abspannordnung" gab es in der weiten Welt des Netzes bis dato nur einmal, indes: die Fundstelle war leider nicht hilfreich. Wären nur die alten Fernseherordner nicht längst im Schredder gelandet …

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Foto: Katalogfund

Montag, 12. März 2012

camera person

Dolmetscher und Übersetzer brauchen einen Schreibtisch, denn hinter dem locker Vorgetragenen oder leicht Lesbaren steckt zähe, kleinteilige Arbeit, die nicht nur im Job, auch an auftragsfreien Tagen geleistet wird, an denen wir einfach nur die Fakten und die Sprache unserer Arbeitsfelder beobachten. Mein Schreibtisch steht in Berlin — hier gewähre ich regelmäßig einen Blick darauf.

12.23 Uhr lief über den Postlist-Ticker des mitgliederstärksten deutschen Filmverbands folgende Anfrage:
"Liebe KollegInnen,
Ich suche eine Kameramenschen in Stockholm, der gut Englisch spricht und eine eigene Ausrüstung hat. Gedreht werden soll ...
Danke im Voraus und viele Grüße,
M."
12.36 Uhr schrieb S. daraufhin Folgendes:
"Hallo S.,
darf’s auch ein Kameramann oder eine Kamerafrau sein, von einem Bildgestalter möchte ich ja gar nicht reden, weil Sie das ja wohl nicht suchen?
Ich finde die Bezeichnung "Kameramensch" etwas beleidigend.
Oder bezeichnen Sie sich auch als "Regiemenschen" in Ihrem Profil?
Beste Grüße"
12.47 Uhr dann mein Einwurf vom Rand des Spielfeldes:

Agnès Godard, die neue ARRI und
Monsieur Unbekannt in Marburg
"Das kommt von camera person, wie in den USA genderneutral immer häufiger Kameraleute ;-) genannt werden. Obacht, “Leute” ist historisch gesehen auch abschätzig, “der Herr und seine Leute” (Kontorist, Knechte, Bedienstete, ...)"

Meistens wird derzeit von "Kameramann" gesprochen, und es ist schon verwirrend, wenn sich Frauen vorstellen mit den Worten "ich bin der Kameramann von....". Das Wort "Bildgestalter" scheint sich nicht durchzusetzen, denn es klingt nach TV und außerdem zu uneindeutig.

Auf Französisch ist das einfacher, directeur oder directrice de la photographie kommt direkt vom englischen DOP, director of photography.

Foto: C.E.

Sonntag, 11. März 2012

Hinterhaus

Heute werde ich in der Rubrik "Sonntagsfotos" ein wenig privat. Vor einer Woche habe ich in meinem Geburtsort Marburg gedolmetscht, und es blieb hinterher Zeit für eine kleine private Tour durch die Stadt.

Gelebt haben wir in den ersten Jahren an der Wettergasse in einem Hinterhaus mit Terrasse und Garten, sehr idyllisch, am einen Ende der Wasserscheide. Dieser merkwürdige Begriff kommt daher, weil dort auf der Höhe eines kleinen Hügels, den die Wettergasse erklimmt, das Wasser entweder zur einen oder zur anderen Seite abfließt. Seit Generationen, so wird es überliefert, malten die Studenten der Stadt einen Regenbogen auf die Straße. Und an einem Fuße dieses Regenbogens war also die Haustür, durch die man (durch einen Gang) zu uns gelangte. Heute hat ein kleines Forum, das genau auf der Wasserscheide liegt, den Regenbogen ein wenig verschoben. Schade, die Sache war so schön poetisch.

Poesie und Kunst spielten schon früh eine Rolle in meinem Leben, nicht nur durch die Ahnenbilder im großen Zimmer (von denen links noch etwas von den Rahmen zu erkennen ist). Die Fotos meiner ersten Tage sehen aus wie die perfekte Nouvelle-Vague-Kindheit. Das gefällt mir.
Vor elf Jahren habe ich in Marburg bereits Kameramann Raoul Coutard meine Stimme geliehen. Damals kamen wir bei einer Stadtbesichtigung auch an besagtem Haus in der Wettergasse vorbei, augenzwinkernd konnte ich wie Belmondo in "Außer Atem" sagen: "In diesem Haus habe ich meine Kindheit verbracht!" — Vraiment ? Oui, wirklich, Monsieur ! Also im Hinterhaus dieses Gebäudes jedenfalls.

Später an diesem Wochenende sind ein Freund und ich auch das Hinterhaus besuchen gegangen: Zu meinem großen Entsetzen stand es offen und war leer.

Dieses Mal war es ähnlich, erneut stand die Haustür zur Straße offen, und doch ganz anders: Das Hinterhaus ist wieder bewohnt und befindet sich noch mitten im Umbau! Der Gesamteindruck ist vieeel besser als zu Beginn der Nuller Jahre, auch wenn hier oft die falschen Materialien verwendet werden ...

Links neuerdings eine Fluchttreppe
Damals waren Dacharbeiten im Gange

Leider war es neblig an diesem Tag (wie am ganzen verlängerten Wochenende. Ist Marburg ein Nebelloch? Habe ich gar nicht so in Erinnerung!) Dass die Frontseite des Dachstuhls nur aus Dachsparren besteht, wusste ich auch nicht mehr.

Aber ein Kleinkind schaut auch nicht auf die Architektur. Ich dachte über die Isolierung nach, fragte mich, ob wir's oft kalt hatten ... und wunderte mich ein wenig über den "Tafelberg", der da rechts gemauert wurde. In meiner Kindheit blickte ich hier auf Mauer und Fels, aus dem der Bauplatz zum Teil herausgehauen worden war.


Unsere Eingangsreppe zum 1. Stock wurde aufgegeben, dafür die Ter­ras­se ver­grö­ßert, über die die Wohnung jetzt betreten wird. Und die heutigen Mieter haben wie einst meine Eltern einen Sichtschutz aus Bambus angebracht! Dafür riecht es völlig anders, gar nicht mehr nach feuchtem Moos und Heizöl wie damals. Und natürlich ist alles sooo klein "geworden" ...!

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Fotos: privat (Fotolegende oben von meinem
Großvater)

Samstag, 10. März 2012

2. Übersetzerportrait

Doppelagentin? Die Frau mit der Maske? Kunstrestauratorin oder doch nur eine Schauspielerin, die etwas Fremdes interpretiert? Mit diesen Möglichkeiten lässt sich die Bandbreite der Selbstbeschreibungen zusammenfassen, die sich die französische Übersetzerin Josée Kamoun selbst gibt.

Die Übersetzerin von Philip Roth, John Irving und Jonathan Coe wird heute hier auf Englisch portraitiert: www.worldcrunch.com. Der Beitrag geht auf einen in "Le Temps" erschienen französischsprachigen Artikel zurück. Nachdem ich vorhin den deutschen Übersetzer von Rabelais und Co. vorgestellt habe, folgt hier also eine französische Übersetzerin zeitgenössischer amerikanischer Literatur.

Was machen Sie genau, Frau Kamoun? "Ein Übersetzer tanzt mit dem Text. Wenn der Text mit dem linken Fuß nach vorne geht, bewegt sich der Übersetzer mit dem rechten zurück. Das Ganze in einer sehr engen Umarmung und graziös, wenn möglich ..." (Le traducteur danse le tango avec le texte. Quand le texte avance le pied gauche, le traducteur recule le pied droit. C’est une étreinte extrêmement étroite et, si possible, esthétique.)

Aber, so die Übersetzerin weiter: "Ich mag es, im Schatten meiner Autoren zu stehen. Einer der Gründe für diesen Beruf ist, nicht selbst schreiben zu müssen, so ist es einfach viel weniger gefährlich." (Je suis bien dans l’ombre de mes auteurs. Une des raisons pour lesquelles je fais ce métier est sans doute qu’il m’évite d’écrire moi-même. C’est tellement moins dangereux.)

Das Übersetzerleben sei mönchisch, einsam und entbehrungsreich: "Fürs Sozialleben gibt's Besseres”, fasst Kamoun die Situation zusammen. (Pour la vie sociale, il y a mieux.) Außer, wenn der Verleger sie für eine Woche in die USA schickt, Philip Roth zu besuchen, damit sie seine Werke anschließend besser übersetzen kann ...

Jetzt schiele ich einmal runter zum Eintrag von vorhin ... Herr Tschöke, möchten Sie eigentlich auch eine Woche Rabelais besuchen fahren? Sie wissen sicher genau, wo die Reise hingehen und was
es abends zu essen geben wird, oder?


P.S.: Am Rande weist der französischsprachige Artikel darauf hin, dass dieses Wochenende im Schweizerischen Vevey mit 4+1 Traduire ein Literaturfestival stattfindet, bei dem Übersetzer im Vordergrund stehen und nicht Autoren.
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Bild: Archiv

Ein Übersetzerportrait ...

... heute im Berliner Tagesspiegel. Voilà : klick!

Vorgestellt wird der Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Übersetzer Wolfgang Tschöke, der u.a. Cyrano de Bergerac, Voltaire, Choderlos de Laclos („Gefährliche Liebschaften“) und Émile Zola ins Deutsche übertrug. Derzeit arbeitet er an Rabelais' Werken.

Mein Lieblingsabsatz aus dem Portrait ist dieser da: "Es kommt vor, dass ich einen ganzen Tag mit einem einzigen Ausdruck verbringe. Diese fortwährende Beschäftigung färbt auch auf einen selbst ab. Im Grunde waren die Menschen im 16. Jahrhundert in einer ähnlichen Lage wie wir heute: Europa erfuhr damals die Folgen der ersten Globalisierung. Ich kann mich längst nicht mehr aufregen über all die panischen Zeitungsartikel. Ich denke dann an Rabelais und weiß: Das haben wir alles schon mal gehabt."
.

Freitag, 9. März 2012

Und jetzt?

Bonjour auf den Seiten des Logbuchs einer Sprachmittlerin für die französische Sprache. Hier denke ich über meinen Berufsalltag nach, der mich zwischen den Orten der Politik, Kultur und des gesellschaftlichen Lebens manchmal ganz schön auf Trab hält. Mitunter darf ich mich hier nach meinem Geschmack aber zu viel auf meinen Lorbeeren ausruhen. Heute denke ich über das Schreiben nach ... eben dieses elektronischen Arbeitstagebuchs, das Sie gerade angeklickt haben!

Vor kurzem wurde dieses Blog fünf Jahre alt. In der schnelllebigen Zeit, die unsere ist, wirkt das fast schon steinalt. So habe ich die Fortsetzung meines Berichterstattens auch ein wenig von Ihrem feed back abhängig gemacht, denn es gibt viele Ideen, die über die Form des digitalen Arbeitstagebuchs schon weit hinausreichen: Studentinnen baten mich darum, etwas über Lerntechniken zu schreiben, Verlage fragen an, ob aus dem Blog nicht ein Buch werden könne.
Einige schräge Geschichten aus meinem bunten Dolmetscherinnenleben, die das Zeug zum Krimi haben, könnten außerdem wie bereits zuvor geschehen ein Kinderbuch werden (das erste hier.)

Ich musste diese Erlebnisse zunächst deshalb in petto halten, weil polizeiliche Ermittlungen zum Teil bis heute nicht abgeschlossen sind. Ja, in meinem Beruf bin ich schon ganz schön rumgekommen, sogar wiederholt ins Verhörzimmer der Kripo, einmal sogar als Verdächtige: Da hat sich jemand die Dolmetscherin zur Tarnung angeheuert. Unverschämtheit!

Im Alltag merke ich aber, wie der Trend zu Englisch im Allgemeinen und simplified english im Besonderen oder die grassierende Praktikantenausbeute ganz direkt dazu führen, dass der Beruf deutlich weniger Spaß macht als noch vor einigen Jahren. Nicht zu vergessen die unlauteren Wettbewerber. Was soll ich machen? Hier regelmäßig den Kulturverfall bejammern?

Erst neulich schrieb mich die Absolventin einer renommierten Dolmetscherschule an. Sie hatte sich auf einem deutsch-französischen Event Kopfhörer geben lassen und sich einige Notizen gemacht, als das, was sie da hören musste, ihr zu bunt wurde. Allein schon beim Querlesen der von ihr verewigten "Missinterpretationen" kräuselten sich meine Nackenhaare, und dann stand da noch eine Liste mit einigen überhaupt nicht übersetzten Vokabeln, weil sie wohl zu kompliziert waren ... das war haarsträubend! Beispiel für die Kategorie "schräg daneben ist auch vorbei" gefällig? "Ich bin von sechs Richtern verfolgt worden" für j'ai été poursuivi pour six chefs d'inculpation, auf Deutsch: Mir wurden sechs Anklagepunkte zur Last gelegt, oder "der Prozess" für le procédé, der Vorgang.

Ich war bei der Veranstaltung auch zugegen, mit mir einige zweisprachige Freunde und Bekannte. Hinterher diskutierte das Publikum weiter, wobei sich ein Teil der Kommentare auf den Moderator bezog, ihm hätte das Thema wohl nicht so gelegen, er sei so komisch an der Oberfläche geblieben. Nachdem ich das Protokoll der gröbsten Schnitzer auch nur eines Teils der Veranstaltung gelesen habe, die da ein Nicht-Profi in einer professionellen Kabine verzapft hat, weiß ich, woran's lag: Der Moderator konnte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich-keit kein oder nur wenig Französisch.

Ja, ich weiß, dass solche Kommentare höchst grenzwertig sind. Ein Teil unseres Berufsethos will, dass wir niemals Kollegen anschwärzen, denn bei jedem von uns geht mal was schief, was an den unterschiedlichsten Gründen liegen kann: Kein Vorbereitungsmaterial, Sprechtempi, die mit MG-Salven zu konkurrieren scheinen, schlechte Frischluftzufuhr, das falsche Essen zu Mittag ... Der Zufall wollte es aber und wir hatten uns im Vorfeld auch um den betreffenden Einsatz beworben. Also schaute ich natürlich hin, als die Kabinentür aufging — und zu meiner Überraschung nur eine Person herauspurzelte. Derjenige, der eine durchaus professionelle Kabine zur Tarnung verwandte, war in der Tat kein Profi, ich kannte das Gesicht. Ist also gar keine Kollegenanschwärze ...

Was soll ich machen? Beim renommierten Berliner Kulturveranstalter nochmal nachdrücklich fallenlassen, dass jemand, der ein höchst komplexes Panel mit drei Diskutanten zu einem höchst aktuellen Thema zwei Stunden lang alleine stemmen will, in der allergrößten Regel kein Profi ist? Der Nachwuchsdolmetscherin, die Sorgen hat, wie sie nach ihrer Babypause in Berlin in den Beruf zurückkehren soll, sie hat vorher in Brüssel gewohnt, einen Gastbeitrag anbieten? Ich will aber auch nicht das Blog publizieren, auf dem nur gemosert wird. (Der hier über die Jahre meistgelesene Artikel ist übrigens der Text über den "Verdolmetscher" in der Semperoper, Stichwort LaToya Jackson, und hier ist das Präfix "ver-" als Ausdruck des Irrtums und des Fehlers zu verstehen.)

Tja, von dieser Art sind meine Sorgen. Und gleich noch so'n "ver": Als ich neulich mal unter Autorinnen und Journalistinnen die Vermischung von PR und Journalismus bei ein- und demselben Thema kritisierte, auch in diesem Bereich verlieren wir Aufträge, holte ich mir eine schallende Ohrfeige ab, ich sei ja einfach nur old fashioned, heute gehe Pressearbeit so. Ich fürchte, dass die stagnierenden bzw. sinkenden Journalistenhonorare viele Leute zum Nebenerwerb bewegt haben, das verändert den Blick auf die Dinge. Also halte ich ab jetzt auch die Klappe und schaue mich weiter um. Zurück zum Dolmetschen auf die Messe also, eigentlich ein Anfängerjob ... aber davon berichten? Gähn!

Sie sehen oder vielmehr lesen: Ich weiß derzeit nicht unbedingt, was ich schreiben soll. Alles habe ich irgendwie schon mal betextet. Die Zeiten werden rauer und Triumphe, wie unlängst mein Marburger Auftritt, leider selten. Oder dominiert inzwischen meine Routine und ich fange an, mich gepflegt zu langweilen?

Grobplan: Der Blog erscheint von nun an täglich außer freitags, das ist ohnehin der Tag mit den wenigsten Lesern. Montags, dienstags und donnerstags berichte ich aus der Werkstatt, schreibe über den Sprachschatz  oder bringe kleinere Anekdötchen. Mittwochs ist das "große Stück" dran, im center fold der Woche gewissermaßen, sofern ich Zeit dafür habe. Ärgerkram kommt maximal alle acht Tage, samstags folgt der Link der Woche, sonntags ergänze ich die Sonntagsbilder. Wie klingt das?

Es geht also weiter. Und Fragen, Hinweise, Bemerkungen, Linktipps, ... sind jederzeit herzlich willkommen. Kommentare sowieso!

Soviel zum Blog. Und wohin entwickele ich mich beruflich?

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Foto: C.E.

Donnerstag, 8. März 2012

Dolmetschen auf der Messe

Ja, ich dolmetsche auch weiterhin auf der Messe, nicht nur auf dem Filmmarkt der Berlinale (Foto), der Grünen Woche oder auf derlei Events in Paris und Cannes!

Das mal so als aktueller Einwurf bzw. Antwort auf eine vage Anfrage.
Sie erreichen mich unter 0172-499 8902.
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Foto: C.E.

Mittwoch, 7. März 2012

Dreitagetag

Welcome, bienvenue, Sie sind auf der Logbuchseite einer Dolmetscherin für die französische Sprache gelandet! Hier berichte ich von der Arbeit in der Kabine, vom Schreibtisch oder aus einem der zahlreichen Berliner Luxushotels. Oft machen die Rahmenbedingungen unserer Aufträge aber mehr Mühen als die reine Arbeit: Heute schreibe ich über das Verhandeln. Denn dieses Verhandeln zehrt manchmal mehr an den Nerven als das Dolmetschen selbst.

Dolmetschmarathon
Über einen Dreitagetag berichte ich heute, nein, hier kommt keine Variante des Dreikönigstags. Es ist schon etwas her, da durften wir ein Angebot für einen eintägigen Dolmetscheinsatz schreiben. Zu verarzten war zwei Monate vor dem Filmstart ein französischer Filmregisseur, der sich den Fragen der deutschen Journalisten stellte.

Der Regisseur reiste für einen Seminartermin an einer Filmhochschule in die Region, da sollte die Pressearbeit gleich en passant geschehen.

Über den Auftrag, Press Junkets zu dolmetschen, freute ich mich natürlich sehr, denn diese Einsätze waren selten geworden, seit ein öffentlich-rechtlicher Journalist das Übersetzen als Nebenerwerbsquelle entdeckt hatte. Die Ergebnisse seiner Arbeit führen indes dazu, dass derzeit immer mehr Verleiher wieder professionelle Arbeit nachfragen. Das ist schön!

Dann war der Tag gekommen ... im Vorfeld war ich bereits vorgewarnt worden, dass es möglicherweise einen zweiten Termin für weitere Interviews geben würde. So war's dann auch. Am ersten Termin erschien nur eine Handvoll Journalisten, und netto habe ich eine halbe Stunde gedolmetscht. Mir ging leider dadurch, dass ich einen halben Tag gebucht war, ein anderer Auftrag durch die Lappen.

Immer wieder die gleichen Fragen, oder fast ...
Der zweite Einsatz folgte anderthalb Wochen später, kurz vor dem Starttermin des Films. Leider spaltete sich dieser Tag dann auch in zwei kurze Tage auf. Dummerweise gab es für den zweiten, nein, inzwischen dritten Termin eine Kollision mit einem anderen Einsatz, ebenfalls nur für wenige Stunden.
Was tun?

Ob sich die Einsätze würden verbinden lassen? Das Büro warnte den Filmverleiher kurz vor, bat um die "Dispo" des Filmdolmetschereinsatzes mit den Zeiten ... die aber kam nicht, weil sich die Journalisten oft erst im letzten Moment anmelden. War also nichts mit dem Verbinden zweier halber Tage zu einem ganzen, exakt so, wie schon zwei Wochen zuvor!

Erst auf Nachfrage kamen die Mitarbeiter in der Agentur auf den Gedanken, dass ein in drei Teile aufgesplitterter Einsatz teurer sein könnte als ein Eintagesjob, als der er ursprünglich vereinbart war. Wir hakten vorsichtig nach und erhielten ein: "Natürlich berücksichtigen wir, dass die Dolmetscherin für uns drei Tage unterwegs sein wird." Das war vor dem Einsatz.

Hinterher war erstmal Funkstille. Das Büro wollte die Rechnung schreiben, aber unsere Bitten auf Rücksprache verhallten ungehört. Dann griff mal jemand zum Telefonhörer: "Hm, ja, eigentlich sind doch nur zwei Mal drei Stunden gedolmetscht worden, und dazu die dreißig Minuten vom ersten Tag. Macht insgesamt 6,5 Stunden. Wir sind so kulant und zahlen den vereinbarten Tagessatz, auch wenn wir die acht Stunden Dolmetschen nicht wahrgenommen haben."

Stets so antworten, als sei die Frage noch nie gestellt worden!
Wie bitte? Am Ende werden 100 Euro extra angeboten.
Ich rechne nach: Ohne die Terminkollisionen hätte ich knapp den doppelten Umsatz gemacht.

Eine Berechnung nach “wirklich gesprochener Zeit” ist bei uns Dolmetschern ebenso wie beim Film total unüblich, Pressearbeit (vielleicht) ausgenommen ...

Das wäre ungefähr so, wie die Höhe des zu entrichtenden Kinoeintritts nach der Minutenanzahl von Dialogen zu berechnen, dabei wissen alle, dass es (mindestens!) den gleichen Aufwand bedeutet, einen leiseren Film zu drehen. (Da muss ich an Liverpool denken, dort soll doch tatsächlich jemand versucht haben, beim Film "The Artist" wegen der fehlenden Dialoge an der Kasse sein Geld zurückzubekommen, aber lange, bevor der Film durch die Oscars gewürdigt wurde.)

Ach so, der Auftraggeber ist ein renommierter deutscher Art house-Filmverleih. Und ich kann ihn sogar verstehen. Der Verleih bringt einen nicht so großen Film raus wie den eben erwähnten oder "Ziemlich beste Freunde" (Intouchables), gerade diese zwei stellen derzeit im Kino eine bedeutende Konkurrenz für den Film, um den es hier geht, dar, und der Verleih ist an die Preise gewöhnt, die über einige Jahre der bewusste Nicht-Dolmetscher aufgerufen hatte ...

Hier prallen erstmal Welten aufeinander. Von dieser Art ist derzeit die "Dolmetschleistung", die wir parallel zur eigentlichen Arbeit leisten müssen.
Ich darf nicht gleich einschnappen (war ich kurz ansatzweise, danke an die Mitarbeiterin für das Krisenmanagement!), muss aber mittelfristig Hintergrundwissen vermitteln, ohne als "Abkassierer" zu wirken. Denn professionelles Dolmetschen wirkt leicht und die Übertragungen erfolgen prompt, ist aber nicht billig. Unsereiner hat viele Jahre studiert und hält auch an auftragsfreien Tagen das Hirn geschmeidig, was jetzt eine sehr freundliche Umschreibung für etwas ganz Einfaches ist: harte, regelmäßige Arbeit.


P.S.: Zur Situation des französischen Films empfehle ich folgenden Euronews-Artikel: "Französische Filme im Auftrieb", denn "um mehr als satte 21 Prozent ist die Zahl der Kino-Eintritte im vergangenen Jahr in Frankreich gestiegen, das ist der höchste Stand seit 1984."
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Fotos: C.E.

Dienstag, 6. März 2012

Kameragespräche

« Bienvenue !» Sie haben die Arbeitstagebuchseiten einer Berliner Übersetzerin angeklickt, die daneben auch als Französischdolmetscherin für Politik und Wirtschaft, Kino und Kultur arbeitet. Gerade kehre ich von einem sehr schönen Einsatz zurück.

Schaufensterdeko bei Elwert
Warum ich am Wochenende in Marburg war, darüber habe ich hier bereits geschrieben. Insgesamt durfte ich an zwei Tagen vier Fragerunden mit jeweils um die zwei Stunden Dauer konsekutiv dolmetschten (ich glaube, es waren ein- oder zweimal sogar 2,5 Stunden).
Simultan kamen dann noch allerlei Reden und Gespräche hinzu, Eröffnung der Kameragespräche und Verleihung des Kamerapreises an Agnès Godard (mit Foto!)

Es werden sechs Stunden täglich gewesen sein, die ich da Hirn und Mundwerk bemüht habe. Bei solchen Einsätzen schaue ich nicht mehr auf die Uhr, sondern füge mich in mein Schicksal und genieße die spannenden Inhalte. In den "Pausen" sahen wir Filme, rannten ins Restaurant oder spazierten durch Marburg.

Diese Art des Arbeitens ist eine Ausnahme, die ich für liebe Bildgestalterkollegen und in meinem Kernthema Film mache. Grundsätzlich gilt: Wir Dolmetscher arbeiten 20-30 Minuten am Stück, wenn wir simultan gedolmetscht haben, übernimmt eine Kollegin/ein Kollege. Konsekutiv gilt als leichter (was es nicht immer ist); da kommen Solo-Einsätze zum Beispiel für 1,5-stündige Abendveranstaltungen regelmäßig vor.

Normalerweise vertonen Dolmetscher Themen, in denen sie nicht zuhause sind. Damit dies überhaupt möglich ist, lernen wir im Vorfeld Inhalte und Fachtermini. Was dann mit dem Kopf geschieht, ist vergleichbar mit einer schon ziemlich vollgeschriebenen (Studium! Erfahrungen!) Computerfestplatte: Das Neue lastet den Arbeitsspeicher aus, das System läuft deshalb schneller heiß, deshalb müssen wir stets zu zweit arbeiten (und bei überlangen Einsätzen sogar zu dritt).

Wettergasse
Den "ganzen Filmkram" habe ich aber über 15 Jahre lang x-fach gelesen, verdaut, angewandt, gelehrt, überarbeitet, in Festival-, Dreh-, Schnittsituationen verwendet. Kurz: Er ist längst auf der wiederholt "defragmentierten" Festplatte gespeichert. Hinzu kommt, dass ich viele Regisseure der in Marburg ausgezeichneten Kamerafrau über Jahre zum Beispiel auf der Berlinale verdolmetscht habe, also in der Vorbereitung manche Filme zum 2. oder 3. Mal sah ... Anschließend läuft mein "Computersystem" Oberstübchen ruhig und ohne Überhitzung.

Last but not least hat mich die Situation nicht gestresst, ich kenne sie aus dem Jahr 2001. Und im Publikum saßen langjährig Bekannte, Freunde und Kollegen. Ich war, nicht nur, weil ich in Marburg geboren wurde, schlicht und ergreifend "zu Hause".

Dennoch ist diese Arbeit anstrengend. Seither habe ich nur geschlafen oder Texte quergelesen oder Podcasts gehört (und dabei manchmal auch gedöst). Sonntag bin ich noch in Marburg rumgebummelt, vor der Abreise ging's in die Sauna. Soviel zu den Folgen derart intensiven Arbeitens: Zwei Tage voller Einsatz macht zwei Ruhetage zwingend notwendig. Gerne hätte ich eine zweite Kollegin an meiner Seite gehabt, aber das ist im Kulturbereich oft eine Budgetfrage.

Die ersten Danksagungen zu meiner Arbeit hier. In den nächsten Tagen schreibe ich noch etwas über den Auftrag und verfasse auch noch einen eher privaten Eintrag über Marburg.

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Fotos: C.E.

Montag, 5. März 2012

Merci beaucoup VII

Hier die ersten Reaktionen auf meine Verdolmetschung der Marburger Kameragespräche, in deren Rahmen der Marburger Kamerapreis 2012 an Agnès Godard verliehen wurde.

Danke für die schöne Spiegelung!

Transkript gegen Entzifferungsprobleme und zum Vorlesenlassen für sehgeschädigte Leser hier.
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Foto: Gästebuch

dekonspirieren ...

Willkommen et bienvenue beim Arbeitstagebuch einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin. Meine Arbeitssprachen sind Deutsch, Französisch und Film, denn Film ist eine Sprache für sich. Hier denke ich öffentlich nicht nur über unseren Arbeitsalltag nach, sondern auch über dessen Grundlagen, die Sprache.

"Dekonspirieren" scheint das Wort des Tages zu sein. In der DDR wurden viele Bür­ger "im Vertrauen" von anderen Mitmenschen angesprochen mit der Bitte, doch mal die Augen offenzuhalten und zum Beispiel "jemanden vor sich selbst schützen zu helfen", das Ganze natürlich stets im Dienst des Aufbaus des Landes. Ich ver­ein­fache, aber das war oft die vorgebrachte Grundidee.

Diese Treffen waren "konspirativ" und fanden u.a. in "konspirativen" Wohnungen statt.

Wer sich darauf einließ, vielleicht nur aus jugendlichem Leichtsinn, war auf dem besten Wege, IM (inoffizieller Mitarbeiter) der Staatssicherheit zu werden. Oft wurde dann schon eine Vorlaufakte angelegt, auch ohne Unterschrift des Be­tref­fen­den.

"Bilderlotto" hieß das Spiel
Als Westkind von in Sachsen und Thüringen geborenen Eltern habe ich viele Fe­ri­en­wo­chen in der DDR verbracht, seit ich vier war. Mein Vater sah seine Va­ter­stadt mit den Au­gen des Kindes und Ju­gend­li­chen, der er mal gewesen war.
Ich konnte direkt hinschauen und wollte wissen, wie meine etwas älteren Cousins und Cousinen dort leben.

Ein Bekannter von mir hatte damals den Gesprächsanfragen aus Langweile nach­ge­ge­ben ... und nach drei, vier Treffen gesagt, dass er keine Lust mehr darauf habe. Er hat im Freundeskreis offen erzählt, was passiert war, er hat also offen de­kon­spi­riert. Das war in der 1. Hälfte der 80-er Jahre. In der Schule hatte man noch ein wenig versucht, Druck auf ihn auszuüben, und das war's dann. Er hatte mit Sank­tionen gerechnet. Da er nicht studieren wollte, war er aber auch nicht erpressbar. (Das Studium hat er später im Westen nachgeholt.)

Ich selbst kannte damals etliche Leute, von denen ich annehmen durfte, dass sich "VEB Horch und Guck", wie wir die Stasi verballhornten, dafür interessieren würde. Außerdem schmuggelte ich Bücher und Briefe (aber so gut versteckt, dass es zu­min­dest beim Grenzübertritt nie aufgeflogen ist). Ich habe dann schon im Vorfeld dekonspiriert und offenbar ausreichend oft scheinbar naiv dahingesagt: "Ich bin ja mal gespannt, ob und wie die mich ansprechen. Ich erzähl's Euch dann!"

Die Sanktion, die mich traf, war einfach: Ab Sommer 1986 dufte ich mehr als zwei Jahre lang nicht mehr nach Sachsen reisen, nur Tagesreisen nach Ostberlin wurden gestattet. Ich war erst Anfang (?) 1989 wieder in Sachsen. Heute stelle ich alle zwei Jahre einen Antrag auf Akteneinsicht bei "der Behörde", bislang ist die Akte aber noch nicht wieder aus den Reißwolfschnitzeln zusammengesetzt worden.

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Foto: Otto-Heinrich Elias

Sonntag, 4. März 2012

Gott grüß die Kunst ...

... und die freie Presse, hier: Das Haus der "Oberhessischen Presse" in Marburg. (|Sieht so aus, als wäre das Gebäude einst vom Architekt bewohnt worden, er hat Zollstock und Plan in der Hand, oder?|) Die Figur ist der "metteur", einer der Drucker, der die Druckbogen mit dem Stab glattstreicht. (Danke, Heiner!)

Das sind doch mal "richtige" Sonntagsfotos, oder?


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Fotos: C.E.

Samstag, 3. März 2012

Humorvoll dolmetschen

Heute ist Samstag, Zeit für den Link der Woche.

Wovor erschrecken Dolmetscher in der Kabine? Ein Kollege erklärt es prima ... auf Englisch und mit Humor: Hier klicken.

Hier kann gelernt werden, was dying on your ass bedeutet (3'23''). Auf dieser Seite sind noch viele andere gute Filme zum Thema Dolmetschen zu sehen.


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Foto: A Word in your ear/YouTube

Donnerstag, 1. März 2012

Heimspiel!

In der Universitätsstadt Marburg kam ich zur Welt, dort verbrachte ich meine Kindheit. Ab und zu kehre ich in diese schöne Stadt als Dolmetscherin zurück, so zum Beispiel 2001, als ich Raoul Coutard dolmetschen durfte, weil er den Marburger Kamerapreis erhielt.

Freitag erhält Agnès Godard diesen Preis. Sie hat unter anderem viele Filme von Claire Denis fotografiert, für die ich seit Jahren auf der Berlinale dolmetsche. Hier geht's zum Rahmenprogramm der Preisverleihung: die Marburger Kameragespräche, die Freitag und Samstag staffinden, falls jemand in der Nähe sein sollte. Anfang nächster Woche folgt an dieser Stelle auch mein Bericht; später auf www.FranzösischerFilm.de noch ein Portrait der Kamerafrau.


P.S.: Ich bin schon in Hessen, die Mitbewohnerin kümmert sich auch um eventuelle Anfragen an das Büro. Morgen fällt der Blogeintrag aus — wie meistens freitags.


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Foto: hessische Film- und Medienakademie (hFMA)